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Nr. 135

Erscheint lüglich, außer Sonn» und feiertags, mit berSamstagsbeilage: GießenerFamilienblÜtter Monatliche Sezuarprelse: 60C0 Mark einschließlich Trögerlohn,durch dic'post 60VOMark,auch beiNicht» erscheinen einzelner Num« mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech» Anschlüsse: für die Schrift- Icilung 112; sür Verlag und Geschäflsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

poftfcheUtonto:

Srantfurt a. M. 11686.

Erster Blatt

173. Jahrgang

Dienstag, 12. Juni 1925

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

VruS und Verlag: vrühl'fche UniverfitStS'vuchr und stelndruckerei H. Lange in Gießen. Schriftle'ltung und Seschaft5stelle: Zchulftrahe 7.

Annahme von Anjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeige» o 27 mm Breite örtl. 120 Mk, auswärts 15OMK.;sür RekI ame- 21 n 3e i q e n von 70 mn? Breite 60OMK.Be> Platz« Vorschrift 2O"/ Auf ichlag. Hauptschriftleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; fürder» Anzeigenteil: Hans Zech, sämtlich in Gießen.

(Eine Nede des Reichskanzlers in Heidelberg.

5earlSruhe, 11. 3unl (WTB.) Reichs­kanzler D r. Cuno traf heute abend aus Heidelberg hier ein, um mit der badischen Re- gierung Rücksprache zu nehmen. 3n feiner Be­gleitung befanden sich u. a. Reichswirtschafts- Minister Dr. Decker sowie die Staatssekretäre Hamm und (Brügger. Am Abend fand ein Ernp- pfang beim Staatspräsidenten Remmele statt. Aach einer (Begrüßung durch den Staatspräsi­denten, in der dieser auf die schweren Zeiten hin- wieü, die durch den Einbruch fremder Gewalt über badisches Land gekommen sind, ergriff der Reichskanzler das Wort, Heber den Zweck seiner Reise führte er aus, daß er sie unternommen habe, um seinem langgehegten Wunsch, mit dem Lande (Baden in persönliche Berührung zu kommen, Aus­druck zu geben. Er stehe vor dem Ende einen Reise, die nach Münster, Elberfeld und Heidel­berg geführt habe. Dabei sei ihm aus allen Schichten der besetzten Gebiete und des Einbruchs- geöietes einstimmig versichert worden, daß die Bevölkerung dieser Gebiete den Abwehr- kamps biszum guten Ende fortführen wolle. Der Abwehrkamps in den besetzten Gebieten und im Einbruchsgebiet sei spontan aus der Bevölkerung heraus emporgewachsen. Be­sonders von Arbeitnehmerseite sei klar und deut­lich zum Ausdruck gebracht worden, daß die De- völkevung selbst die volle Verantwortung für den Abwehrkampf trage. Zu einem guten Ende des Kampfes gehöre vor allen Dingen auch, daß Baden, die Pfalz und daS ganze Rheinland, über­haupt alle befetzten Gebiete unversehrt beim Reich und bei den Ländern bleiben, zu denen sie ge­hören 3n dieser Beziehung gebe es für die Reichsregierung, für die Landesregierungen und füi die Bevölkerung keine Kompromisse und keine Konzessionen. Der Reichskanzler wies dann dar­aus hin, daß der uns aufgezwungene Kampf schwer und daß die Reichsregierung bestrebt sei, die Leiden der Bevölkerung mit allen nur mög­lichen Kräften zu lindern. Der Kampf werde in voller Einigkeit des ganzen deutschen Volkes ge­führt, und eS gebe keinen Gegensatz bei den Par­teien und Wirtschaftsgruppen in der einen Frage, baß das Reich unversehrt bleiben müsse. Unter dieser Parole ständen Aord und Süd einig und fest zusammen, und unter dieser Parole werde der uns ausgezwungene Kamps zu einem glücklichen Ende geführt werden. Der Kampf sei uns auf­gezwungen worden; denn die Reichsregierung habe in voller Aufrichtigkeit ihre Erfüllungs- bereitschaft in den Grenzen des Möglichen immer betont.

3n Heidelberg fand heute eine ein­gehende AuSfprache unter Vertretern der Be­hörden sowie der Wirtschaftskreise der Pfalz statt. Diese ergab den Beweis des einhelligen Willens der Bevölkerung, an den staatsrechtlichen Verhält­nissen und der uneingeschränkten Zugehörigkeit der Pfalz zum Reich und zu Bayern unter keinen Um­ständen rütteln zu lasfen. Don allen Kreisen, be­sonders von der Arbeitnehmerschaft, wurde be­tont, daß sie aus sittlichen Gründen den aufge­zwungenen Abweh rkampf aufgenemmen haben und ihn bis zum guten Ende wei­te r f ü h r e n würben. Ebensowenig, wie es einer Anweisung der Regierung bedurft hätte, den Kamps aufzunebmen, werde cs der Reichsregie­rung jemals gelingen, cr.cn Abb uch des Kamp­fes gegen den Willen der Drvölkerung zu er­reichen.

Lloyd «kortre über zwei neue Elsnsi Lothringen.

London, 11. Juni. (Wolsf.) Lloyd Ge­orge erflärle gestern in einer Rede, zwerneucl Elsaß-Lothringen feien in den letzten QTo- dien geschaffen worden. 3m O ft en habe Pole», ohnö Berechtigung Wilna annektiert, und was habe sich jenseits des Rheines ereignet? Ein Angebot sei erfolgt, eine ^wichtige Frage einem unparteiischen Tribunal zu unterbreiten. Werde es angenommen oder würden Frankreich und Bel­gien erklären:Aeml W/r haben die Macht, warum sollten wir uns einem Tribunal unter­werfen ? Wir haben ein Herr, wir haben Äanonen, laßt f i e entscheiden!" Lloyd George schloß: W'nn nicht eine neue Gesi rnunq in der Welt entstehe, lo verzweisle er an der Zukunft der Zivilisation-.

England bei der Arbeit.

London. 11. 3uni (Dolfs.) DieTime s" fchr-eibt in ihrem Leitartikel, es sei klar, daß ein außerordentlich, kritisches Stadium in der Ent­wicklung des Reparationsprvblems er­reicht worden sei Das natürlicher Verfahren würde sein, daß die Alliierten gemeinsam berieten, eine gemeinsame Antwort aufstellten, und daß so der Weg vorbereitet werde für eine baldige Konferenz mit Deutschland, in der alle Ein­zelheiten des Reparationsproblems in einer prak- tischm Erörterung behandelt werden könnten. Es fei möglich, daß jetzt die Aussichten für eine solche Konferenz günstiger seien als sie vor einer Woche waren. Bevor irgendein wirklicher Fortschritt ge­macht werden könnte, müßten jedoch gewisse po­litisch: Schwrrriakeiten überwunden werden. und die Art. wie ihnen entgegcn»utreten sei. könne einen sehr tüchtigen Einflul auf die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich und England ausüben. Dies sei für den Augenblick die qrunb» lesende Frage. Bevor irgead.stn? Annäherung in der praktischen (Svövterang der finanziellen und wirtschaftlichen Fragen, die den Inhalt des deut­schen Angebots bilden, erfolgen könne, müßten Frankreich und England über die Bedin­gungen einer Annäherung Übereinkommen. Die Times" schreibt jedoch, daß keine briti­

sche Regierung die Besetzung des RuhrgeoteteS billigen könne, sei es direkt oder indirekt. Es könne wohl kaum zwei­felhaft fein, daß dieser Standpunkt auch aufrecht- erhalten werde. Die britisch: Regierung habe in diesen Tagen eine gesunde Ansicht über das Re- paralimrsproblem erreicht, und es sei ihr deut­liche Plan wie anzunehmen sei auch ihr sehnlichster Wunsch, diese Ansicht wirksam zu machet. Es könne jedoch kein Fortschritt erreicht werden, wenn kein Einverständnis mit F ankreich zu eioielen sei. Die Hindernisse seien noch sehr « r n st. 3rgendeine Preisgabe die,es kla­ren Grundsatzes könne nickst in F.age kommen, und es müsse ernstlich versucht werden, der fran­zösischen öffentlichen Meinung klarzumachen, daß nach englischer Ansicht die Voraussetzungen zu einer wirklichen Regelung gegeben seien. Dies könnte nach derTimes' in wirksamster Weise geschehen wenn die französischen politischen An­sichten in ihren Ursachen und möglichen Folgen Rar begriffen würden. Dies bedeute, daß Eng­land In umfassender Weise die allgemeinen Ra­gen der französisch:!» Sicherheit erwägen mußte. Don diesem Standpunkt aus würde es verhäng­nisvoll sein, wenn Frankreich versuchen wollte, ein rationales Problem zu lösen, indem es Deutschland so geknebelt und gebunden halte, daß es keine angemessenen Reparationen zahlen könne. Cs sei Dache der britischen Regierung, die größt- möglichm Verteile aus der GelegenhÄt zu ziehen, die dazu angetan sei, die wirtschaftliche Wieder- herftellung in Europa anzubahnen.

London, 11. 3uni. (WTD.)Daily Rews" schreibt, wenn Poin.are unwiderruflich entschlossen sei, jeden Regelungsvorschlag abzu­lehnen, so würde Großbritan n i e n auf je? en Fall die Fr:i')eit haben, seine eigene Politik zu formulieren, mit der Aussicht darauf, daß sich ihm Teig ei und 3tali.-n bald anschließen würden. Der moralisch: Druck, der durch freie Kombina ion ausgeübt würde, könnte bald den politischen Zu­sammenbruch der Pvincars-Gruppe herbeiführen.

DieWestminster Gazette" schreibt, die Verantwortung, die auf der britischen Regie­rung im gegenwärtigen Augenblick liege, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es würde sich für das britische Kabinett lohnen, so groß­zügig wie möglich in der Frage der England ge­schuldeten Gelder zu fein, wenn dadurch wirklich die Befriedung Europas ge'ichert werden könne. Es fei aber feine derartige Regelung möglich, wenn Frankreich auf der Forderung nach Kapi­tulation im Ruhrgebiet bestehe und die Billi­gung der dortigen Politik durch England fordere. Das Blatt schließt: Wenn England mit Frank­reich Zusammenwirken soll, wir es dies immer noch aufrichtig wünscht, so kann dies nur ge­schehen unter gleichen Bedingungen und für Ziele, die ebenso die eng.isch.m wie dir französischen sind.

Daily CH r on ic le" schrei )t. das d utich: Angebot biete eine wirkliche Gelegenheit, alle Parteien zu einer5r3rte unj zu ammmzub ingen. Bestehe aber Frankreich auf dem, was Lloyd George gesterndie Einsetzung drr Macht über ias Recht" nannte, so dürfe England nicht toei'cr mit Frankreich zu'ammrngrhen. Eng and müsse es ab lehnen, sich weiterhin von Frankreich mitschleppen zu lassen, es müsse eine bri­tisch: Politik fr-folgen, in Gemeinschaft mit F eun- fcen, die bereit seien, mit Cnglan) in der Sache des Fried-rns und des W'.ederaufbaaes der Welt zusammenzuw'.rken.

Die Lage in Dortmund.

Dortmund, 11. Juni. (WTD.) Um 11 Uhr vormittags war die Lage im allgemeinen un­verändert. Vor dem Haupteingang des Stadt­hauses wurde ein zweites Maschinengewehr in Stellung gebracht. Die im Stadthaus befind­lichen Personen werden mit Erschießen be­droht, falls sie sich an freu Fenstern zeigten. Um 12'/2 Uhr wurde das Stadthaus von den Fran­zosen wieder geräumt.

Dortmund, 11. Juni. (WTD.) Gestern abend nach eingetretener Verkehrssperre wurden Passanten auf den Straßen vonsranzösi- schen Wachen beschossen. Dabei wurden, wie bereits gemeldet, fünf Deutsche ge­tötet. Diese Toten wurden zunächst an der Stelle n iebergeleg t, wo man die er­schossenen französischen Unteroffi­ziere aufgefunden hatte; später wurden sie in das Luisen-Hospital gebracht.

Eine französische Darftcllnna.

Paris, 11. Juni (WTD.) Die Afrnd- presse bringt keine zusammenhängend: Darstellung über den (Berkruf des au s Dortmund gemeldeten Todes ton zwei französischen Feldwebeln. Le­diglich derTemps" friigt folgrtbc Meldung, die of.enbnr von einer Pariser Regierungsstelle frommt: Wir haben gestern gemeldet, daß am Sonntag, abends 10 30 Uhr, zwei französische Feldwebel vom 149. Infa.tterie-Regimmt in einer Strcche in Dortmund von einer Gruppe von drei deutschen Zivilisten durch Revolverfchüsse getötet trerben sind. Roch den noch summarischen Be­richten. die aus Dortmund vorliege:r, soll dieser Drppelmord nicht auf die nationalisti­sche Agitation zurückzuführen sein. (Den gle.chin (Borbefrdt mach er b:r stts einige Morgenblätter.) D e frühen französischen Unter­offiziere sollen bei einem Streit, der auf eine Dis­kussion zwischen den noch nicht ermittelten Zivi­listen und den Ermordeten entstanden ist, getötet worden fein.

Wie die Machthabersühnen".

Dortmund, 11. Juni. (WTD.) Zu der Mordtat an zwei französischen Offizieren teilt free zuständige Stelle mit; Die Tat wurde nicht

von Deutschen verübt. Die Geschosse, mit denen die Offiziere getötet wurden, entstammen Gewehren oder Karabinern. 3nfolge des ver­schärften Belagerungszustandes kam es gestern abend zu Zwischenfällen. Die Räumung der Straßen um 9 Uhr wurde teilweise unter Mißhandlungen der noch auf den Straßen (Be­findlichen durchgeführt, wobei die Franzosen reich­lich Ohrfeigen und Fußtritte austeilten. Ein Zivilist erhielt im Laufe d^ Abends bei der Räumung bet Straßen einen tödlichen Schuß. Drei weitere Leute wurden nachts erschossen und zwei schwer verletzt; sie erlagen bald darauf ihren Verletzungen. Durch Augenzeugen wurde festgestellt/ daß die Franzosen aus nächster Rähe ohne vorherigen Wortwechsel die Personen erschossen haben. Drei der Leichen mußten von Deutschen zu der Stelle geschleppt werden, wo die beiden französischen Offiziere er­schossen worden waren. Die Leichen wur­den in die Blutlachen der Ofsiziero gelegt.

Boi der Besetzung des Stadthauses heute morgen wurden von den Franzosen 4 1 Mill» o- nenMarkbeschlagnahmt. Die Truppen im Stadtkreis sind beträchtlich vermehrt worden.

Die Ermordung einer Fron.

Herne, 11. Juni. (WTD.) Am 8. Juni wurde eine Frau Kleine von Franzosen durch Schüsse schwer verletzt; tags barauf erlag sie ihren Verletzungen. Der französische Komman­dant bet den Angehörigen eine Abfindungs­summe von 503 000 Mark an, deren Annahme aber abgelehnt wurde. Ueber d:n Grund der Er­schießung ist bisher noch nichts bekanntgewordrn.

Ncne An<<wrisni,qcn.

Mainz, 11. Juni. (WTD.) Rachdem am Freitag und Samstag wiederum neue Aus­weis ungen von (8ifenbabnbcamten aus Mainz und Umgebung vorgenommen worden sind, sind heute morgen neuerdings 50 Personen ausgewiesen worden.

Ludwigshafen, 11. Juni. (WTD) Am 9. und 10. Juni sind, hauptsächlich aus Grünstadt, Zweibrücken und Ludwigshafen, 69 Eisen­bahnbeamte mit ihren Frauen und 120 Kin­dern ausgewiesen worden. Die Wohnungs- eintidjtüngert wurden beschlagnahmt.

Ein evangelischer Volkstag in Elberfeld und Barmen.

Därmen, II. Juni. (WTD.) Vom 9. bis 11. 3uni tagte in Elberfeld und Därmen der zweite deutsche evangelisch: V o l k s t a g. Bei der Cröf.nungsfeier am Sams­tag in Barmer begvufre.i dec Gen:ralsuperinten- Ixrtt von Rheinland und Westfalen, der ausge- w'.esene Düsseldorfer Regi rungspräsident Dr. Giützner, dec B^.nr^ ec OberbürgernKiftcr Dr. Hci^rnann sowie viele Führer a.ibeeer Verbände und Körperschaften den Volkstag. E.n Führer Les Volkstages, Direktor Pastor Stuhrrnann, Mitglied des La rd'.ags hielt ci en Vortrag über di: öffent­liche Mission des Christentums. Am Sonntag wurden in den 28 Kirchen des Bergischen Landes Festgottesdi-enste abgehalten. Am Rachmittag be- gaü:n sich zwci ri:sig» Festzüge, an fr.ren schät- zungswe.se 80 000 Perso e.r teiinahmen von El­berfeld und (Barmen nach der Bundes Höhe, wo von 23 Stellen aus R:d7rer zu den Massen spra­chen und sie zur Einigkett auf riefen.

Eine dr tte Haager Konferenz?

Poris, 11. Zuni. (Wolff.) Wie dieChi­cago Tribüne" behauptet, will sie aus dem Haag er,ohren haben, daß dem amerikanischrn Stoats- beporlement von mehreren Reg'ecungen i n v s s i - zielle Vorschläge zwecks ®iifrrafuig einer dritten Haager Konferenz durch Prä­sident Harding in naher Zulu ist zugehen werben. Cs wird nicht erwartet, daß die Kon­ferenz einberufet werb:, bevor durch irgendwelche Abmachungen der Alliiwten mit Deutschland die Ruhr- und Reparativ 'ssrage gelost feLi wird. Gerade die Reparativasfrage sei aber eine der Hauptgründe für d e Ei cbwu a rg dec .^onssreirz. b<f die hinter der Dewegu.rg stehenden Regierun- ge-n es für nötig hielten, eine jetzt obzuschließende (Be*cinb.>iung mit D utschland vor Ablauf des Morotoriums zu revidieren, da mit ei.-er neuen Kr sis gerechnet werde, Wern Deutschlcmd die bis dal, n üb:rnwmmeren Deraflichtun'.en nicht au8- ge'ührt hätte. Als das Haupthinder.ris für die Absichten der Urheber die'es Vo.fchl-.ngs werde die Furcht des Präsidenten Harding vor einer Verwicklung der (Berd igten (Staaten in die Repa­rativ nssrage und die Frage der alliierten Kriegs­schulden betrachtet.

London. 11. Juni. (Wolff.) Dem Wa­shingtoner Deiichterflatter decTimes" zufolge hot Die Bundesregierung beschlossen, sich von dem Reparationsproblem absrits zu halten, in ter Hoffnung, daß separate Ueber:inkommen nach dem britischen Vorbilde für die Zahlung der Alliiertenschulden zustande kommen würden.

Aus dem Reiche.

LavdtaASwahlsn in Oldenburg.

Oldenburg, 11. Juni. (WTD.) Das Endergebnis der Land tags wählen ist folgendes: ES erhielten die Liste Tantzem (De­mokraten) 9 Sitze (1920: 7); Dannem-inn (Deutsch. VolkSpart.) 9 (13); Horchfeldt (Dtn. DvlkSpartei) 3 (1); Dieser (Zentrum) 9 (11); Hug (Der. Svz. Partei) 11 (10); Unabhängige Sozialdemokratie 0 (5) und die Kommunisten 2 oder 3 (0) Sitze,

Tagung des Deichsverbandes der Deutscheo Presse.

Münster, 11. Juni. (WTD.) Der Deichsverband der DeutschenPresse genehmigte grundsätzlich unter bestimmten Be­dingungen den R e i ch Star i f für Journalisten und Redakteure. Zum ersten Borsitzenden wurde Chefredakteur Paul B ä ck e r-Berlin einstimmig wiedergewahlt. Einmütig wurde einer Erklärung zugestimmt, in der der Deichs­verband die brutale Vergewaltigung der Frei­heit der Presse in den besetzten Gebieten aufs entschiedenste verurteilt, die zu schwerster Be­drängnis, zu Ausweisungen und zu Gefäng­nisstrafe für eine Reihe von Kollegen führte. Der Reichsverband spricht den Opfern im Dienste der deutschen Freiheit seinen Dank auS.

Aus Hessen.

Besprechungen

über die schwierige Wirtschaftslage.

DaS Ministerium des Innern veranstaltete in diesen Tagen unter Mitwirkung des Mini­steriums für Arbeit und Wirtschaft, der Staatsanwaltschaft und von PreiSprüfr.ngs- stellen mit Vertretern von Landwirtschaft, In­dustrie, Handel und Gewerbe und der Ver­braucher eine Besprechung über die durch den bedrohlichen Marksturz geschaffene schwi^rigeWirtschaftSlage. Man ge­langte zu der einmütigen Auffassung, daß eJ unabweisbare Pflicht aller Berufsstände sei, insbesondere derjenigen, welche am raschesten in der Lage sind, sich der Markentwertung an- zupassen, auf die Gesamtbevölkerung jede Rücksicht zu nehmen. Es steht zu hoffen, daß die Vertretungen der genannten DerufSgrup- pen bei ihren Berufsancehörigen das notwen­dige Verständnis finden und daß alle nicht durch die Verhältnisse gebotenen, insbesondere sprunghaften Preis st eigerungen vermieden werden. Die Erkenntnis, daß daS ganze Volk sich in einer Dotgemeinschaft befindet,n der die wirtschaftlich stärkeren Schichten zu weitgehender Rücksichtnahme auf die übrige Bevölkerung, auch wenn es ge­wisse Opfer vom einzelnen verlangt, ver­pflichtet sind, muß mehr und mehr Boden ge­winnen. Diese Erkenntnis muß in alle Bevöl­kerungskreise getragen werden und ist die Voraussetzung für eine wirksame Tätigkeit der Behörden bei ihrer Bekämpfung von Preis- Überforderungen und Ausbeutung. Sämtliche Behörden werden ihre schwierige Aufgabe nach besten Kräften weiter erfüllen, bedürfen hierzu aber der verständnisvollen Mithilfe aller DerufSschichten.

Die Gewalttaten der Franzosen gegen deutsche Eisenbahner.

in der Zett vorn 2.-8. Mai.

Am 2 fr M. bis 7 Uhr abends muhten nach einem Befehl vom 1. Mai 198 Werkswohnungen der H. V. Crefeld-Oppum von den Familien ge­räumt werden

3n Troisdorf muhten am gleichen Rach- mtttage ohne vorherige Ankündigung in wenigen Stunden 35 Familien ihre Wohnung verlassen. 3n Euskirchen ist am 5. d. M. mit der Massen­ausweisung von rund 180 Cisenbahnerfamiliea auS dem besetzten Gebiet begonnen worden. 3n drei französischen Estenbahnstigen sind die Ver­triebenen bisher von Euskirchen nach Bonn und von dort mit Lastkraftwagen ins unbesetzte Ge­biet abgeschoben worden. Ausweisungen sind weiter im Gange.

3n Düren muhten am 5. Mai 178 Familien in einer Frist von 4 Stunden die Wohnungen verlassen.

Am 7. Mai wurden in Chrang die (Straften durch frarz-s she Ce .barmen. Mar^krn:r und be­rittene Spahis abgesperrt. Genfrrrme forderten die Eisenbahner auf. die Arbeit aufzunehmen und sich sofort zu erklären. Auf das Rein, das sie überall erhielten, haben sie Befehl, binnen 15 Mi­nuten die Dienstwohnungen zu ver.asten und nur die notwendigsten Wasche- und Kleidungsstücke mitzunehmen. Mst.nahme ron Waste.-. 6fr e eien, Schirmen, Stöcken. Kinderwagen wurde verboten» Das Vieh durfte nicht fortge'cfrifft werden. Kinder durften keinen Kaffe: bekommen. Mit­nahme von Kaffee und Stullen für erkrankte Kinder wurde verweigert. Rach 15 Minuten wur­den 40 Familien, zusammen 150 Personen, in einem bereitstehenden Leerzug abgeführt unter TDeckung, wie Schwervcr recher. dann ecsch.enen Tegleittommandos mit Maschinengewehren. Der Abtransport erfolgte über Koblenz nach Mainz und von dort nach Koblenz. Auf dieser Fahrt wurde der Transportzug in Boppard durch einen ausfahrenden Güterzug schwer ge ährdet. der auf 1 Meter Abstand zum Halten kam. Die Leute waren in größter Angst, zum Teil schon aus dem Zuge gesprungen. Der Zug fuhr dann weiter nach Diez. Von Die; aus muhte der Weg zur Grenze zu Fuh zuiückgelegt werden. Unterwegs wurde auf dem Transport die Entnahme von Wasser ver­boten. Troy aller Drang'alierungen ist kein Be­diensteter seiner Pflicht untreu geworden.

3n Bonn wurden am 8. Mai 180 Familien mit einer Frist von 4 Stunden aus ihren Woh­nungen vertrieben. Während im Falle Crefeld- Oppum di: Familien ihr Hab und Gut noch mit- nefjmen durften, ist den anderen Vertriebenes