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Montag, sy. März 1923

173. Jahrgang

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S e glaubte an ein Vermittluirgsersuchen, aber Havas selbst muh heute zugeben, bah Schritt bewußt oder unbctvußt von der französi- fchm Presse ebenfo falsch gedeutet worden ist, wie der Besuch Les deutschen Botschafters am

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6t|ii,eini iöglich, außer Sonn- und feiertags, mit berSamstacsbeilaqe: (Biebener^amilienblctter Monotlicbeveziierpreise: 2850Mark und IbOMark Irägerlohn.durct diePost öOOOMark,ouchbei9licht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- 3 ern|pt cd)- Anschlüsse: für dieSchrist- leitung 112; für Verlag und Geschäfisslelle 51. Anschrift für Drahlnach- ' schien: Anzeiger tdiesjtn.

t ostfcheatonlo: Srantfutt a. HL 11686.

Offiziers erschien. Auf die Au farberu-g des Of izicrs, bas Gevehr adzugeben, giJ bet Ma- ro Lauer einige Schüsse ab. Der Offizier schoß wieder und verletzte den Marokkaner so schwer, bah dieser kurz darauf starb.

Die lliitcrbriirfiinfl der Presse.

fünfter, 17. März. (Wolff.) 3n(Red» linghaufen wurde dieRecklinghause- n e r Zeitung" wegen Ablehnung der Be­kanntgabe einer französischen Verordnung vom 13. März ab bis auf weiteres verboten und der Verleger verhaftet. Die Aufhebung des Verbotes und die Freigabe des Verhaf­teten wird abhängig gemacht von der Unter­zeichnung eines Reverses, in dem sich die Recklinghausener Zeitung" zur kostenlosen Aufnahme sämtlicher französischen Bekannt­machungen usw. verpflichtet. Bei Ablehnung der Unterzeichnung soll der ganze Zeitungs­betrieb beschlagnahmt werden.

Ludwigshafen, 19. März. (WTB.) DiePfälzische Volkszeitung" ist auf drei Tage verboten worden.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmiltag vorher ohnejede l)erbmölid)heit Preis für 1 mm hohe |ür Anzeigenv 27 mm Breite örtlich 80 MK , auswärts lOJtJJlk.; fürReklame» Anzeigen von 70 mm Breite 400 Mk.Bei Platz« vorjchrtzt 20"/, Anschlag. Hauplfchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: ErnstBlumichein; fürden Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in (Biegen.

Ein Musterflück französischer (5'ntstcttnngskunft.

Buer, 17. März. (WTB ) Obe bürgermeister Zimmermann und 6 :ar a f n ir f o Pop­pi n g h a u s, die als Geiseln festrehalten tr/urden. sind gestern abend w e)er f r e i g e l a s - I e n w-orden. General 2 a i g n,e ( o t in Reckling- hausen eröffnete ihnen, die Untersuchung in der Angeleger.h it te; Ermordung der beiden fran- zösisch.n Offiziere hätte ergeben, daß die Be­völkerung der Stadt kein Verschul­den treffe, die Spuren führten nach der Schutzpolizei; die mutmaßlichen Täter seien gefaßt. Gs handle sich um d'.e Kriminal­polizei beamten Dur chhos f und den Elestro- montcur WitterShagen (B.-Pe seien auf dem W '.<e zum Gefängnis in Recklinchhau e r in der R '[p eines F?.i et Wälbchms zwischen Buer und Wst'terholt bei ei. en F u-H.^rrsuch von französi­sch -n @e tbai men erschossen worden. Die wei­te en französischen ®rnrittelun- ei seien dadurch stchc erschwert, würden aCe fortgesetzt.

Diese ftan^öfif Darstellung ist e'n Mei­st e r st ü ck fran; öst sche r V e r d r e h u n g s - k u n st und ein Zeichen de: h'ckslo e'len Verlo<,en- h:it. Einmal sagen die F anzo'en, die Mörder seien tn den Beiden der Schutzpolizei zu suchen, und melden in demselben Atemzuge einen Krimi­nalbeamten und einen Zivilisten, die zur Schupo in keinerlei Beziehung stehen, als Täter. Das Alibi DurHhoff ist einwandsrei sestgeste lt. D^r Kriminalbeamte ^it sich am Morbtage bauernb im Stadtt.il Buer-Erle aiifgef-jtil e t, der vom Tatort m Heere Kilometer entfernt ist. Aach eid­lich n Feststellungen hat ter Beamte von abends 9 itf; ui3 um 11 Uhr in der Wirtschaft F>. sthvf in Bueb-Erle mit mc'h e e i Beamten Siat ge­spielt. Der Monteur Wittershagen hat von der Mordtat erst am folgenden Mordet ersähe en. Wie erinnerlich, wurde ter Kinminalbeamte von den Franzosen festgenommen, weil er von landfremde in Gesindel denunziert worden war, nachdem er sie abe ids nach dem Verlassen der Wirtschaft zur Ruhe gewiesen hatte. Wittershagen wurde verhaftet, weil er das Un­glück 'batte, mit Durchhoff in demselben Hause zu wohnen und dieser sich bei ihm vor den fran­zösischen Häschern versteckt fyat'e Es ist unrich- t i g, wenn die F anzosen behaupten, die beiden seien bei einem Fluchtversuch in dem Wäldchen unweit B'or erschossen Trnri?e r Tatsache ist viel­mehr, daß beide auf dem Platze hinter dem Rat hause durch Kolbenschläge und Gewehrschüsse in bestialischer Weise hingemordet wurden. Die Anwvhrer des Rathausplatzes bezeugen dies einwandfrei.

m (Siehrn 'W (imüher MdelSlevrer. öbllbutioftitälie für Etmleniu Hiaue.

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Mittwoch im Foreign Office Havas stellt die Dinge chrfolg? ci e3 gestern abend aus Wasl ington erhaltenen !< elegramms richtig: Das Staatsdepar­tement fat b [tätigt, daß der deutsch: Botschafts­rat sich zum Staatsdevartement beieben und eine (Rote übermittelt hat, in der die Ansicht der deutschen Rc-g erung klar bargelegt werbe. Es werde offiziell erklärt, bafj diese Rate kein Der- mittlungsverlangen enthält und bah. von den Vereinigten Staaten keine Antwort gefordert werde. Es werde hinzugefügt, bah infolgedessen die Regierung nicht eingreifen, auf die Rote nicht entwerten und ihren Inhatt auch nicht der fran­zösischen Do.schäft nf tteilen werde.

Paris, 17. März. (WTB ) Der diploma­tische Hava s.reda kt eur sch e bt offiziös, c& fei zu wiederholten Malen das Gerücht ver­breitet worden, bah zwischen Deutschland und gewis en ausländischm Regierungen Verhandlun­gen über eine allgemeine Regelung der Repa­rationsfrage im Gange seien, ober alsbald auf­genommen werden sollten. Aus einer Umfrage m autorisierten Kreisen gehe hervor, dast die französische Regierung von te ar.i ea Verhand­lungen keine Kenntnis (xibe. Sie bleibe in dieser Beziehung bei ihrer früher eingenommenen Hal­tung, und werde unter den gegenwärtigen Um­ständen jedes Vermittlungsangebot als unfreundschaftlich betrachten. Se sei auch entfch'oisen, die Sondierungsvers-ache nicht zu berücks chtigen, die seitens mehr oder minder berufener Termitller aus neutralen oder alliierten Ländern etwa bei ihr unte nommen würden. Sie werde nur unmittclba e offizielle Vorsa) äge, die von der deutsche Regierung kämen, in Erwägung ziehen.__

Der unerhörte Vorstoß der Franzosen tm Reparationsausschutz. Berlin, 17. März. (Wolff.) Rach Zeitunas- nachrich'en hat die sranzöfi che Aberd.nung rer Reparationskommiffion fegen bie Aus­gabe der deutschen D o l l a r scha h a n Wesungsanleihe Einspruch erhoben Dieser Einspruch ist ein Vorstoh gegen das Beheben der teutschen Regierung, die deutsche Wahrung zu stützen. Mit diesem Einspruch will man unter dem Vorgehen, die ^te der Reraratwns- kommission zu wahren die deutsche Abwehr ! aktion an der Ruhr zu treffen, indem man behaup­tet, den All irrten stehe auf Grund des Vertrages von Versailles eine General Hypothek über sämtliche deutschen Einnahmequellen zw Gegen­über diesem Ma wver der sranzos.sHen Reglerning must mit aller Deutlich'eit festgestellt teerten, cast die Revarationskommission 9 n r ke l n Rech t rat, bie deutsche Regierung in der Ausgabe von Aw leihen zu behindern. 3m übrigen geh aas dem Anleiheprospekt deutlich hervor dast bieSeDi sen aus dieser Anlei.^ nicht für 2lnsga^n des Reiches Verwendung finden. Sre ce,en m das Eigentum der Reichs bau k zur Bildung ein^ Fonds über, der' lediglich einen Devisen-Aas- gleichssonds darstellt, un) ter bis zur Ruc^ahlung der Dollarschatzanweisungen als solcher erbal e.i bleiben soll. Abgaben aus ihm dürfen nicht ohne Gegenleistung ftattfinben ^^^-A.^M,twl Dollarfchatzanwei.ungen soU die Reichsba..? Mittel in die Hand bekemmen. um das Ergeb .is lh ^ er olareichen M a r k st ü tz u n g s a k 11 o n zu sichern, al o eiE weiteren Währungsverschlech-erung vor- Xuge^f unb ein weiteres Steigen der Preise aas- zuhatten. ber französischen Regierung

gibt erneut ihre wahren Absichten in un- verhüllter Form au erkennen, sie zeigt beutlich dast es chr gar nicht darum zu tun ist. die deutsch Wäb ung gestützt zu sehen, um damit Deutschland reparatimsfähiger machen, sie w ll vielmehr un/er Mistb.auch der Reparationskommission der deut­schen Regierung eines der Abwehrmittel aus der Hand s ch l ag e n Weil ihr gedes Mittel zur Verstärkung ihrer Machenschaften an der Ruhr rech' ist. geht sie über die wiederholt geäußerten Wünsche der Reparationskomnnsswn,

Eine Rede des Reichspräsidenten in Hamm.

Hamm, 18. Märr (Wolsf ) D'r Reichs­präsident, Reich-arbeitsrninister Dr D r a u n s, R ichswir schaftsmin ster Dr Decker, preuhischer Minister des Innern S e v e r i n g und preustischer Handelsminister 6 i e r in g sindzuDe- sprechungen mit den Führern der Dehordei, der wirtschaftlichen Organisationen, der Ge'werkschaf- ten und der Arbeitgeberverbände des Ruhreebie- tes hier cingetroffen. In einer im Lause des Aach- mittagS abgehaltenen, von etwa 1500 D ^girrten und Vertretern des w'.rtschaf lichen und o';sen lichen Lebens des Ruhrgebiets besuch.en Versammlung sprach der Reichspräsident; er ttgle dar, dast Deutschland nicht durch eigene Schuld in die­sen Kamps geraten sei; es habe von den unerträg­lichen Lieferungen des Friedensdikta's erfüllt, was es zu leisten vermocht, und die größten Opfer ge­bracht. um bie rechtlose Besetzung wette-er deut­scher Gebiete zu verhindern; es habe im Dezember in Paris positive, von der gesamten deutschen Volk^w'.r schäft getragene Vorschläge gemacht, btc aber nicht entgegengenommen worden seien.

Co können wir", fuhr der Reichsvräsibent fort,mit ruhigem Gewissen vor aller Welt fest­stellen, dast Deutschland es nicht ist, das biefa Auseinandersetzung verschuldet ober gar versucht hat. Die Unruhestifter, die Schuldigen an diesem Konflikt, der immer weitere Wellen schlägt und heute schon gart» Europa in Mitleidenschaft zieht, sitzen da, too man schon seit Jahr- hundertennachderRheingrenze strebt. Dieser Einbruch eines fremden Heeres in ein

Neue Uebergriffe in Buer.

Du er, 17. ML-z (WTD ) Der verhaf­tete Direktor des Gymnasiums, Ober- stud endirek'vr Prof. Weber u i der Otxbien- rat Reibüter s tzen noch in Haft.

D e Verkehrseinschränkungen wer­den nach w.e vor mit aller Schärfe burchzeführv Seit e n r ganzen Wo-be sind sämtliche Cafes und Wirtschaften ge'ch'o'srn. Auch de Zeitungen sind immer noch verbaten. Dezeichierd ist, dast das Zeitungsverbot u tr folgenden Dedinguagen aufgehoben weder soll: D e Buer sch n ?e tunce.i werden verpflich'et, eiae Erklärung des ®e*e- als Laignelot zu bringen, in der die Entrüstung darüber zum Ausbr.ick gebracht wird, dast von deutscher Seite behauptet werbe, bie Täter seien in der Reihe der franzö­sischen Besatzung zu sichen. S e sollen weiterhin Erklärungen voi den deutscher Zeugen ve-öffent­lichen, d'.e im strickten Gegensatz zu den eidlichen Aussagen stehen, die diese Zeugen vor dem Un­tersuchungsrichter gemacht habe-v Falls d'.e Zei­tungen sich we'gem, die'e Erklärungen zu ver- össentlichm, sollen sie dauernd verboten bleiben. Vorläufig ist das Erscheinwa sämtlichTr Zeitungen unter dem fadensche'n'gen Gru-che an e.lagt, dast c:ne (!) Buers-che Danuckerei sich gewngert habe, Deileidskarten für bie Franzosen zu brücken. Durch biefe Mahnahme soll offenbar der Buer- schm Presse b e Möglichleit genommen werden, über die Mordtat und die durch nichts begrün­deten Repivssalien der 5:an^o''en zu berichten. De Erregung der Devolkerung ist nach wie vor äusterst gtost; das Fehlen der Zeitungen steigert diese noch.

Buer, 17. März. (WB) In einer gemein­samen Aussprache des Magistrats und der Bürger­schaft der Stadt Buer wurde die von den Fran­zosen gewünschte Bildung einer Einwohner- Polizei an S'elle der ausgewiesenen Schupo allgemein abgelehnt.

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Ern Attentat aus Smeets.

Köln, 17 März (W-vsts.) Wie das WTD zuverlässig erfährt, ist Smeets heute abend durch einen Kopfschutz schwer verletzt werden. Sein Sekretär ist tot.

Aach den bishergen amtlichen Feststel­lungen 'hat sich das Attentat auf Sm ets axe folgt abgespielt: Eine bisher unbekannte Person befand sich mit Smeets und seinem Sekretär In dem Privatbureau von Smeets in ue'sen Woh­nung in der Lu remburger Straste. D eie dritte Person 'hat R e v o l v e r schü sse auf Smeets und seinen Sekaeiär ab^eaeben, wodurch der Se­kretär sofort getötet und Snne'.s durch Kopfschuh lebensgefährlich verletzt wurde. Der Täter ist entflohen, es fehlt bisher jede Spur von ihm. Sm^ts wurde ins Augusta-Hospital elnce'iefert und dort operiert. Von der Polizei sind alle Matznahmen zur Ergreifung des Täters getroffen worden.

Köln, 18. März. (Wolfs) Die an Smeets v-orgenommene Operation ist gut verlau­fen. Die Kugel konnte entfernt werden. Der Zu­stand bti Verwundeten ist ernst, doch hofft man. ihn am Leben zu erhalten.

Auf bie Ermittlung und Ergreifung deS Attentäters hat der Regie ungspräfident eine Belohnung von einer Million Mark ausgesetzt. Drei Ceu'e, bie noch am späten Abenb wegen Tatverba,chts 'e'tgenommen würben, mutzten wieder auf fre'e x Fast gesetzt werden, da Ermittlungen ihx-e Schuldlosigkeit ergäbest.

Köln, 18. März. (Wolff) äleber den An­schlag auf Smeets werden noch folge ibe Einzel­heiten berich'-et: Smeets befand sich mit feinem Schwager Kaiser und einem Dureauange- [teilten in einem als Be.lagsbureau der ^Rheinischen Republik' ein e ichieten Raum feiner Wohnung, als gegen 7 U.pr abends ein jun. er Mann Einlatz begehrte. Der ihm öffi e xden Schwä­gerin von Smeets erfiärte er, er wolle Zeitungen häufen. Er schritt aus das Bureau zu, öffnete die Tür und feuerte vier Revolverschüsse a 6, durch die Smeets schwer re.'letzt, Kaiser ge­tötet wurde; der Angestellte entzog sich durch eine Bewegung dem auf ihn abgegebenen Schatz und blieb unverletzt. Der unbekannte Täter zer­trümmerte bann eine Scheibe ber Korridortüre und entwich unbehindert auf die Straste, wo er sofort verschwand.

Von zuständiger preutzischer Sei'e wird zu dem Attentat noch mitge^eilt: Als'er kommt ein junger Mensch in Detracht. der einen her­untergekommenen Eindruck mach e und etioa 27 Zähre alt ist. Die QHorbFommiifion ber Kölner Polizei ist mit der Angele e ch.'it befatzt; es wird von den zuständigen Poli-^ibechörl en alles zur schaellstexi Aufklärung des Falles ge.an.

Ein neuer Mord.

Bochum. 18. März. (WB.) In der vergan­genen Aacht gegen 2>/- Uhr ist in der Herkules­straste in Essen ber Bu chbr ucker Kurt Schulte von französischen <5:[baten durch einen Kopsschuh schwer verletzt worden. Schalte ist heute nachmittag seiner Verletzung erlegen.

Das Eisenbahnunglück bei Friemersheim.

Köln, 17. März. (WTD.) Ein Augenzeuge des Eisenbahnunglücks in Friemers­heim schätzt die Zahl ber Getöteten aus 2 5. Die Zahl der Verletzten scheint auch sehr groh ?u sein. Schrecklich war der Anblick der eben all in groster Za al getötete x unb ver'etzt n Vferbe. Das französische Mi itir ginn, träjxe b deutsche Aerzte die Verletzten verbanden, gegen das Pub'ikum schroff vor und traktierte es mit Kolb^astöh-n.

Plündcrnnqen im Wormser Bahnhof.

Worms a. Ah.» 18. März. Am Sams­tag vormittag besetzten die Franzosen sämtliche Dien st räume des Bahnho­fes und nahmen als ersteAmtshandlung- dte Plünderung aller Behälter und Schränke vor. In den französischen Eisenbahn­dienst traten 30 Deutsche ein, ausnahmslos lichtscheues Gesindel, darunter ein wegen Diebstahls von der Verwaltung fortgejagter Eisenbahner. 1

Ausweisungen.

Mainz, 17. März. (Wolff.) Beim hie­sigen Zollamt wurden weitere sechs Zoll­beamte ausgewiesen. Die Familien müssen innerhalb vier Tagen ihre Wohnung geräumt haben.

Bad Ems, 17. März. (Wolff.) Hier kommen jeden Tag eine große Menge Auws mit Ausgewiesenen, hauptsächlich von der Mosel, an. Die Männer werden stets von Gendarmerie es ortiert, während die Familien allein fahren. Die Wagen der letzteren sind öfters mit Tannengrün geschmückt. Vor eini­gen Tagen wurde ein solches Auw angehal­ten und der Chauffeur verhaftet unter der Begründung, datz die Ausgewiesenen deutsche Verbrecher seien, die keine geschmückten Wa­gen brauchten.

Nkarokkancr-Wrenel in Bad Ems.

Dad ErnS, 17. März. (WTD) In ber Rächt vorn 11. zum 12. März, abends 11 Uhr. Der« la gt em angetrunkene r Marokkaner voi entern Gastwirt Kognak. Dieser würbe ihm verweigert. Er bedrohte darauf die 5.au des Wirtes, die flüchtete und sich einschloh. während der Wirt bie französische Wache zu Hilfe rief, bie bald unter Führung eines französischen

bei denen bie Vertreter der französischen Re- I gierung in erster Linie beteiligt wa.en, unb bie mehr als einmal von ber beutschen Regierung | Matznahmen aus eigener Kraft zur Stützung ber deutschen Währung energisch verlangten, einfach zur Tagesordnung über. Dieser unerhörte Vorstoh, ber sich würdig anreiht an bie Ter­ror- unb Willkürakte im besetzten unb Einbruchs- gebiet, muh bas ganze deutsche Volk zur Besin­nung bringen unb aufrütteln. In dem Willen, ben f ranzösisch-belgifchen Einbruch in ! eutfches Ge­biet abzuwehren, ist bas deutsche Volk einig. Es wirb auch biefem neuen Attentat auf seine einheitliche Abwehrfront burch eine u m s o ftärfere Beteiligung an der An­leihe zu begegnen wissen.

Die das deutsche Gefühl verletzend r Militärkontrolle.

Berlin, 17.März. (WTB) Der in ber gestrigen Wolsf-Avliz erwähnte Schrift­wechsel des Auswärtigen Amt^s mit ber Interalliierten Militär-Kontroll­kommission gipfelt in einem Schreiben vom 7. März, in dem das Auswärtige Amt ben Vorwurf ber beutschen Obstruktion gegen die interalliierte Kontrolle zurückwrist unb mit Beziehung auf seine früheren Vorstellungen gegen bie Deivxnbung französischer unb belgischer Kon­trolloffiziere folgendes ausführt:

Sie Ausführungen meines Schreibens 2 f 504 vorn 16. v. M. können nicht einfach mit dem Be­merken abgetan werden, dah ein derartiger Ge- bankengang nicht zu^elafsen werden könne. Der ©ebantengang muh in der Tat zugelassen werben, ja er muh sich jedem unbefangenen Beobachter geradezu aufbrängen. Aus bem Wunsche heraus, jede irgend vermeidbare Verschärfung zu ver­meiden, hat die deutsche Regierung ihn bisher nur angedeutet. Aachdem Sie indessen erklären, auf Ihrem formalen Recht bestehen zu wollen, sieht sich die deutsche Regierung zu ihrem Be­bauern genötiqt zu erklären, bah sie sich ihrerseits für die restlose Zulassung belgischer und fran­zösischer Offiziere nicht einsetzen kann Jedes for­male Recht findet seine Schranke in dem Rechts- grundsah, dah es nicht vexatorisch, fonbern nur insoweit ausgeübt werden darf, als es zur Er­reichung des Vertragszweckes erforderlich ist, ein Grundsatz, ber nicht nur im Privatrecht, sondern auch im internationalen Recht Geltung hat, und auf den sich auch der Besiegte berufen kann. Der Vertragszweck ist im vorliegenden Falle Sicher­stellung ber Entwaffnung Deutschlands. Dah dieser Zweck übrigens nicht nur nach deutscher Auffassung tatsächlich längst erreicht ist, habe ich an dieser Stelle nochmals zu erörtern. Jedenfalls ist er, soweit man ihn als noch nicht erreicht be­trachten will, nach den Erfahrungen gerade ber letzten acht Wochen genau so gut zu erreichen, wenn während ber gegenwärtigen kritischen Periode im Auhenbienst ber Kontrolle nur eng­lische unb italienische Offiziere verwendet werben. Die Hinzuziehung französischer unb belgischer Offiziere ist zur Erreichung bes Vertragszweckes nicht unerlählich; sie laäuft in ihrer. Wirkung lediglich darauf hinaus, bie Gefühle des deutschen Volkes zu verletzen anddie Gefahr von Zwischenfällen zu Der« grobem, bie bie deutsche Regierung zu ver­hüten bestrebt ist."

Diese Ausführungen, die ben grundsätzlichen Standpunkt ber Reichsregierung feststellen, sind es, aus bie General Rollet unter dem 10. März mit ber Erklärung geantwortet hat, dah er bie Kontrolle am 15. März in ihrem vollen Um­fange wieder aufnehmen lassen werde.

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Deutsche Schritte in London und Washington.

Berlin, 18. März. (WTD.) Wie uns bestätigt wird, ist im Laufe der diplomatischen Unterhaltungen, die in den verschiedenen Hauptstädten seit Beginn der Ruhraktivn ge­pflogen werden, der Standpunkt der Reichsregierung tn den letzten Tagen erneut auch in London und W a f h i n g - 1 o n dargelegt worden. Die Meldung aus Washington, datz «auch diese letzten deutschen Darlegungen weder ein Ersuchen um Vermitt­lung noch sonstige Anträge enthalten haben, ist richtig.

Frankreich und die Dermittlunysgerüchte.

Paris, 19. März (WTB) Die Olbenb- presse beschäftigt s ch mit ber gestrigen halb­amtlichen Erklärung ber französi­schen Regierung, bah sie nur birette offi­zielle Vorschläge ber deutschen Reg-ie ung a.i- nehme. Es kann feinem Zweifel u iterüegen, bah bie französisch' Regierung in bem Augenblick, tn bem s e biere Erklärung veröffentlichen lieh, von bem beutschen Schritt in Washing » 1 o n unterrichtet war, unb zwar offenbar falsch.

GietzeuerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

druck und Verlag: vrühl'fche Univerfftäts-Vuch- und Steinöruderei R. Lanze in Siehrn. Schriftleitung un) Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.