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Samstag, 9. Juni 1923

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zweites Blatt

Nr. 153

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(Fortsetzung folgt)

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Verarmung des Dolles und Staates steht die un­geheuerliche De,'ih- und Machtanhausung in groh- kapitalistischen Ilnternehmungen, im Grobhandel und in der Landwirtschaft gegenüber. Die Mark­entwortung und die Marlstützungsaktion send zu einem glänzenden Geschäft für bie Grohurdustrie geworden. Wir fordern eine sozialisierte Wirt­schaft und Vecstaallichung der Großindustrie.

Um 7 Uhr abends wird die Werterderatung auf morgen, Samstag, 1 Uhr nachmittags, ver­tagt: außerdem kleinere Dorlagen.

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Luitiviri in 3 Akten von Mr Brod. Sorücrtnuf nn der

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er oor ihr auf, und mit ihm Ensingen und einen ihrer Bekannten nach denn anderen. Wi: sonder­bar das war, daß nun w.eder das Leben an ging mit all diesen Menschen, die ihr in diesen kurzen Wochen so fremd geworden waren, so unerrd- lich fremd.

Da stiegen -ein paar Gesichter vor ihr auf, auf deren Träger sie sich ordentlich besinnen muhte. Dun würde sie wieder Besuche machen rnd empfangen, Einladungen an nehmen und selbst ein- laden, sie muhte zu ihrer Sch leiderin gehen und anprcbieren, muhte hundert Dir^ge tun, die alle in ihrer Kleinlichkeit wichtig waren für das Ge­triebe ihres täglichen Lebens, und die getan wer­den muhten, wenn nicht das ganze schnurrende Räderwerk in Unordnung kommen sollte. Die ganze Wohnung muhte revidiert werden, 2Iug ifte war ja sehr zuverlässig, aber das tat doch not D e Teppiche und Dorhänge waren von ihrem Aufbewahrungsorte schon abgeholt S'e dachte an hundert Dinge. Es graute ihr davor, daß sie alle geschehen mußten. 3m vorigen Orhrr hatte sie sich eine Liste der Besuche ausgestellt, die sie zu machen hatte. Dieses 3a hr kamen nun wieder einige neue hinzu, waren einige alte abgegangen. Das war alles wichtig und durste nicht versäumt werden, und doch sch.en es ihr, als ob sie dies alles kaum würde tun Binnen, als ob es so unend­lich überflüssig sei.

Sie zuckte zusammen. Wieder fuhr der Zag langsamer. Er hielt auf einem grauen Bahnsteig, wo alles ruhig war und ölig, zog dann langsam wieder an, kam in schnelleres Tempo, raste wieder dahin, Berlin entgegen. Run sah sie durch die Rocht ehren schwachen Lichtsch.in am Horizont auf- dämmern. Er wurde stärker u i> stärker. S e wußte, dort war die Stadt, die ihr jetzt erschien wie ein riesenhaftes Untier, dem sie nicht entrinnen

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Das Kloselhcms.

Roman von Luise SchulZe - Brück.

49. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Das würde sie nun immer und immer sehen, dasselbe Bild! Sie drückte den Kopf gegen die Scheibe und schaute in die Rächt hinaus.

Der Zug verlangsamte seine Fahrt, die Ma­schine schrillte. Aus dem Dunkel truchten hohe Häuser auf, Fabrikschornsteine, ein Kirchturm nun fuhren sie in eine Station ein. Auf dem Dahnsteige drängten sich ein paar Dutzend Rei­sende zum Zuge. Das war alles so grau, so häßlich legte sich so beklemmend auf sie. Dann fing die Maschine wieder an zu arbeiten, das gleichmäßige Raitem schien in ihrem Kopfe zu sein Ratata, Ratata, immer schneller wurde wieder die Fahrt Run waren sie wieder auf freiem Felde, fuhren wieder in die scheinbar endlose, graue Oede hinaus.

Auch Hans Dietrich hatte sich in eine Ecke gelehnt und die Augen geschlossen. Aber er schlief nicht Sie sah seine Augenlider zucken.

Eine halbe Bewu'stloiigkrit überkam sie. Sie fxtnrmerte langsam ein, und es war wieder das­selbe. Der grüne Fluh, der so sanft hmglitt, das alte graue Haus und die Menschen darin. So deutlich sah sie Arnolds. Er streckte ihr die Hand entgegen, diese Hand, die so charakteristisch für den QKann war, mit den etwas heroorwetenden Adern, die sich bläulich von der brauten Hand abhoben. 45r strich sich mit der immer wiederholten Bewe­gung über den bwunrötlichm Bart. Halt da war noch irgend jemand, der sich beständig ach nein, das war ja Aßmussen. der sich das Haar zurück- strich Ahmussen! 3a, den würde sie nun auch Wiedersehen. Wie aus einer Versenkung tauchte

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^Fortsetzung folgt-) ier Mitarbeiter j, Unblutig. sgSS der ^Entschlossen, hat ersieh e

),odeiuh der Hühner , nämlich der q Rflst. i crd8®itß weit mehr schaMc daran ver em Ertolß 08 glück- mt er 'ne Erkenntnlj >ck -n üer ^ i5t und einz,g. Ä wissen; darnUnlle Zeiten im fur n -thicksender Miltihn Är nur noch fort ;urieHflhnerauf«n einige nn'.jilionen;

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konnte, das sie verschlingen würde in feinem alles begrabenden Schlunde. Schnell, unaufhaltsam schnell näherte sie sich ihm Schon vermehrten sich die Schienenstränge, die im Lichte der Lokomotive sich spiegelten und blinkend neben ihr herliefen. Schuppen tauchten auf, kleinere, größer2. Elektri­sches Licht beleuchtete von hohen M.isten irgend­eine Fabrik, die bann wieder zurückblieb, und dem öden Felde Raum machte für kurze Zeit Dann wieder Schuppen, höhere Gebäude, Schornsteine In dem weihen Licht und wieder Dunkelheit Dann stieg es massiv gegen den Himmel auf. Hohe Häuser in einzelnen Klumpen, von dr:i, vier La­ternen beleuchtete Front.n mit endlosen Fenster- reihen, mitten in das Feld hineingestellt die Ausläufer der großen Stadt. Dann schoben sich die Häusermassen enger zusammen, helle Fenster glänzten Run waren es schon ©trafen. Himmel­hohe Häuser neben Dnustellen, dort eine schnur­gerade Strafe, die sich, fertig angelegt mit Pfla­ster und Laternen, doch noch ohne Häuser, in das Rechts hinauszadehnen schien. Ein Platz mit Gar­tenanlagen, um den sich erst einzelne Bauwerks erhoben. Dann wieder Feld, wieder Fabriken und dann die Dorstädte voll wimmelnden Lebens. Frau Eva sah erstaunt hinaus. Woher kamen nur all die Menschen so spät am Abend?

3n dem Seitengange des Wagens wurde es lebendig. Die Reisenden drängten sich mit Taschen und Schachteln, gerade als ob sie tan Augenblick nicht erwarten könnten, wo sie aus dem engen Raume wieder in die Freiheit kämen. Frau Eva schaute noch immer hinaus, währe-id grelle bunte Plakate an hohen Häuserwänden vorüberhuschten. Der Zug fuhr zwischen fensterlosen Mauern, dann wieder an dicht aneinandergedrängten Fenstern vorbei, deren jedes beleuchtet war u.rd durch die man in die kleinen Stuben sah, darin sich das Le­

ben abspielte. Dann wieder an feierlich verhängten Fensterreihen vorüber, durch die viele Lichter strahlender Kronleuchter blinkten. Der Schein der Strafenlaternen spiegelte sich in dem nassen As­phalt. Ein Meer von Regenschirmen wimmelte auf den Bürgersteigen. Run pfi,f die Maschine lang und gellend und fauchte und prustete, Dampf aus­lassend. Ein paar schwere Stöfe zitterten durch den gcmzen Zug, als er in die riesige Halle des Bahn­hofs einfuhr.

Halb betäubt stand Frau Eva nun draufen Hm sie stießen und drängten die Hunderte. 3fe Blick ging in die Höhe durch die ganze Halle, als ob sie das alles noch niemals gesehen hätte. Halb betäubt lieh sie sich von Hans Dietrich die Treppe hinunterziehen. Währeno sie auf die Droschke warteten, hörte es auf zu regnen. Als endlich nach langem Warten die Gepäckabfertigung be­sorgt war, und sie durch die Friedrichstraße fuh­ren, schien es Eva, als ob sie in einem schweren Traum befangen sei.

3n der Friedrichstrafe drängten sich die Men­schen. Sie sah das schon tausendmal gesehene Bild, als ob es ein ganz neues sei. Sie fragte sich mit einem schreckhaften Staunen, was wohl diese Menschen hier toi» in einem Ameisenhaufen za- sammenwimmeln liest. Dis ihr endlich zum De- wuhtsein kam. daß dies alles ihr nicht fremd sei, waren sie über die Linden durch das Dvanden- burger Tor gefahren und bogen nun in den stille­ren Tiergarten ein. Stau Eva sah an den Häusern der Tiergartenstrafe in die Höhe. Einzelne Fen­ster waren hell, überall Menschen, Wohnungen dicht oneinanbergebrängt 3n jedem Hause so viele. Die Luft hier war frischer als in der inneren Stadt, aber sie legte sich doch dumpf auf die Lunge. Drüben in der Tiergartenallee gingen einzelne

Tvangettschrr Landsskirchentag

Darmstadt. 7. Juni.

Die heutige Sitzung wird um 9,10 älhr drrch den Präsidenten D. Dr. Diehl eröffnet. Dor Ecng.'t.ig in die Tagesordnung spricht Psarreo Georgi das Gebet.

Erster Gegenstand ter Tages o rdnun zist ein Antrag des Abg. Wagner, tot die Abände­rung des KirchengesetzeZ zur Genehmigung von Erziehungsbeihilfe.l an die evange­lischen Geistlichen Hessens zum Gegen­stand hat. Aach der Begrüidung des Antrag­stellers soll dieser Antrag bezwecken, die durch das Ortsklasienshstem bogrü.deten Mängel afeu- slellen und sozial ausgleichend dadurch wirten, daß die Erziehungslast en au, alle Schultern ver­teilt werden, an Stelle der in Frage kommenden Betrogenen. Der Gesehg:bungs<>u ? schuß emp­fiehlt die Annahme des Antrages und die dadurch begründete Gesetzesänderung.

Cs folgt Beratung der Dorlage des Ober­konsistoriums, die Bildung einer Kranken­kassengemeinschaft für die evangelisch'.n Geistlichen betoeife.id, in zweiter Lesung. Die Vor- läge wird im wesentlichen in der Fassung der Kachenregierung angenommen.

Eine längere Aussprache erfordert die zweite Lesung der Dorlage des Oberkonsistoriums, betr. die Aenderung des Kirchengesehes vom 23. März 1922, die Gehalte der Geistlichen.

gesetz anzuschliefen.

Rach einer Pause erfolgt die zweite Lesung des Doranschlages. Die Ausgaberubriken werden mit den beschlossenen Aenderungen ge­nehmigt. Ebenso die Einnahmerubriken und Der ganze Voranschlag. 3m Anschluß daran wird über den Antrag des Oberkonsistoriums beraten, über Arstahnung des Voranschlags usw., wie er in dem Bericht über die zweite Sitzung mit» geteilt wurde.

Abg. Hensen (Langen) tritt unter längeren Begründungen für eine höhere Landeskirchen­steuer als 6 Proz. ein. Man sollte mit der Be­messung der Steuer nicht zu zurückhaltend sein.

Abg. D. Dr. Schian macht demgegenüber darauf aufmerksam, daß zu den 6 Proz. noch die Ortskirchensteuern treten, die doch für den ein­zelnen erheblich ins Gewicht fallen.

Die Beschlüsse werden schließlich einstimmig in der mitgeteilten Fassung angenommen.

Die Vorlage, betr. die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle in Bad-Rau- beim, wird in der Fassung des Finanzaus­schusses einstimmig angenommen.

Es folgt hieraus eine lebhafte Aussprache über d:e Vorstellung der Gemeinde R ) t h e n - berg i. O., die bei dem Landeskirche.itag um Schuh gegen angebliche Vergewaltigung durch die Kirchenbehörde nachsucht.

Der aus den Verhandlungen hervorgehende Vorgang ist fügender: Bei Freiwerden fer Pfarr­stelle in Roths'Berg erfolgte eine provisori - s ch e Besetzung durch einer jungen Piarrassisten- ten, da das Patronat dem Fürsten von Leiningen

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Aufrechte deutsche Manner.

Aus dem französischen Gefängnis ta Mainz entlassen, trafen vor einigen Tagen der Eisenbahnoberingenieur Mauelshagen, Leiter eines größeren Betriebswerkes. Loko­motivführer Lamberts und Flesch, alle aus KarthauSbeiTrier.m Gießen ein. Als Angehörige der Reichsbahndirektivn Trier, z. Zt. in Gießen, wurden sie vom Präsi­denten Lohse aufs freundlichste begrüßt.

Die drei Tapferen wurden Anfang Fe­bruar von den Franzosen wegen Dienst­verweigerung verhaftet und z u s a m - mengekettet ins französische Gefängnis in Trier und dann nach Mainz überführt. Hier erfolgte nach zirka zweimonatlicher älnter- suchungshaft die kriegsgerichtliche Aburtei­lung, die für Oberingenieur Mauelsha­gen auf 3 Monate und 100 000 Mk. Geld­strafe, für Flesch auf 3 Monate und Lam­berts auf 2 Monate Gefängnis lautete. Ob­wohl letzterer nurzu 2 Monaten verurteilt war, muhte er 3 Monate Haft absitzen.Dies brandmarkt so recht die Willkür der französi­schen Justiz!

Alle drei führen bitter Klage über die schlechte Kost und die brutale Behandlung durch die französischen Gefängniswärter, und geben an, auch im Gefängnis noch öfters zur Aufnahme der Arbeit aufgefordert worden zu sein.

zu Amcrbach untersteht und eine Ausschreibung ev.olgen mußte. Auf das Ausschrribe.i rneLDeten sich zwei Kandidate n, von denen der eine ausschied und der andere infolge Präsentation durch den Fürsten Leiningen die Stelle übertragen bekam. Inzw.schen hatte sich aber der provisorisch die Stelle verwaltende Geistlich: derart gut ei »gelebt und war so beliebt geworden, daß die Kirchen- gemeinde Rothenberg gegen die anderweile Be­setzung Widerspruch erhob und verlangte, daß der ihr zuerst ;u geteilte junge P, nrrer bleiben solle. Auf die Erwiderung der Kirchenbeyörta, daß dies nicht a rgefe, da das Patro.ratsrecht be- achtel werden müsse u'.id der Kirch: das absolute Vorrecht der Piarrstellenbesehung zustche. wurde erwidert, daß durch die Dervassungsbestimmungen das Vorrecht des Patronats au,gehoben sei, daß man sich mit allen Mitteln g-egen die Reafesehung wehren, das für die Pfarrbesoldung seither be­willigte Holz (23 Meter), das heute einen Wert von einer Million Mark betrage, nicht mehr ab­gebe usw. 3n der Folge entstand denn auch in der Gemeinde mit dem Antritt des neuen Pfarrers eine wilde Bewegung die unter Gewaltandrohung. Schluß der Kirche, Androhung der gewaltsamen Räumung der Psarrerwohnung usw. aaferortant- liche Ausdehnung annahm.

3m Ramen des Ausschusses beantragt der Abg. Dr. Walger, durch die Kirchenbehorde bei der Landesregierung zunächst durch eine Er­klärung fest stellen zu taffen, in welcher Weise die Verchssungsbestimmu ngen über die Aushebung der Patronate zur A.:we,rdung kommen.

Abg. D. Dr. 6 tf) i a n ist der Auffassung, daß die Patronate Wohl durch die Verfassung auf­gehoben sind, daß aber bisher keine Ausfüh­rungsbestimmungen bekanntgegeben wurden, so daß die Patronate noch als bestehend zu be­trachten sind, genau tote die in der Verfassung fest- gelegte Trennung von Staat und Kirche. Es müß­ten entschieden Verhandlungen vor der Aufhebung vorausgehen.

Abg. D. Dr. Floring hält es für richtig, daß man die Kirchenregterung beauftrage, die Frage mit der Staatsregierung zu Hären. Er schildert kurz den Widerstand Rothenbergs, der dank dem Eingreifen des Präsidenten Dr. Diehl als Vorsitzendem des Dekanats Erbach jetzt zu einem gewissen Stillstand gekommen sei.

Rach weiteren eingehenden Erörterungen über die Frage der Patronatsrechte erklärt Der Vorsitzende, daß man im 3ntereffe der Ge­meinde Rothenberg die Derhandlugnen habe ab- kürzen wollen, nach den jetzigen Auseinander- setzungen bestehe aber keine Veranlassung mehr, irgendetwas zu Der heimlichen. Er beantrage die Verlesung der Vorstellung der Gemeinde Rothen­berg, die hieraus beschlossen wird. Präsident Dr. Diehl verliest dann die Vorstellung, in der u. a. auch die Beseitigung des Patronats durch die Verfassung, die Tatsache, daß der Fürst zu ßeiningen für ine Gemeinde Rothenberg absolut nichts tue, daß man das Pfarrholz verweigere, weil der Kirchenvorstand bei der Reubesetzung nicht gefragt worden sei, und anderes mehr vor­gebracht wird.

Abg. D. Dr. Flöring geht nochmals ein­gehend auf das bebaucrlkfe Verhältnis ein. Bei keiner Pfarrstellenbesetzung seien bisher so zahl- ttiefe persönliche und schriftliche Auseinander­setzungen erfolgt, in keiner Weise sei bisher ein solch gewalttätiger Widerstand geschehen. Die Kirche müsse hier auf ihrem Recht der Stellen» bcsetzung bestehen. Es sei jetzt eine gewisse Be­ruhigung eingetreten, und man hoffe, daß der neue Pfarrer, gegen den persönlich die Gemeinde absolut nichts einzuwenden habe, mit der Zeit sich einführe.

Es folgen dann noch Auseinandersetzungen der Abg. Dr. D o r n f e i f f und Dr. Knauh, die als Juristen auf dem Standpunkt stehen, daß nach der genauen Bestimmung der Verfassung nbiefe Vorrechte sind aufgehoben", ein Zweifel nicht bestehen könne, während Abg. D. Dr. Schian feinen gegenteiligen Standpunkt wiederholt ver­tritt. An der weiteren Aussprache beteiligen sich die Abg. Dr. Kahl ick, Fenchel und D. Dr. Flor ing.

Folgender Antrag des Petition-aus» s ch u s s e s findet schließlich einstimmige Annahme.

Der Lantaskirchentag wolle auf die Eingabe folgende Antwort erteilen:Der Landeskirchen­tag bedauert das Verhalten des Kirchenvorstan­des und zahlreicher Gemeindemitglieder bei Wte- derbesehung der Pfarrstelle in Rothenberg auf das allerernsteste, denn die Kirchenregierung Hut bei der Besetzung der dortigen Pfarrstelle nach jeter Richtung gesetzmäßig und richtig verfahren. Andererseits hält es der Landeskirchentag für unbedingt notig, die Kirchenregierung zu bitten, die Frage der Patronatsrechte für Rothenberg zu klären."

3n der Debatte werden die ungeheuren Schwierigkeiten anerkannt, die die Kirchenregie­rung hat, um die erforderlichen materiellen Mittel zu beschaffen. Man darf der Kirchen- und Staatsregierung dankbar fein, daß sie immer noch die Gehälter für die Geistlichen auf bringt. Rach längerer Debatte wird schließlich noch be­schlossen, den Art. 1 in der Fassung der Vorlage, den Art. 2 in solgender Fassung anzunehmen:

3n §7 tritt an Stelle des Abs. 3 der seit­herige Ms. 4, und der neue Abs. 4 erhält fol- genta Fassung:Wenn im übrigen Geistliche bei Inkrafttreten des Gesetzes Vergütungen für Schul- otar Seelsorgerdienste beziehen, bleibt es der Kirchenregierung freigestellt, diese Vergütungen ganz oder teilweise den Inhabern zu belassen."

Dazu wird ein Antrag angenommen, nach dem die Vergütung für seelsorgerische Rebentatig- keit den bisherigen Inhabern der Pfarrstellen ungekürzt verbleiben, falls die Beauftragung für sie in Zukunft wegfällt. Art. 3 wird in der gestern mitgeteilten Fassung angenommen. Das Gesetz tritt am 1. April 4923 in Kraft. Es wird weiter Tat Antrag angenommen, das Gesetz mit all seinen Folgeerscheinungen an das Desoldungs-

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Deutscher Reichstag.

Berlin, 3. Juni 1923.

Das Haus tritt in die B:spr:chu ig der s o- tzialtstischen Teuerungsinterpella- t i o n ein.

Abg. Sch lauck (Z.): Ms den gestrigen Er­klärungen der Regierung ergibt sich, d. sie der Rotlage unseres Volkes nicht tateilos zusehen Will, die durch d^s Dersalller Friede'Nsdiktat ver­schuldet worden ist. Es steht außer Frage, daß einzelne Kreise der Wirtschost aus der Rotlage Vorteile ziehen. Staat und Wirtschaft müssen sich darüber klar sein, daß der Hunger dec Massen den Anfang vom Ende des Vaterlandes bedeutet. Um das zu verhindern, muß dir Wirtschaft unter ümftänben selbst von ihrer Substanz etwas op'.een. .In dieser Zeit der schwersten Rot müssen alle Staatsbürger daS Letzte dem Staat geben. Die Derfchwenoungsfucht muß durch steuerUchr Maß­nahmen eingedämmt und dem Wucher schärfer als bisher zu Leibe gegangen werden: ferner muß der Wucher von den Wirtschaftskreisen boykottiert werden. Goldlöhne sind undurchiührbar. Unfer Elend wird erst aufhören, toenn Deutschland und der Welt der wahre Friede gegeben ist. Denn die Sozialdemokratie in dieser schweren Zeit das Par- teilntcrcfR zurückstellen und in die Regierung eintreten würde, wäre damit die Lösung der schwebenden Fraae erledigt. Lehnt die Sozial­demokratie das ab, hat sie für sich das Recht der Kritik verwirkt.

Abg Findeisen (D. Vp.): Bei den Hllfs- aftionen der Regierung wird leider zu toenig an den gewerblichen Mittelstand und an die Klein­rentner gedacht, da diese Kreise ihre Rot nicht auf der Straße zur Schau tragen. Dies gilt auch für das vielverleumdeie Kleinhandtoerk. Von einer Wiedereinführung der Zwangswirtschaft rann keine Hilfe kommen: wenn überall die freie Wirt­schaft durchgeführt ist, werden auch die Parasiten verschwinden. Die Behauptung, die Deutsche Volkspartei fei von Stinnes abhängig, ist unsinnig, aber sie wird von denselben Sozialdemokraten ver- Äbreitet, denen man früher zu älnrecht nachgefagt Hat, sie seien von Singer abhängig. Wir wollen als wahre Volkspartei dem neuen Proletariat hei­ssen, das unter den Folgen der Markentwertung am meisten leidet.

Abg. Wien deck (Dntl.): In der Begrün- 4mng seiner Interpellation hat der Abg. Auf- Häuser leeres Stroh gedroschen, denn er hat das Ergebnis der sorgfältigen Prüfung der Mark- enttoertungSursache im dafür eingesetzten Aus­schuß vortoeggenommen und längst wideclegte Be­hauptungen vorgebracht. Wir müssen heute den Schuh der Arbeit vor dem Staat verlangen: das Haben die Erfahrungen mit der Zwangswirtschast bewiesen. Die Verordnungen, die das Handwerk -oder die Kleingewerbetreibenden berühren, müssen mit dem nötigen Verständnis für diese Wirt­schaftskreise erlassen werden. Wir protestieren aegen die Behauptung Auf Häusers, daß nicht nur Die Franzosen, sondern auch die deutschen Kapi­talisten an unserem Elend schuld sind. Das ist ielne indirekte Sabotage unseres Mwehrkampfes an der Ruhr. (Unruhe, Abg. Sollmann [6.] ruft: DaS ist eine Frechheit! Wo waren Sie an der Ruhr?) Die deutsche Regierung muß sich zu­sammenfinden zu einem Generalangriff gegen den Versailler Schandvertrag.

Abg. Dc. Emminger (Bahr.Vp.): Unter der ungeheueren Preissteigerung leiden in erster Linie die Lohn- und Gehaltsempsänger. ganz be­sonders aber die deutschen Hausfrauen. (Sehr richtig!) Die sozialdemokra.ische, Interpellation ist nicht nur begründet, sondern auch berechtigt. Von der Begründung kann man nicht dasselbe sagen, denn in ihr fehlt jeder positive Vorschlag. Ein un- üiugliches Rezept sind künstliche Preisherab­setzungen, Revolten und Putsche. Die gestrige Rede des Abg. Aufhäuser' klang tote eine Ein­ladung an die Straße. (Widerspruch bei den Eoziaidemokraten.) Wir erleben jetzt schon in Sachsen Uiumbcn, die nicht nur auf die all­gemeine Rot, sondern auch aus gewissenlose Hetze zuiückzuführen sind und an Denen auch die sächsische Regierung ihr gerüttelt Maß Schuld trägt. (Unrufe bei den Sozialisten.) Im vorigen Hayre hat der sozialdemokratische Wirtschafts­minister den Versuch einer Markstützungsak.ion auch nicht erfolgreich durchführen können. Die Wirkungen des Friedensvrrtrags von Versai'.leS kann keine deutsche Regierung aus der Welt schaffen. Helfen kann nur der Grundsatz: Mehr arbeiten und weniger verzehren.

Abg. Stöcker (K.): Die Erklärungen vom Regierungstische lassen erkennen, daß die Regie­rung keine Ahnung von der furchtbaren Rot und Erbitterung hat, die im deutschen Volke herrscht. Die jetzige Rotlage tst nicht allein die Folge des Versailler Friedensvertrages. Der ungeheuren

rm. Darmstadt, 8. Juni.

Der Landeskirchentag behandelte m seiner heutigen Sitzung zunächst die Eingabe der hes­sischen Organlften und Ehordirigen- t e n, die Regelung ihrer Desoldungsverhältnisse betr. Die Kirch en regierung gibt hierzu die Er­klärung ob, daß sie eine die Frage ordnende Ver­fügung erlassen habe. Die Eingabe geht bann an den HfetitiorLausfchuß zurück.

Auch der Antrag des Abg. Dr. S ch i a n und Gen. wegen 2lnftdlimg bzw. Beschäftigung des Missionars Schlaudvaff geht nach entgegenkom­mender RegierungSant-wort rwchmalS an den Aus­schuß.

Hierauf wird der Antrag des Abg. Bern­de ck beraten, der die Wiederherstellung der vom Finanzausschuß von dem Voranschlag gestriche­nen Forderung für die Berufung eines P f a r r - affiftenten für die innere Mission wünscht. Abg. L a m p a S beantragt, wegen *ber allzu knappen Mittel für Zwecke der Volks­mission eine Kirchenkollekte zu erheben. Prälat Euler spricht sich gegen beide Anträge aus. Ada. Schrimps tritt dafür ein, daß die Geist­lichkeit nach einem aroßzügigen, von der Kirchen- regierung auszuarbeitsnden Plan die wichtige Volksmilfion selbst in die Hand nimmt. Abg. Stroh begründet die Stellungnahme des Fi­nanzausschusses, der an weniger wichtigen Stellen sparen will, um die Beträge für andere wichtige kirchliche Zwecke evll. im Interesse der Volks- Mission verwenden zu können. Abg. Dr. Ave- marie empfiehlt wiederholt zur Behebung der seelischen Rot des Volkes die Schaffung aus­reichender Pfarrstellen Abgeordneter Schuster möchte bei der VolkSmisfion auch die klei­neren Orte berücksichtigt wissen. Abg. Dr. Müller unterstützt den Antrag Lampas, der in großzügiger Weise mit den gegebenen Mitteln das gesteckte Ziel zu erreichen suche. Die Dolksmission bedürfe starker älnterstühung. Abg. Fenchel weist darauf hin, daß die gewährten Staatszu­schüsse nicht nur zur Zahlung der Psarrgehalte dienen, sondern auch für alle kirchlichen Zwecke Verwendung finden sollen. Abg. Dernbeck er­wartet aus dem Hause geeignete Vorschläge über die zweiten Pfarrstellen, die evtl, bei der Richtbe­setzung in Betracht kommen können, da von an­derer Seite warme Befürworter für die Erhaltung auch der Keinen Pfarrstellen vorhanden sind. Abg. B e r n b e ck stellt fest, daß es sich bei seinem An­träge nur um die vorübergehende Richtbesehung einzelner kleiner Pfarrstellen dreht, wie dies bis jetzt schon bei einzelnen Pfarreien in Oberfessen der Fall fei. Es wird dann eine Erklärung gutgefeifen, in tat tat Landeskirchentag die Wichtigkeit tat Docksmission voll anerkennt, wobei es für wichtig erachtet wird, daß im Interesse der Dolksmission alle kirchlichen Kräfte mobil gemacht werden. Der Antrag des Abg. Lampas wird dann abgelehnt. Eine weitere Erklärung über die Rotwendigkeit einer weiteren Pfarrstelle für die Vvllsmission findet ebenfalls Annahme. Der An­trag des Abg. Dr. Mathes für Erhebung einer Kollekte für die Volksmission findet Ablehnung.

Tanzstunden- Vereinigung 1M-M. Litmötaa. 9. Jnnj iiivnbaUt. umlbSflaricnl I03W Tommerscst Aniling ?/, Uhr.

Giisie können ein* aesilhrt werden.

Stadttheater ÜOOBSlQQ.llM von 7 bim Üdr!

Gastspiel

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