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Donnerstag, 7. juni 1923
tZ5. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
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Eine überraschende Wendung auf der Brüsseler Konferenz.
D ariS, 6. Sunt. (WTB.) Wie Havas aus Brüsfel meldet, hat bfe französisch-belgische Ministerkvnferenz heute nachmittag um 2V3 äLhr im Außenministerium begonnen. — Rcrch dem »Journal des Debats" wird in dieser ersten Sitzung, an der nur die Minister selbst teilnehmen, ein Meinungsaustausch über die Re- parativnsstmge im allgemeinen Sinne des Worte- stattfinden. Das von der belgischen Regierung kürzlich in Paris überreichte Memorandum würde naturgemäst in den Besprechungen einen breiten Daum einnehmen. Die Minister würden sich auch mit dem bevorstehenden neuen deutschen Qlngebotc und mit der Frage ihrer Drantwottung beschäftigen. Die belgische Regierung habe bekanntlich den lebhaften Wunsch, daß auf die deutschen Vorschläge eine gemeinsame Antwort der Miierten erteilt werden könne. Sn politischen Kreisen weise man darauf hin, daß die Nachricht von der außenpolitischen Rede, die freute nachmittag Lord Curzon halten fette, und in der, wie angenommen werde, die Aussichten einer demnächst igen Konferenz der Alliierten erfeimbor werden würden, dazu angetan sei, die belgische Regierung in ihrer Ansicht zu bestärken, dast schon jetzt eine gemeinsame Antwort an Deutschland gerichtet werden könnte. — Gegen Abend werde dann eine zweite, die sogenannte Aufsichts - ratssihung, stattsinden, an der außer den Ministern die finanziellen und militärischen Sachverständigen teilnehmen würden. Am späten Abend werde ein Evinrnuniquö veröffentlicht werden, das, wie die früheren, bi sorgfältig abgewogenen Wendungen sehr reserviert über die Verhandlungen berichten werde, auch wenn es den Delegierten gelange, ihre Auffassungen völlig miteinander in Einklang zu bringen. Diese Zurückhaltung sei umso erklärlicher-, als man die deutsche Rote erwarte.
Gin diktatorischer Beschluß.
Paris, 6. Juni. (WTB.) Die belgischen totb die französischen Minister haben sich heute in Brüssel um 2l/s ilfrr zu einer Konferenz vereinigt. Rach einer Unterredung zwischen Poin- car6, Theanis und Saspar, die mehr als eine Stunde gedauert hat, sind die Sachverständigen zur Teilnahme an den Deralungen berufen wo-- btn. Die Sitzung dauerte vis 6l/2 Uhr. Sofort nach Beendigung ist folgendes Cvmmuniquö ausgegeben worden:
„Die belgische und die französische Regierung haben heute die gemeinsame Prüfung der ver- schiedenen durch die Rnhrbesehung aufgeworfenen Fragen fcrtgcselst. 6ie haben restlos alle ihre früheren Beschlüsse aufrechterhalten, namentlich was die Bedingungen betrifft unter denen die Räumung des Ruhrgebiets nach Zahlung der Reparationen erfolgen wird und was die Verpflichtung Deutschlands betrifft, vor jeder Prüfung seiner Vorschläge dem passiven Widerstand ein Ende z u bereiten. Die beiden Regierungen haben das Programm neu zu crgueifewfev Mahnahmen geregelt, um den 5) r u d 5 u verstärken und um Deutschland zu einer raschen Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingeit."
Wir die Havasagentur berichtet, haben die Minister den Sitzungssaal durch eine Hintertür verlassen, um den gvagen der Journalisten zu entgehen.
Paris, 6. Huni. (WB.) Wie Havas and Brüssel be-richtet, ist im Lause der Verhandlungen ei-nc r--:r.T3 neue Bedingung freute beiderseits gestellt worden, nämlich, dah das Deutsche Reich den passiven Widerstand im Ruhrgebiet auf geben müsse, ehe seine Vorschläge geprüft werden konnten. Tatsächlich werde, so fährt Havas fort, nur die Cinstelung des pasiiven WiLer- stanLes den sichtbaren Beweis des b e n t= f a) c guten Willens kundtun und eine Vax. und logische Lage durch bte effektive Feststellung der Kapitulation des Deutschen Reiches schaffen.
Havas fügt ferner h'mzu: Da man in Brüssel unt Baris allo entschlossen sei, über die gründ- südlichen Bedingungen nicht feilscheit zu lassen, bliebe nichts anderes übrig, als sie von England und Station an nehmen zu lassen, wenn man baldigst die alliierte •Sti- beitffrent wieder her stellen wolle. Das sei eine tiefgehende und sehr berechtigte Sorge. Man könr.e voran sfeyen. dah die belgische Regierung jetzt in Londv'.t feststellen wolle, ob man diese gtmndlegenden Vorbedingungen vor jeder Verhandlung anneömen wolle.
Paris, 6. Zuni. (WB.) Havas meldet aus Brüssel: Poincare verläht morgen früh 8älhr Brüssel, um nach Paris zurückzukehren. Er wurde nach Schluß der Konferenz vom König empfangen, mit dem er eine lange und wichtige Unter« tefcung hatte
Eine Erklärung Baldwins.
London, 6. Juni. (WTB) Sm Unterhaus fror Baldwin freute erklärt, er sei der Meinung, dah c n' Aussprache über die Reparationsfrage hn aegenwäriigen QLigenblid unzweckmähig sein vsil d'.
London, 6. Juni. (WTB.) Sm 0 b erbau fc tollte heute Grey die Reparation sf rage zur Erörterung bringen, doch wurde die Besprechung auf unbeftimmte Zeit verschoben.
Die Politik Englands.
London, 6. Sunt (Wolff.) Sn einem „Dald- Drns Gelegenheit" überschriebenen Leitartikel führt
die „Time S" aus, das wirtschaftliche Chaos Europas werde sicherlich die erste Sorge des neuen britischen Premierministers fein, der im kaufmännischen Leben groh geworden sei und seine Finanzerfahrungen im Schatzamt unter zwei Ministerien gesammelt habe. Snzwischen vermehre jede Verzögerung die Schwierigkeiten der Lage, die unendlich verschlimmert worden sei durch die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets. Deutschlands Reparationszahlungen hätten auf gehört und die Zahlungsfähigkeit Deutschlands fei vermindert worden, und was noch schlimmer sei, der G e i st der Feindseligkeit sei in Deutschland g roher und bitterer geworden. Alle deutschen Staaten, die noch vor Monaten uneins gewesen seien, seien in eine fest- geschlossene Opposition gedrängt worden. Die Einwohner im Ruhrgebiet hätten sich aus eigenem Antrieb der Beeinträchtigung ihrer Freiheiten widersetzt. Sfrre Haltung batte Wiedervergel- tungsmahnahmen der französischen Verwaltung hervorgerufen. Es sei keine Uebertrei» b u n g, wenn gesagt werde, dah jetzt eine Herrschaft de s Terrors geschaffen worden sei. Alle deutschen Beamten, die den Befehlen des General-s D-goutte nicht nachgeksrnmen seien, würden eingekerkert oder ausgewiesen. Die Zahl der Vertriebenen b trage Tausende wöchentlich. Die Familien der Opfer würden einige Tage später aus den Saufeim abgeschoben, ohne Schutz und Eristenzmittel, Verzweiflung und Wut im Herzen. Die Erschießungen und Unruhen wurden zahlreicher und ernster. Die Rot Deutschlands sei zweifellos ernst.
Die industrielle Erholung, die sich endlich in England zu zeigen begonnen habe, sei zum Still- ftanb gekommen. Der britische Handel im Kölner Gebiet sei gehemmt. Sn Süd wo! es sei der Riederg<»ng wegen der Llnmöglichkeit erfolgt, billigen Stahl zu erhalten, von txmi_ die Zinnplatte rindustrie abhänge Deutschland könne nicht länger Waren aus Sn di en kaufen. Sndien könne daher nicht sc viel von Qanciffrice kaufen. Der vollständige finanzielle Zusammenb' uch Deutschlands könne für niemanden von vorteil sein und müsse das Wo tz lei geben der Welt nachteilig borüi-ren. Trotzdem :v i;c ?Wer brilch Deutsch-trurds Sic sichere F^ige der französischen Politik. trcmi diese nicht sofort undpraktischab geändert werde. Es feien Anzeichen vorhanden, dah Be l g i e n u n g e b u 1= d i g werde und gerne seinen Anteil an dem Ruhrabenteuer los werde,', wolle. Die Haltung Belgiens fei zweifellos nicht unvereinb - - mit der Grohbritan'niens. Die Brüsseler Konferenz Lonne dos Vorspiel für eine größere Zusammen sunft fein, wo Italien und Grohbrilannien ebenfalls anwesend fein würden.
London, 6. Juni. (Wolff, f Der Pariser Berichters,atfer der „W c ft m i n ft c r Gaze tt e" teilt mit, Frankreich fei anscheinend bereit, den Ebarakter der Ruhrbssetzung einschneidend zu verändern, vorausgesetzt, Last Großbritannien und Italien ihren Platz an einer Seite entnähmen uudzufäfren. dah bh beut- ch.ni An siieng ungen zu zahlen aufrichtig s-.-ien. Die Stimmung in Frankreich sei so stark wie fe do für, bnf»!, wenn sich (Srcbbritannien nur der lieber» w.ochung der deutschen Bemühungen anschlleße, teine Rvtwenbigieit zur Anwendung von 'Gewalt bestehen würde.
Frankreich und die zu erwartende deutsche Note.
Paris, 7. Juni. (WTB) Zu der deutschen Rote, deren Ueberrcichung freute nachmittag in Paris erwartet wird, meldet der diplomattschr R-.edakteur der H a vasa gentur, dL-r Poincar? nach Brüssel begleitet hat, von dort, er glaube zu wissen, daß nach den neuesten von Berlin gekommenen sikachttchlen die deutschen Vorschläge feine Ziffer über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands enthalten. Sie bedeuteten jedoch einen Fortschritt hinsichtlich der angebotenen Garantien und enthielten auch einen Hinweis auf den passiven Widerstand, jedoch nur in allgemeiner Forni. Man erkläre in Brüssel, daß die deutschen Vorschläge unbefriedigend fefen.
Der „Mattn"-Berichterstatter teilt aus Brü,- fet mit, Auhenntiniftsr Hasvar habe durch em Telegramm aus Berlin g r.:r.i nachmittag ben Inhalt der deutschen Rore erfahren und ihn Poincare mitgeieilt, der darin neue Argumente zur Llnterstützung feiner Meinung, nämlich dah die deutsche Role nicht geprüft werden sollte, bevor nicht der passive Widerstand em Ende gefunden habe, erblicke Die Rote sei in keiner Weise befriedigend. Sie enthalte weder eine bessere Ziffer, noch präzise Garantien. Wie es fche'ne, mache sie mir eine ziemlich verworrene Anspielung aus den passiven Widerstand. Aber Hcfer Hinweis ähnele in nichts einer freiwilligen und un-we'ldeutig.m Erklärung, den pasiiven Widerstand beendigen zu wollen. Snfolgedesfen fei also die unabänderlich von Poincare gestellte Frage nicht gelöst. Die deutschen Vorschläge könnten nicht einmal geprüft werden. Das sei der französische Standpunkt.
Großhandel und Garantieleistung.
Berlin, 6. Juni. (WTB.) Eine Deputation des Präsidiums des Vorstandes des Zeu t ral- verbondes des deutscher Grohhan- dels hatte freute mit dem Rsichswirtschattsmint- ster Decker eine Besprechung über dir
Frage der Beteiligung der Wirtschaft an den Rr- parationslasten und die älebrrnahme einer Garantie für solche Lasten. Es wurde die Drreit- willigkeit des Großhandels zum Ausdruck gebracht, in einem angemessenm Verhältnis Lasten für Reparativ.rsztrecke zu übernehmen. Die Belastung der einzelnen Wictschaflsgruvoen könne jedoch nur in der gleich m F)rm vorgenommen werden. Eine unterschiedliche Befremd lang von Sndustrie, Landwirtschaft, Banken und Handwerk fei nicht zweckmässig. .Die Durchführung ter, Belastung müsse als Äeichssteuer aus gesetzlichem Wege nach objektioen Maßstäben ersvlau. Da den einzelnen Wirtschattsgrupven cerpfänbba-c 3m- mob'.lien in verschiedenem Aus maste zu V r ügung stehen und die Berviäin.'ung von Mobilien schwierig und für den Gläubiger weniger wertvoll sei. müsse die steuerliche Belastung von der Sicherheitsleistung getrennt gefrästen w T?ert Die stiebe-- nähme von Lasten durch die Wirtschaft könne nicht von Bedingungen abhängig ge.nacht werden.
Der Reichskanzler in Münster.
Berlin, 6. Juni. (Priv.-Tel.) Rach einer Mitteilung des „Berliner Tageblatts" wird der Reichskanzler sich nach Munster begeben und vermutlich bei der dort stattfindenden Tagung der Presse eine Rede hallen.
Schwere gusammenftötze in Leipzig.
Leipzig, 6. Juni. lWTB.) Für heute nachmittag hatte das Gewerkslfraftskartell gemeinsam mit der Bereinigten sozialdemokratischr-n Patt ei eine Massenkundge 0 u n g auf dem Augu- stusplah einberufen. Bereits um 4 stlhr batten sich am Eingang der Grimmaischen Strahe '.um Augustusplatz undisziplinierte Massen angesam- melt, die die dort ftalionierten P 0 lizeibeam- ten verprügelten und sie zu entwaffnen versuchten. Dabei wurde eine Anzahl Beamte verletzt. Die Beamten wurden schliestlich von der Menge bis an die Ritterstraste zurückgedrängt. Zu dieser Zeit langten die Demonstrationszüge auf dem QüajuftuSfrtah in dolsiger Ordnung an. Die Demonstration selbst tzerlief ebenfalls in Ruhe und Ordnung. (si?doch verzögerte sie sich etwas, ^iese Gesegenfreit wurde von wilden Rednern b-eiiutzt. um die Massen auszuhetzen. Die Menge in 7>;". Vrimmaischen ©trc’y? nahm eine immer bedrohlichere Hnlttmg an und verlangte, daß die Pvli.'.ei abziehen sollte. Weil die Gefahr bestand, dast die Polizeibeamten ar-gefchnitten würden, wurde nach Hinzuziehung weiterer Berstäriungen die Menge zurückgedrängt und der Augustusplatz geräumt. Aus den Kreisen der Demonstranten sielen hierbei Schüsse. Daraus wurde auch seitens der Polizei geschsssen. zunächst blind und dann scharf. R.rch den bis jetzt vorliegenden Berichten sind 6 Tote und 23 Verwundete zu beklagen. Bei fror Firma Bamberger <1. Herz wurde eine große Schaufenstei'scheibr zertrümmert. Plünderivlgen wurden durch die Polizet und den Ordnm^gsdirnst verhindert. Der gewerkschaftliche Ordnungsdienst vermochte sich nicht zu halten nrtb Zog sich zurück. Eine Anzahl Orbncr wurde von der Menge misthandel!. Die Stimmung im Stadt- hmern rst nach wie vor erregt. Sm weiteren Verlauf der Polizeiaktion wurde auch eine berittene Abteilung eingesetzt. Das Vorgehen der Polizei wurde von den Leitern des Eewcttschiaftsverbandes dem Polizeipräsidenten gegenüber als in jeber Beziefrtlng korrekt bezeichnet.
Sieben Tote, 37 Schwerverletzte.
Berlin, I. Juni. Rach einer Meldung der ..Voss. Ztg." aus Leipzig bat sich die Zahl her bei den gefr eigen Zusammsrstöhen zwischen Polr^er und Demonstvantm Getöteten auf sieben erhöht. Ein Polizerwachtmeifter erhielt einen Stich rn den Rücken und erlag bald darauf der erlittenen Verletzung. Rach dem Blatt sollen über 100 Personen verwundet worden sein. Den „Leipziger Reuesten Rachrichten" zufolge wurden bis geftern abend 10 stlhr 3 7 Schwerverletzte, barunter 15 Polizisten, fest- gestellt.
Weitere Nnruhen.
Berlin, 7. Iunr. Gestern nachmtttag sanden in ganz Thüringen Erwerbslosen- demonstratiotien statt, die nach den bisher vorliegenden BettHten aus den größeren Orten ruhig verlaufen sind.
Die der „Vorwärts" aus Düsseldorf meldet, ist es gestern in Krefeldzu Arbeitslose n- Unruhen gefemmeiT. Die Demonstranten, von denen man nicht weih, ob hinter ihnen Kommunisten oder Separatisten stehen, verlwigten Herabsetzung der Preise und Erhöhung chrer stlnterstüt- zungssätze um 33Vz Prozent. Die Pollzei stellte die Ruhe wieder her.
Blättermeldungen aus Breslau zufolge sind zuger c.iste kommunistische Agitatoren am Werk, die zunächst aus wiitschafllichen Gründen ausgebrvche- neu wildenStreiksrn Oberschlesien in eine politische Bewegung umzuwandeln. Die Gewerkschaften stehen nach wie vor den Streiks ablehnend gegenüber.
Die sozialfremokratifche Fraktion vrs preußischen Landtags
frat eine Gröhe Anfrage eingebracht, die auf die grobe Rotlage der Erwerbslosen, der Sozial- und Kleinrentner, der Beamten. Angestellten und Arbeiter hinweist, die durch die Teue- rungslatastrophe entstanden ist. Es wird gefragt, ob die preußische Staatsregierung bereit sei, der wuchettscheu Ausbeutung des Volles mit den schärfsten Maßnahmen entgegenzutreten.
Der Leidensweg deutscher Eisirnbahner.
G iehen, 7. Jun:. (Eigene Meldung.^ v;. . Fall befoiiberd rückiichtslofe. Auswei ung er'o.gte in einem in der Rähe Triers gelegenen Dorv Reinig-Wasserliesch. Zwölf -die- u'-w-r wurden non französischen Gendarmen ruf t-.'i* Straße völlig wi lkürlich aufgegriife: und >c v:i ob sie den Dienst für die französische p'i" nehmen wollen Auf ihre Ablehnung ver'-?-i' c : man sie. M i t v o r g e h a l t e u e in R e v o ! >? - drohte man ihnen für den Fall des Fr- versuchs. Das Verlangen der Leufe, «ich rc-i ■' t Familie ober ihren Eltern verabschi-d:.. unj sich umziehen zu dürfen, da fast alle in Arveitötlei- düng waren, tourte schroff abgewiesen Hierauf erfofete dfe Abführung zum Da mbos. Da sich die Kunde von der rücksichtslosen B r')aftua?. - c;r chnell im Dorfe uerDrciieie. eilte alles zum Bahnhof, um Abschied zu nehmen und de i Bedauernswerten frisch' Wäsche und Klei ungs- tücke zum Umkleiden mii.;ugel>Li. Doch auch dies war nicht gestattet. Ein A sperrfonur.an:o der Spahis, die um die Gefangenen, wie ein Geier um feine Brüte, herum ritten, drohte jedem Qlafrenben mit der Waffe. Sv mußten also der Vater von Frau und Kindern, der Sohn von den Eltern ohne Abschied und ohne auch nur das Geringste mitnehmen zu dürfen, den Heimatort verlassen.
Sn Trier sperrten dann die Franzosen dir 12 Mann in einen engen, dunklen Raum ein, wo sie 24 Stunden ohne jedes Essen und Trinken auf nacktem Trb?n v r ringen mußt n Wieder o't versuchte ein franzosi.cher Offizier die Leute oon der angeblichen Zwecklosigkeit ihres Widerstandes zu überzeugen und ihnen klar zu machen, daß die deutsche Sache verloren fei und das Rheinland französisch werde. Doch alle welschen Künste prallten an dem entschlossenen Widerstand der Zwölf ab. Ein bestimmtes deutsches Rein war die Antwort. Hierauf erfolgte dann die Ausweisung. Sn traurigstem Zustand, in Arbeitskitteln, ohne Hut und Kragen kamen die zwölf wackeren Ausgewiesenen in (Sieben an.
Die Militarisierung der Strecke Herne — (Gelsenkirchen — Altenessen.
Köln, 6. Hwsi. (WTB.) Rach einer Meldung der „Köln. Ztg." aus Gelsenkirchen wurde die bereits gemeldete Besetzung der Eisenbahnstrecke Herne — Gelsenkirchen — Altenessen gestern nachmittag beendet. Die Franzosen verwiesen die Beamten und Arbeiter, nachdem sie sich geweigert hatten, m französische Dienste zu treten, von ihrer Dienststelle mit dem Bemerken, dah die Strecke militarisiert werde und sie i i Zukunft nichts mehr auf ihren bisherigen! Dienststellen zu suchen hätten. Eine große Menge rollenden Eisenbahn- und Daumatettals fiel den Franzofen in die Hände. Die Deute, dir ihnen aus den Stativnskassen und Güter- abfertigungs stellen in die Hände siel, ist jedoch nicht bedeutend. Kurz nach >4 Ahr verließ die militärische Begleittruppe der Be« setzung das hiesige Gebiet. Rur die Militäreisen- .feifrner und die französischen Zivileisenbahner sowie ein stärkeres Wachkommando blieben zur sifewachung den Strecke und der Brücken und Aebergänge zurück.
Amerikanische Besucher im Rheinland'
Parts, 6. Juni. (WTB.) Das „Echo de Paris" erfahrt aus Mainz, dah der ehemalige amerikanische Oberkommissar bei der Hnteralliierten Rheinlandkommission, Roy^s, im besonderen Aufttaq das Rheinland ausgesucht habe, um sich über die Lage dort und im Ruhrgebiet zu unterrichten. Er werde von mehrerenhervvrra- genden Persönlichkeiten begleirei,die gestern in Köln augett>mmen seien, um sich mit den polttischen und wirtschasttichen Kreisen der Stadt in Verbindung zu setzen; sie würden auch mit den Arbeiterkreisen Fühlung nehmen.
Das Dortmunder Telegrapheuamt besetzt.
Hagen, 6. Juni. (Wolff.) Das Tele- grapfrenamt Dortmund ist freute vormittag von französischen Truppen beseht wordsn. Feder Telephon- und Telegraphenverkehr ist seit vormittags 10 Ufrr unterbrochen.
Die Zensvrtaktik-
Mainz, 6. Juni. (Wvlss.) Durch Entscheidung der inteiattnerten Rheinlandkommiss'.on ist das über die srzialdemvkrattsche „Mainzer Volkszeitung" verhängte dreimonatige Erscheinungsverbot aufgefrobe n worden. Die Volkszeitung erscheint ab 8. Sunt wieder.
Die Besetzung Kruppscher Hütten.
R e u w i e d, 6. Juni. (WTB.) Am Sonntag besetzte eine Abteilung von 150 Mann französischer Truppen, die von Diez an der Lahn kamen, die KruppscheHermanns- hütte bei Reuwied, sowie die Kruppsche Hütte in Mühlhofen bei. Engers. Gleichzeitig traf von Koblenz ein französischer General ein, der erklärte, die Hütte sei zur Cin- tteibung von 20 Milliarden Mark Kohlen- st e u e r besetzt worden, die die Firma Kr»rpp in Essen nicht bezahlt habe. Sollte die Bezahlung nicht erfolgen, so würde die Hütte versteigert werden.


