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175. Jahrgang

Dienstag, 2. Januar 1923

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

vruS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Stelndruckerel H. Lange in Gießen. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Sreis für 1 mm höhe für nzeigenv 27 mm Breite örtlich 20 Mk., auswärts 25 Mk.; für fRehi ame« Anzeigen von 70 mm Breitel 00 MK.Bci Platz, Vorschrift 2CAufschlag Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Vlumfchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Zum Beginn der Pariser Konferenz.

Pari». 1. 3an. (WTB.) Havas. Donar ÄNv imb Lord Curzon haben wahrscheinlich heute «noch mit Poincar^ eine Vorberatung über die Reparationsfrage. Sie haben sich mit ihm über die bisherigen Ergebnisse der Lausanner Konfe­renz ausgesprochen. Die Pariser Konseren,; wird zweifellos erst am Dienstag nachmittag beginnen. *xs morgen im Clysss ein Ministerrat stattfindet. Für Dienstag abend hat Poincarö die alliierten Delegierten zu einem Diner ins Ministerium des Äeuhern geladen.

Ein deutscher Schritt in Paris.

Paris. 1. 3arc. (WTB.) Der deutsche Botschafter Dr. Mayer sprach heute namens der rutschen Regierung am Quai d'Orsay vor, um die französische Regierung offiziell zu ersuchen, dem morgen vormittag hier eintrefsenden Staats- sekretär a. D. Bergmann Gelegenheit zu geben, be neuen deutschen Reparations­plan dec alliierten Konferenz zu unterbreiten und vor ihr mündlich zu erläutern.

Staatssekretär Hughes über das Reparationsproblem.

Rew Haven, 30. Dez. (WTB.) In einer Rede vor einer Versammlung der amerikanischen I historischen Gesellschaft regte Hughes an, die Regelung des Re pa ra t i o n s p r vb l ems solle in der Weise vorgenommen werden, dah es der politischen Behandlung entzogen und einem Sonderausschuß von Sachverständigen ver­schiedener Rationalitäten überwiesen werde, deren Ergebnisse von den verschiedenen Rationen nach ihrem eigenen Ermessen verwandt werden konnten. Das tiefgehende Interesse Amerikas an der Regelung der europäischen Wirtschaftsfrage sei hervorgegangen aus den schädlichen Fol­gen der gegenwärtigen Verhältnisse für das amerikanische Geschäftsleben und aus Erwägungen der Menschlichkeit. Hughes betonte, daß die Grundlage der endgültigen Ordnung die Repa­rationsfrage fei. Die Zahlungsfähigkeit Deutsch­lands werde durch die Verschuldung der Alliier- ten bei Amerika nicht in Mitleidenschaft gezogen: dies« Verschuldung vermindere nicht Deutschlands Zahlungsfähigkeit. Amerika hege nicht den leisesten Wunsch, daß Frankreich irgendeinen Teil seiner sortiert, cZ schc. Deutschland nicht vernichtet zu sehen. Keine wirtschastliche Wiederherstellung Europas sei möglich, sofern sich nicht Deutschland wieder erhol«. Es werde keinen dauernden Frieden geben, wenn nicht die wirtschaftliche Gesundung ge­sichert sei. Amerika sehe mit Mißfallen Mah­nahmen, die, anstatt Reparationen zu geben, eine Katastrophe herbeizusühren drohten.

Hughes fragte, was geschehen sollte, falls die bevorstehende Konferenz der Premierminister in Paris zu keiner Lösung gelangen sollte. Die Aussicht auf Zwangsmaßnahmen, um Repa­rationen zu erlangen, sei nicht verlockend. Der Staatssekretär skizzierte einen Vorschlag, wonach die höchste finanzielle Autorität in jedem der betreffenden Länder auf gefordert werden solle, einem Finanzplan zuzustimmen, der von der ganzen Welt als die maßgebendste erlangbare Meinungsäußerung angenommen werden sollte. Zweifellos würde eine hervorragende ameri­kanische Persönlichkeit gewillt sein, sich einem solchen Auftrage zu unterziehen.

Hughes sprach schließlich den Wunsch auS, daß eine offene und freie Aussprache slattfindem möge zu einer Zeit, wo die 'Dege a m e r i kanischer Hilfe nicht umhin könnten, sich hoffnungsvoll zu offnen.

Rewhaven (Connecticut), 30. Dez. (WTB.) Staatssekretär Hughes verbreitete sich im Laufe seiner Rede auch über die Washingtoner Konferenz und erklärte, die drei großen See- Mächte hätten unter sich kein Abkommen über die Einschränkung der Tonnage getroffen. Aber es müsse möglich fein, zu einem modus vivendi zu gelangen, der den unnötigen vernichtenden Rüstungskampf verhindere.

Englische Zustimmung.

L o n d o n. 2. Ian. (WTB.) Der Pariser Be­richterstatter derDaily Mail" ist zu der Mit­teilung ermächtigt, daß die britische Regie- vur g ihre to,arme Billigung der durch Staatssekretär Hughes gemad>ten Vorschläge zum Au d ii d re > a H'. fax', und daß Sckaha i,- ler Baldwin bereits ermächtigt worden ist. bei der Erörterung darüber im Ramen der britischen Re­gierung zu handeln. Bonar Law würde bereit fein, die Reparationsfrage einer derartigen Kon­ferenz zu überweisen, wenn es sich als unmöglich Herausstellen sollte, in Paris eine Vereinbarung zu erzielen. Dem Berichterstatter zufolge wird Großbritannien, falls sich Frankreich zu einer un­abhängigen Aktion schließen sollte, ohne for­mellen Protest sich abseits st Herr.

Die Frage der Crmäftignng brr Gesamtentschädtgnngssnmme.

London, 30. Dez. (WTB.) Auch der diplo- Mattsch? Berichterstatter derDaily Rews" er­wähnt in seiner Darlegung des in amtlichen briti­schen Kreisen über die Regelung des Reparations- Problems eingenommenen Standpunkte; die Er­mäßigung des Reparationsbetra es auf Milliarden Goldmark, zahlbar mit 5 Prozent Zinsen für eine Periode von etwa 30 Jahren und eine mögliche weitere Summe, die endgültig innerhalb von Höchstgrenzen zu einem späteren Zeitpunkte festgesetzt werden solle. Wäh­rend eines Moratoriums soll Deutschland feine Zinsen zahlen, jedoch verpflichtet fein, die

Mark zu stabilisieren und sein Budget auszu- gleichen unter alliierter Tleberwachung auf einer Grundlage, die noch festzusetzen wäre. Außerdem sei die Herabdiskontierung der deut­schen Verpflichtungen vorgesehen auf einer noch vorzusckreiben^ > Grund lage wem Deutsch- lan) ein? solch? Operation durchfü rer körne, fei es mit Unterftuljuiij oec internat oralen Bank.ers- kommifsion vom letzten Hahre oder durch irgend­eine andere Methode.

Neue französische Sachforderungen.

Berlin, 30. Dez. (WTB.) Die fran­zösische Regierung stellte an Deutsch­land die Forderung auf Lieferung von rund 300000 Tonnen S t i ck st o f f waren gleich rund 60 000 Tonnen reinem Stickstoff, und zwar 29 000 Tonnen reinen Stickstoff für die zer­störten und 31 000 Tonne i für die übrigen französi­schen Gebiete. Die erstere Forderung wird auf das Wiesbadener Hauptabkommen vom 6. Okt. 1921, die letztere auf den Londoner Zahlungsplan ge­stützt. Rachdem die über diese Forderung geführ­ten Verhandlungen zu keinem Ergebnis gelangten, richtet di« französische Presse heftige Angriffe gegen die deutsche Regierung wegen d.r ablchnen- den Stellungnahme und sucht anscheinend hieraus eine Verfehlung der deutschen Regierung gegen den Versailler Vertrag zu konstruieren.

Hierzu wird uns von zuständiger deut­scher Stelle mitgeteilt: Bis zum 1. April 1923 beschränkt sich die deutsche Verpflichtung zur Stickstoff lief erung auf in Anlage 5 zu Teil VIII des Friedensvertrages vorgesehene Mengm, so daß, abgesehen von der tatsächlichen Anmöglich­keit weiterer Lieferungen an Frankreich, bis dahin Überhaupt kein weiterer französischer Anspruch auf Stickstofflieferungen besteht. Für die Zeit nach dem 1. April 1923 ist, soweit die Stickstoff­lieferungen auf Grund des Londoner Zahlungs­planes für das nichtzerstörte Frankreich gefordert werden, es für die deutsche Regierung ausge­schlossen, eine Lieferungsverpflichtung einzu­gehen, da sie in ihrer Rote vom 14. Rovember bat, die für 1923 zu tätigenden Sachlieferungen auf reine Wiederaufbaulieferungen zu beschränken. Soweit Frankreich Jur seine zerstörten Gebiete auf Qytuiiv des 1Diei>vut>e»ieL -<2u£i/aimeiic- fordert, bestreitet die deutsche Regie­rung die Lieferungsverpflichtung: denn Deutschland ist auf Gruird des Wiesbadener Abkommens zu Lieferungen nur in dem Umfange verpflichtet, als es mit seinen zur Aufrechterhal­tung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens not­wendigen inneren Bedürfnissen vereinla-en fann. Dec in Deutschland erzeugte Stickstoff reicht aber bei weitem nicht aus, um den eigenen für die Volksernährung unbedingt erforderlichen Bedarf der Landwirtschaft 31 Decken. Die französische Anforderung scheint, soweit sie die zerstörten Ge­biete betrifft, deren Bedarf weit zu über­steigen. Wenn man den Bedarf der zerstörten Gebiete im Verhältnis zum Gesamtverb rauch Frankreichs im letzten Jahre nach dem Prozent­satz dec Dodenfläche dec ersteren zur Gesamtfläche Frankreichs berechnet, ergibt die französische For­derung etwa das Fünffache des Bedarfs. Die Ab­lehnung der französischen Forderung ist deshalb unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands und der rechtlichen Verhältnisse und Deslimmu xqen zu Recht erfolgt. Sollte Frankreich auf fein.T Forderung b harren, kommt für die Ent­scheidung das im Wiesbadener A kommen vorge­sehene Schiedsgericht in Betracht. Tlebrigens erklärte sich die deutsche Regierung bereit, Ver­handlungen zwischen deutschen und französischen Wirtschaftskreisen zu-ulafsen über den Austausch von Stickstoff gegen anderweitige Düngemittel in dec Annahme, daß man beiden Ländern dadurch gerecht werden könne.

(jf'iti Protest der französischen Sozialisten.

Paris, 1. Jan. (WTB.) Die so­zialistische Partei Frankreichs er­läßt gemeinschaftlich mit dem Allgemeinen Ar­beiterverband einen Aufruf, in dem sie gegen die Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland protestiert. 3n dem Aufruf heißt es: Alles läßt voraussehen, daß die fran­zösische Regierung dem Obersten Rat unter der BezeichnungPfänder und Garantien" Vor­schlägen wird, die Hand auf das Industrie­becken an der Ruhr zu legen und eine verstärkte Besetzung auf dem linken Rheinufer herbeizu­führen. Es ist zu befürchten, daß die französische Regierung, wenn sie keine Einigung mit den Alliierten erzielt, entschlos­sen ist, schon jetzt die vorbereiteten Sanktionen allein durchzuführen. Getreu der Verpflich­tung, die wir auf dem Weltkongreß im Haag übernommen haben, erklären wir, dieser Poli­tik der Brutalität und Abenteuer den ent­rüsteten Protest der Arbeiter entgegenzustel- len. Die beiden L^ganisationen fordern einen Schiedsspruch durch den Völkerbund.

Zurückziehung des Antrages des Senators Borah.

London, 30. Dez. (WTB.) Reuter meldet aus Washington: Senator Borah hat die Zu­rückziehung seines Abänderungsantrags angeün- digt, nachdem ihm mitgeteilt worden war, daß dec Antrag für die im Gange befindlichen Ver­handlungen mit Europa schädlich sein würde.

Eine Rede des Reichskanzlers.

Hamburg, 1. Ian. (WTD.) Auf Einladung der Handelskammer fand gestern nachmittag in dec hiesigen Börse eine außerordentliche Versamm­lung einesEhrbaren Kaufmanns" statt, die in Erwartung der angekündigten Erklärun- ge n des Reichskanzlers Dr. Cuno außerordentlich zahlreich besucht war. Präsident W i 11 h ö f t gab seiner Freude Ausdruck, daß ein Mitglied der Hamburger Kaufmannschaft be­rufen wurde, in dieser schweren Zeit an erster Stelle die Geschicke u rseres Vaterlandes zu lenken. Hierauf nahm der Reichskanzler zu einer längeren Rede das Wort. Er führte aus:

Aus berufenem Munde haben wir vor einigen Tagen gehört, daß Hamburg die Drücke sei zwischen Amerika und Deutschland. Ich nehme dieses Wort gerne auf, aber was am stärksten diese Verbindung trägt, nicht nur mit den Vereinigten Staaten, sondern mit der ganzen Erde, das ist nach dem Sinne jenes Wortes nicht die Stadt, sondern ihr Geist, dec Geist desehr­baren Kaufmannes". Diesen Geist zeigen die Ver­handlungen, die die Wirtschafter hier in Hamburg pflegen nach den Methoden, die aus ihnr fließen und die durch fünf Harle und doch glückliche und wertvolle Lehrjahre des Wiederaufbaues hier Hambu g beherrschten. In diesem Geiste gedenke ich die Verhandlungen des Reiches zu führen, um dem Reich und unserem Volke zu dienen und zu­gleich der Anbahnung eines wahren Frie­dens der Völker, zu dem dieser Vorabend eines neuen Jahres besonders mahnt. Dieser Friede kann nur erreicht werden, wenn alle Vol­ker sich entschlossen auf den Boden der Wirklich­keit stellen.

Das gilt vor allem auh für das Repara­tionsproblem. Mein hau iftäch icher Stand- punkt zu diesem Problem ist Ihnen aus meiner Rede im Reichstag bekannt. Schwerlich wird ein billig denkender Mensch es der nmen Regierung verargen, wenn sie für die Quadratur des Zirkels, um die sich die prominenten Staatsmänner und hervorragendsten Wirtschaft-aucocitäten der Welt seit vier Zähren vergeblich bemühen, keine jeder Kritik entrückte Lösung in kurzen vier Wochen zu finden vermochte. Dabei ist zu beachten, daß die richtig verstandene Set - stungssähigkeit Den ts chlands sich au o ue 11 finanziellen und toi c irf d) af t* lichen Fakt oren erg ibt.

Sv Earm auch die Lösung nicht lediglich eine bank- und finanztechnische sein, sondern nur in einem wohlabgestimmten Zusammen klang finan­zieller Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Ver­mögens bestehen. Ihnen allen ist das Gut­achten bekannt, das das internationale An­leihekomitee in Paris nach einer rein wirt­schaftlichen Prüfung der Sachlage im Juni dieses Jahres der Reparationskommission erstattet hat. Dieses Dokument ist nach meiner Tleberzeugung das Weiseste und Mutigste, was über die Reparationsfrage geschrieben ist, und sollte die Magna Charta, den Katechismus für alle künftigen Erörterungen und älntersuchungen des Reparationsproblems bilden. Richt minder be­deutungsvoll sind die hiermit übereinstimmenden Gedankengänge der Gutachten, die Anfang Ro­vember die beiden Gruppen internatio­naler Sachverständiger in Berlin nach eingehender Prüfung aller tatsächlichen Verhält- lnisse erstatteten. Sie sind überdies einig darin, daß jeder Versuch zur Stabilisierung der Mark scheitern muh, solange Deutschland nicht für einige Zeit von den Zahlungen aus dem Vertrag von Versailles entlastet wird.

Die Verbindung des Gedankens einer end­gültigen Lösung mit dem Gedanken von An­leihen regiert auch die Rote der Reichs­regierung vom 14. Rovember 192 2 und die Vorschläge, die ich dem englischen Minister­präsidenten als dem Vorsitzenden der Anfang Dezember in London tagenden Premierminister- konserenz unterbreitet habe. Diese Vorschläge sind dazu bestimmt, dec endgültigen Lösung dec Reparationsfrage die Wege zu ebnen. Heute handelt es sich darum, auf diesem Wege weiter­zugehen, denn die weiteren Erörterungen und die neuen älntersuchungen haben uns in der Erkennt­nis bestärkt: Deutschland braucht, um leisten zu können, internationale Anleihen, aber Deutschland hat nur dann Aussicht auf solche An­leihen, wenn seine Leistungsverpflichtung end­gültig Qargefiellt ist.

Ohne auf Einzelheiten emzugehen, kann ich Ihnen, meine Herren, nicht verschweigen, daß das erneut gewonnene Bild von dem noch verbliebenen Re st unserer Leistungsfähigkeit trübe ist. Es ist Ruin, wenn unser Ackerboden nicht mehr so bestellt und gedüngt ist wie vorher, wenn wir für die Volksvermehrung keine neuen Häuser bauen, die Menschen zusammenpferchen und die alten Häuser zu Schaden kommen lassen müssen, wenn unsere Industrie die flüssigen Betriebsmittel zum größten Teil verloren hat und ihre Renten, in Goldmark umgerechnet, überhaupt nicht mehr Gewinn zu nennen und ohne kapitalbildende Kraft sind. Aber wenn gesagt worden ist, daß ein solcher Ruin von uns angestrebt worden sei, um Deutschland leistungsunfähig zu machen, glaubt wirllich jemand im Emst, daß Deutschland, nur um seine Gläubiger zu schädigen, Selbstmord begeht? Der Versailler Vertrag hat Deutschland von der wirtschafts­politischen Gleichberechtigung der Handelsvölker ausgeschlossen, seiner Wirtschaft den festen Boden entzogen, unsere I Währung zerrüttet und unseren Wirtschaftern die Möglichkeit klarer Dispositionen genommen.

Kein Gläubiger der Welt wird Deutschland Kredtt gewähren, ehe die Leistungsfähigkeit

Deutschlands so bestimmt umschrieben ist, daß er über die Grundlage seines Kredits ein völlig RareS Bild hat. Reben diesen Rotwendigirtten, die für Deutschland wie für seine Gläubiger gelten, steht das Bedürfnis, vor allem Frank­reichs, sofort mit einer bestimmten Summe rechnen zv können. Auch dieses Bedürfnis haben wir mit unseren Dertragsgegrerrn gemeinsam. denn wir brauchen gleichfalls bestimm le Größm für die Gegenwart und zur Berechnung unserer nationalen Wirtschaft. Sv sind wir ent­schlossen, eine feste erste Summe aus uns zu nehmen: wir sind bereit, diese feste Summe in Anleihen durch Vermittlung e,ues internationalen Finanzkonsor- tiums aufzubringen und soweit dies im An-- leihewege nicht gelingt, sind uns Dilligungsquoten zu bezal/Ien. Da nach dem Urteil dec Welt die deutsch: Wirtschaft zerrüttet, ze.mücbt und ver­armt, für die nächsten Jahre unbedingt der Ruhe bedarf, soll der Betrag, der für den Dienst dec Anleihe in den ersten Jahren erforderlich ist, aus dem Ertrag der Anleihe sei bst ge­deckt werden, um dec deutschen Wirtschaft eine Zeit dec Erholung und Gesundung zu gönnen Auch der hiervon erhoffte Aufschwung unserer Wictschasts- kcast soll dec Gegenseite zugute kommen. Damm machen wir uns anheischig, bis zu begrenzter Höhe durch die Vermittlung des gleichen Konsortiums weitere Anleihen aufzulegen, wenn und soweit das Konsortium dies für möglich hält. Eine solche Regelung der Finanzseiten dec Frage würde zugleich den Weg für die Durchführung dec wirt­schaftlichen Rotwendigkeiten ebnen, die in ihrer Auswirkung einen wesentlichen Teil deZ Gesamt- pcvblemS bilden. Denn so würde die Grundlage dafür geschaffen werden, daß die aufeinander an­gewesenen Industrien Europas, namentlich die Ficmkreichs und Deutschlands, zu langfristigem Ausgleich ihrer Interessen mit dem Endziel höchsd- möglicher Produktivität zusammenarbeiten. Zu einet solchen Kompensation sind die deut- fd>en Wirtschaftskreife bereit. Wir sind uns der schweren Verantwortung bewußt, die in dem Ihnen im Ämriß tror getragenen Vorschlag liegt. Aber wir nehmen sie auf uns, weil der Weg, den wir bamit gehen, uns zunächst aus dem Sumpfboden der gegenwärtigen Wirtschaft mf a,r fester Boden ^übrer

wiid. Von ihm"aus foimen und werden wir mit aller Kraft davon gehen, die Mark wieder zu einem festen Wertmesser zu machen und das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dann wird Sparsamkeit wieder Sinn haben, Fleiß und kaufmännisch? Berechnung wieder ihre alte Fvim gewinnen, die Arbeit eines Lebens wieder festgehaktei und unsere Wirtschaft wieder gesund und glücklich werden.

Wir nehmen diese schwere Verantwortung einer solchen Lösung vor allem deshalb auf uns, well am Ende des Weges, den wir gehen wollen, die Freiheit des deutschen Volkes steht. Diese Tleberzeugung wird in unserem Volks in allen Schichten und Erwerbsständen die letzte Kraft auslösen, für die Freiheit zu arbeiten und Opfer zu bringen, Opfer des Besitzes, Opfer der Arbeit, OpferundArbeit für j k b e n nach dem Maße seiner Kraft. Die Reichsregie- rung weih, daß die wirtschaftlichen KräfteDcutsch- lands. namentlich der Industrie und der Bank- Welt, trotz der sorgenvollen Frage, ob die Grenze, unserer Lei.ungsfähigkei: nicht schon ülersch itten sei, entschlossen sind, die Regierung bei der Durch­führung ihres Vorschlages zu unterstützen. Nur sc ist es dem Reich möglich, die ganze Kraft der Wirtschaft auf der Seite des Staates für dieses Ziel zu sammeln.

Wir müssen gleichzeitig unserer Wirtschaft, um sie für die ungeheure Last tragfähig zu machen, die freie Bewegung ihrer Kräfte nach Möglich­keit wiedergeben und werden in der staatlichen Gesetzgebung und Verwaltung viel mehr als bisher das Ziel des höchste!' Leistungsgrades der Wirtschaftskraft vvranstellen Diese endgültige Lösung verlangt die Vereinigung aller Kräfte. Sie muh der deutschen Regierung die wirtschaftliche Freiheit und Gleichberechtigung wiedergeben. Sie muß den Abbau der Be­satzung der deutschen Länder am Rhein brin­gen, wenn nicht aus tiefempfundenen seelischen und sittlichen Gründen, so schon deshalb, damit sich die täglich mehrenden unproduktiven Lasten und alle die Hemmungen, die für unsere deutsche Wirtschaft dort liegen, endlich verschwinden. Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort müssen ge­räumt werden. Die endgültige Lösung muh die Absage sein an jede Politik von Sanktionen und Retorsionen, von Zwangs- und Gewaltmahnahmen Rur rn offener Aussprache von Mann zu Mann kann eine Lösung gefunden we "den. Das Schicksal unserer bisherigen Vorschläge hielt uns ab, schon 'freute ohne Aussicht auf Verhand­lungen unsere neuen Vorschläge der Gegenseite in allen Einzelheiten zu unterbreiten. Dagegen haben wir sie ersucht, einem Vertreter der Rei-chs- regierung Gelegenheit zu geben, der in Paris zusammentretenden Konferenzen unseren Dorschlaa als Antrag der Reichsregierung schriftlich vorzulegen und mündlich zu erläu­tern Höften wir, daß die von uns gewünscht sachliche Aussprache nicht durch Entschlüsse _ ber Gegenseite vereitelt wird, die nicht nur über Deutschland, sondern über ganz Europa un­absehbares An heil bringen würden Dor meiner Abreise nach Hamburg hab? ich in der Presse die Rede gelesen, die Staatssekretär H u g h e s in dec Historischen Gesellschaft in Rew­haven gehalten hat. Er hat danach von hoher Warte die Anlösbarkeit des Zusammenhangs be-