Einzelbild herunterladen

Mittwoch, 7. März 1923

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zwettes Blatt

nr. 56

Die grohe Protestfitzung des Reichstags

tot.

Kirchlich-; Nachrichten.

LIKÖRE -D WEINB

Vermischtes.

Tödlicher Absturz eines amerikanischen Artistes.

Ren York, 6. März. (Wolff.) Dew ^nter dein MurrenSie menstchLiche stiege verarmte Artist Ho wa rd Voung stürzte, als er an der Außenseite eines Hotels für eine fine* mattgraphische Ausnahme in die Höhe kletterte, aus der Höhe des achten Stockwerkes vor den Augen vieler Zrschauer ab und war totort

und grieben der Welt noch allein Heben. Hetzt ist eine Stunde, die das Ausland zu ,-iner groben Stunde in der Weltgeschichte machen könnte durch die Ausrottung des Hasses und der Gewalt. Da wir allein stehen, geht unser Appell erst recht an unser Volk, die Eintracht zu wahren, sich frei von falschem Optimismus und Großsprecherei zu halten, die Fesseln des Eigennutzes abzustreifen, damit wir in diesem Kampfe nicht unterliegen. Sonst wäre es vorbei mit der SÄständigkett der deutschen Republik, mit der Freiheit und den sozialen Errungenschaf­ten unseres Volkes. Wir kämpfen jetzt um die Freiheit des deutschen Volkes, zugleich aber dafür, daß die ehrliche Vereinigung gleichberechtigter Völker tritt an die Stelle militärischer Diktatur. Wir kämpfen für Recht und Menschlichkeit. (Stür­mischer Beifall und Händeklatschen im Saal uyd auf den Tribünen.)

Auf Vorschlag des Präsidenten Lobe wird gegen 7 Uhr die Aussprache auf Mitt­woch 1 ilbr vertagt.

Der neue hessische Staatsoor» anschlag für 1923.

ist nunmehr dem Landtag zugegangen. Aus der beigegebenen Denkschrift entnehmen wir über die Lage der Staatsfinanzen im allgemeinen fvl- geickes:

Der vorläufige Abschluß des Rech­nungsjahres 1921 weist bei einer Einnahme von 814 429 741 Mk. und einer Ausgave von 828 943 829 Mk. einen lleberschuh von 5 485 912 Mark an Stelle des im Staatsvoranschlag 1921 erwarteten Fehlbetrags von 49 775 623 Mk. auf. Der Restestock enthäll Ende 1921 noch 10,5 Mil­lionen Mapk. Der Abschluß 1921 ist sonach im ganzen als befrid!>igenb anzusehen. Die Abschluß- ziffern selbst haben sich allerdings gegenüber dem Voranschlag, der für die Verwaltung mit 476,8 Millionen Mark rechnete, fast auf das Doppelte erhöht. Dies kann nicht überraschen bei der Ent­wertung des Geldes und dem dadurch bedingten Steigen aller persönlichen und sachlichen Aus­gaben, das schon im Jahre 1921 «nseyte

Wie sich das Ergebnis des Rech­nungsjahres 1 922 stellen wird, ist zur Zeit nicht abschließend zu beurteilen. Der Staatsvor-

* Konzertverein 1923, abends 7 ührilil.eni toniert In der Univ In,i: Ster-Konzert Mitglieder des Nauheimer i u. GießenerMusikfreünde : Prof. G. Tranhniu, d-Symphonie - Wagner, Ile - Mozart, Symphonie i-Noll IK. M. 173!)v n: 1000, 800,700 n. 500 Mk. al Her und abends an der n der weiteren Geldern wer ile Ahoimteu Ihre Eulen izert) unter Zesahlug von die Idr das Orebeslerkonieri eiE-Challier aluatauohon.

001

ei* förlRUom itiNre fiele ffiodie für elnene 11 Nur diese Voche >en Preis an Privat. iUMMU

Evangelische Gemeinden.

Gießen. Heute Abend 6 Uhr PasstonSgotteS- dienst in der Stadtürche.

oder 285 Billionen Papiermark auf­gebracht hat. (Hört, hart!) Den gegnerischen Staatsmännern sind diese Zahlen bekannt, aber die fremden Völler kennen sie nicht. Die gegen­wärtige Regierung hat, wie alle ihre Vorgänger, einen ehrlichen Erfüllungswillen bekundet. D-e Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft darf aber nicht nach dem Willen des Gläubigers, sondern muß nach dem Urteil der Sachverstän­digen bemessen werden, loch habe mein schweres Amt übernommen mit dem WillBw, als ehrlicher Kaufmann und Wirtschaftler durch offene Ver­handlungen von Mann zu Mann unsere Ver­pflichtungen auf ein erträgliches und erfüllbares Maß festzustellen. Unsere weitgehenden Vorschläge sind aber in Paris nicht einmal geprüft worden. (Hört, hörtl Rufe links: Wer formt sie? Heraus damit!) Hmt« ifmen- standen die Garantien der deutschen Regierung und der deutschen Wirtschaft. Wenn diese Vor» schläge nicht geprüft wurden, so war der Grund einfach der, daß die Ruhrbesetzung schon vorher beschlossen war. (Hört, hört!) Frankreich wollte aber unseren Kredit vernichten. Es will die Zerstörung Deutschlands. Frankreich sollte aus der Geschichte wissen, daß ein solcher Ehrgeiz niemals dem eigenen Volke zum Segen ausschlägt Frankreichs Politik bringt Unheil und Friedlosigkeit über Europa. Die Verständigung ist gescheitert, well zwar wir, aber nicht Frankreich verhandeln wollten Darum sagen wir jetzt:

Fort mit dem Gerede über Verhandlungen?

aden

, M n-m- SchriM- ^'

Reben dem Ersatz des Reichs für den Besol­dungsmehraufwand mit 10,4 Milliarden Mark ist weiter von besonderer Bedeutung der Anteil Hessens an den Reicks steuern auf Grund der Bestimmungen des Landes steuer- gesehes, der sich auf 1,5 Milliarden Mark gegen 412,7 Millionen Mark im Vorjahr be­rechnet. Auch die aus den Landessteuern fliehen­den Deckungsmittel weifen mit insgesamt 530 Millionen Mark eine namhafte Steigerung gegen das Vorjahr auf (80,9 Millionen Mark), wenn diese, trotz Erhöhung der Sähe, auch nicht voll der Geldentwertung zu folgen vermag. Die Wan­dergewerbesteuer ist z. D. mit 5 Millionen Mark, her Zuschlag zur Grunderwerbsteuer mit 4,7 Mil­lionen Mark, der Stempel mit 250 Millionen Mark und die Hundesteuer mit 20 Millionen. Mark veranschlagt. Bei der Grund- und Ge­werbesteuer wurden bereits 1922 die im 3abre 1920 eingeführten Sätze auf das Doppelte erhöht. Für 1923 sieht das Finanzgesetz eine weitere Er­höhung auf das Fünffache der vorjährigen und damit auf das Zehnfache der ursprünglichen Satze vor entsprechend einer Einnahme von 250 Mil­lionen Mark. 3n einer höchst interessanten ileber= sicht weist die Denkschrift nach, daß auch dann die Grundsteuer, die noch nach den alten durchschnittlichen Vermögenswerten bereden et wird, den an den steigenden Pachterträgen ge­messenen Bodenwert selbst wenn dabei als Pachtertrag nur ein Zentner Roggen angenommen wird. trotz der Docangegangenen erhöhten

Etap pe der Abschnürung itnb des Ter­rors. Damit wird ein wirtschaftliches Ziel nicht erreicht. Eine andere Wirkung ist aber einge­treten. Starrer und entschlossener ist der Wille der Bevölkerung an Ruhr und Rhein zur Abwehr geworden. (Lebhafte Zustimmung.) Tanks und ^Maschinen­gewehre haben ihren Sinn verloren, wo sich ihnen niemand entgegenstellt. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine Mißach­tung des Geistes, tocrni man glaubt, die bloße Besitzergreifung sei entscheidend. Wir bekennen uns heute erneut zum passiven Wider­stand (lebhafter Beifall), der Gewaltlosigkeit und des Friedens im Kampfe gegen Unrecht und Ge­walt. (Beifall.) Wir werden nicht müde werden in diesem Widerstand big zu einem ehr­lichen, einen wahrhaf ten Frieden sicher stellenden En de. (Lebhafter Detsall.) Wäre der entschlossene Widerstand am Rhein nur ein von der Regierung befohlener oder würde er nur im Interesse einer bestimmten Klasse geübt, so wäre er längst zusammengebrochen, (Sepr wahr!) Olein, die Kraft dieses Widerstandes liegt tiefer als die Flöze des Ruhrgebietes. Sie stammt aus dem Wissen des Volkes um das. was es geht. (Lebhafter Beifall.) Der Wi­derstand wird fortgesetzt werden bis zum Tage der Defteiung vom Zwange des Gegners. (2cb® Hafter Beifall.) Die Bevölkerung am Rhein und an der Ruhr ist in diesem Kampfe eins mit der S Ration. Wir haben jetzt alles auf diesen eingestellt. Wir müssen darum mitaller Schärfe gegen bleien ige n vorgehen, die dem Gegner Spionendienste leisten. (Abg. Kienen (Komm): Wie der frühere Minister Mül­ler! älnruhe.) Wir werden die Stützung der Mark fortsetzen, ebenso den Kampf gegen den Wucher. An die Besitzenden richten wir die bringende Mahnung, unsere Gvldanleihe zu zeichnen. Wir erleben jetzt den Geist der Einigkeit an Ruhr und Rhein. Ist es eine vermessene Hoffnung, daß dieser Garst von den Grenzmarken aus sich durchsetzt int ganzen Volke über die Parteiunter­schiede'c (Beifall.) Kein Korrigieren der Wahr­heit wird an der Tatsache etwas ändern, daß Deutschland

eine Deparationsleistung von 45,6 Gold­milliarden

Sätze in erheblich geringerem Maße belastet, alS früher, nämlich nur 1/25nta.I so stark, als bei Ein­führung der staatlichen Grundsteuer 1920 beab­sichtigt war. Auch die alte Vermögenssteuer be­lastete den Bvdenwert wiederum gemessen an dem Pachtertrag In 1914 fünfeinhalbmal und im Jahre 1919 rund fünfmal so hoch alS d« neuen Sätze. Diese müßten also nicht auf daS Fünffache, sondern auf das 271/yfacbe der vor­jährigen Ansätze erhöht werden, um die Dor- kriegsbelastung au erreichen, und auf das 125- fache, wenn die Absicht der Einführung der staat­lichen Grundsteuer im Jahre 1926 in vollem Um­fange verwirklicht werden soll.

Auch im übrigen mußte darauf Bedacht ge­nommen werden, zur Deckung der erhöhten HaaS- Haltskosten für Erzeugnisse der staatlichen Wirt­schaft und für die Leistungen der Bchordenorgani- fation diejenigen Einnahmen zu erzielen, die den erhöhten Sclbstkosteii und dem allgemeinen Preis­stand möglichst entsprechen. Hierher gehövm vor allem die Einnahmen aus den float!leben Gütern mit dem erheblichen Betrag von 5,2 Milliarden Mark, darunter die Einnahmen aus Forsten rnd Domänen mit 4.2 Milliarden Mark. Allein für I Ruh- und Brennholz ist unter Beibehaltung deS vorjährigen Hiebsatzes (430 000 Festmeter) ein Erlös von 3,9 Milliarden Mark vorgesehen (gegen 140 Millionen Mark im Vorjahre): das ist ein Durchschnittserlös je Festmeter von 9100 Mark das 867fache des Friedenswertes von 10,50 Mark. Ferner müssen die verpachteten Güter entsprechend dem erhöhten landwirtschaftlichen Ruhwert und unter demnächstigen 11 ebergang zur Raturalpacht steigende Erträge abwerfen, ebenso wie die Güter unter eigener Verwaltung. Der Ersatz der Ge­meinden und Privaten als Waldbesitzer für die Kosten der gemeinschaftlichen Verwaltung hat sich dem Steigen des Aufwands anzupassen. Die Er­zeugnisse der staatlichen Weingüter, Bergwerke, Bäder, Salinen usw. müssen durch Einstellung der Preise nach der allgemeinen wirtschaftlichen Ent­wicklung mindestens den Aufwand dieser Betriebe decken samt Abschreibungen und Rückstellungen, wie sie nach allgemcinwirtschaftlichen Grundsätzen den durch die Geldentwertung bedingten Ersatz­kosten entsprechen. Auch die Lotterie wirft er-

bn ganzen 7400 Tonnen erhalten

Dasselbe Defizit besteht bei den an» Reparationsleistungen. Dazu kommen die gewaltigen Kosten der militärischen Besetzung, die nur zum geringen Teil von den Franzosen durch Rand und Diebstahl erseht werden konnten. So sieht die Passivseite des französischen Unter­nehmens aus. und damit ist die Bilanz zu Ende: denn eineAktivseite hat sie nicht. (Leb­hafter Beifall.) Unproduktivität auf der ganzen Linie. Das ist das Kennzeichen der Unterneh­mung zur Beschaffung produktiver Psärcker. Trotz­dem ist Poincare zufrieden. (Lachen.) Weniger zu­frieden werden die Aktionäre seines Unterneh­mens fein; denn sie werden keine Dividenden er­halten. Wenn Poincarö die Hand ergriffen hatte, totr schon im Dezember entgegen- gefaxrft haben, indem wir eine fofort grf dem Weltmarkt zu plazierende An- Leihe für die französischen Reparattonsft>rde° ton gen mit einem testen Satz der Amortisation > Verzinsung Vorschlägen, dann wäre die Bilanz taxfürfi eine andere geworden. Das gewalttätige Dorgehen Frankreichs hat aber bisher keinen 3rtotggä>abt, und so wird es bleiben Die erste «tappe der Invasion und die zweite Etappe der Installation haben Frankreich nichts genutzt, und «bövfv wird es fein mit der dritten

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 19 vom 6. März enthält- Preise für Zucker. Erhöhung des Urkundenstempels. Schul­ferien. Festsetzung dos Wertes der Sach­bezüge auf Grund der Reichsvcrsicherungsordnung und des Angestelltenversicherungsgeseyes. - Ausführung der Landesfeuerlöschordnung. - Einkommensteueranteile der Gemeinden für das Rj 1922. Jahrbuch des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Erneuerung der Vieh- handelserlaubniskarten. Bekämpfung des Preiswuchers. Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Dienstnachrichten. Gestinden, verloren.

gwSS ftj»

.Ö.itaA

eder fiQr ,,.7" Neu > ifoi am'si.J* len, die aber !' 'Staber

Unb Md)

S.ITBÄ 'en würden?^'

" dar

W)

(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit, llnnihe bei den Sozialisten.) Diese Mahnungen sind nicht an die deutsche, sondern an die französische Adresse zu richten. Angebote sind nicht unsere Sache und zahlenmäßig auch unmöglich, solange die Be­setzung des Ruhrgebiets uns ein Urteil über die eigene Leistungsfähigkeit unmöglich m^cht. Wenn uns ein Weg geöffnet wird, der uns die Rlogtich- teil zur offenen Aussprache als Gleichberech­tigter gibt, bann wird die Regierung diesen Weg gehen. Dabei wird es keine Unter­schrift dieser Regierung geben unter eine Vereinbarung, die wir nicht ein- halten können. Wir werden keinerlei Rege­lung zustimmen, die widerrechtlich besetztes Gebiet von Deutschland trennt ober den zu Unrecht be­straften Deutschen nicht bie Freiheit toiebergibt. (Beifall.) Will Frankreich bie Vernichtung Deutschlands, so wird Deutschland diesen Plänen entschlossenen Widerstand entgegensetzen.

wird als eine Erweiterung der Ruhr- ftefe&ung, ist es der Welt nicht des Auf­hebens wert. Dieser Rechtsbruch reiht sich an den Enckruch in Offenburg an. Die An­drohung der Todesstrafe für diejenigen Eisen­bahner, die den Befehlen der vvrgefetzten Reichs- behörde Nachkommen, bedeutet unerhörten Terror. (Lebhafte Zustimmung.) Bisher hat die trarydftsche Regierung mit allen wirtschaftlichen Berechnungen im Ruhrgebiet Enttäuschungen er- Itttcn und mit allen politischen Kombinationen Kchlschläge erlebt Sie seht aber trotzdem ihr Vorgehen fort mit brutaler Konsequenz. Ich stelle diese Brutalitäten fest, um

ein Warnungssignal vor der ganzen Well aufzurichten. Diese sieben Wochen sind nicht spur- tzoS an unserem Volte Dorübergegangen. Ein fried­fertiges Doll wirb mitten im Frieden gegen alles Recht vv-n Frankreich mit Füßen getreten, ohne daß bei den anderen Kulturnationen auch nur ein Finger gerührt wird. (Hört, hört!) Soll das Recht im MUerleben nicht zur Phrase werden, so haben wir heute die Pfllcht, festzustellen, was unserem Volke angetan wird, und daß von Frank­reich Unrecht auf Unrecht bis zur Unerträglich- feit gehäuft wird. Da S ist nicht mit dip10° mat is chen Roten getan und duldet keinen Aufschub. Darum habe ich die längst geplante Reise nach Süddeutschland aufgeschoben, um hier vor dem Vertreter über diese Dinge zu reden. Unser Schild ist blank. Wir haben nichts zu ver­heimlichen. (Ruse bet den Kommunisten, Lärm von verschiedenen Seiten.) Wir brauchen uns nicht hknter verschlossene Türen und hinter Vertagungen zurückzuziehen. Siebeneinhalb Wochen sind ver­gangen, seitdem bas Ruhrgebiet nach dem Worte PvincarSs von Ingenieuren mit militärischer Be­gleitung zu rein wirtschaftlichen Zwecken besetzt wurde. Ziehen wir jetzt die Bilanz dieser Aktion.

mfe sämtliche H UM [er, Notguh, Mtlnna, tottlol, Blut dmii, alte Zinkwannen W Ml»! t geneigten Zuspruch. Ii,»o iöM.

Berlin, 6. März 1923.

Die Tribünen des Reichstags sind schon lange terBeginn der Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt. Auch draußen vor den Eingängen drängt sich die Menge. Um 5l/< Ahr betritt der Reichskanzler den Saal.

Präsident L ö b e eröffnet bie Sitzung. Die frühere Einberufung bes Reichstags fei not­wendig geworden angesichts der immer unge» heuerucher werdenden Herausforderungen > und Quälereien unserer Bevölkerung im Ruhr­gebiet durch die Desatzungsarmee. E inM 0 r b folge auf benanbern, eine Brutalität werde durch die andere abgelöst. Selbst Kinder würden von fvanzösischen Soldaten mit dem Bajonett ver­jagt (Stürmische Pfuirufe und Ruse: Diese da­hinten!) Unsere pflichttreuen Beamten würden mit dem Tode bedroht. (Reue Pfuirufe.) Dte Reichsregierung und der Reichs­tag müßten jetzt ihre

Stimme erheben vor der ganzen Welt gegen diese Brutalitäten, die nur zu einer wachsen den FlutdesHasses führen könnten. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident widmet bann, wahrend sich die Abgeordneten er­haben, dem verstorbenen Botschafter in Dr. Mäher, einen herzlichen Rachruf. Er habet, dem Verstorbenen fei eine undank­bare Aufgabe gestellt gewesen in einem Lande, wo die Gefühle bes Hasses and der CBergethmg <rm wenigsten abgestorben seien.

Dann nimmt der

Reichskanzler Dr. Cuno

daS Wort. Gr verweist auf den neuen Einbruch der Franzosen vorn 3. März ins rechtsrheinische Ge­biet Würbe das sonst irgendwo unter zivilisierten Staaten geschehen, so wäre bie Welt voll bet

Der Reichskanzler schilderte im einzelnen die von den Franzosen im Ruhrgebiet begangenen Brutalitäten. Die Kundgebungen der Em­pörung und des Abscheues steigerten sich bei jedem neuen Fall. Die von den Franzosen schimpflich gefangen genommenen Deu ts chen wer- den dadurch in ihrem Ansehen nicht ixrmtnbert, sondern steigen in der Achtung. (Lebhafter weifall) Aber wo bleibt da die Ehre des französischen Volkes? (Abg. Quart) (D. Jp): .Das größte Verbrechervolk der IBeltl" Abg Höllein (Komm.) macht Gegenrufe Von rechts wird zu den Kommunisten gerufen: Ihr Vaterlandsverräter I Rach beschwich­tigenden Worten des Präsidenten legt sich der Lärm ) Der Reichskanzler fährt fort: Man wagt tn Frankreich nicht, der Welt und dem eigenen Bolte die Wahrheit zu sagen. Darum sagen wir' HerauSmitdenTatsachendes Rechts­bruchs und der Greuel vor die Welt, damit sie ihr unparteiisches Urteil fällt, . , ...

too Recht und Unrecht liegt, und sich nicht von Der Kanzler dankt dann unter stürmischem der Verantwortung durch Richtwissen zu befreien Beifall der Ruhrbevölkerung für ihr Ausharren vermag. Frankreich glaubte seine Reparations- I unb fährt bann fort: Die Welt aber schweigt, ansprüche von einem freien Volte erzwingen zu Todesopfer noch zu gering ? 3d) appel-

vürseL Das Ergebnis ist, daß es v o m Ausland. Ich stelle

)3.3anuar bis 15. Februar statt . 2l/io mir feft< daß wir nach siebenwöchigem Kampf Millionen Tonnen Kohle, bie es sonst erhalten | w stecht unseres Volles und um Fortschrttt

anschlag 1922 hatte mit einem Fehlbettag von 187,3 Millionen Mark zu rechnen, jedenfalls werden die Ausgaben die Dvranschlagsziffern in weit stärkerem Maß überschreiten, als es schon 1921 der Fall war. Die Geldentwertung ist von April bis Ende 1922 auf etwa das 25fache ge­stiegen, gemessen am Dollarstand und durch­schnittlichen Stand der Großhandelspreise. wenn sich auch eine Auswirkung auf die persönlichen und fachlichen Kosten des Staatshaushalts zunächst nur aus der geringeren Steigerung der Inlands- und Kleinhandelspreise ergibt. Im ganzen wird damit gerechnet werden können, baß wenigstens der größte Teil der Dedarfssteigerung durch die erhöhten Steuereinnahmen Deckung findet und ein etwaiger Fehlbetrag nicht allzugroßen Um­fang annehmen wird.

Die Regierung war bemüht, den Staats- voranschlag 1 923 möglichst frühzeitig vor­zulegen, was in den letzten Jahren durch Uc politischen Verhältnisse und den Stand der Gesetz- 1 Deträge ab. gebung (Reichssteuerverwaltung, Dcamtenbesol- Auch bei den übrigen staatlichen BerWal­dung usw.) leider nicht möglich war. Don Interesse tungszweigen, wie innere und Wirtschastsverwal- ist das außerordentliche Ansteigen der Abschluß- * Bildungswesen, Rechtspflege usw., werden ziftern bes Verwaltungsteils als Ausfluß der z>utd^ entsprechende Festsetzung der Tarife und ungeheuren Geldentwerumg. Letzter Friedensetat s^st^en Vergütungen erhöhte Einnahmen für 1914: 75 860 315 All., 1919: 97 361 516 Mk-, 1920. I Staatswirtschaft nutzbar gemacht, wenn auch 275 749 917 Mk., 1921: 476 797 4S43^4>t naturgemäß bei den sogenannten Zuschußbetrieben

1 171 696 428 All., 1923 : 20 95o 495 623 Alk. Die ^ine Kostendeckung nicht entfernt erzielt wird und Abschluhziffer erhöht sich darnach auf das 18fache namhafte Staatsausgaben als wirtschaftlicher des voi-jährigen ersten hessischen Milliardenetats Ausdruck bet betreffenden Staatsausgaben Der» und auf das 276fache des letzten Friedensetats, fcfetben. ßu erwähnen in dieser Beziehung ist die Doch entspricht dies nicht entfernt dem Ausmaß^trendige Erhöhung der Derpslegungsgclder in der Geldentwertung, die Ende Dezember 1922, -ocn ^linifen sowie Heil- und Pflegeanstalten, bie gemessen an der Reichsindexziffer für die Kosten Hjnau',setzung der Schulgelder und Unterrichts- der Lebenshaltung gegenüber dem Frieden das gebühren bei den höheren und Hochschulen, ferner 685sache, nach den Großhandelsprersen und dem &ie Anpassung einer ganzen Anzahl von Ge» Stand des Dollars das rund 1700fache betrug, püh^nsätzen für die Inanspruchnahme einzelner Wie jeder private Haushalt, so muh eben auch die Staatseinrichtungen und Behörden an die Ent» Staatsfinanzwirischafk notgedrungen unter wett Wicklung des Geldwerts, z. B. bei Eichwesen, größeren Einschränkungen geführt werden, als Dampstesselinspektion, Deckgelder. Auch die bereits früher. Die größte Sparsamkeit ist allen Ver- angebeutete anderweite Kostenverteilung für die Wallungsstellen zur Pflicht gemacht. Die Anford^ gewerblichen und laufmännischen UnterrichtSan- rung von neuep stellen ist für 1923 grundsätzlich selten gehört hierher.

vermieden und nur bei Organ'rsattonsärtberungen Der Gesamtsumme der Ausgaben steht im

oder dem Hinzutteten neuer Ausgaben -ugelassen. Staats Voranschlag 1923 ein Betrag an Deckungs- Aus der wirtschaftlichen Entwicklung und der fort- Mitteln von 20 071 096 804 Mark gegenüber, so schreitenden Geldentwertung folgt neben dem be= haß fich ein Fehlbetrag der laufenden Der» deutenden Mehrbedarf für Beamtenbezüge (15,2 jp^tung von 885 398 819 Mark ergibt. Die Milliarden Mark) ganz allgemein eine scharfe Zuckung ist vorläufig aus Anleihemitteln in Aus- Steigerung des sachlichen Aufwands aus der un- genommen, vorbehaltlich Heranziehung der gebeuren Erhöhung der Preise für alle Betriebs- Bestände des Restestocks, die bei Abschluß deS mittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs, Rechnungsjahres 1923 noch vorhanden sind.

wie Heizung, Bureauaufwand, llmzugskvsten. 5^ Dermögensteil schließt in Ginn ahnte und Wirtschaftskosten der staatlichen Anstalten und Ausgabe mit 2,6 Milliarden, der Gesamtvor- Dettiebe usw. Aus der Rot der Zeit aber ent- Anschlag mit 23,5 Milliarden ab springen Mehraufwendungen z. D. aus der Für- I --

sorge für Kleinrentner und Sozialrentner, aus Girdfofr lltth Sthtlle

der Erwerbslosenfüriorge, aus Deihllfe an Er- or h J h r f c 6 A otten

werbsbeschränkte und Invaliden, Unterstützung L. Aus dem Greife Schotten, von Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen. 6. Marz. Zum Besten des Ev a n ge l t sch en Wetter sind erforderlich größere Mtttel zur Unter- Bundes wurden von Pfarrer Job -Burl- stützung der gemeindlichen Beamten und ihrer Hards in den Gemeinden Burkhards, Kaulstvs, Hinterbliebenen, Zuschüsse an bedürftige Beamte Sichenhausen und Herchenhain Borttäge über für Erhv'ungsausenthalt, sowie Anforderungen auf Baltenland veranstaltet. Dem ge- dem Gebiete der Vockbgesu^heit^ege lKmce^ Wort schloß sich die Vorführung

Art erfüllt werden, soweit und solange ttgendwie Ostseeprovinzen an. möglich. Bei der Geldentwertung ergibt sich I __.

baraud ein starkes Ansteigen tn den Aufwendungen | Aus dem AmtSVerkuNdlgUNgSblatt. für Unterricht und D i Id u n g s w e se n bei Hrxch-. Mittel- und Volksschulen, für Volks­bildung. wissenschaftliche Zwecke und Kunst, Landeswanderbühne, öffentliche Theater usw.

Endlich muh die Landeskultur und Landwirtschaft die notwendige Förderung erfahren durch höhere staatliche Zuschüsse für Landwirtschaftskammer, Bodenkultur, Pferdezucht. landwirtschaftliches lltterrichtswesen. Weinbau. Qieblau ibetämpfung usw. Auf dem Gebiete des Gewerbewesens ist vor allem die Reuregelung der finanziellen Grund­lagen für die gewerblichen llnterrichtsan stall en hervorzuheben.

hlbaua

Seit 1818 Ä-G/Bertin CB Seit 18»