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^We Vorgänge an der Siebener Oberrealschule vor Gericht.

^.Eigener Bericht d. ^Giehener Anzeiger-".)

Darmstadt, 5. Mar.

, Die Strafkammer verhandelt« heute unter tem Vorsitz des Larrdgerichtsdirektors Dr. Stein gegen den Schriftleiter der .Hess. Landesztg." Fr. Büchner, wegen Beleidigung. Der 2n- Page lag eine Reihe von Vorfällen zugrunde, Pie sich vorwiegend im Juni und Juli 1922 an der Oberrealschule in Giehen abspielten. Der .Hess. Dolksfreund" brachte damals einen 2fr- ftkel, der sich mit dem Verhalten de« Direktors Dr. Schnell dieser Anstalt beschäftigte, dessen Gedenkrede anläßlich de« Morde- an Rat Henau In republikanischen Streifen Aufsehen erregt hatte. Ferner warde ihm vvrgewvrfen. daß er das Flag­gen des Schulgebäudes mit Absicht unterlassen habe. Gine öffentliche Versammlung in Giehen hatte sich mit diesen Dingen beschäftigt, und ein Schreiben des Gießener Gewerkschafts- kartells sowie eine Eingabe des Rep u bl if a> n i s chen Lehrerbundes hatten beim Landes» amt Untersuchung dieser Fälle gefordert. Sn einem Teil der Lehrerschaft der Oberrealschule wurde die Auffassung laut, der dort tätige Rell- gionSlehrer und Schulbiblivthekar Prof. Michel habe die llZeranlastung zu diesem Vorgehen ge­geben. Sm Laufe der Untersuchung versicherte zwar das Landesamt wiederholt, bah Prof. Michel keineswegs als treibendes Element in dieser An­gelegenheit gelten könne: gleichwohl griff dieHess. Landesztg." im Rovember und Dezember 1922 dre Sache wieder auf und bezeichnete Prof. Michel als einen »feigen Deriuiizianten"' Wegen dieser Artikel stellte das Landesamt als oberste Schulbehörde Strafantrag, dem stattgegeben wurde. Prof. Michel schloß sich als Rebenkläger an.

Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Lan­genbach. QkrteiMger des Angeklagten ist Rechts­anwalt Meissel: dem Rebenkläger stehen die Rechtsanwälte Dr. Sinzheimer-Franifurt am Main und Dr. Aaron- Giehen zur Seite.

Als erster Zeuge wird Ministerialdirektor

11 r ft a b t vernommen. Er sagt aus: Die An­gelegenheit kam durch einen Artikel desHess. Volks freu nds" in Fluh» der sich fritisch mit der Rede des Direktors Schnell zum Morde Rathenaus befahte und darauf hinwies, doh das Flaggen des Schulgebäudes unterlassen worden war. Am 30. Sinn ging dann beim Landesamt für das Dildungswesen ein Schreiben des Ge­werkschaftskartells in Giehen ein, das dieselben Dinge rügte und auherdem auf die anti- r epublrkanische Tätigkeit der Studiearäte Dr. Lenz von der Oberrealschule und Blank vom Gymnasium hinwies. Der Zeuge, der die Sonn­tage in Giehen zu verbringen Pflegt, begab sich darauf am 1. Süll bt die Oberrealschule und ord­nete an, dah das Konzept der Redr des Direktors, sowie eine Simplizissimus-Karikatur, die in der Schule ausgehängt hatte, zur Untersuchung an das Lande samt einzusenden seien. 2lm 7. Sult traf dann beim Landesamt ein Schreiben des Republikanischen Lehrerbundes in Gieren zusammen mit einer Eingabe ein, die in sieben Punkten Aenderungen im Schulwesen verlangt«. Dieses Schreiben lieferte kein neues Material, sondern forderte nur, dah die durch die Zeitungsartikel und auch sonst in der Oefsent- lichkeit beianntgewordenen Mißstände an der Oberrealschule in Giehen im Sntereffe der Schule sowohl wie der an geschuldigten Personen unter­sucht würden. Am 22. Sutl erliest da- Landesamt eine Verfügung, durch die mündliche Vernehmun­gen in ©ieften ungeordnet wurden. Diese fanden am 26. und 27. Süll statt. Einige Tage spater erschien Prof. Michel in Darmstadt und bat um Schutz, weil ihn wegen seiner Aussagen in den Vernehmungen ein Teil des Lehrer­kollegiums angegriffen und weil Ihn Direktor Schnell schwer beleidigt habe. Dies war am 24. Süll vor der Untersuchung und am 28. Süll nach der älniersuchung geschehen. Snfvlge einer 2leuheruna, die Prof. Michel unmittelbar nach dem Mord an Rathenau einem Kollegen gegen­über getan hatte, er werde in Zukunft leben Kollegen, der ihm gegenüber die Republik herab- sehe, zur Anzeige bringen, well er das für seine Pflicht als republikanischer Boamter halte, hatte man ihn offenbar Im Verdacht, dah er die ganze Sache in- Merk gesetzt habe, und 24 von 35 Kol­legen übergaben dem Direktor einen Antrag, Prof. Michel deshalb die Verwaltung der Bibliothek zu entziehen. Der Zeuge wie« sofort darauf hin, dah ein solches Vorgehen ein Eingriff in ein schwe­bendes Verfahren sei und verfügte, dah Michel vorläufig die BibliothÄ behalte. Auch die^e Sache werde untersucht, ebenso die Beleidigung durch den Direktor, über die sich Prof. Michel beklagt hatte. Gegenüber Direktor Schnell, der darin eine Partei- oahme gegen sich erblickte, betonte der Zeuge, dah diese Verfügung keine Entscheidung, sondern eine vorläufige, vorbeugende Maßregel sei. Diese An­gelegenheit war mit ein Grund für die -weite Untersuchung in Giehen, die am 29. August statt­sand. Sn der ersten Vernehmung hatte Direktor Schnell ausgesagt, er habe nicht gewuht, dah die Angehörigkeit zur deutschen Sugendgemeinschaft für die Schüler verboten sei. Da aber am 20. Ja­nuar 1922 eine Verfügung in dieser Richtung an alle Schulen ergangen war, konnte die- nicht stimmen. Direktor Schnell muhte denn auch schlieh- Nch zugeben, dah er die Verfügung zwar be­kommen, aber unbenutzt in den Schrank gelegt habe. Er erklärte nunmehr, et habe nicht gewuht, bah sich Mitglieder der Sugendgemeinschaft unter leinen Schülern befunden hätten. Der Zeuge be­tont, Prof. Michel habe vor der Untersuchung nichts angezeigt und keinerlei älntersuchungS- rnoterial geliefert, er halte ihn durchaus nicht für men Denunzianten. Sine gewisse Schroffheit in bei- Vertretung seiner Anschauungen sei ihm aller­dings aufgefallen. Rackchem der Entscheid deS ?andesamtS in dieser Sache, der die Dersehung tc3 Direktors Schnell nach Offenbach a. OR. bei­fügte, ergangen, aber gleichwohl an der Schule -roch keine Beruhigung eingetreten war, hielten der Zeuge und Ministerialrat D ö r r f e l d, der Refe­rent über die Schule, am 10. Rovember eine LchrerratSsihung in Giehen ab; sie legten dem gesamten Kollegium an Hand der Akten eingehend dar, dah inan Prof. Michel ganz unberechtigter- weise im Verdacht habe Sin großer Teil der Herren erklärte auch, dah sie jetzt anderer An­sicht seien. Trotz dieser Aufklärung erschienen kann später die unter Anklage stehenden Artikel, die von Giehen auS inspiriert fein müssen.

Zeuge Ministerialrat D ö r r f e l d, der Re­ferent für die Oberrealschule in Giehen, beftätigt, der Verlauf der Llntersuchung habe ergeben, dah der Verdacht gegen Prof. Michel unbegründet ge­wesen sei.

3euae und Rebenkläger Pros. Michel be­stätigt öte Angaben des Zeugen Urflabt, soweit sie feine Person betreffen. Schon in einer Reihe früherer Fälle habe er gegen daS Verhalten des Direktors Schnell Verwahrung eingelegt, ohne indes beim Landesamt Beschwerde zu führen. Vor längerer Zeit bereit- sei er energisch dagegen aufgetreten, dah ein Spvttbild des Reich-Präsi­denten Ebert in einer blasse aufgehängt worden sei. Einen Schüler, der das Abzeichen der Deut­schen Sugendgemeinschaft trug, habe er scharf gerügt, und einige andere Schüler, die am Ge­burtstag deS früheren Kaisers mit schwarzweih- rvten Schleifen in der Schule erschienen, habe er ohne weiteres bestraft. Strengste Strafe habe er auch für den 18jährigen Schuler H. gefordert, der in den Tagen des Mordes an Rathenau am Schluß eines Aufsätze- von den Schmählich rn Rovemberhelden" gesprochen habe, die manmit Fusstritten" verjagen werde. Verwahrung habe er ferner dagegen eingelegt, dah Direktor Schnell einen Schmäharttkel auf Dr. Strecker, der an die Adresse des Lehrerkollegiums gesandt war, ans Schtvatze Brett des Lehrerzimmers habe heften wollen.

Vorsitzender: Hatten Eie all dieS Ma­terial im Gedächtnis, oder hatten Sie eS notiert und gesammelt?

Zeuge: Sch habe niemals Material ge­sammelt.

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eingehender De>

zustande:

1. Der Angeklagte, Schriftleiter Büchner, klärt: Sch habe mich auf Grund eingehender Weisausnahme überzeugt, dah der In den Artikeln derHessischen Lande-zeitung" vom 23, Rod.. 4., 6. und 7. Dezember 1922 gegen den Nebenkläger er­hobene Vorwurf der Denunziation nicht aufrecht­erhalten werden kann, und nehme ihn deshalb mit Bedauern zurück.

2. Die Kosten einschl. der dem T eben Häger

durch die Zuziehung de- 2L-2L Dr. Aaron- Diesten entstandenen notwendigen Auslagen und der durch die dirette Zeugenladung entstandenen Kosten übernimmt der Angeklagte.

3. Dem Rsbenkläger wird das Recht ein- geräumt, Binnen Monatsfrist den Wortlaut dieses Vergleichs je einmal in derHessischen LandeS­

Dorsihender: Hatten Sie auch niemals den Entschluß gefaßt, Material zu sammeln?

Zeuge: Rein. Sch entsinne mich, daß be­hauptet wurde, ich hätte ein Tagebuch über- diese Vcrtvmmnisse geführt und hätte es sogar bei meiner Vernehmung durch den Regierungskom­missar benutzt. Das ist eine völlig uichegründete und lächerliche Behauptung. Der Zeuge betont, die Rede des Direktors Schnell bei der Gedenkfeier für Rathenau habe ihn in große Grreguna ver­seht. da der Redner es mit offenkundiger Absicht unterlassen habe, die Persönlichkeit Rathenaus überhaupt zu würdigen. Auch die schweren Ge­fahren für die Republik, die der Mord herauf- beschwor, seien mit keinem Wort erwähnt worden. Er habe mit seiner ®ntrüftung übrigens nicht allein gestanden: auch einzelne Kollegen mrd Schü­ler hätten sich sehr abfällig über die Rede ge­äußert.

Vorsitzender: Sie weisen als« den Vor­wurf bewustt denunziatorischer Handlung zurück?

Zeuge bejaht entschieden.

Rechtsanwalt Meissel: Eine Anzahl Schü­ler hatte die Absicht, in einer Gin gäbe das Der- blciben des Direktors Schnell in seinem dortigen Amte zu fordern. Haben Sie versucht, diese Gin­gabe zu hintertreibet?

Zeuge: Sch habe lediglich einen Schüler, der mir über diese Sache falsch« Angaben machte, zur Rede gestellt.

Zeuge Regierungsrat Henrich, der als Re­gierungskommissar die Untersuchung führte, gibt an, die Dinge, die hierbei zur Sprache kamen, waren vom Standpunkt des Republikaners au- schwer zu verantworten. Sch hatte den Eindruck, bah es Prof. Michel lediglich um die Sache zu tun war, wenn mir auch eine gewisse Schroffheit in feinem Auftreten aus fiel.

Zeuge Direktor Dr. Schnell: Sn den ersten Sahren unserer Zusammenarbeit, von 1914 bis 1917, ist e- kaum zu Zwistigkeiten zwischen Prof. Michel und mir gekommen. Dann aber fühlte ich mich dauernd in oft nichtigen Sachen von ihm schikaniert. Meist stand bei derartigen Zwistig­keiten der allergröhte Teil der Kollegen hinter mir. Auffallend ist die grobe Zahl der Konflikte, in die Prof. Michel auch mit anderen Leuten geriet. Er war nach der Revolution Vorsitzender er Demokratischen Partei, schied aber nach ver- hältnismäbig futter Zeit aus. Sein Stadtver- ordnetenmanvat legte er jedoch nicht nieder. Viel­fach kam zum Ausdruck, dab mit ihm ichwer auszukommen sei. Schon im Sabre 1919 warnte mich ein Kollege mit den Worten:Michel sitzt in der Bibliothek und sammelt Material gegen Siel" Der Zeuge geht bann auf die verschiedenen von dem Zeugen Prof. Michel vorgebrachten Einzelfälle ein: Die Verfügung, dab eine Ge­denkfeier für Rathenau zu halten sei, kam erst am Vorabend de- festgesetzten Tages um 8 älhr in meine Hand, Don Rathenau wußte ich nicht mehr, alS waS ich über ihn in der Tageszeitung gelesen hatte. Gine eingehende Würdigung seiner Persön­lichkeit war mit daher nicht möglich. Das Flaggen beß Schulgebäude- war nicht möglich, da das Fahnenseil zerrissen war. Auch hier bestreite ich jeden bösen Willen. Der Zeuge Henrich äuberte anläblich der Llntersuchung mir gegenüber in einer Unterrebung, es liege gegen mich nicht viel Wesentliches vor. Prof. Michel aber habe keinen günstigen Eindruck auf ihn (Henrich) gemacht. Der Zeuge gibt zu, day er einem Schüler erklärt habe, innerhalb bet Schule dürfe er das Abzeichen Der Deutschen Sugendgemeinschaft nicht tragen; auherhalb der Schule sei es ihm frelgeftellt.

Vorsitzender: Hatten Sie Ihre Auf­fassung, dah der Zeuge Prof. Michel zu denun- ziatorischen Handlungen neigt, aufretfit?

Zeuge (zögernd): Sch mub auch heute noch daran glauben.

Zeuge Studienrat Kraus, bet zunächst oem Republiwnischen Lehretbunb angehörte, bann aber au-schied, hatte den Eindruck, bab Ptof. Wichel der spirltus rector des Vorgehens gegen Direktor Schnett war.

Zeuge Studienrat Z i l ch hat es Prof. Michel besonder« übelgenommen, dah dieser gesagt habe, über den Fall deS Schülers H., der m seinem Aufsatz von denschmä^ichen Rovemberhelden" sprach, werde man nicht ben Mantel der christ­lichen Liebe beeilen dürfen.

Die Zeugen Pros. Weibgerber und Prof. Hüter nehmen Prof. Michel gegen den Vorwurf denunziatorischer Reigung entschieden in Schuh.

Hierauf wird das Zeugenverhör abgebrochen. Rach beinahe zehnstündiger Verhandlung kommt auf Vorschlag des Gericht« folgender Vergleich

zeitung" und Im .Giestener Anzeiger" in Snferat- form zu veröffentlichen

Rachdem der Leiter de« LandeSamtS für das Dildungswesen alS Kläger diesem Vergleich seine Zustimmung gegeben hatte, wurde da« Verfahren eingestellt.

Kunst und Wissenschaft.

Kunft-Auöstelluug in Karlsruhe.

Karlsruhe, 5. Mai. (Wolff.) Die grobe Deutsche Kunstausstellung Karlsruhe 1923 wurde heute mittag in Gegenwart des badischen StaatSministeriums, der staatlichen und städtischen Behörden, der Vertreter von Wirtschaft, Sndustrie und Handel, zahlreicher Künstler und vieler ge­ladenen Gäste durch einen Festakt eröffnet. Staatspräsident Remmele führte in feiner Ansprache u. a. aus, dah die Ausstellung ein geschichtlicher Deittag dafür sein möge, tote trotz aller Rot und Riederdrückung in uns die Kraft noch lebt, unverzagt Werte zu schaffen. Dieses menschliche Denken und Wollen müsse letzten Endes doch den Weg in eine bessere und schönere Zukunft erschlieben. Die Ausstel­lung ist aus allen Teilen Deutschlands reich be­schickt und bietet ein treffliches Bild des künstlerischen Schaffens und SttebenS unserer Zeit.

Vermischtes.

* Millionärs-Humor. Erinnerun­gen an einen exzentrischen MUlionär, der Mil­lionen für seine komischen Einfälle heraus­warf, erzählt Basil Tozer in einem soeben in London erschienenen Buche. Der humorvolle Krösus hieb Josef Tasker, und Tozer war lange Zeit sein Freund und Begleiter. Eine« Abends ferben die beiden in einem eleganten Restaurant, und am Rebentisch scch eine hübsche Frau mit ihrem Mann. AlS TaSker immerfort hinguckte, stellte ihn der Gatte schlieblich wütend zur Rede.Mein lieber Herr," sagte der Millionär mit seinem sübesten Lächeln,wenn Sie sich darüber so aufregen, hätten Sie nicht eine so hübsche Frau heiraten sollen", und der andere war entwaffnet. Ein andermal wettete er mit einem Manne, der er­klärte, er werde jeden Tabak rauchen. Tasker liest ihm eine gefüllte Pfeife überreichen, die der andere auch wirklich rauchte. Als er fer­tig war, erfuhr er, dah derTabak" aus meh­reren hundert toten Fliegen bestanden hatte, die fein geflohen waren. Eines Rachmittags erinnerte sich TaSker plötzlich, dah er ver­sprochen hatte, eine Feuerspritze für das Dorf zu kaufen, in dem seine Tante lebte. Er fragte einen an der Ecke stehenden Schutzmann: Können Sie mir nicht vielleicht sagen, wo ich eine Feuerspritze kaufen kann?" worauf ihm dieser erklärte, es sei wohl bei ihm nicht ganz richtig. Sn den Läden, in denen er diese Frage wiederholte, erhielt er ähnliche Antworten. Schließlich legte er ein dickes Paket mit Bank­noten auf den Ladentisch und überzeugte den Verkäufer von der Ernsthaftigkeit seiner An­frage, worauf man ihm den Ankauf eines sol­chen Apparates für seine Tante vermittelte. Von Mark Twain erzählt Tozer eine hübsche Geschichte. Der Humorist hielt in der englischen Gesandtschaft zu Paris eine Wohl- tättgkeitSvvrlesung, und als chn Tozer nach­her sprach, erklärte er:Run habe ich eine gute Stunde gelesen und eine Menge Geld für einen guten Zweck zusammengebracht, und das einzige Rrteil, das ich bisher vernommen, hörte ich zufällig von jemandem aus dem Publikum, der sagte:Was der Mann für einen scheuß­lichen amerikanischen Akzent hat.^ Der eng­lische poumalift Sims gab dem Verfasser ein­mal einen guten Rat: ,.Gehen Sie niemals zu einem wichtigen Snterview, ohne einen Hut von einer bekannten Firma aufzusetzen." Tozer fragte nach dem Grund.Das ist doch ganz klar," sagte SirnS,wenn der Diener Ihnen den Hut abnimmt, sieht er ganz natürlich hin­ein. Sieht er eine anständige Firma, dann hält er Sie auch für einen anständigen Menschen und wird Ihnen den Weg zu seinem Herrn ebnen.

Sandel.

Frankfurt a. M, 5. Mai. Der Rein­gewinn des am 31. Oktober 1922 ab gelaufenen Gefchäft-jahre« der Adlerwerke Vvrm. Heinrich Kleher A.-G. beträgt nach Ab­schreibungen von 17 381 140 Mk. (3,70 Mill.) 159 016 349 Mk. einsO. Vortrag von 1 527 738 Mk. ä050 578). Die Handln ngsunkoften betragen 137 062 Mk. (12 568 078). Die Verwaltung be­antragt. der am 30. Mai b«. S«. ftattftrcbenben G.-V. bie Verteilung einer Dividende von 130 (20) Prozent auf das Attienkapital, und zwar auf 100 Mill. Mk. für das ganze Jahr, 50 Mill. Ml. für V< Sahr, vorzuschlagen und dem älnterstühungsfondS für Beamte und Arbeiter 5 Mill. Mk. (500 000), dem BearnlenpensionSfonds 2 500 000 Mk. (200 000) und dem Fonds für Wohl- fahrt-einrichtungen 2 500 000 Mk. (200 000) zu überweisen. Zwecks Verstärkung der laufenden Wittel wird der G.-V. die Erhöhung de« Aktienkapitals um nom. 170 Mill. Mk. vorgeschlagen werden. Der Geschäftsgang ist bis- lang befriedigend.

Berlin, 5. Mai Börsenstimmung-- bild. Der engllsche Ernfluß zur gemeinsamen Er­ledigung der beutfdjen Vorschläge läßt den Schluh zu, Dab das Reparation-Problem nunmehr doch entgegen der französischen Ablehnung in das Ver­handlung-st adium gelangen wird. Daraufhin zeigte das Ausland größere Äufnahmelust für die deut­sche Mark, und hier kam bst starker Zurückhaltung der Spekulation ziemlich viel heran-, so bab sich eine Intervention der Reichsbank erübrigte unb bie Devisenpreise sich ganz erheblich niedriger stellten. Die in den letzten Tagen am Delbmarkl zu bemerkende Versteifung hat zu dem Rückgang erbeblich beigetragen. In Rückwirkung der nach­lassenden Devisenpreise waren auch für Effekten zumeist nur niedrigere Kurse zu hören.

Frankfurt a. M, 5. Mai. Börse»- stlmmungSbild. Am heutigen Börsenruhetag

hat die verhältni-^ge Ruhe am DevisenmarN angebalten unb bet Auftvag-b^xrrs konnte vbne Schwierigkeiten befriedigt werden. Der Kurs de- Dollar« bewegte sich in den Vormittagsstunden auf 36 200 bis 36 500, an der Börse wurden Dollarnoten mH etwa 35 000 ohne größere Umsätze gehandelt. Sm Effekten vermehr von Bureau zu Bureau machte sich größere Zurückhaltung be­merkbar. Die Realisation machte weitere Fort­schritte. da verschiedentlich Material an den Markt kam. Gröbere llmfäfrc fnti> auf keinem Gebiet zu verzeichnen. AuSlandpapiere lagen im Einklang mit den ausländischen Zahlungsmitteln schwäcl)er. Man hörte Zolltürken 48 500, Bagdad 246 500. Api 37 000. Don sonstigen unnotierten Werten, wo da« Geschäft sehr Nein war, hörte man Snag 12 500, Growah 1750, Ufa 26 000. Die Stimmung auf diesem Gebiet ist gedrückt. Dollarschatzanwei­sungen 34 000. Auf dem Sndustriemarkt horte man vielfach Briefkurse. Behauptete Tendenz zeig­ten badische Anilin. 45 000 bis 44 000, Höchster 36 000. OKontanaftien vernachlässigt. Sm Zu­sammenhang mit der Devisenbewegung bemerkte man trtcltadj Angebote zu niedrigeren Preisen. Da die Kauflust der Mark im Aus lande anhält, befürchtet man ein Rachlallen des Geschäft« auf dem Effektenmarkt.

Frankfurter Dedisemnartt.

(Telegraphisch« Auszahlung.) Datum 4. Mal 5. Mut

flmtl Skoiierg. Amtl. Notlerg Geld «rief Geld 'Brief

An ttv. «Brüssel 2194.50 2205,50 1925,20 1934,SO

Holland 14713,10 14786,90 13266.75 13333,25

Vonbon 173565.- 174435- 157605.- 158395,-

Parl« 2518.70 2531,30 2244.35 2255,6*5

Schwel*. . . 6683.25 6716,75 6109,7u 6140,30

Spanien . . 56*5,75 5714,25 5199.45 5225,55

Stallen 1820,45 1829,55 1658,35 1666,65

Vifinbon=OpoTte

Mänemnrt. . . 6920,15 6954,85 6384, 6416,

Norwegen. . 6334,10 6365,90 5810} 16 5839,05

Schweden . . 9875.25 9924,75 9114,65 916035

HelsinnlorS. . 887,75 892,25 937,'.5 912 35

Neunork..... 37156.85 37343,15 34289,05 34460.95

Deutsch'Oesteru 51,98 52,28 48,13 4837

Budapest. . . 710.50 714,50 685,- 689. -

Prag 1107,20 1112,80 1029,90 1085,10

Agram ... 239,40 240,60

Dauknole». *.

P.rnnnnrt tt.9JL ö. Mat. Brief fflelb

CdimelAcr Roten 6210. 6140

stranlltfische Noten 2287. 2263.

Dänische Noten 6335 6265

Schwedische Noten 9150 9050

holländische Noten 13395 - 13255- Deiltsch-Oesterreich L100 Kronen 4925 48.75

Amerikanische Noten 35125 34875

ttnalische "Noten 160800.- 159200.-

IinUenische Noten 1696 50 1676 50

Belaische Noten 1930 - 1910-

Uusiarische No'en 560. 540.-

rschechosloiuakische Noten .. . 1030 1010

Jt'orweaische 'Noten ...... 5760. 5690.-r,

81'utnänische Noten 159, 166,-

Spanische 'Noten

Märkte.

Berliner Probuktenmarkt.

Berlin, 5. Mal. Infolge günstiger Be­urteilung der politischen Lage gingen die De­visenpreise stärkr zurück. Dementsprechend er­folgten auch am Probuktenmarkt wesent­liche Preisetmtäbigungen. Bon Sinfluh war hier­bei aitch, bab Amerika erneut flaue Haltung meldete und besonders für Roggen verkausslusttg war. Da bie hiesigen Preise erhä>lich unter Welt- marktparttät stehen, konnte von Abschlüssen in Roggen, Weiten und Mais nicht die Rede sein. Bei geringerer Unternehnumgslust war der Ver­kehr daher sehr ruhig. Da- inländische Angebot war in keinem Artikel besonders erheblich.

(Sn einem Teil der Auflage wiederholt.)

Reise des englischen König-Paar« nach Italien.

London, 5. Mai. (WTB.) Das eng­lische Königspaar tritt heute seine Reise nach Italien an.

Ambilduug de- englischen Kabinetts?

London, 5. Mai. (WTB.) Dem politi­schen Berichterstatter desDaily Telegraph" zufolge ist in dieser Woche erneut an ein M11- alieddesLloydGevrge-Kabtnetts herangetreten toorden, um festzustellen, ob es bereit sein würde, ein wichtiges Amt in der augenblicklichen Regierung anzunehmen. In gut unterrichteten politischen Kreisen ginge wieder da« Gerücht, dah Lord Robert Cecil vielleicht bald in die Regierung eintreten werde.

Donar Law« Seereise.

L o n b o n, 5. Mai. (WTB.) Der römische Berichterstatter desDaily Telegraph" mel­det, Donar Law werde am 8. Mai in Ge­nua eintreffen und sich von dort über Rom nach Reapel begeben, von wo er nach Eng­land zurückzukehren gedenke.

Reichstagsabg. Most von den Belgiern zu 50 000 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Köln, 5. Mai. (WTB.) Rach einer Mel­dung derÄöln. Ztg." au- Krefeld verurteilte das belgischePvlizeigericht den Reichs- tagSabgeorbneten und Oberbürgermeister a. D. Mo st aus Dul«burg zu 50000 Mark Geld­strafe Most war angeklagt, in einer Versamm­lung eine beleidigende Haltung gegen­über den Besatzungsmächten eingenommen zu haben. Beantragt waren ein Monat Gefängnis und 300 000 Mark Geldstrafe. Die Smmunität des Reich-tagsabgeordneten wurde vorn Gericht nicht anerkannt.

Größte Haltbarkeit,