Zrettag, 9. März 1923
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Zweites Blatt
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(Nachdruck verboten.)
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Schiller aus Leipzig verhaftet. Sn der Nacht drang eine Kolonne Franzosen in den Gefängnis- rtnrtrt und schtug mit StüfXen, Gewehrkolben, Reitpeitschen auf alle Gefangenen ein. Diele blie» ben blutend am Voten liegen, Dr. Schiller wurde der ganze Oberkiefer zerschlagen.
Martin ging ih-r nach auf Schritt und Tritt. Erst neulich, als sie im dämmrigen Stalle die frischgemolkene Milch für die Kranke holte, kam er hinter ihr drein. Sie waren ganz allein, And er hatte sie in der traulichen Dunkelheit mit beiden Händen so heftig an sich gerissen, daß sie erzitterte. Ei wüUte seinen heißen Kopf in sie hinein und stöhnte, er schluchzte fast: „Maria, warum is dann nicht endlich Versprach? Hast du mich dann nit lieb? Die Mutter will et gern, dem CDatter is et auch recht. Sag nix!“ Sie hatte etwas herausstoßen wollen, eine Abwehr. Er verschloß ihr den Mund mit Küssen. Cffiie ein Sturmwind gingen Liebe und Verlangen über sie hin.
O Jesus Maria, sie liebte ihn ja so sehr, er war ihr irdisch: und himmlische Seligkeit. Wenn sie könnte, wie sie mochte, oh, sie würde schreien: „3a, ja!“ Aber sie war die Tochter Hans Vasts. And sie durste ihre Hand nicht ausstrecken nach einem ehrsamen braven Mann.
Alles, was Maria früher nur dunkel geahnt hatte, und was ihr nach und nach heller ge- wrrten war, das stand jetzt graufam klar, in sie entsetzender Nacktheit vor ihr. 3hr Vater war ebenso schlimm wie der Vückler — vielleicht schlimmer noch Seine Hütte war der Schlupfwinkel von Verbrechern. Zwei Kerle, schlimm wie die Teufel, hausten bei ihm.
And er selber?! Sie konnte ihm kein Verbrechen nachweisen außer dem, daß er den Franzosen getötet hatte letzten Sommer am Reifer Hals. Aber sie hatte das Gefühl, und dieses Gefühl verschärfte sich immer mehr und mehr zu einer unbeschoeiblichen Angst: er wußte, wer den Händler Mungel in der Linnich umgebracht hatte — der Vruttig. And er, er — war er auch mit dabei gewesen? „Jesus, erbarm' dich!“ Die schlaflos die Nächte Hinbringente rang die Hände und biß dann in ihre m ohnmächtiger Verzweiflung geballten Zauste, um nicht laut wie eine Wahnsinnige herauszuschreien. Als sie neulich hmaff- gegcmgen war, da hatte der Bruttig oben in der Hütte gesessen, dreist und frech obgleich ihn jeder insgeheim »Mörder“ nannte. Der Vater war
Abg. Dr. H c l s f e r i ch sDntl.) wünscht, daß der Reichstag den Ausfchuhbeschlüsien zustimme, um eine schnelle Verabschiedung zu ermöglicher.
Abg. Moldenhauer (D. Dpt.) lehnt die sozialistischen Anttäge ab, weil sie auch nur eine Teillösung bilden könnten. Deutschland stehe jetzt vor der Entwicklung einer neuen Währung, die vorbereitet worden fei durch die vom Reich ausgegebene Goldanleihe. Auf diese Weise werde das Gold zum Wertmester und die Mark lediglich zum Zahlungsmittel gemacht.
Abg. Herold (Z.) tritt für die Ausschuhbv» schlüste ein und polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. Bernstein. Die Regierungsvorlage habe das Richtige getroffen, wenn der Depotzwang und das Kundenlistenverzeichnis der Banken beseitigt, aber die Auskunstpflicht der Banken beibehallen werde. ' „
Abg. Merck (Bahr. Dpt.) stimmt für sein« Freunde der Auskunftpflicht der Banken und den Ausschuhbeschlüsten zu, lehnt aber die sozialistischen Anttäge desgleichen ab.
Staatssettetär Zapf wendet sich gegen die Kritik des Abg. Bernstein in der Steuerpolitik, not allem gegen die Ansicht, daß der Besitz abfichllich geschont werde. »
Abg. Koenen «Komm.) behauptet, dah durch die fortschreitende Geldentwertung die Dorlage für die Besitzenden nur Vorteile bringe.
Damit schließt die Aussprache über den 8 1 der Regierungsvorlage. Die Ausschußfaffung über diesen Punkt wird angenommen.
Morgen nachmittag 2 Ahr Weiterberatung.— Schluß */,7 Ahr.
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Schöffengericht.
Gießen. 7. März 1923
Ein jugendlicher, wegen Diebstahls bereits vorbestrafter Gelegenheitsarbeiter von hier, der in einer Erziehungsan stall als Zögling unter» gebracht war, hat einem Landwirt in Pfungstadt, an den er zur Arbeit abgegeben war. im Juni 1922 mittels Einsteigens 600 Mark entwendet, und wird deshalb za drei Monaten Ge - f ä it g n i s verurteilt. . . „
Mit einem gcrichtli che n D e r w et? kommt ein Volksschüler von hier durch, der im letzten Dezember 18 Kilo Eisenlagerplatten im Wert von 3600 Mark am Bahndamm der Ober- hessischen Eisenbahn in der Ludwigsttaße gestohlen tjat
Eine vielfach vorbestrafte, hier wohnhafte Händlerin aus Oberndorf, Kr. "Wetzlar, hat im Dezember 1922 am gleichen Tage in zwei verschiedenen Schuhgeschäften dahier zwei Paar Damenhalbschuhe md ein Paar Pantoffeln entwendet, und erhalt deshalb eine Gefamtge- fangnisst rase von fünf Monate n.
3m Dezember hat ein junger Mechaniker von hier bei der Rückkehr von einer Hochzeit gelegentlich enter Schlägerei einem Schlossermeister mittels eines Messers mehrere Stiche verseht. Mit Rücksicht auf seine seitherige Anbestrafthell wurde er an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen zu einer Geldstrafe von 50000 Mark verurteilt. Yem Vater und sein Bruder wurden freigesprochen, weil sie in Notwehr gehandelt hatten.
Ein Techniker aus Lang-Göns torrte wegen Betrugs an Stelle der an sich verwirsten Gefängnisstrafe von einer Woche zu einer Geldstrafe von 75000 Mark verurteilt.
Freigesprvchen wurde ein Schneider von Wieseck, der des Getreidediebstahls mittels Einbruchs zum Nachteil des Landwirtschaftlichen Instituts in Gießen angeklagt war. Trotz schwerwiegendster Derdachlsgrünte war ein ausreichender Beweis für seine Schuld nicht zu erbringen.
Wegen Beleidigung wurden eine Frar von hier zu 1000 Mark Geldstrafe, und ein Schriftsetzer zu einer solchen von 3000 Mark verurteilt. .
Ebenfalls wegen Beleidigung erhielt em Gewerkschaftssekretär von hier eine Geldstrafe von 6000 Mark, während auf seine Widerklage hin ein Bvrschlosser von hier zu emet Geldstrafe von 30000 Mark verurteilt wurde. Letzterer hatte dem Gewerkschaftssekretär unter anderem zugerafen, wenn die Franzosen kämen, werde er schon dafür sorgen, daß der Gewerkschaftssekretär ausgewiesen werde.
Verschiedene weitere Privatklagen wurdet verglichen.
Ihrem wüsten Treiben setzten die Franzosen am letzten Mittwoch die Krone auf, intern sie einen Rau bzug auf alle öffentlichen Kassen unternahmen und selbst die Renten für Witwen und Waisen stahlen, die von dem Publikum am Postschalter eingezahlten Gelder, die Stationskasse, die Stadtkasse, dte Sparkasse, die Kreiskasse, das Zollamt, dir Lrtterieeinnahmen beraubten. Es heißt, daß dte Soldaten seit drei Wvch^ keinen Sold mehr -
Unter dem KreilMbanm
Roman von Clara Biebi^.
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Mörder und Schänder, die grausamen Schergen ist grenzenlos. Doch sie weiß, daß wir diesen Kampf nur bestehen werden, wenn wir uns nicht provozieren lassen. Doch eine furchtbare Saat ist es, die die Franzosen säen. Das scheinen sie auch zu fühlen, denn sie zittern vor der künftigen Rache. Ihre Offiziere verbringen schlaflose Nächte. Sie sehen die Disziplin sich lockern, sind sogar in Hattingen auf offener Straße von ihren Soldaten geschlagen worden und spüren, wie der Keim des Bolschewismus in die Reihen der Truppen einbringt. Frankreich gräbt sich im Ruhrgebiet das Grab. Es wird die Westfalen nimmer auf die Knie zwingen, eher geht es selbst zugrunde, erstickt in seinem Aebermilltarismus!
3m Kriege hat es nichts an Grausamkeiten, an Zerstörungswut, an Scheußlichkeiten gegeben, was die Franzosen jetzt bei ihrer „friedlichen Mission“ in Essen, in Recklinghausen, in Wanne, in Gelsenkirchen und vor allem im unglücklichen Bochum verübt haben, Missetaten, die zum Himmel schreien, da sie verübt werden an Wehrlosen, an Friedlichen, an Arbeitsamen mitten im Frieden. Die WÄt müßte widerhallen von Entrüstung über die Schandtaten der Franzosen im Ruhr gebiet, mühte dem wahnsinnig gewordenen ftanzösischen Militarismus in die Arme fallen und sagen: Genug des Grausamen, des Blutes, des Schmerzensschreies einer ti)rannifierten friedlichen Bevölkerung — bis hierher und nicht weiter!
Wird die Welt es hören? Wird sie auch dem deutschen Bolle Gmechtigkeit widerfahren lassen? Oder soll das deutsche Volk, zur Verzweiflung getrieben, im furor teutonicus seiner Tyrannen Hoch von sich schütteln — soll das Abendland in Blut und Rauch untergehen? Völker ter Welt, die den Frieden und die Kultur retten wollen, greift ein in letzter ©tunte!
freundschaftlich mit ihm beisammen, sie hatten heimlich viel zu reden gehabt, und als sie hinhorchte. schwiegen sie schnell. „Ob!“ Sie stöhnte: all feine Ehrbarkeit war Betrug, seine Biederkeit kam nicht von Herzen. Alles, alles Verstellung und Lüge! Er hatte auch gar fein geheimes Wissen, war kein Doktor, wie die Leute annahmen. Ein wilder Zorn gegen den Vater erhob sich in Maria. Er, er hatte ihr noch viel mehr von ihrer Ehre genommen als jener Mann, ter über sie hergesallen war auf dem Wege von Trier. Oh, daß sie doch tot wäre! Der Stein in ihrer Brust sie niederzöge tief unters Wasser!
Sie bereitete wieder einmal die Frau da im Bett. Ernst hatte sie ter die Ehrbarkeit ihres Lebens geneidet — nein, nich geneidet, nur sich auch nach solchem Leben gelehnt — nun aber neivete sie es ter, daß die sterben durfte. Sie überlegte: sollte sie weglaufen von hier? Ater der Martin würde ihr nachgehen. And sollte sie es ter Frau, deren Tage gezählt waren, noch antun, daß eine andere sie pflegen mußte? Sie allein wußte ja, wie der Kranken das Kissen bequem lag, nur aus ihrer Hand wollte die Müllerin MÄstzin nehmen, die ter Doktor gebracht hatte, und das bißchen Essen. Nein, noch mußte sie aushalten. Wenn aber das Wasser zum Herzen stieg, die gute Frau da tot war, dann lief sie gleich fort, und ter Martin würde sie nimmermehr finden. Die .Welt war groß und weit, irgendwo war ein Platz für sie, wo sie arbeiten formte. Arbeiten: ja — aber vergessen: nein. Sie weinte.
„Warum weinst du?“
Maria erschrak: hatte die Kranke sie gehört?
„Hab btr rt doch gesagt,“ sprach die Müllerin schwach, „das. ter CÜktrtin dich will, sv wie du bist. Kannst ruhig sein, der schmeißt dir nit vor. was btr geschehen is ohne deine Schuld. Hetzt soll Versprach sein.“ Dte schwache Stimme war stärtex geworden
„Wenn Ihr erst besser seid!“ (Fortsetzung folgt)
17.
Wahrend unten tu ben Gärtchen ter Dörfer die ersten Keime sich zeigten, die Vögel zwitscherten, und auf ben Vor ter gen an ter Mosel ter Schnee verschwunden war über Nacht, lag er weiter hinauf noch immer dick in den Multen. Der CEßinb blies hart über tee Eifel.
Der Dach donnerte an ter Aeßmühle vorbei, falt und wild, und stürzte sich mit Brausen über die Schaufeln des großen Rodes. Das war sem Gesang, mit dem er den Vorfrühling begrüßte. Der Müller ließ bas Gangwerk abstellen. ol>gleich zu tun war — mochte die Lieferung liegen bleiten für die Franzosen! Wenn eine Seele abscheiten will, bann muß Stille im Haus sein unb schon jetzt die Ruhe, die ter ewigen vorausgeht.
Sie wußten alle, bte Mutter würde es nicht lange mchc machen. Ein Wunder, daß sie den Winter noch so überstanden hatte! Wäre die Maria nicht gewesen, die sorgsame Pflegerin, sie lebte schon lange nicht mehr. Alle schlichen auf Strümpfen. Der Vater war wie gebrochen, er formte und konnte es nicht fassen, daß sein gute£ Weib vor ihm sterben sollte. War es denn wirklich nicht mehr möglich, sie npdj zu behalten? Aber ter Arzt, den ter Hubert weit hergeholt hatte von ter Stadt Kochern, gab keine Hoffnung mehr Das Waffen stieg und stieg, unb wenn es erst bis zum Herzen ter Kranken trat, bann war es aus. Jesus, bann mochte auch er nicht mehr leben! Der Müller sah stundenlang am Bett feiner Frau unb hielt ihre Hand.
Maria stand hinterm Vorhang verborgen und beobachtete bette. Die Kranke litt, aber war bas bas größte Leiten, was ter Körper aushalten muß? Sie sah es, bie Atemnot, bie Beklemmung und Schwäche fochten bte Müllerin trotz allem nich an. Die stöhnte wohl, wenn die Lust ihr gar so knapp wurde und war bann sehr matt, ater meist war ihr Gesicht voller Ruhe und Frieden unb sv lieb, tote es in besseren Tagen gewesen war. Aber ter, der etwas mit sich herumschleppt an Leid, so schwer wie ein Stein, unb darf nichts davon wissen lassen, ter leitet mehr. Oft glaubte Maria, es nicht mehr aushalten zu körnten. Der
halben hatten, daher ter Raubzug.
Aber damit nicht genug: Es sind buch zahlreiche Fälle bei den Behörden zur Anzeige gelangt, wo Privatpersonen auf der Straße beraubt tourten. Einem Bergmann wurden 30 000 Mark aus der Brusttasche genommen, einem vom Bahnhof kommenden Reisenden. ter feinen Paß hatte, ebensoviel, woraus er weitergehen konnte, einer Rentmeistersgattm, deren Mann verhaftet, aus ter Wohnung die goldene Armbanduhr usw. Für Hunderte Millionen Mark ist an Waren. Möbeln, Kristallen unb Silbersachen <mß den Geschäften „requiriert“ worden zur Ausstattung eines Offiziers kasinos. B^eichnend für bie Moral ter Franzosen ist es, daß, als sie ins Landratsamt eindrangen, von dem Land rat unb dem Kastellan unter Vorhaltung von Revolvern zuerst Schnaps verlangten, daß sie in ter Handelskammer aus Privatkellern, im Bahnhof Nord und Trinkgelage veranstalteten, an linb Trinkgelage veranstalteten, an denen Offiziere und Mannschaften „brüderlich" sich beteiligten; daß bei der Festnahme ter Direktoren ter Firma Dalcke die Offiziere die auf ten» Konferenz tische sichenden drei Zigarrenkisten an sich rissen.
Ater das Tollste haben sie sich doch am 28. Februar abends in ter Dvrdellstraße geleistet. Ein Ghasseur war in den „Winkel" gegangen und blieb dort ziemlich fange. Seine französischen Kameraden drangen in ein Haus ein, um ihn zu suchen, irrten aber in ter Hausnummer. Wie die Berserker zerschlugen sie alles, zerschnitten Betten unb Sofas, beraubten vier Mädchen ihrenSchmuck- sachen und des Geltes, mißhandelten sie und zwangen sie zu ekelhaftem Geschchenlassen. Die Mädchen hatten sich ten Zorn ter Franzosen zu- gezogen, weil sie die brutalen französischen Wüstlinge vom ersten Tage an nicht ins Haus ge- laffen hatten. (Aus verschiedenen Orten, so Herne unb Oberhausen, warten Berge toal ti gunaen von unbescholtenen Mädchen gemeldet.)
Verhaßt sind ten Franzosen die Sch u Polen te, die schier Anmenschliches ertragen haben, um die Bevölkerung nicht ohne Schutz zu lassen. Arn Mittwoch tourte die ganze Schutzpolizei verhaftet. Der größte Teil tourte ausgetoiesen. Bei ter Verhaftung sind Beamte fürchterlich geschlagen toorten, mit „Hände hoch" ober auf dem Rücken gefesselten Händen tourten sie forttransportiert, die meisten sind ausgetoiesen. Das Geschrei ter Gemarterten drang weit heraus aus ben Räumen ter Pottzeibirektion. Diele Beamte sind auch noch beraubt toorten. Furchtbare Schreckens tage hat Bochum hinter sich. Man glaubt sich in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges versetzt. Anausgeseht rattern bie Sanis durch bie Straßen, Flieg-r kreisen über ter Stadt, um die ringsum schwere Batterien aufgestellt sind. Es ist zu Dertountem, daß trotz aller französischen Greuel die Bevölkerung, gequält, gemartert, vom Hunger bedroht (es konnte kein Markt abgehalten werten, auf dem gesperrten Güterbahnhos verderben bie für die Bevölkerung von 200 000 Seelen lagernden Lebensmittelzufuhren), noch ihre Ruhe bewahrt hat. Aber ihr Haß gegen die Räuber,
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Die französische Folterkammer in Bochum.
2ka zuverlässiger Seite erhalten wir die «achflehenten Ausführungen:
3n ter ganzen Welt hat das französische Schvecksnsregiment in Bochum ungeheures Aufsehen erregt. Die Marterung ter verhafteten Oberrealschüler (bte sechs armen Hungen, bie Spießruten laufen mußten mb scheußlich mißhandelt mitten, sind mittlerweile durch Verwendung des Roten Kreuzes wieder ben Eltern »ugeführt Worten), bte Ausplünderung ter Hansel-kannner unb bie sinnlose Zerstörung aller Einnrichttmgen derselben, ter auf dem Bahnhof Bochum-Nord von Franzosen verübte Danbalis- muS haben eine flammende Empörung im Reiche, peinliches Besternten in ten Frankreich verbündeten Ländern, scharfe Verurteilung im neutralen Auslaute gefunden. Vielen Bangen bie Meldungen so ungeheuerlich bah sie kaum geglaubt wurden, daß man meinte, solche Scheußlichkeiten nicht für möglich halten zu können.
Ach viel Schlimmerem noch ist Bochum in der letzten Woche ausgesetzt toorten; mit wahrhaft sadistischer Wut haben die Franzosen ihr Mütchen an Tausenden gekühlt. Auf ten amtlichen Stellen häufen sich die protokollarischen, eidesstattlichen Aussagen der Mißhandelten, auf offener Straße Beraubten, bet Geplünderten zu Aktenbünte In von unheimlichem Umfange
Weil französische Spitzt, deren sich an 2500 tat Ruhrgebiet umhertreiben, in mehreren Fällen von dem entrüsteten Publikum die wohlverdiente Tracht Prügel empfangen hatten, in wenigen Füllen auch Offiziere mit der Reitpeitsche an bte verkehrte Adresse gekommen toaren, weil ferner die Geschäfte sich toeigerten, Lebensmittel unb Textilien, Schuhwaren und auch andere Artikel, xxn denen im Ruhrgebiet großer Mangel herrscht, an die Franzosen abzugeben, wurden über die Stadt bte allerschärfsten „Sanktionen" verhängt. Don 7 Ahr abends bis 7 Ahr morgens darf fein Mensch auf dte Straße. Die Innenstadt ist durch Tankgeschtoader und Truppen- kottmaen abgeschlossen, fern Geschäft in dieser Zone darf seit einer Woche schon ten Laten öffnen Wertvolle, unersetzliche Lebensmittel sind dem Berterten ausgesetzt. Wehe dem, der nach 7 Ahr abends in die französischen Fallen gerät! ©r wird annachsichtlich verhaftet unb darf Gott bauten, wenn man ihn nur eine Nacht auf freiem Platze, in ftromentem Regen, stehen läßt. Die meisten werten nach bet Oberrealschalle II geschafft, dem Sitz tes Generalkommandos. Bis unter das Dach im Keller wie in ten Abort anlagen sind die „Detzboechr", die feinen Ausweis haben, eingesperrt, zu Dutzenden in engem Raum. Tagelang werten sie hier oft festgehalten, bekommen täglich ein paar Scheiten Brot unb kaltes Wasser, müssen auf Zementboten in ungeheiztem Raum, lagern ober auf dem Boden ter gedielten Stuten liegen;
Er wagte gar nicht, sich zu wehren: ja, er sah es ein, bte Julie war bte teste, die einzige. Nur, als sie ihn aufförterte, ter „Französichen bie Ringe abzuziehen, die ihr an ten Fingern fan- feiten, erlaubte er sich einen Widersprach Ater ter half ihm nichts, bie Julie blieb batet
Wenn Hannes nun unterwegs ein Wort ter» fechte, so warf sie ihm nur einen Blick zr. ter ihn wieder völlig einschüchterte. Er. ter sonst so Äede, ter Sieger bei allen Weitern, war heute, ter Julie gegenüber, ein erbärmlicher Wicht. Er teste sich feil)er darüber, und er überlegte im stiften, wie er es nur anfangen sollte, sie zu versöhnen. Das war ihm augenblicklich bas Wichtigste und bringender zu beten leit, als was aus denen da oben wurde, bte er zurücklieh. Placken- Klas und Backenbart-Toni würden sich, wenn fte ihren Rausch ausgeschlafen hatten, schon mit dem Vchcäckelvd verziehen, unb was dann aus dem schönen Weibsbilb tourte, bas ihm nach dieser gewaltsamen Ernüchterung übrigens nur halb sv tote mehr erschien, das würde sich finden. Er selber durfte sich ja nicht mehr vor ter sehen fassen. Nun galt es nur noch die zweitwrsend Franken aus der Reiler-Hals-Kapelle zu holen And das würde am sichersten unb am schlausten die Julie ton. Wenn sie nur wieder gut fein Wollte mit ihm!
Er wälzte unsiistige Gedanken. Stumm unb Mißmutig zogen sie ihre Straße dahin, tee Vorsicht, nicht gesehen zu werten, ganz außer acht fastend. Erft, als sie unweit von sich auf ter Straße einen Trupp Reiter temerften, ter sich auf sie zu bewegte, Uniformen im Sonnenschein blut» fen sahen und Flintenläufe, wurden sie auf» merksam.
„Haife-lä!“ Gatt das ihnen? Ein Schuh sirt.
Wie gejagte Tiere setzten sie ins Gebüsch Unwillkürlich griff Julie nach ter Hand tes Harmes. And nun liefen sie wieder vereint
Deutscher Reichstag.
Berlin, 8. März 1923.
313. Sitzung, 2 Ahr nachmittags.
Auf ter Tagesordnung steht bie zweite Beratung tes Gesetzentwurfs über bie Berücksichtigung der Geldentwertung in den Steuergesehen. Die Vorlage bringt Aenderungen in nicht weniger als 14 Steuergesetzen.
Der Berichterstatter des Ausschusses, Abg. Keinath (Dem) erllärt, toeter durch die Regierungsvorlage noch durch die Ausschußbe- schlüsse sei eine befriedigende Äsung ter Aufgabe gefunden toorten, die Steuerleistungen auf eine wertbeständige Rechnungseinheit zu stellen. Die Vorlage könne nur einen Notbehelf für eine vorübergehende Zeit schaffen, intern sie bie Fällig- keitsfristen ter Steuern vorderlegen unb durch hohe Verzugszinsen eine schleunige Zahlung ter Steuern erreichen will. Der Ausschuß hat in ter Erkenntnis, daß eine befriedigende dauernde Lösung nicht möglich sei, die Befristung des Gesetzes auf die Jahve 1922 unb 1923 beschlossen. Er ersucht aber in einer Entschließung bie Regierung, die Einkommensteuer auf eine neue gerechtere Grundlage zu stellen.
Abg. Bernstein (Soz.) verlangt eine grundlegende Reform des deutschen Steuersystems mit einer nach dem Vorbild ter Lohnsteuer vereinfachten Erhebung, wodurch das Reich gegen Kursverluste geschützt werten solle. Eine gerechte Steuerpolitik fei freilich erst möglich wenn die umfangreichen Reparatttmsverpflichungen Deutschlands endgültig festgesetzt seien. Die Beschlüsse tes Ausschusses hält ter Redner nicht für befriedigend. Er wendet sich vor allem dagegen, daß Wertpapiere ober ausländische Zahlungsmittel nach einem Durchschnittskurs berechnet werten sollen. Statt besten beantragt er Einschätzung nach dem Kurswert am Dilanztage. Ferner beantragen die Sozialdemokraten, die in der Vorlage enthaltenen steuerlichen Bevorzugungen für die Landwirtschaft zu beseitigen. Die Mstreichungen sollen nach dem Antrag auf ein Zehntel der Ausschußbeschlüsse vermindert werten. Schließlich verlangt ter RÄmer die Wiederherstellung des Depotzwanges, bie weitere Aufhebung des Bankgeheimnisses unb bte Offenlegung ter Steuerlisten.
Eine sozialdemokratische Entschließung ersucht bie Regierung, den Termin für die Abgabe der Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Ver- mögenssteuer und Zwangsanleihe nicht über den 15. April hinaus auszudehnen. _____
Daß man auf ter Straße tes Lebens nicht sicher tft, mußten drei Knappschafts be- amte erfahren, bte ahnungslos von Franzosen gestellt wurden. Einem, dem Knappschaftsbeamten Wortmann, tourte das Bajonett in das Gesäß gestoßen mit solcher Wucht, daß es zum Dvrterleib herausdrang. Tödlich verletzt mußte der Bedauernswerte ins Koankeichaus gebracht werten. Stirbt auch er, bann haben bte Franzosen in Bochum bereits vier Anschuldtge
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glücklich wer einen StuU hat. Es wirb ten Gefangenen verwehrt, ten Raum zu verlassen, sie muffen ihre Notdurft im Zimmer verrichten. Alt unb Zung, hochangesichene Männer, brave Arbeiter, Schuirnaben unb Lehrlinge, werten wahllos zusammengepfercht. Mit ausgesuchter Graa- samfett zwirmt man alte Herren, tote den im 3n» unb Auslände in ter Maschrnenbauindustrie hochgeschätzten Generaldcrettvr "Solde (er ist nach einigen Tagen wieder entlassen Worten), das Zimmer tmb ben Abort zu schrubben. Noch schlim-- mer geht es im Gefangenenlager zu Attenbochum zu. Dort läßt man „Gefangene", biß audtreten wollen, bis zum letzten Posten gehen, um ihn dann mit Kvltenschlägen zurüchutt-eiten, wie es anständigen Herren postiert ist, bie nichts getan hatten, als nach Sperrzeit sich auf der 6träte sehen zu fassen.
3n ter Oterroastchmfe kommt kaum em Gefangener ohne grobe Mißhandlungen davon, ebenso im Telegraphenamt, das schon seit anderthalb Wochon besetzt ist. Das Riesengebäude wider-
Sag unb Nacht von ten Schmerzens lauten ter mit Kolben unb Reitpeitschen Bearbeiteten: mitten in ter Nacht fällt eine Rotte über die Armen her unb schlägt auf sie ein. Viele verlassen bie Folterkammer mit blutigen Wunden. Statt zahlloser eidlicher Angaben nur diese eine: Berg- prattikant R c d i ck e r unb Herr Kleinsin- Nnghaus tourten am 26. Februar verhaftet Unb in die Oberrealschule gebracht. Sie wurden tetoulbigt, an einem Angriff auf französisch: Offiziere beteiligt zu sein. Mit ihnen war Dr. Phil.


