Einzelbild herunterladen

!tt 255

tr|d)etnt läglich, oufetr Sonn» und Fei-rlaqs, mit öerSamstQQsbeitaqe: (Siebener ^amilienblätter !Hona1ll(!}tBe5Hfl«preifr. Mb 102 - und MK. 8- Trügerlohn.durch diePost Mk 125. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt, - Fernsprech. Anschlüsse: für dieSchnst- lething 112; für Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Eiehe».

postscheätanto.

^rantfurt a. M. 11686.

Blomag, 50. OTtobcr 1922

172. Jahrgang

GietzenerAMger

General-Anzeiger für Oberhesfen

vruck nnb Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und Zfeindruckerei E. Lange. Zchriftleitung, SeschSftrstelle und Druckerei: Schulstra^e 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Dreite2800Pf . Bei Platz- Vorschrift20'.Aufschlag tzauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für der Anzeigenteil . Hans Beär sämtlich in Dietzen

Der Staatsstreich der Faszisten.

Der nationale Bund der Faszisten hat es zuwege gebracht, das Kabinett de Facta zu stürzen und ein Kabinett Mussolini an seine Stelle zu setzen Es ging nicht aus parlamentari­schem Wege, und die bisherige Regierung hatte gegen die ülmstürzler den Belagerungszustand im Lande verkünden wollen. Aber der König, der die Macht der Faszisten kennt und respektiert, lehnte Gewaltmahregeln ab und zieht es vor, mit ihnen zusammen zu regieren. 3n Italien herrscht darum w>eaer Ruhe und Einigkeit

2luS der Faszistentogung, die vor einigen Tagen in Reapel stattsand. erfahren wir etwas von dem Geiste, der dieser nationalen Organi­sation innewohnt.

In seiner zur Eröffnung der Faszistentagang von Reapel gehaltenen Rede hat Mussolini die Grundlinien des Faszismus zu einem einheit­lichen Bilde zusammengesaht:Lassen wir alle Bescheidenheit, die oftmals nur der Schirm der Schwachköpfe ist, beiseite," erklärte er,so müssen wir sagen: Es gibt nach dem Weltkriege keine interessantere, eigenartigere und mächtigere Er­scheinung als den italienischen Faszismus Diese Bewegung ist sowohl politisch, gewerkschaftlich, militärisch und religiös und trägt somit alle Rot- Wendigkeiten, alle Hoffnungen und alle edlen Leidenschaften der neuen italienischen Seele in stffich. Wir haben einen Mythus geschaffen. Der Mythus ist ein Glaube, er ist eine edle Leidenschaft. Es ist nicht notwendig, dgß er eine Realität sei. Er ist eine Realität nur des­halb, weil er ein Antrieb und eine Hoffnung ist: er ist Glaube und Mut. ilnfer Mythus ist dis Ration, unser Mythus ist die Gröhe der Ration, und diesen Mythus, diese Gröhe wollen wir zu einer konkreten Realität machen, der wir alles übrige unterordnen Für uns ist die Ration vor allem Geist und nicht allein Territorium. Die Ration ist groh, wenn sie die Anstrengung ihres Geistes in die Wirklichkeit überseht."

Mussvlin spricht zu Italien-n; er kennt sein Volk. Er weih, dah ihm nationales Fühlen und Denken im Blute lebendig ist und durch jede Ader des Italieners pulsiert, mag er Sozialist sein oder Demokrat, Reprcblilaner oder- Monarchist, Bürger. Bauer oder Arbeiter. Der Fasclsmus spielt arf den klvraendsten Saiten einer Volksseele, die fähig ist der Begeisterung für nationale Ideale, für den Ruhm und für die Ehre der Ration. Hier liegt das Geheimnis seiner Kraft, das Pathos seiner Wirkung.

Rom, 28. Oft. (Wolff.) Seit den Rächt- stunden ist daS Kabinett versammelt, um auf Grund der aus den Provinzen ein laufenden Rachrichten sofortige Mahnahmen verfügen zu sonnen. Das Kabmett hat beschlossen, von heute mittag ab über alle Provinzen des Königreichs denDelagerungszustandzu verhängen. In Rom und fast allen groben Städten herrscht bis jetzt völlige Ruhe.

Der Ministerrat hat an das Boll erneK und- gebung gerichtet, in her er erklärt, dah die Rachrichtenvon hochverräterischen ülmtrieben in einigen Provinzen Italien der Wahrheit ent­sprächen". Diese Aufstände Hütten den Zweck, die Arbeit dcer staatliche Organe zu hindern. Die Regierung wird ihre Pflicht erfüllen und m i t allen Mitteln und um jeben Preis die ö f - f entliche Ordnung zum Schuhe der Bürger und der versassungsmähigen öffentlichen Einrich­tungen aufrecht zu erhalten.

Rom, 28. Oft. (WTD.) Stesani. Da die Lage s ich gebessert hat, hat die Regierung Me Verordnung, durch welche der Belagerungs­zustand erklärt worden ist, zurückgezogen.

Der Äöijg hat nacheinander mit Tittoni. Domcola Cocco-Orth und Salandra über die Lö­sung der Ministerkrise Unterredungen gehabt.

Ein Kabinett Mussolini.

Rom, 28. Oft. (Wolff.) Salandra lehnte die Bildung des Kabinetts ab. Darauf beauf­tragte der König Muss olini mit der Bil­dung des neuen Ministeriums.

Rom. 29. Oft Die Agenzia Stesani meldet.: Alle Zeitungen veröffentlichen Lobartikel auf den König, weil er es abgelehnt hat das Dekret betreffend die Verhängung des Belage­rungszustandes zu unterzeichnen. Das Leben in Rom geht feinen normalen Gang, abgesehen von einigen Dem on st rat i onen gegen sasciftenf kindliche Blätter.

Rom, 28. Oft. (Wolff.) Wie Havas meldet, war bis 6 ülhr abends in Rom alles ruhig. Auf Befehl der Militärbehörden wurde der Etrahen- bahnverkchr eingestellt, dagegen verkehren viele Automobile und Wagen. Alle Gebäude sind be­flaggt Im Ministerium des Innern, w? sich die Minister versammelt haben, gingen Rachrichten aus ganz Italien ein, wonach überall Ruhe herrscht. Die Faszisten besetzten einige Du, reaus der öffentlichen Verwaltung. Außer in Cremona, wo es zu blutigen Zusammenstöhen kam, ereigneten sich nirgends Zwischenfälle.

Die Reise der Reparationskommisfion.

Berlin 30. Ott. Die Mitglieder der Re- parationskommissivn treffen heute nach­mittag um 5 ülhr in Berlin ein. Der .Lokal- anzeig er" vermuret, dah es noch heute abend zu unverbindliche Besprechungen zwischen ihnen und der Reichste? ierung kommen wird. Der Engländer Keynes wird, wie das Blatt Wetter hört, in Berlin erwartet so dah dann auch die Beratungen

mit den Währung-sachverständigen ausgenommen werden können.

Derlin, 28. Oft. Wie die Blätter mel­den, wird in einer Mitteilung derRepara- tionSfvmmission an die deutsche Regie­rung über die Reise der Kommission nach Berlin als Zweck der Reise angegeben, bei der deutschen Regierung jene Maßnahmen zu erörtern, die ergriffen werden muhten, um daS Gleichgewicht im Budget des Deutschen Rei­ches herzustellen und die Stabilisierung der deutschen Mark zu erreichen. Die Blatter neh­men an, dah die deutsche Regierung mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Programm in Ver­handlungen mit der Reparationskommission eintreten werde.

LautBerliner Tageblatt" wird die erste Sitzung der Berliner internationalen Wäh- rungssachvecstandigenkonferenz am Donners­tag unter dem Vorsitz des Reichsbankpräsi­denten Haven st ein stattfinden. ES verlau­tet, dah einige Sachverständige bereits fest umrissene Pläne ausgearbeitet hatten, die sie der Konferenz vorzulegen gedenken. Als Er­gebnis der Beratungen erwartet man die For­mulierung eines ausführlichen Gutachtens. Don Seiten der deutschen Regierung wolle man keinerlei Einfluh auf die Verhandlungen ausüben, damit ein gänzlich unbeeinflußte« Gutachten zustandekommt.

Pari«, 30. Oft (WTD.) Die Mitglieder des Reparationsausschusses haben Paris auf der Reise nach Berlin verlassen. Bar- thou, Bradbury und Salvage Raggi kamen auf dem Dordbahnhos an. Barthou entzog sich jedem Versuch einer Befragung, dagegen gab Brad­bury folgende Erklärung ab:Ich komme von London, wo ich mit meiner Regierung Fühlung nahm. Diese Berliner Reise kann nicht als Be­ginn einer neuen Politik betrachtet werden, aber wir reifen mit neuen Interessenmethoden ab. Delacroix und BemelmanS werden mit den Mit­gliedern der Abordnung in Lüttich zusammen- treffen.

Paris, 30. Oft. (WTD.) DerPetit Pari- fien schreibt zu der Reise der Reparationskom- mission nach Berlin, in dem Maße, wie die Ideen der Delegierten bestimmt »re Form anuebme, scheine es, daszsoie Kontrollfrage sich jetzt ein wen ig ander« stelle Es handele sich nicht mehr so sehr darum, ob eine Kontrolle geschaffen werden müsse, als vielmehr um eine Erklärung dafür, daß daS Garantiekomitee niemals von Kontrollbefugnissen Gebrauch gemacht habe. Me ihm übertragen worden waren, Es handele sich um den Ertrag der de rischen Zölle und die 25prozentige Abgabe der Einnahmen aus gewis­sen direkten und indirekten Steuern. Anstatt zu fordern, dah diese Summe auf fernen Ramon bei der Reichsbank eingeschrieben wurden, habe das Garantiekomitee es der deutschen Regierung er­lassen, auf diesem Wege den Kassenschlüssel aus­zuliefern. Sollte dieser Beschluß vom 5. Mai 1921 nicht endlich zur Anwendung gebracht werden?

Paris, 30. Oft (WTD.) DerExcelsior" berichtet, Darthou habe auf die Fcago, welche Rolle das Garantiekornitee m Berlin spie­len werde, geantwortet das Komitee sei ein Exekutivorgon. Ihm werde gegebenenfalls der Auftrag gegeben, die Beschlüsse sofort zur Durch­führung zu bringen, die die Reparationskommis­sion etwa im Einvernehmen mit der deutschen Regierung fassen werde.

London, 28. Ott (Wolff.) Reuter. Brad- Lbury ist am letzten Freitag in London einge­troffen und heute abend nach Berlin abgereift, nachdem er mit dem Ministerpräsidenten und dem Schahkanzler Besprechungen gehabt hatte. Wie von maßgebender Seite mitget:ilt wird, geht die eparationskoinMission mit der offenen Absicht nach Berlin, um rein sachlich festzustellen, was Deutsch­land zur Erfüllung ferner Ve Pflichtungen leisten könne. Die jüngsten Verhandlungen der Mitglie­der der Reparationskommisfion hätten ergeben, dah keine akuten Schwierigkeiten zwischen England und Frankrfeich bestehen, ungeachtet der verschie­denartigen Auffassung m der Frage der Methoden und £er Modalitäten der deutschen Zahlungen.

Dradourh erklärte einem Vertreter^ des Reuterschon Bureaus, er sei durchaus davon über­zeugt, daß die deuts chen Industriellen eine eigene Linie verfolgten und daß beträchtliche Gewinne wenigstens auf dem Papier erzielt seien. Es sei nicht leicht, diese zu unterbinden. Die Deut­schen fingen indessen jetzt an. sich zu beunruhigen, und die Ansicht gewinne bei ihnen Boden, daß der Inflation gesteuert werden müsse. Die Regierung Wirth habe unter schwierigen Verhältnissen sicher­lich ihr Bestes getan.

Paris, 28. Oft. (WTD.) Wie der Temps mitteilt, hat sich die Repara­tionskommission erneut mit den deut­schen Lieferungen vonZ uckerrübens amen auf ReparationSkonto beschäftigt. Deutschland werde in diesem Jahre 500 000 Kilogramm lie­fern, wobei jedoch Frankreich bis zum 15. Ro- vember weitere 500 000 Kilogramm anfordern kann. Die Verrechnung erfolgt auf Grund des vorjährigen Preises.

Berlin, 28. Oft. (Wolff.) Wie die Blätter melden, hat heute vormittag unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers eine Chef­besprechung über die Reparationsfrage statt­gefunden. Die Besprechungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Die am Montag eintreffende Abordnung der Repa -

rationSkommission seht sich aus 35 Personen zusammen, darunter allen Haupt­delegierten.

London, 28. Oft (WTB.) Der Pariser Berichterstatter derTimes" schreibt, infolge der diese Woche gepflogenen Erörterungen im Hotel Astoria habe sich das volle Bewußtsein von dem dringenden Ernst der Geldlage ent« wickelt und so schwer es auch für die Franzosen sei, Zugeständnisse zu machen, so sei es doch für sie ebenso schwer, angesichts der drohenden Kata­strophe weiterhin starr auf ihrem Standpunkt zu beharren. Der belgische Delegierte Dela­croix versuche die frühere Kluft zu überbrücken, die die französischen und britischen Ansichten in dieser Frage trenne. Er werde, wie verlautet, die Stabilisierung der Mark, sofern es möglich sei. in einer Höhe Vorschlägen, ine be­trächtlich unter der vor einigen Wochen von Bradbury angeregten stehe, denn tatsächlich seien die Vorschläge Bradburys von 530 bis 1000 Mark ür den Dollar bereits veraltet. Aeuhere und innere Anleihen könnten die Stabilisierung er­leichtern, wenn ernste Versuche gemacht würden, das Budget auszug'e ch n Ein Prog amm dieser Art umfasse notwendigerweise ein Moratorium für Deutschland und Frankreich könne nicht um­hin, diese wirtschaftliche Tatsache anzuerkennen.

Die deutschen Sachlieferungen in Frankreich.

PariS, 28. OtL (Wolff.) Der AktionS- auss ch>u ß für die zerstörten Gebiete veröffentlicht den Wortlaut eines Abkommens, das zwischen ihm und dem Soz ialen Da u - verband am 24. Oktober abgeschlossen worden ist. DaS Abkommen umfaßt 16 Artikel. Es ver­bietet jeden Gewinn, der sich nicht mit den Inter­essen Der Bewohner der zerstörten Gebiete oder mit den Interessen des deutschen and deS fran­zösischen Volkes vereinbaren läßt. Die Sa ch - Ileferungen beziehon sich aff die Lieferung von Material und auf die Gestellung vc» deutschm Arbeitskräften, die unter ihnftänben nötig werden f&mrte. Deutscherseits kann die Stel­lung von Arbeitskräften abgelehn t werden, wenn daS zwischen dem französischen Dauarbeiterwerband und dein de rischen Verband am 17. Februar 1922 geschlossene Abkommen nicht anoewendet werden kann Die deutsche Ge­sellschaft wird alle Sachlieferungen unter die deutschen Firmen verteilen und verpflichtet sich, den deutschen Tlnternehnrungen die Bestell rngen zu übermitteln, welche fran-ösischerseits voogescha- gen werden. Der Preis der Materialien darf die Pre.se des französischen Marktes nicht übersteigen. Falls Schwierigkeiten in der Preisfrage auf» tauchen sollten, wird der Preis von einer Kommis­sion festgesetzt, für die cin Schiedsrichter vom inter­natonalen Arbeitsbureau ernannt wird. Deutsch­land ist nur verpflichtet, die Waren zu liefern, die dem ermäßigten französischen Zolltarif unter­liegen und soweit sie n ur für die zerstörten Gebiete geliefert werden. Die allgemeinen Kosten der deut­schen Gesellschaft bürten vier Prozent der Mate­rialpreise nicht überschreiten. Deutschland bekommt die Summen und die Kosten für die Finanzier tng der Sachliefer ungen a u f das Reparations­konto gutgef chrieben und die Gesellschaft verpflichtet sich, der deut chen Regie u g Verdienste zu überweisen, damit die Re­gierung die Reparationsleistungen kräf­tiger durchführen kann. Eine gewisse Kohlenmenge wird von der Kohlensumme, die Deutschland monatlich an Frankreich abzuliefern hat abgerechnet. Der Verbrauch dieser Kohle wird streng überwacht werden.

Das Abkommen wurde unterzeichnet von Senator Charpentier, dem Abgeordneten Poitte- vin und dem Bürgermeister von Reims, Roche. Deutscherseits -unterzeichnete der Vorsitzende des Decbandes nationaler Bauten Paeplow, der Sekretär Wagner, der Vertreter der Direktion Astor und der Abgeordnete Silberschmidt.

Die Wiederanfbaugruppe Norddeutschland.

Hamburg 28. Ott lWolff.) Die W i e- derauibaugruppe Rorddeutschland hielt gestern, demHamburger Fremdenblatt" zu­folge, ihre erste Ausschußsitzung ab. Rechtsan­walt Dr. Albrecht berichtete eingehend über die in Paris geführten Dechandlungen mit fran­zösischen Interessenten. Das in Vorbereitung be­findliche Abkommen unterscheidet sich von den Stinnes-Lubersacschen dadurch, bah in Frank­reich etwa in Lille ei l sachmä-rnisch geleitetes Must er lager eröffnet werden soll du.ch das in Verbindung mit einem auf deutscher Sette zu schaffenden Bureau für den genau bestimmten Bedarf der einzelnen Geschädigten Bestellungen vorg no mm en wrdn sollen Im Rovember kommt eine Rcihe französischer Bet ilwter nach Deutsch­land, voraus s ichtsich nach Hamburg, um mit ein­zelnen (Zndustricgcuvoen den Preis, den Liefe­rungstermin und die Fro ch ffre f örderungsftagen gmndsählich durchrusprechen. Auch über di' b^ib- sich igt n Z chstm sbe.ingungea und die Zahlu-igs- weise berichtete Dr. Albrech: ausführli^ Schließ­lich wurde ein engerer Ausschuß gebildet, um die Vertreter der einzelnen Gruppen zusammenzu- bringenn.

s dem englischen WahNramps.

London, 28. Oft (WTD.) Asquith er­öffnete gestern den liberalen Wahlfeldzu^ mit einer Rede in Peterborough, in der er erklärte, die liberale Politik fei nur in den Händen aufrichtiger Liberalen sicher. Das Wort Zusammenwirken fei erfunden worden, um an

die Stelle der altmodischen Koalition zu treten. Letzten Endes werde es jedoch auf dasselbe hinaus laufen. D i e ganze Welt lei der Ansicht, dah der F r i e d e n s v e r t r a g von Versailles, Lloyd Georges Fiel heitsurkunde, abgeändert werden müsse. Der Vertrag von Sövres sei tot. Die Politik der liberalen Partei sei Frieden und Sparsamkeit. Die Liberalen beständen fett dem Waffenstillstand daraus, dah dem Völker­bünde wirkliche und beherrschende Autorität gewährt werde. Die Frage Reparationen und Schulden sei die Wurzel des wirt­schaftlichen Hebel« der Welt. Die Libe­ralen träten für ihre Regelung ein.

Dai l h Mail" greift d.e neu: Regierung Donar Laws scharf an und schreibt, wenn Donar Law leine weiteren Erklärungen über seine Politik abzugeben habe als die bisherigen, so werde die Albe Welt über seine wunderbare Regierung lachen. Man habe zum mindesten ge­hofft, dah Donar Law einige freundliche Worte an Frankreich richten werde.Daily Mail" fährt fort, sie habe von ihm erwartet dah er der überwiegenden Stimmung der Engländer zu­gunsten der Entente Ausdruck geben werde. Seine jüngste Anspielung auf diese Frage sei jedoch gekennzeichnet worden durch eine pfiffige Verdriesslichkeit, die übereinstimme mit dem ziemlich unangenehmen Schreiben, das Donar Law über die Klagen versaht habe, als die Tscharnak-Ep fode ihren Höhepunkt erreicht hatte Wenn Donar Laws Politik sich so verschoben habe, dah sie von den Ansichten Lloyd Georges fast nicht zu unterscheiden s e i, warum babe er denn die letzte Regierung ge­stürzt und England Reuwahlen ausgedrängt wein die neue Regierung auf dem Boden des Koali­tionsprogramms bleiben wolle? Das hätten sie ebenso gut auch bei dem Koalitionspremier- mmifter beibehalten können, denn Lloyd George sei im ganzen wenigstens volkstümlich, während Donar Laws Rame überhaupt keine CBegeifterung entfache.

Eine Wahlrede Lloyd Georges.

London. 28. Ott. (WTD.) Reuter. Lloyd Gevvge, Lord Drrkenhsad und Sir Robert Hörne haben heute tn einer großen Versammlung in Glasgow vor 5000 Hörern gesprochen. Lloyd George schilderte die Auslöscng der Koalition als unen mutwilligen Sabotageakt und machte ironische Aeußerungen über die Zusammensetzung des neien Kabinetts. Er betonte die Gefahr einer negativen Politik gegenüber dem Arbeitslosen­problem. Er sagte, nötig sei die Einigkeit unter den Anhängern einer gemäßigten Anschauung. Der eingetretene Bruch dürfe nicht unteilbar fein, sonst würden die gefährlichen Elemente geradenwegs auf die Zerstörung der City los marschieren. Die Zeit sei nicht dazu angetan, daß maßvolle Männer sich gegenseitig angriffen. Von linte, von rechts und von vorne fex rfian Drohungen ausgesetzt. Wenn bet der Wahl ein Parteisieg herauskäme, so würde der Kampf noch nicht zu Ende sein. Die sozialistische Partei sei jung und stelle das Volk vor eine ge­waltige Alternative. Das Programm der Ar­beiterpartei fei eint furchtbare Herausforderung.

Eine Abordnung des Neichsrats beim Reichspräsidenten.

Berlin, 28. Ott. (WTB ) Heute vormittag ersch enen die stimm ü rcnden Vertreter der -.dec im Retchsrat unter Fügung bei pr.usischen Ministerpräsidenten im Beisein des Reich->mtt.i- stets Dr. Köster beim Reichspräsidenten, um ihm die Glückwünsche beS Reichsrats zu der neuersvlgten ver assungemähigen Festlegung und Erneue ung seines Amtes au.zusp^echen. Mi­nisterpräsident Braun hielt folgende Ansprache:

Herr Reichspräsident! Nachdem das vom Reichstage am 23. Oktober mit großer Mehrheit beschlossene Gesetz über die Amoerung des Ar­tikels 183 der Reichsverfassung auch im Reichsrat versassungsgemäh verabschiedet ist und dadurch Rechtskraft erlangt Hal. ist es dem Reichsrat ein Bedürfnis. Ihnen zu dieser erneuten Ver­trauenskundgebung der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches seinen herzlichem Glück­wunsch auszusprechen. Mit Freude vernahmen wir. dah Sie trotz erheblicher Bedenken sich bereit erklärt haben, Ihr hohes, verantwortungsvolles Amt auf C rund der neuen Verfassung? bestimmung nunmehr bis 1 3u'ii 1925 weiter,uführen. Ihre bisherige Amtsführung in schwerster Zeit unseres Vaterlandes gibt uns die Gewähr, dah Sie auch in den kommenden schweren Tagen mit der be­währten Tatkraft, mit Takt und Unbar* teilichkeit, die wir an Ihnen bewundern konnten und die in fast allen Kreisen unseres sonst leider noch so zerklüfteten Volkes volle Be­friedigung und Anerkennung auslöste. Ihr hohes Amt führen werden, geleitet von dem Ihnen in so reichem Maße eigenen warmen Verständnis für die Leiden unseres bedrückten Volkes, ge­tragen von dem Vertrauen seiner grohen Mehr­heit Wir, die im Reichsrat vereinigten Vertreter der deutschen Länder, begrüßen die Verlängerung Ihrer Präsidentschaft mit um so größerer (Genug­tuung, als wir im amtlichen und sonstigen Verkehr mit Ihnen so oft Gelegenheit hatten, wahrzu­nehmen, dah Sie bei aller Wahrung der Ihnen als Reichsoberhaupt vornehmlich obliegenden Reichsinteressen doch ein offenes Auge für die verfassungsmäßigen Rechte und Lebensnotwendigkeiten der Län­der gezeigt und stets bemüht waren, mit kluger Sachlichkeit auf den Ausgleich der mitunter diri­gierenden Interessen des Reiches und Sänba, hinPiwirken. Wir haben die Zuversicht, bah efl unter Ihrer Amtsführung auch zukünftig so bla»