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Nr. 62

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mit derSamslagsbeiloge: EietzenerFamilienblälter Wonotlichevezuorpreife: 2850 Mark und 150Mark 5 rögerlohn,durch dicPost 2000Mark,auchbeiNicht» erscheinen einzelner Num» mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprcch. Anschlüsse: für dieSchrift. leilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drohtnach« richten: Anzeiger Liehen.

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Mittwoch, H. März 1923

175. Jahrgang

GiekenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvS vnd Verlag- vrvhl'sche UniverfftSts-vuch- und Sfeinörudctei R. Lange in Sietzen. Schristleitnng und Seschäsirftelle: SchnIItratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigeno 27 mm "Breite örtlich 70 Mk., auswärt» 80 MK.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 300 Mk.Bei Platz. Vorschrift 20^/a Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beil, sämtlich in Bietzen.

Erzbischof Söberblom über den Ruhreinfall.

In Stockholm tagt zur Zeit der Zwölfte allgemeine Kirchenkongreß, woran außer Vertretern Finnlands, Estlands, Lett­lands, Norwegens, Dänemarks, Schottlands, Deutschlands (Generalsuperinlendent Kaftan und Freiherr v. Pechmann) 2 bis 3000 schwe­dische Priester und Laien teilnehmen. Erz­bischof Söderblom hielt bei der Cross nungsfeier in der überfüllten Dlasieholms- kirche eine große Rede und ging hierbei auch auf die gegenwärtige europäische Krise ausführlich ein. Seine Ausführungen verdie­nen umso größere Beachtung, als die furcht­baren Vorkommnisse in Buer alle Welt er­neut in Schrecken über die Roheit des fran­zösischen Militarismus gesetzt haben werden. Die viehische Hinschlachtung unschuldiger Menschen ohne irgendwelche Untersuchung und Feststellung wird nachhallen in die ganze nächste Zeit. Söderblom ist ein Sprecher und Vertreter der gesitteten Welt.

Soll die Politik nicht von der Kanzel aus- geschlossen sein? Gewiß! Aber es gibt in der Politik Dinge, die kein Prediger ohne Heuchelei und feige Glaubens'osigkeit gegenüber unferm Herrn mit Gleichgültigkeit und Schweigen über-- geben kann. Rach dem Frieden krampften sich unsere Herzen angesichts der Wirkungen der DloLade zusammen, als Millionen unschuldige Ki der und Fr-auen, Greise und Krank: in Mittel- und Osteuropa gepeinigt wurden und drm Hunger und der Kälte erlagen. Ihr stiller Schmerz, all ihr Hammer schreit gen Himmel über eine Schuld, deren Wiedergutmachung nach den prophe iichen Worten des englischen Bischofs mehrere Genera­tionen erfordern wird. Als die BlvcLadr dann aufgehoben wurde, trat die schwarze Gespenster- kammer in die Erscheinung, die in Europas Mitte eingerichtet wurde. Die farbigen Rassen haben von bem weißen Mann" verschiedenes zu fordern. Es ist sonderbar, daß der Rückschlag zuerst eine Ration fühlbar trifft, die an den großen Kolonial- erobcrungen nicht beteiligt war, Die nie Sklaven­handel betrieben, aber die evangelische Mission begonnen hat. Was französische, englische, ameri- "a ilche Augenzeugen nb>r zuverlässige ynryir-t teiische, ja vielleicht ursprünglich Deutschland ab­geneigte Besucher aus neutralen Ländern nach Wochen- und monatslangen sorgfältigen ilnter- suchungen berichteten, müssen wir glauben. Dort herrscht Terror, Verdächtigung. Angst davor, über die Greigaisse auch nur zu flüstern, ei Terror, der den im Zarenreich oder den von Bolrikows Regime in Finnland bekannten über-- * ißt. Die Menschen fühlen sich stets mit einem Fuß im Gefängnis stehen. Seele und Körper werden angesteckt. Aber das schlimmste ist, daß während dieser Hahrs eine junge Generation em: erwuchs, die ihr ganes Leben Ian; de D:- le.digungen und Demütigungen, die durch Hunger und Entsagungen noch verstärkt wurden, nicht vergessen kann. Die fremden Herren entfalten inmitten eines verhungerten und sterbend n Volkes einen maßlosen Luxus auf dessen Kosten.

Ist jetzt Friede oder Krieg? Das ist schwer zu beantworten. Der Kampf zwischen der Gewalt, ausgerüstet mit den hervorragendsten Erzeugnissen der Wasfentechnik, und der Geduld der Entwaffneten und Wehrlosen ist ungleich. Brot, Milch. Kohle die Familien, Kinder und Erwachsene einer nach dielen Millionen zählenden Bevölkerung notdürftig nähren und wärmen sollen, Seinen, das Säuglinge und Kranke entbehren müssen, viele tausende Heime und Anstalten der Liebcstätigkeit für Greise. Krüppel. Invaliden und Kranke werden für Truppen, Offiziere mit Begleitung, die viel Raum beanspruchen. und für verschiedene Lokale und Dinge beschlagnahmt, die man nicht gern nennen will. Verheiratete Frauen und erwachsene reinherzige Mädchen werden ent­ehrender Behandlung unterworfen. Famstien wer­den aus ihren Heimen verjagt oder zusammen­gepfercht. Die Hungersnot und der W o h- nungsmangel, die schon schwer genug Jinb, werden systematisch verschlimmert. In einem über­völkerten Industriegebet, wo enge Arbeiterwoh­nungen dicht beieinander liegen, wird zur Win­terszeit eine ganze Armee mit Artillerie, Tanks, Flugzeugen und allem, was zur modernen Kriegs­kunst gehört, einquartiert, eine Armee, die viel größer ist als die Heeresmacht des ganzen Deut- schien Reiches. Kriegsgerichte fungieren in der Friedenszeit. Beamte und Privat­leute werden ins Gefängnis geworfen, erleiden vielleicht Mißhandlung und Ars- Weisung in brutaler Form, nur, we-il die den Gesetzen ihres Landes gehorchen und keinen Lan­desverrat begehen wollen. Hunderttausende von Arbeitern werden in Friedenszeiten tzazu ge­zwungen, Treu and Glauben zu brechen and frem­den Herren Sklavendienste za leisten. Kön­nen wir verstehen, was das für Menschen be­deutet, die an Recht, Schuh ind Sicherheit ge­wöhnt und von strengem Ehrenb-griff gegen­seitiger Verantwortung, Daterlandsge,uhl ^und persönlicher Selbständigkeit beseelt fmb, Willkür zu unterliegen und Schmach und Strafe zu er­dulden, weil sie das nicht verraten wollen, was für sie heilig ist? ' .

Wehe den Besiegten, vae victis, lautet das alte Wort, das sich jetzt bitter bewahrheitet. Aber es muß ergänzt werden durch vae yictonbus, wehe den Siegern! Tlebermut und Versuchungen, die der Sieg leicht mit sich führt gefährden sie. Im Gefühl der eigenen Machtvollkommenheit ver­gißt man leicht, was Lassalle zu Bismarck sagte: Bajonette sind zu vielem nützlich, aber man kann

sich nicht auf sie sehen. Jahr um Hahr Demüti­gungen ohne Ausbruch der Verzweiflung zu er­tragen, ist mehr, als Menschen vermögen, und doch geschieht es. Jetzt gilt es, einen Sieg ohne Waffen, oder richtiger gesagt, ausschließlich durch die Waffen der sittlichen Kraft und des Friedens, durch Selbstzucht, Rervcn, Geistesgegenwart und Aushalten gewinnen. Das ift*eine noch größere Kraftprobe als die Mühen des Krieges, und wird durch Hunger, Gefängnis und Entbehrungen erschwert. Aber es wird noch mehr erschwert durch die moralischen Erschütte­rungen, deren Folgen während des Krieges bl> unruhigend genug bis zu unserm neutralen Land fühlbar wurden, die in Mitteleuropa aber eine sittliche Katastrophe herbeiführten, die tt>ir_ nicht fassen können. Polizisten, friedliche Fußgänger, private Bürger, Beamte, Familien müssen Be­leidigungen, Uebergriffe und Gewalttaten er­dulden. Man braucht nicht zu glauben, daß dies nach der Vorschrift der Bergpredigt geschieht, die andere Wange darzubieten, wenn man auf die eine geschlagen wird, sondern es ist der einzige Ausweg für eine hochkultivierte, denkende Be­völkerung, sich selbst zu behaupten und keinen Anlaß zu noch schlimmeren Maßnahmen zu geben. Es geschieht mit zusammengebissenen Zähnen. Die älngleichheil des Kampfes und die unnatürliche Beherrschung laben die Gemüter mit Sprengstoff. Die Menschheit geht oft in Blindheit und Wahn- Witz Wege, die zum Tode führen. Sie muß stehen bleiben, sich besinnen und einen andern Weg einschlagen.

Die Vorgänge in Buer.

D e r l i n, 13. März. Wie die Blätter aus Buer melden, ist die vergangene Rächt ruhig verlaufen. Von den Franzosen wurde eine außerordentlich scharfe Verkehrs­sperre ausgeübt. Die ersten beispiellos schar­fen Verordnungen des Kommandierenden Ge­nerals find durch mildere ersetzt worden. Vor dem Rachaufe Habern die Franzosen sechs Tanks aufgefahren.

D u e r, 13 .März. (WTB.) Anläßlich der Erschießung der beiden französischen Offiziere hat der Ortskommandant von Buer die Stadtverwaltung aufgefordert, sofort eine neue Polizei zu schaffen. Damit'ge­ben die Franzosen selbst zu, daß sie mit der völligen Fvrtschaffung der Schutzpolizeibeam­ten einen nicht wieder gutzumachenden Fehler begangen haben. Die Bildung einer neuen Polizei stößt auf außerordentliche Schwierig­keiten, da geübtes Personal nicht vorhanden und die noch vorhandene Kriminalpolizei we­gen der Ermordung eines deutschen Kriminal­wachtmeisters durch die Franzosen nicht ge­willt ist, sich der Lebensgefahr auszusetzen.

Eine Stimme erwachender Vernunft in Frankreich.

P a r i s. 13. März. (Wolff) Die3 o u r n e e Industrielle" erblickt in den blutigen Vor­fällen in Buer, in demselben Maße jedoch auch in der Reise Poincarös nach Brussel sichere An­zeichen, daß der Kamps zwischm dem französischen Druck und dem deutschen Widerstand sich zu einer außerordentlichen Spannung ent­wickelte. Die ausländischen Zuschauer, die durch keine persönlichen Leidenschaften verwirrt seien, gäben zu, daß Frankreich die besseren Aussichten habe, sie seien aber auch der Ansicht, daß es sich hier um kein Spiel handle, und daß der Gegner, bevor er kapituliere, über Frankreich schwere Er­schütterungen heraufführen könne. Als erster schwa­cher Punkt der französischen Stellung erscheint dem Blatt die Leichtfertigkeit eines Teiles der öffentlichen Meinung. Die zweite wich­tigere Schwäche erblickt jedoch die3oumee In­dustrielle" in der wachsenden Teuerungin Frankreich, die über Rächt wirtschaftliche Stö­rungen, eine mehr ober minder oberflächliche Agi­tation und moralische Riedergeschlagenheit in ter Haltung Frankreichs gegenüber den europäischen Fragen in der heutigen Gestalt zeitigen würde. Wenn die Elite der Produktion und des Handels, so mahnt das Blatt, die Dinge treiben laste, werde sie das Land nicht allein einer kostspieligen ge­fahrvollen Verlängerung des außenpcli ischen Kon­flikts, nicht nur einer sozialen Agitation, die in jeder Beziehung bedauerlich sei. sondern auch einer nahe bevorstehenden Wirtschaftskrise aus­setzen, die viel schwerer und tiefergehend als die auf Grund der Preisdesia t ion im Zähre 1920 ein - getretene sein werde. Man habe es zur Zeit in Frankreich nicht mit einer bloßen Währungsinfla­tion zu tun, die sich eines Tages beseitigen ließe, sondern mit einer Verteuerung der Werte an fick. Die sich daraus ergebende Hausse der Gestehungs­kosten sei, das dürfe man nicht vergessen, eine fran­zösische Eigentümlichkeit. Damit sehe man die fran­zösische Produktion der Gefahr aus, eines Tages völlig wehrlos vor der Konkurrenz des Auslandes dazustehen. Zum besseren Verständnis bie'er Aus­führung muß bemerkt werden, daß die Presse ge­stern ben Teuerungskoeffizien'en für die Großhan­delspreise veröffentlichte, die für Februar ein noch sprunghafteres Anwachsen als für Januar auf­weisen.

Paris, 13. März. (Wolff.) Der so­zialistischePopu! aire" schreibt zu den Vorgängen in Buer, Blut sei geflossen und es werde vielleicht noch mehr Blut flie­ßen. Der Haß, der ungeheuerlich wilde Haß. der dem Frieden den Weg versperre, werde die Menschen und Volker noch mehr gegeneinan­

der aufhetzen. Das sei das Werk Poin- c a r 6 6 und der Reaktionäre aller Lager. Kei­nerlei vernünftige Losung der von dem Kriege aufgeworfenen Fragen stehe in Aussicht, son­dern die Atmosphäre werde immer drücken­der, werde immer mehr vergiftet durch all das, was die armselige Menschenrasse an gemei­nen Instinkten, an physischen Brutalitäten und moralischen Häßlichkeiten noch aus den fernen Zeiten der primitiven Barbarei mit sich schleppe.

Eine Protestnote wegen der Vorfälle in Buer.

Berlin, 13.März. (WTB.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris wurde beauftragt, der französischen Regierung eine Rote zu überreichen, in der es heißt:

Der Kommandierende General des 32. fran­zösischen Armeekorps hat wegen der Tötung von zwei französischen Militärpersonen in Buer ben Oberbürgermeister als Geisel festneh­men lassen und dem Magistrat amtlich bekannt­gegeben, baß der Oberbürgermeister ohne Ur­teil erschossen werben würde, falls weitere Gewaltakte an Franzosen verübt würben. Er hat außerdem gegen die Stadtbevölkerung selbst die schärfsten Repressalien angeordnet, denen bereits eine Reihe Einwohner zum Opfer gefallen ist. Obwohl im Augenblick die amtlichen Berichte über die Einzelheiten noch ausstehen, kann schon jetzt feftgeftellt werben, daß mehrere Personen erschossen oder verwundet worden sind. Rach ben Melbungen der örtlichen deutschen Behörden steht keineswegs fest, daß Deutsche an der Tötung der beiden franzcffischen Militärpersonen überhaupt beteiligt sind. Die Maßnahmen, wie sie jetzt von dem französischen General in Buer durchgeführt oder angebroht werben, sind lediglich dazu angetan, die Bevölke­rung zur Verzweiflung zu treiben und unab­sehbares Unheil heraufzubeschwö­ren. Wenn der französischen Regierung noch daran liegt, dies zu verhüten, so ist eS ihre, Pflicht, dem Vorgehen der militärischen Befehls­haber Einhalt zu gebieten, da die Verantwor­tung für alle Folgen sonst auf sie allein und nicht auf die deutsche Regierung oder auf die deutsche Bevölkerung fällt.

CFin Teleqramm des Reichspräsidenten.

Berlin, 13. März. (WTB.) Der Reichs­präsident richtete an den Magistrat der Stadt Buer folgendes Telegramm:3n tief er Em­pörung über die unerhörten, un­menschlichen Bluttaten desfranzösi- schen Militärterrors gegenüber den fr et­lichen, schuldlosen Bürgern 3)rer Stadt bitte ich Sie, den H i n t e r b l i e b e n e n ber so grausam Ermordeten meine herzlichste Teilnahme zu üo.r* mit'-eln. Es wirb alles geschehen, um von den betroffenen Familien materielle Rot fernzuhalten."

Der Kohlenversand im besetzten Gebiet.

Berlin, 13. März. (Wolff) Der Reichs- krmrnissar für die Kohlenverteilung teilt mit: Durch eine neuere Bekanntmachung der Inter­alliierten Rheinlandkommission wird den Verbrauchern im besehtenGe- biet empfohlen, Aufträge auf de Zufuhr von Brennstoffen unmittelbar an die Bergwerke zu erteilen. Für diese von der Rheinlanbkorn- missivn zu genehmigende Lieferung wird jede Verkehrssreiheit in AussiHt gestellt. Die De- sahungsmäch'.e werden mit b'e'em Versuch, in der Rotlage, die lediglich sie selbst verschuldeten, den Rettungsengel zu spielen, keinen Erfolg haben. Rur durch die allgemeine, unbedingte Freiheit ber Verkehrswege kann d e Kohlenve.sorgung des attbesehten Gebietes weder in Ordnung gebracht werden. Auf Sonderbewilligungen ber Besat­zungsmächte hin wirb weder deutsches Schiffs­personal über den militarisierten Rhein, noch deutsches Eifenbahnpersonal über militarisierte Bahnstrecken Kohle befördern: auch wird der deutsch'. Bergmann keine Kohle fördern, wenn die Besatzungsmächte etwa selbst ben Transport über­nehmen wollen. Im übrigen wurde den Zechen des besetzten Gebietes ausdrücklich vom Reichs- kohlenkommis'ar unter Strafandrohung Verboten, Sendungen über militarisierte Strecken und un­mittelbare Aufträge von den Verbrauchern, abgesehen vorn Landabsatz ohne besondere Ge­nehmigung auszuführen.

Die Mafsenansweisungen.

Bochum, 13. März. (WTB) Der Komman­dierende General der 128. Division hat an den Bürgermeister in Essen ein Schreiben gerichtet, wonach auf Befehl des Kommandierenden Gene­rals der französischen Rheinarmee alle Fa - milien (Frauen und Kinder) der durch die französischen Behörden ausgewiesenen S ch u tz p o l ize ib e a m t en die besetzten Ge­biete innerhalb von acht Tagen ver­lassen müsse»..

Redakteur Nohascheck zu einem Mouat Gefängnis verurteilt.

Mainz, 13. März. (WTB.) Der verant- wörtliche Redakteur desMainzer Anzeigers", R v h a s ch e ck, wurde heute vom französischen Militärpvlizeigericht wegen c:ner a's Beleidigung für die BesatzungStruppen angesehmen Zeitungs­notiz zu einem Monat Gefängnis und 50 000 Mark Geldstrafe verurteilt.

Amerika und die Bcsa^unqskosten.

Paris, 13. März. (Wolff ) Staatssekretär Hughes, der, wie nach demReuyork Heralb" gemeldet wurde, beabsichtigen soll, ben ameri­kanischen Unterhändler in der Pariser B e- sahungskosten-Kommission zur Ab­lehnung des alliierten Angebots zu veranlassen, ist nach dem gleichen Blatt zu diesem Schritt durch zwei Erwägungen veranlaßt worben,

1. die Vereinigten Staaten befaßen moralisch und gesetzlich das Recht, auf Bezahlung eines angemessenen Teiles von den bereits erfolgten deutschen Leistungen zu bestehen,

2. die Annahme des alliierten Vorschlages würde die Vereinigten Staaten in eine Lage bringen, in der sie bei der Awangsweisen Einziehung der Reparationen m i t h e l f e n müßten.

Die Beschlagnahme der Oberpostdireklon in Düsseldorf.

Köln, 13. März. (WTB) Dem Regierungs­präsidenten und dem Obernotbireftor inDüsse I- dorf ist durch ein gleichlautendes Schreiben beS Generals D e v i g n e mitgeteilt worben, baß die Gebäude der Oberrostdirektion in ihrer Ge­samtheit dem fran-öiischen Generald'.rekior des Verkehrs und der Versorgung für bi2 Armeen zur Verfügung gestellt werden müßten, der dort Dienststellen einrichten werde, die seiner Leitung unterstünden. In dem Schreiben heiß! es bann, baß die Angestellten der deutschen Post mit b'm Wegräumen der Schriftstücke und des Ma­terials, die zu ihrer Verfügung gelassen würben, beginnen müßten, daß die von den deutschen De- amten ober ihren Familien die im Gebäude der Oberpostbirektion e.ngenommenen Wo nungen binnen vier Tagen zu raumen seien u rb baß die Driefmarkenkasse beschlagnahmt werde.

Der Regierungspräsident legte gegen die Beschlagnahme der Oberpostdirektion als eine unberechtigte Maßnahme Protest ein: ins­besondere protestierte er gegen die Vertreibung ber deutschen Beamten und Familien aus ben Wohnungen und gegen die Beschlagnahme ber Driefmarkenkasse als völkerrechtswidrig.

Moskau beharrt bei seiner Mitwirkung an der Lösung der Memelsrage.

Moskau, 13. März. (WTB.) Rach einer Meldung der Russischen Telegraphenagentur hat Tschitscherin an England, Frankreich und Italien eine Rote gerichtet, in der die Sowjet­regierung im Anschluß an ihre unbeantwortet gebliebene Rnote vom 22. Februar d. I3. erneut einen Meinungsaustausch über die Memel­frage fordert.

Aus dem Reiche.

Die Deamtenbesoldung.

Berlin, 13. März. Die gestrigen Ver­handlungen im Reichsfinanznnnlsterium ergaben, daß den Beamten am 19. Marz der laufende Monatsgehalt gezahlt wird. Die quartalsweise auszuzahlenden Gehälter wer­den am gleichen Tage ausgezahlt werden. Ebenso werden die Reichs- und Staatsarbeiter am 19. März einen Vorschuß in der Hohe von zwei Wochenlöhnen ausbezahlt erhalten. Am 10. April soll im Reichsfinanzminsiterium eine neue Zusammenkunft mit den Gewerkschafts­vertretern stattfinden.

1 Abbau der Kohlenpreisr.

Berlin, 13. März. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Steuerausschusses des Reichstages erkante der Reichsfinanzmini­ster die Rvtwendigkeit an, an den Abbau der Kohlenpreife heranzugehen. Eine Besprechung zu diesem Zweck soll in den näch­sten Tagen zwischen dem Reichsfinanzmini­ster, dem Reichswirtschaftsminister und dem ReichSarbeitSminister stattfinden. Eine Herab­setzung der Kohlensteuerfätze etwa von 40 auf 20 Prozent sei jedoch für die Regierung Un­annehmbar.

Die Posttarife.

Berlin, 13. März. (WTB.) Im HauS- haltsausschuß des Reichstages erklärte ReichSpostmini.ster Stingl, eine wei­tere Tariferhöhung werde in der nächsten Zeit bei der Post nicht mehr vorgenommen.

AuS der Deutschen Dolkspartei.

Berlin, 14. März. (WTB.) Die Reichstagssraktion der Deutschen V 0 l k S P a r t e i veröffentlicht eine Erklärung, in der sie zu dem Schreiben des Abgeordneten Geisler, in dem dieser seinen Austritt aus der Fraktion damit begründet, daß die am 10. März veröffentlichte Erklärung deS Vorsitzenden der Fraktion unrichtig, irrefüh­rend und geeignet sei, ihn in der öffentlichen Me'nung Herabzuseyen, einstimmig feststellt, daß der vom Vorsitzenden veröffentlichten Er­klärung der Abgeordnete Geisler zugcstimmt I habe. Ferner habe Geisler sich verpflichtet, in seinem politischen Verhalten die Grenzen ein- t' chalten, die Die Rücksicht auf die Partei er­fordert. Hiernach sei die Darstellung, die GeiS-