Druck nnb Verlag: Vrühl'sche Univerfiläls-Vuch. und Stelnöruderei H. Lange in Gießen. Schristleltung und Geschäftsstelle: Zchulsttaße L
erhoben. UeberbieS flirrte man In offUidkn Kreisen den Mangel u n g u le m QD i11c n bei den deutschen Eisenbahn e r n, ucr sich bei der Durchfuhr der mit fr^oslsch-belgf schon Abgaben belegten Waren »eigen wurde. Bei diesem Stande der Dinge werde also die Frage vielleicht eine gründliche Prüfung durch die englische Regierung erfordern. Godley tt*eri>e mit dem Kriegsminister und dem englischen Kabinett oder wenigstens einem Kabinettsausschus) weitere Besprechungen haben.
Nr. 59
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vorfindet.
Als eine bedeutungsvolle Ergänzung der Kanzlcrrede machten einige Mitteilungen deS Abgeordneten Dr. Stresemann ein ge- wi sseS Aufsehen; er war offenkundig bemüht, der DolkSeinigkeit Tribut zu zollet und erklärte, auch die steuerliche Erfassung der Sachwerte werde gutzuheißen sein, wenn damit wirklich die Freiheit und der Friede deS Dolles zurückgewonnen werden könnten und die Gefahr nicht mehr bestehe, daß solche Maßnahmen nur die Laschen der Feindmachte füllten. Im „Vorwärts" und im »berliner Tageblatt" erfuhr darum Streseinanns Rede eine zustimmende Beurteilung, wichtiger aber war vielleicht dem volksparteilichen Führer.die Wirkung im Auslande. Die Deutschland gün- I stige Stimmung muh bei solcher Haltung von Regierung und Reichstag wachsen, zumal Herr P o i n c a r e gestern im Ausschuß der französischen Kammer wieder schroff erklärte, dah Frankreich jede Vermittlung und auch jeden Versuch indirekter Verhandlungen z u- rückweise. Deutsche Vorschläge dürften sich nur auf der Basis bewegen, dah die französische Regierung keinerlei Pfänder und Sicherheiten „gegen leere Versprechungen aus der Hand gebe . . .
Englische Vorschläge für eine Weltkonferenz?
London, 9. März. (Wolff.) Laut „Times" befähle sich eine Gruppe von Mit- gliedern des Unterhauses mit einer Denkschrift über die Frage der Fundierung der internationalen Sch ul- d e n , in der es heißt: In naher Zukunft könnten die in Rußland eingetretenen Aenderun- gen des politischen Kurses zu einer wirtschaftlichen Vereinbarung mit Rußland fuhren. Schwierig scheine es augenblicklich zu sein, mit Frankreich zu einem praktischen Uebereinkom- men zu gelangen, weil England Europa vom wirtschaftlichen Standpunkt aus Wiederherstellung wünsche, während Frankreich seine eigene politische Sicherheit zu erlangen suche. Einem Wirtschaftsbündnis zwischen England, Rußland, Deutschland und den Vereinigten Staaten werde selbst die erste Militärmacht Europas nicht Widerstand leisten können. In der Frage der internationalen Schulden könnte das Rettungswerk jedoch am leichtesten begonnen werden. Großbritannien । solle entweder durch den Völierbund oder direkt die Vereinigten Staaten ersuchen, eine Weltkonferenz einzuberufen, wozu ebenso wie die übrigen Mächte auch Deutschland und Rußland eingeladen waren. Wenn eine Übereinstimmung der Ansichten auf einer solchen Konferenz erzielt wurde, so würde der wirtschaftliche Druck beträchtlich
Die Schuldenfrage hänge im Kern von der Regelung der deutschen Reparationen ab. Gegenwärtig sei es Deutschland wahrscheinlich unmöglich, überhaupt irgend etwas zu bezah- len Um eine Grundlage zu finden, sollte die Lage unter der Annahme geprüft werden, daß die deutsche Schuld an England in Höhe der englischen Schuld an die Vereinigten Staaten, das sind 920 Millionen Pfund Sterling, festgesetzt würde.
Folgender Verttag wird dann vor-
Deutschland stimmt zu, folgende Beträge für die Reparationen zu zahlen, ausschließlich des festzusetzenden Betrages für den Wieder aufbau der verwüsteten Gebiete Frankreichs. Bek giens und Italiens: an G r o ß b>r i ta n n i cn 920 Millionen Pfund Sterling, an F ran kreuch 716 Millionen Pfund, an Italien 391 Milliv neu Pfund, an Belgien 185 Millionen Pfurck» und an die übrigen Staaten 391 Millionen Pfund, das heißt 2635 Millionen Pfand
2 Großbritannien Duldet den Bereinigten Staaten 920 Millionen Pfund, die Alliierten und I die Dominions schulden Großbritannien 1 Milliarde 280 Millionen Pstind. _
Wenn Deutschland Großbrntarmieu 920 Mck- : 1 (tonen Pfund zahlt, so erklärt sich Großbritannien
Die Bischöfe der besetzten Gebiete an das Ausland.
Die drei Oberhirten, in deren Kirchen- sprenqeln die alt- und neubefetzten Gebiete liegen, Kardinal Schulte von Köln und Die Bischöfe von Münster und Paderborn — der Bischof von Trier konnte wegen mangelnder Bahnverbindung nicht teilnehmen —, kamen am 3. März in Paderborn zusammen, um über die im Einbruchs gebiet um sich greifende Rot und Bedrängnis zu beraten. Ihre Verhandlungen führten zu einem eindringlichen Aufruf an die gesamte Welt; der „Köln. VolkS- reituna" zufolge heißt es da u. a.:
5 Der unselige Krieg hat für unser Boll, das ihn nicht verschuldet und nicht gewollt das ihn vielmehr wie em unabwendba.es Verhängnis unter Hingabe von Gut und Blut im Gehorsam gegen seine recytmaßige Obngkeit vier Jahre hindurch getragen hat unglücklich geenbet qu einer grauenvollen Devolutivn . von । beren Folgen sich unser Volk erst ganz allmählich wieder erholen kann, kam der erbarmungslose so- genannte Friedensv e r t r a g von Versailles, der mit seinen unerträglichen Harten und Lasten unser Volk vollends zu Booen schlug. Ss ist geradezu himmelschreiend Rot, die jener Der- trag über unser Volk gebracht hat, am schlimmsten über jene Kreise, die am Kriege selbst ganz unbeteiligt waren. Vor Gott und unferm Gewissen I atauben wir auch bezeugen zu müssen, daß unser I mPrf folasam dem Willen seiner Regierung, ernst
und 'ehrlich an die Arbeit gegangen ist um bie I von den Siegern geforderten Leistungen, soweit es
Franzosen, im ganzen nur 74 000 Tonnen Rührkohlen fortzuschleppen, während die deutschen Lieferungen vorher 45000 Tonnen täg- l i ch betragen hatten. RichtS fehlte in der Zusammenfassung des ungeheuerlichen Geschehens im Westen, und damit wird den Vollem, die tallos beiseite stehen, endlich einmal eindringlich zu Gemüte geführt, daß diese wilde Saat des Hasses den Frieden Europas
Seele tritt.
Englisch-französische Verhandlungen über den Durchgangsverkehr durch die englische gone.
Daris. S.Wärz. <WTD> Haras m-ldrt aus London: Der vom General Godley gest ,-rni überreichte Entwurs eines f r a n 8 o f i f 2 n g- lischen Abkommens über den Durchgangsverkehr für die Besahungs» armee in dem Ruhrgebiet du rch_ die englisch e Zone wurde von den französischen Behörden akzeptiert und bereits in Köln von den Vertretern der beiden Regierungen paraphiert. Die Regierung in London neigte im allgemeinen dazu, bie R atifikation des Abko mm end vorläufig aufzuschieben. Ein Teck dm: Minister beabsichtige, es in eine umfassendere Ber einbarung über den Eisenbahnverkehr men die außerdem die wirtschaftliche S^age regeln würde. Rach der Raffung einiger TRv \ nister würde das von Godley getroffene Abkommen nur noch einen Teil dieser Konventimi -darstellen. in der über die Internationalen -rans vvrte in sämtlichen besetzten Gebieten v>m kommerziellen Standpunkt aus Bestimmungen getroffen würden. In das Abkommen, in das die mit Godley getroffene Vereinbarung aufgenom- men werden solle, würden also auch die 5^^*' transporte und die Zollst age auf genommen, tatsächlich sei der englische Versand aus den b^ehtmi Gebieten nur bis 20. Februar geregelt. Rach Aw sicht englischer Handelstreise Ware das neue Statut des Handelsverkehrs nach dem 20. Februar dem englischen Geschäft ernstlich hinderlich. Die Gründe hierfür suche man in Lonvon in der vorwiegeno französisch-belgischen Ausfuhr, dem Versandbewilligungssystem und in der Vielfältigkeit der Abgaben, nämlich 20 Prozent für die Reparationskommisston und 10 Prozent ad Valoren der Sonderabgabe von 1—7 Prvzentz was nur die hauptsächlichsten Abgaben seien. Auh^r wurde von den Waren eine einheitliche Abgabe
Annahme oa.i Mnjeigen für öit lagesnummer bis zum 'Jladjmiitag vorher ohnejebe Üerbinblid)heiL Preis für 1 mm hohe |ür Anztigenv 27 mm‘Breite örtlich 70 Mk , auswärts 80 Mk.; für Reklame- Anzeigen von 70 mir Breite 300 MK.Bei Platz vorjchrist 20",. Ausschlag Hauptschriflleiter: ‘21 ug. tdoeh. verantwortlich für ‘Politik: Aug. Goetz; für Öen übrigen Teil: Ernst Blumichein; für öer Anzeigenteil: r>ans Leck, sämtlich in Dietzen.
Neue Gewalttaten.
D ü s s e l d o r f, 9. März. (WTB.) DerDele- gierte Der Reichsbahndirektton Elberfeld bei Der interalliierten Feldeisenbahnkommission in Düsseldorf, Regierungsbaumeister Hin, ist gestern nachmittag von der französischen Gendarmerie schriftlich gebeten worden, zur Auskunsterteilung zum Gendarmer.e'ommando zu kommen. Dort wurde er 2V« Stunden f e st - gehalten und alsdann ins Gefängnis gebracht. Der Grund der Verhaftung ist unbekannt.
Auf Befehl des Brückenkopfkomman- bauten von Düsseldorf mußten 1 8 F a m i I i e n ihre Dien st wohn ungen innerhalb drei Tagen räumen. Ferner ist der Obergütervorsteher Bauer von der Güterabfertigung Düsseldorf-Gerresheim aus unbekannten Gründen von den Franzosen verhaftet worden.
I E»n C'iscttbahnttttfnll auf ber Strecke Mainz-Alzcy.
Mainz, 9. März. (Wolff.) Gestern nachmittag gegen 4 Uhr stieß in der Rähe von Gonsenheim auf der Finthener Chaussee ein, wie es heißt, von Kirn kommendes L a st- auto mit einem Zug der Strecke Mainz- Alzey, die jetzt von französischen Eisenbah- 1 nern betrieben wird, zusammen. Zwei Insassen des Auws waren sofort tot, mehrere andere wurden schwer verletzt.
Dcr Zugverkehr aus der Strecke Limburg-Höchst.
Frankfurt a. M, 9. März. Infolge Ein- greifens der Franzosen auf Bahnhof W o r s - bbrf werden ab 9. März die Züge nur noch zwischen Limburg unb Samberg befördert.
nur menschenmöglich war, zu erfüllen. CBcnn < dieser Erfüllungswille unseres Voltes durch Hin- . gäbe von Werten, die heute bereits 100 Militär- 1 >en Goldrnark erreicht haben, unbestreitbar f e st st e h t, dann fragen wir mit Recht, wo l>at jemals, solange die Welt steht, irgendein Voll, um vor seinen Kriegsfeinden endlich Ruhe du be- I kommen und ein Geben des wahrmi siedens wiederzugewinnen, Größeres und Gewaltigeres l geleistet?! Wir können, wie auch immer wir die völkerrechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse | überdenken, den Machthabern in Frankreich u.iO I Belgien nicht zugestehen, daß bei solcher 1 Evidenz des deutschen Erfüllungswillens eirugc Un Vergleich zum Ganzen geringfügige Rückstände in den deutschen Mcnatsleistungen ihnen das Recht geben, jene furchtbaren Maßnahmen zu ergreifen, unter denen wir mit unfern ®iö5<faneti I jetzt am unmittelbarsten zu leiden haben. Wir können nicht anerkennen, daß die feindlichen Ouu- pationsbehörden das Recht besitzen sollen, die Be- wvhner unserer Diözesen mitten im Frieden gegen ihre rechtmäßige bürgerliche Obrigkeit zu al n- gehorsam und Untreue, zu Eidbrach und Landesverrat zu zwingen unv ehrenwerte Männer, die wir in vielen Fallen persönlich kennen und hochschätzen, wie gemeine Verbrecher zu 5 e ha n d e 1 n und mit Verbannung und Kerker und Fesselung in 1 Ketten zu verurteilen. Empörend sind mitten im Frieden die exorbitanten Geldbußen und Freiheitsstrafen, die für die Bekundung vaterländischer Pflichttreue verhängt werden, barbarisch die Fesselungen, Fußtritte, Peitschenhiebe und andre Mißhandlungen, dir Schuldlosen und Wehrlosen zugefügt werden. Wir sind entsetzt darüber, daß man fogat: bie völlig unbeteiligten Familien jener pflicht» getreuen Männer: Frauen und Kinder, Säuglinge | und Greisinnen, mitten im Winter brutal Don Haus und Heimat verjagt, wie das nicht etwa, vereinzelt, sondern in vielen Fällen vorgekommen ist Wir Bischöfe erklären schmerzbewcgt und sorgenvoll, dah solche, im Ramen einer Friedens- aktion getroffenen Maßnahmen eine n e u e tiefe Kluft zwischen den Völkern schaffen und unsere gequälten Volksgenossen bto zam äußersten reizen, ja zu Verzweiflungstaten heixias- fordern. Wir werden trotz dieser Situation fort- fahren, Im Bewußtsein unserer von G.I)riftu8 sich herleitenden bischöflichen Friedensmission unsere Pflicht zu tun. Aber andererseits wird auch niemand von uns erwarten dürfen, daß wir zu den Quälereien und Leiden, denen unsere Boll^ genossen und Diözesanen ausgesetzt sind, einfach schweigen und mit solchem Stillschweigen zugleich eine Mitschuld Übernehmen an den in ihrer Entse^.lichkeit kaum auszudenkenden Folgen, die wir befürchten, und die mitten un Frieden und trotz ernsten Abraten s der Engländer von den raw.ösisch-belgischen Mach babern heraufv. schworen werden. Wenn etwas, dann muß bie grauen- volle Lage im Rhein- und Ruhrgebiet allen em- ichtigen und friedenswilligen Alenschen die Augen öffnen, wie eilig die außerhalb Frankreichs und Belgiens längst zugegebene Revision S n o t w e n d i g ke i t des fogenaunten Friedensvertrages von -Versailles ist, soll nicht letzten Endes der Krieg zum Rormcckzustand auf Erden gemacht werden. Auf uns ma&n Versuche, die ilnertraglidjfcit b^r von Frankreich und Belgien 9<chastEn SiUiO- tion Hinwegzuleugnen oder gar ver Bevölkerung selbst^die Schuld an den schaurigen VorkonE nissen zu geben, nur insofern Eindruck, als ans dadurch die heilige Pflicht, vor der We offen und laut für die Wahrh eit Zeugnis abzulegen, um so ernster vor die
Die große Rede des Reichskanzlers Dr. tzuno war eine staatsmännische Leistung, wie toir sie lange in Deutschland nicht gesehen haben, und'sie ist um so höher einzuschätzen^ ülS die Schwierigkeiten ungeheuer, wirklich verwertbare Mittel der Machtanwendung so flut wie nicht vorhanden sind. Im Kampfe des Geistes und der Moral, der hier allein in Frage kommt, führte Herr Dr. Cuno ein schneidiges, weithin klingendes Schwert. Es waren stolze, herzhafte und treffende Worte, die er der Fremdherrschaft im Westen entgegen- schleuderte; sie haben die innere Kraft, das zündende Ethos eines Peter von Amiens, iinb die Sarazenen des 11. Jahrhunderts haben im Osten kaum verwerflicher gehaust als Las Kulturvolk der Gallier an Rhein und Ruhr. Wie um hiervon Zeugnis abzulegen, haben die rheinischen und westfälischen Bischöfe, Die heute berichtet wird, der Kanzlerrede ihren Rotschrei an die Welt folgen lassen, den Bannstrahl des Ehristentums gegen die furchtbaren Frevel, die sich, wie die Schreckbtlder des dreißigjährigen Krieges, an den sie sich | erinnert fühlen, unter ihren Augen abspielten.
Der Reichskanzler hatte ein schwierigeres Werk zu vollbringen, als es eine Predigt ist. Politische Widerstände aller Att erforderten ein kluges Abwägen aller noch so leidenschaftlich beherrschten Angriffe. Im Innern darf es jetzt keine Feinde geben, und so vermied er nicht allein alles, was Mißverständnis und Anstoß erregen könnte, sondern er machte beruhigende Zugeständnisse. Er sprach mehrmals von der deutschen Republik, die mir erhalten müßten — und in der ^at, heute gibt es kefne grundsätzlichen Zweifel; das bedrohte Vaterland ist diese Republik, auf die jetzt keinerlei Vorstoß unternommen werden darf. Der Reichskanzler hat auch alle Redlichen im Lande auf seiner Seite, wenn er Durchblicken lief), daß Ueberhebung oder Großsprecherei nicht am Platze seien, sowohl wegen des tiefen Ernstes unserer Lage als auch wegen der Rotwendigkeit, die leidige parteipolitische Rivalität zum Schweigen zu bringen.
Der wichtigste Teil der Kanzlerrede galt dem Auslande. Dort erwartete man vielleicht die ersttn Anzeichen emer Erweich u n g des nationalen Widerstandes. Der Kanzler bewahrte aber eine metallische Harte. „Fort mit dem Gerede über Verhandlungen! - so erklärte er. So lange Frankreich die Ab- | sicht hegt, deutsches Land unter seme Herrschaft zu bringen, kann mit ihm fein Friede geschlossen werden. Keine deutsche Regierung wird ihr Einverständnis zu einer verschleierten oder unverschleierten Abtretung deut chen Landes erteilen. Was Herr Pom- care will, wissen wir; die Zurückhaltung Englands und Amerikas kennen wir — also fort mit allem Gerede! Wenn Möglichkeiten auftauchen, zu einer gerechten Loiung der Reparationsfrage zu gelangen, wird die deutsche Regierung zum Verhandeln bereit sein und - unter den genannten Voraussetzungen - keine Dermittlungsvorschläge zuruckweisen. Der Crfüllungswille Deutschlands in Vergangenheit und Gegenwart wurde von Dr. Cuno vor der Welt klar hervorgehoben, und alle Ziffern der bereits vollbrachten Leistungen des Besiegten wirkungsvoll nebeneinandergestellt. Das große Gemälde des S^rnar- terten, in seinem Versöhnungswillen wieder- getretenen Deutschland, und auf der andere Seite des unersättlichen, grausamen, lügnerischen Frankreich, wird fernen ^rud nicht verfehlen. „Wo ist die Ehre? nef de Kanzler aus, als er die Leiden der tapferen deutschen Beamten, ihreunerschuiterlcye^reue, schilderte, und den brutalen Peiniger darben, der sich selbst verachten muß wie der Kroar bei den Wollensteinern. Das Faztt der acyst Wochen des Ruhrabenteuers kann nun von niemand mehr besttitten werden, nachdem 2N. Euno es ziffernmäßig belegte: Es gelang den
aufs ernsteste gefährdet.
Die deutschen P a r t e i f ü h r e r, die nach Dr. Cuno das Wort nahmen, bezeugten im allgemeinen die Einigkeit des Volkes in diesem Abwehrkampfe. Auch Dr. David, der Sprecher der Sozialdemokraten, erklärte, daß der feindliche Erobererwille „an dem starken Fels der Sozialdemokratie zerschmettern' werde. Etwas peinlich war nur der Tumult, der sich über der Rede HergtS, des Führers der Deutschnationalen, erhob. Seine leidenschaftlichen Anklagen und Aufrufe entfesselten einen Sturm bei den Kommunisten. Herr Hergt und seine Leute stehen mit ihrer Forderung nach Repressalien und Abbruch der Dez.eoungeu -u Frankreich und Belgien allein. Die Reichs- reaierung tat unseres Erachtens recht daran, olche Schritte zu unterlassen, denn damit würde nur Wasser auf die Mühlen PoincareS geliefert; die Engländer und Amerikaner fanden Gründe, sich von den schlimmen Deutschen abzuwenden. Wie die Dinge jetzt liegen, müssen sie sich der vollen Schwere der Verant- wottung bewußt werden, sie müssen sich vor sich selber schämen, daß sie machtlos gegen die französische Barbarei sind. B o n a r Law ist im Unterhause den Arbeiterführern mit der Bemerkung entgegengetreten, England würde vielleicht in einenK r i e g gegenFrankreich ein- I zutreten haben, wenn es die Interventtvns- politik der Arbeiterpartei durchführen wolle. Uns dünkt, es gibt denn doch noch andere Mittel für'bie Londoner und Washingtoner Politik, um den Franzosen nachhaltig jenes „Bis hierher und nicht weiter!" zuzurufen, das Lord Cecil als Parole empfiehlt, und wofür die „Time s" von Tag zu Tag mehr Anlaß
Wochenrückblick.
Die paneipolitische Unruhestiftung. oder gar das leichtfertige Gerede von der Gefahr eines Bürgerkrieges, sind durch die Reichs- tagSverhandlunaen dieser Woche schnell aus ll dem Felde geschlagen worden. Also war eS : sehr nützlich, daß die Volksvertreter zusam- V mengefommen sind. IZetzt liegen die Meili nungsverh'iltnisse deS deutschen Volkes klar i auf dem Tische, die innerpolittsche Richtschnur acht nicht verloren, und das Ausland kann sich j ebenfalls zurech'.finden. Der Abwehrkampf im ! Ruhrgebiet und in den Rheinlanden ist eine f1 emeinfame, nicht zu negierende oder abzu-
Hwächende Sache auch der politischen Parteien. Verknöcherte Bureaukraten der Politik, die von dem vielgeschmähten alten Deutschland die abgeschnittenen Zöpfe der Tradition zäher festgehalten, als ihr freiheitliches Fort- IchrittSprogramm eigentlich gestattete, werden sich nun wohl auch wieder der gemeinsamen I Marschroute auf eine weitere Strecke WegeS enbequemen müssen.
Erster Blatt 175. Jahrgang Samstag, 10. iHarj 1923
GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen


