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. Juni, von nachm. eigere ichPlatzmangelr Zosteitev. H. ginv tu, einen Teil meiner ichtung, bestehend aus -nftänben, gegen Lar»
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-ritze, ZlNkfcyufiem und verschiedene andere Sachen. 3862D
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3um letzten Male lag ihre Hand in Bürgermeister Arnolds' Hand, die sich toarm und fest um die ihre schloß, mechanisch formten ihre Lippen ein „Lebewohl" und „Aus Wiedersehen", ein letztesmal hörte sie von ihrem Zimmer ans, tote sein fester Schritt immer entfernter klang, während der Rebel längst die Umrisse seiner ©eftalt verschlungen hatte. Dann lag sie auf ihrem Bette und wühlte den Kopf in die Kissen, damit HanS Dietrich ihr Schluchzen nicht höre, zu dem sie gar kein Recht hatte, und das sie doch nicht unterdrücken konnte, weil es gar zu heftig ihr Herz beklemmte.
Als sie am anderen Morgen aufstand, war der Rebel so dicht, daß der Rebstock stand wie auf einer Insel. Keine Lücke in den schweren Schn»- den, die da im langsamen Wogen unb Wallen von der Mosel heraufkamen, so daß dichte Wolken sich herrindrängten, wenn man das Fenster öffnete.
Schweigsam saßen Frau Eva und Hans Dietrich bei dem frühen Frühstück. Sie hatten mit Arnolds ausgemacht, daß der Abschied am Abende das letzte sein sollte — daß niemand mit nach Traben fahre. Solche allerletzte Stunden, in denen man sich um so weniger zn sagen hat, je schwerer der Abschied ist fürchtete Frau Eva. Doch nun wünschte sie fast wild, daß noch jemand käme, hoffte es, fürchtete es doch wieder. Da hörte sie einen laufenden Schritt durch den ©arten, durch den *2te6eL
Sie fuhren beide zusammen. Und wenn es auch nur einer der halbwüchsigen Zungen war. die jetzt in den Ferien im ©arten des Moselhauses arbeiteten — darum war doch der Strauß herrlicher halberblühter Rosen, auf den der Rebel silberne Tropfen gesprengt hatte, eine Botschaft, die in diesem Augenblick wirtte wie ein Gruß aus einer schöneren Welt. (Fortsetzung folgt.)
Nr. <3| Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Oonnerrtag, 7. )unl 1923
(Rachdruck verboten.)
47. Fortsetzung.
Pfarrer Bern deck das ©ebet.
Präsident D. Dr. Diehl eröffnet die Sitzung um 10 LIHr. Bor Eintritt in die Tagesordnung wird der neue Abg. Bürgermeister Michel- Reubamberg eingeführt und vereidigt.
nstand der Beratung ist --oä ©c»
Erster_______________ ---
such des Hessischen Haupwereins der Guitav- Adiolf-Etiftung um Erhöhung des Beitrages der Landeskirche zur Vollendung des rnge- fangenen Kapellenbaues in Heusen - ft a m m. Es wird beschlossen, den Bettag von 2 500 000 Mark einzustellen und das Ges ich da-
gegen jeden Eingriff in feine Justiz Hoheit, zu der auch das Begnadigungsrecht gehöre, verwahre.
gfreitag: Sozialdemokratische Teuerungsinter- Bellattvn.
Evangelischer Landeskirchentag
Darmstadt, 6. Omi 1923.
Zu Beginn der heuttgen Sitzung spricht Abg.
Das Mssschaus.
Roman von Luise Schulze-Brück.
„So," sagte Mutter Hausmann, „dään hat Euch immer Spaß gemacht, da al weiß ich. Rou holt en mit nach dem Berlin, on leeft als emol dään Spruch, daat is en gescheiten Spruch, dään müht Ihr beherzigen, dann werd Shr die irdisch' Seligkeit noch schmecken."
Als Frau Eva dann nach dem Rebstock zurückging, schaute sie sich noch einmal nach dem Fährhaus um. Sn der Tür stand Mutter Hausmann. sie hatte die Hand über die Augen gelegt und sah ihr nach. Da stand sie auch noch, als Eoa in den Garten des Rebstock hin entging. den Krug mit den zwei Herzen in den Händen, den sie vorsichtig trug, wie einen kostbaren Schah, und mit einem tzächeln auf den Lippen, das dem Wunsche Mutter Hausmanns für ihre irdische Seligkeit gatt. Dies Lächeln war ein wenig ungläubig und — ein wenig hoffrrungsfroh.
Dann kam der.letzte Abend. Wie im Traume ging er an Frau Eva vorüber. Sie saß am festlich gedeckten Tisch in dem schönen Speisezimmer des Moselhauses, ihr Blick ging über di» alten Bilder und Geräte, über die SchÄen voll letzter Dosen und erster Weintrauben, die die Tasel alerten, über die lachenden Gesichter der Jugend, oas ehrlich betrübte Tante Röschens, und die ganz selbstvergessenen Elisabeths und Hans Dietrichs, und haftete dann immer wieder einen Augenblick auf Arnolds, der sehr schweigsam dasaß.
Auch ihr war es nicht ums Reden. Ein paar Worte warf jeder von ihnen hin, dann schwiegen sie beide wieder. So gingen die Stunden hin. Die Sugenb war sehr lustig geworden, trotz der Abschiedsstimmung. Da man nicht ms Freie konnte, saßen sie alle in dem großen Wohnzimmer. Run fingen sie auch an zu fingen und jemand stimmte das alte Lied vom Scheiden unb Meiden an: „Morgen muh ich fort von hier." Die kleinen
mit für erledigt zu erklären.
Die Eingabe des Vereins evangelischer Organisten und Chordirigenten, ihre Besoldungsverhältnisse betreffenb, wird vorerst nochmals zurückgestellt, bis die Kirchenregierung sich dazu geäußert hat.
3ur Eingabe des Dekana t s Groß-äl nist adt» die Organistenbesoldung auf die Landes- kirchenkasse zu übernehmen, unb Mittel zur Ausbildung von Organisten bereitzustellen, hat der Finanzausschuß beantragt, den ersten Teil der Eingabe abzulehnen, dem zweiten Teil durch entsprechende Etatänderung Rechnung zu tragen. Sn Rubrik 22 sollen dazu 26 000 Mk. eingestellt werden/ Die Ausschußanträge werden angenommen.
Zu Rubr. 27, Förderung freiwilliger 41 n- ternehmungen für kirchliche Zwecke, schlägt der Finanzausschuß verschiedene Aende- rungen der Doranschlagszahlen vor, die durchweg Erholungen betreffen. Dis von der Kirchen- regierung neu eingesetzte Position, Gehalt eines Streiten Pfarrers für die innere Mission (Pfarr- assistent) beantragt der Ausschuß zu streichen und dafür einen ^rschuß von 500 000 Mk. für dir Innere Mission ernzusetzen. Die Kirchenregierung erklärt sich noch dem Bericht des Prälaten D. Euler hiermit einverstanden. 3m übrigen werden beantragt: la. Gehalt des Dereinsgeistliche.i des Landesvereins für Innere Mission, abzüglich des vom Verein zu leistenden Zuschusses von 7500 Mk. 5 404 980 Mk., -- Ib. Zuschuß für den Landesverein für innere Mission 500 000 Mk., — 2a. je eine Million Zuschuß zum Geholt des ersten Geistlichen des Diakonissenhauses, des Geistlichen des Dia- krnievereins und der Epileptischen Anstatt drei Millionen Mk., - 2b. Zuschuß zum Gehalt des mit der Wahrnehmung des Dienstes des zweiten Geistlichen am Diakonissen Haus beauftragten Missionars, zwei Drittel von 1 Million — 666 667 Mark, — 3. Hessenbund, Verband zur Pflege der weiblicher, Jugend und sonstige evangelische Ia- gendverei-ne 500 000 Mk., — 4. Verband der evangelisch-kirchlichen Frauenvereine 1 200 000 Mk., — 5. dem Hessischen Landes verein der Freundinnen junger Mädchen zur Ausübung der evangelischen Bahnhrfsmission in Hessen 100 000 Mk.. — 6. für die evangelischen Arbeitervereine zwei Millionen Mk.. — 7. für den Evangelischen Rachrichten-Verband für Hessen 100 000 tZKL, — 8. dem Allgemeinen Deutschen Sittlichkeitsverein, dem Evangelischen Prehverband für Deutschland, der Flußschissermission je 1000 Mk., 3000 Mk., - 9. der Evangelisch-sozialen Schule in Spandau 4000 Mk., — 10. für Sonstiges 51 353 Mk., Summe 13 530 000 Mk.
Abg. Pfarrer Mathes bedauert die Streichung des zwecken Pfarrers für Innere Mission. Da die Finanzlage die Bereckstellung der geforderten Summe nicht gestattet, beantrage er eine Krrchenkollekte für die Volksmission.
2Ibg. Pfarrer Waitz tritt ebenfalls warm für älnterstützung der Volks Mission ein und schlägt vor, einen Ausruf zur Mitarbeit an die evangelischen Pfarrer ergeh«, zu lassen.
Abg. Dr. A v e m a i i e vertritt den Antrag. Es sei unbedingt erforderlich, die Organisation der Inneren Mission auszubauen.
Abg. Dekan G ifft m a n n vertritt einen Antrag des Verbandes evangelisch-kirchllcher Frauen- vereine, den er jedoch zu Gunsten des Vorschlags des Finanzausschusses zurückzieht und für die Mehrbewilligung von einer Million dank!.
Abg. Pfarrer Kleeberger bedauert ine Ablehnung eines Antrages des Landesverbandes evangelischer Männeroereine, der die gleiche.', Aufgaben zu erfüllen hat, wie die Frauenvereine. Der Redner hält seinen Anttag auf Bewilligung von 200 000 Mari aufrecht.
Es ist mittlerweile ein Antrag Bern deck ein- gelaufen, die Summe für den zweiten Pfarrer für
„Aber Mutter Hausmann, Sie mit Ihren roten Backen." __
3d, to, rohd Baaken! Ald Aeppel Haan och rvhd" Baaken. Aawer wenn Shr widdrnckommt un eich liegen bei meinem Hannes elv kommt Shr mich besuchen. On bann könnt Ihr Euch versichert haalen die ald Mudder Hausmann, die hoc et alleweil got el) owen, on die Hot gewußt, daat Ihr et aoch ens gut kriege,, dät. elo unnen On Euren Bruder, dään soll nuren machen, daat hään aoch elo herkommt."
Dun gab sie Frau Eva zum letzten Male die Hcmd' Rou adjüs! On wenn wir ans net mieh Sier unnen aubben Daag svhn, bann eLo 3»en! sSm toö6t^br jo a°ch. ob bk atb »auemann royt gefcitt bat 2totor b^rtor tnun- scheu eich Euch noch d,e irdisch Seligkeck! Die himmlisch' die kömmt dann dernach^
Das ist ein guter Wunsch. Mutter Hausmans Aber die irdische 6dtgtaj_
m3c jo, waart nuten! Verrat netft! Elch hon ao^ noch en Andenken an die ald Mudder Hausmann für Euch" _
CHun lachte sie übers ganze Gesicht. Aus der Stube holte sie einen irdenen Krug, den Eva farmte Er war schön mit zwei roten Herzen bemalt unb darunter hatte vor mehr als hundert Sahren fcte Hand des Töpfers mit dicken Buchstaben geschrieben:
’ Lieben und nich haben
Is Harder als Steingraben, Aber Sieben und nich hatten Is ärger als Steinzerspalten.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 6. Juni 1923.
In der ersten Beratung des Gesetzentwurfs zur Deuordnung der Strafgerichte kritisiert Abg. Dr. Radbruch (0.) den Entwurf, der fünf verschiedene Strafgerichte in erster Instanz schaffe, aber in völliger Shstemlosigkeit gehalten sei und bei dem neben den Berufsrichtern die Laienrichter fast immer in der Minderzahl bestellt würden. Die Zuständigkeit der verschiedenen Gerichte in erster Instanz könne der Staatsanwalt beliebig verschieben. Auch das System der Auswahl der Schöffen und Geschworenen sei äußerst bedenklich. Er müsse jedenfalls die Vaterschaft an diesem Gesetzentwurf entschieden ablehnen.
ReichSjustizministei Dr. H e i n h e: lieber Einzelheiten des Entwurfs wird man gewiß debattieren können. Die Vorlage bringt aber neue große Reformen, vor allem die verstärkte Heranziehung der Laienrichter und die Berufung gegen Strafkammerurteile. Die Grundlage des vorliegenden Gesetzentwurfs beruht, wenn er auch in vielen Punkten abgerändert wurde, im wesentlichen auf dem Entwurf meines Amts Vorgängers Dr. Aadbruch. Aenderungen sind notwend,g geworden, hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Im Rechsts- ausschliß wird es möglich fein, die noch bestehenden Bedenken zu zerstreuen. Ich Mächte nicht, daß diese Gerichtsresorm wieder an Meinungsverschiedenheiten über Einzelfragen schottert: das wäre vor allem deswegen zu bedauern, well mit der Verabschiedung dieser Vorlage auch die bayerischen Dolksgerichte auf gehoben werden sollen, gegen die viele Bedenken bestehen.
Der deutschnationale Redner Warmuth hält eine weitere Prüfung des Entwurfs für notwendig und fordert die Anhörung von Sachverstand,gen aus allen Kreisen des Volkes. Er strmrne der Heranziehung von Laienelementen zu den Gerichtssprüchen zu, aber d,e Mttarbett müsse sich in verständigen Greifen hakten. Gegen den Entwarf in der vorliegenden Form hätten ferne Freunde «roße Bedenken. Auch die Einrichtung der Schwurgerichte entspräche nicht dem deutschen Rechtsgefühi, sondern sei von den Franzosen übernommen. Andererseits begrüße er in dem Eck-, tourt die größere Möglichkeit, Strafsachen durch einen Amtsrichter allein zu erledigen.
Abg. Düringer lD. Vp.) begrüßt den Entwurf, dem er einen besseren Empfang gewünscht hätte, da er große Forderungen zu verwirklichen suche.
Abg. Dr. Sch ü cf i n g (D.) steht dem Entwurf gleichfalls sympathisch gegenüber, weil er zahlreiche Bestimmungen vorsehe, die auf dem Wege der Demokratisierung der Rechtspflege wichtig seien.
Abg Dell (Z.) sieht in der Vorlage einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem bestehenden Zustande.
Abg. Dr. Memminger (D. Dp.) halt die bn Gesetzentwurf gebotene stärkere Heranziehung der Laienelemente für zweckmäßig angesichts der günstigen Erfolge der bayrischen Vollsgerichte.
2Ö>g. Di Herhfeld (K.) sagt, der proletarierfeindliche Charakter der Vorlage fei dadurch gekennzeichnet, daß er von einem großkapitalistischen Minister eingebracht und von allen kapitalistischen Parteien begrüßt wurde.
Die Vorlage wird sodann dem Rechtsausschuh überwiesen.
Abg. Leutheuser (D.Vp.) erstattet foixum den Bericht des Rechtsausschufses über die Erledigung der zum Iustizetat gestellten Am- n e st i e - Anttäge. Der Ausschuß hat den kommunistischen Anttag auf allgemeine Amnestie abgelehnt und empfiehlt eine Entschließung, in welcher die Erklärung der Reichsregierung gebilligt wird, daß in dem Strafverfahren gegen die Eisenbahner wegen des Streiks vom vergangenen Jahr die Landesregierungen in weitestem .Umfange von dem Rechte der Degnadi» rg Gebrauch zu machen haben. Ferner wird
Erwartung ausgesprochen, daß die vorbildliche Haltung der Eisenbahnbeamten im besetzten Gebiet und im Einbruchsgebiet auch zur Begnadigung bei eingeleiteten Disziplinarverfahren wegen des «gleichen Anlasses führen soll.
Abg. Dr. Rosenfeld (6.) bedauert, daß ber Ausschuß nicht größeres Verständnis für die Forderung der Amnestie für politische Gefangene zeigte. Die Ausschußentschließung befriedigt den Redner nicht. Der Redner beanttagt eine Ergänzung der Entschließung, damit auch in Bayern endlich den politischen Gefangenen vom Jahre 1919 Amnest i< gewährt wird.
Reichsjustizminister Dr. Hei u he hätt den Anttag des Vorredners für undurchführbar, weil Bayern nach allem, was vorgefallen sei, sich
Innere Mission wieder einzustellen. - Der Antrag soll in der zweiten Lesung erledigt werden.
Die Abstimmung ergibt Annahme des Finanzausschußantrages unter Ablehnung des Antrages Kleeberger.
Zu Rubr. 32,11 n d o r b e r g c f c b c u ■: A us- gaben, wird im Finanzausschuß der Beitrag zu oer vvrgeschlagenen Krantenkasfengemernfchait mit 100 000 Mk. eingestellt, über die in der zweiten Lesung beschlossen werden soll- Die Summe von 9 745 560 Mk. wird vorbehaltlich dieses bewilligt
Es werden dann noch einige rückständige (Sin- nahme-Rubrilen erledigt Der Zuschuß des Staates ist mit 2 903 678 000 .Mk eingestellt. Damit ist der Voranschlag in erster Lefting erledigt.
Es folgt 'Beratung der Vorlage des Ober* tonsistvriums zum Kirchengeseh, betr. die Kirchlichen Wahlen. — Abg. Reuenhagen erstattet den Ausschuhbericht. Es wird vorgeschlagen, einem Anttag D. Dr. Schian zu>,u- ftimmen, der den Finanzausschuß beauftragt, bis zum 31. Dezember 1924 eine Revision des Kir- chengesehes oorzulegen und die Lanz' Materie von der Tagesordnung abzuseyen. Der Anttig wttd angenommen.
Es folgt Beratung der Vorlage des Odcr- lonsistoriums bett, dre Abänderung des Kirchengesehes vom 23. März, die Gehalte der Geistlichen. Es handelt sich um folgende Aenderungen: 3m § 7 fällt Absatz 3 weg. An seine Stelle tritt bei seitherige Absatz 4. und Absatz 4 erhält folgende Fassung: .Wenn im übrigen Geistliche bei Inkrafttreten des Gesetzes Der- gühmgen für Schul- oder Seelsorgerdie.iste beziehen, bleibt es der Kirchenregierung freigestelft, diese Vergütungen ganz oder teilweise den Inhabern zu belassen." — Absatz 3 erhält folgende Fassung: „Für Kinder über 21 Jahre kann auf Antrag im Falle des Bedürfnisses eine widerruf- liche Erziehungsbeihilfe nach Stufe 3 bis zum 24. Lebensjahre bewilligt werden, wenn sie sich noch in der Schul- unb' Berufsausbildung befinden. Soweit Kinder über 14 Jahre ein eigenes Einkommen von über 10 000 Mari monatlich beziehen, ist der Kinderzuschlag bzw. die Erziehungsbeihilfe einschließlich Teuerungszuschlag um den Betrag zu kürzen, um den das eigene Einkommen des Kindes den Betrag von 10 000 Mk. übersteigt."
Rach längerer Debatte werden die Vorlage unb dazugehörige Anträge nochmals an Finanz- und Gesehgebungsausschuß zurückverwiesen.
Rächste Sitzung Donnerstag.
Schwurgericht.
Gießen, 4. Juni 1923.
Heute nachmittag wurde gegen den Arbeiter Karl Grüning von Burkhards wegen Mordversuchs verhandelt. Den Vorsitz führte Landgerichts rat Hirsch, die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer; als Verteidiger trat Rechtsanwalt Iustizrat Katz auf.
Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, anfangs 1923 den Versuch gemacht zu haben, die Witwe Schäfer von Burkhards und deren Sohn mit Gift zu töten. Grüning bestritt jegluhe Schuld. Die Beweisaufnahme ergab etwa folgendes: Im Jahre 1920 war der Angeklagte nach dem Tode seiner Frau zu der Witwe Schäfer gezogen und hatte mit dieser und deren Sohn ein kleines Häuschen in Burkhards bewohnt. Der Flur dieses Hchrschens dient gleichzeittg als Küche; durch eine hier befindliche Falltüre gelangt man in den Keller. Sn dem einzigen Zimmer liegt ständig der kranke Sohn Schäfer zu Bett Zwischen diesem, beit der Angeklagte schon öfters mit Tvtschießen bedroht hatte, und Grüning kam es Rcujahr 1923 zu einem Streite, in dessen Verlauf Schäfer zu Grüning äußerte, wenn es ihm nicht passe, könne er ja ausziehen. Der Angeklagte tat dies auch alsbald. Bei dem Auszug fam es wiederum zu Streckigkeiten; Frau Schäfer mußte sogar die Hilfe des Bürgermeisters in Anspruch nehmen. Um diese Zeck äußerte auch der Angeklagte zu der Witwe Schäfer, sie sei die nächste, die sterbe und ihr Svhn läge in drei Wochen nicht mehr in seinem Bette. Einige Zeit später war Grüning noch einmal in dem Schäferschen Hause und holte aus dem Keller seine Kartoffeln. Als kurz darauf die Witwe Schäfer ihrem Sohne Sauerkraut, das sie aus dem im Keller stehenden Sauerkrautsasse gehott hatte, vorfetzte, entdeckte dieser beim Essen darin eine Menge Schwefel- holzköpfchen. Rach dem Genüsse des Sauerkrauts hatte er Unwohlsein und Erbrechen. Als Witwe Schäfer wenige Tage darauf noch einmal Sauerkraut holte, fand sie diesmal neben vielen Schwefe lhvlzköpfchen auch eine Menge roter Flecken in dem Sauerkraut. Sn den Verdacht ^in1 r*"nn ihbitit— UM» « ....... n
der Täterschaft geriet alsbald bet Angeklagte. Er schrieb ber Witwe Schäfer darauf einen Brief, in dem er seine llnichulb beteuerte unb sie unten Versprechungen bat. nichts gegen ihn zu unternehmen. Er versuchte mehreremals ben Bürgermeister zu veranlassen, die Genbarmerie zum Einstellen der Ermittelungen zu bewegen. Den gleichen Versuch machte er auch bei der Gendarmerie selbst. Rach seiner Vorladung durch ben llntersuchungsrichler ließ er durch die Witwe Schäfer, die er hierzu überredet hatte, ein Telegramm an die Staatsanwaltschaft richten, wonach sie um Einstellung des Vers ährens bat Rach seiner Verhaftung machte er einen Fluchtversuch Festgestellt wurde weiter, daß die Schweselholz- köpfchen tatsächlich ungiftig waren.
Staatsanwalt Fischer bat, die Fragen nach versuchter Vergiftung zu bejahen. Rur der Ange- Hagtc könne als Täter in Frage kommen. Daß die Schwefelholzköpichen tatsächlich nicht giftig gewesen seien, fei nach ber von dem Reichsgericht seit 1880 ständig vertretenen Rechtsomffassung belanglos, da ber Angeklagte sie für giftig gehalten habe. Rechtsanwalt Iustizrat Katz hielt den RachweiS der Täterschaft für nicht erbracht unb bekämpfte die reichsgerichtliche Theorie ber Strafbarkeit des „Versuchs mit untauglichen Mitteln",
Die Geschworenen verneinten die Schu lds ragen; ber Angeklagte wurde frei- gesprochen.
Gießen, 5. Juni 1923.
Verhandelt wurde heute gegen den Müller unb Landwirt Gottfried Lang von Ruhlkirchen. Vvrfitzeirder war Landgerichtsrat Hirsch Anklagevertreter Amtsgerichtsrat Dr. W o - da ege, Derteidtger RechtsMckvalt Dr. Kay. Weibftche Geschworene saßen nicht aus der Geschworenenbank. Einige ber zu Geschworenen bestimmten Frauen toaren krankheitshalber entschuldigt, die übrigen wurden bei ihrer Auslosung durch die Verteidtgung abgelehnt.
Der Angeklagte lebte mit seinem Vater Joses Lang und feinem Bruder Karl Lang, beide in Ruhllirche kn, in einem heftigen Zerwürfnis, das feinen Grund in familiären Verhältnissen hatte. Am 10. März ds. Is. kam es wieder zu einem erregten Auftritt zwischen dem Angellagten etner- seits und seinem Vater und Bruder andererleits. Sm Verlauf dieses Streites zog ber Angeklagte einen Revolver unb schoß fernem Bruder durch dessen erhobenen Itnfen Oberarm hindurch in den Hals. Die Kugel drang von links bis in die rechte Äieferfeite vor, wo sie stecken blieb. Wie durch ein Wunder waren keine größeren Adern verletzt. Der Bruder, der zunächst bewußtlos zusammenbrach, erholte sich verhältnismäßig schnell. Die Kugel konnte vom Arzt entfernt werden.
Die Geschworenen verneinten die Schuld * frage. Sie nahmen an, bah der Angeklagte in Aotwehr gehandelt hat, oder wenigstens ein Recht zur Rotwehr hat annehmen tonnen. Das Gericht sprach daranf^n den Angeklagten von Sttase und Kosten frei.
Kirche und Schule.
Den nachstcHenden, durch die Dekanatstage des Jahres 1923 auf die Dauer von |ed>8 Jahren vollzogenen Wahlen wurde die Bestätigung erteilt:
des evangelischen Pfarrers August Knodt zu Groß-Zimmern zum Dekan und des evangelischen Pfarrers Wilhelm Driegleb zu Groß- Ilm sind t zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Groß-Amstadt. des evangelifchen PfarrerS Ludwig Schuster zu Dudenhofen zum Dekan unb be$ evangelischen Pfarrers Adolf Lehn zu Offenbach zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Offenbach, des evangelischen PfarrerS Otto Röschen zu Freienseen zum Dekan und des evangelischen Pfarrers Ludwig Georgi zu Ermenrod zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Grünberg, des evangellschsi Pfarrers Ernst Amandus Müller zu Lauterbach zum Dekan und des evangelischen Stadt- Pfarrers Heinrich Schlösser zu Lauterbach zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Lauterbach, des evangelischen Pfarrers Ludwig Scriba zu Eichelsdors Kim Dekan und des evangelischen Pfarrers Ludwig Strack $a Wal- lernAusen zum Stellvertreter des Dekans des Deka natsRidda, des evangelischen Pfarrers Otto Orth zu Rieder-Wöllstadt zum Dekan und des evangelischen Pfarrers Phckrpp Heu- h e l zu Altenstadt zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Rodheim, des evangelischen Pfarrers Wilhelm Dolp zu Laubach zum Drkan und des evangellschen Pfarrers Rudolf Widmann zu Gedern zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Schotten.
Cvufmchen hatten reizende Stimmchen, tote 2er* ch en triller klangen die ttaurigen Verse, gar nicht so herzzersckmeidend und ttostlos.
Eva sah nach Elisabeth und Hans Dietrich, sah, wie der beiden Augen ineinaick>ertauchten und sich nicht mehr tieften. Unb ganz schelmisch setzte das kleine Röschen ein:
Küsset dir ein Lüstelein Wangen oder Hände, Denke, daß es Seufzer fein. Die ich zu dir sende, Tausend schick' ich tägllch auS, Die bo wehen um dein Haus, Weil ich dein gedenke
Das Lerchenstimmchrn kletterte ganz hoch und trillerte siegreich: „TM ich dein gedenke."
Da muß'.e Eoa an Mutter Hausmann denken und ihre Zuversicht, und sie tonnte die Tränen, die ihr aufstiegen, herunterschlucken unb sogar selbst mit einstimmen in den Vers:
Tag und Stunde warten nicht, Dein, der keine Rosen bricht, Ist kein Kreuz bescheret, Sft kein Kranz bescheret.
Aber doch, als sie bann nachher Tante Röschen Adieu gesagt hatte, weil sie früh am anderen Morgen fort wollten — als sie noch einen letzten Blick in die trauten Zimmer warf, sich aus Elisabeths fest umschlingendem Arme losriß, ald das Staketentürchen mit dem Schlaae hinter ihr zufiel, den sie so genau kannte — unb sie dann an Arnolds' Arm zum letzten Mcüe ben Weg zum Rebstock ging — bo war's ihr doch, als ob der Rebel, ter bas Rtoseltal füllte, sich auch schwer and dicht um sie selber lege, so schwer und dicht, als ob er sie abschließe von allem, was hell und heiter war, sonnig und blau unb golden, und sie in ein fahles, farbloses Grau einhülle, aus dem rein Entrinnen war und fein Wiederfinden zu Licht und Leben.


