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Sroeites Blatt

at. 127

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

30. Mai 1923.

Sitzung

(Nachdruck verboten.)

43. Fortsetzung.

vielleicht auch ein paar Tage lang befangen wird mir gegenüber, das gibt sich schnell."

sein

winkende

hatte sie älnd doch

hat sich, wie verlautet, vorläufig nicht entschließen formen, dem Ersuchen des Reichstages entspicchend die Altersgrenze für Kinderfahrkarten aus 12 oder gar 14 (Zähre hinaufzusetzen. Man hat berechnet, dah diese Maßnahme einen Einnahmeausfall von mehreren hundert Milliarden ergeben werde, den die Reichsbahnverwaltung auch aus außenpoliti­schen Gründen zur Zeit für untragbar hält.

überhaupt geneigt ist. unseren Vorschlag anzu­nehmen. Wenn er heute zu mir käme und um Elisabeth anhielte, würde ich ihm dasselbe sagen. Aber es ist gewiß besser, wenn er es von Ihnen erfährt. Er kann ja wissen, daß wir darüber ge­sprochen haben, offen und ehrlich, und wenn er

In der Streitsache der Frau Wilhelmine Schmidt gegen die Frrsma PoppeL Comp., Schmidt gegen die Firma Poppe & Comp., Parteien über die Derterbeschäftigung der An­tragstellerin.

Dem Einspruch eines ArbeitnehrnerS bei der Lampenfabrik Eugen Kauffmann in Gie­ßen wegen fristloser Entlassung konnte der Schlrch- tungsausschuh nicht stattgeben, da das Ern- spruchsverfahren nach dem Drtriebsrätegesetz man« ?cls Bestehens eines Betriebsrates keine Anwen- ung finden konnte und auch tue Verordnung oom 12. Februar 1920 keine Handhabe bot. Dre Kün­digung war mcht wegen Arbeitsmangels zur Ver­minderung der ArkÄtnehmerzahl ausgesprochen, denn der Arbeitsplatz war Lsbald wieder besetzt worden. Der Schlichtungsausschuh verwies den Entlassenen mit seinen etwaigen Ansprüchen auf den Rechtsweg. Soweit der Schiedsspruch dre Demobrlmachungsverordnung betraf, wurde Erllä- rungsfrrst gesetzt.

Ern Finanzamtsgehrlfe von Büdingen hatte gegen das dortige Finanzamt den Schlichtungsausschuh angerufen, um die Werterbe- schäftlgung zu erreichen. Da der Antragsteller sich inzwischen an die hessische Fürsorgestelle für

Vermischtes.

Mit dem Faltboot gekentert und ermmten.

Der l i n, 1. Juni. Rach einer Meldung des 'Bett. Lokalanz." aus Wien kamen auf der Donau beim Umschlagen eines Falt­bootes drei Personen ums Leben. Innerhalb kurzer Zeit ist dies das dritte Falt­bootunglück auf der Donau.

Die Markige richte in Berlin.

Berlin, 1. Juni. Dre fliegenden Marktgerichte beschränken sich tn Berlin nicht mehr auf die Markthallen und Märkte, sondern kontrollieren auch die Preise in zahlreichen Lä­den. Geschäftsinhaber, bei denen der Verdacht der Bewucherung vorlag, wurden zur sofortigen Aburteilung nach dem Marktgericht geführt.

..... ... , . _. dah ihre Augen feucht wurden und ihr Herz sich krampfhaft

Märchenschätzen, Grimmelshausen, der Verfas­ser des deutschen kulturgeschichtlichen Romans Simplicius Simplicissimus" u. a., Riebergall, der Schöpfer des unsterblichenDatterich" und desTollen Hundes" lebte in Hessen. Adam Karillon und Lichtenberg sind bekannte hessische Dichter. Wilhelm Holzamer, Büchner, Lenning, Peter Geibel und viele andere haben auf hessischem Boden gewirkt und uns manche köstliche Gabe geschenkt. Bedeutende Maler, wie Abbelvhde, Banger, Thielmann, Richard Hölscher usw. haben uns mit ihrer Farben» und Griffelkunst köstliche Gaben beschert. Be­deutende Musiker, Karl Maria v. Weber, Flo- tow, Abt, Vogler, der Alsfelder Johann Adam Birkenstvck u. a. waren mit dem hessi­schen Boden verknüpft.

Der erste Butzbacher Versuch lud zu einer Hessenschau über das ganze Gebiet ein. Alle Zeitalter und Richtungen sollten dort vertreten sein. Was in dem kleinen Saale desHessi­schen Hofes" an Schriften, Büchern, Bildern, Zeichnungen, Gemälden, Roten usw. ausge­stellt war, war in jeder Hinsicht beachtenswert und interessant. Unter den Ausstellern hessi­schen Schrifttums erschienen u. a.: Der Histo­rische Verein für Hessen, der Oberhessische Ge­schichtsverein, der Friedberger Geschichtsver­ein, der Alsfelder Geschichts- und Altertums­verein, die Realschule Butzbach, der Zweig- verein Alsfeld des V. H. C-. und viele andere. Hessische Maler und Zeichner waren in Ori­ginalen oder Reproduktionen reich vertreten. Erinnerungen an manchen bedeutenden und bekannten Mann, wie Weidig, Prof. Wämser usw. waren vorhanden. Ein Oelgemälde und zwei Pastellbilder von Kunstmaler L. Martin- Alsfeld fanden Beachtung und Anerkennung, ebenso seine hübschen Federzeichnungen von Alt-Alsfeld. Bekannte hessische Verleger und Buchhandlungen hatten an Werken unserer He.matdich'ec auZ äl.e.er und neuerer Zeit.das Schönste und Beste in Fülle geboten. Zwei Kompositionen von K. Dvtter-AlSfeld:Alt Wimpfen", Marsch für Klavier (mit Titel­zeichnung von Professor K. Kempin-Darm- stadt) undSchwerttanz" aus dem Alsfelder Festspiel zur Siebenhundertj-ahrfeier 1922, mit Tanzbeschreibung von A. Seifert, lagen auf der Ausstellung vor.

Der erste Butzbacher Versuch, die hessische Heimatkunst in Wort und Bild vor Augen zu führen, verdient volle Anerkennung. Das, was geboten wurde, war mit Fleiß und Liebe zur Sache geleistet worden. Die hübsche Ausstel­lung machte den Veranstaltern alle Ehre. D.

und spielte mit den Blättern, die wie Finger hinüber und herüber griffen.

Frau Eva hätte froh sein müssen, doch mehr erreicht, als sie hoffen durfte, fühlte sie, während sie so ruhig dasaß,

w. Hessisches Lehrerinnenheim. Man berichtet uns: Kürzlich fand im Darm­städter Lehrerinnenheim die diesjährige Haupt­versammlung des Vereins statt. Der Jahresbe­richt, den Fräulein Glenz erstattete, wußte viel zu erzählen von Rot, aber auch viel von freund­licher Hilfe, dre dazu beigetragen, daß das Heim erhalten blieb. Durch Vermittlung von Frl. K i h- n e r, einer der Hermmsassen, erhielt das Heini eine größere Geldsendung aus Amerika, wodurch es möglich wurde, die Zentralheizung wenigstens zwei Monate lang in Detireb zu sehen. Eine an­dere amerikanische Spende ermöglichte, Kohlen für dre Küchcnherzung anzuschasfen; auch Lecensiinttel wurden durch einen wehlbekannten amerikanischen Menschenfreund gesandt Zu diesen einmaligen Gaben kamen noch verschiedene Sammlungen der hessischen Lehrerinnen in Höhe von 105 422 Mark (die Gießener Lehrerinnen sandten inj Herbst nochmals 18 218 Mark), Zuschüsse von der Deichs- nothilfe und dem Alice-Frauen verein. Seit einem halben Hahr haben die Darmstädter und Gießener Lehrerinnen regelmäßige Sammlun­gen eingeführt, die jetzt monatlich 90 000 Mark ergeben. Die Gesamtsumme der freiwilligen Spen­den betrug im vergangenen Jahre 451 916 Mark. Allen denen Dank, die helfen, das Heim, das zur Zeit von 16 Damen bewohnt wird, zu erhalten. Oberinspektor Dech er berichtete über die Kasse des Heims. Die Gesamteinnahme im Jahre 1922 betrug 969 243 Mark, die Gesamtausgabe 749891 Mark, es blieb somit ein Kassenvorrat von 219352 Mark. Der Voranschlag für 1923 sieht 9 850 000 Mark als Einnahme vor, 11 350 000 Mark als Ausgabe. Es bleibt somit ein Fehlbetrag von V/3 Millionen Mark zu decken. Der Antrag des Vorstandes, mit Rücksicht darauf den Mitglieder­beitrag zu erhöhen, fand einstimmige Annahme. Der Beitrag wird rückwirkend für 1923 für Lehre­rinnen im Dienst auf 1200 Mark festgesetzt, für Privatlehrerinnen und Lehrerinnen im Ruhestand auf 120 Mark: außerordentliche Mitglieder zahlen nach Selbsteinschahung. Die stellvertretende Vorsitzende, Fräulein Schweisgut. machte hierauf der Hauptversammlung die Mitteilung, daß die hochgeschätzte, verdiente Vorsitzende des Vereins, Frl. Marie Müller, in Anbetracht ihrer A t r) ihr Art niedergel gt hot D e e: Ent­schluß trifft Heim und Verein sehr hart. Frl. Marie Müller, die dem Verein seit seinem Be­stehen, also seit 40 Jahren, angehört, bekleidete jahrelang das Amt einer Schriftführerin und übernahm dann nach Frau Wolfskehls Tod den Vorsitz. 3n vorbildlicher Weise hat sie ihr Amt geführt und in unermüdlicher Treue und Hingabe für das Heim gewirkt. 3n Anerkennung ihrer Verdienste und zum Zeichen der Dankbarkeit er­nannte die Versammlung die Dame zur Ehren­vorsitzenden des Vereins. Außer Frl. Müller scheiden noch Exzellenz Rothe und Präsident Weber aus dem Vorstand aus. Auf Vorschlag des Vorstandes wurden einstimmig neu in den Vorstand gewählt: Frau Generalstaatsanwalt Preetorius und Frau Oberstaatsanwalt Dapper. Rachdem noch das hochbetagte Frl. Kitzner in warmen Worten dem Vorstand und der Vorsteherin, Frl. D i n d e w a l d, den Dank der Heiminsassen für ihre Tätigkeit ausgesprochen, schloß die zweite Vorsitzende die Versammlung.

** Die Kinderfahrkarten auf der Eisenbahn. Die Reichseisenbahnverwaltung

Sie gingen langsam dem Dorfe zu.

Eva sah gedankenvoll vor sich hin.Hans Dietrich wird mir auch fehlen. Er war doch viel in meinem Leben, und wenn er auch oft ein Sor­genkind war, ich hatte doch das Gefühl, daß ich jemand notwendig fei. Das ist dann auch vorbei." Sie schwieg.

Bürgermeister Arnolds sagte mit etwas un­sicherer Stimme:Sie werden nicht allein blei­ben ... Sie toerben sich... doch wieder ver­heiraten."

Frau Eva zuckte zusammen und schüttelte den Kopf.Verheiraten? Ach, ich weiß es nicht. 3ch weiß nur, daß das Leben sehr leer ist und sehr öde. Und da müßte auch schon die große Liebs kommen."

Sie fühlte, daß Arnolds sie an sah, aber sie erhob den Kopf nicht. 3hr Gang wurde nur schneller und ihre Lippen zuckten leise. Als Ar­nolds etwas sagen wollte, da war es ihm, als lege sich ein Finger fest auf seinen Mund und eine leise Stimme raune ihm eine Warnung zu. So gingen sie schweigend nebeneinander.

Wo sich der Weg ein wenig hebt, war die Aussicht frei. Unmittelbar vor ihnen lag Ar­nolds' Haus, von der tiesstehenden Sonne rot angeglüht. Schwere Wolkenbänke standen am Ho­rizonte. Manchmal wetterleuchtete ein heller Schein darüber. Run schob sich die schwarze Wolke eine Minute lang vor die Sonne, daß alles grau und trübe erschien. Dann brach sie wieder hin­durch in unverminderter ©lut

Bürgermeister Arnolds tot einen tiefen Atem­zug. Dann wendete er sich zu Eva und ergriff noch einmal ihre Hand. »Wir wollen gute Freunde sein, Frau Eva, nicht wahr? And ich verspreche

Das Mosechaus.

Roman von LuiseSchulze-Brück.

zusammenzog. Plötzlich führte sie ihr Tuch an die Augen und weinte, erst gepreßt und schluchzend, die Tränen unterbrüdend. Ader sie schossen im­mer heftiger hervor. Lind so ließ sie ihiren freien Lauf.

DoS tat wohl, erleichterte sie. Aber wenn einer sie gefragt hätte, warum sie weine, sie hätte wvhl kaum die Antwort geben können.

(Fortsetzung folgt)

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 2. Zuni 1923.

Die Badeanstalten.

Das Polizeiamt macht im neuesten Amtsver­kündigungsblatt auf die Bestimmungen, betr. die Badeanstalten in Gieß e n aufmetlfam. 3n den Anordnungen heißt es:

Dir polizeiliche Aufsicht über die Dadcanftal- ten und die öffentlichen Badeplätze an der Lahn steht dem Polizeiamte zu, welches dieselbe durch die ihm unterftelTen Vollzugsorgane ausübt.

Den Weisungen der diensthabenden Polizei- beamten ist in jedem Falle, unbeschadet des Rechts der Beschwerde beim Polizeiamte, unweigerlich Folge zu leisten.

Zeder Unfug int Wasser und in den Bade­anstalten ist untersagt. Ebenso ist jede Beschädi­gung der Badeanstalten, der Uferbauten an den­selben, der Rachen, sowie allen dazu gehörigen Geräten und Einrichtungen untersagt.

Das Mitnehmen von Hunden tn die Bade- Häuser ist nicht gestattet.

Von dem letzten, unterhalb der Pulvermühle gelegenen Badehause an, stromaufwärts bis zum sogenannten Schäferbrunnen, ist das Baden in der offenen Lahn (außerhalb der Dadehäuser), sowie das Entlleiden an beiden Ufern verbotst.

Bei dem Baden in offener Lahn, sowie inner­halb der Badeanstalten, haben sich die Badenden, falls sie sich nicht in einer geschlossenen Zelle ba­den, ohne Ausnahme der Badehosen zu bedienen.

Die Dadehäuser dürfen von Personen, welche nicht abonniert sind oder das Dadehonorar nicht bezahlt haben, nicht betreten werden.

3n die Frauenbader dürfen Knaben nicht mit­genommen werden.

Schlichtungsausschus; der Provinz Obcrheficn.

Sitzung vom2 9. Mai 192 3.

Der Metallarbeiterverband und der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen stritten wegen eines Ab­kommens über Urlaubsregelung uickäleberstunden» bezahlung in der oberhessischen Metallindustrie. Der Schlichtungsausschub kam zu der Lleberzen- gung, daß wegen der Verschiedenheit der bis­herigen Uebung in den Bezirken Gießen und Butzbach ohne weitere eingehende Vorberei­tung der Angelegenheit durch die Streitteile noch keine einheitliche Regelung für die beiden Bezirke zusammen möglich ist und überlieh es daher den Streitteilen, zunächst weiter unmittelbar zu ver- handeln über gesonderte Regelungen sür die beiden Bezirke.

Das Eisenwerk Hirzenhain bearu tragte gegen seinen Arbeiterrat die Einführung der Akkordregelung, die der Schlichtungsausschuß durch den Schiedsspruch vom 23. März 1923 für die Gießener Betriebe der Metallindustrie ge­troffen hat. Wie die Verhandlung ergab, hatten die Streitteile noch nicht miteinander verhandelt. 3hr bisheriges Abkommen enthält keine Bestim­mung über seine Kündigung. Dennoch war der Schlichtungsausschuh der Ansicht, dah es zunächst gekündigt werden müsse mit der Frist, die für die Lohn- und ArbeitsVerhältnisse der Arbeiter des Betriebes gilt Er lehnte es zunächst ab, einen Schiedsspruch zu fällen.

Den Alsfelder Schuhmacher-Be­trieben gab er auf, den Stundenlohn der Gehtl- fen vom 14. bis 31. Mat auf 1200 Mk. zu erhöhen. Diese Lohnhöhe entspricht dem Antrag des Zen­tralverbandes der Schuhmacher. Die Stteittelle er­hielten Erllärungsfrist.

Die Spirituosenbetriebe S. Ehrmann Söhne und» Emil Reis Rachf. in Fried­berg sollen vom 14. bis 31. Mai ihren gelernten Arbeitern 66 000 Mk. Wochenlohn zahlen und die übrigen Löhne in demselben Verhältnis erhöhen. Auch hier entspricht die Lohnhöhe dem Anttag des Arbeiterverbandes. Dessen Vertreter erkannte den Schiedsspruch an. Die Betriebe erhielten Erklä­rungsfrist.

Schwurgericht

der zweite» Periode 1923.

Das Schwurgericht wird in seiner am Montag, 4. Zuni, beginnenden zweiten Sitzungsperiode 1923 folgende Anklagen verhandeln: 1

Montag, 4.Zuni, vorm. gegen Otto Fourier von Gießen wegen Rotzucht Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zustizrat Weidemann, Vertei­diger ist Rechtsanwalt Hornberger. Rach­mittags gegen Paul G r ü n i n g von Burkhards wegen Mordversuchs. Anklagevertteter: Staats­anwalt Fischer, Verteidiger: Rechtsanwalt Zustizrat Katz.

Dienstag, 5. Zuni, vorm. gegen Gottfried Lang von Ruhlkirchen wegen Totschlagsverfuchs. Anklagevertreter: Swatsanwalt Knauh, Ver­teidiger: Rechtsanwalt Dr. L. Kay.

Mittwoch, 6. Zuni, vorm. gegen Karl Appel von Gießen wegen Widerstands und Körperver­letzung. AnUagevertreter: Staatsanwalt Zustiz­rat Weidemann, Verteidiger: Rechtsanwatt Zustizrat Grünewald.

Donnerstag, 7. Zuni, vorm. gegen Heinrich Walter von Göbelnrod wegen Totschlagsver­suchs. Anklagevertreter: Staatsanwalt Fischer, Vetteidiger: Rechtsanwalt Dr. L. Katz.

Freitag, 8. Zuni, vorm. gegen Georg Mör­schel von Büdingen wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Anklagevertreter: Staats­anwalt Dr. Eckert, Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Spohr.

3hnen, ich will es den jungen Menschen nicht schwerer machen, als es sein muß. Glauben Sie mir, der Entschluß ist mir nicht leicht geworden, und vielleicht hätte ein anderer ihn mir über­haupt nicht abgerungen. Man sieht ja immer nur mit seinen eigenen Augen die Dinge an. Das ist unrecht, gewiß, nur daß man dies Unrecht nicht e'msiehtt 3ch will mich bemühen, soviel als mög­lich mit 3hren Augen zu sehen."

Er drückte noch einmal ihre Hand fest und lange. Dann trennten sie sich schnell.

An diesem Abend konnte Eda sich noch nicht entschließen, mit Hans Dietrich zu reden. Rach dem Abendbrot schützte sie Kopfschmerzen vor und ging auf ihr Zimmer. Da saß sie lange auf dem harten Sofa, stützte den Kopf auf die Hand und sah nachdenllich in den Abendhimmel und in das schwarze Laub des Rußbaumes vor ihrem Fen­ster. Ein ganz leiser Wind hatte sich aufgemacht

Frau Eva lächelte schwach. »Hier sitzen tmr nun und reden vernünftig, toten hin und her and vermessen uns, in dos Schicksal zweier Menschen eingreifen zu wollen, und wer weiß doch, wie anders es bestimmt ist!"

Arnolds sprang ungeduldig auf.Aber wir müssen unsere Pflicht tun, soviel wir können, und so hart es uns werden mag.

Und wenn wir das Verkehrte tun?" sagte Eda leise.

Er reckte sich in den Schultern hoch, wie er es bei solchen Gelegenheiten gern tat:Das steht bei einer höheren Macht! Wir müssen nur das Beste wollen nach unserem menschlichen Wissen und Ge­wissen. Glauben Sie mir, auch mir ist dies alles nicht leicht. Heute ist mir zum ersten Male der Gedanke gekommen, wie hart es für mich fein wird, wenn Elisabeth einmal verheiratet ist. Man ist so egoistisch und optimistisch. Man wiegt sich so gern in der 3dee, daß es immer so bleiben müsse, wie es jetzt ist. 3ch habe mir mein Kind eigentlich nie anders denken Rinnen, als bei mir im House, jung und froh, and mich daneben, all­mählich älter werdend, von der Tochter umsorgt und verhätschelt. 3ch habe es ja gewußt, daß es einmal anders kommen würde, aber ich habe es eben nie wissen wollen. Hnb wie ich's aus halten soll, das weiß ich auch noch nicht."

Hessische Seimatfcunft und hessisches Schrifttum.

Ausstellung auf der diesjährigen HauvtVersammlung des B.H.E. in

Butzbach, am 26.28. Mai.

Die Pflege der Heimatkunst in Stadt und Land gehört mit zu den Hauptaufgaben, die der Vogelsberger Höhenklub mit feinen zahl­reichen Zweigvereinen zu erfüllen hat. Dies zeigte sich auch jetzt wieder gelegentlich der diesjährigen Hauptversammlung des Gesamt­vereins, die am vorigen Samstag in Butzbach stattfand. Zum ersten Male veranstaltete der dortige Zweigverein, unterstützt von bekannten hessischen Verlegern und Künstlern, eine Aus­stellung hessischer Heimatkunst und hessischen Schrifttums. Der Hessenstamm von dem Neckar bis zur Weser sollte dort zu Wort kommen. Hessische Dichter, Maler, Schriftsteller, Komponisten, überhaupt Künstler jeder Art und Richtung sollten in Wort, Bild und Tönen zu uns sprechen. Viele stolze Ramen aus der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte haben zu unserer hessischen Heimat in enger Beziehung gestanden, allen voran Johann Wolfgang von Goethe. Aber auch andere bedeutende Männer haben aus der hessischen Heimat Kraft und geistige Nah­rung gesogen, so die Gebrüder Grimm in ihren

Landpfarrer-Wünsche an den Landeskirchenlag.

Man schreibt uns:

Wie bei den Staatsbeamten, die auf dem flachen Lande leben, so hot auch bei den Landgeist liche n die Besoldungsord» -nu n g, die nach den Grundsätzen der Reichs- besoldungsordnung sich richtet, zu großen Härten geführt. Durch das Ortsklassensystem sind die Landpfarrer, die der Lage der Dinge nach meist in Orten der Klasse E und D amtieren, um etwa drei "Gehaltsgruppen unter ihre Kollegen in Klasse A heruntergedrückt. Der Landpfarrer, der nominell der Besoldungsgruppe X zugewiesen ist. erhält tatsächlich mir die Bezüge, die ein der Gruppe VII zugeteilter Beamter erhält, wenn er in einem Orte der Klasse A wohnt. Diese Un­gerechtigkeit wird allgemein empfunden, es wird dagegen gekämpft, aber sie wird wohl nicht so schnell verschwinden.

Aber ein Mittel, ausgleichend zu wirken, wird von der K i r che n b e h ö r de auch nicht ausreichend benutzt, und dagegen müh Einspruch erhoben werden. Dem Landpfarrer stehen in den weitaus meisten Fällen kirchliche Naturalien (Ackerland und Holz) in erreichbarer Verfügung. Es wäre nun das Allerselbstverständlichste, wenn die bestehende älngerechtigkeit, die eigentlich iircgenbü>o geleugnet wird, dadurch ausgeglichen würde, daß man den Landpfarrern einen preis­werten Bezug dieser Naturalien ermöglichte. Ein ungerecht wirkender Fiskalismus in der Kirch? tut aber das Gegenteil. Die an sich schon geschädigten Landpfarrer werden mit Anschlä­gen für ihre in Selbstbenuhung genomme­nen Besoldungsteile bedacht, daß die Kluft zwischen der Bezahlung in Klasse A oder B einerseits und der in Klasse D und E andererseits nicht ausgeglichen wird. Wenn man bedenkt, was eben die auswärtige Ausbildung der Kinder kostet, die der Stadtbeamte am eigenen Tisch haben kann, so ist es ungerecht, neben der um so viel geringeren Bezahlung den Land­pfarrer mit Anschlagspreisen zu be­denken, die für ihn eine wirtschaftliche R o t schaffen müssen. Es ist ein Unding, wenn es sich auch sehr schön als Erfolg von Finanzpolitik der- kirchenbehördlichen Stelle ausnimmt, daß der Geistliche oft m e h r bezahlen muh, als die Pächter des PfarrlaNdes in feiner Gemeinde, obwohl er, fernen Acker viel teurer bestellt als diese, da er eben auf fremde Arbeitskräfte angewiesen ist. Es muß gefordert werden, daß vielmehr das Pfarrgut als Ausgleichsmittel ver­wandt wird. Dazu muh sich auch eine Stimme erheben, die das bei der kommmden Tagung des Landeskirchentags ohne Scheu ausspricht. Wir hoffen dabei auf die ländlichen und städtischen LandeskirchentagSabge» vrdneten, daß sie sich nicht von den beschriebe­nen fiskalischen Beweggründen leiten lassen, son­dern ihre Stimme erheben für gerechte Behand­lung der Landpfarrer, und daß sie nickt ruhen werden, bis sie die in Betracht kommende Stelle überzeugt haben, dah die Landpfarrer auch das Gefühl haben müssen, dah sie nicht ungerecht be­handelt werden. Gerechtigkeit auch dem Lande.

Arnolds sah sie ernst an. Dann sagte er be­hutsam: .3ch weiß nicht, was 3hnen wider- fahren ist, aber glauben Sie mir, die Freiheit der Wahl macht unser Glück mcht. 3ch habe frei toahlen können und habe es getan, und Elisabeths Mutter auch. Wir haben ans geliebt, oder haben e£ wenigstens geglaubt Hnb doch haben wir das Glück nicht gefunden, ober es nicht halten können."

Sie sahen lange still nebeneinander, jeder dem anderen so nah. jeder mit dem anderen beschäf­tigt jeder in schweren Gedanken.

'Das Glück hatten, das ist freilich schwer. Der starke Mann konnte es nicht mit aller Kraft, und die zarte Frau nicht mit allem Bemühen.

Es rührte Bürgermeister Arnolds tief, daß dieses junge Weib so selbstlos nur an den Bruder Äu denken schien, alles, was sie entbehrte, ver­faß um ihm zu helfen. Sein Herz wurde weich.

' Sie werdSn Elisabeth nichts sagen," bat sie plötzlich ängstlichnicht wahr? 3hr die Habe» fangenbe:-1 nicht nehmen? Wenn ich mit Hans Diettich spreche, ist es genug... Und wäre es nicht überhaupt am besten, wenn wir jetzt ab»

Arnolds sah sie betroffen an:Abreisen? Mer warum denn? üebermorgen kommt wieder eine neue Desachsinvasion zu uns. Dann werden die jungen Leute ohnehin nicht mehr soviel und ungestört zusammen fein, und doch sich näher fertntnlernen... vorausgesetzt, daß 3hr Bruder

Samstag, 2. Juni 1923