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Selbstversicherungsstock der Stadt.

Der cms dem Rechnungsjahr 1921 für Scha° benfälle nicht gebrauchte Betrag von 19 961 Mk. soll zur Schaffung eines e>elbstversicherungsst)cks in die Dermögensverwallung überführt werden. Der für diesen Zweck im Voranschlag 1922 vor­gesehene Betrag von 50 000 Mk. wird auf 500 000 Mark erhöht und der nach Ablauf des Rechnungs­jahres verbleibende Restbetrag ebenfalls in die Vermögensverwaltung überführt.

Llnterstühungdes Evang. Schwestern­hauses und des St.-Ioseph°Kranken- Hauses.

Beiden Häusern wird eine einmalige Beihilfe von je 100 000 Mk. bewilligt. Der Stadt soll von den Verwaltungen der Häuser eine Lieber- sicht dvrgelegt werden, aus der das« Verhältnis der Kranken aus Dieben zu denen aus sonstigen Orten ersichtlich ist.

Gebührentarif der Dien st männer.

Dem Antrag des Polizeiamts auf Erhöhung der Gebühren der Dienstmänner in der Stadt Dieben um das 20fache der im Januar 1922 fest- gelegten Sähe wird zugestimmt.

Automobildroschkentarif.

Dem neuen Automobildroschlentarif des Auto» mobildroschken-Llnternehrners Schilling wird zu- gestimmt.

S chan kwi r t s!cha f ts-Er lau bn is g e f uche

Befürwortet werden die Gesuche von Heinrich Dechert, Reuen Bare 5, Frau Minna Sol» dan. Reustadt 78, Heinrich Stecken, Eichgär- ten 50 (Liebigshöhe). Richt befürwortet wird Lfls Gesuch von Heinrich D r e m o n d, Steinstc. 76. Erhöhung des Standgeldes auf den

Vieh- und Krämermäckten.

Das Haus beschließt, das Standgeld wie folgt zu erhöhen:

a) auf den Krämer markten: für einen Stand bis zu 3 Meter Länge 100 Mk., über 3 Meter Länge 200 Mk., für einen überbauten Stand bis zu 3 Meter Länge 150 Mk., über 3 Meter Länge 300 Mk., für einen Sack Zwiebeln usw. 30 Mk., für Karussells, Panoramen und dergleichen für den laufenden Meter 100 Mk.:

b) auf den Viehmärkten: für ein Pferd 300 Mk., ein Fohlen 150 R7k-, einen Ochsen 300 Mk., eine Kuh oder ein Rind 250 Mk., ein Schwein 200 Mk., ein Kalb 100 Ml., ein Ferkel 50 Mk.

Die Verwaltung wird ermächtigt, diese Ge- bühren ohne weiteres den jeweiligen Geldwert­verhältnissen anzupassen.

Erhöhung derWochenmarktgebühren

Dem Anträge des Markt-Ausschusses folgend, beschließt das Haus folgende Erhöhung:

für das Verwiegen von Butter: für jedes halbe Kilo 5Mk.

für das Verwiegen von Kartoffeln.

Obst und sonstigen Marktgegenständen: für Kartoffeln in Mengen bis zu

10 Kilo 5 Mk.

für jede weitere angefangene 5 Kilo 5 Mk. für Obst und sonstige Marktgegesv-

stände in Mengen bis zu 25 Kilo 20 Mk. für jede weitere an gefangene 10 Kilo 20 Mk. Das Standgeld für jeben Tag

und jeden in Benutzung genommenen laiu senden Meter Platz 50 Mk.

für den Verkauf von Marktgegenftän- den vom Wagen auS: für jeden Hand­wagen und jeden bespannten Wagen von weniger als 2 Meter Länge 100 Mk.

für jeden bespannten Wagen von mehr als 2 Meter Länge 200 Mk.

Auch hier wird der Verwaltung das Recht erteilt, die Gebühren ohne weiteres den jeweili­gen Geldweräverhältnissen anzupassen.

3n diesem wie im vorhergehenden Falle s Dtlen die Erträge aus den Gebühren nur die tatsäch­lichen Lin kosten der Stadt decken, keineswegs aber Gewinne bezwecken.

Abhitzeverwertung im Gaswerk.

Zur Ergänzung der am 1. Dezember 1922 be­schlossenen Abhitzeverwertungsanlage im Gaswerk

M.41

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

wird

für die städtischen

(Rachdruck v^cboten.)

42. Fortsetzung.

Kugelberg) erhält die 'oeiteren verzinslichen 10 Millionen Mark.

Arbeitsordnung

Genossenschaft noch einen

Baukvstenvorschuh von

Aus- eines

rung der Weganlage und Anpflanzungen ein Kredit von 2 100 000 Mk. bewilligt

Stadtv. S ch w i e d e r bedauert in der spräche, daß man früher der Einrichtung

noch immer etwas zu essen. Wo er's hernahm, fragten sie weiter nicht, er konnte ja aus Steinen Brot zaubern. Lind schlug er mit seinem Stecken an einen leeren Krug, so floh daraus Schnaps, und aus dem Dampf seiner Esse konnte er Ge­sundheit und Krankheit Vorhersagen.

Maria war coortkarg, sie erzählte nicht viel. Sie hätte auch nichts zu erzählen gewuht, selbst wenn Reugierige sie gefragt hätten: wenn sie vom Tal heraufkam, war der Vater immer allein. Rur nachts, wenn sie im Halbschlaf lag, Hörle sie manchmal gedampftes Sprechen: es beunruhigte sie. aber am Morgen war's wieder vergessen. All ihre Gedanken waren in der Mühle, waren da zu Haus Sie war dem Vater dankbar, dah er ihr so häufig erlaubte, hinunterzugehen. Es ver­wunderte sie, dah er es bereitwillig zusagte, wenn sie drum fragte. Sie blieb oft tagelang fort. Wenn es der Müllerin schlecht ging, konnte sie sie gar nicht entbehren. Geduldig sah sie dann auch des Rachts an dem alten Ehebett, hinter dessen geblümtem Kattunvvrhang die Kranke seufzte und sich ruhelos regte. Den Müller hatten sie ausquartiert, er schlief in der Kammer nebenan bei Hubert und Riklas, von wo es nach der großen Mahlstube ging. Darin waren die Gänge gestellt, er hörte das wohlbekannte Klappern, es schläferte ihm die Sorge um seine Frau ein; er schlief so fest, dah er's nicht einmal hörte, wenn einer der Söhne auf polterte, sobald das Läutewerk die Zeit zum Ausschütten meldete.

Völlig angetan wie am Tag, nur den Pfeil aus dem R^t der Flechten gezogen, dah die ihr lang bis tief über den Rücken hingen, und in den großen Filzschuhen des Müllers, damit iyr Tritt leise war, sah dann Maria und wach'.?. Wenn sie ein wenig einzuduseln drohte, fuhr sie doch gleich wieder auf:Wie ist Euch?" Sie war eine aufmerffante Wärterin: sowie die trocke­nen Lappen sich nur ein wenig regten, bot sie gleich einen Trunk an. Dann flüsterte die äfrau:

Krematoriums nicht näher getreten ist. Er spricht für die Errichtung eines solchen Instituts, für das er auch auf starles Interesse aus der LImgegend rechnet. Stadtv. Schmidt vertritt denselben Standpunkt und verlangt, falls ein Krematorium nicht erbaut werden könne, wenigstens die Schaf­fung eines Verbrennungsofens, für den in der Fricdhofskapelle Raum gen g vorhanden fei. Red­ner beantragt, die Daudeputation zu beauftragen, einen Kostenanschlag in der erwähnten Richtung vorzulegen. Bürgermeister K r e n z i e n bemerkt, die Kosten würden sich heute wohl auf etwa 100 Millionen belaufen. Die Daudeputation werde beraten, ob man diese Aufwendung machen könne. Stadtv. Gverz spricht sich gegen ein Kremato­rium aus. allein schon aus Erwägungen hinsicht­lich der Kohlensrage. Stadtv. Dr. Krausmül- l e r bittet, bei der Ausarbeitung von Vorschlägen im Hinblick auf die Finanzlage nur ganz bescheiden in den Plänen zu bleiben. Stadtv. Fischer mahnt ebenfalls, bei aller Sympathie mit der Anregung des Stadtv. Schwieder, hinsichtlich eines Krema- toriumbaues zurückhaltend zu fein.

Die Abstimmung ergibt die Annahme des An­trages Schmidt, und zwar soll mitgeteUt werden, wie hoch die Kosten eines Krematoriums und die eines Verbrennungsofens bei der Anwendung einfachster Mittel sein werden.

Beschaffung eines Leihsarges.

Von der Firma Sehbold in Augsburg soll em sog Leihtarg als Mustersarg beschafft werden. Der dafür erforderliche Kredit von 140 000 Mark wird bewilligt.

Zur Erläuterung der Vorlage bemerkt Bür­germeister Krenzien, der Leihsarg solle den eigentlichen Sarg uinlleiden. Der Letztere werde der Kosten wegen aus ganz einfachem Material bestehen. Bei der Bestattung werde der eigent­liche Sarg in den Leihsarg gehoben und damit versenkt. Dann aber werde der Leihsarg aus der Gruft wieder herausgehoben und so stets bei allen Bestattungen Verwendung finben Die Be­erdigungen würden also insofern verbilligt wer­den. als in Zukunft der eigentliche Sarg nicht mehr aus dem jetzt so teuren Holz zu beschaffen wäre.

Stadtv. Vetters tritt für die Llebernahme der Bestattungskosten durch die Stadt ein und be­hält sich vor, demnächst geeignete Vorschläge zu machen. Bürgermeister Krenzien erflärt, die Stadt werde wohl nicht in der Lage fein, diese Kosten zu tragen. Stadtv. Dr. Krausmüller fragt, wie es mit der üeberlaffung von Holz der Stadt zu Särgen bestellt sei. Wenn die An­gelegenheit auch schwierig fei, so muffe aber doch wohl den Minderbemittelten mit Holzüberlasfung zu Särgen entgegengekommen werden. Die Stadt habe ja genügend Holz. Bürgermeister Kren­zien antwortet, eine Verbilligung von Holz für diesen Zweck fei nicht ins Auge gefaßt worden. Die Anfertigung von Särgen werde Sache der Geschäfte bleiben müffen. Die Abgabe von Holz zu Särgen werde wohl nicht allzu wesentlich zu einer Verbilligung der Särge beitragen, denn die Hauptsache bei der Kostenrechnung werde wohl auf die Ausführung der Arbeit entfallen. Stadtv. Dr. Krausmüller ertlärt, die Be­völkerung werde sich nur sehr schwer an den Leih­sarg gewöhnen. Ihm sei es nicht glaubhaft, daß eine kostenlose Holzlieferung nicht wesentlich zur Verbilligung des Sarges beitragen solle. Stadtv. Schmidt schließt sich dieser Auf­fassung an, ebenso der Stadtv. S ch m a h l, der gleichfalls die Anregung unterstützt, den Minder­bemittelten das HoH zum Sarge unentgeltlich zu

ist eine Dampfturbine von der Berlin-Anh. Ma­schinenbau- A.-G. zu beschasien, für die ein Kredit von 882 200 Mk bewilligt wird, der sich nach glei­tender Skala erhöht.

Friedhof am Rodberg.

Die Abteilung IV des Friedhofes am Rod­berg soll nach dem Plane des Stadtbauamtes vom Dezember 1922 angelegt werden. Für die Ausfüh-

Fr*«

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 15. Februar 1923.

(Fortsetzung statt Schluß.) Aufgehobene Stiftung.

Die im Jahre 1879 von der Stadtverordneten- Dersammlung zur Erinnerung an die im gleichen Jahre stattgehabte goldene Hochzeit des damaligen Deutschen Kaiserpaares errichtete Stiftung zu Gunsten bedürftiger Ehepaare, die ihr goldenes Ehejubiläum erleben, wird wegen Geringfügig­keit und Zwecklosigleit des Stiftungsbetrages aufgehoben. Der Dispositionsfonds des Ober­bürgermeisters wird auf 50 000 Mk. erhöht und der Oberbürgermeister ermächtigt, vorlommenden- salls Eheleuten, die die goldene Hochzeit feiern und bedürftig sind, aus diesem Fonds eine Zu­wendung zu gewähren.

Beiträge

zu gemeinnützigen Vereinen.

Der Jahresbeitrag an den Fulda-Lahn- Kanalverein wird für das Kalenderjahr 1923 von 5000 Mk. auf 15 000 Mk- erhöht. Dem hie­sigen Lesehallenverein wird der bare Jahres» b itrag für das Rechnungsjahr 1922 von 40000 Mark auf 200 000 Mk. heraufgesetzt. Dem CBer» ein für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik wird für das Kalenderjahr 1923 ein Beitrag t >n 2220 Mk. gewährt. Als 2. Rachtragsumlage für den Deutschen Städtetag werden 27 200 Mk. bewilligt.

Fremdenabgabe.

Die Ortssahung über die Erhebung einer Fremdenabgabe in der Stadt Gießen wird bin- s'chtlich der Höhe der Abgabensähe zett- entsprechend geändert. Die Abgabe beträgt künftig 20 v. H. des täglichen Zimmer- oder Wohnungspreises. Die unterste Grenze des ab­gabepflichtigen Betrags wird auf 100 Mk. fest­gesetzt. Der Finanzausschuß erhält das Recht, all- monatlich entsprechend den Geldwertverhältnissen die Abgabe neu sestzusetzen.

Freiwillige Sanitätskolon ne.

Der Freiwilligen Sanitätstolonne vom Roten Kreuz wird vom Rechnungsjahr 1922 ab ein jähr­licher Zuschuß von 50 000 Mk. einschließlich Ersatz der Prämienkosten für die Llnsallversicherung und der Kosten für die erhöhte Depotmiete bewilligt.

Angenommen wird hierzu noch ein Antrag des Stadtv. Schmidt, nach dem die Scmitäts- krlonne verpflichtet sein soll, in jedem Falle ihre Hilfe zu gewähren, atch wenn der Hilfe- fucher die Kosten nicht bezahlen kann. In solchen Fällen sollen die Kosten auf*bie Stadtkasse über­nommen werden.

Baugenossenschaft 1894.

Der Baugenossenschaft 1894 werden für die fm Bau begriffene Siedel rng an der Licher Straße weiteie Bautostenvorschüsse von 12,5 Millionen Mark auf die von der Stadt zu übernehmenden unrentierlichen Baukosten bewilligt. Für den 3. Bauabschnitt an der Licher Straße (Straße am

WW, 1 Gram- movhon, 1 Mesier- vutzniaschine. eine Wringmaschine uitu-

Die Bmlelgmma findet stall:

Montan, IS.Aebr., oachlnittaitsrudl, [ int groß. Saale des

CasSLcib.Wa'lior : strahe 3S pünktlich and bestimmt. lMD

L. Mthost fltridjtlid) becib. Tarator u. Auk» tionawr.

Wer erteilt abends Fortgeschrittenem spanische» Unkmdii

ein guter Junge war, das wußte sie langst, und , daß er nun die Maria, die Tochter vorn Schmr^> I- zu Krinkhof, lieb hatte, das wußte sie auch.

Sie hatte nichts gegen das Mädchen; das war swar arm, aber seit das öfter herunter kam, um lhr in der Wirtschaft zu helfen, setzte sie die

Unter dem McheMsilin

Roman von Clara Viebi^.

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Arbeiter.

Die mit Ermächtigung des Dorschlagsaus- ichusfes am 15. Rovember 1922 abgeschlossene Ar­beitsordnung für die städtischen Arbeiter wird ge­nehmigt und die seitherige Arbeitsordnung mit Wirkung vom 1. Januar 1923 außer Kraft gesetzt. Der Abschluß der neuen Arbeitsordnung ist im Einvernehmen mit der Arbeiterschaft erfolgt.

Aufgaben des Schulvorstandes werden im Interesse einer Vereinfachung des Ge­schäftsganges dem Stadtschulamt übertragen. Es handelt sich hier lediglich um eine Veränderung Der Zuständigle.t für Entscheidungen, also um eine rein verwaltungstechnische Maßnahme.

Ober hessisches Museum.

Ein für die Verstärkung der (Sifcngittcr der beiden Dop'-clsenster am Porzellans aal des Ober- hessischen Museums erforbortießer Kredit von 50 000 Mark wird glatt genehmigt.

»AlMss

S.K1 Mta 71-, beste Qoal,. Mttdem: 1 bochs. mth0Smifinncel i)L?elLQnbctt Jlöbel, at6: fomni Be"e»,ris»,.Ä i bmI0, Sviegel.

1 vooiograpbthflDp., ferner: verschiedene Herrenaorüne.gut erbah 2 leb. Reise- koffer.Damenklcider Belize,ige u. sonst. Hank» und Küchen» aeräte, sotvie ein komvI.Wirtsdüfctt, 1 Häckselmaschine, 1 Nollicil, 1 8im- mevofen, ISbraufcn«

Zeit, sie fühlte sich oft seltsam müde. Im nahen Bertrich gab es eine Heilquelle, sie hatte die Bäder gebraucht, die vor Jahren viel besucht worden waren: sie erinnerte sich der Zeit, da der Kurfürst von Trier dort alljährlich zur Kur war. Die warmsprudelnde Quelle, die jetzt ver­ödet lag, denn es traute sich wegen der Llnsicher» heit niemand von weiter her, hatte ihr aber keine Heilung gebracht; die war für andere Leiden, ihr faß die Krankheit am Herzen Ihre Füße waren ost so geschwollen, daß sie mit Mühe aus dem Bett zu ihrem Fensterplatz kommen konnte. Ein Glück, daß sie die Maria hatten! Die war immer zum helfen bereit. Wenn die Frau sich dann bei ihr bebaitfte, zog's wie ein erhellender Schein über das immer ernste dunkle Gesicht.

Warum war das Mädchen so ernst, oft bei­nahe finster? Es war doch noch jung und hübsch und gesund. Die Müllerin fragte sich's und sprach auch mit dem Martin darüber. Es war das ein­zige, was sie an Maria Rikolai auszusehen hatte.

..Sie hat keine Mutter mehr," sprach der Sohn und sah die seine liebevoll an. Lind ihr Vater wqr ein seltsamer Kauz, in dessen Rähe es einem nicht wobl werden tonnte.

Es war dem Schmied eigentlich nichts Liebles nachzusagen, unb doch wurde jetzt manches über ihn geredet. Da oben in seiner Hütte war's nicht geheuer, man sah welch: hineingehen, die man nicht faimtc, und sah sie nicht wieder heraus- Eommen. Rikolai mußte allerlei Leute bei sich beherbergen, die einen Llnterschlupf suchten. Aber wenn der Schmied nach Dorf Bertrich hinunter- kam zu seinem Freund, dem Metzger Bruttig, dann getraute sich doch keiner, ihn zu befragen. Der große Mann ging so auf gereckt und sah so abweisend aus mit seinen schwarzen Augen und dem langen Bart. Die Krinkhvfer oben aber schworen aus ihren Schmied. Der war ihr Doktor und auch sonst ihr Helfer: wenn in keiner Schub­lade mehr Brot war, dann fand sich bei ihm

MU MU

Der Herbst war gekommen mit vielen Farben, et machte bi.? kunterbunte Welt auch äußerlich bunt. Trotzdem nicht heiterer. Es wurde früh kalt. Als unten an der Mosel Reifnächte die Blätter versilberten. die die Sonne am Mittag noch einmal grün küßte, war im Koirdel und auf dem Plateau der Eisel schon Frost. Hungrige Krähen zogen in Scharen über die 5>ä uferleere und krächzten die grauen Mooszipfel an, die den verwitterten Tannen wie^e um dre Gesichter wehten. Hustend strich der Fuchs durch den Wald, und die Wildsauen wühlten nach den letzten Von den einsamen Kohlenmetlern flieg kerzengerade, blau und werthrir sichtbar, der Rauch jetzt in die dünn gewordene Luft. An einsame Höfe zog sich das Wild heran.

Die alte Frau in der Lleßmühle konnte von ihrem Fensterplatz die Rehe zählen, die im Abend- fitCf schatten aus dem Wald herunter zum Brückchen Siadttncdivi 1aaum^ i>r Martin ihnen einen Futterplatz snnataa ' eingerichtet hatte mit Roßkastanien und Sjeu. Und s°n flip Ul 1!S dann läch?lte sie vor sich hin: daß ihr Jüngster - ---------,nn"" unb

HZAr t

ihr in der Wirtschaft zu helfen, setzte )te oje lini RfiPkMIl Tüchtigkeit dieser jungen Arme hoher ein als WpR Geld. Was war Geld heutzutage? V^nn man LfMdEbk. öie Taler im Strümps aud> untern Strohsack ver- barg, das Diebsgesindel, das jetzt umherstrrch, ffllltTOO®'" . sand sie auch da. Man mußte ja zittern, wenn 1' man Bargeld im Hause hatte.

Die Müllerin hatte stark gealtert in letzter

Samstag, (7. $ebruar (92?

geben. In demselben Sinne äußern sich noch bU Stadtv. Haupt und Maier.

Kredit für Erhöhung der städtischen Arbeiterlöhne.

Für die feit 31. Dezember v Is. eingetretenen Lohnerhöhungen wird ein Kr^sit von 135 700 000 Mark bewilligt.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Räuberischer Lleberfall emeS Postamts.

Berlin. 15. Febr. (WLD.) Heute abend hielt vor dem Postamt i n T e 11 o w ein Auto­mobil, dem ca. 7 bis 9 junge Burschen entstiegen, die sich sofort in das Postamt begaben und Dort mit Armeepistolen die anwesenden Damen in Schach hießen. Um sich unkenntlich zu machen, hatten sie schwarze Masken vor das Gesicht ge­bunden. Sie raubten die Bestände an Brief» und OAcrtmarken im Betrage von etwa zwei Milltonen Mark. Um eine Benachrichtigung der Polizei zu verhindern, hatten sie die Fern- sprechleitungen zerschnitten Obwohl man die Post- verwaltungen in den umliegenden Ortschaften be­nachrichtigte, konnten die Täter nicht mehr gefaßt werden.

Max Holz.

B er l i n. 16. Febr. (WTB.) Wie der Amt­liche Preußische Pressedienst von zuständiger Seite erfährt, ist von mehreren Personen der Versuch unternommen worden, den (Strafgefangenen Max Hölz z u befreien. Personen waren in das Gefängnis eingedrungen, hatten den Wäner an der Pforte überrumpelt und ihm die Schlüssel ent­rissen. Durch das Dazwischentreten anderer Be­amten wurden jedoch die Eindringlinge an der Ausführung des Planes gehindert . Jedoch gelang es ihnen, unerkannt zu entkommen.

Schwere Sturmkatastropheu.

Reuhork, 16. Febr. (Wolff.) Die Ver­einigten Staaten werden von schweren Stürmen heimgesucht, die zu Lande und ?,u Wasser großen Schaden mrrichten. Mehrere Schiffe sind gestrandet, oder in Seenot. 'Das HvlzschisiMika" ist bei Kap Flattery ausge­brannt, die Besatzung ist gerettet. Ebenfalls bei Kap Flattery ist dem Vernehmen nach der bri­tische DampferDuncan Prince" mit 40 Mann Besatzung untergegangen. Er sandle gestern nach­mittag folgenden Funkspruch:Schiffbruch, wir ertrinken." Der italienische DampferMocensio" befindet sich 15 Meilen östlich Kap Lenny (Vir­ginia) in sinkendem Zustand. Weite Landesstrecken litten durch starke Schnee stürme, die eine Anzahl Menschenleben forderten. Der Eisenbahn- und sonstige Verkehr ist behindert.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Gießen. Sonntag, 18. Februar (Invokavit) Stadtkirche. 9'/,: Psi'. Becker 11: Kinderk. der Markusgem. Psi.' Becker, 6: Psi. Mahr. Beichte und Feier des Abendmahls für Matth.- und Markusgem. Donnerstag, 22. Febr. 8: Bibelst. f. d. Markusgem. IohanneSkirche. 9'/,: zugl. Militärgottesd. Psi. Ausfeld, 11: Kinderk. f. d. Iohannesgem. Psi. Ausfeld, 6: Psi.Bechtolsheimer Beichte und Feier d. Abendmahls für Lukas- und Iohannesgem. 8: Dibelbespr. i. Iohanness. Psi. Mahr. Mittw. 21. Febr. PasstonsgotteSd. Psi. Ausfeld. Mrchberg. Volksopfer. Lollar. l/2 Llhr. Daudringen. l/3 Llhr. Wieseck. 10 Llhr.

Katholische Gemeinden.

Gießen. Samstag, 17. Febr. 5 u. 8 Beicht. Sonntag 18. Febr. 6' 2 Beicht, 7 Messe, Komm. d. Jungfrauen u. Hausangest., 8 Komm., 9 Hochamt m. Pr., 11 Messe m. Pr., 4'/. Vers. d. Iungsi. u. Haus­angestellten, 57, Christen!, u. fakram. Bruderfchafts- andacht. Sich. u,8 u. 7.3 Llhr. Hungen. ',,10 Llhr.

Erhältlich in Apotheken. Risch u.vor- züglichwirk. 2712c

Merci und drückte ein wenig die Hand, die in scheuer Zärtlichkeit sie leise zu streicheln wagte.

Ach, keinen Dank! Maria empfand es wie ein Glück, baß. sie hier sitzen durste und die Mutter des Martin pflegen. Wie wann faß sie hier, wie geborgen an diesem Bett, in dem einst der Martin geboren worden war an einem Sonntag. Ein Sonntagskind, auf Martinitag: seine Mutter hatte ihr das erzählt. Träumerisch sah sie ins Dunkel der Stube hinein, dem ein winziger Docht, auf einem Gesäß mit Oel schwim­mend, einen ganz kleinen Schimmer von Beleuch­tung gab Ob es ihr wohl vergömtt axir, auch einmal in solch einem Bett zu liegen? Das müßte schön sein! Sie seufzte bang-selig: der Martin hatte sie lieb Oh, der Martin, der Mar­tin! Es wallte auf in ihrem Blut. Gestern abend, als er der Mutter gute Rächt gesagt, hatte er-sie an sich gezogen hier hinter dem Vorhang er war nicht so schüchtern mehr er hatte sie an sich gepreßt mit aller Kraft, und sie hatte nicht widerstehen können, und sie hatte ihn wieder geküßt und wieder. Oh, dec Martin, der Martin! Ob er jetzt droben in feinem Kämmerchen auch an sie dachte, wie sie hier unten an ihn? Oder ob er schlief? Wenn sie jetzt hinausichliche zum Taubenschlag kein Mensch würde sie hören sie würde sich über ihn beugen, die Hand fest auf seine Augen legen:Wer ist da?" Der Mar­tin würde auffahren, sie an sich reißen, sie gar nicht mehr lassen. Es durchschauerte sie. 2lbe nein, das durfte nich' sein! Er war zu schade für sie, er mußte sich einmal eine wählen, die rein war an. Leib und an Seele. Ein bitteres Gefühl flieg in Maria auf, alles bang-selige Glück war entschwunden. Sie fließ einen Seufzer aus, der, ohne daß sie es wußte, laut durch die Stube zitterte.

(Fortsetzung folgt)

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