Einzelbild herunterladen

Samstag, 3. Februar 1923

Erstes Blati

175. Jahrgang

atl-

ffär.

len

Die Ausweisungen.

ter

Die Verkehrslage im Ruhrgebiet.

Ausschlusses !i Langd schrist-

Ausschlag über ruar 1923 liegt a. d. Lda. lissivn über Er- :ldbereimgungs°

>es Ausschlusses 'lerer Treis a. d. reichen.

ssär.

schlag.

iruar 1923 liegt

Million Mark

Fremdenlegion arglose Jünglinge, um ihnen ein schreckliches Erwachen zu bescheren. Nein, der deutsche Arbeiter ist doch kein Marottaner oder Spahi, den es nach dem Joch der Fran.

<tat

EClAi i

I

IIKAT J JXl$i

Ein neuer Erlaß des RcichsverkeKrsministers.

B e r l i n, 2. Febr. (Wolff.) Der Reichs - Verkehrsmini st er hat an die Reichs- bahnprasidenten der besetzten Gebiete folgen­den Erlaß gerichtet:

Bei allen Verhandlungen und Maßnah­men sind die von mir gegebenen Richt­linien vom 29. Ianuar unter keinen Um­ständen in irgendeiner Beziehung abzuschwä­chen. Den Berufungen auf das Rhein­landabkommen ist unter Hinweis darauf entgegenzutreten, daß die jetzt ver­langten Leistungen im ursächlichen Zusarnrnen- in das Ruhrgebiet. Dies gilt auch von der Hang stehen mit dem rechtswidrigen Einbruch verlangten Gelegenheit zur Anleitung frem­den Personals. Eine solche darf mit unserem Willen bder gar mit unserer Hilfe In [e Inem Falle erfolgen. Die Präsidenten wollen sich stets vor Augen halten, daß ihr persönliches Verhalten und die von ihnen ausgehenden Anordnungen einen Gradmesser abgeben für dengeschlossenenundunerschütter- lichenWiderstandderEisenbahner gegen den unerhörten RechtSbruch der grau* Svsen.

Aus dem Eisenbahndirektwnsvezirr Köln.

Frankfurt a.M. 2. Febr. (WTB) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren ist der Verkehr im Bezirk der Eisenbahndlrektwn Köln auf dec linken RHÄnsei'.e von Köln aus n u r b is Remhagen aufgenommen rvorden. Der Bahn­hof Koblenz liegt nocy still.

Die Verhandlungen im Mainzer Direktionsbezirk.

Mainz, 2. Febr. (WTB.) Von zuständiger Stelle wird uns berichtet: Die seit drei Tagen im Gange befindlichen Verhandlungen über die Miede rau nähme des deutschenEisenbahn- betriebs im DirektionsbezirkMainz haben bisher wegen eines Punktes zu keiner Eini­gung geführt. Es handelt sich um die Rück­gängigmachung von Verhaftungen, die von den französischen Stellen aus Anlast der Arbeitsniederlegung bei den Eisenba'hnbedienste- vorgenommen worden sind.

Essen. 3. Febr. (WTB.) Lieber die gemeine Lage wird gemeldet, daß die Fr an« zosen in den Bahnhöfen im Osten des Indu­striegebietes, in welchen allein noch Durchgangs- vertehr herrscht, gegen die Eisenbahner mU wachsender Rücksichtslosigkeit vor- gehen, jedoch bleiben di« Eisenbahner nach wie

fest, der Erfolg der französischen Aktion bestehe bisher im wesentlichen darin,

daß Frankreich und Belgien die unentgelt­liche" täglich« Zufuhr von etwa 50 000 Tonnen Kohle und Koks aus dem Ruhrgebiet völlig ver­loren haben: dah es bisher nicht gelungen den Befehlen der fvanzösischen Generale um) In­genieure im Ruhrgebiet irgendwelche Geltung HU verschaffen; dast man bisher die angekündigte Ab­sperrung des Ruhrgebiets gegenüber dem übrigen Deutschland nicht hat durchführen können: datz die ganze Kohlenförderung des Ruhrgebiets nach Deutschland abrvllt und daß dafür die loch- ringischen Hochöfen ausgeblasen werden muffen: daß schließlich alle Versuche, deutsche Einnahmen xu beschlagnahmen, gescheitert sind, während Jur bie Kosten der Aktion ein Kredit von zunächst 50 Millionen Frank angefordert werden muß.

Darin kann sich fortan manches ändern. Die Zufuhr von Kohlen nach dem unbesetzten Deutschland könnte mehr und mehr unter­bunden werden. Mit der Zeit werden unsere Industrie, Handel und Wandel dadurch emp­findlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Entwertung unseres E-eldes und die Ver­teuerung der Lebensmittel tun em übriges. Allein es bleibt auch fortan wahr daß Frankreich sich allmählich selbst erdrosselt, indem es aus Mangel an Koks seine Hochofen erlöschen läßt und indem es seine Finanzen völlig ruiniert. Wiederum ist es em Krieg, in den wir hineingeschleudert wurden. Der deutsche Widerstand, einheitlich entflammt I durch die Angriffe fremder Barbarei, hat vor dem gestrengen Herrn, der den Erb feind be­herrscht, etwas voraus: em gutes Gewissen und den Mut'der Verzweiflung. Mag es Herrn Poincarö im Busen heimlich bang wer­den ob der Zweifel, die früher oder spater sein Volk anfallen müssen, oder ob der mög­lichen Zwischenfälle, die ihm mächtige seinen Methoden abholde Völker bereiten konnten wenn die Deutschen in Leid und Opfermut das Aeuherste leisten, wenn sie keine falsche Einflüste­rung an sich heranlassen und wenn sie einer Regierung folg en, die un­gesäumt die Notqesetze des wirt­schaftlichen Durchhaltens aufrich­ten möge!

s ch e R o t e K r e u z teilt mit:

Der Einbruch der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet hat hinderte pflichtgetreuer Beamter, Angestelller und Arbeiter aus ihrer Heimat vertrieben. Weil sie treu zum Vaterland halten, werden sie gewaltsam in kürzester Frist aus dem besetzten Gebiet aus-- gewiesen: Frauen und Kinder werden gezwun­gen, ihnen zu folgen. Die Unterbringung dieser um ihres deutschen Denkens und Handelns willen Vertriebenen und die Sorge für sie muß jetzt die vornehmste Aufgabe des ganzen deut­schen Volkes sein. Die amtliche Fürsorge für die Vertriebenen liegt in den Händen des deutschen Roten Kreuzes, das jedoch dafür die Mitarbeit aller Kreise der Bevölkerung be­darf. Das deutsche Rote Kreuz bittet darum dringend alle in Stc^t und Land die helfen können, sich umgehend bei den Landes- bzw. Provinzialvereinen vom Roten Kreuz in den Hauptstädten aller Länder und Provinzen zu melden.

In dem mühsamen Sttickwerk des eng­lisch-französischen Einvernehmens sind plötz­lich wieder einige Maschen gefallen, so daß man erneut zweifeln muh, daß aus dem Kunst­stück jemals etwas wird. Zuerst wurde den Türken mit starken Worten in Lausanne ein gemeinsamer Friedensvertragsentwurf vor­gelegt. und dann, als die Türken widerstreb­ten ftrecfte ihnen Frankreich allein wieder die' Hände entgegen! Wir gönnen unseren früheren tapferen Helfern im Weltkrieg alle Erfolge, allein es dreht sich bei dem Verhalten der französischen Politik doch nur um einen Schacher, um eine Ausnutzung englischer Schwierigkeiten. Wir glauben es der »Times gerne, daß das englische Volk die praktische Beendigung der Entente fühlt! Lieber die

erkennen! So lockten auch die Wer^ ^o-r | 9 Pyincare habe völlig hinter dem

1 RückenSonar Laws und Curzons gehandelt. Heute aber Itei eine Meldung aus London I vor, das dortige auswärtige Amt habe

WochenrückbNck.

Der Kampf im Ruhrgebiet geht in verschärften Formen weiter. Nicht nur Roh­heit und Linmenschlichleit legen die Franzosen an den Tag, sondern auch das liegt so im Zuge der Kriegführung der Entente dreiste Scheinheiligkeit. Denn was soll die Welt sich denn dabei denken, daß Herr Poincare die Vertagung aller Anfragen in der französischen Kammer beantragte, damit diefriedliche Aktion" im Ruhrgebiet ohne Störung durchgeführt werden könne! Mit 485 gegen 81 Stimmen machte das Parlament sich diese Ungeheuerlichkeit zu eigen. Die schwache Linke, Demokraten und Sozialdemokraten, schickte zwei Redner mit zaghaften Einwänden gegen die Ruhrpolitik ins Feld; es ist sehr inter­essant, daß Herr H e r r i 0 t, der Sprecher der Demokraten, eine rechtlich-politische und eine nationale Seite des Problems hervorkehrte. Aus politischen Gründen ist die französische Demokratie gegen das Abenteuer; um die nationalen Interessen über die Parteiinter­essen zu stellen, stimmte sie jedoch mit der Mehrheit! Mit anderen Worten: Poincars übt eine falsche Politik, aber man soll ihn nicht daran hindern! Das sind wirklich impo­nierende Propheten, die sich sehen lassen kön­nen! Die Anhänger des so lebhaft hervor- tretenben Sozialdemokraten Blum bildeten

zosen gelüftet. Das Herumstöbern des Herrn Degoutte und seiner Leute in den Spänen, die eine übertriebene sozialdemokratische Agitation davonfliegen ließ, wird selbst den Herren Lede- bour und Breitscheid fein Vergnügen machen. In Lothringen gibt es übrigens auch Kapi­talisten und Industtieherren. Frankreich be­sitzt heute 35 Prozent der gesamten Erz­lager Europas. Die lochringische Industrie ist für den Bezug von Koks zu 75 Prozent auf Ruhrkoks angewiesen. Welche Endziele Poin­cars verfolgt, weiß heute jeder deutsche Mensch. Darum wurde Frankreich von der Stimmung der deutschen Bevölkerung, von dem entschlossenen und unbeugsamen Widerstand der deutschen Arbeiter, so bitter enttäuscht. Der Kampf der deutschen Bergarbeiter und Eisen­bahner ist nicht nur verzweifelte Verteidi­gung, ihn belebt und stärkt vielmehr auch das Ziel, die französische Industtie an der Machtpolitik Poincares so schnell wie möglich zugrunde gehen zu lassen. Bisher hat Frankreich nur Mißerfolge gehabt. Der frühere Vizekanzler Dr. H e l f f e r i ch stellt imTag"

am 1. Februar eine Note der fran­zösischen Regierung erhalten, worin diese erklärt, daß sie sich das Recht Vorbehalte, getrennte Verhandlnn- genmitderTürkeizueröffnen, wenn die Konferenz, von Lausanne ohne Ergebnis auseinandergehen sollte. Das ist gesalzene Ka- tasttvphenpolitik, ^die der geduldige Londoner Staatsmann nicht zu einem harmlosen Bissen seiner Einttachtscheorie auswaschen und aus­laugen kann. Die Entwicklung im Orient birgt vielleicht noch nähere Aeberraschungen als der Gang der Dinge in Westeuropa.

in hiesiger Stadl he 1 Kinderpelz HÜH, 1 Taschen- irz und grün ge- chein, 1 schwarz- Korf, 1 Drösche, ie mit 10 Mack, 1 wasserdichte 1 Zlvanzigniark- ette aus Perlen, lk, 1 GelinnäPP- Mie,l sHoar- TanienarnwanL Arl, 1 go^nes rifft I

1 rotbraun^ 1 mit 1000 W. LS Siudentenkarte, Segenftänb« b-- machen.

kann an Mm Ühr nachmittags erfolgen.

m. 29

Lrscheinl täglich, außer Sonn« und feiertags, mtt berSamstagsbeilage: GießenerFamMend lütter Monatlich« Vezvgrpreife: 1325 Mark und 75 Mark Träger Iohn.durch bie«poft 1400Mark,auch beiRrcht- erscheinen einzelner Hum­mern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchrist- letiung 112; für Verlag nnb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Glefoee.

Postscheckkonto: Frankfurt a. m. 11686.

vor unerschütterlich' fest. Der Bahnhof Sinsen an der Streck« Recklinghausen Haltern Mürbe 'heute von einem französischen Äontroll» ptftvn besetzt Das Eisenbahnpetivnal hat gegen die Besetzung schärfsten Prv'est erhoben. ®e_r Be­trieb wird jedoch aufrochterhalten. In L ü n e n öetlangten die Franzosen die Stellung vvnLoko- motiven, um Kohlen trans Porte nach dem Besten zu fahren. Die deutschen Beamten haben dte Stel­lung von Lokomotiven verweigert. Ferner ver­langten sie Einführung in den deutschen Signal- bienft. Auch dies wurde abgelehnt. Infolge der durch die Franzosen verursachten Verstopfung vie­ler Bahnhös« im Ginbruchsgebiet find t^llenweise cgar die Lebensmittellransporte gefährdet.

Der Regierungspräsident von Düsseldorf Dr. Grützner richtete an den OF.erMegierten Ge­neral Danvigne ein Schrei en in dem ge or- bert wird, daß die Sperre so bald wie möglich aufgehoben wird, damit die Verstopfung der Bahnhöfe beseitigt werden kann. Die Antwort wird noch im Laufe des heutigen Tage? erwartet.

Im allgemeinen ist in der Verkehrs läge gegenüber dem Stand von gestern mittag keine Aenderung eingetreten.

Essen, 3 Febr (WTB) DieRuhrbrücke i n W e r d e n ist von starken französischen Kräften besetzt worden, die alle über die Drücke fahrenden Kohlenautos und -Wagen entladen lassen und die Chmlffeure mit entsprechenden Dons und den Wagen zurückziehen.

E sse n, 2 Febr. (WoM ) Das Hau ptpvst­und Telegraph enamt haben heute morgen den Betrieb wieder ausgenommen.

Die Abschnürung des Rnhrbezirks.

Wie dte Blätter auä Essen melden, ist jetzt die Absperrung des Ruhrgebiets nach dem unbesetzten Deutschland hin völlig durchge­führt,, so daß Deutschland für die nächste Zeit ohne Ruhrkohlen und Koks bleiben muh. Die Franzosen versuchen jetzt vorläufig zwei E srnbahn- strecken betriebsfähig zu machen, um Kohlen und Koks nach Frankreich auszuführen. Im gesam­ten Ruhrgebiet stehen 20 000 beladene Kohlen­wagen, durch di« 200 Kilometer Gleis gesperrt werden. Hierzu tritt ein starker Mangel an Ma­schinen. Es soll versucht werden, die Kohlenwagen bei Betrieben innerhalb des Ruhrgebiets auszu­laden sowie die Lagerplätze der Häfen zu be­schicken. Da aber sowohl hier als auch auf den Halden die Aufnahmefähigkeit sehr eng begrenzt ist, werden in der nächsten Zeit Einschrän­kungen in der Kohlenförderung not­wendig werden. Die Arbeiten unter Tage sollen dann auf Instand'etzungsaröeiten und auf Vor­arbeiten für die künftige Förderung ausgedehnt werden.

Vvhwinckel besetzt.

Vvhwinckel, 3. Febr. (WTB.) Die Städt Vvhwinckel an der Strecke Essen- Elberfeld ist gestern durch französische Ka­vallerie und Infanterie besetzt worden.

Neue Morde.

Essen, 3. Febr. (WTB.) In Drechten wurde gestern abend der Bergmann und Schuldiener Haumann von fran­zösischen Posten erschossen.

Hierzu erklärt die Besatzungsbehörde, daß Haumann nach Art der Bettunkenen sich an den französischen Posten heranmachte. Dieser habe nach zweimaligem ergebnislosen Anruf von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Dte Aussagen der deutschen Zeugen dagegen besagen, daß Haumann, der wenige Mtunten vor der Erschießung von der Wohnung fort­

gegangen war, durchaus nüchtern gewesen sei. Auch haben die in der Nähe des Tat- Ortes befindlichen Personen von einem Anruf durch den Posten nichts gehört. Der Amtmann und der Landrat haben bei dem Kommandan­ten Protest wegen der Erschießung eingelegt und um sofortige Ablösung der Truppen er- sucht.

Essen, 2. Febr. (WTB.) Heute nach­mittag fuhren zwei belgische Soldaten auf der S t r a ß e n b a h n auf der Strecke von Oberhausen nach Essen-Vorbeck. Die beiden Soldaten zeigten dem Schaffner Bonds, auf die sie fahren wollten. Der Schaffner ver­langte, daß sie Sttahenbahnkarten lösten. AIS die Soldaten sich weigerten, dem Folge zu leisten, sollten sie ausgesetzt werden. Daraus griffen beide zu Schußwaffen, verletzten den Führer schwer und töteten einen unbeteiligten Fahrgast, näm­lich den Schuhmacher Stvckhorst aus Essen. Die beiden belgischen Soldaten wurden von der deutschen Schutzpolizei fest ge­nommen.

Berlin,3. Febr. (Priv.-Tel.) Die Dlät- melden aus Koblenz, daß der Ober- präsident der Rheinprovi nz gestern abend aus dem besetzten Gebiet ausgewie­sen und im Auto fortgeschafft worden ist. Dr. Fuchs ist Rheinländer.

Oberbürgerme»ister Jarre S, Duisburg, der von den Franzosen ins unbesetzte Gebiet geschafft wurde, ist gestern wieder tm Duis­burger Rathaus erschienen, um seine Amts­geschäfte weiterzuführen, daerseineAus- weisung nicht anerkennen könne.

B e r l i n, 2. Febr. (Wolff.) Das d e u t-

1« 5*'*

-Ul

ÄS

%

Denkt an öas Ruhrgebiet!

Zeichnet öas öeutjche volksoyfer!

Zeichnungen nimmt auch der Gießener Anzeiger in der seitherigen weist t . Er wird die Settäge öffentlich quittieren und sie an das deutsche voiksopfer weiterleiten, unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten sieht.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit preis für 1 mm höhe tüt Anzeigern, 27 mmBreit« örtlich 40 Mk., auswärts 50 Mk.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180 Mk.Bei Platz- Vorschrift 200/, Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil: ErnstBlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in (Biegen.

(onzerfc

yoe-Franke Trautmann Mr/L Ä® WW

die Minderheit.

Diefriedliche Aktion", die so in die Ge- mütStiefen des französischen Parlaments ein­drang, sieht auf der Wetterseite etwas anders aus. Man ohrfeigt deutsche Pvlizeibeamte, weil sie französische Offiziere nicht grüßen, man wirft die deutschen Familien, weil ihre Ernährer nicht tteuloS handeln wollen, rück­sichtslos über die Grenze, man läßt sich mit Großpapa und Großmama, Frau und Kin­dern, Tanten und Nichten In den beschlag­nahmten Wohnungen dürftig hausender Deut- cher häuslich nieder, und man findet es ganz riedlich und human. Schulen, ja sogar Kran­enhäuser, für die eigne Bequemlichkeit zu de- chlagnahmen und die Kranken aufs Pflaster zu lagen! Nicht überall ist die Roheit vielleicht so bodenlos, aber einzelne Fälle sind doch be- zeugt, von der deutschen Regierung zur Be­schwerde gebracht worden.

Tapfere Zuhausegebliebene schwelgen ebenfalls in Siegerfreude. Das Pariser Journal" brachte eine große Zeichnung, auf der die stolze Marianne zu sehen ist, wie sie einen ruppigen, vor ihr in die Kniee ge­sunkenen Sklaven Deutschland strangu­liert. Das ist die Illustration der Ankündigung jener Kohlenblockade, die das besetzte Ruhrgebiet vom Reiche abschnürt. ES sollen fortan alle Kvhlensendungen aus dem Ruhr­revier dem Deutschen Reiche vorenthalten werden. Die dreiwöchigen Vorbereitungen hierfür sind fertig; die militärischen Posten sind verteilt und bereit, das Kriegshandwerk noch entschlossener zu besorgen als bisher. Eine friedliche Aktion" - weil die deutsche De- Dotierung keine Waffe dagegen erheben kann Es werden vermutlich noch neue Zwangsmittel erklügelt werden, und die Feststellung des Er­folges, ein milder Optimismus, wird sich vom Quai d'Orsay mit Beharrlichkeit über das heimatliche Frankreich ergießen. Am erbärm­lichsten aber ist eS, mit anzusehen, wie die Sendboten des französischen Imperialismus hoffnungsvoll die Seele des deutschen Nrbei- ters in jene Träumerei von Sorglosigkeit und Glück zu lullen suchen, die ihnen schon einmal, | beim Weltkrieg und seiner Beendigung gute Dienste getan hat. So sucht sich fremde Herrschsucht von nationaler Lauheit zu nah­men, von der Saat antinationaler Denkart im deutschen Arbeitervolk . . .

Dts jetzt hatte dieses Liebeswerben, hinter dem so fratzenhafte Gelüste stehen, keinen Er­folg Die deutschen Arbeiter weigerten sich, unter den Bajonetten zu arbeiten, die deut­schen Eisenbahner lassen sich nicht von Frem­den beaufsichtigen. Wenn der Stteik in den Rheingebieten einstweilen beendet zu fein scheint, wenn es heißt, daß die bewaffneten Posten des Feindes aus dem Bereich der Eisenbahnen zurückgezogen worden seien, wo­gegen freilich zugestanden wurde, daß tech­nisches Personal der Franzosen und Belgier waffenlos und ohne Dienst^rtichtung auf den Bahnhöfen verbleiben dürfe so besagt dies nicht, daß die deutschen Eisenbahner sich unter­worfen hätten. Ein neuer Erlaß des Reichs- Verkehrsministers schafft völlige Klarheit darüber. Wo der Widerstand notig und wirksam ist, soll er durchgehalten werden. Da wird keine Spekulation auf niedere politische Instinkte Helsen. Wie sollte man die Skla­verei unter der Maske des Wohlwollens nicht

GietzenerAMM

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitötr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschaftzftelle: Schulstraße 7.