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Dienstag,

175. Jahrgang

Frage und Antwort im englischen Unterhaus

einer Besprechung über die Sttd ft Dffite* ;_____ö. _.i Frankreich, Italien und Bel­

gien eingeladen. Deutscherseits wurde gestern geantwortet, das; die deutsche Regierung sich wegen des RuhreinfallS nicht in der Lage sieht, Lieferungen an Frankreich und Belgien auszuführen, dah sie daher zu der geplanten Sitzung keine Vertreter entsenden wird, dah dagegen aber unmittelbare Verhandlungen wegen Sticlstvfflieferungen mit den italie­nischen Vertretern bereits eingeleitet waren.

London, 6.März. (WTB.) 3m Unter­laufe fragte Wedgewovd Den n, ob die britische Regierung darin einwilligte, daß G e - - - * den Militär-

Nr. 55

Erscheint täglich, außer Sonn» und Feierlags, mit berSamstagsbeilage: ©iefeenerjamilienblöttet Monatliche vezuospreife: 2850 Mark und löOMard Trögerlohn,durch diePost 3000Mark,auchbeiRichb erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech. Anschlüsse: sür dieSchrift» leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach- richten: Anzeiger Stehen.

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macht und nach Mainz gebracht würden, unt zwar als Ersatz für in Mainz angeblich er­folgte Sabotage. DaS Anerbieten des De- triebSratS, sich dafür zu verbürgen, daß in Darmstadt keinerlei Sabotage zur Ausführung kommt, wurde von den Franzosen nicht ange­nommen. Somit sind die Verhandlungen gescheitert. Zur Zeit sind die Arbeiter versammelt, um über das weitere Verhalten zu beschließen.

Die Gcwaltmahnahmen der Franzosen gegen den Poft-und Telegraphenbetrieb

Die Geheimberichte Dariacs.

Don Dr. Herbert Stegemann.

von 9 Millionen und werden bald 25 Millionen <

Tonnen verarbeiten, wenn erst alle Hochöfen (die ferungen an Lothringens und des Saargebiets mit einbegrif­fen) in vollem Betrieb fein werden. Daher haben sie für ihre Hochöfen dringenden Bedarf an

Die Komödie des deutsch- sranzöfischen Schiedsgerichts.

?; a r i s, 5. März. (WTB.) 3n Gegenwart rawöfischen Zustizministers fand gestern die Generalversammlung des deutsch-fran­zösischen gemischten Schiedsgerichtes statt. Anwesend waren die neutralen Präsidenten und französischen Richter. An Stelle der deutschen Richter waren die von der französischen Regie­rung einberufenen neutralen Ersahrichter er­schienen. Colrat sagte in einer Ansprache, daß diese Sitzung ein bebeutfameä Ereignis in ber Entwicklung des Schiedsgerichts ba rftelte. Deutsch­land habe sich unter dem Vorwand der politischen Zweckmäßigkeit geweigert, fernerhin an dem Werk mitzuarbeiten, das der Versailler Vertrag dem Schiedsgericht übertrug. Dieser Vorwand verkenne den Charakter des hohen Gerichtshofs, gegenüber dem niemand sich auf Rücksichten berufen düne und für den nur politische Beweggründe maß­gebend wären. Die Einstellung der Mitarbeit durch die deutschen Richter habe die französische Regierung gezwungen, das in Artikel 304 des Vertrages vorgesehene Verfahren anzuwenden.

Anmerkung des Wolf f bureaus: Die deutsche Regierung erllärte in einer Rote vom 28.2. der französischen Regierung, daß sie den deutsch »französischen gemischten SchiedS- gerichtshof in seiner neuen Zusammensetzung und feinen Entscheidungen nicht als vertragsmäßig an­erkennt. Die Worte des französischen Zustiz- ministers und die Haltung der neutralen Juristen, die sich anscheinend auf seinen Standpunkt stell­ten, vermögen hieran nichts zu ändern. Dem fran­zösischen Zustizminister ist aber zu erwidern, daß die deutsche Regierung eines Vorwandes für ihre Haltung nicht bedarf. Der französische Vertrags­bruch gibt Deutschland ohne weiteres das Recht, die Erstellung seiner Verpflichtungen gegen Fraitt- I reich einzustellen. Hier war die Einstellung nicht nur Recht, sondern fachliche Rotwendigkeit. Die deutsche Regierung legte dieS in den Roten vom 1.2. und 28.2. dar. Es klingt wie bitterer Spott, daß in demselben Augenblick, wo Frankreich zeigt, daß es sich an die wichtigsten Bestimmungen des Versailler Vertrages und an alle DegÄn des I Völkerrechts, wo sie ihm unbequem sind, nicht im I mindesten kehrt, auf sein Verlangen das deutsch- französische Schiedsgericht, worin zwar Franzosen, aber keine Deutschen sitzen, sich den Kopf über kleine Probleme des Versailler Vertrages zer­brechen soll, die bie französische Regierung vor sein Forum zu bringen für ungefährlich hält.

Eine naive Forderung der Reparationskommisfion.

Berlin, 5. Marz. (Wolff.) Die De- parationSkommission hatte für den 5. März Vertreter der deutschen Regierung zu

An das hessische Doiir!

Das Hess ische Gesamtrniniflerium veröffentlicht folgenden Ausruf:

Französische Truppen haben am Samstag, dem 3. d. 1. die Estenbahnwerkstatten tvestlich des Hauptbahnhofes Darmstadt besetzt. Dieser Gewaltakt wird ebenso wie die Des chimg der Marnheimer und Karlsruher Häfen von der französischen Regierung in einer an die Reichs- Legievung gerichteten Rote als Vergeltungsmaß- rabme für die Sperrung des Rhein-He me-KanalS bezeichnet! Auf eine rechtliche Begründung wstd tot der französischen Regierung verzichtet. Ae hessisch« Regierung und mit ihr das ganze hessische Volk gibt der Entrüstung über diese im Wee der Gewalt durchgeführte Repressalie und die Rücksichtslosigkeit, mit ber ohne vori ge Ankün­digung tn eenen lebenswichtigen Betrieb An­gegriffen wird, Ausdruck. Wir können den Ge- waltmahnahmen der Gegner keinen Widerstand entgegensetzen. Das hessische 03 o 1f ift in allen feinen Teilen einig in demWillen, ebenso wie die Volksgenofsen an der Ruhr und in Baden, durch die feste Entschlossenheit, sich der rechtswidrigen Gewalt nicht zu beugen, und durch Festhalten an seinem Recht der guten Sache zum Siege zu verhelsm. Den umlaufenden unkontrollier aren Ge üch'en ist kein Glauben zu schenken. Unerschütterliche Ruhe wird auch bet uns den Erfolg sichern helfen.

Die Arbeitseinstellung in der Darmstädter Eisenbahnwerkstätte.

Darmstadt, 5. März. (WTB.) Heute mittag verhandelte der Arbeiterbettiebsrat der E'. senbahnwerkstätte mit dem Präsi­denten der französischen Anterkommis'ion, der aus Mainz hierhergekommen war. über die Wiederaufnahme der Arbett. Das Ansinnen, die Arbeit wiederaufzunehmen, ist abgelehnt worden, well die Franzosen darauf bestanden, dah unter ihrer Aufsicht die hier zur Repa­ratur stehenden Lokomotiven fahrberett ge-

Ruhrkoks."

Hier sind die letzten Wirtschaftspläne Frank­reichs mit dankenswerter Deutlichkeit enthüllt. Es handelt sich ganz einfach nach Dariac um eine Zusammenlegung des Ruhrkoks mit den fran­zösischen Erzen, und zwar auf der Basis, daß »die deutschen Produktionsmittel dauernd der französischen Kontrolle unterstellt" bleiben. Zum Wesen dieser Kontrolle gehört natürlich nicht eine formelle Annexion etwa in dem Sinne, daß den Deutschen an dem Rhein oder an der Ruhr fran­zösisches Bürgerrecht gegeben wird (daran denken Die Franzosen um so weniger, als ihnen die Elsässer bereits genug zu schaffen machen), sondern lediglich eine politische, militärische und wirt­schaftliche Vorherrschaft Frankreichs über ein dem Schein nach autonomes Rhein- und Ruhrland. Sn diesem Punkte berühren sich die Ziele der französischen Wirtschaftsführer vollkommen mit den militärischen und politischen Ambitionen Frankreichs, wie denn überhaupt zwischen allen interessierten Parteirn und Gruppen in Frank­reich zum mindesten eine ganz merkwürdige ülebereinstimmung besteht. Die reinen Annexio­nisten und Militaristen wollen eine Ausdehnung der französischen Militärmacht bis an den Rhein und über den Rhein hinaus, während die Wirt­schaftskreise sich in den Besitz der im Rhein- und Ruhrgebiet gelegenen Bodenschätze zu setzen wün­schen. Hinzu kommt noch die, wenn auch nach außen hin übertriebene, aber immerhin in man­chen Kreisen recht verbreitete Angst vor einem neuen erstarkenden Deutschland, für das das Ruhrgebiet eine militärische Waffenschmiede bil­den könnte, sowie der lebhafte Wunsch der füh­renden militärischen Kreise Frankreichs, das Ruhrgebiet ihrerseits für die große Waffenwerk­statt, für die künftige Endauseinandersehung mit England in der Hand zu behalten. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, und aus diesem Grunde decken sich die Ziele aller in Betracht kommenden Gruppen vollkommen. Die Absichten der im heutigen Frankreich wvhl wichtigsten Gruppe, nämlich der Wirtschaftsführer, hat Dariac in seinem erwähnten Geheimbericht mit einer Deutlichkeit bargelegt, für die wir ihm nut dankbar fein können. Wenn demnächst der Bericht des Herrn Dariac über die Bedeutung des Saar- gebiete« und feine dort gewonnenen Eindrücke ver­öffentlicht wird, so wird sich das Bild noch nrehr abrunden und die letzte Linie des großzügigen franzöfifchen Planes zur Zerstückelung Deutsch­lands und zur Aufrichtung der französischen Wirtschaftsmacht zutage treten.

fängnisst rasen, die von gerichten in den besetzten Gebieten Deutschlands verhängt worden seien, in irgendeinem Falle in britischen Gefäng­nissen vollstreckt würden. MacReill antwor­tete verneinend. Denn fragte weiter, ob irgenb-» eine Mitteilung gemacht werden könnte bezüglich des Verlangens ber französischen Abteilung der Eisenbahnunterkommission in Köln nach einem weiteren Entgegenkommen, und ob eine solche Forderung bewilligt worden sei, und wenn ja, welche Schritte die deutschen Beamten daraufhin unternommen hätten. Mac Reill erwiderte, er habe keine amtliche Information über diesen Gegenstand. Lambert fragte, ob Deutschland irgendwie mitgeteilt habe, daß es die von Donar Law vorgeschlagene Reparationsfumme annehme, oder ob die deutsche Regierung seit ber Pariser Konferenz im Januar über diese Frage nut der britischen Regierung in Verbindung gestand«! hätte. Donar Law antwortete verneinend. General Spears fragte, ob 1. der französische und ber belgische Oberkommissar die ftanzösisch- belgische Zioilverwaltuna für das gesamte Eisen­bahnwesen im besetzten Rheinland errichtet hatten; wenn dem so wäre, ob 2. die Eisenbahnen ui Der britischen Zone dadurch unter französisch-belgisch« Kontrolle kämen, wie sie im übrigen Rheinland bestände. Mac Reill erwiderte auf den ersten

, Teil, der Frage bejahend. Es sei ein Sonder- abkvinmeu für die Eisenbahnen in der britischen Zone getroffen worden, die nicht unter die Ver­waltung kommen werden. Sinclair schließlich fragte, ob die Ordonnanzen ber interalliierten R yeinlanbkommission, denen ber bri­tische Vertreter nicht zugestimmt habe, in der britischen Zone des besetzten GeNetes gültig seien. Mac Reill antwortete bejahend.

London, 6.März. (WTB.) Bei der Oppo­sition im Unterbaute besteht keine Rei- gung, die Bedeutung der von der Regierung bei den letzten Wahlen erlittenen Riederlagen zu übertreiben. Eine ministerielle Krise tomme eben­falls nicht in Frage. Indessen wird in ministe­riellen Kreisen v.el über die Frage dm Rieder- lage des Gesundheitsministers ge­sprochen. Man nimmt an. daß die Reg erunq mit Rücksicht auf die letzten Ereignisse ihre Vorschläge über die Aufhebung der Aussicht über die Ein­kommen abändern und den Plan über die Un'er- slühung der Bautätigkeit großzügiger gestalten weide, als ursprünglich beabsichtigt war. Als Kandidat für den Posten des Ge un oheitsministers wird unter anderen auch der Generalpostmeister Rewille Chamberlain genannt.

Wie ter OeffeNilichkcit schon bekannt ist, rich­ten sich die rechtswidrig n E.ngrifse brr Franzosen neuerdings auch auf den Betrieb der Rcichspost^ und Telcgiaphmverwaltung im b stylen Teil teS Oberpoftdirektionsbezirks Darmstadt. 3n Mainz ist am 19. Februar der Vorsteher des Postamts I, Postdirektor Klingelhöffer, von den Franzosen wixrrechtlich oerb'^et wvrdn Aus di fern An­laß haben die D amten, Angst'llten und Arbeiter sämtlicher Verkehrsämter in Mainz am 20. Fe­bruar von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mtttog-j die QL beit nicl-e g l gt. AlS sie zur ge­nannten Stunde den Post-, Telegraphen- und Femspiech i nst Nieder cus tehme t wo l e >. tra en Post- und Telegwphenamt von d.n Franz-stn be­seht, die die Wiedereröffnung des Drtriebs Der- ei teilen. Bei den Verhcm Zungen d achte die De- cmttenschaft ih.e (Bereit (haft zur W ederausnahme der Arbeit unter den bisherig n Voraussetzungen, d. h. nach Maßgabe des Rheinlandabkommcns, nochmals zum Ausdruck,- die Franzosen stell­ten aber weitergehende Forderungen, die der Unterstützung ihres durch >sinoruch in raä Ruhrgebiet begangen en Re cht - undVertrag. brache dienten und die sie zur Bedingung für die Wieder­aufnahme des Post-, Telegraphen- und Fern- sprechve k.'hrs in M.ainz mach en. Da l i E lung solcher Forderungen von d>r Bcamlen-, QLngc» stellten- und Arbeiterschaft selbstverf'.äichllch abge­lehnt wor.en ist, ruht bis zur Stunde in Mainz immer noch jeglicher Post-, Telegraphen- und Fernsprechvtrllhr, und zwar, w e sich hieraus er­gibt. lediglich infolge der Gelroltmaßnahmen der Französm. Denn es braucht nach dem Vorher­gehenden kaum be'vndc-rs Herve gelo'en zu wer­den. daß es sich bei der nur fünfstündige De- triebsruhe nicht um einenStreik' im landläufi­gen Sinne gehandelt Hal. wie es von feiten der Be­satzungsmächte in solchen Fällen immer wieder dorzu stellen versucht wird; die Ursache der Ar­beitsniederlegung beruht nicht in dem inneren DienstrerhäLniS zwischen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer, sondern in dem von außen her erfolgten g..wal1amen Eingriff der Desctzung Die e, nicht He Beamten- und Arbeiterschaft, verhindert auch gewaltsam die WiÄxweröffnung des Betriebs.

Die Lage im Ruhrgebiet.

Bochum, 5.März. (WTB ) Die Besatzung ber Stadt Velbert ist vollständig abgezogen. OtabtbauDOt Schmidt in Castrop wurde wegen Richtbefrlgung franzos scher De ehle verhaftet. 3n Lennep wurden mehrere junge Leite wegen Ab reißens französische: Plakate verhaftet. Die Engländer kontrollieren die f ran» höfischen Transporte beim Eintritt fn bie englische Zone sehr scharf. Die Beförderung geschlossener Regimenter ist unter­sagt. Die Derkehrslage hat sich im allgemeinen toenig geändert. Die Zahl der Kohlenzuge, die die Franzosen bisher absahven konnten, ist außer' ordentlich gering. 3n den drei letzten Wochen des Februar konnten insgesamt 1703 Wagm die Grenze passieren. Gestern wurden über ©rang 27 Wagen Kohle nach Frankreich befördert.

In den beiden letzten Tagen ist eine ganzck Oteibe von Plünderungen and Ra i v - Überfällen auf offene Geschäfte und 2a&en- dstbstähle aus der Altstadt und einzelnen anderen Stadtteilen von Essen bekannt geworden - Die Essener Feuerwehr war den ganzen Tag imb bie ganze Richt alarmiert, um Hllsspolizei- bienfte zu tun. In ber Rächt z am Sonntag wurde ein deutscher Bürger von zwei franzöfi­fchen Soldaten überfallen, ihm bie goldene Uhr und seine Barschaft von 45000 Mark abgenommen. In Esten- OMI wurde das Polizeirevier der Berliner Kratze von den Franzosen beseht. Ein in bem wohnender Gerichtsbeamter wurde hierbei von den Franzosen erschossen. Die Milch^orgung ba Stadt Essen ffl durch den Einbruch außer­ordentlich gefährdet, infolge ber .Dersto^ung be3 Bahnhofes gelang es nicht, ausreichend Milch- mengen herbeizuschasfem Außerdem ist die Te^ rung so außerordentlich gestiegen, dah es^vrelen Müttern unmöglich ist. genügend Milch Säuglinge zu faifen. Dadurch ist die Sauglmgs- sterblichkeit schr stark gelegen. Dom tgJJ® bis 24. Februar sind in Essen 272 Säuglinge gegenüber 226 im Vorjahre geftorben, was einer Zmahrne von 20,88 gletAommt- Aach

die Zunahme der Taberftalose ^^^ck^^Vom 1. 3amiar bis 24. Februar ssiid m Essm 180 Todesfälle an Tuberkulose gegenüber 146 im glel- chen Zeitraum des Vorjahres zu ve^eichnen, was einer Steigerung von 2^35 Pro^nt ent­spricht. Auch auf die Folgen der Au f l o f u ng der Schutzpolizei ist hrnzuwmsen, die bisher auch die Sittenpolizei ausubte. Die unter Äon- trolle gestellten Personen erscheinen, toetl fern Zwang chrehr ausgeübt werden karm, großtenteM nicht mehr zur ärttlichen Unte^uchung, wod^ch He Gefahr einer weiteren Verbreitung der Ge­schlechtskrankheiten zunimmt.

Zu den wenigen glücklichen Zufällen, die uns im Laufe der letzten Jahre begegnet sind, gehört , es daß wir andauernd durch gegnerische Ent­hüllungen und Geheimberichte hervorragender Persönlichkeiten aus dem Ententelager genauer über die Absichten unserer Feinde, im besonderen Frankreichs, unterrichtet werden. Unter diesen sensationellen Enthüllungen dürften die Geheim­berichte des französischen Ministers Herrn Danac I in erster Linie stehen Bisher liegen gtoei neuere Berichte vor, nämlich der über das Hamand und über das Ruhrgebiet, während dem Ver­nehmen nach ein dritter Bericht über das Daar- gebiet demnächst folgen soll. Dariac, der als Vorsitzender ber französischen Finanzkommisfton zu den maßgebenden Persönlichkeiten des heutigen Frankreich gehört, hat bereits in feinen Geheim­berichten über feine Reise ins u|

kurzen Zügen bie Linie ber französischen Politik im Rheinland enttoidelt und damit ein für alle­mal die Binde auch von den Augen demrnrgwi Deutschen hinweggezogen, die bisher in unbegreif­licher Blindheit noch immer glaubten, Frankreich halte das Rheinland als ein Pfand für irgend- welche Reparationsanfprüche besetzt. 3n seinen Geheimbericht hat Dariac nun bie französische These entwickelt, tote wir sie aus sonstigen Ent­hüllungen über die geheimen Verhandlungen von Versailles, insbesondere aus den trefflichen Büchern des französischen Obersten Wrrmeist kennen, nämlich die These, daß die Rheinländer kulturell und toirtschastlich zu Frankreich neigen, und daß es für Frankreich Pflicht und Lebens­bedürfnis fei, ba& Rheinland ein für allemal vom Deutschen Reich loszureihen und m irgendeiner Form an Frankreich ^Miehen. Mit anerkennenswertem staatsmännischen Scharf­sinn hat Dariac die einzelnen Phasen der zur Derwirklichung dieses Zieles von Frank­reich einzuschlagenden Politik dargelegt, eurer Polttik, die denn in der Tat auch für die schwie­rigsten Schritte Frankreichs maßgebend ist und häte durch die Besetzung des Ruhrgebiet^in besonders deutliche Erscheinung getreten ist- Denn in der Tat, da bei französische Plan ^uf Schaf­fung eines einheitlichen unter der wirtschaftlichen und militärischen Kontrolle Frankreichs ftebenben Pufferstaates im Westen geht, würde eine Annexion lediglich des altbesehten Gebietes wett hinter den französischen Absichten zuruckbleibm und die Besetzung des Ruhrgebietes konnte aus diesem Grunde niemand, der die Linie ber fran­zösischen Politik verfolgt hat, irgendwie über­raschen. Mit der kindlichen Behauptung, die b> zeichnenderweife heutzutage nicht einmal mehr in Deutschland geglaubt wird, daß die Besetzung drr Ruhr wegen Mangels an Reparationslieferung>n Deutschlands erfolgt sei, hält sich Herr Dariac in seinem für Wissende bestimmten Geheimbericht natürlich keinen Augenblick auf, er geht gleich z un Kem der Frage über, nämlich dazu, auf welche Weise es möglich ist, die Reichtümer des Ruhr- gebietet in den Organismus der franzosifchm Wirtsch<'.ft einzubeziehen.Wir tönnen, sobald wir es wollen/' so heißt es in dem Bericht, von ihren Kohlen und ihren Erzen, von ihrem Roh- eisen und Stahl jene verwandten und ergänzenden (Betriebe trennen, die im nicht besetzten Deutsch­land nur deren Produkte toeiterberarbeitcn. Wir können von Grund auf den Machthabern von Süffelbt-rf, DuiSburg und Ruhrort die Organe | ihrer 3 idustrie zerstören/'

Hier liegt in der Tat der Kernpunkt auf dem sich die ftanzösische Berechnung aufbaut Durch e'ne Trennung der eisenschaffenden vonb«^ eisenverarbeitenden Zndustrie hofft Frankreich Deutschland gefügig zu machen und zu einem Eingehen auf seine Pläne zu zwingen. Bekannt­lich ist die Besetzung der Ruhr erst erfolgt, nachdem verschiedene Vorschläge der französischen Großindustrie, die auf eine Fusion mit der dzat- fchen Industrie unter stärkster Vorherrschaft Frankreichs hinauskamen, von deutscher Sette ab­gelehnt wurden. Hier fetzen die Absichten Frank­reich ein, die dann auch in bem Dariacfchen Bericht zum deutlichsten Ausdruck kommen. Dariac erörtert die verschiedenen Möglichkeiten, die der Besitz der Ruhr und insbesondere der Brücken­köpfe Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort für Frankreich bieten, und fährt bann fort: »Ohne Zn-ang anzuwenden, könnte man sich eine Rutzbar- machung der Ruhr denken durch eine Zusammen­arbeit ein freundschaftliches Einvernehmen zwi­schen 'Frankreich und den Alliierten einerseits und Deutschland andererseits unter der Voraus­setzung, dah feine $ro^ftioi£miuel dauernd an- erer Kontrolle unterstellt tterbea Der Rhein trennt zwei große Gebiete der Met^lindustne: einerlei^ das Ruhrgebiet mtt feinen 9MlllroE Tonnen Roheifen. das jährlich ie nach dem Gehalt zwischen 18 und 25 Millionen Tonnen Erze t^r- schlingt, andererseits das t l?tbringische Gebiet (Saargebiet mit einbegriffen), dessen ^robuftionS- sähigkeit ungefähr 9 Millionen Tonnen ^loheisen aleichkommt. Die Metallindustriellen des Ruhr- gebietes verfügen in Zeiten normaler Pwduktron über unendliche Mengen von Kohlen, aber über gänzlich unzureichende Mengen von Erzen, wett das neue Deutschland davon nur 7 bis 8 Millio­nen produziert, für einen Verbrauch, der sich vor dem Kriege auf etwa 48 Millionen Tonnen belief und mit Leichtigkeit noch viel höher steigen kormte. Dagegen haben die Großindustriellen der lothrin­gischen Konzerne zweimal soviel Erz, als sie per- arbeiten können, zur Verfügung. Vor dem Kriege haben Lothringen, Frankreich, Algerien und Tunis normalerweise 45 Millionen Sonnen Eisen­erz produziert, gegenwärtig verarbeiten sie frier-

d. Istitrz 1923 Annahme oon ünjtiget für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Perdindbchkeit. preis für 1 mm hohe |üi Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 70 Mk., auswärts 80 Mk.; für Reklame Anzeigen von 70 mn. Breite 300 Mk.Dei Platz- Vorschrift 20 "/.Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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