Nr. 102
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Erstes Blatt
173. Zayrgang
Mittwoch, 2. Mai 1923
SietzenerAiizeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
vruck vnd Verlag: vrühl'sche UniverfitSlr-Yuch- und Steinörurferei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllstratze 7.
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Eine Wendung im Ruhrkrieg.
AuS Mülheim cl d. R. erhalten wir dvm 1. Mai folgenden Svnderbericht:
Anter den vielen ausländischen Beobachtern, die zur Zeit in amtlichem Auftrag im Ruhrkriegsgebiet weilen, befinden sich auch englische Sachverständige, und diese haben jetzt ihrer Regierung depeschiert, Frankreich stehe ratlos vor der Unmöglichkeit, die Kohlenausfuhr aus dem Ruhrgebiet weiter zu steigern. Diese Ausfuhr betrage heute ungefähr ein Drittel der Menge, die Deutschland vor dem Einbruchstermin des 11. Januar freiwillig geliefert habe. Wir können solchen zutteffenden Mitteilungen hinzufugen, daß dieses Drittel geraubter Kohlen den Höhepunkt der französischen Aktion darstellt, von dem eS in kurzer Frist einen kläglichen Absturz geben wird. Man schätzt, daß in 14 Tagen bis drei Wochen alles für die Franzosen zu Ende sein wird. Es ist wichttg, diesen Zeitraum im Auge zu behalten. Sollte es nämlich Poincarg Öen, das deutsche Reparationsangebvt einen diplomatischen Kniff zu sabvrie- ren, so wird er in zwei bis drei Wochen durch den völligen Zusammenbruch des Kohlenraubs gezwungen sein, doch zu verhandeln. Die Zeit arbeitet nun einmal gegen ihn. And wie kommt das? Bekanntlich sind die Franzosen überall über die hochaufgeschichteten Halden heraefal- len, und eS wird fieberhaft daran gearbeitet, die riesigen Kohlenberge abzuttagen und in die douce France, in das süße Frankreich, überzu- führen. Daher immerhin das Drittel der vorjährigen Lieferung. Aber die französischen Offiziere, die vor den Halden als militärischer Schutz umherstelzen, bemerken bereits mit peinlicher Verwunderung, daß neue Kohlen aus den Gruben nicht mehr auf die Halden geschüttet werden. Zn drei bis vier Wochen sind die Halden leer wie Tennisplätze, und die Alpenjäger können darauf exerzieren.
Was ist geschehen? Seit Mitte April ist eine Wendung eingetreten. Zn aller Stille, vhne Roten und Plakate, ist in den Bergwerken die Hinaufbeförderung der Kohle eingestellt worden. Die Kohlen kommen nicht mehr auf die Halden. Sie werden bei voller Weiterzahlung der Löhne in den Gruben geschlagen, dann aber unter Tage „versackt". 500 bis 700 Meter tief unter dem Erdboden, auf der 5., <6. oder 7. Sohle ist in verlassenen Strecken und Gängen Platz für ungeheure Kvhlenmassen. Die Kohle wird dort nicht hoch aufgeschüttet, sondern in flachen Haufen gelagert. Die Lagerung ist vollständig ungefährlich, wenn man die üblichen Vorsichtsmaßregeln beobachtet. Auf viele Monate hinaus lassen sich hier unterirdische Halden anlegen. Diese Halden aber sind vor den Franzosen sicher. 'Bei der unheimlichen Deutschenfurcht wagt es keiner, in die Tiefe der Bergwerke zu fahren. Da möchte doch allerlei passieren. Mit den komplizierten Fördermaschinen können sie nicht umgehen. Die geringste Anvor- sichtlgkeit würde zu einer Katastrophe führen. Wollten sie ihre Arbeiterkvlonnen dahin bringen, die Fahrt in die Tiefe zu wagen, so fänden sie nirgends einen deutschen Maschinisten, der die Förderkörbe bedient. Leider ist man ja etwas verspätet auf diesen ausgezeichneten Gedanken gekommen, die Kohle in der Tiefe auf Lager zu fördern, aber noch ist es nicht zu spät. And im übrigen läuft ja auch über der Erde der Krieg um die Kohle weiter. Von den Haldenkvhlen geht bereits die massenhafte Deputatkohle ab, die in den letzten zwei Wochen von den Arbeitern fleißig eingekellert wurde. Die Franzosen Ibestehen zwar quf ihrem berüchtigten Dekret Rr. 31, daß sich kein Kohlenfuhrwerk ohne ihre Genehmigung auf der Sttahe blicken lassen darf. Aber sie können nicht hinter jedem vollbepackten Kinderwägelchen oder Bretterkarren herlaufen. Dazu kommt, daß kein Mensch Kohlensteuer bezahlt. Die Rechnungen wurden bei der Entnahme einfach nicht direkt beglichen. Der Käufer verpflichtet sich, den Kaufpreis zu einem späteren Zeitpunkt zu entrichten. soll heißen, an jenem Tage, da die Franzosen das stachelige Ruhrgebiet wieder verlassen haben.
Endlich ist man in den Kokereien so weit, den Betrieb vollständig abzu- drosseln. Das ist der schwerste Schlag für die Franzosen. Was von der deutschen Kvhlen- produktion noch vorhanden ist, daran werden sie wenig Freude haben, wenn eS wirklich bis zu den lothringischen Hütten kommt. Dieser KokS. Spezialmarke Poincare, ist eine Art Scherzartikel. Er brennt nicht. Angesichts dieser glücklichen Wendung, die der Ruhrkrieg für die deutsche Partei genommen hat, versteht man wohl auch dieHaltungder vier Bergarbeiterverbände, die im Gegensatz zu den Kommunisten vom Generalstteik abraten und den bewaffneten Franzosen ruhig
gestatten, auf die Zechenplätze zu kommen. Das ist kein Verzicht auf den passiven Widerstand, sondern einfach eine Folge der neuen Abwehrtaktik. Mögen die Franzosen mit ihrem letzten Raub abziehen. Reue Kohlen bekommen sie nicht. Die Kohle wird unter der Erde gestapelt. An der Einfuhr in die Gruben, an der Arbeit können sie den deutschen Bergmann nicht hindern. Oder wollen sie das ganze Ruhrgebiet in Flammen setzen? Vor solchem Herostratentum wird sich Herr Pvincars doch besinnen!
Kölna. Rh„ 1. Mai. (WTB.) Die Franzosen haben am Sonntag die dreiDraun- kohlengruben Donatus, Liblar und Liblar-Concordia bei D r ü h l an der Grenze des englisch besetzten Gebiets zur Abbeförderung von Kohle militärisch besetzt. Die Belegschaften sind daraufhin in den Ausstand getreten.
Der neue deutsche Reparalions- vorschlag.
Paris, 2. Mai. (WTD.) Aach dem hier bekanntgewordenen deutschen Aepara- tivnsvorschlag, wie ihn die Schweizer Tele- phenagentur veröffentlicht, bietet die deutsche Regierung 30 Milliarden einschließlich aller Sachlieferungen an 2VMitliar- d e n sind sofort auf dem Wege der Anleihe zu mobilisieren, fünf weitere Milliarden in fünf Zähren, und die restliche Summe von fünf Milliarden drei Zahre später, als) nach acht Zähren. Wenn die beiden späteren Anleihen im Betrage v>n zehn Milliarden nicht auf dem internationalen Markt plaziert werden können, soll ein Schiedsgericht entscheiden, wie unb wann Deutschland bezahlen mutz. Dasselbe Schiedsgericht soll auch dafür zuständig sein, wenn notwendig, die Deckung der Zinsen zu' sichern und neue Anleihen zur Emission zu bringen. Seien die Alliierten mit dem, was Deutschland Vorschlägen toerbc, nicht einverstanden, dann hatte dieser Schiedsgerichtshof fest- zusetzen, wasDeutschlandzahlensoll. Drei Möglichkeiten seien für die Zusammensetzung dieses Schiedsgerichtshofes ins 2Iuge gefaßt worden. a) ein Anleihekomitee aus rnternutiona/e-i Bankiers, b) ein Komitee, wie es Staatssekretär Hughes vorgeschlagen habe, c) eine gemischte Kommission, umfassend neben den Mitgliedern der Reparativnskvnrmisfion eine von dem Schweizer Bundespräsidenten ernannte Persönlichkeit und einen Deutschen. Besondere Garantien für den Zinsendienst seien nicht vorgesehen. Die deutsche Regierung erkläre sich bereit, durch Gesetz die deutschen Wirtschaftskreise zu zwingen, die nötigen Garantien zu leisten. Die Form und die Art der Garantien könnten den Gegenstand weiterer Beratungen bilden. Militärische Garantien: Deutschland schlägt einen Pakt vor, der die Integrität aller Signatarmächte sicher st ellt. Die Modalitäten dieses Paktes seien eventuell durch einen internationalen Gerichtshof zu bestimmen. Räumung des Ruhrgebiets: Die deutsche Regierung seht voraus, daß das rechtsrheinische 31 fer geräumt wird nach Abschluß der Ber- handlungen.
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Wie die Berliner Blätter mitteilen, wirb der Reichskanzler den Parteiführern bereits am Mittwoch vormittag den Inhalt der deutschen Rote bekanntgeben. Aach den letzten Informationen hat Finanzminister Dr. Hermes an der Fertigstellung der Aote teilgenommen.
Wie die „Boss. Ztg." melden zu können glaubt, sei in Frankreich ein gewisser 31 m s ch w u n g eingetceten in bezug auf die ftan- zösische Haltung zu der deutschen Aote, denn die von Frankreich angekündigte Aote an die Alliierten, daß als Vorbedingung für die Verhandlungen der deutsche passive Widerstand eingestellt weiden müsse, sei bisher nicht abgegangen und nach einer Mitteilung des Quai d'Orsay sei es nicht sicher, ob sie überhaupt abgehen werde. Aach Ansicht der „Voss. Ztg." ist dieser Umschwung in der französischen Haltung auf die neuerliche Annäherung Belgiens an England zurückzuführen.
Berlin, 1. Mai. (WTB.) Wie den Blättern mit gefeilt wird, wurden, morgens von 10 Uhr ab vom Reichskanzler die Parteiführer unterrichtet, und zwar zunächst die sozialdemokratischen, um 11 Uhr die deutschnationalen, um 12 Uhr diejenigen der Arbeitsgemeinschaft. Um 3 Uhr findet die Besprechung des Reichskanzlers mit den Minister- und Staatspräsidenten der Länder statt. Im Laufe des morgigen Vormittags wird die Aote überall den alliierten Regierungen überreicht.
Die vorsichtige englische Politik.
London, 30. April (WB) Unterhaus. Auf die Frage des Arbeitermitgliedes Treve- l y a n. aus welchen Gründen einigen deutschen Damen, die eingeladen waren, aus dem Ruhr- gebiet nach England zu kommen, um über die Verhältnisse im neubrsehten Gebiet Mitteilung zu machen, das englische Visum verweigert worden sei. erklärte der Minister des Innern, datz er es gerade im jetzigen Augenblick nicht für würrschenswert gehalten habe, diese Damen nach England zu senden.
Die Vorgänge ans dem Dcvise»markt.
Berlin. 1. Mai. (WTB.) Die Parteien der Arbeitsgemeinschaft haben im Reichstag eine Interpellation ein gebracht, in der
die Reichsregierung um Auskunft über die Gründe des Marksturzes ersucht wird. Insbesondere wird auch die Frage gestellt, ob von inländischer Seite auf diesen Marksturz vorsätzlich oder fahrlässig hingearbeitet worden ist und welche Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenkt, um ähnlichen Ereignissen in Zukunft vcrzubeugen.
Die Ausführung der deutschen Handelsverträge.
Berlin, 30. April. (WTB.) Wie wir erfahren, hat die Reichsregierung auf Grund von Verhandlungen mit mehreren am Ruhreinbruch nicht beteiligten Mächten eine Regelung getroffen, die trotz der rechtswidrig erlassenen französischen Aus- und Einsuhrvor- schriften die Ausführung der Handelsverträge ermöglicht, die zwischen Firmen in Deutschland und Angehörigen der am Ruhreinbruch nicht beteiligten Staaten vor dem 20. Februar abgeschlossen wurden. Voraussetzung für die Aeuregelung ist, datz die nach den deutschen Vorschriften etwa erforderliche Genehmigung des Reichskommissars für Ein- und Ausfuhrbewilligungen vvrliegt. Unter dieser Voraussetzung ist in Deutschland ansässigen Firmen im Rahmen der vor dem 20. Februar abgeschlossenen Handelsverträge gestattet, Waren zu liefern oder anzunehmen, auch wenn der ausländische Dertragsgegner sich wegen der Aus- oder Einfuhr an die Besatzungsbehörden wendet. Den in Deutschland ansässigen Firmen ist e3 aber nach wie vor untersagt, mit den französischen Ein- und Aussuhrstellen zusammen» zuarbeiten. Die Aeuregelung stellt eine Ausnahme für eine zeitlich beschränkte Anzahl von Handelsverträgen dar und wurde mit Rücksicht auf den ausländischen Handel zugelassen, der feste Verträge mit der deutschen Wirtschaft abgeschlossen hatte, bevor die Freiheit des Handelsverkehrs durch den rechtswidrigen französischen Eingriff gestört wurde.
Verhaftung des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach.
Essen, 1.Mai. lWTB.) In der Unter- suchungssache gegen oie Direktoren der Kruppwerke hatte der ftanzösische Unter» suchungsrichter Herrn Krupp von Bohlen u^d .Hahlbach borgeladen, um ihn als Zeugen zu vernehmen. Bohlen hatte, um der Vorladung Folge zu leisten, seinen Aufenthalt in Berlin, wo er zwecks Teilnahme an den Sitzungen des preußischen Staatsrats an wichtigen geschäftlichen Besprechungen weilte, vorzeitig abgebrochen und sich heute vormittag beim französischen Unter» suchungsrichter eingefunden. Aach kurzem Verhör erklärte ihm der Untersuchungsrichter, datz er verhaf tet sei.
Essen, 1. Mai. (WTB.) Die Verhandlungen gegen die Kruppdirektoren finden am Freitag und Samstag dieser Woche statt.
Der Prozeß gegen die Direktoren der Hcrnrichshütte.
Hattingen, 1. Mai. (WTB.) Vor dem Kriegsgericht der 40. französischen Infanteriedivision hat heute mittag der Prozeß gegen die Direktoren der Heinrichs- Hütte in Hattingen begonnen, der deshalb besonderes Interesse beansprucht, weil ihm zum Teil ähnliche Vorkommnisse zugrunde liegen wie dem bevorstehenden Prozesse gegen die Direktoren der Firma Krupp. Die Heinrichshütte ist heute von den Franzosen als Zollgrenze beseht. Von der auf dem nördlichen Ufer gelegenen Hütte wird aus einer Seilbahn der Schutt der Zeche, Kohlen usw. nach dem Südufer zur Zeche „Friedlicher Aachbar" transportiert. Am 26. März wurde dieser Transport auf eine Anordnung der Direktion eingestellt. Am Karsamstag erschienen morgens zwei französische Ingenieure auf der Hütte mit einer militärischen Bedeckung von etwa 150 Mann mit kriegsmätziger Ausrüstung. Die Ingenieure verlangten die Direktoren zu sprechen. Wie ihn ähnlichen Fällen, in denen eine militärische Besetzung von Werksanlagen erfolgte, strömten auch hier die Arbeiter und Angestellten herbei. Ein Arbeiter zog die Sirene und alsbald war die Belegschaft auf dem großen Werkplah versammelt. Die Direktoren Zager und Zöllner, die sich zu dieser Zeit im Innern des Werkes befanden, begaben sich nach ihrem Bureau und eTnpftngen dort die beiden Ingenieure. Aach der Unterredung äußerten diese ihre Besorgnis, die Unterredung äußerten diese ihr Besorgnis, die sprachen beide Direttoren beruhigend auf die Menge ein und begleiteten die Ingenieure bts ans Tor. W-egen dieser Vorgänge sollten die beiden Direktoren verhaftet werden. Da sie sich aber auf einer Geschäftsreise befanden, wurde an ihrer Stelle der Bureauchef der Einkaufsabteilung, der Prokurist Heinicke, verhaftet. Der Angeklagte H e i n i ck e bestreitet die Schuld. Die Leute hätten sich versammelt, weil sie etwas Außergewöhnliches vermutet hatten. Unter anderen Zeugen wurden auch die Mitglieder des Betriebsrats vernommen, die sich in gleichem Sinne aussprachen. Die Arbeiterschaft habe sich erst aufgeregt, als die beiden Direktoren mit den Ingenieuren herauskamen, da sie an die Verhaftung der Direkteren geglaubt habe.
Ausweisung eines Geistlichen.
Buer, 1. Mai. (WTD.) Der von den Franzosen verhaftete und auSgewie- sene Vikar Sielko warnte am Sonntag morgen in seiner Predigtdie Zuhörer vor
einer Annäherung an die Franzosen. Del französische DivisionSpfarrer, del die Ausführungen angehört hatte, veranlaßte darauf, wie die „Rheinisch-Westfälische Zeitung meldet, die Benachrichtigung deS kommandierenden Generals In Recklinghausen, der die Ausweisung verfügte.
Die Behandlung der Gefangenen.
Berlin, 30. April. (Priv -Tel.) Der .Lokcck- anzeiger" entnimmt einem Briefe des Generals von Mudra, datz er während der Haft wie ein Schwerverbrecher behandelt worden ist. Dte Zelle starrte von ekelhaftem Schmutz. Wasser fei nur in ganz unzulänglicher Weise erreichbar gewesen. Die Nahrung sei der Sträflmgskost gleichgekommen.
Die Arbeit der belgisch-französischen (Kisenbahnregie.
Paris, 1. Mai. (WB.) Aach einer HavaS Meldung aus Düsseldorf betrugen dte Einnahmen derfranzösisch-belgischenEifenbahn- r e g i e in der vergangenen Woche 325 Millionen Mark. Die Havasmeldung übergeht hierbei dte Tatsache, datz die Tarife unter der Regie Erhöhungen erfahren haben, die nach einer vom „Temps" veröffentlichten Meldung an den Einnahmen mit 50 Prozent beteiligt ftnd.
Zusammenstöße in Bochum.
Bochum, 1. Mai. (WTB.) Hier kam eS in der Nacht zum 30. April im Stadtparkviertel zu Z u f a m m e n st ö ß e n zwischen Mitgliedern einer kommunistischen Hundertschaft und Strahenpassanten, die nach Waffen durchsucht wurden. Infolge der Besetzung der Feuermelder durch die Kommunisten konnte die Feuerwehr nicht rechtzeittg herbeigeholt werden.
Eiu neuer Mord.
B o ch u m, 1. Mai. (WTB.) Zn der Nach! zum 1. Mai wurde an der Eisenbahnüberführung in Altenbvchum ein Zivilist, der sich mit mehreren Personen auf dem Nachhausewege befand, von einem französischen Posten ohne jeden Grund ange- schossen und so schwer verletzt, daß an seinem Auftommen gezweifelt wird.
75 Millionen Geldbuße für die Stadt Duisburg.
Düsseldorf, 1. Mai. (WTB.) Wegen angeblicher Sabotagehandlungen an Telephonleitungen ist die Stadt Duisburg von den Belgiern mit einer Sttafe von 7 5 Millionen Mark oder 3571 Dollar belegt worden. Der stellvertretende Regierungspräsident Lutterbeck protestierte gegen diese Maßnahme.
Die Reparationskommission über die
deutschen Sachlieferungen.
Berlin, 1. Mai. (WTB.) Die Reparationskommission hat jetzt die Zahlen über die Gutschriften für die Sachlieferungen Deuts chlands an die alliierten Staaten im Zahre 1922 sowie über die Aufträge veröffentlicht, welche diese Staaten durch di.' Re- parationskommission Deutschland übergebe -, lictzen. Die Gutschriften betragen danach rund 696 Millionen Goldmark, während Aufträge für insgesamt 858 Millionen Goldmart erteilt worden sein sollen. Ob diese Zahlen zutreffend sind, insbesondere ob die gutgeschriebenen Beträge den Vorschriften des Versailler Vertrages und den besonderen Vereinbarungen und Lieferungsverträgen entsprechen, mutz einstweilen dahingestellt bleiben, bis die Zahlen im einzelnen einer Nachprüfung unterzogen worden sind. Durch die Gegenüberstellung der Bestellungen, die von den alliierten Staaten bei Deutschland 1922 gemacht wvrd«i sind, mit den tatsächlich bewirkten Leistungen Deutschlands scheint man den Eindruck erwecken zu wollen, als ob Deutschland seinen Derpflich- tungen nicht voll nachgekommen sei. Ein solcher Beweis ist aber aus den veröffentlichten Zahlen gar nicht zu führen, da viele Bestellungen, wie z. B. Schiffslieferungen, komplette Maschinen usw., die 1922 angefordert worden sind, im vergangenen Zahre gar nicht mehr her gestellt bzw. geliefert werden konnten. Die Gutschrift für oas Zahr 1922 war infolgedessen gar nicht möglich. Datz bei einigen Artibeln, wie Kohlen und Holz, Deutschland nicht die gesamten Aufttäge des Zahres 1922 erfüllen konnte, ist bekannt, es ist aber auch bekannt, datz dafür Umftänbe maßgebend gewesen sind, für die die deutsche Regierung nicht verantwortlich gemacht werden kann. Es ist ferner bekannt, wie verhältnismäßig gering der Wert dieser Lieferungen gewesen ist, um die Deutschland hinter den Forderungen der Alliierten zurückgeblieben ist. 3m übrigen zeigen die von der Reparationskommission veröffentlichten Zahlen wiederum, datz Deutschland die Annuität der Staaten außer Frankreich fast restlos erfüllte. Wenn Frankreich auf seine Annuität von 950 Millionen Goldmark mir einen Bruchteil in Lieferungen erhalten hat. ist das nicht Deutschlands Schuld. Die französische Regierung hätte im Laufe des Zahres 1922 wesentlich höhere Sachleistungen beziehen können; von dieser Möglichkeit hat sie aus eigener Entschließung keinen Gebrauch gemacht.


