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Donnentag, 9. August 1925

175. Jahrgang

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

OntfeHDtTtef: Uetvtrfltats-Bed}. wiö StetiDniderei H. tauge In «e|en. Sdfriffltltiifl GeschSfttReSe: rchullttatze 7-

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Die Kanzlerrede im Reichstag.

TeJUgter.mg«ttt4 Dr Suno.

liineiiuitiiifHr Otter. TDtrtfdxiftlmtnlftcr Dr Dedrr. QUibemninlftrr Don Botenberg, Jin'nj- mtntftrr Dr Herme« Brix-ttiminifter Dr Broun. Wehiiui»ifter Dr ®rb(n Das Haus ifl gut be­legt Tie Irl Minen |(nb überfünt 3ii her DjMo- ma len log« wo ho en zahl reiche au#L5ntX1dx Her» tretet den Bertxxnb Lungen bei

3uf bet Xa geÄotfwnm g steh, bte erste Lesung bei lobropfer«, be« Cteuerjlnjgc- lebet, bet Verbrau che rsteueraesrhe« imb bet 'Bortage über bk ®rt>6hungert bet Bor* au<»a bl ungen auf bi e Otnfommen- jnb R6rperf<baftefteucrn

Präsibent Labe crbffwi bk Sitzung um 3 Uhr 20 Minuten unb bebt beTDor e« tei *u b*- rurdjicn gttDOfen, Daf) bK finanziellen unb tmrt- I fchastlichen BerbälmiHe unteres Lande« den bal­digen TDkbetaufannnentritt des Beid>4taq« not­wendig machen würden Verhandlung«reife Be- gieiung«Dorlagen lägen jetzt vor Da« Pailammt müfle icldx Br bett leisten, wenn die erhoffte Besserung noch kommen solle. Der Präsident ge­denkt, wahrenb die Bbgcoebneten sich non den Plätzen erheben, be# Ableben« de« Präsiden- ,en bet Vereinigten Staaten Don Amerika. Harbing ör habe bereit« dem amittkanischm Botschafter Don der Teilnahme de« Reichstag« Kenntni« gegeben Präsident Lobe bnibft daran den Dunsch bah Amerika sich uheryagen möge, welche groben Verdienste um die Menschheit e« sich erwerbe, wenn bte grösste imb cinfluhreichfte Republik der ®tbc ihre Mit­hilfe zur öefunbungunb Befriebigung der Welt breten würde Der Präsident teilt bann mit. bah der Adg Hägemann (D Vpt ) am Erscheinen verhindert fei. da er die 3u«relkertaubni« nicht erhalten habe Darauf nimmt

Reichskanzler Dr. Cuno

da« Dort, der zunächst Don den Kommunisten am Sprechen Derhtndert wird, die rufen Der 2 us - sicht « r <tt d o n Stlnne« und Konsorten bat da« Wort, Schwindler. Betrüger, ab- rretenl Der lebenbe Leichnam redet Sie sind ein Verbrecher am deutschen Volkei Unruhen auf allen Seiten be« Hause« Pfuirufe recht« Rufe Bau« mit den Ausländern! Der Abg Froeh­lich (Äomm.) erhält zwei Ordnung «rufe Präsident Loede macht darauf aufmerksam, bah bei weiterer Richtbcfolgvng feiner Mahnung eine gröbliche Verletzung der Ordnung be« Haufe« tn>r- liege und er bte Ausweisung der betreffenden Ab­geordneten vornehmen werde

Reichskanzler Dr. Tuno beginnt bann seine Rede unb erinnert daran, bah am Sonnabend da« deutsche Volk den Verfassungstag begehen werde Die französisch? Jabel von der friedlichen In­genieurkommission unb den produktiven Pfandern lasse sich heute nicht mehr aufrechterhalten Trotz aller Drangsalierungen würde die Bevölkerung am Rhein in Treue am Baterianbc festhalten (Beilall bei der Mehrheit) DieSntscheibungltege jetzt bei England Aber e« wäre zwccklo« und gefährlich, in diesem Augenblick über die Ein­zelheiten der englischen Aktion sich zu Derbreiten oder Kombinationen daran zu knüvsen. Wir dür­fen nicht an England, sondern

missen an tut« selber glauben

Wir haben immer den Willen zur Berftänblgung mit Frankreich Dar bewiesen Aber Frankreich wtll. bah wir vor jeder Verhandlung den passiven Widerstand aufgeben Wir sollen also da« Bäte.- land den Franzosen auf Gnade ober Ungnade au«- liefern. Die« ist eine Forderung, auf bte die Re­gierung nicht eingehen kann (Lebhafter Beifall ) Hinter bietet einen Unmöglichkeit käme eine Kelte weiterer Unmöglichkeiten Man würde un« zur Unterschrift ein Dokument verlegen, da« so au«- geflügelt wäre, bah alles nachgecholt wurde. a>a« nach französischer Auffassung der Versailler Ver­trag versäumt hat Wir kennen die Ge­waltpläne de« Herrscher« und Ver­derber« Europa« Wir sind ihnen gegenüber nur auf un« selbst angewiesen. Zur Sroaltung des Bestände« unserem Lande« müllen wir >edeS, ab.t auch jede« Opfer bringen (Rufe bei den Kommunisten Da« ist .-in auf­gelegter Schwindel!) Wir wolle-i fest 'alten andern gewaltlosen passive - Wider­stand. frei von sinnlosen Gewalttaten Abg Ledebour Sie unterstützen ja Sabotageakte') Der Reichskanzler geht dann auf die innere Po­litik, t>r. allem auf die Wirtschaft«Lage ein D-r Gesundung unserer Wirtschaft müsse erreicht wer­den ohne Rücksicht aus irgeit deinen Stand oder auf besti mm t c Wi r i - schäft «kreise. (3m Anschluß an diese Worte kommt es zu minutenlangen Lärm- l»tnen. jSic Qlbq. Froehlich und Koenen (Komm.» rufen Bankrotteurei Präsident Löde ersucht die kommunistischen Zwischenrater. In die­ser Zeil der Rot dem Volke nicht noch da« Bild der Zuchtlosigkeit unter den Abgeordneten »u bitten Auch bte Mahnungen be« Bräftbcnt.'n bleiben erfolglos Erst nach einigen Minuten kaim der Reichskanzler in feiner Rede fortfahren >

Der Reichskanzler kündigt al« bi' nächsten Vorlagen der Regierung an wertbeständige An­leihen neue schillere Steuergröße und Förde­rung der Wirtschaft ®« komme vor allem darauf an. die Tätigkeit der Rvtenpressc einzuschränken unb überflüflige Einfuhr zu unterbinden Sobald In einzelnen Wlnlchaft«- ftweigen der Weltmarktpreis erreich! 'et, sei die Tätigkeit der Auf-nhandelsstcllenubc- slüfsig geworden. Die Reich« bank ftebc vor wichtigen währungspolitischen Aufgaben, die mit

Berlin. 8 August

Vorsicht und Entlchiollcnhcit gelöst werden müh­ten An tue Landwirte rtchic die Regie­rung die dringende Mahnung nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Lieferung der ge­ben« mittel ihre Pflicht zu tun Sh. Arbeit­geber aller Stände sollten der Entwertung be» Geldes bei der Bemessung der Löhne und Gehälter Rechnung tragen Seit dem Kriege tft unser Volk viel ärmer geworden Wir müllen mehr 1puren und mehr arbeiten -Rufe bei den Kommumste Sie Iparen und trxr arbeiten !i Die Regieru j ('! auf dem Posten >Gelächter unb lärmende Jurufe bei den Kommunisten ) Da« vaterländilche Bewufulein muh heule ein Band der Einigung fein Die Verfallung läht den Ländern die MdalickSeit iur (InHrtlhinn -Kr.-r Verschiedenheiten Diele Vcrfch.edenheit darf aber nicht zu einer Gefahr für die Außenpolitik de« Reiche« werden Wir können eine erfolgreich« Auhenpvlitik nur treiben, wenn der Reichstag hinter einer starken Regierung liebt (Stürmische« Gelächter link« und Rufe Luno der Starfell Mehr al« acht Monate sind c« der, bah ich mein Amt übernommen habe 34) habe e« nur getan, weil ich dem Vaterlande dienen wollte 3ch lann an dreier Stelle dem Vaterlande nur solange meine Knast widmen wie ich da« Betlraucn be« Reichstag« habe aber nicht einen Tag länger. (Beifall unb Händeklatschen i»chtS Rufe bei den Konrmunisien Treten Sie ab1)

Reichsfmcmzmtnister Dr Herme«

nimmt daraus ba« WoN zur Begründung der neuen Stcueroorlagen Riemal« leit dem Abfchluh be« BertaiNen Vertrage« find solche Ein­griffe in die deutsche Staatshoheit das deutsche Finanzwesen und die brutsche Wirtschaft oorge- nemrmen worden, wie in den letzten Monaten. Da« Reich Hai durch den Ruhrkamps nicht nur grobe Lasten, sondern auch ungeheure Einnahme- au«fälle erlitten D-e Reich « vvst ist in einer noch unangenehmeren Gage al« bte Reichsbahn Der nnt einer Billion vcianlchlagtc Fehlbe­trag der Post dürste wesentlich höher werden Um eine gesunde Wirtschaft in den Betriebs­verwaltungen zu ermöglichen, werden

teertbeftänbige Tarife

eingeführt bei der Bahn am 1 Sep­tember und bei der Post am 15 September An Leistungen au« dem Friedensver­trag hat Deutschland biöher annähernd 6 Bil­lionen in Gold- und Sachlieferu.tgen aufgebracht. E« kann vor der Welt nicht beutlich genug betont werden, welche gewaltigen Leistun­gen Da« von Frankreich peigeuxiltigf. Deutsch! inb trotz alledem fertiggebracht hat 3u den einzelnen SteucrDorlagcn übergehend crllört der Finanz­minister, auch die erhöhten Sätze der Vorauszah' langen auf ba« Hundertfache bei bet Ein­kommensteuer unb auf da« Einhundert- vierztgfache bei der Körperfchalt«- ft e u e r feien inzwischen längst durch bte Geld­entwertung überholt worden, so bah eine auhervrdentliche Erhöhung eintreten mühte. Bei der Erhöhung der Tabaksteuer würden auch die Rachteile beseitigt werden, di jetzt dem Kleinhandel auS der Art derRachoerlteuerung erwachsen 3m AuSIchuh werbe zu prüion lein, ob sich nicht noch weitere Steuerquellen eischliehen lassen 3m Herbst werde bei einer Resoiin der Einkommensteuer auch die Frage der Goldbilanz und Geldrechnung zu entscheiden sein Scho-i jetzt leien im Austrag der Regierung Sachoerltändige mit der Frage befchästigt. ob sich eine feste Markrechnung einsühren lasse Die Meinungen der Sachverständtgen gingen illcr- bing« weit auseinander Die finanziellen Veih.il:- nisse bti Reiche« zu den Ländern unb G e - mcinbe-t b.düife.i erncr Beu rege'ung Di? Län- der mühten ihre eigenen Finan,quellen besser aus- schöpfen Darum solle den Ländern und Gemein­den durch den neuen Finanzausgleich

eine größere finanzielle SeldskLndizk.it

auf dem Gebiet der Einnahmen gewähN Werken. Die neue Geldanleihe solle ix« zum Be­trage von WO Millionen dadurch gesichert trxrrbM, bah zur Deckung bei Ji-tlenb e "ftei Zuschläge zur BermögenSsieuer erhoben a>e den. Diele Anleihe werde steuerlich begünstigt durch Befreiung von der Vörienumfahstouer und Erb schattSsteuer Da« Bedürfnis der Bevölkerung nach einem wertbeständigen Zahlungsmittel falle durch die neuen Schatzanweisungen b_- ' friedigt werden Da« Reich könne ectc 'o'.che G i- rant!c aber nur übernehmen, wenn duich die übrigen von der Regierung verhäiigton Btah- nahmen Ordnung in den Etat gebrach' werde und txe Ausgaben durch entsprechende E i.i.-bmen gedeckt würden Darum bildeten alle Vorlagen der Regierung ein zusammenhängend"- Danzes. Gesunde Verhältnisse würden aber - Fl einneren, trenn die Ruhrbesetzung durch einen un­parteiischen Spruch über den amfa.ig unserer RepaiationSverpllicht ungen abgeschlossen werde. Bi« dahin müßten wir der Welt durch schleunige Erledigung der Steueroorlagen bewe lei. datz wir nach Möglichkeit finanzielle Orbnung bei uns schassen wollen. (Beifall recht« unb im Zentrum s

Präsident Lvebe teilt mit, bah nach einem Beschluss de« Aeltestenrate« die 2u«lprache über bte Regierungserklärung morgen be­ginnen soll.

Abg. Äoenen (Äoann.) beantragt zur Ge­schäftsordnung, die Debatte fcort zu beginnen, damit die unerhörte Rede be« unfähigen Reichs­kanzler« nicht ehK-n Tag unwiüerfprvchen hinau«- gehe. Brbettecbelegat tonen der Berliner Groh- oetriebe hätten dfese Forderung an den Reichstag

gerichtet 3n vielen Betrieben fei schon passive Resistenz preNamiert woiden, um ttuno« Rück­tritt au erzwingen (Gelächter >

Abg Muller-Franken (S> Die Äom- munisten haben heute im A.ltestenrat der Ver­tagung der Auslprache zugcftimmt (Rufe bei den Ärmmunlltcn D> muhten wir noch nicht, bah i$unc s. sh unmögliche« Zeug stammeln mürbe') Wenn ter Reichst.,g nach tirfer Begründung dem kommun,stiläen Antrag zuftimmen würde, so muri« ta« die Abdankung be« Parlament« be­bauten (T.ltall bei der Mehrheit )

Der lommunistifche Antrag wird abgelehnt

Um 6 Uhr vertagt sich da« Hau« auf Don­nerstag 2 Uhr Aueipiache über die Regierungs­erklärung

yiätterftimmrn.

Berlin. 9 Äug D e gestrige Rede de« Reichskanzler« Dr Lu o linde! nur in einem Teil ti. yieiie eine rruifch würbigung map- rent die übrigen B älter lich darauf belchränke,'. ein Stimmunflobllb der gestrigen RcichZtagSliyung zu geben und den Znhalt der Rede be« Kanzler« ur die Ausfühinngen des Reichrfinanzminifter« Dr Herme« zu lkiz,zeren Diese Zurückhaliuag hat ihre Urlache wohl bann, bah man der ReichS- la1|«tcbattc übei die Lunored.' nicht vorgreifen will Die aukenpolitifchen Ausführungen im elften Teil der Rede finden vi keinem Blatte mit Au-nahme der .Roten Zahne" Widerlvruch Der Berliner .Lokalanz" hebt besonder« her­vor. dak dieser Teil der Kanzlervede die Zu­stimmung so ziemlich des ganzen Reichstag« fand Die .Deutsche Tageszeitung" unter- sneicht, bah der Kanzler in bezug auf die auhen- vrlitifche Entwicklung namentlich der letzten Wochen die Bilanz mit zwei Feststellungen ge­zogen bat Wir stehen allein und nemand in Deutschland denkt an Kapitulation SS ist eine Tatlache, schreibt ba« Blatt, bah sich der Wider- üanbärnillc b« deutschen Bolles trotz aller Rot. trotz aller neuen Pressionen be« Feinde«, trotz aller auhenpolitischen Snttäuschtnigen befefttgt unb versteift Hai Selbst in der Panik- und Krilen- ftimmung der letzten Wochen ist mit Bestem Won auch r.ur der Gedanke erörtert worden, am Wider­stand gegen die französische Gewaltpolitik irgend- cltra« zu ändern.

Da« _B Tgbl schreibt Der Reichskanzler hat gestern erklärt, bah keine Regierung be­reit lein würde, den passiven Widerstand aus Gnade und Jngnabc pretSzugeben unb da« sollte man zum mindesten auch in London verstehen Er hat getagt, das) wir uns mit allen Mitteln eiserner Entschlossenheit am Leben erhalten müllen, und man baif erwarten, bah der deutsche Reichstag das Mah der Entschioslenheit noch verstärken wird -- Die .Boss Z t g." begrüht e« bah sich der Kanzler die Forderung noch Aktivität zu eigen machen u eile Wenn vielleicht im Augenblick we­nigstens äusserlich auf aussenpolitischem Gebiet >,u einer solchen Altiritäi die 3ei1 noch nicht gekom­men fei. lo müsse sich diele Aktivität im 3nnem auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet um- fcmebi betätigen, als hier die Erfolge indirekt dazu bcitiagen wüiden, Deutschland« auhen- politisä e Lage und seine moralische Stellung ge­genüber der Welt lehr wesentlich zu beeinflussen.

D>e Leipziger Reuesten Rachrich- t e n" billigen eS bah der Reichskanzler die Ver­trauensfrage stellt auf Grund eines Programms, das die innere Politik den Bebürfniffen der äusse­ren unterordnet

($inc (?rqäiijunq der Ztfucrvorlaqrn.

Rach einer Mitteilung be« .B orwärtS" fand gestern nach k.r Plenarsitzung de« Reichs­tags «ine Besprechung be« Reich«sinanzminilter« T> Herme« mit Bcrtritem aller Parteien üt bic neuen Steueroorlagcn statt Der Minister legte, den Blättern jufolge. entscheiden- t<".i 22xl1 uui d>. ulleiszhleunigsie Beratung alter Beilagen Er erlannle ferner die Rotwendigkeit t.i Ergäi.zung der Regierungsvorlagen durch den fr >ialdemokiai>sck-en Vorschlag auf Erhebung einer laufenden Steuer in Höhe des Mehr­fachen der Lohn st euer an Die von Der- Id ieb.r.vn Seiten vorgcfchl-agene Kopfsteuer auf Doldmaik berechnet lehnte er wegen ihrer un- fr c len JTirfung ab Für die Landwirt» I ch o f t sei eine F l ä ch e n st e u e r die im Auaen- 11,ll geeignetste Methode Rach Mitteilung der ,Deut|«chen Allg. Ztg." handelt es fich bei der f,xnannten Kopfsteuer um eine Befteue- . d n g be r Unternehmer, bte in einem von Beiirctern der 3 rdultri. unb der Banhoclt au*- g.arbeit:ten Regierungsprogoamm Dorgeschlagen wird unb bte entfprrchenb der Anzahl der in den Betrieben befchästigten Arbeiter und An­gestellten zu zahlen wäre

Ein neuer französischer Schleichweg.

Bari«, 7 Aug (WB.) Profeffor George« Stelle schreibt im .Oeuvre" Wenn ein deut­sche« Ministerium gezwungen lei. die Dekre'e gegen d.e Ruhrbesetzung auszuhebea. alSdann nerde man in Frankreich .Sieg" schreien. Der Sieg träte fein wirklicher wenn der Quai d'Orsay nicht vollkommen feine Beutralität ändern werbe unb wenn er sich nicht bemühte, die Fechler nicht wieder zu begehen die er feinerleit« dem Ministe- tium Wirth gegenüber begangen habe Man müsse den Zwang erknen durch eine Zusammenarbeit. (Zeder per Deutschland kenne. Wille, bah bte öf­fentliche Meinung die Unmöglichkeit etngefehen habe, dass ein Link«m,nisterium. ober besser getagt, irgendein Ministerium tu« eigener Kraft regieren könne Zeder aufrichtige Deutsche wünsche bah man sich auf einen auswärtigen Einfluh stützen könne.

Wenn ~i Frankreich verstanden hätte, förnue dieser Sinfluh schon längst burch es au «geübt wer­

den Der englische Einlluh sei c«. der ba« Mi­nisterium Ouno galoanlllcrl habe Der Iran- z ö s > 1 ch e S nl l u h müfle der wirkungs­volle RachIoIger fein Alxr bei» werde nur gefch,de", wenn der französifche Einfluh Zu­flucht zu den aufrichtige > Demvkra- I e n nehme und wenn man dem Ministerium (3, folge o irtfchaftlicher und divlomaiiicher Art veifchafle. die qceiancl seien hm bic öffentliche Rieinung »uzufühie» Es geoc eine Dcl.-genheit, die man sich nicht entgehen laffen biirfe Der Völkeibund trete am 3 September In Genf zu­sammen Fianfrcich müfle bic Geste unter­nehmen, bic die öffentliche Meinung von ihm eitrarie, Deutschland an der Hand nebmen und x» selbst in den Völkerbund ei.iführcn, ihm sogar einen Platz Im Rate verschallen und dort mit feinem Vertreter Auge in Auge, mbem e« ollen die ganze Welt zum ,Z,-ugen nehme, fprcchc-,,

Hätt- Frankreich t<i* Itbon tängfl grfnn dann wäre bie Reparation«!rage geregelt Schon langst hätten Franzosen und Deutsche begriffen, tKih ba« 3ntcreflc N-« Gläubiger« und das 3nteres|c de« Schuldners srlidarifch seien, unb da« sei eine jn- umltöhliche Wahrheit die nur der Deistcskrieg der Revanche, ber Schikane und des Hochmut« um­nebeln könnte Man könne sicher sein, w e n n m a n In London nur ble kleinste Wirkung von Verhandlungen zwilchen Paris und Berlin Billern werde, buh bic Hal­tung sofort konziliant würde Habe man nicht den Schrei Lloyd Georges gehört Wolle man im Ruhrgebiet tne Koalition der deutschen und fron- zöfifck^n meiallurgifchen 3ntercffen Ich vollziehen taffen? Das trpic die gröhte Mahr, der jemals England ausgeletzt gewesen lei! Da« Ist wahr. Io sch.iehi Professor Stelle, hier liegt aber auch der Stlültel der Frage

Aehnliche Gedanken, wie sie Professor Stell äuf>ert. sprechrn heute auch .Ere Roavelle" unb .Ouobitien au«

französische Klausen ondVerhetznng- versoche.

Pari«. 9 Aua (WTB) Die Morgen, blätter bringen ausführliche Berichte über bte Reick^tag«sihung, ohne bisher Stellung za der Sitzung zu nehmen

Der .Ma t in" sagt. Relchsstmzler Lano habe im Reichstag gestern ebenso tme Laden- borff im 3abre 1918 aesprothw Or bebe eine anmahende Sprache geführt Man mah ihm aber die Gerechtigkeit widerfahren lassen, bah er sich nicht mit Worten bezahlt mache Rachdem er mehrere Male von Dabernoon enttäusch« worden sei. lei er Ikeptilchrr geworden Auf der anderen Seite habe er Dom deutschen Kapitalismus nicht sprechen können, ohne sich, feine Freunde und seine Politik zu Derart eilen

Rach dem Berichterstatter be« .Jour­nals" sei bic Frage die gewesen, ob der Kanz­ler Worte des Friedens sprechen werde, bir unüberwindbare Hindernisse au« dem Wege räu­men würden und m dem Wunsch nach .stisam- -.cr.a.teiter. m>: Frankreich und Bclg^,> au«- klingen wüiden Aber der Kanzler habe nach dem Rat Helfferich« und der Militärpartet eine nahrhafte KrteqSrcde (!i gehallen

Rach der .8 re Ro veile" lei das ein­zige Originelle in der Rede bic An und Weil«» in bet der Reichskanzler ein Schiedsrichter» amt DrohbrilannienS zurückgewle- 1 e n (I) habe Die Engländer werden nicht ohne Erstaunen bic Sätze leien, in Denen der Wort­führer Deutlchlandö über dir von dem Londoner Kabinett versuchten Anstrebungen sich mit Miß­achtung au-gclprochen habe

Die Kruppwerke liegen still.

Berlin, 8 '21 uq Rach einer Abendblätter» mesdung au« ' nb dir Krupp vc rke durch eine am Samstag von den Franzosen vor» genommene Zerstörung Der BnldXubgleile zur xZcche .Amalia von der 'Äoblcnoerfor» g u n g abgclchnittcn 3nfolqedZ>cn find bte Werke ohne Kraststrom und Damvfkiaft, Io dah die meisten Betriebe flillicgcn

Der Krnpp-Prozeh vor dem KassationSl,os.

Berlin, 8 Aug CDolsf > Am 9 unb 10. August findet nach Blättermclbungen m Pa­ri« der Krupp-Prozeh vor dem Äaffa- t i o n « b o f statt

Dec passive -biderstand in Bncr.

Buer. 8 Aug (WTB I Wie bie .Bua* iche Zeitung" melde,, erfd) cnen aestern Bel­gier, bic auf der Schaltanlage-olren Kok« verladen wollten, im Kesselhaus der Zeche unb stellten die Dampfzuluhi zur Kokerei an Das MafchinenpeZonal dreht? den Hahn ab. Io bah die Belgier adermal« vom Dampf ab- gelchnitt.' waren Darauf begab sich ein bclgi- 14);r 3ngcnicur zum Kesselhaus ji:D drohte da» Kesselhaus zu besetzen, sali« die Danipszusuhr noch einmal unterbanden werden sollte Ta« Maschinenpeilanal entgegnete. es werd« für bie B.'lgier kein Dampf gc.'icfcit Die Bcliicbeleilung vcibanbelt; mit Dem '. llgischer ngenieur unb errrich'e. dah Die Ar. ter und die Pferde aus der Grade heiausg. holt werden konnten Daraus wurde der ganz: Betrieb still- gelcgt DaS Feuer wurde aus den Kcfseln l)er- auSgeriflen Dadurch ist der Betrieb überhaupt unmöglich geworden

Die (ßrtfcln der Franzose».

Düsseldorf, a 2lug <WTB, Di» Franzosen hoben bie als Geiseln ver­haft eien Dr Ellenbeck. D: Keppler unb 5h Hoff au« der Haft entlassen und dafür fiefxm anktere, boomt er Dr. Earl unb Dr. Werver al« OtetieLi