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Nr. 83

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Erster Blatt

173. Jahrgang

Dienstag, (0. April 1923

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und StelnOruderei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtüch80MK., auswärts 1V0MK.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 400 Mk.Dei «Platz. Vorschrift 20"/. Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für «Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst'Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Gieszen.

Sie starben für uns.

Don Pfarrer Dr. Luther, M. d. R.

Dang und schwer Ringen die Glocken über das deutsche Land, indessen im deutschen Reichs­tag des Reiches berufenste Vertreter ihrem tiefen Schmerz über den Opfertod der Getreuen in Essen Ausdruck leihen. Hinter den Worten des Qette und der Klage, die der Reichskanzler in deutschem Mcmneszorn prägt, steht das ganze deutsche Volk. 3n bitterm Weh und doch zugleich in stolzer Trauer grüßen wir unsere gefallenen Brüter. Heißer Zorn ist in uns, daß Frank­reichs Schergen sie töteten, daß sie fallen muhten mitten in ihrer Arbeit, in einer Arbeit, die dem Frieden und dem Menschenwohl dient, die all die dunklen Spuren der Rot schwerer Jahre tilgen will. Richts Schändlicheres wissen wir, als Schaffende, die in hingehender Treue still und schlicht das Ihre tun, wie es unsere Drüder taten, Schaffende, die im großen Rhythmus menschlicher Arbeit Wertvollstes geleistet, mit gemeinen Mord­waffen in den Tod zu treiben. Richts Schänd­licheres wissen wrr als Männer, die ihrer Pflicht getreu auf ihrem Posten gestanden, wie Ehrlose verbluten zu lassen. Richts Schändlicheres wissen wir, als über TInzählige mit brutaler Kälte un­endliches Leid heraufzuführen, als Frauen und Kindern den Gatten und Vater zu rauben und über ihre Rot noch höhnenden Witz spielen zu lassen. Alles in uns empört sich über solch Tun derer, die sich als ritterliche Ration aufspirlen und die doch aller edlen Kultur bar sind denn edle Kultur ist schonsam gegen einen wehr­losen Gegner, edle Kultur hat Ehrfurcht vor Mannessl olz und Liebe zu Volk und Heimat, edle Kultur tastet nicht hilflose Frauen und junge Kinder an. Wem würgt der Ekel nicht die Kehle über das, was an Rhein und Ruhr angeblich im Rarnen des Rechts geschieht und ist doch nur gemeine Menschengier und unmenschliche Ge­walttat.

Wir grüßen Euch, Drüder, in leidvollem Stolz, daß ihr den deutschen Tod gestorben seid, den Tod für Heimat und Herd, für Volk und Vaterland.

Und einen Kranz der Dankbarkeit winden wir um das Denkmal, das Eure letzte Ruhstatt zieren wird. Liebe, deren Gluten nie verloschen, soll allezeit um Eure Gräber wehen aber dankbare Liebe soll auch von Euren Gräbern mit uns als heilige Kraft hinausnxrndern in unser Leben. Dunkel und nachtumschattet liegt unser Pfad vor uns, aber die Gedanken, die zu Euch je und je zurückfliegen, sollen uns leuchtende Sterne sein, die uns den «Weg weisen zu lichterer Zukunft. 3m Menschenland gibts ja nur eine rechte Dank­barkeit: die, seiner Väter wert zu sein, die, im innersten Geist derer, die wir geliebt, ein reines, großes Leben zu führen, die, ihre Arbeit, aus der sie der Tod gerissen hat, in steter Treue weiter­zuführen. Was könnten wir Euch Drüdern Desse- res geloben, als Eures Opfertods eingedenk zu bleiben, als um Euretwillen in Ernst und Trotz, wie 3hr, für die Heimat zu leben, als gleich Euch Schulter an Schulter mit unseren Schicksalsgenossen für Deutschland wach und stark zu sein.

Ihr starbt für uns! Richt als Einzelne, son­dern als Glieder eines Volkes, in sein Schicksal verflochten, mußtet 3hr in den Tod gehen. Daß Euer Opfertod in uns jeni^iebe wecken möchte, die sich allen verbunden Dir sich in Reih und Glied stellt, die V^keHchBsäl als eigenes Schicksal mit allen Fasern des Herzens allzeit empfindet. Wir wollen an Euren Gräbern ge­loben, Euer wert zu sein wir wollen unlösliche Ketten der Liebe schmieden, die kein Schicksal zerbricht und keine Feindeshand, unlösliche Ketten der Liebe, die immer stärker werden selbst im Todesgrauen. Frühlingswind trage der Glocken Klang über die deutschen Lande, daß sie ein starkes, stolzes Geschlecht rufe zu alter Liebe, zu innerster Treue, zu «heiligem Tun! Frühlingswind, zerbrich mit deinen Stürmen alles Welke und Morsche im deutschen Volk; die für uns starben, wollen ein reines Geschlecht, das aus dem Dunkeln ins Helle strebt.

Schlaft in Frieden, deutsche Drüder! Letzter Glvckenklang, der über Eurem Grab verweht, ruft dennoch: Tlnverloren, unverloren! 3hr starbt für uns, aber Ihr lebt in uns, daß durch uns Deutschland wieder frei werde und stark.

Berlin, 10. April. Zum heurigen Tage der allgemeinen Trauer für die Essener Todes­opfer vom Ostersamstag schreibt dieKöln. Itg.":

Heute früh zwischen 9 und 10 Uhr, wenn im Deutschen Reichstag der Reichskanzler in Gegen­wart des Reichspräsidenten den Toten von Essen ben Gruß und Dank des deutschen Volkes in das Grab mitgibt, wenn alle deutschen Glocken läuten, bann wird auch das besetzte Gebiet aus der Knechtschaft die Freiheit grüßen, die die Toten von Essen im Sarge fanden. Lieber tot als Sklave! so rufen die Dewohner des besetzten Ge­bietes heute am «Degräbnistage der Essener Ar­beiter der Welt zu.

DieKöln. Volksztg." schreibt: Der heu­tige Tag, an dem in Essen die Opfer des Dlut- bades vom Ostersamstag zu Grabe getragen werden, wird im ganzen Reiche als Trauertag begangen. 3n Essen wird sich die ganze Stadt an den Trauerkundgebungen beteiligen. Die Arbeit ruht. Alle Läden ltnd Gastwirtschaften bleiben den ganzen Tag über geschlossen.

DerVorwärts" sagt: Das ganze deutsche Volk ist heute mit seinem Herzen in Essen, wo 13 Männer der Arbeit als Opfer einer rechts­widrigen Gewalt zu Grabe getragen werden.

Der Reichspräsident über die französische Schande in Trier.

Berlin, 9. April. (WTB.) Der Präsident der Reichsbahndirektion Trier hat an den Reichspräsidenten folgende Meldung ge­richtet:

Gießen, 8. April.

.Gestern hat die wild gewordene Sol­dateska von Trier eine vierundzwanzig Stunden zuvor ausgesprochene Drohung wahr- gemacht, indem sie mit ihren farbigen Afrika­nern 106 Familien der Eisenbahnerkolonie in Trier-West auf die Straße setzte, weil die Männer dem Reiche den Treueid nicht brechen wollen. Erst als die Cpahis die Möbel auS den Fenstern auf die Straße warfen, griffen hilfreiche Hände mit zu, um nicht alles in Stücke gehen zu lassen. Jetzt sind diese Aermsten mit Weib und Kind und ihrem Hausrat obdachlos. Die Flücht- lingSfürsorge zu Trier versucht die Rot zu Untern. Hilfsaktion nötig. Einer anderen, 98 Fa­milien starken Kolonie der Eisenbahnbaugenossen- scbrft S t. P a u l f r n in Trier und der Über 500 Mitglieder starken Kolonie in Ehrang steht für die nächsten Tage daS gleiche Schicksal bevor. Diese irrsinnige Roheit farm nicht laut genug vor aller Welt gebrandmarkt werten."

Der Reichspräsident hat darauf geant­wortet:

Diese neueste unmenschliche Grau­samkeit des französischen Militär« cienen Fvruen und Kinder, die durch eine brutale afrika­nische Soldateska aus Haus und Heimat verjagt werden, weil ihre Männer und Väter eS ab- lehnen, ihren Treueid zu brechen wird so hoffe ich in der ganzen zivilisierten Welt die gleich« Entrüstung und Empörung Hervor­rufen wie m Deutschland. Als erste Hilfe für die vertriebenen Familien bgb- ich an Sie aus den mir zur Verfügung stehenden Mitteln 10 Mil­lionen überwielen: weitere Hilfsmaßnahmen sind in die Wege geleitet."

Frankfurt a M, 9. Avril. (WTB.) Die Franzosen haben teilte die Eisenbabner- kolonieTrier-S». Paulsen re'naft'am ge­räumt. Obdachlos sind etwa 10 Gismrbahner­familien. Die Gisenbabnbeamten von E o n z und KarthauS (etwa 90) haben heute den schrift- Hcten Befehl erhalten den Dienst wieder ou^'i- nehmen. 3m Weigerungsfälle wjrd ihnen ein kriegsgerichtliches Verfahren angedroht.

An dre deutschen Eisenbahner.

Derlin, 9. April. (WTD.) An die deut- schen Eisenbahner im besetzten und Ein­bruchgebiet ist unter dem 8 April folgender A i f- ruj ergangen: Dec Abwebrkampf, den Deutsch­land um Freiheit und Leben im Ruhrgebiet zu führen gezwungen ist, hat die deutschen Eisen­bahner an ter Ruhr und am Rhein, in ter Pfalz, in Hessen und in Baden in die vorderste Kampfeslinie gestellt. Unsere Gegner wissen, daß sie ohne die Mithilfe ter Angehörigen ter deut- schen Reichsbahn ihr Ziel nicht erreichen. Durch harte Dedrückung, brutale Verfolgung und arg­listige «Verlockung suchen sie daher mit aller Macht deutsche Cisenbahnbeamte und Arbeiter auf ihre Seite zu ziehen Eid und Pflicht. Recht und Gesetz, Völkerrecht uno Vertrag zu Füßen trete'.rd. Dem haben die deutschen Eisenbahner ihr stummes unbezwinglichesRein" entgegrngrstellt. Trotzend allen Drohungen, trohmrd den sich von Woche zu Woche steigernden Quälereien und un­angefochten von ten versülwerischsn Versprechun­gen bleiben sie standhaft, bleiben sie treu ihrer beschworenen Pflicht, ihrem Vaterlande und ihrem Volke, mag landfremde Gewalt sie auS Heimat und Eigentum vertreiben, mag brutales Faust recht sie mißhandeln und in die Gefängnisse schleppen, sie wollen und werten keine Dienste in Knechtschaft tun. Mit tiefem «Mitgefühl und stolzer Bewunderung sieht ganz Deutschland dieses ft i IIe Heldentum, das uns allen alS Vorbild deS Mutes artb AuS- harrens täglich neu stärkt und uns anfeuert, in den Hilfeleistungen bis an die Grenzen unserer Kraft zu gehen. Es wird Ehrenpflicht des ganzen Reiches sein, nach besten Kräften alle Schäden wieder zu heilen, die neues älnrecht den Einzelnen zugefügt hat. ES muß unser Aller erste Sorge fern, die Freiheit wieder zu gewinnen. DaS deutsche Volk weiß, daß die Eisenbahner im Westen für eine bessere Zukunft teS Vaterlandes Schweres un2> Bitteres tragen und weiter zu dul­den bereit sind. Der Dank teS ganzen deutschen Volkes für ihr AuSharren sei ihnen erneut ver­sichert. Dieser Dank und unsere Bewunderung sollen sie begleiten in die Zeiten hinaus, in denen wir wieder frei find von fremder Gewalt und auf unserer Väter Erde in freier Arbeit leben.

Reichspräsident: Ebert.

geggz Reichs'oerkehrSministec: G r o e n e r.

Die Ausweisungen.

Berlin, 9. April. (Wolff.) Der Vortragende Legationsrat Dr. Zechlin von ter Prefseabter- lung ter ReichSregierung. ter im Ruhrgebiet die Aufgabe «hatte, die ausländische Presse über die dortigen Vorgänge vom deutschen Stand­punkte aus zu informieren, war trogen feiner Tätigkeit von ter französischen politischen Polizei verhaftet und acht Tage in dem MänuergefängniS Düsseldorf gefanqeng-halien worden. Zechlin wurde jetzt in Freiheit gefetzt, aber auS dem besetzten Gebiete auSgewiesen.

A a ch e n, 9. April. (Wolff.) Oberbürger­meister Dr. 3 a r r e S von Duisburg, der eine Gefängnisstrafe hier verbüßt, wurde gestern von den Franzosen ausgewieken und mS -nW- sehte Gebiet gebracht.

ln, 9. April. (Wolff.) Die Gesamtzahl der bis 6. April ins unbesetzte Gebiet ausgewiesenen Eisenbahnbeamten und -arbeiter im Eisenbahnbirektionsbezirk Köln beträgt 64, aus ihren Dienstwohnungen wurden 364 Eiscn- bahnerfamilien vertrieben, von 158 Verhafteten wurden 25 vor ein Kriegsgericht gestellt und zu insgesamt 74 Monaten 12 Tagen Gefäng­nis sowie 2 Millionen Mark Geldstrafe verur­teilt.

Witten, 9. April. (Wolff) Nachdem in den letzten Wochen Bürgermeister Laue, Stadtbau­rat D e w i g uird Bürgermeister Terjung von den Franzosen verhaftet, bestraft und ausgewie- sen wurden, wurde heute auch die letzte leitende Persönlichkeit der Stadtverwaltung, Stadtrat Spante r, verhaftet.

Der Abwehrkampf.

Berlin, 9. April. Rach einer Meldung desVorwärts" au8 Köln hat die dort am Sonn­tag abgeyaltene Konferenz ter sozialdemo­kratischen Funktionäre auö den Kreisen Köln, Aachen, Koblenz, Trier und dem Saar- gebiet nach dem Referat deS ReichstagSabgeord- netea S o l l m a n n eine Entschließung an­genommen, worin die rheinische Sozialdemokratie erklärt, daß sie gn dem passiven Wider­stand gegen di« militaristisch-imperialistische Ge­waltpolitik f e sl h ä l t. bi« Frankreich aum Der- ständigungSfrieten bereit ist, ter Deutschland nur im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit verpflichtet. Zum Schluß verwahrt sich die rheinische Sozial- temoltatie gegen die Errichtung einer west­deutschen Rheinrepublik, wie sie von Frank­reich geplant wird. Die Beteiligung an einer der­artigen Einrichtung wird als eine« freien Volkes unwürdig bezeichnet.

Grsangenenfnrsorge br# deutschen Noten Kreuzes im Nnhrgcbiet.

Berlin. 9. April. Unter den Aufgaben, die den in Essen eingesetzten besonderen «Dele­gierten des deutschen Roten Kreuzes für das Ruhrgebiet obliegen, steht tm Vordergründe die Betreuung der Gefangenen. Nachdem die DesetzungSbehörden ihre grundsätz­liche Z u st i m m u n g zur Durchführung der Fürsorge für dieselben durch das deutsche Rote Kreuz geeeben hatten, konnten in der Zwischenzeit nahezu alle Gefängnisse durch die Delegierten besucht werden. Die Fürsorge wird örtlich von dem Gefangenenhilfsausschuß deS Roten Kreuzes wahrgenommen werden. Die­ser Ausschuß regelt die B e k ö st i g u n g, den Besuch der Gefangenen und versorgt sie mit Wäsche, Bedarfsartikeln, Lesestoff, Schreibsachen usw. So sucht er auf jede «Weise das Los der Gefangenen nach Möglich­keit zu erleichtern.

Verschärfter Belagcrttttgsznftand über Castrop.

M ü n st e r, 9. April. (WTB.) Ueber C a st r o p ist seitens der französischen Besat­zungsbehörde wegen Einstellung der Gas­zufuhr infolge des Streiks der Belegschaft der gestern besetzten ZecheGraf Schwerin" dec verschärfte Belagerungszustand einschließlich der üblichen Verkehrsbeschrän­kungen verhängt worden.

Der päpstliche Abgesandte in Cfsen.

Essen, 8. April. (WTD.) Der päpstliche Delegat Testa hat heute morgen mehrere Führer ter christliche,: Gewerkschaften empfangen. Rach- mittagS machte er dem französischen 'Armeebischof in Düsseldorf einen Gegenbesuch.

Von den Franzosen besetzte Zechen.

Kupferdreh, 9. April. (WTB.) Am Sonntagvormittag besetzten die Franzosen bi» ZecheJohann Deimelsberg" (Adler". A.-G. für Bergbau). Die «Belegschaft fahr heute früh nicht ein. Gleichzeitig mit der Zeche Bonifacius" ist auch die ZecheJoachim" (ManneSmann) beseht worden.

Auf ter Zeche Waltrop sind außer dem Direktor, Oberbergrat Stinn, ter Maschinensteiger «Barthel, der Vermessungstechniker Sturm und sein Sohn sowie zwei Maschinisten verhaftet worden.

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Frage und Antwort im englischen Unterhaus.

London, 10. April. (WTD.) Das Unter­haus trat gestern nachmittag nach ten Öfter« feiten wieder zusammen. Donar Law saß auf der Rcgierungsbank, feine Stimme war jedoch noch schwächer als vor ter letzten «Vertagung; er formte sich dem Hause kaum verständlich machen.

3n Deantwvrtung verschiedener Anfragen er­klärte der Premierminister, er könne seiner bereits weaen ter Lage im Ru hr gebiet gemachten Erklärung nichts hinzufügen.

«Wedgwood Benn fragte, ob Donar Law irgend etwas über den Zweck des Desuches LoucheurS sagen könne. «Der Sprecher wandte em, daß eine Anfrage darüber bereits vorliege. Das Mitglied ter Arbeiterpartei «Wedgwood fragte, ob nicht P oincar e vor kurzem eine Botschaft an die Belgier gerichtet habe, in ter er erklärt habe, daß die Räumung deS Ruhrgebiets nicht eher flattfinten werte, bis die Reparationen voll geregelt seien. Donar Law erwiderte:Ich glaube nicht, ich habe sie nicht

gesehen.«' Das Arbeitermitglied fragte den Mi­nister weiter, ob Loucheur während ieines letzten «Besuchs ihm irgend welche Vorschläge für die Lösung des Ruhrwirrwarrs vorgelegt habe, und ob die Vorschläge entweder die 3ntemationali« sierung des Rheinlantes oder die älebernahme ter «Bürgschaft für eine Anleihe, die durch Deutschland aufgenommen werten solle, um sofort Zahlungen an Frankreich $u leisten, auch die Englands umschließe. «Denn ja, ob er es Loucheur Rar gelegt habe, daß England keinen dieser Vorschläge annehmen könne? Donar Law erwiderte, Loucheurs «Besuch sei völlig in­offiziell gewesen. Es habe nur eine allgemeine Unterhaltung stattgefunden. Kennworthy fragte, ob es wahr fei, wie man berichtet habe, daß ter Premierminister in feinem eigenen Ra- men und namens ter Regierung seine Zustimmung zu ter französischen Aktion im Ruhrgebiet aus- gedrückt habe. Donar Law erwiderte, seine Antwort laute verneinend, die Frage wurde nie­mals erwogen. (Hört! Hört!) Kennworthy fragte hierauf, ob denn die Berichte in ter fran­zösischen pnd englischen Presse, daß Loucheur nach Frankreich zurückgekehrt sei mit ter Zu­stimmung ter britischen Regierung zu der fran­zösischen Aktion im Ruhrgebiet, nicht die wahre Mitteilung der Tatsachen darstellten? Donar Law erwiderte:Ich habe keinerlei derartige Mitteilungen gesehen." (Hört! Hört!)

London, 9. April. (Wolff.) Der diploma­tische Berichterstatter desDailyTelegr i p h" schreibt, trotz ter Rückkehr Donar Laws und Stan­ley Badwins nach London seien die britischen amt­lichen Kreise äußerst abgeneigt, irgendwelche An­sicht über die Frage des «Besuches Lou­cheur s auszusprechen und über die von ihm wäh­rend seines «Besuches dargelegten Gedanken. Do­nar Law und seine Kollegen hätten die Gelegen­heit eines unformellen Meinungsaustausches mit einem so hervorragenden Franzosen wie Loucheur begrüßt. Aber man fühle sich britischerseits zu keiner maßgebenden Erklärung berechtigt, bevor nicht ein formeller Plan, ter a le oder doch einige ter Ansichten Loucheurs umfaßt, ter bri­tischen Regierung offiziell namens der französischen unterbreitet werte. Man wisse in London nicht, weit weit Loucheurs Ansichten die Ansichten darstellten, die augenblick­lich von Poincare und dem französischen Kabinett vertraten würden. Den Informationen desDrrlcht- erstatters zufolge ist die PolitikPoincur-s von ter Loucheurs in zahlreichen einzelnen Punkten, wenn nicht in einigen grundsätzlichen Punkten, verschieden. Der französische Mi- nisterpräsiteat werte dies vielleicht bald klar ma­chen. Es brauche jedoch nicht unbedingt.daraus ge­schlossen zu werden, daß es so bleiben weide. Eben­so übereilt würde es sein, anzunehmen, daß die Gedanken von den französischen Gemäßig­ten von ten britischen Kreisen vorbehalt­los angenommen werden. Es gäbe mindestens zwei größere Fragen, in denen mangels eines vollen Haren Planes die französischen Gemäßigten auf den ersten Blick Vorschläge wiederzugeben scheinen, deren einer finanzieller, der andere poli­tischer «Ratur sei, die ein gutes Stück meitergeten, als irgendeine britische Regierung bereit fein könne, zuzulassen. Beispielsweise werde darin indirekt gefordert, daß Großbritannien sich be­mühen sollte, von Deutschland, statt von den Alliierten, wie das in Bonar Laws Januar- Vorschlägen nietergelegt war, die Beträge zu fordern, die notwendig sind, um Großbritanniens «Verpflichtungen gegenüber ten Vereinigten Staa­ten zu erfüllen, jedoch nicht für Reparations­rechnung Desgleichen werte ter Vorschlag ter Schaffung eines west rheinischen Staates in London mit gewissen Defürch.ungen entgegen­genommen, da er einen Eingriff in das innere Gefüge Deutschlands darstelle. Es sei jedoch mög­lich, daß, wenn diese dornigen Probleme gründlich durchgesprochen seien, ein Plan entstehen könne, ter diese und andere britische Einwände be­seitigen würde. Louch'.urs Vorschläge seien natürlich nicht in der Gestalt eines endgültigen Planes erfolgt einen solchen könne ja nur die französische ^Regierung unterbreiten, son­dern als eine Art von bei fudfrg teeren Vorschlägen, die eine Erörterungsgrundlage bilden sollen. Der erfolgte nicht formelle Me'mungsaustausch, ter möglicherweise auf einer mehr offiziellen Grundlage fortgesetzt werden könne, sei natürlich ziemlich heikler Ratur gewesen, daher werte es für wesentlich und dringend notwendig gehalten, daß auf beiden Seiten des Kanals gewisse Uebertreibungen und 3rrtümer ver­mieden würden.

Das Ergebnis einer Ersatzwahl

London, 10. April. (WTD.) Dei ter Er» sahwah l von Anglesey ist ter liberale Kan­didat Thomas, ter von den beiden Gruppen ter Liberalen unterstützt tourte, mit 11 116 Stimmen gewählt Worten. Der Arbeiterkandidat erhielt 6368, der Konservative 3385 Stimmen.

Belgien zahlt seine Schuld an Amerika?

Paris, 10. April. (WTD.) Wie dieGfit- cago Tribüne" aus Washington berichtet, hat Belgien, ohne eine Initiative von fetten Frankreichs oder Italiens abzuwarten, in Wa- s'hington ankündigen lassen, daß es so­bald wie möglich mit ter Z i n s e n z ah l u n g für seine Schuld bei ten Vereinigten Staaten zu beginnen beabsichtige. Die erste Zinsenzah­lung sei am kommenden Montag fällig. Es ver­laute, daß es sich um einen einleitenden Schritt Belgiens zur Liquidierung feiner gefamten Schuld handle.