Einzelbild herunterladen

ar. 2,1

»mnu an* $«1rrtagi, eM berSe*«*o»ifc#tle gr.

160 TOliontn u. 15 Mill ®ati Irflgtrtobn, auch 6. Bichterschrinr» eiojtln 5hun««ra infolgtljOIxre *nlt.- ^ttnlpred). lafdjUyh ftirbieSdyrift» tettung 112, fflr Verlag i«b ®ei*6ft*ffent 61.

f* Drahts ch- tKfcte*. l^d|tr <(«V»-

MW*«*»:

tredtwrl e. «. 11**.

Erst« Blatt

175. )<Hrgmg

Samstag, 15. ©ttober 1925

GietzenerAnzeiger

Seneral-Anzeiger für Oberhessen

DrwtfxlDtrbf: vrShl'sche UihnrNtAti-Be*' nb Stdibruderel R. £axge in ftietzex. S^rtftitltxxg xxö SeschSstrftelle. 5chxlstra-e 7.

Lxxayme ni liitiaei fLr bl« lagtennmmti Dl« ,um Nachmttta, vorho obntjtbt Derb lnblld>iutl prtts fit 1 mm fli- angeigen o.27 mm Steil« flrtl Grundzahl 65 DUl. ansa>.70Dl.; f. Seklam«. 8 nötigen o.70 m m Brett» 225 DliuxSOOOOO Sd)I plahoor|christ 20*/, Muf schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vrFnebr.Wtlh. Lange, für btn übrigen Teil, (tmft Slum|d)etn; f dr ben Anzeigenteile Hans Beck, |dmth ch in Eiehen

Vor der Entscheidung.

. Die ersten Rotmahnahmen der Reichsregierung. Das Schicksal des Reichstages.

Berlin, 13 Ott (Priv-Tel) Deich*- regiennifl Hal sich MxmKifjt gesehen, do entgegen ihnen AofichtEn unb Sroartun^n da* Ormäd)- tupmgSflefeX bi bei DonnerStagssMung be* DtichStägS noch nicht zustande (jtlxnnitn ist, schon vorher nrit zwei Dotverorderungen In die Ocffentsichkril « treten Die ersteBerortmunfl be­zieht sich auf die Umstellung der gesamten DrichS- ffeuern auf «Ü»oäh-rur»g Die -weite Verordn jng betrifft

Me »lisch,« k», »et Deich*«n*gaden, bmrch bie dem FtrZan-murtster besondere Dsll» eea4rten erteilt werden, um neuen Anforderungen en die Deich*toffen von vornherein einen Diegel vorzutchieben Die währungspolitischen Verord­nungen sind tn den nächsten Tagen zu erwarten

Die auf öam^ag mittag verschobene Ab­stimmung über da* Ermächtigung*- gefe ti wird, soweit man die Dinge heute über­sehen tonn, aller Wahrscheinlichkeit nach keine dlederraschung btrugen Die Fraktionen der De- gierungsköalition haben heute alle nötigen Schritte unternommen, um Ihre Mitglieder möglichst troll- zahttg für trormittag* nach Berlin zu bringen. Die Sv-ialdemokraten haben ins in die spä­ten Abendstunden beraten Man glaubt bestimmt damit rechnen zu formen, bah bei der Sr-zialdemo- frxitie die Gruppe der Dissidenten dem duftanbe- foaunen de* Gesetze* wenigsten* insofern keine Schwierigkeiten mache, al* sie

die de* Hanfe* nicht bet.

. hindern

werde Um 7 Uhr abend* sand dann auf Antrag de* dentrum* enu? Aussprache zwischen den Führe rn de r Ä o a l i 11 o n * p a r t e i e n ftatt S* bestand die Absicht, in dieser Aussprache die Frage zurtdrleruna zu stellen, ob sich eine Auflösung be* Deichstage* auch dann Der- melden taffen könne, wenn da* Ermächtigungsge­setz am heutigen Samstag wieder infolge Sepien* Der notwendigen Anzahl von Mitgliedern der 5toa{ltton8txirt*n in Höhe von zwei Dritteln der Drich^agsabgeordneten nicht zur Durchfüh­rung gelangen könne

Jedenfalls bestand in den Kreisen der Ko­alition* Parteien

fierte Qtteeigmig gegen den Gedanken einer « Anflsf.'Lg »e* Deich*tage*

T* wird zu erwarten fein, das) au* den 'Reiben der Koalrtionsparieten dem Deich*kanzier über die Ansicht Mitteilung gemacht wird Die Frage, ob da-« Ermächtigungsgesetz nun heute die genügende

I ktüyung finbet, ist deshalb nicht ohne wei­tere* u beantworten, weil diejenigen Mitglieder der KoalitionSparirien, die am Donnerstag fehl­ten, auch heute infolge Krankheit nicht zur Verfügung stehen und au herbem ein« Anzahl der fehlenden Mitglieder der Koalitionsparieien vor­gestern absichtlich der Sitzung fern geblieben sind, weil sie Gegner des Ermächigunasgefetze* sind Man hofft, diese Abgeordneten dadurch zur Sitzung zurückzusühren, dah man in einzelnen Fra­gen die Abstimmung freigibt. womit diele Ai>- gaxrbnctcn blaue Starten abgeben, aber trenigften* tn der Anwesenheitsfrage zugunsten bei Äoalitionepartrien wirken können

Senkung der Kohlenpreise.

Berlin, 12. Oft. (WTB.) Nachdem da* Deichskabinett im Ontereffe der allgemeinen Wirtschaftslage und im Rahmen der gegen den Währungsverfall sonst geplanten Mast- nahmen die Beseitigung der Kohlen- steuer beschlossen hatte, befahlen sich die Organe der Kohkenwirlschast erneut mit der KvhlenpreiSsrage, um die in diesem Kabinett*- beschluh liegende Tendenz zu stützen. ES wurde beschlossen, die Kohlenpreise nicht nur im Be­lage der Kohlensteuer zu kürzen, sondern darüber hinaus eine Ermähigung der Aettvkvhlenpreise um 10 -15 Prozent vor- 5Xme6men. Die^ietzt geltenden Verkaufspreise fder Gruben in Gvldrnark werden durch diesen Beschluh in Verbindung mit dem Fortfall der 'Kohlensteuer

Wirkung vom 15. Oktober für die wich, ft** Deiner« um etwa 3035 Prozent herabgesetzt,

S-B. für Duhrfettförderkohle von 38,46 auf 24L2, für oberschlesische Stückkohle von bisher ,29d6 aus 19, für rheinische Braunkohlen- cht ikett* von 24,66 auf 15,15 und für Sachsen rbon 35.30 auf 25,40 Goldmark fc Tonne. Bei rfriefen Beschlüssen ging man von der Erwar- htnn au*, dah jetzt unverzüglich wert- cheständige Zahlungsmittel a e schuf fen werden, und dah die Degietüng ihren preissenkenden Einfluh auf alle übrige» Wirtschaftsgebiete au*, üben||e, damit öic durch Beseitigung der Kvftlensieuer vorn D ich*fi*ku* sowie die in ben obigen Beschlüssen vow Bergbau g<- brachien Opfer nicht wirkungslos bleiben.

Für die Lohnwoche vom 8. bis 15. 10. haben Du 21 rbeitaeber- und Ardeirnehrnerver- bänbe b. s Kv-lenbergbaue* in den im DelchS- flrucitsmi.u^.i.um geführten Berhandlungen

neue Löhne veretnbaN Danach beträgt der Turchfchnittstariflohn ejnschliehltch de* chauS- stand» und Kindergelde* Im Duhrkohienbelg- bau 1406 160 000 Marl, tm oberfchle|l|chen Steinkohlenbergbau 903 000 000 Mk., im säch­sischen Steinkohlenbergbau 843 000 000 Mk und in den Kernrevieren de* mitteldeutschen Braunkohlenbezirks 790 965 000 Mk. fe Schicht

Lebensmittelkrawalle.

Berlin. 12. Ott (WTB > Di« starke Er- böbung ber ßebcn*mitt.-lbr<ife hat tn den ver'chie- benften Teilen des DrichoS zu Unruhen geführt So versuchten etwa 1000 Personen bas Dachaus In Schöneberg zu stürmen, um von Dem Bürgermeister die Herabsetzung ber Lebensmittcl- Vreise zu erzwingen Sie wurden von ber Polizei ebne besondere Zwischenfälle zerstreut Auf dem Gitterbaftnftos von Ctcglin wurden etwa 800 Personen, die mit Kartoffeln beladene Wagen umstellten, um sie zu plündern, r.chtzeitig von der Schupo auseinandergetrieben.

Gerüchte über Plünderungen von Leben*. Mittelgeschäften in Groh.Berlin sind, wie Wir von zuständiger Seite erfahren, völlig haltlos, ebenso kann von einer Alarmbereitschaft ber Schupo keine Dede sein 3n der Turmstrahe kam c* zu c.ncm Zusammenstoh zwilchen Erwerbs­losen und der Polizei Den plötzlich auf tauchen- den düflen von etwa 500 Erwerbslosen traten sieben Beamte der Schupo entgegen Die Beamten wurden tätlich angegriffen und machten in der Dotwehr von ben Seitengewehren ®c- brauch Zwei Personen wurden festgenommen

Dach einer Meldung aus Frankfurt kam «* im Stadtteile Bornheim infolge der neuen groben Lebensmittelpreissteigerungen zu

Ansammlungen nnd Ansschrertungen

Mehrere Fenster eines LebensrniItelgeschästes in ber Bergerftrahe wurden hierbei zertrümmert, ebenso ein Fenster einer Filiale der Deutschen Bank Eosori bcrbeigerüdte Schutzpolizei zerstreute die Demonstranten und stellte sofort die Ordnung wieder her. ohne dah es zu weiteren Ausschreitun­gen kam Auch :n der Innenstadt kam es an einer Stelle zu einem Aufstaus, der jedoch keinen gröbe­ren Umfang annahm

3n Höchst a. M bcnronftrirrlcn vor dem Dathaus die an ben städtische i Dotstandsprojetten beschäsiigten Erwerbslosen. 6c forderten einen Lobnoorichuh in Höbe von 10 Milli.adim pro Kopf und Dezahlurg fei Deg.niage Infolge der rapid steigenden Teuerung herrschte unter den zahlreichen Demonstranten eine gröhe Erbitterung Am Eingang des Dathauses wurde ein starker Polizeiposten ausgestellt Di? Po iici vrchiclt sich voll len.men zurückhaltend, bis plötzlich

av* ber TBenge Steine gegen die Polizisten geworfen

wurden Diese macht m h eraus von der Waffe Gebrauch und gab mtb.erc Schüsse ab Soweit sich bisher fcffftiflen lätzt, wurden auf feiten ter Demonstranten ein Aideiter getötet, drei schwer und zwei leicht verletzt Die Menge bdog.-rt weiter das Dathaus D e zwiich > dem Magistrat und ben Dotstandsarb iic-n aufg.-nommcnc i Ver­handlungen über die erwähn ?n Forderung,- > sind vorläufig abgebrochen worden D Fran- zvfen btixm sich bis jetzt neutral oerhalten, aber es steht zu erwarten, bat von der Besahungsbe- börbc der Belagerungszustand verhängt wird.

Am Freitag vormittag haben Plünderungen eingesetzt.

Die Menge drang hi verschiedene Lebensmit. tel. nnb Konfektionsgeschäfte ein und warf die Waren auf die Straße, um sie fortzuschleppen Auf Befehl des ÄreiÄbekgiertcn beginnen Pa­trouillen tun» die Straften zu ziehen Dem Ver­nehmen nach sollen auch im Brüningschlah die französischen Truppen zur Säube­rung der Stadt bereitstehen Die Stadtver­waltung bat einen Ausruf an die Bevölkerung ertasten, in d. m die Ursachen der heutigen Er- eigniffe dargelegt werden, und die Bevölkerung 4ur Dufte ermahnt wird Die deutsche Polizei Ist zurückgezogen worden Die Grenze zwischen Ziank- ifurt a. M. und Höchst ist seit heute vormittag infolge ber hiesigen Vorgänge verschärft gc- f P V r t

3n Miesbaden kam es in 'er Altstadt und im westlichen Stadtteil verschiedentlich zu aJnnib-n und Plünderungen. Die Erwerb*!o'en zogen nachmittag* vor das DathauS and wurden durch eine Abordnung wegen einer einmaligen Beihi'.ie - man spricht von 10 Milliarden vorstellig 3m Anschluss an diese Kundgebungen stürmten einigt Trupp* halbwüchsiger Bllr»

tote verschieden« Geschäfte

und verursachten Zerstörungen and Plünderungen Die Drichästswelt. die nichts Gute* ahnte, hatte zum groben Teil geschlossen Di« Unrubcn aus ber träne dauert».» Im» »um ^roend an, wo e« dem scharfen Vorgehen der Polizei gelang. Du he und Ordnung Wiederherzustesten. Verschiedene 3er- Haftungen wurden Dorgcrommcru

3n Köln wimmelt« es wieder von Men­schenansammlungen in den rerfchiedenen St iahen Die Polizei zerstreute die Masten Beim Plündern eines mit Brot beladenen Wagens wur­den 5 Plündeier feftgenemmen. Dachmittags fan­den gröbere Anlammlungen vor deff»Börse und dem Vrlishaufe statt. Die Ansammlungen vor dem Vrlkshause ifozlaldemokratllches Veiei nshaus» wurden durch Einsatz berittener Polizei zerstreut Sine grobe Anzahl durch die Hohe Strafte zie­hender Demonstranten wurde ebenfalls zerstreit G-.gr n 6 Uhr abends bemonftiicrte vor dem Direk­tionsgebäude der Firma Felten u. Guilleaume in Mülheim eine grobe Anzahl Arbeiter

Um die Menge zu zerstrenen, wvtzlen di« B«. amten von ber Hieb, nnb Schntzwaff« ®e» bratsch machen,

wobei ein Junge durch einen Oberschenkellchuh ver­letzt wuide dahlieiche Perfvnen wurden fest ge­nommen Auch in Kalk zeigten sich grobe Ollen- fchenmafsen auf ber Haupistiafte Sie wurden durch berittene Schutzpolizisten zerstreut Auf der Le­ver instrahe zeigten sich auch abends wieder grobe Menschenmassen, welche die Beamten mit Steinen und Glasscherben bewarfen AuS den Häulern wurden die Beamten mit glühenden Kohlen bewor­fen, so d-ih sie gezwungen waren, von den Hieb- unb Sch-bwasfen Gebrauch zu machen.

3n Solingen bemächtigte sich infolge Er­höhung des PreiSmultiplikators für Le­bensmittel derBetröllciung eine beträchtliche Er­regung Es kcnn zu Zusammenrottu igen woraus zwei Geschäfte geplündert wurden D.e P >liz.i verh.nderie w ttere Ausschreitungen Abends sam­melten sich gröbere Menschen mengen vor dem Dal- haus 3m Lause ber Ausschreitungen am heu­tigen Vormittag wuide die Polizei mit Sternen bewollen, w.raus sie die TDane gebrauchte. Hier­bei sind leichte Verletzungen vor gekommen 3n den frühen Dachmittagsstunden tarn e* zu An­sammlungen meift jugendlicher E r - a>erb sloser in den HauptgeschästSstrahen Die Demonsttanron versuchten die sich anlammclnbe Mengen regen Heraussetzung der VerkaulSpreile and ihrer Anpastung an den neuesten Dvllarstand gegen die Geschästsleute auszuhetzen.

Eine Gruppe ber Aufwiegler drang in das Postamt ein und trieb das Publikum aus dem Exhalterraum,

wobei sie die in der Hast licgengelaflenxm Beträge mitgenommen hoben fallen Auch zur ge- roaltfamcii Gelbwegnahme soll es ge­kommen sein. Abends wurde im Dathaus zwischen der Stadtverwaltung und emer Abordnung der Erwerbslosen verhandelt Die Polizei ist Herr ber JS?ogc.

Kartoffel gegen Stickstoffdünger.

Berlin. 12. Oki. (WTB ) Die Tatsache, dah die Landwirte, die Kartoffeln nicht mehr gegen Paptermark wegen ihrer ständigen Entwertung verkaufen wollen, führt dazu, dah die Stadtbevölkerung nicht mehr mit dem wichtigsten BolkSnahrungSmittel versorgt wird. Eine Drihe von Stadtverwaltungen ist deshalb an da* Stick st ofssyndikat her- angetreten mit der Bitte, ihnen zum Zwecke des Austausche* gegen Lebensmit- t e l Stickstoffdünger zu verkaufen. Wie wir hören, ist do* Stickstoffsyndikat diesem Wunsche nachgekommen und hat dem Vorsitzenden de* Deutschen Städletage*. Oberbürgermeister Boeh. anheimgegeben, die deutschen Stadtver- Wallungen von der Bereitwilligkeit de* Stick» stofflyndikatö in Kenntnis zu setzen.

Tic Aupassunq ber Beamtengehälter an die Geldentwertung.

Berlin, 12. Olt. <WTB.) Der Haa*- halt*au*schuh de* Reichstag* stimmte der er­neuten Anpassung der Beamtengehälter an die neuerliche Deldentwertung für daS zweite Viertel de* Monat* Okto- ber zu. Für diesen Zeitraum soll noch ein- mal da* Dreifache de* bisherigen Teuerung*. Zuschlages für die zweite Okwberwoche und am 18. Oktober für die dritte Oktoberwoche al* Teuerungszufchlag noch einmal ein Mo­natsgehalt ausbezahlt werden.

Rusfisih-frauzösische Ainanzverh«»ö- Inngeu.

London. 12. Oft CDvlst ) Der Pariser Be- richterftattor der .Ttorntng Pofri meldet nach Informationen au* französischen Bankkveisen und zuverlässigen rustischen und anderen Quellen seien Berhandlu.kgen zwischen dem Direktor der rusti- schen Sowret-Stturtsdarck in Moskwr. Schein- m a n n, und wichtigen Gruppen der Pariser Ban­kier* im Dange, Denen grobe Bedeutung bei ge­messen Werden mäste Äheinmaiui&c bei«Ü» London und Brüssel besucht W Beriaute. da ft er nrit Bankers und Zabttaüftea beider Staaten gepflogen bnX»

Freie Bahn.

Eine weitere Woche bitterster Aot liegt hinter uns Der Währungszerfall nimmt For­men an. die jede Preisberechnung von vorn­herein illusorisch machen Die Mittel für den notwendigsten Bedarf der Lebenshaltung kön­nen von weitesten Kreisen der Bevölkerung nicht mehr herbeigeschafft werden. Betrieb*- stillegungen und Arbeitslosigkeit ziehen immer weitere Kreise. Auf dem Prvduktenmarkt kom­men Verkäufe gegen Papiermark kaum mehr zustande, weil die Milltardensprinrge de* Dollars es unmöglich machen, eine zuveriäsiiar Grundlage für den Wiederdeschaffung*preis zu finden Die Ernährung der Drohstädte ist damit auf da* schwerste gefährtei. dndustrie, Arbeiterschaft und Beamte de* besetzten De- biet* sehen sich ohne Instruktion, ohne einheit- siche Leitung den Schwierigkeiten gegenüber, die nach Ausgabe de* passiven Widerstände* einer Heberlettung in normale Arbeitsver­hältnisse entgegenstehen Orfvlgedessen ha- ben einzelne WirischastSgruppen von sich au* Berhandlungen mit Frankreich über die Wiederausnahme der Arbeit ongeknüpft. Die Bildung de* roten Block* in Sachsen gibt den Kommunisten freien Spielraum, in alfcr Oef- seni.ichkeit den Bürgerkrieg zu organisieren. Jede Woche bringt uns der gänzlichen Auf­lösung der deutschen Wirtschaft, dem politischen Zerfall de* Deiche* näher Tag um Tag Stunde um Stunde verrinnt ungenutzt.

3n Berlin inszeniert man inzwischen Krisen. Fast eine Woche haben Kabinett und ^Parteien damit zugebracht, eine mit fast ver­brecherisch anmutender Leichtfertigkeit herauf­beschworene Regierungskrise zu beseitigen. Wie ein Phünik aufl der Asche entstieg ihr da* zweite Kabinett der großen Koalition. E* hat da* Ermächtigungs­gesetz. über da* da* erste Kabinett Stresernaan zu Fall gekommen war. übernommen und In wenigen Tag« rastloser Arbeit die außer­ordentlichen Maßnahmen zur Steuerung de* Währungszersall* und der GmährungSkata- strophe, zur Neuregelung der Preispolitik der Kartelle und Syndikate vorbereitet, die nun auf Grund des Ermächtigungsgesetzes tm Ber- ordnungswege getroffen werden sollen.

Da* Gesetz geht dem Deichstag zur be­schleunigten Erledigung zu. Zeder mit ge- sunden Sinnen begabte Staatsbürger sollte annehmen, dah die Parteien in der vergange­nen Krisenwoche ihre kostbare Zeit wenigsten* dazu verwandt hätten, sich über ihre Stellung zur DegierungSvorlage klar zu werden, die ja doch schon damals der Zankapfel war. Maa hätte meinen sollen, dah der Sturm der Ent- rüftung.den da* frivole Spiel der ^Partei« beton Kabinettswechsel in der gesamten Bevölkerung entfacht hatte, bei den Volksvertretern die Verantwortung für die Aufgaben geschärft hätte, deren Lösung sie dem Wohl de* Lande* schuldig sind, und die das Land heute von ihnen verlangt. Weit gefehlt. Statt unter 3u- ruckstellung aller Partei taktischen Bedenken durch möglichst beschleunigte Verabschiedung de* Gesetze* mochte diese ausfallen wie sie wollte der Regierung die Möglichkeit schnellen Handeln* zu geben, wird nach einer Regierungskrise nun eine Parlaments­krise in Szene gesetzt. Nachdem da* Ermäch­tigungsgesetz am Dienstag in den ersten beiden Lesungen angenommen worden war, brachten die Koalitionsparteien am Donnerstag die für ein Verfassung ndem de* Gesetz erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht auf die Beine. Dot- wendig war nur deren Anwesenheit tm Hause, und da* hatte die Parteidisziplin nicht er­reichen können. Auf dem rechten Flügel der Deutschen Volkspartei und de* Zentrums und dem linken, koalltionsfeindlichen Flügel der Sozialdemokraten waren Lücken, die für die beschämende Tatsache verantwortlich au machen sind, dah bei einer Abstimmung das Gesetz des Koalitionskabinett* durch die gleiche Koalition zu Fall gekommen wäre. Wenn die Äoalt- tion*parte: n vielleicht damit gerechnet hatten, dah die deutschnationale Opposition, von den Radikalen beider Flügel ganz zu schweige«, auf Ihre Obstruktionspolitik verzichten würde, fo war das eine Enttäuschung, die sie sich nach der unzweideutigen Einstellung der Deutsch- nationalen zum Kabinett Stresemann und dem Ermächtigungsgesetz hätten ersparen können. Die Bekannt gäbe de* Reichskanzler*, dah er gegebenenfalls das AuflöfungLdekret de* Deich räflbentcn au* der Tasche ziehen werde, konnte die Opposition in ihrer Haltuna nur noch bestärken Die Koalitionsparteien habe» sich damit eine Schlappe beigebracht, die «ch da* letzte Fünkchen von Achtung, das im Volle noch hier und da für diesen Deich*tag flackerte, zum Erlöschen bringen muhte. Za, wahcktch, diese« Pariäment verdient nicht* andere*, <ä nach Hanse geschickt zu werde». Lack die* am Donnerstag noch nicht geschah, Imr das hohe Has* dem '** > 1 Leck