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Zweiter Blatt
GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Mittwoch, y. Mai $23
Eine neue Bestialität der Franzosen
für
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Tyrannei
hinzufügen:
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23. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
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Das Moseshaus.
Roman von Luise Schulze-Brück.
Wie nach Abgang des obigen 'Berichts fcft- «Mellt tvurdc, trifft es nicht zu, dafe die Vertriebenen die notwendigsten Kleidungsstücke mitnehmen dursten Bei den Flüchtlingen, die heute mittag unsere Stad! durchfuhren, sah man denn auch kein Gepäck, die Habe der Bedauernswerten bestand nur in bcm, was s i e auf dem Leibe trugen. Wie uns von verschiedenen vertriebenen Beamten erzählt wurde, gestatteten die Franzosen nicht, dah unterwegs Wasser oder sonstiges Getränk genommen wurde: wo die läute beim Halten des Zuges dennoch versuchten, sich Wasser zu verschaffen, wurden sie von den Soldaten zurückgetrieben. Dagegen fragten sie die Beamten aus der Reise wiederholt, ob sie nun bereit seien, den Dienst für die Franzosen aufzunehmen, aber einhellig bekamen sie jedesmal ein entschiedenes Rein zur Antwort.
Die Austreibung in Eh rang begann damit, dah der Feind morgens gegen 1/2Z Llhr den Bahnhof besetzte und, als er nicht auf seine Rechnung kam, gegen 3 48 Uhr gegen die Fa° milienwvhnungen vorging. S p a h i s sperrten den Wohnhausblock ab, und als daraufhin deutsche Landsleute herbeieilten, um den Bedrängten vielleicht irgendwie behilflich zu sein, gingen die Spahis mit blankem Schwert gegen die wehrlose Zivilbevölkerung vor, die an verschiedenen Stellen b i s in den Hausflur hinein verfolgt wurde. Unterdessen lagen die französischen Gendarmen ihrem schmählichen Handwerk ob. Bon Familien, deren Kinder lch>n zur Schule gegangen waren, muhte der Da ter ohne Gnade sofort mit hinaus, die Mutter konnte noch bleiben, um die Rückkehr ihrer Kinder abzuwarten und dann gleichfalls die Heimat zwangsweise zu verlassen. Einer Frau wurde verboten, für i h r krankes Kind im Alter von einigen Monaten den Kinderwagen mitzunehmen, ja man gestattete ihr nicht einmal, für das arme Würmchen auch nur ein Kissen an sich |U nehmen. Die Möbel, wie überhaupt alles Hob und Gut muhten zurückgelassen werden. Binder, die gerade beim Kasteetrinken waren,
Dollars
M Süötn von
Deutscher Reichstag.
Berlin, 8. Mai.
Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der bürgerlichen Parteien auf Verlängerung des Rvtgesetzes vom Februar dieses Jahres bis zum 31. Oktober 1923. Es handelt sich um die Ermächtigung der Reichsregierung zu auhervrdentlichen Mah- nahmen gegen Wucher, Schlemmerei und Spekulation.
konnten nicht einmal i h r erstes Früh- stück beenden, aber allen Leiden und Entbehrungen zum Trotz, auf die man ja schon seit längerer Zeit gesaht war, bekamen die Kreaturen Poincares überall von den Beamten eine mannhafte Verweigerung des Dienstes für die „Regie" zu hören. Ein älterer Eisenbahnbeamler, dessen Frau seit zwei Gabren lungenkrank im Krankenhaufe liegt und deren Ableben stündlich zu erwarten war, versuchte, von einem französischen höheren Offizier, dem 'Bahn- Hof skonnnandanlen, die Erlaubnis zum Abschiednehmen von seiner Frau zu erhalten Der Öffi» gier fragte den Beamten, ob er arbeiten wolle, und als das verneint wurde, verweigerte man dem besorgten Manne nicht nur die erbetene Erlaubnis zum Besuche der todkranken Frau, sondern man ivies ihn sogar ganz schroff ab und (tiefe ihn unter höhnischen Bemerkungen in den Zug.
Aus der 24 stündigen Fahrt wurde den Vertriebenen nicht die gering st e Verpflegung verabreicht. Die in dem obigen Bericht erwähnte Gefährdung des Transports auf der Fahrt von Mainz nach Koblenz trät hei Boppard ein, die Maschinen wurden nur .flif ein bis zwei Meter voneinander entfernt zum Stehen gebracht. Während der Fahrt in der Rächt waren die Wagen nicht beleuchtet und die Insassen, Männer, Frauen und Kinder, in fürchterlichster 'Weise zusammengepfercht worden. 3n Koblenz wurden die Beamten zum letztenmal gefragt, ob sie zur Dienstleistung bereit seien, und als auch da ein entschiedenes Rein ertönte und fein Beamter seiner b e » schwo renen Dien st pflichtuntreu wurde, erfolgte der Abtransport nach Diez, wo die Beamten mit ihren Familien ausgesetzt wurden und sich nun zu Fuß nach Limburg begaben, wo sie heute früh eintrafen. Hier wurden sie in gastlichster Weise aufgenommen und vor allem einmal gründlich gelabt, dann wurde der Weitertransport ins Werk gesetzt.
Auf dieser Fahrt kamen die um ihres echten Deutschtums willen vertriebenen Landsleute
heute mittag m Gießen
an, wo ihnen von ihrer vorgesetzten Dienstbehörde ein aufeerordentlich herzlicher Empfang im Bahnhof bereitet wurde, der bei zahlreichen Reisenden, die auf die Abfahrt ihrer Züge warteten, verständnisvolle und opferfreudige Anteilnahme auslöste. Trotzdem die Stimmung der Ankommenden von dem Ernst und der Schwere dieser Tage nicht unberührt geblieben war, gab cs doch zwischen diesen Dramtensamilien und hier wellenden, schon früher vom Feinde vertriebenen Beamten des Trierer Bezirks eine herzliche und freudige Begrüfeung, bei der auch deutlich zutage trat, dafe von dem obersten Leiter des Bezirks bis herunter zum letzten Beamten und De- diensteten alle von einem Band umschlungenwerden : dem Band der Opfergemeinschaft und der unbeirrbaren Eidestreue und Vaterlandsliebe. Beamte aller Grade, Männer und Frauen des verschiedensten Lebensalters und Kinder bis zu einigen Monaten Lebensalter tonnte man bei diesem Flüchtlingszug sehen.
3n den beiden Wartesälen des Bahnhofs wurde den Famllien an langgeftrcdter gemeinsamer Tafel ein gutes warmes Mittagessen gereicht, für die Kleinsten war eine entsprechende Kinderspeise hergerichtet worden, daneben wurden allen noch sonstige Erfrischungen dargeboten. Die vorgesetzte Dienstbehörde der Vertriebenen hatte nach jeder Richtung hin für die Erquickung der Opfer der feindlichen Gewalt umsichtig vorgesorgt, und der 3nhaber der Bahnhofswirtschaft war den auf ihn gesetzten Erwartungen in bester Weise gerecht geworden, die gute, schmackhafte Zubereitung des Essens wurde von den Flüchtlingen warm anerkannt.
3n einem Wartesaal begrüßte der Trierer Eisenbahndirektionspräsident Lohse feine Beamten und deren Familien mit einer Ansprache, in der er ihnen nach herzlichem Begrüfeungswort den Dank der Reichsregierung, des Reichsver- kehrsmrnisters und seine eigene dankbare Anerkennung für ihr treues Festhalten am deutschen Vaterland« aussprach, seiner ttefsten Empörung über die neue unerhört grausame Brutalität der Franzosen Ausdruck gab und den festen Willen aller pflichtbewußten deutschen Eisenbahner betonte, sich niemals den Franzosen zu Skla- Verdiensten zur Verfügung zu stellen. Kein Eisenbahner brauche die Zuversicht aufzugeben. Was Frankreich jetzt tue, fei nur der Ausflufe seiner Verzweiflung, denn es sehe, dafe es ohne die deutschen Eisenbahner dieBahnen nicht betret- b c n könne. Wenn die Eisenbahner fest und un»
Manchmal kam Bürgermeister Arnolds auf einem Gang ins Dorf zu ihr heran. Sie hatte sich nun ganz an seine Erscheinung im bequemen Alltags- unb Arbeitsanzug gewohnt, und sie muhte über sich selbst lächeln, daß sie den Mann einen Augenblick am Lodenrock und unmodernen Kragenschnitt gemessen hatte. Sie errötete über ihre Oberflächlichkeit und Abhängigkeit von Aeußerlichkeiten.
Christian Reidhardt Afemufsen war abgereift. Aein, nicht abgereift — „weitergegangen". Jener Ausflug nach Schloß Elh hatte ihn „seelisch ermüdet", er hatte sich unter diesen „satten Menschen" sehr unbehaglich befunden. So ging er denn in die „Oede" der Eifelberge, und hatte Hans Dietrich bereits geschrieben, daß er an einem der kleinen seltsamen Bergseen, die der Eifler Maare nennt, „sich selber lebe". Eva gönnte das ihm und sich selbst von Herzen. Hans Dietrich ettmete erleichtert auf. Cs war ihm nicht recht wohl gewesen, solange er da axxr; er meinte, eigentlich sei Afemufsen doch nur in feinem Milieu überhaupt denkbar. Die jungen Mädchen hatten ein paar Tage lang mit viel Talent seine haarstreichende Handbewegung nachgeahmt und mit möglichst müder Stimme geredet — dann war das Gefallen daran vorüber, und die Spur „eines unserer Reuen" war verwischt an den Stätten, wo er gewandelt und die eigentlich durch seinen Fufettitt hätten geheiligt fein müssen.
Auch für Bürgermeister Arnolds war er schnell abgetan. Der hatte nur noch einmal ernsthaft die Achsel gezuckt, als Afemussen am Abende nach dem Ausfluge sich früh von der kleinen Gesellschaft, die noch im Rebstock zusammensaß, verabschiedete und ihm nachgeschaut, als er mit dem seltsam schlürfenden Tritte, den er niemals be=
metcr niedrigere ötefe-ümlegefragen zu erstehen. , Ländlich, schändllch," hatte er freilich spottend bemerkt, als er zum erstenmal in einem dieser „vorsintflutlichen Scheusäler" erschienen war. .Aber er trug sie doch, — eine Aeberwin- dung, deren Große die -Urheberin nicht einmal richtig zu schätzen schien. Oder war der ftüchtige Blick, der Rotiz davon nahm, Hans Dietrich genug Belohnung?
3n den langen Tagen, an denen die Geschwister fast ganz auf sich angewiesen waren, hätten sie sich nun eigentlich über vieles aussprechen können, was wohl des Aussprechsrs wert gewesen wäre. Aber merkwürdig! Etwas wie ehre unsichtbare Scheidewand schien sich zwischen ihnen aufgerichtet zu haben. Elisabeth Arnolds' Rame kam kaum über Hans Dietrichs Lippen, und Eva vermied es, ihn anders, als in gleichgültiger Unterhaltung zu nennen. Aber auch von Bürgermeister Arnolds sprachen sie kaum. Von Taille Röschen war ohnehin nicht viel zu reden, — so war es, als seien das Moselhaus und seine 3rtfaffen gara plötzlich wie ausgemerzt aus dem Leben der beiden. Und doch fiel Evas erster Mick pm Morgen auf den grauen Steinkolofe. der jetzt unter der klaren Sommersonne doppelt massiv da lag, und an dessen Mauern wieder Wein und Klematis luftig mit taufend Armen emporkletterten und die Giebelwände in einen grünen Mantel einspannten
Aber mehr als sie fich selbst eingestehen wollte, beschäftigte sich Eva mit den Menschen im Mosel- Haus, mit ihrem Leben und ihrer Art. Von ihrem Gartenplatz ober vom Sih auf den Baum- flämmen am Mofelufer aus konnte sie das Ein- gangspförtchen in dem Staketenzaun übersehen.
schleunigte, durch den Garten davonging, gerade als die junge Welt anfing, Mosellieder zu fragen. Aber er sagte nichts mehr als ein halblautes: „Traurig", und Eva verstand, dafe er so fühlen mußte. Fühlte sie doch selbst etwas Aehnllches als sie ihn so gehen sah, unjung, unfroh, aus eigenem Willen ausgeschlossen von der kräftigen Lebensbejahung, die hier durch alle Abern pulste, die aus den Augen der lachenden Mädchen brach, aus dem Dufte der Rosen aufstieg, wie aus dein warmen Erdboden, und aus den kleinen luftigen Moselwellen glitzerte, aus denen hier und da ein Fifch schnalzend auf schnellte wie ein f übriger Streifen. Sie mufete immer wieder daran denken, wie er im grünen lebendigen Bergwalde nur den fahlen rostigen Fleck gesehen hatte. Wahrhaftig, auch sie war fast auf dem Wege gewesen, der zu solcher Anschauung des Lebens führte Auch sie hatte angesangen, im Dasein eine Last zu sehen, eine unholde Gewohnheit, und sich hinziehen zu lassen zu den grauen Oe den, aus denen es kein Enttinnen mehr gibt. Und wie weit war Hans Dietrich wohl schon gewesen auf diesem grauen Wege?
Roch zur rechten Zell waren sie umgekehrt. Das banfte sie dem grünen Tale hier, dem leisen Wasserrauschen, den blühenden Reben und Rosen, ünb den Menschen? Viel banfte sie ihnen. Der alten Mptter Hausmann gelassener unb froher Altersweishell, Tante Röschens gütiger Abgeklärtheit und Bürgermeister Arnolds' starker Kraft Für Harrs Dietrich banfte sie's Elisabeth Arnolds Liebreiz, ihrer gesunden Jugend und reimen Frische
(Fortsetzung folgt)
Abg Da r h (K.) ist der Ansicht, bafe das Gesetz sich ebenso als wi-kungslos erwiesen habe, wie das Gesetz zum Schuhe der Republik.
Rach weiterer kurzer Aussprache wird das Gesetz in erster unb zweiter Lesung angenommen. Die dritte Lesung scheiterte am Widersprach der Kommunisten.
Der Haushalt des allgemeinen Pen- sionssonds, der u a. die Zuwendungen an die Militärrentenempfänger von 56 ans 368 Milliarden erhöht wird nach kurzen Ausführungen des Abg. G a 11 w i tz (Dntl.), der über vielfache ungehörige Hinauszögerungen der Pensionszah' lungert für Offiziere klagt, in zweiter Lesung genehmigt.
Es folgt der Haushalt des FriedettS- Vertrags. Der Ausschuß schlägt eine Entschließung vor. welche den Bau von Flüchtlingswohnungen (ordert, evtl, durch Ausbau von Kasernen oder anderen reichseigenen Gebäuden.
Abg. Dernburg CS.) protestiert gegen die Behauptung Poincares, dafe Deutschland seinen Verpflichtungei' nicht nachgekommen sei, und nennt sie eine Verleumdung. Richt genug, daß eine Reihe von deutschen Sachleistungen überhaupt nicht angerechnet feien, sei entgegen den Bestimmungen des Friedensverträges und den Schätzungen der Sachverständigen der Wert viel zu niebrig errechnet. Dies treffe namentlich für die abgetretene deutsche Handelsflotte zu.
Der Etat wirb sodann genehmigt, ebenso die Entschließungen.
Es folgt die dritte Lesung des Gesetzentwurfes über den verstärkten De r sam m l u n g s- schuh.
Abg. Dr. Warmuth (Dn.) bedauert, dafe (die Bestrafung der Absicht, eine Versammlung zu sprengen, in der zweiten Lesung behitigt sei unb beantragt Hinzufügung des Satzes^ „Ser Versuch ist strafbar."
2(bg. Brodau f (D.) beantragt zugleich im Ramen des Zentrums, dem Sah nachstehende Fassung zu geben: „Wer in nicht verbotenen Versammlungen oder bei incht verbotenen Auszügen oder Kundgebungen Gewalttätigkeiten in der Absicht begeht, die Versammlung, den Aufzug ober die Kundgebung zu sprengen, witt> mit Gefängnis und Geldstrafe ober einer dieser Strafen bestraft."
Abg. Remmele (K) erklärt, es sei im Hause noch nie eine solche Heuchelei getrieben worden, wie in dieser Angelegenheit. Dieselben Leute, die hier für Ruhe unb Ordnung eintreten, lassen durch ihre faszistischen Anhänger in München Arbeiter- funbgebungen mit Handgranaten sprengen und aus Arbeitervcrsammlungen Geschütze richten. 3n Prct'ßen herrschen ähnliche Verhältnisse wie in Bayern. Der preußische Parlamentsskandal stinkt zum Himmel. Redner protestiert gegen das Der- hÄllen des Landtagspräsidenten Leinert, der sogar versucht habe, die auf den Tribünen anwesenden Reichstagsabgeordneten unb Pressevertreter hinauszuweisen. Durch die Qleufecrung von Sensationslust der Abgeordneten unb der Pressevertreter habe er sogar einen Presse streik hervorge- rufen. Dieser Verfassungsbruch im Landtag sei nur ein Glied bei dem Streben der Sozialdemokraten nach der großen Koalition.
Abg. von Gräfe (Deutschv.) spricht in ironischen Worten aan Grabe dieses unschuldig Hingerichteten Gesetzes allen bürgerllchen Abgeordneten. die sich so stolz als feine Väter bekannt haben, sein herzliches Beileid aus und dankt allen Parteien für die überzeugende Art, mit der sie in Preußen den Parlamentarismus als lächerliche Komödie entlarvt hätten.
Abg. Dr. Bell (Zentr.) erftärt, bafe seine Partei übet die Vorgang? im preußischen Landtag eine Auseinandersetzung um so weniger scheue, als sie in keiner Weise daran beteiligt sei Damit schliefet die Aussprache.
Der Antrag Warmuth wird äbgelehnt, der Antrag Drodauf-Bell gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die Vorlage wird dann in der Ausschußfassung mit diesen Änderungen gegen Sozialisten und Kommunisten endgültig genehmigt.
Der Gesetzentwurf über die Beseitigung kleiner lln Reichsschuldbuch eingetragener Forderungen geht an den Rechtsausschuß. 3n der Aussprache wendet sich Abg. Schücking (Sem.) gegen die Absicht, den kleinen Zeichnern der Kriegsanleihe die seinerzeit in hochwertigem Gelbe gezahlten Beträge in schlechtem Papier zurück- zuzahlen. Staatssekretär Schröder erklärt, niemand sei gezwungen, von den Vorzügen des Gesetzes Gebrauch zu machen.
Es folgt die zweite Beratung des Finanzetats. 2ö>g. Henke (S.) bedauert, daß fein» Aussicht für eine Gesundung unserer zerrütteten Wirtschaft vorhanden sei. Das Landessteuergesetz müsse schleunigst verabschiedet werden. Gegen eine Erhöhung der Umsatzsteuer werde sich die Sozialdemokratie energisch wenden. 3m Ruhrgebiet
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Ter'Vorstand.
® iefe.cn, 8. Mai 1923.
Ihren vielen unerhörten Schandtaten im besetzten ®ebiet, insbesondere auch im Trierer Bezirk, haben die Franzosen gestern, Montag, morgen ein neues Verbrechen brutalster Art hinzugefugt Schauplatz des haar- faäubenben Gewaltaktes war wieder E h r a n g bei Trier, die Opfer der französischen Tollwut sind Erneut zahlreiche pflichtgetreue deutsche Eisenbahner mit ihren Fa- n i t len. Heber das Verbrechen ist den obersten Reichsbehörden der folgende Bericht erstattet wrben:
Gestern morgen wurden in G h r o n g die Straften durch französische Gendarmerie, Marokkaner unb berittene Spahis abgesprrrt. Gendarmen forderten die Eisenbahner auf, die Arbeit au szunehmen unb sich sofort zu erklären. Aus bas „Rein", bas sie überall erhielten, gaben sie Befehl, binnen fünfzehn Minuten die Wohnung zu verlassen und nur die notwendigsten Kleidungsstücke mitzunehmen. Sie Mitnahme von Wasser, Eßbestecks, Sd)irmen, Stöcken, Krn- berttxjgen wurde verboten, das Vieh durfte nicht fortgeschafft werden. Kinder durften keinen Kaffee bekommen, auch die Mitnahme von Milch und Kaffee für erkrankte K inder wurde verhindert. Rach 15 Minuten wurden die 40 Familien (zusammen etwa 150 Personen) unter Qöebedung wie Schwerverbrecher zum Bahnhof Ehrung abgeführt und in einen bereitstehen den Leerzug gewiesen Dann erschienen wiederholt Kommandos mit Maschinengewehren. Um 12.45 ülhr erfolgte der Abtransport über Koblenz nach Ma i n z. Von Mainz erfolgte der Rück- trän Sport der Famillen nach Koblenz. Auf dieser Fahrt wurde der Transport durch einen ausfahrenden Güterzug schwer gefährdet, der erst auf einen Meter Abstand zum Halten kam Zahlreiche Leute waren in höchster Angst schon aus den Wagen gesprungen. Von Koblenz wurden die Vertriebenen nach Diez befördert und hier a u s - ge se h t.“
Zu diesem Bericht können wir auf Grund versönlicher Unterrichtung noch folgende
nähere Beschreibung der französischen
beirrt zusammenständen in der Abwehr der feindlichen Gewalt, werde die deutsches achc bald z u m S i e g e kommen und die französische Gewalt ihr Ende finden. Seine Zuversicht auf einen guten Au sgang dieses Kampfes sei so groß' baß. er behaupte, in kurzer Zell seien alle 'Vertriebenen. wieder in ihrer Heimat, wo sie bann in gemeinsamer Qlrbeil unter Ersah des ihnen zu- gefügten Schodens wieder auf bauen wollten. Jeder der ihm unterftellten Eisenbahner solle nur st e t s den Kops hoch halten, unb dürfe gewiß sein, daß das unbesetzte Deutschland alles l u n werbe, was in feinen Kräften stehe, um den vorn Feinde Vertriebenen unb Cßebrängten mit Rat und Tat immer zur Seite zu fein. 3nncr» fealb seines Bereichs werde er seinen Eisenbahnern immer zur Hilfeleistung zur Verfügung stehen.
3n dem anderen Wartesaal sprach Oberregie- rungsral Dr. Stegner herzliche Begrüßungs- und Dankesworte, kennzeichnete hx echten deutschen Worten diese neueste Tat der Franzosen unb gab der feften Zuversicht Ausdruck, daß dieser Kamps gut ausgehen unb ber deutsche Rhein batb wieder frei werde von dem Druck, ben wir 'eht dort sehen.
Starke Zustimmung bekundete beiden Rednern, daß ihre Worte bei den Hörern einen gleichgestimmten Widerhall gefunden hatten.
Rach gut einstündigem Aufenthalt setzten die Familien ihre Reise fort, die bis Kassel ging, wo man allen Vertriebenen gastliche Aufnahme gesichert hatte.
Erwähnt sei noch, daß die Firma Hetz- l igen sta edt u. C o. der Gisenbahnbirektivn Trier 100 000 Mark für die Flüchtlinge übergab unb bafe eine spontane Sammlung unter den Reisenden zur Zeit der Speisung der Vertriebenen gleichfalls rund 100 000 Mark für die Opfer der feindlichen Gewalt erbrachte. Man darf die Gewißheit hegen, daß alle Familien einen guten Eindruck von ihrem hiesigen Aufenthalt mitgenommen haben.
Die Bestie ist los. — Wo bleibt baß Welt- gewissen?
Durch diese neue Lknmenschllchkeit haben die französischen Machthaber und ihre Schergen im befefeten Gebiet erneut bekundet, daß sic von ber edlen menschlichen Gesinnung, die sie sonst immer groß im Munde führen, nicht einen Funken im Leibe haben, daß sie vielmehr Bestien in Menschengestalt sind, würdig der halbwilden Bestien, die sie mit blanker Waffe gegen Angehörige eines hochkultivierten Dolles vorschickten. Rur die französische Gemüt s- roheit kaim es fertigbringen, Männer, bi? nicht meineidig unb nicht zum Vaterlandsverräter werden wollen ein Verhallen, bas ganz Frankreich im umgekehrten Falle von seinen Beamten als selbstverständlich auch erwartet hätte — und ihre schuldlosen Frauen unt> Kinder so Hunds- fottisch gemein zu behandeln, wie es hier geschehen ist. Was gedenken die mächtigen Länder der Welt gegen diese Taten der UnEultur der jämmerlichen „Grande natren" zu tun? W n bleibt Amerika, auf dessen Krücken Frankreich 1918 durch das Siegestor humpelte, bas es ohne Amerika nie erreicht haben würde? Wo bleibt Amerika, das von der Derantwort- lichikeit für die Wahrung von Menschenrecht und Menschenwürde gegenüber der irrsinnig tobenden französischen Bestie nicht freizusprechen ist? Wo bleibt England, wo sind all die andern, die in den Jahren des großen Krieges so sehr für die Menschlichkeit gegen das angeblich unmenschliche Deutschland stritten, die nach dem Kriege die von Frankreich immer offener betriebene Vernichtungspolitik gegen das deutsche Volk untätig geschehen ließen? Deutschland wartet noch immer darauf, endlich das Weltgewissen erwachen wird und daß man in Deutschland noch weiterhin den Glauben hegen kann, daß es in der Welt noch ein Gefühl der Gerechtigkeit auch für Deutschland gibt und daß ein vergewaltigtes Volk ber weißen Rasse denselben Schuh vor seinem sadistischen Peiniger findet, den die Mächtigen ber Erde heutzutage jedem kleinsten schwarzen Stamm in Afrika zu gewähren bereit sind.
So war Frau Eva wenig im Moselhause gewesen. Wohl kam Bürgermeister Arnolds öfter in ben Rebstock, und zuweilen machten sie kurze öbaziergänge zusammen, aber es schien Eva fast, aä ob er zurückhaltender geworden sei, und das totrftc natürlich auch auf sie zurück.
Hans Diettich hatte sich murrend in das Hn- oern^idliche gefügt, aber seine Laune war nicht gerade glänzend. Körperlich ging es ihm gut, ’unim noch eine Spur seiner Krankheit war zurückgeblieben. Er sah wohl aus unb bewegte sich so elastisch, als es seine Anschauung über das vor- veh-me Maß solcher Elastizität nur zuliefe.
Frau Eva hatte in den letzten Tagen vor Elisabeth Arnold' Abreise mit einem Gemisch von farmloser Schadenfreude unb innerem Behagen beobachtet, wieviel Einfluß, das junge Mädchen auf den widerspenstigen Bruder gewonnen hatte. Die er so manch? seiner fleinen und größeren Eigenheiten ablegte, die Eva ihm mll aller schwesterlichen Liebe vergeblich abzugewöhnen versucht hatte. Sogar Äußerlichkeiten, an denen er eigensinnig festgehalten hatte, obwohl sie Frau Eva ein Dorn im Auge waren, verschwanden ganz heimlich, wie selbstverständlich. Die über- näfe-ig langen Rägel feiner kleinen Finger waren plötzlich aus ein normales Maß beschnitten. Er hotte sogar eine Fahrt nach Trarbach und ein herumstöbern jn ben ziemlich einfachen Läden per fleinen Stabt nicht gescheut, um einen Zenti-
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