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Nr. 102

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GiebenerFamilienblätter Monatlich« Sezoorvreife: 3400 Mark und 200Mark Trägerlohn,durch dieDost 3600Mark,auch beiNtcht- erscheinen einzelner Num> rnern infolge höherer Gewalt. Fernsprech« Anschlüsse: für dieSchrift- leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Mmelgtr Siehe«.

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Erstes Blatt

173. Zayrgang

Mittwoch, 2. Mai 1923

SietzenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

vruck vnd Verlag: vrühl'sche UniverfitSlr-Yuch- und Steinörurferei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllstratze 7.

Annahme von Anzelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 80 Mk., auswärts 100Mk.; für Re kl a me- Anzeigen von 70 mm Breite 400 MK.Bei Platz- Vorschrift 20/, Ausschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Eine Wendung im Ruhrkrieg.

AuS Mülheim cl d. R. erhalten wir dvm 1. Mai folgenden Svnderbericht:

Anter den vielen ausländischen Beobach­tern, die zur Zeit in amtlichem Auftrag im Ruhrkriegsgebiet weilen, befinden sich auch englische Sachverständige, und diese haben jetzt ihrer Regierung depeschiert, Frankreich stehe ratlos vor der Unmöglichkeit, die Kohlenaus­fuhr aus dem Ruhrgebiet weiter zu steigern. Diese Ausfuhr betrage heute ungefähr ein Drittel der Menge, die Deutschland vor dem Einbruchstermin des 11. Januar freiwillig ge­liefert habe. Wir können solchen zutteffenden Mitteilungen hinzufugen, daß dieses Drittel geraubter Kohlen den Höhepunkt der fran­zösischen Aktion darstellt, von dem eS in kur­zer Frist einen kläglichen Absturz ge­ben wird. Man schätzt, daß in 14 Tagen bis drei Wochen alles für die Franzosen zu Ende sein wird. Es ist wichttg, diesen Zeitraum im Auge zu behalten. Sollte es nämlich Poincarg Öen, das deutsche Reparationsangebvt einen diplomatischen Kniff zu sabvrie- ren, so wird er in zwei bis drei Wochen durch den völligen Zusammenbruch des Kohlenraubs gezwungen sein, doch zu verhandeln. Die Zeit arbeitet nun einmal gegen ihn. And wie kommt das? Bekanntlich sind die Franzosen überall über die hochaufgeschichteten Halden heraefal- len, und eS wird fieberhaft daran gearbeitet, die riesigen Kohlenberge abzuttagen und in die douce France, in das süße Frankreich, überzu- führen. Daher immerhin das Drittel der vor­jährigen Lieferung. Aber die französischen Offiziere, die vor den Halden als militärischer Schutz umherstelzen, bemerken bereits mit pein­licher Verwunderung, daß neue Kohlen aus den Gruben nicht mehr auf die Halden geschüt­tet werden. Zn drei bis vier Wochen sind die Halden leer wie Tennisplätze, und die Alpenjäger können darauf exerzieren.

Was ist geschehen? Seit Mitte April ist eine Wendung eingetreten. Zn aller Stille, vhne Roten und Plakate, ist in den Bergwer­ken die Hinaufbeförderung der Kohle einge­stellt worden. Die Kohlen kommen nicht mehr auf die Halden. Sie werden bei voller Weiter­zahlung der Löhne in den Gruben geschlagen, dann aber unter Tageversackt". 500 bis 700 Meter tief unter dem Erdboden, auf der 5., <6. oder 7. Sohle ist in verlassenen Strecken und Gängen Platz für ungeheure Kvhlenmassen. Die Kohle wird dort nicht hoch aufgeschüttet, sondern in flachen Haufen gela­gert. Die Lagerung ist vollständig ungefähr­lich, wenn man die üblichen Vorsichtsmaßre­geln beobachtet. Auf viele Monate hinaus lassen sich hier unterirdische Halden anlegen. Diese Halden aber sind vor den Franzosen sicher. 'Bei der unheimlichen Deutschenfurcht wagt es keiner, in die Tiefe der Bergwerke zu fahren. Da möchte doch allerlei passieren. Mit den komplizierten Fördermaschinen kön­nen sie nicht umgehen. Die geringste Anvor- sichtlgkeit würde zu einer Katastrophe führen. Wollten sie ihre Arbeiterkvlonnen dahin brin­gen, die Fahrt in die Tiefe zu wagen, so fän­den sie nirgends einen deutschen Maschinisten, der die Förderkörbe bedient. Leider ist man ja etwas verspätet auf diesen ausgezeichneten Gedanken gekommen, die Kohle in der Tiefe auf Lager zu fördern, aber noch ist es nicht zu spät. And im übrigen läuft ja auch über der Erde der Krieg um die Kohle weiter. Von den Haldenkvhlen geht bereits die massenhafte De­putatkohle ab, die in den letzten zwei Wochen von den Arbeitern fleißig eingekellert wurde. Die Franzosen Ibestehen zwar quf ihrem berüch­tigten Dekret Rr. 31, daß sich kein Kohlenfuhr­werk ohne ihre Genehmigung auf der Sttahe blicken lassen darf. Aber sie können nicht hinter jedem vollbepackten Kinderwägelchen oder Bretterkarren herlaufen. Dazu kommt, daß kein Mensch Kohlensteuer bezahlt. Die Rechnungen wurden bei der Entnahme einfach nicht direkt beglichen. Der Käufer verpflichtet sich, den Kaufpreis zu einem späteren Zeitpunkt zu ent­richten. soll heißen, an jenem Tage, da die Franzosen das stachelige Ruhrgebiet wieder verlassen haben.

Endlich ist man in den Kokereien so weit, den Betrieb vollständig abzu- drosseln. Das ist der schwerste Schlag für die Franzosen. Was von der deutschen Kvhlen- produktion noch vorhanden ist, daran wer­den sie wenig Freude haben, wenn eS wirklich bis zu den lothringischen Hütten kommt. Dieser KokS. Spezialmarke Poincare, ist eine Art Scherzartikel. Er brennt nicht. Angesichts dieser glücklichen Wendung, die der Ruhrkrieg für die deutsche Partei genommen hat, ver­steht man wohl auch dieHaltungder vier Bergarbeiterverbände, die im Ge­gensatz zu den Kommunisten vom Generalstteik abraten und den bewaffneten Franzosen ruhig

gestatten, auf die Zechenplätze zu kommen. Das ist kein Verzicht auf den passiven Widerstand, sondern einfach eine Folge der neuen Abwehr­taktik. Mögen die Franzosen mit ihrem letzten Raub abziehen. Reue Kohlen bekommen sie nicht. Die Kohle wird unter der Erde gesta­pelt. An der Einfuhr in die Gruben, an der Arbeit können sie den deutschen Bergmann nicht hindern. Oder wollen sie das ganze Ruhr­gebiet in Flammen setzen? Vor solchem Hero­stratentum wird sich Herr Pvincars doch be­sinnen!

Kölna. Rh 1. Mai. (WTB.) Die Fran­zosen haben am Sonntag die dreiDraun- kohlengruben Donatus, Liblar und Lib­lar-Concordia bei D r ü h l an der Grenze des englisch besetzten Gebiets zur Abbeförderung von Kohle militärisch besetzt. Die Beleg­schaften sind daraufhin in den Ausstand ge­treten.

Der neue deutsche Reparalions- vorschlag.

Paris, 2. Mai. (WTD.) Aach dem hier bekanntgewordenen deutschen Aepara- tivnsvorschlag, wie ihn die Schweizer Tele- phenagentur veröffentlicht, bietet die deutsche Re­gierung 30 Milliarden einschließlich aller Sachlieferungen an 2VMitliar- d e n sind sofort auf dem Wege der Anleihe zu mobilisieren, fünf weitere Milliarden in fünf Zähren, und die restliche Summe von fünf Mil­liarden drei Zahre später, als) nach acht Zähren. Wenn die beiden späteren Anleihen im Betrage v>n zehn Milliarden nicht auf dem internationalen Markt plaziert werden können, soll ein Schieds­gericht entscheiden, wie unb wann Deutschland bezahlen mutz. Dasselbe Schiedsgericht soll auch dafür zuständig sein, wenn notwendig, die Deckung der Zinsen zu' sichern und neue Anleihen zur Emission zu bringen. Seien die Alliierten mit dem, was Deutschland Vorschlä­gen toerbc, nicht einverstanden, dann hatte dieser Schiedsgerichtshof fest- zusetzen, wasDeutschlandzahlensoll. Drei Möglichkeiten seien für die Zusammensetzung dieses Schiedsgerichtshofes ins 2Iuge gefaßt wor­den. a) ein Anleihekomitee aus rnternutiona/e-i Bankiers, b) ein Komitee, wie es Staatssekretär Hughes vorgeschlagen habe, c) eine gemischte Kom­mission, umfassend neben den Mitgliedern der Reparativnskvnrmisfion eine von dem Schweizer Bundespräsidenten ernannte Persönlichkeit und einen Deutschen. Besondere Garantien für den Zinsendienst seien nicht vorgesehen. Die deutsche Regierung erkläre sich bereit, durch Gesetz die deutschen Wirtschaftskreise zu zwingen, die nötigen Garantien zu leisten. Die Form und die Art der Garantien könnten den Gegenstand weiterer Be­ratungen bilden. Militärische Garantien: Deutschland schlägt einen Pakt vor, der die Integrität aller Signatar­mächte sicher st ellt. Die Modalitäten dieses Paktes seien eventuell durch einen internationalen Gerichtshof zu bestimmen. Räumung des Ruhr­gebiets: Die deutsche Regierung seht voraus, daß das rechtsrheinische 31 fer ge­räumt wird nach Abschluß der Ber- handlungen.

Wie die Berliner Blätter mitteilen, wirb der Reichskanzler den Parteiführern bereits am Mittwoch vormittag den Inhalt der deut­schen Rote bekanntgeben. Aach den letzten Informationen hat Finanzminister Dr. Hermes an der Fertigstellung der Aote teilgenommen.

Wie dieBoss. Ztg." melden zu können glaubt, sei in Frankreich ein gewisser 31 m s ch w u n g eingetceten in bezug auf die ftan- zösische Haltung zu der deutschen Aote, denn die von Frankreich angekündigte Aote an die Alliierten, daß als Vorbedingung für die Ver­handlungen der deutsche passive Widerstand ein­gestellt weiden müsse, sei bisher nicht abgegangen und nach einer Mitteilung des Quai d'Orsay sei es nicht sicher, ob sie überhaupt abgehen werde. Aach Ansicht derVoss. Ztg." ist dieser Umschwung in der französischen Haltung auf die neuerliche Annäherung Belgiens an England zurückzuführen.

Berlin, 1. Mai. (WTB.) Wie den Blät­tern mit gefeilt wird, wurden, morgens von 10 Uhr ab vom Reichskanzler die Parteifüh­rer unterrichtet, und zwar zunächst die sozial­demokratischen, um 11 Uhr die deutschnationalen, um 12 Uhr diejenigen der Arbeitsgemeinschaft. Um 3 Uhr findet die Besprechung des Reichs­kanzlers mit den Minister- und Staatspräsidenten der Länder statt. Im Laufe des morgigen Vormittags wird die Aote überall den alliierten Regierungen überreicht.

Die vorsichtige englische Politik.

London, 30. April (WB) Unterhaus. Auf die Frage des Arbeitermitgliedes Treve- l y a n. aus welchen Gründen einigen deutschen Damen, die eingeladen waren, aus dem Ruhr- gebiet nach England zu kommen, um über die Verhältnisse im neubrsehten Gebiet Mitteilung zu machen, das englische Visum verweigert worden sei. erklärte der Minister des Innern, datz er es gerade im jetzigen Augenblick nicht für würrschenswert gehalten habe, diese Damen nach England zu senden.

Die Vorgänge ans dem Dcvise»markt.

Berlin. 1. Mai. (WTB.) Die Parteien der Arbeitsgemeinschaft haben im Reichs­tag eine Interpellation ein gebracht, in der

die Reichsregierung um Auskunft über die Gründe des Marksturzes ersucht wird. Insbesondere wird auch die Frage gestellt, ob von inländischer Seite auf diesen Marksturz vor­sätzlich oder fahrlässig hingearbeitet worden ist und welche Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenkt, um ähnlichen Ereignissen in Zukunft vcrzubeugen.

Die Ausführung der deutschen Handelsverträge.

Berlin, 30. April. (WTB.) Wie wir er­fahren, hat die Reichsregierung auf Grund von Verhandlungen mit mehreren am Ruhrein­bruch nicht beteiligten Mächten eine Regelung getroffen, die trotz der rechtswidrig erlassenen französischen Aus- und Einsuhrvor- schriften die Ausführung der Handelsverträge ermöglicht, die zwischen Firmen in Deutschland und Angehörigen der am Ruhreinbruch nicht beteilig­ten Staaten vor dem 20. Februar abgeschlossen wurden. Voraussetzung für die Aeuregelung ist, datz die nach den deutschen Vorschriften etwa erforderliche Genehmigung des Reichskommissars für Ein- und Ausfuhrbewilligungen vvrliegt. Unter dieser Voraussetzung ist in Deutschland an­sässigen Firmen im Rahmen der vor dem 20. Fe­bruar abgeschlossenen Handelsverträge gestattet, Waren zu liefern oder anzunehmen, auch wenn der ausländische Dertragsgegner sich wegen der Aus- oder Einfuhr an die Besatzungsbehörden wendet. Den in Deutschland ansässigen Firmen ist e3 aber nach wie vor untersagt, mit den französischen Ein- und Aussuhrstellen zusammen» zuarbeiten. Die Aeuregelung stellt eine Ausnahme für eine zeitlich beschränkte Anzahl von Handels­verträgen dar und wurde mit Rücksicht auf den ausländischen Handel zugelassen, der feste Verträge mit der deutschen Wirtschaft abge­schlossen hatte, bevor die Freiheit des Handels­verkehrs durch den rechtswidrigen französischen Eingriff gestört wurde.

Verhaftung des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach.

Essen, 1.Mai. lWTB.) In der Unter- suchungssache gegen oie Direktoren der Kruppwerke hatte der ftanzösische Unter» suchungsrichter Herrn Krupp von Bohlen u^d .Hahlbach borgeladen, um ihn als Zeugen zu vernehmen. Bohlen hatte, um der Vorladung Folge zu leisten, seinen Aufenthalt in Berlin, wo er zwecks Teilnahme an den Sitzungen des preußischen Staatsrats an wichtigen geschäftlichen Besprechungen weilte, vorzeitig abgebrochen und sich heute vormittag beim französischen Unter» suchungsrichter eingefunden. Aach kurzem Verhör erklärte ihm der Untersuchungsrichter, datz er verhaf tet sei.

Essen, 1. Mai. (WTB.) Die Verhand­lungen gegen die Kruppdirektoren fin­den am Freitag und Samstag dieser Woche statt.

Der Prozeß gegen die Direktoren der Hcrnrichshütte.

Hattingen, 1. Mai. (WTB.) Vor dem Kriegsgericht der 40. französischen Infan­teriedivision hat heute mittag der Prozeß gegen die Direktoren der Heinrichs- Hütte in Hattingen begonnen, der deshalb be­sonderes Interesse beansprucht, weil ihm zum Teil ähnliche Vorkommnisse zugrunde liegen wie dem bevorstehenden Prozesse gegen die Direktoren der Firma Krupp. Die Heinrichshütte ist heute von den Franzosen als Zollgrenze beseht. Von der auf dem nördlichen Ufer gelegenen Hütte wird aus einer Seilbahn der Schutt der Zeche, Kohlen usw. nach dem Südufer zur ZecheFriedlicher Aachbar" transportiert. Am 26. März wurde dieser Transport auf eine Anordnung der Direk­tion eingestellt. Am Karsamstag erschienen mor­gens zwei französische Ingenieure auf der Hütte mit einer militärischen Bedeckung von etwa 150 Mann mit kriegsmätziger Ausrüstung. Die In­genieure verlangten die Direktoren zu sprechen. Wie ihn ähnlichen Fällen, in denen eine mili­tärische Besetzung von Werksanlagen erfolgte, strömten auch hier die Arbeiter und Angestellten herbei. Ein Arbeiter zog die Sirene und alsbald war die Belegschaft auf dem großen Werkplah versammelt. Die Direktoren Zager und Zöllner, die sich zu dieser Zeit im Innern des Werkes befanden, begaben sich nach ihrem Bureau und eTnpftngen dort die beiden Ingenieure. Aach der Unterredung äußerten diese ihre Besorgnis, die Unterredung äußerten diese ihr Besorgnis, die sprachen beide Direttoren beruhigend auf die Menge ein und begleiteten die Ingenieure bts ans Tor. W-egen dieser Vorgänge sollten die beiden Direktoren verhaftet werden. Da sie sich aber auf einer Geschäftsreise befanden, wurde an ihrer Stelle der Bureauchef der Einkaufsabteilung, der Prokurist Heinicke, verhaftet. Der Angeklagte H e i n i ck e bestreitet die Schuld. Die Leute hätten sich versammelt, weil sie etwas Außergewöhnliches vermutet hatten. Unter anderen Zeugen wurden auch die Mitglieder des Betriebsrats ver­nommen, die sich in gleichem Sinne aussprachen. Die Arbeiterschaft habe sich erst aufgeregt, als die beiden Direktoren mit den Ingenieuren her­auskamen, da sie an die Verhaftung der Direk­teren geglaubt habe.

Ausweisung eines Geistlichen.

Buer, 1. Mai. (WTD.) Der von den Franzosen verhaftete und auSgewie- sene Vikar Sielko warnte am Sonntag morgen in seiner Predigtdie Zuhörer vor

einer Annäherung an die Franzosen. Del französische DivisionSpfarrer, del die Ausführungen angehört hatte, veranlaßte darauf, wie dieRheinisch-Westfälische Zei­tung meldet, die Benachrichtigung deS kom­mandierenden Generals In Recklinghausen, der die Ausweisung verfügte.

Die Behandlung der Gefangenen.

Berlin, 30. April. (Priv -Tel.) Der .Lokcck- anzeiger" entnimmt einem Briefe des Gene­rals von Mudra, datz er während der Haft wie ein Schwerverbrecher behandelt worden ist. Dte Zelle starrte von ekelhaftem Schmutz. Wasser fei nur in ganz unzulänglicher Weise erreichbar gewesen. Die Nahrung sei der Sträflmgskost gleichgekommen.

Die Arbeit der belgisch-französischen (Kisenbahnregie.

Paris, 1. Mai. (WB.) Aach einer HavaS Meldung aus Düsseldorf betrugen dte Einnahmen derfranzösisch-belgischenEifenbahn- r e g i e in der vergangenen Woche 325 Millionen Mark. Die Havasmeldung übergeht hierbei dte Tatsache, datz die Tarife unter der Regie Er­höhungen erfahren haben, die nach einer vom Temps" veröffentlichten Meldung an den Ein­nahmen mit 50 Prozent beteiligt ftnd.

Zusammenstöße in Bochum.

Bochum, 1. Mai. (WTB.) Hier kam eS in der Nacht zum 30. April im Stadtparkvier­tel zu Z u f a m m e n st ö ß e n zwischen Mit­gliedern einer kommunistischen Hun­dertschaft und Strahenpassanten, die nach Waffen durchsucht wurden. Infolge der Besetzung der Feuermelder durch die Kom­munisten konnte die Feuerwehr nicht rechtzeittg herbeigeholt werden.

Eiu neuer Mord.

B o ch u m, 1. Mai. (WTB.) Zn der Nach! zum 1. Mai wurde an der Eisenbahnüberfüh­rung in Altenbvchum ein Zivilist, der sich mit mehreren Personen auf dem Nachhause­wege befand, von einem französischen Posten ohne jeden Grund ange- schossen und so schwer verletzt, daß an seinem Auftommen gezweifelt wird.

75 Millionen Geldbuße für die Stadt Duisburg.

Düsseldorf, 1. Mai. (WTB.) Wegen angeblicher Sabotagehandlungen an Tele­phonleitungen ist die Stadt Duisburg von den Belgiern mit einer Sttafe von 7 5 Mil­lionen Mark oder 3571 Dollar belegt wor­den. Der stellvertretende Regierungspräsident Lutterbeck protestierte gegen diese Maßnahme.

Die Reparationskommission über die

deutschen Sachlieferungen.

Berlin, 1. Mai. (WTB.) Die Repara­tionskommission hat jetzt die Zahlen über die Gutschriften für die Sachlieferun­gen Deuts chlands an die alliierten Staa­ten im Zahre 1922 sowie über die Aufträge veröffentlicht, welche diese Staaten durch di.' Re- parationskommission Deutschland übergebe -, lictzen. Die Gutschriften betragen danach rund 696 Mil­lionen Goldmark, während Aufträge für ins­gesamt 858 Millionen Goldmart erteilt worden sein sollen. Ob diese Zahlen zutreffend sind, ins­besondere ob die gutgeschriebenen Beträge den Vorschriften des Versailler Vertrages und den besonderen Vereinbarungen und Lieferungsver­trägen entsprechen, mutz einstweilen dahingestellt bleiben, bis die Zahlen im einzelnen einer Nach­prüfung unterzogen worden sind. Durch die Gegen­überstellung der Bestellungen, die von den alliier­ten Staaten bei Deutschland 1922 gemacht wvrd«i sind, mit den tatsächlich bewirkten Leistungen Deutschlands scheint man den Eindruck erwecken zu wollen, als ob Deutschland seinen Derpflich- tungen nicht voll nachgekommen sei. Ein solcher Beweis ist aber aus den veröffentlichten Zahlen gar nicht zu führen, da viele Bestellungen, wie z. B. Schiffslieferungen, komplette Maschinen usw., die 1922 angefordert worden sind, im vergan­genen Zahre gar nicht mehr her gestellt bzw. geliefert werden konnten. Die Gutschrift für oas Zahr 1922 war infolgedessen gar nicht möglich. Datz bei einigen Artibeln, wie Kohlen und Holz, Deutschland nicht die gesamten Aufttäge des Zahres 1922 erfüllen konnte, ist bekannt, es ist aber auch bekannt, datz dafür Umftänbe maß­gebend gewesen sind, für die die deutsche Regie­rung nicht verantwortlich gemacht werden kann. Es ist ferner bekannt, wie verhältnismäßig gering der Wert dieser Lieferungen gewesen ist, um die Deutschland hinter den Forderungen der Alliier­ten zurückgeblieben ist. 3m übrigen zeigen die von der Reparationskommission veröffentlichten Zahlen wiederum, datz Deutschland die Annuität der Staaten außer Frankreich fast restlos er­füllte. Wenn Frankreich auf seine Annuität von 950 Millionen Goldmark mir einen Bruchteil in Lieferungen erhalten hat. ist das nicht Deutsch­lands Schuld. Die französische Regierung hätte im Laufe des Zahres 1922 wesentlich höhere Sach­leistungen beziehen können; von dieser Möglich­keit hat sie aus eigener Entschließung keinen Gebrauch gemacht.