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Menschenunwürdige Behandlung von (befangenen.

Berlin, 27. Ott. (Wolff.) Eine Anfrage beS Landtagsabgeordneten Göbel und Gen. beantwortete, wie der amtliche preußische Pressedienst meldet, der Zustizminlster dahin, daß die Zeitungsnachrichten über die menschenunwürdige Behandlung der in das besetzte Rheinland über­geführten oberschlesischen Gesän­ge n « n auf dem Transport nachMainz und im französischen Militärgefängnis in Mainz z u t r e f i e n. Das Staatsministerium werde die Reicysregierung ersuchen, darauf htnzuwtrken, daß die schuldigen Personen zur Rechenschaft gezogen werden. Den oberschlesi­schen Gefangenen werde in den rheinischen Strafanstalten Anrath und Rheinbach keine schlechtere Behandlung zuteil als den übrigen Gefangenen. Die Staatsregierung werde es sich angelegen sein lassen, die Erteilung der zur Begnadigung der Verurteilten erforder­lichen Zustimmung der Besatzungsmächte mit Nachdruck zu befürworten.

Eine deutschsprachige Zeitung in Metz.

Berlin, 26. Oft. (Wolff.) In Metz ist eine neue deutschsprachige Zei- der Politik eine Rolle spielen, haben ihre tung erschienen. Namhafte Geistliche, die in Mitwirkung zugesagt.

Die französische Liga für Menschenrechte und die Kriegs- schuldfrsge.

Pari«, 27. Oft. (WTB.) Die französi- sche Liga für Menschenrechte ist erneut an die französische Regierung mit dec Ditte hevcrngetceten, die offiziellen französischen Ver­öffentlichungen über den Kriegs­ausbruch, die bisher drei Bände umfassen und die Entwicklung der Weltlage vom 1. Januar 1912 bis zum 1. August 1914 beleuchten, durch rück- haltlose Oeffnung der französischen Archive zu ergänzen. Das öffentliche Gewissen werde, so heißt es in der Begründung der Ein­gabe, erst dann befriedigt sein, wenn alle Doku­mente in ihrer authentischen unverkürz­ten Fassung w!ederge>?eben würden, unt> toejin die Zusammenstellung der Texte, wie dies in Deutschland geschehen sei, einem Aus­schuß von Männern anvertraut werde, die durch die Sicherheit ihrer wissenschaftlichen Methode und ihre Llnabhäng!gleit qualifiziert seien. Im Gelbbuch von 1914 sei nach einer verwerstichen Methode mehr als ein wichtiger Text ausgelassen oder verstümmelt worden.

Das Wolffbureau bemerkt zu dieser Ver­öffentlichung: Es wäre dankenswert, wenn die französische Liga für Menschenrechte sich auch um das Schicksal des seit langer Zeit angekündigten zweiten Bandes desLivre Roir" bekümmerte, der wichtige Enthüllungen zum Kriegsausbruch enthalten sollte.

DasLivre Roir" verwertet bekanntlich von der Sowjetregierung zur Verfügung gestellte, auf­sehenerregende Dokumente der russischen Archive "zur Entstehungsgeschichte des Krieges.

Rücktritt

des Grafen Lerchenfeid?

München, 27. Oft. (WTB.) Wie von zu­verlässiger Seite verlautet, muß mit Bestimmtheit mit dem Rücktritt Graf Lerchenfelds gerechnet werden Dem Vernehmen nach wird Lerchenfeld sein Rücktrittsgesuch jedoch eist dann elnreich.m, wenn die notwenütgen Verhandlungen über die Frage seines Rachfolgers mit den Koa­litionsparteien gepflogen sind, deren Einleitung bis jetzt wegen der Abwesenheit verschiedener Parteiführer von München nicht möglich ivac. Voraussichtlich wird der Bayerische Landtag am kommenden Donnerstag zusammentreten, um über die Frage der Nachfolgerschaft zu beraten. Die gestrigen Verhandlungen der Bayerischen Volks- Partei waren für Lerchenfeld sehr günstig, doch schien sein Ausscheiden auS der Regierung nicht vermeidbar. Zu einem Bruch zwischen dem Mini- flerpräsidenten und der Bayerischen Volkspartei ist eS nicht gekommen.

München, 27. Oft. (WTB.) Die Meldung der .Münchener Zeitung", wonach die Einfüh­rung der Zwangswirtschaft in Milch­produkten nur noch eine Frage von Tagen sei, entspricht nicht den Tatsachen. Es wurde in einer Sitzung der Kemptener Börse lediglich folgendes mitgeteilt, wenn ein gütliches Llebeceinkommen mit den Milchbiruern nicht erzielt werden könne, sehe sich die bayerische Staatsregie.-ung gezwungen, beim Reich Schritte zur Herbeiführung geeigneter Zwangsmaßnahmen au unternehmen. Inzwischen ist eine Einigung erfolgt.

Eine weitere

KohlenpreissteLyerung.

Berlin, 27. Oft. (WTB.) Der vorgestern nacht gefällte Schiedsspruch über die Erhöhung der Dergarbeiterlöhne bildete die Grundlage für eine weitere Kohlenpreis st etgerung, welche die Organe der Kohlenwirtschaft heute vor­genommen haben. Die Preise wurden wie folgt erhöht: Für das Ruhrrevier (Fettförderkohte) 2060 Mk je Tonne, für Sachsen (durchschnittlich) 3016 Mk., für Niederschlesien 2620 Mk., für Aachen-Eschwetler 2692 Mk., für Aachen-Nord- stern 3276 Mk., für das rheinische Draunkohlen- syndikat 317 Ml. für Rohkohle, 1116 Mk. für Briketts, für das ostelbische und mitteldeutsche Braunkohlensyndilat 774 Mk. für Rohkohle, 2041 Mark für Briketts. Die Preise gelten mit Wirkung ab 1. November. Zu den Er­höhungen treten die üblichen Sähe für Steuern und Handelsnuhen hinzu. Bei der Abstimmung wurde eine Einstimmigkeit nur bezüglich der Preiserhöhungen einiger kleinerer Reviere erzielt Im übrigen enthielten sich die vier ?^ettnebmer der Abstimmung. Bei der Beschlußfassung über die Ruhrkohlenpreife stimmten die vier Arbeitnehmer dagegen weil sie nur eine Preiserhöhung von 1942 Mk. vertreten zu können glaubten. Die Arbeitnehmer machten geltend, daß die ihnen zugebilligten Lohnerhöhun­gen immer weiter hinter der Geldentwertung zu­rückblieben. Daher müßten auch die Werksbesiher «ruf Teile der Material- und Preiserhöhung ver­

zichten. Die Werksbesiher verwiesen demgegen­über auf die große Preissteigerung für Mate­rialien, insbesondere für Holz, die größer sei als die Erhöhung der Indexziffer der Lebenshaltung, sowie auf die Geld- und Kreditnot der Werke, die sich immer weiter verschärfe.

Handelspolitische Verhandlungen zwischen Deutschland und der

Tschechoslowakei.

Prag. 27. Oft. (Wolff.) Nach dem tschecho- stowakischen Pressebureau beginnen am 30. OttD- ber in Dresden die handelspolitischen Verhandlungen zwischen Deutschland undderTschechoslowakei. Auf der Tages­ordnung steht auf Veranlassung der Tschechoslo­wakei insbesondere die Regel.lng dec Ausfuhr von Hopsen und Malz aus der Tschechoslowakei nach Deutschland, ferner die Fruge der Einfuhr von Stickstoffdünger aus Deutschland nach der Tschecho- stowakei: außerdem die Regelung der Ausfuhr tschechoslowakischen Qualitätsstahls nach Deutsch­land und schließlich die Erweiterung und Ergän­zung deS Textilabiommens vom April. Deutscher­seits wird die Forderung der Regelung der Valu­taverhältnisse deutscher Lebensversicherungsgesell­schaften erhoben, die mit dec Tschechoslowakei ge­schäftlich verkehren! außerdem werden, die Rege­lung des Deredelungsversährens für Hand­stickereierzeugnisse und andere Punkte zur Ecör> teruiig gelangen. Die Verhandlungen werden auf deutscher Helte vom Ministerialdirektor v. Stock- hammern aus tschechvslvwalftcher Seite in Ver­tretung des Gesandten vom Vorstand der Handels- abtcllung der tschechostowa fischen Gesandtschaft in Berlin, Legationsrat Dr. Ibel, geführt.

Die Abreise des Botschafters Brockdorff-Nantzan nach Moskau.

Berlin, 27. Oft. (WTB.) Anläßlich der bevorstehenden Abreise des neuernannten Bot­schafters für Moskau, Brockdorss-Ranhau. fand beim Reichskanzler ein Frühstück statt, an dem außer dem Reichskanzler Bcockdorff- Ranhau der hiesige russische Botschafter KrastinSki mit den Herren dec Botschaft, Vizekanzler Bauer, Staatssekretär v. Hensel, der Leiter dec Ostabtei­lung im Auswärtigen Amt Ministerialdirektor v. Malhan, ferner der Volkskommissar Krassin, Geheimrat Bücher, die Relchstagsabgeordneten v. Siemens und Breitscheid sowie das Mitglied des Reichswirtschaftscats Dc. HUferding teil- nahmen.

Deutschnationaler Parteitag.

Görlitz, 27. Oft. 1922.

In dem großer Saal der Görllhec Stadkhalle wurde dir erste öffentliche Sitzung des Deutsch- nationalen Parteitages abgchal en. Heber 100 Delegierte aus allen Gegenden Dcutsch- lands '(kitten sich eingefunden. Dazu kamen weit über 1000 Gäste. Der Parteivorsitzende H e r g t eröffnete den Patteitag und hielt eine politische Eröffnungsrede. Hergt sagte In seiner Rede zum Schluß:

In einer estkfchiedenen Produktionspolitik im Innern liegt der Kernpunkt des Problems der Lösung aus unserer Rot. Wir müssen mehr ar­beiten ob wir nun wollen oder nicht. Die Land- crirtschast muß endlich ihr Recht und ihre Hand- lungsf reihest haben. (Lebh. Zustimmung.) Die Re­gierung muß unbedingt für Recht und Ordnung sorgen. Es muß endlich einmal eine Partei geben, die das Problem des achtstündigen Ar­beitstages auch von Parteiwegen mit Namen nennt. Uno diese Partei können nur wir sein. Das Gebot dec Stunde heißt, Mehrarbeit ans Kosten des Achtstundentages. (Beifall). W i r rufen die Arbeiter auf, ihr Schicksal selbst In die Hand zu nehmen und sich an die Spitze der Aktion zu stellen. Unfer Plan bedeutet eine schroffe Absage an die sozialistischen wirtschaft­lichen Auffassungen. Eine Koalition mit den So­zialdemokraten halten wir für unmöglich. Wir tragen damit nicht etwa eine Spaltung in das Volk hinein, diese Spaltung ist vielmehr schon da. Untere Forderung nach Der selbstverständlichen Vereinigung aller zum Ausbau bereiten Bevölke­rungskreise auf der Grundlage der großen Rrcht- linien für diesen Wiederaufbau ist durch die Schuld der Regierung und Der Regierungspar­teien bis heute Illusorisch geblieben. Im Gegen­teil wird die Einigung systematisch hintertrieben. Leider ist die grundsätzliche anttmarxistische Ein­stellung bei den anderen Parteien nicht In dem Maße vorhanden tote bei uns. Man versucht im Gegenteil, uns systematisch zu isolieren. Das ge­schieht nicht bloß vom Zentrum und den Sozial­demokraten, sondern auch von der Deutschen Volkspartei. Trotzdem die Deutschnationale Volks­partei aus dem Rathenaupro/. g'än^end gerecht­fertigt hervorgegangen ist, hält man fest an der Einstellung: Der Feind steht rechts!

(Hört, hört! und Zurufe.) Wir haben versucht, außerhalb der Parteipolitik das Problem der Reichspräsidententoahl z^u lösen, das wir nicht künstlich hervorgerufen haben, sondern das sich aus der Verfassung ergibt. Da hier Volksrechte in Frage standen, hatten wir geglaubt, daß die bürgerliche Einigung in dieser Frage eine Selbst­verständlichkeit fein müßte. Hier bot sich eine Ge­legenheit dazu. Es gab einen Manu, dec das Steuerruder des Staates wieder Herumreißen konnte, Hindenburg (Stürm. Beifall), auf den die Gegenseite aus Angst selbst hat müssen aufmerk­sam machen. Aber man hat die Größe des über­parteilichen Programms und damit Hindenburg geopfert. In seiner Antwortrede auf meine Aus­führungen hat der Reichskanzler es nicht unter­lassen, die Sache auf persönliches Gebiet hinüber- zuspielen und tote ein dcus ex machina kam daö Gerücht von einem Attentat (Lachen), und schließlich kam Fehrenbach mit seiner Ver­teidigung in eigener Sache. War nicht diese Ver­teidigung selbst eine vernichtende Kritik der Ein- richtuna des Staatsgerichtshofes? (Sehr wahr!) Unser Appell an den Reichspräsidenten, die Frage zur Vvlksentscheidung zu bringen, ist nutzlos ge­wesen. (Stürmische Ruse: Pfui, Dersassungsbruch!) Aber das Volk wird sprechen.

Wir werden unsere Tätigkeit aus dem Reichstag ins Vvll hinaus vrrleoen. Die großen potttischen Debatten werden wir einsch ranken. Wir wollen dieses Theater nicht mehr mittnachen. Wenn wir aus Oppeln hören, daß es den Katholiken verboten sein soll, deutschnational zu sein, und wenn man will, daß wir die monarchisch' und die dcutschv llfheP opaganda <tnfte( e i sollen, dann ist die Antwort des Pacteiwg s: Nun erst recht!

Görlitz, 27. Ott. (WTB.) Der deutsch­nationale Parteitag beschäftigte sich mit den

Füllen dec Abgeordneten v. Gräfe und W u l l e und bestätigte mit 160 gegen 12 Stimmen die Be­schüsse des PartttVvrstanöes, wonach beim Partei- vorsland und bei den Landesverbänden deutsch- völkische Arbetts- und Studienausschüsse einge­richtet werden, dagegen die Gründung einer deuischvölkischen Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Partei oder die Umwandlung in eine solche außerhalb der Partei abgelehnt wird.

Aus dem Reiche,

Die TeuerungSaktion der Beamten.

Berlin, 28. OEt. Gestern tagte in Ber­lin der D.undeSausschuß des Deut­schen Deamtenbundes. Er beschäftigte sich vor allem mit der neuen Teuerungsaktion und erhob gegen die vom Reichstag verab­schiedete 7. Ergänzung des Besoldungsgesetzes Einspruch, da sie weder der wirtschaftlichen Notlage der Beamten gerecht werde, noch die vom Bunde geforderte Verbesserung des Be­soldungsgesetzes berücksichtige. Der BundeS- ausschuß erwartet, daß Reichsregierung und Reichsfinanzministerium sich zu sofortigen Verhandlungen über die Teuerungsaktton mit den Spitzenorgauisattonen bereit erklären.

DieRote Fahne- auf 14 Tage verboten.

Berlin, 27. Oft (WTB.) Der Berliner Polizeipräsideitt hat dieRote Fahne" gemäß § 21 des Schutzgesehes auf 14 Tage ver­boten. Der Grund des Verbotes ist ein heute von derRoten Fahne" vecöftentlichter Aufruf an die Eisenbahner, in dem es heißtDer Hundsfott General Gcöner will Buch verhungern lassen!" Die für heute abend anberaintte Eisen­bahnerversammlung, za der in dem Aafrafe auf- aefocdect worden war, ist gleichfalls auf Grand des Schutzgesetzes verboten worden.

Der thüringische Landtag.

Weimar, 27. OEt. (WTB.) Der thü­ringische Landtag sprach sich nach na­mentlicher Absttmmung mit 28 Sttmmen der Linksparteien gegen 23 Sttmmen der Rechten und der Demokraten gegen die Auflösung des Landtags aus. Der thüringische Iustizminister v. Brandenstein hat aus gesundheitlichen und privaten Gründen sein Amt niedergelegt.

Aus Hessen.

sw. Darmstadt, 27. Ott. Der Finanz­ausschuß des Landtags ist für Donners­tag, den 2. November, vormittag- 10 Uhr, ein* berufen. Die Tagesordnung umfaßt 53 Punkte. Von Wichtigkeit find davon: Antrag der Abg. Herbert, Knoll und Gen., betr. die beabsichtigte Aufhebung der Oberpostdirektion Darmstadt, An­träge dec Abg. Rink und Ebner, betr. die zehn Forderungen des QL D. G. D., Antrag Brauer und Gen., betc. Bildung von örllichen Doreln- fchähungsausfchüfsen bei den Finanzämtern, An­trag des Abg. Dr. Osann, betr. die Pensionen der hessischen Offiziere, Oftizlerswitwen, Walsen usw., Qlntrag der Abg. Mann und Gen., betr. Wohnungsbauabgabe, sowie Abg. Kaul und Gen., betr. Förderung des Wohnungsbaues, Antrag Rink-Ebner, betr. unentgeltliche Schulspeisung für alle Kinder. Entgegen anders lautenden Nachrich­ten erfahren wir von zuständiger Stelle, daß übet eine Einberufung des Landtages und dessen Tagungsdauer bisher noch keinerlei Verhandlungen gepflogen wurden. Jeden­falls ist vor Ende November oder gar Anfang Dezember nicht mit dem Zufammentrttt des Ple­nums zu rechnen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Oktober 1922.

Der neue Brotpreis in Gießen

wird im Anzeigenteile unseres heutigen Blat­tes amtlich zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Er ist von 44,50 Mk. auf 87,50 Mk. für das 1900-Gramm-Brot heraufgeseht worden. Die Preise für markenpflichtiges Mehl haben eine dementsprechende Neufest- setzttng erfahren. Begründet wird der Preis­aufschlag mit der Erhöhung der Kommunal­verbandspreise für Mehl und mit den gestie­genen Ankosten im Bäckereigewerbe.

Die Hausfrauen mögen besonders beach­ten, daß die Brotmarken Nr. 42 und 43, so­weit sie sich noch im Besitze der Konsumenten befinden, bis einschl. Dienstag, den 31. d. M. noch zum q l t e n Preise von den Bäikereten beliefert werden.

Das markenfreie 1900-Gramm-Brot kostet zur Zeit in Gießen 350 Mk.

Wettervoraussage

Wollig, trocken, kalt, nördliche Winde. Nacht­frost.

Wir kominen wieder unter den Einfluß hohen Drucks und haben bei nördlichen Luftströmungen mit Nachtfrost zu rechnen. Heute morgen wur­den folgende Temperaturen feftgeftellt: Gießen 0 Grad, Lauterbach 1 Grad, Darmstadt 1 Grad.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag: Eafö Leib, 71/« Uhr: Sportabend der Freien Turnerschast Gießen. Stadttheater, 8 Ahr: Oeifentlicher Vortrag überNot und Sieg Im Geschlechtsleben. Postkeller, 81/2 Ahr: General­versammlung des Turnvereins von 1846. Asto- ria-Llchtspiele:Fatty"Eddie Polo" undDec Fuhrmann des TodeS". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Dec Graf von Monte Christo", dritter Teil, undEr und 20 Minuten Angst". Palast-Lichtspiele:Die fleibente Nacht" und Kämpfende Gewalten".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 3 Uhr:Frau Holle": 7 Uhr.Vec- liebte Leute". Neue Aula, 5 Ufjr: Erstes Kon­zert des Gießener Konzectverelns. Turnhalle (Steinstraße), 4 Ahr: Stuhl-Konzert deS Mando­linen- und GuitarrevereinsNeapollta". Stadt- klcche, 4 Ahr: Vortrag überWie erziehen wir unsere Kinder?": 8 Ahr: Vortrag überSchuld und Sühne". Gesellschaftshaus, 7 Ahr: Wohl- tätigkeitsvecanstaltung der Deutschnationalen VolkSPartei. Turnhalle (Nordanlage), 7'/.. Ahc: Volksunterhaltungsabend deS Evangelischen Ar°

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 39504050, Frankfurt 40004025.

beitervereinS. Schliefplatz an der Liebigshöh^ ab 8 Ahr Dorrn.: Öffentliches Preisschliefen für Dachshunde und Fox-Terriers.

Hefsifche Vereinigung f ür £ Volkskunde. Am nächsten Dienstag wird . Herr Pros. D. Dr. Diehl aus Friedberg einen Vortrag halten über:Volkskundliches aus alten Psacrbefoldungsnoten. Der Vortrag war schon für die letzte Hauptver­sammlung angeseht, konnte damals aber infolge des Eisenbahner streiks nicht stattfinden. Die Freunde dec Volkskunde werden sich freuen, den vorzüglichen Redner wieder einmal zu hören. Der Eintritt ist frei. Wir verweisen auf die Anzeige in der heutigen Nummer.

Konzertverein. Leider hat Herr Eduard Erdmann wegen Erkrankung in letzter Stunde abgesagt, für denselben ist dec hier bereits bestens bekannte Pianist Herr Alfred Höhn gewonnen worden. Das Konzert findet wie an- gefagt morgen Sonntag nachmittag 5 Ahr statt. Das neue Programm wird durch. Anschlag an den Eingängen des Saales bekanntgegeben. Da Herr Höhn genötigt ist, bereits gleich nach 7 Ahc Gießen wieder zu verlassen, muh das Konzert pünktlich um 5 Ahr beginnen.

Eine Versammlung der Mau­rermeister uni) Dauu n te r nehmer des Landkreises Gießen findet am 31. Oktober in der Gewerbeschule, Kirchstr. 16, statt. (Siehe Anzeige.)

Alwin Andreas, der langjährige erste Maschinenmeister der Brühl'schen Uni­versitäts-Druckerei, ist am 26. d. MtS. im Alter von 66 Jahren seinem schweren Leiden erlegen. In Leipzig geboren, begann Andreas seine Buchdruckerlaufbahn in dem Groß-Druck­hause Breitkopf u. Härtel daselbst. Nach be­endeter Lehrzeit arbeitete er kurze Zeit in Karlsruhe und trat im April 1876 in die Brühl'sche Druckerei. Dem damals noch ohne motorische Kraft arbeitenden, verhältnismäßig kleinen Betriebe wußte sich der nach den Grundsätzen der alten Schule erzogene fttnge Gehilfe rasch anzupassen und mit primitiven Mitteln und Werkzeugen Arbeiten herzu- stellen, die daS Ansehen mit begründeten, das die Druckerei in dem deutschen graphischen Gewerbe heute genießt. Der Wandlung, die den Betrieb desGießener Anzeigers" zu einem neuzeitlichen gestaltete, lieh Andreas, ausgestattet mit praktischem Blick und Tat­kraft, seine Arbeit. Leider zwang ihn längere Krankheit, schon im Jahre 1904 den Beruf aufzugeben. Trotzdem setzte er die ihm noch verbliebenen spärlichen Kräfte und sein fach­liches Wissen gern ein, wenn er darum an­gegangen wurde. Seiner Familie ein treu­sorgender Vater, dem Anternehmen ein ge­schätzter Mitarbeiter, seinen DerufSgenossen ein hilfsbereiter Kollege und humorbegabter, Gesellschafter, so wird er fortleben im Ge­dächtnis seiner Bekannten und Mitbürger.

Vortragsreihe D c. Berg. Vor einer zahlreichen Zuhö e ßchast sprach Dr. Berg auch in den letzten Drei Ta^en in dec Stadtkirche über die zentralsten Punkte der ch istli-chen Welt­anschauung. In ttefg ünbijer Wie ve stand er es, die Zuhörer einzusüh'en in die Geheimnisse Der Gotteswelt, und die Herzen toarm zu machen zu staunender Betrachtung dec toume. baren Got> tesgedanken. Von besonderem Interesse dürsten jedoch seine beiden letzten Vorträge sein, die er heute und morgen abend zu halten gedenkt. Be­sonders zu begrüßen ist es, daß ein so berufener Redner sich einmal klar und offen überNot und Sieg " im Geschlechtsleben" auszusprcchen wünscht. Hier liegen die tiefsten Wurzeln des Niedergangs nicht nur einzelner Menschen, son­dern Tausender unseres Volkes. Die sittliche Not, die das Mark unseres Volles verzehrt, führt schneller und gewisser zum Ante'gang als aller, äußerer Druck. Ein Aufwärts in unserem Volke kann es nur geben, toaui biefe Schäden rückhalts­los aufgedeckt werden und auf Mi.tel l ingetoiefen wird, die allein Hilfe zu bringen imstande find. Das 'will Dr. Berg heute abend. In den Schluß- Versammlungen am Sonntag wird noch einmal zusammengesaßt, was die Wochmre.sammlungen gebracht haben.Schuld Und Sühne" durchzieht nicht nur das Leben des Einzelnen, sondern auch die ganze Weltgeschichte Anter der Schuld der Gottesferne stöhnt und seufzt die ganze Mensch- httt und jeder Einzelne. Aber durch die Sühne eines Einzelnen ist die Schuld von der Menschheit ! hinweggenommen. Davon zu zeugen, wird die Aufgabe d,es letzten Vortrages sein. Welches Interesse den Vv trägen entgegengebrächt wird, beweist eine freiwillige Sammlung, die es er­möglicht, Samstag und Sonntag die Kirche $u Helzen. (Siehe Inserat.)

* * Tiecäcz11 iche Taxe. Man teilt unS mit: Die fort währenden Schwankungen des Geld­wertes haben den tierärztlichen Landesvecein für Hessen veranlaßt, für die Berechnung der Ver­gütungen für tierärztliche Bemühungen folgende Grundsätze aufzustellen: Der Berechnung wird die Taxe aus dein Jahre 1900 (Friedenstaxe) zu Grunde gelegt. Der fo errechnete Betrag wird mit 50 Prozent deS jeweils v,n der Reichs bank be­zahlten Goldwertes vervielfacht. Damit bleiben die Vergütungen noch immer um die Hälfte hinter dem Goldwert bei der Berechnung zu Friedenszelten zurück. In vielen Teilen Deutschlands z. D. auch in dem Nachbarkreise Wetzlar 'haben die Tier­ärzte ähnliche Vereinbarungen getroffen, um eine möglichste Gleichmäßigkeit in der Behandlung die­ser Frage herbeizuführen und um die Liguida- ttonen wenigstens einigermaßen dem schwankenden Geldwert airzupassen.

* * Amtliche Personalnachrlchten. Ernannt wurden: am 20. September der 6d>ul- amtsanwärter Heinrich Borger aus Weinknstm zum Lehrer an der Vol sjchul? u Lber-Fl^rSh im, Kreis Worms: am 28. September der Weinbau- Inspektor Oosef Mader aus Bozen (Tirol) vom 1. November ds. Zs. ab zum Vorstand der Weinbaudomänenverwaltung zu Mainz mit der AmtsbezeichnungDomänenrai": am 19. Oktober der Studienrat cm der Realschule in Schotten Georg Heinrich Hofserberth zum Studien­rat an dem Gymnasium in Bensheim mit Wir­kung vom 16. Oktober 1922 ab; der Schulamts« antoäiter Adolf Weisel aus Röthges zum Leh-

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