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Trschrinl tügNch, <mtz« Sonn« und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GiebenerFamilienblütter Monatliche Btjugsprtife: 760 Mark und 40 Mark Trägerlohn.durchdiePost 800 Mark,auch bei Nicht« erscheine« einzelner Num« inern infolge höherer Gewalt.- Jernsprech. Anschlüsse: für dieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

poftscheälonto:

Zranksurl a. M. 11686.

V 3. Mrgang

Montag, 8. Zanuar 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschaftrstelle: Zchulfttatze 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi, zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 27 mm'Breite örtlich 20 Mk, auswärts 25 Mk.; für Nekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite lOOMK.BeiPlatz- vorschnft 20°/? Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goey; für den übrigen Teil: Ernst 'Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gietzen.

Vormarsch der Franzosen?

Paris, 8. Ian. (WTB.) DieChicago Tri­büne" meldet aus Koblenz von gestern nach­mittag, im französischen Hauptquartier erwarte man jeden Augenblick den Befehl zum Vorgehen. Der amerikanische Oberkommandierende General Allen habe in aller Eile in der vergangenen Nacht seinen Stab zusammenbernfen. Die Be­sprechungen haben bis nach Mitternacht gedauert, und man nimmt an, dah sie sich um das bevor­stehende Dorrücken der Franzosen gehandelt haben. Die unter General Aliens Kommando stehenden französischen Truppen seien gestern in ihren Quartieren gebalten worden. Ein mit den Amerikanern vereinbartes Fuhballwettspiel sei rückgängig gemacht worden mit der Entschul­digung, die Franzosen wünschten keine Zusam- menstöde mit der Zivilbevölkerung.

Paris, 8. Ian. (WTB.) Eine Pariser Nach- richtenagentur hat gestern nach demPetit Pa- rifien die Nachricht verbreitet, dah 4 0 Be rg -- Ingenieure und Ingenieure der Marine 9.59 ilfjr vorn Aordbahnhof nach Essen abgereift seien. In Essen würden sie auf die Hauptberg­werke im Ruhrgebiet verteilt werden, deren Lei­tung sie aus Anordnung von Paris aus zu über­nehmen hätten. Ihre Abreise sei in größter Stille vor sich gegangen. Den Mitgliedern der Ab­ordnung sei der Ort, nach dem sie sich zu begeben hätten, nicht bekanntgegeben. Sie hätten den Be­fehl erhalten, sich um 9.30 Mr abreifebereit auf dem Nordbahnhof einzufinden. Nachmittags hätte die Abteilungsleitung längere Besprechungen im Ministerium für öffentliche Arbeiten und mit dem Generalinspektor der Bergwerke Coste gehabt. Wahrscheinlich werde eine neue Abteilung Ingenieure heute vormittag von Paris nach Essen abgehen. Zu dieser Nachricht der Depeschen­agentur erklärt derPetit Parisien" folgendes hinzufügen zu können: Die Ingenieure, die Paris gestern abend verlassen hätten, würden sich nicht unmittelbar nach Essen begeben, sondern sie würden in Düsseldorf Aufenthalt nehmen, wo die Regierung ihnen neue Instruktionen werde zugehen lassen, wenn der vom Ministerrat aufgefldtte Plan zur Durchführurm gebracht wer­den sollte. Der Ministerpräsident fyabe beschlossen, am Donnerstag in der Kammer zu sprechen. An diesem Tage werde er wohl in der Lage sein, den Abgeordneten Mitteilung von den bereits ins Werk gefegten Mahnahmen zu machen. Ferner meldet das Blatt nach seinem Berichterstatter über Truppenbewegungen, dah das 149. und 62. Feldartillerieregiment in Epinal sehr bald ab- befördert werden. Die beiden Regimenter sollten am Mittwoch am Rhein fein.

Paris, 6. Ian. (WTB.) DerT e m p s" beröffentlicht folgende, offenbar inspirierte Mit­teilung: Es sind zahlreiche Nachrichten über die Mahnahmen verbreitet wor'en. die die fan- zösische Regierung gegen Deutschland zu treffen gedenkt und über den Zeitpunkt, in dem dies geschehen würde. DerTemps" glaubt, dah alle Angaben hierüber einfache Vermutungen dar­stellen. Die Regierung habe ihre Absichten den Verbündeten bekanntgegeben, aber es liege fein Anlah vor, weitere öffentliche Mitteilungen zu machen oder fremde Meldungen zu dementieren. Die französische Regierung werde sich bestimmt ihre Entschluhfreiheit hinsichtlich ihres Pro­gramms und des Zeitpunktes seiner Durchführung Vorbehalten.

Eine Protestkundgebung in Paris.

Paris, 6 Jan. (Wolff.) Gestern abend hat j)ier die von der französischen Gewerk­schaft s z en t ra le, der sozialistischen Partei und der Liga für Menschen­rechte v rnn'kalle e Kundgebung zu zunst-en einer friedlichen Regelung der Reparations­frage stattgefunden. Für die Gewerkschaften sprach Ioühaur, für die sozialistische Partei der Abgeordnete Blum und für die Liga für Men­sch -nrechte der Abgeordnete und ehemalige Mi­nister Paul Tancourt. Es wurde eine Ent- s ch l i e h u n g angenommen, in der die Dersamm- lung feierlich die Politik ab lehnt, die Frank­reich zum mindesten dem Verdacht aussetzt, eine verschleierte Annexion deutschen Ge­bietes oder die Zerstörung der deutschen Einheit zu betreiben, also geoen das Selbstbestimmungs- recht der Völker zu verstoßen. Dadurch, dah f die Regierungen der Entente ihre Gegensätze un= i vermindert aufeinan&erfaf.«i liehen, reizten sie I den deutschen Kapitalismus mit zum Wider­stande und bestärkten in Deutschland die Reaktion. Rach dem Eingeständnis der Regierung selbst Perschaf e die französische Repa­rationspolitik nicht die mindeste Einnahme: da­für isoliere sie aber Frank eich. Die Ver­sammlung erklärt sich gegen eine Brutalitäts- und Risikopolitik und verlangt, dah der Kon­flikt dem Schiedsspruch des Völkerbundes unter­worfen werde.

Proteste in Marseille und Toulouse.

Paris, 7. Ian. (WTB.) In Marseille und Toulouse haben bereits die sozialistischen Parteien, die Liga für Menschenrechte und der Allgemeine Gewerkschaftsbund Kundgebungen veranstaltet. Es wurde eine Resolution angenom­men, die sich gegen eine Politik wendet, die auf die Zerstückelung Deutschlands und gegen _ das Recht der Völker, über sich selbst zu verfügen, gerichtet ist. In der Reparcttionsfpäge und der Frage der Ausführung des Friedensvertrages von Versailles solle ein Schiedsspruch des Völker­bundes entscheiden.

Eine Ientrumsprotestkund- gebung in Köln.

Köln, 7. Jan. (WTB.) In einer Zen­trumsversammlung, in der der frühere Reichskanzlei Wirth sprach, wurde folgende Entschliehung einstimmig angenommen: Wir Rheinländer erheben mit tiefer Erpörung Ein­spruch gegen die von Varis aus auaeba/fVe neueste Vergewaltigung. Diese Politik dient nicht der Reparation -uiib führt nicyt zum Wiever- aufbau, sondern schafft nur neue Zerrüttung und Zerstörung. Sie bahnt nich' den Weg zum Völker­frieden, den die ganze Menschheit ersehnt und sät nur neuen Haß, tiefen, glühenden Hah, der früher oder später zu unheilvoller Ernte reifen muh. Lind das alles geschieht nicht etwa um aus dem Zwange wiickschaftlicher Not- wendigkerten heraus, sondern um poli­tischer Ziele willen, die wohl ver­schleiert, aber nicht verborgen werden können. Wir kennen diese Ziele: alle Welt kennt sie. Sie bedeuten das Schlimmste, was einem wehrlosen Volle aufgezwungen werden kann. Aber diese Ziele werden niemals Wirklichkeit. Keine Macht der Welt ist stark genug, das Band, das das Rheinland mit dem Reiche verknüpft, zu zer- reißen. In ernster, schwerer Stunde erneuern wir das heilige Gelöbnis der Treue zu Volk und Vaterland. Wir kennen die Pflicht, die in diesen Stunden dem Zentrum als der größten Partei in den westlichen Grenzmarken des Reiches obliegt. Wir werdea sie erfüllen in treuer Gemeinschaft mit allen, die gewillt sind, ihre Schuldigkeit für Heimat und Vaterland zu tun. Rheinländer! Schliesst die Reihen! Fort mit dem Kleinmut und be; Verzagtheit! Mag di: Gewalt kurzlebige Triumphe stiem, unser gute3 Recht ist stärker als sie, toe.m nur der Wille, der es trägt und schirmt, nicht schwach wird. Stark wie die deutsche Eiche soll unser deutscher Wille sein. Deich und Rheinland auf ewig ungeteilt!

Zurückziehung der amerikanischen Bcsatzunststruppen?

London, 6. Jan. (Wolff.) Einer Blätter­meldung aus Neuyork zufolge ist im Senat gestern ein Antrag betreffend die Zurück­ziehung der amerikanischen Truppen v o m R h e i n eingebracht worden. Kriegsminister Weeks erklärte nach der gestrigen Sitzung des Ka­binetts, es bestehe Aussicht, dah die amerikani­schen Desatzungstruppen demnächst zurückgezo­gen würden.

London, 6. Jan. (WTB.) Nach einer Reutermeldung aus Washington nahm der Senat eine Entschliehung R-.eds an, welche die Zu­rückziehung der amerikanischen Truppen aus dem Rh'inlande for ei.

London, 7. Ian. (Wolfs.) Rntter meldet aus Washington: Der Senat nahm zu der Entschliehung Reeds ei' ei Zusahantrag an, der feststellt, dah in der Zurückziehung der ameri­kanischen Truppen aus dem Rheinland eine Un -- freundlichkeit gegen irgendeine der durch diese Maßnahme berührten europäi­schen Nationen nicht erblickt werden dürfe.

Eine internationale sozialistische Taatt'ia.

Köln, 7. Jan. (WTB.) Die interna­tionale sozialistische Tagung nahm einstimmig eine Entschliehung an, worin es heißt, das Attionskomitee teuft nachdrücklich die Aufmerksamkeit aller Arbeiter auf die schwe en Gefahren für den Weltfrieden infolge des Schei­terns der Pariser Konferenz hin urd bestätigt die Beschlüße vom Haag u ib Frankfurt, die militäri­schen Besetzungen schnellstens zu beenden. Es protestiert gegen eine Poli'.ik, die utter dem Vorwand der Pfandnahme gewaltsame Maß­regeln gegen Dcu.schland, insbesondere die mili­tärische Besetzung des Ruhrgebiets vor­bereitet.

Zur Begründung der Entschließung führte Wels aus, die Entwaffnung Deutschlands sei restlos durchgeführt worden, wie es sogar von den alliierten Regierungen anerkannt wo den sei. Wenn dem D uck des Desatzungsheeres nicht sehr bald ein Ende gemacht werde, werde es dm deutschen Sozialdemokraten unmög- lich sein, weiter für die Erfüllung auch der legitimsten Forderungen Frankreichs einzu treten. Das deuische Volk leide selbst zu große Not, als daß es länger Opfer bringen könne, die nachweisbar nicht dem Wiederaufbau der Zerstörungen und der Linde- rung fremder Sorgen und Nöte dienen, sondern hauptsächlich in das Danaidenfaß des französi­schen Militarismus am Rhein wandern.

Die Absichten Amerikas.

Paris, 6. Ian. (WTB.) Gleichzeitig mit dem Dementi der Nachricht über die bevorstehende Einberufung einer internationalen Wiri­sch a s t s k o n f e r en z xur Regelung der Re­parationsfrage durch die amerika­nische Regierung hat diese nach den in Paris erscheinenden amerikanischen (Blättern ihre Absichten für die nächste Zukunft halbamtlich wie folgt dargestellt: .

Staatssekretär Hughes wird die offiziellen Verhandlungen wieder aufnehmen, um festzu­stellen, ob die Mächte jetzt zur_ Teilnahme an einer internationalen Sachverständigenkonferenz bereit wären, woran die Vereinigten Staaten teilnehmen würden, um eine angemessene Repa­rationssumme vorzuschlagen. Bejahendenfalls solle jede politische Erörterung der Reparationsfrage aufgeschoben werden, bis die erwähnten Sachver- flaubigen zusammengetreten wären und ihre Vor­schläge gemacht hätten. Werde die Ausführung

dieses Planes verhindert, so würden die Ver­einigten Staaten der Welt klarmachen, auf welcher Seite die Verantwortung liege. Falls die Fran­zosen ins Ruhrgebiet einmarschieren, würden die Vereinigten Staaten heftigen Einspruch erheben; das Vorgehen Frankreichs werde in diesem Falle das Zurückziehen der amerikanischen Truppen vom Rhein zur Folge haben. Indessen habe Hughes, als er nach Schluß der gestrigen Kabi- nettssitzung befragt wurde, erklärt, Amerika könne nichts tun, wenn Europa es nicht um Hilfe an» geht, und das sei offiziell noch nicht geschehen.

Tie Blätter betonen, dah die Vereinigten Staaten vor allem von Frankreich Gegen­vorschläge zum Konferenzplan von Hughes erwarten.

Neuhork, 6. Ian. Der Senatsaus- schuh für auswärtige A>rgelegenheiten, der nach dem Abbruch der Pariser Konse e rz zusammen- berufen wurde, beschloß. Präsiden Harding für die weitere Behandlung der Repara­tionsfrage freie Hand zu lassen.

Washington, 7. Jan. (WTB) Im Laufe der Erörterung über die Entschließung Reeds im Srnat erklärte Senator L v b g e er würde es augenblicklich für ein ilnglüd betrachten, wenn irgend etwas unternommen würbe, was Grand zu der Annahme gäbe, daß die Vereinigt«, Staaten bei der Auseinandersetzung innerhalb der Qieba:u' tonsfommii fton Partei ergrifei. Er gebe diese Erklärung .inle'Habet der Tatsache ab, daß er für die Zurückziehung der amerikairischen Truppen aus bem Rheinlande sei.

Washington, 7. Ian. (WTB.) Die Mög- lichknt eines Eintritts Amerikas in das euro­päisch: Repcwa ionsproblem ist verrinne t worden durch den Senatsbeschluß über die Zurück­ziehung der amerikanischen Truppen vom Rhein. Die amtlichr Stellung zu der gegen arärigen Lage wird bezeichnet als diejenige eines wohlwollenden Züsch: e 's in Freundschaft mit allen an der Krisis beteiligten Parteien. Die amerikanischen guten Dienste und seine wirt­schaftlichen Kräfte würden jederzeit zur Ver­fügung stehen, wenn der Weg für eine ameri­kanische Hilfe frei fei.

Die Aittanzauseinaudersehnngen zwischen (Kngland und Amerika.

London, 6. Icm. (WTB.) Rach einer Reutermelbung aus Washington teilte Staats» fei eiüt Nell on mit, daß dir eigentlich:n Er- 6 le unnen Zwischen der amerikanischenund britischen Schuldenfundierungs- k o m m i s s i o n am Montag beginnen werden. Am 20. Januar kehre Baldwin nach England zurück, und man nehme an. daß die britisch: Dele- a.a ion wah sch i rlich Vo'.-schlä-ge machen werde. 5ie nur nach Aenderung des bestehenden Gesetzes über b'e Schulden,undierung angenommen werden könnten.

Das britische Handelsamt richtete an die amerikanisch: Regierung eine Forderung im Be­trage von 1 792 108 Pfund Sterling für den Umbau früherer deutschen Schiffe, die Groß» b Larmien überwiesen worden seien und die zur Beförderung amerikanischer Truppen benutzt tmirben.

Die Kohlenlieserungssrage und die Ladung eines deutschen Vertreters.

Paris, 6. Jan. Zu der heutigen kurzen Sitzung der Reparationskommission, in der beschlossen wurde, am Montag einen Ver­treter Deutschlands über bie Kohlen- lieferunggfrage zu hören, schreibt Ha- vas, daß die deutsche Regierung gestern abend habe wissen lassen, einen ihrer Vertreter vor der Drschlußfassung durch bie Kommission zu hören. Die Verhand'ungen am heutigen Vormit ag hätten sich ausschließlich auf diese Frage bezogen. D a r - thou bezeichnet die deu'sche Forderung für über­flüssig, da die deutschen Bemerkungen zu ten Ver­fehlungen in der Kohlenlieferungsfrage schon bei bem letzten Berliner Aufenthal ben Kommissrons- mitglie^em mitgeteilt worden seien. Bradbury habe jedoch darauf bestanden, dah bie Deutschen gehört werden. D a r t h o u schlug dann vor, daß die betreffende Sitzung sobald wie möglich statt- finben solle, worauf sich bie Kommission auf Mon­tag einigte. Der deutsch? Vertreter wird also am Montag nachm. 3 Tlhr gehört werden. Nach einer Havasmitteilung hat die deutsche Regierung den 10. Januar vorgcschlaLen.

Paris, 6. Jan. (WB.) Nach demTemps" hat in der heutigen Sitzung der Reparationskom- mission Bradbury die Befolgung des Friedensvertrages und die unver­sehrte Aufrechterhaltung der Rechte und Vollmachten der Kommission an» empfohlen. Nachdem die Konferenz sich über die Verfehlungen in der deutschen Kohlenlieferungs­frage ausgesprochen haben werde, werde sie mit den Verhandlungen über das deutsche Mora» toriumsgesuch für die Jahre 1923 und 1924 vom 13. November beginnen.

Das hölzerne Pferd von Troja.

Paris, 7. Ian. (WTB.) DieChicago Tribüne" schreibt, in Paris mache eine Be­merkung Aussehen, die Bradbury machte, als er gegen die Feststellung der deutschen Ver­fehlung in der Frage der Holzlieferung sprach. Er bemerkte, dah, seit das hölzernePferd v o n T r o j a gebaut wurde, Holzniemals zu einem solch abscheulichen Zweck verwendet worden sei. Er erklärte den Dorschlag, die vorsätzliche Verfehlung Deutsch­

lands festzustellen, für unbegründet, da die Kommission sich früher damit einverstandener­klärt habe, daß die Angelegenheit geschäfts­mäßig Gehandelt würde. Die Bemeriung Bradburhs wurde in Pariser amtlichen Krei­sen allgemein bekannt.

Die angebliche deutsche Ver­fehlung bei den Sachlieferungen.

Berlin, 6. Ian. Zu der von der franzö­sischen Presse veröffentlichten, anfd)einenb in der. Pariser Konferenz vorgelegten Denkschrift ter fran­zösischen Regierung über die deutschen S a ch- lieferungen, bie offenbar ben Nachweis für eine deutsche Verfehlung bei der Lieferung von Kohlen ufw. erbringen soll, erfährt das Wvlff- bureau von zuständiger Stelle:

Die französische Regierung stelle em Defi- z i t von rund 22 Millionen Tonnen ge­genüber den Programmziffern der Reraralions- kommission fest und hebe hervor, dah Deuriä-Iaud nach diesem Programm doch nur rund 300 000 Tonnen monatlich weniger an Frankreich und Luxemburg abzuliefem hätte, als es 1913 frei­willig dorthin ausführte. Ferner läge ein böser WilleDeutfchlands darin, däch der Ford^r- fleigerung im Ruhrgebiet seit September 1922 keine Zunahme der Reparationslieferungen ent­spräche. Der jetzige Bedarf Frankreichs an Brenn­stoffen sei 60 Millionen Sonnen, der einschUeh'- lich der Saarförderung nur mit 37 bis 38 Mil­lionen Tonnen gedeckt fein. Außerdem würde die deutsche Industrie mit Koks weit besser beliefert, während in Frankreich wegen Koksmangel 50 Pro- zeM der Hochöfen kalt stehen müßten.

Dazu erklärte die zuständige deutsche Stelle, daß es n cht a g .ngi j s i die tat.ächiichm deutschen Lieferungen mit ben im Friebensoertrag genann­ten Zahlen zu vergleichen, da diese nur dieH ö ch st- grenze bezeichnen, die nur erreicht.zu treiben braucht, wenn bie deutschen Lebensbedürf niste es zulafsen. Deshalb habe auch mit Recht die Re­parationskommission diese Ziffern erheblich her­abgesetzt, trenn auch noch nicht genügend Es sei als außerordentliche Leistung Deutschlands zu bewerten, wenn es ihm gelungen sei, die For­derungen für Frankreich und Luxemburg zu 84,4 Prozent, nach den deutschen Berechnungen bis zu 89 Prozent zu erfull-m Das sei auch nur durch bie für d e deutschen Finanzen r erbe er nb? u i> q c - wöhnliche grobe Einfuhr auslän­discher Kohle nach Deutschland möglich ge­wesen. Das Defizit sei übrigens größten eils auf unberedf igte Quali.ätsforderungen Frankreichs ,-,u- rückzuführen, das sich nicht am Wiesbadener Ab­kommen halte, sondern bessere Kohle re lange, als die deutschen Verbraucher. Infolge der Abtren­nung Oberschlesiens hätte auch in der zwei­ten Hälfte des Jahres 1923 keine S eige ung, son­dern eine Verminderung der Kohlenförderung ge­gen früher ftattgefunben und zwar um 1,5 bis 2 Millionen Tonnen.

Die Beschwerde Frankreichs, daß bas Liefer­programm ter R Parationskommission gegenü er den Vorkriegslieferungen monatlich um 300 000 Tonnen zurückbleibe, ist unberech igt Nach Ab­zug der Saarzechr-.i und der lothringischen Zechen, über bereit Förderung heute Frankreich selbst ver­füge, wurden vor dem Kriege nur 15 Millionen Tonnen jährlich ausgeführt, d. h. ungefähr eine Menge gleich der Forderung der Reparations­kommission. Wenn nur 50 Prozent der französi­schen Hochöfen wegen Koksmangels ausgonuht würden, gegen angeblich 80 Prozent der den Ischen Hochöfen, wie die französische Darstellung behaupte, so werde dabei vergessen, dah ein erheblicher Teil der deutschen Hochöfen in Lothrin­gen und Luxemburg verloren gegangen ist. so daß der zurückbleibende Teil um so stärker aus- aenuht werben müsse. Wenn sich die französische Industrie, deren Konkurrenzfähigkeit auf dem Ge­brauch des billigen Reparationskokses beruht, ge­gen die Umwandlung der Zwangslieferungen in freie Lieferungen gegen Barzahlungen sträube, so sei bas verständlich, Daraus könne man aber keine Verfehlung der deutschen Regierung konstruieren, beim die Forderung einer solchen Umwandlung habe die deutsche Regierung niemals gestellt.

Ein IwischrnfaU auf der Lausanner Konferenz.

Lausanne, 6. Ian. (WTB.) In der heu­tigen Sitzung des Llnterausschusses für die Minderheiten tarn es zu einem lebhasten Zwischenfall. Die 03ertreter der drei alliier­ten Mächte verlasen einer nach bem anbern Er­klärungen, in denen sie den Türken noch einmal die Wünsche der armenischen und bulgarischen Minderheiten zur Prüfung empfahlen und vor allem darauf hinwiesen, dah vielleicht nach dem Eintritt der Türkei in den Völkerbund außerhalb des italienischen Vertrages den Armeniern eine gewisse Autonomie unter Kontrolle des Völkerbundes und ohne Beeinträchtigung der türkischen Souveränttät verliehen werden könnte. Der türkische Delegierte Riza Nouri Bey, der bereits bei Beginn dieser Erkläru igen seine Unzufriedenheit über diese Debatte kund­gegeben hatte, verlangte wiederholt das Wort. Nachdem der italienische und der englische Ver- tretet gesprochen hatten, und gerade der fran­zösische Vertreter seine Erklärung verlesen wollte, erhob sich Riza Nouri Dey und bemerkte erregt, bah das Eintreten der Mächte für die betreffen­den Minderheiten verständlich sei, da ja die Mächte an bem Unglück dieser Minderheiten allein schuldig seien. Die Türkei habe sich aber mit dieser Frage nicht zu beschäftigen. Daraus verließ