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Nr. 59

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Erster Blatt

172. Jahrgang

Dienstag, 28. Zedruor i<)22

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drnd Hub Verlag, vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stein&ruderti K Lange. Schrifllettung. Gefchäftrstelle und Druderci: Schalstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher oknejedePerbtndlichKeii. Preis für 1 mm höbe für Anzeigeno 34 mm Breite örtlich 70 'Pf., auswärts 90 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 3^0 Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 .Auf.chlag. Haupifchriftleiter: Aug. Eoetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übrigen Teil: flarl Walther; für den fSnjeigenieil. Hans Beät, sämtlich in Gießen.

Gin Abkommen über die Durchführung der Sachlieferungen.

De r l i n. 27. Febr. (WTB.) Die Verband- üntgen. die in den letzten Atoei Wochen zwischen den Vertretern der deutschen Regierung und den Vertretern der Reparationskom- Mission über die Durchführung der S a ch - lieferungen geführt worden sind, haben heute zu einem vorläufigen Abschluß geführt. GS ist ein Abkommen paraphiert worden, daS der deutschen Regierung und der Reparationskvmmission zur Genehmigung Vvrgelegt wird.

Berlin, 28. Febr. lieber den Inhalt deS gestern in Berlin paravhterten Sachliefe- rungSabkommen mit einer Delegation der RevarationSkommisfion teilen die Blätter mit, daß daS Abkommen an Stelle der blSberiaen ge­bundenen 'TBIrf'-^ift durch die Staatsbehörden die freie Wir. ichaft d^r Interessenten einführt DaS bisherige behordlichr Verfahren war sehr umständlich In Zukunft wird der französische oder sonstige Geschädigte direkt bei den deutschen Lieferanten bestellen, und nur die Zahlung wird durch die Regierung ousgesührt Bei diesem neuen System wird der deutsche Lieferant in der Regel BVl mark'p-eise erzielen können Die deutsche Re­gierung wird die Lieferanten in entsprechender Höhe in Paviermark bezahlen. In der besonders schwierigen Frage der ausländischen Rohstoffe ist jetzt eine Vereinbarung zustande gekommen, wo­nach Sachlieferunaen, die zu 25 P'wz. aus aus­ländischen Rohstoffen bestehen, voll bezahlt wer­den Um die Einmischung von Schiebersirmen möglichst au verhüten, ist bestimmt worden, daß von deutscher Seite nur anertannte Handels­firmen oder die Hersteller selbst als Lieferanten zugelallen werden D ie geplante große Organisation der Li efcrungsver- bände und deS LeistungSverbandeS wird nunmehr nicht zur Durchfüh­rung gelangen Der große Apparat des Wi^eraufbauministeriums, ocS ReichSkommisfa- riatS und der Landesauftragsstellen kann in großem Umfang abqebaut werden Die Aufträge der 6iea er floaten werden aller Voraussicht nach hauptsächlich Gegenstände betreffen, die keine Konkurrenz für die eigene Industrie darstellen

Die Vertreter der Reparationskommistion. die feit 14 Lagen unter Führung des Belgiers Eenerlmans über das neue Sachlieferungsabkom­men verhandelt haben, haben gestern Berlin ver­lassen und sich nach Paris begeben, um dort in der Reparationskommission den endgültigen Ab­schluß des Abkommens vorzubereiten.

Die Konferenz von Genua.

Paris, 27. Febr. < WTB.) Die .LitettL" bespricht die Bestimmung des 10. Aprils zum Eröffnungstag der Konferenz von Genua. Wird bis dahin, fragt das Blatt, die Orient­frage gelöst fein ? Das sei zweifelhaft, denn die Auffassungen in Paris und London über sie gingen nach wie vor auseinander. Könne man aber von einer Wiederherstellung des euro­päischen Wirtschaftsleben sprechen, wenn von Thrazien bis über Sintzrna nichts als Unsicher­heit, 5£rieg und Wirrwarr herrsche? Werden biS zum 10. Avril die Alliierten jene vorher au treffenden Maßnahmen strenger Gerechtigkeit durchgeführt Haden, die in dem Ausgleich ihrer Kriegsschulden bestehen sollen? Dieser Ausgleich werde solange ausbleiben, als die De reinigten Staaten sich nicht daran be­teiligten und daraus beständen, ihre Forderungen einzuziehen. Es sei ausgemacht, daß Vorkehrungen getroffen würden, damit die Konferenz von Genua nicht gefährlich werde, aber cs handle sich auch darum, ihr Wirlsamkeit zu verschaffen und sich nicht um nichts und wieder nichts zu bemühen. Die Amerikaner, sagt das Blatt weiter, schlagen nur vor. daß nach 6 Monaten, etwa im Herbst, wenn ihre innerpolitische Lage sich ein wenig geklärt habe, eine Wirtschaftskonferenz abgehal­ten werden soll, an der sie gern teilnehmen würden, wenn man bis dahin warten wollte und zunächst die großen Angelegenheiten einer Lösung entgegenführte, an denen Amerika kein Interesse habe und die noch in der Schwebe seien.

Englische Presseftimmen über die Zusammenkunft in Bonlogue.

London, 27. Febr. Die .Westminster Gazette" schreibt, man habe keinen besonderen Giund, an?,unebmen, daß der vfsi ielle Bericht bei dieser Gelegenheit mehr Wahrheit enthaften habe als bei früheren Gelegenheiten. Zweifellos sei eine Art von Tauschhandel zustande gekommen und im Laufe der nächsten Tage werde man vielleicht etwas über die 2ta ur dieses Han­dels erfahren. Es sei jedoch zuviel verlangt, wenn man das Publikum glauben machen wolle, daß eine vollständige Uebercinstünmung bezüglich irgend eines der Hauptprobleme zwischen Eng- lanb und F'-ankreich erzielt Worten sei. Es könne sein, daß Lloyd George zum ersten Male feit dem Frieden einem auswärtigen Staatsmanne gegenüber eine nachgiebigere Hal ung ge­zeigt habe als gewöhnlich. Gr habe eines ge­stiert, nämlich die endgültige Zusicherung, daß Frankreich die Genueser Konferenz nicht zuor Scheitern bringen werde. Was er jedoch für diese Zusicherung bezahlt habe, könne man nur vermuten. Die gesamte Welt wisse, daß Poincarö sehr entschiedener Ansicht bezüglich der Be'.i gungen des englllch-franzc fischen Pates sei und biefe Ansichten seien unter keinen Umständen

vereinbar mit dem Wunsche oder den Jnteresten I Englands oder mit den im Völkerbunde oder in dem Washingtoner Ueberetnkommen enthaltenen | Grundsätzen.

Der .Daily Herold" veröffentlicht unter der Ueberschrifw .Poincar6 triumphiert in Boulogne! Lloyd George gibt auf der ganzen Linie nach!" Ausführungen seines Pariser De--1 richterstatters, in denen eS heißt: Die 'Beteiligung Lloyd Georges an der Doulogner Unterredung habe in nichts anderem bestanden als in eine erstaunlichen Reihe von Zugeständnissen, Kompromissen und Rachgiebiakeiten. SS sei kein Wunder, daß die Pariser Presse be­friedigt sei, und kein Wunder, daß Pvincarö er­klärt habe, er sei vollkommen zufrieden. In einem Leitartikel erklärt der .'Daily Herold", Poincar^ habe alles gewonnen, was er gewünscht habe. Gr habe den Mißerfolg der Konferenz von Genua gesichert. Lloyd George habe alles gegeben, ohne es selbst au merken. Er habe seine Taschen geleert und sei das noch gar nicht gewahr geworden. Die neue Minifterkoufereuz in Paris.

Paris, 27. Febr. (WTB.) Havas teilt mit, jm Anschluß an den Schriftwechsel zwi­schen dem englischen Schatzkanzler Sir Robert Hörne und dem französischen Finanzminister de Lasteyrie sei die Konferenz zwi­schen dem französischen, dem eng- lischen, dem italienischen und dem belgischen Finanzminister itPariö auf Den 8. März festgesetzt worden. Sie wer­den sich insbesondere mit der Verteilung der deutschen Zahlungen und mit den Desayungs- kvsten beschäftigen.

Poiucar^ und die Kriegsbeschuldigtenfrage.

Paris, 27. Febr. (WTB.) Der dem nationalen Block angehörende Abg. Bonnet, der mehrfach Briand in der Kriegsbe­schuldigtenfrage interpellierte, schreibt imRadical", seitdem der vom Obersten Rat eingesetzte Ausschuß zur Begutachtung der leipziger Urteile seine bekannten beiden Re­solutionen faßte, habe Poincarä ge­handelt. Er habe den verbündeten Regie­rungen Jetnr Ansichten bekanntgegeben. Er sei jetzt damit beschäftigt, die Akten der von den franzSsischen Militärgerichten abzuurtei­lenden Angeklagten zu vervollständigen. Diese Bvrbereitung sei peinlich genau und werde eine gewisse Zeit erfordern. Deutschland werde auf gefüttert, die Beschuldigten auszuliefern. Wenn es nicht Folge leiste, würden die im Versailler Vertrag vorgesehenen Sanktionen (gemeint ist die verlängerte Besetzung ter Rheinlande) angewandt.

Der neue italienische Außenminister.

Paris, 27. Febr. (WTBZ Havas teilt mit, ter neue italienische Außenminister S ch a n z e r werte morgen von seinem Aufent­halt in Washington in Le Havre zurücker- tDarteL Auf der Durchfahrt durch Paris werde er höchstwahrscheinlich eine Begegnung mit Potncars haben, falls die Abfahrt nach Rom, wo er ehestens erwartet wird, ihm einen Aufenthalt von einigen Augenblicken gestatte.

Der österreichische ^iuanzmiuifter in London.

London. 28. Febr. (WTB.) Der österreichische Finanzminister trifft heute in London ein. Der Finanz- und Wirtschaftsausschuß des Döllerbundes wird dann die Frage ter finanziellen Unterstützung Oesterreichs prüfen und regeln.

Die kommenden Wahlen in England.

London, 28. Febr. (WTB.) Der .Man­chester Guardian" schreibt in einem Leit­artikel, die Regierung werte wah schern'ich da« Parlament auflösen, sobald siefürAeawahlen bereit sei. Die Zwischenzeit bis dahin fei jedoch von ernsterer Bedeutung. Die Verhandlungen zwischen Lloyd George und Poincars tn Boulogne würden vielleicht die Zukunft des Landes für ein Merschenalter beeinflussen. Der Premierminister dürfe dos Land nicht zu Ver­bindlichkeiten verpsllchten, die zukünftige Ge­fahren in sich bergen. Eine militärische Ver­pflichtung Frankreich gegenüber dürfe nicht über» nrrnmen werten. Ein solches Sonderabkommen würde dem Geist und den Bestimmungen teS Völlerbuntes zuwider laufen. Die Polllik ter Sonde ch rndnisse und Sonde verpllich a gen d'rte keine liberale oder 2kbeit?rr<.gt'?nrtg in Z> kunft fvrHetzen wrllen. Die letz en E e g'i se b u eten nicht auf eine Rieterlage d'eser bäten Parteien bei den Reuwahlen hin. Diese Parteien hätten das Recht, darum zu ersuchen, da.ß ihre An­sichten in Betracht gezogen würden.

Irland.

London, 27. 8ebr. (WTB. > Churchill erllärte im Unterhaufe, nachdem G iffith, Duggon und noch ein unterer bevollmächtigter Vertreter der prvviforifchen Regierung am Mon ai nach London gekommen sei, habe mm eine Konferenz > abgeb alten. Die irischen Minister Hütten sich durchaus an den englisch-arischen Vertrag I gehalten und feien entschlossen, seine sämtlichen

Bedingungen zu erfüllen. Auf dem Konvent ter 6 i n n f c t n e r seien verschiedene Anträge ein- gebracht worden, wonach die neue irische Ver­fassung gleichzeitig mit tem englisch-irischen Ver­trage ter Devöllerung Irlands un erb: ei et wer­den soll, bevor es zu allgemeinen Wahlen komme. Die provisorische Regierung habe diesem Wunsche entsprochen; auf bet anderen Seite hätten die Republikaner das Versprechen abgegeben, die Wahlen zu erleichtern und die Funllionen ter Provisorischen Regierung nicht au hemmen. In­folge dieses Abkommens würden die iri chrn Wah­len um 6 oder 7 Wochen verzögert und voraus­sichtlich Anfang Juni ftottfInten. Churchill schloß mit ter Bemerkung, unter diesen Umständen die Beschlüsse ter britischen Regierung zu äntem. Infolgedessen würde d.e Räumung Ir ands durch die britischen Truppen fortgesetzt weiten

Das Prohibitionsqesetz in Amerika.

Paris, 27. Februar. (WTB.) Aach einer Havasmeldung aus Was Winston hat das Gxeku iv- komitee der amerikanischen Gewerk­schaften einen Aufruf an alle Mi'glieder er­lassen, sich an dem Vorgehen ter Gewerkschaft zu­gunsten tes Wide^: rufs des zur Zeit geltenden Prohibitionsgesetzes und für die Frei­gabe von leichtem Wein und Bier zu beteiligen. Das Prvhibitionsgesetz, heißt es in tem Aukus, sei ein sozialer und moralischer F e h l - schlag und habe Hintergehung und Gering­schätzung zur Folge gehabt.

Die Frankfurter Sozialisten- konferenz.

Frankfurt a. M., 27. Febr. (WTB.^ In der heutigen (letzten) Sitzung ter Fünfländer­konferenz wuror zunächst in ter Repara - tivnSfrage eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: Am Vorabend ter Konferenz von Genua stellen die Delegierten ter sozialisti­schen und Arbeiterparteien Belgiens. Deutsch- laich», Frankreichs, Großbritanniens und Ital'ens den offenenBanferott der Politik des Zwanges und der Gewalt fest, die bi'her den Wiederaufbau der Weltwirtschaft verhindert hat. Die Frage ter Leistungsfähigkeit Deutschlands steht in unlösbarem Zusammen­hänge mit ter gesamten Weltwirtschaft, insbeson­dere mit dem Wiederaufbau Rußlands; ihre Erörterung In Genua ist daher uner­läßlich. Don diesen Gesichtspunkten ausgehend, haben die Delegierten einstimmig folgende Be­schlüsse gefaßt: Die Wiederherstellung ter zer­störten Gebiete, insbesondere in Belgien und Frankreich muß von Deutschland in vollem Um­fang feiner Leistungs^ähigkllt übernommen wer­den. Einerseits gilt es. Frankreich und Belgien von den Lasten zu befreien, die gegenwärtig auf ihnen liegen; andererseits gilt es, Te-ltfch» land zu ermöglichen, die Wietergatmachung durchs zuführen, ohne es zu Maßnahmen zu zwingen, die zur Verelendung des deutschen Prolctaria s führen, Teutfchlands Währung erdrücken und die Ausfuhrprämie noch steigern, die zum größten Tell auf Kosten ter Arbeiterlöhne erhoben wird. Die Lösung dieses Problems ist nur möglich durH Maßnahmen von internationalem E' arak er, d e in ihren Einzelheiten von den sozialistischen Kon- ferenzen von Amsterdam vorgesehen sind. Sie verfolgen den doppelten Zweck, die zerstörten Ge­biete schnell wieder herzustellen, ohne Frankreich und Belgien unter ter Last ter unvermeidliche BarauSlagen zu erdrücken, und die finanzielle Gesundung Deutschlands za er'eichtern, indem ihm die notwend'grn Z- hlurgteufi tzute and Erleich­terungen gewährt werden. Unter den de bezüg­lichen Maßnahmen find folgende b sonders ipr* vorzuheben: 1. Schaffung ciaes International n Wiederaufbau inst ituts darch alle daran inter­essierten Staaten, um die Rohstoffe und Arbeits­kräfte denBebürfniffen des Wiederaufbaus dienst­bar zu machen. 2. Annullierungen und inter­nationale äleternahme derjenigen Lasten, die Deutschland in bezug auf die Kriegspenfionen auf gehärtet wurden, im Widerspruch zu Wilsons 14 Punkien, die beiderseits als Grundlage tes Waffenst illstands angenommen waren. 3. Strei­chung der internationalen Schulden, die aus tem Kriege entstanden sind. 4. Entsendung eines inter­nationalen Schiedsgerichts für alle S rcitigk-i^n, die sich aus ter Ausübung des Wieteraufbau- planes ergeben können. Tie sozialistischen Par­teien sind entschlossen, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um der Politik teS Zwange« and ter Gewalt eine Politik ter gegenseitigen Hilfe and terDöllersolidarität entgegenzustellen.

Außer ter vorstehenden gelangte eine weitere Entschließung zur Annahme, die sich mit ter Entwaffnungsfrage befaßt. Hiernach soll das Problem ter von ter Arbeiterklasse aller Länder stets geforderten allgemeinen Abrüstung auf einer allgemeinen Konferenz aller sozialisti- scheu Parteien ter Welt erörtert werten. Die sozialistischen Arbeiterparteien Eng'ands, Frank­reichs Belgiens und Italiens werten aber zu­nächst m den Parlamenten ihrer 2änter RüstungS- einschränkunaen fordern und ferner die Aufhebung ter militärischen Okkupation verlangen, de der Wiederherstellung eines will ichen Friedens und einem wn.Ischaf;llchen und politischen Wiederauf­bau ter Welt entgegenstehen. Andererseits wird die deutsche Arbeiterk alle chre Mion fortfetzen zugunsten einer wachsamen, durch die Berufs- o gan f-itümen der Arbeiterschaft auszu üh e den Kontrolle ter Abrüstung, um jede Herstellung von KriegSmate ial und jede Waffenverheim- lichung zu verhindern. Am Schluß der Resolution wird erklärt, daß die Konferenz vvMvmmen ein­

oerftanten fei mit ten Defch'ü'scn deS Internatio­nalen Kongresse« der Wecallarbellcr-, Tc g- arteiter- und Transvortarbeiterteroante u id b:r Gewerkschaftrintcrnationale, jeden neuen Krieg mit dem Generalstreik zu beantworten.

Aus dem Reiche.

Die Frage der Präsidentenwahl.

Berlin, 27. Febr. (Priv.-Telegr.) Wie dte ^Deutsche 2.1 gemeine Zeitung" erfährt, teilte ter Reichskanzler ten Parteiführern mit, er werte in kürzester Frist mit ihnen der Wahl des Reichspräsidenteii Sil Lng nehmen. In ter Kandidatensrage sei bisher von einer Einigung der bürgeillchen ^tza- teien auf eine einzelne Persönlichkeit noch nicht dir Rede. Un­zutreffend fei, daß v. Kahr als Kandidat ter Deutsch-Rationalen angefprochen werten könne. Die Deutschnationale Volkspartei fei biZher noch nicht in ter Lage gewesen, einen Kandidaten zu p.ä entieren. ter fämllichen glichet Partci.n genehm wäre, worauf namentlich die Rechts­parteien großen Wert zu legen schienen. In Zen­trumskreisen verlaute, daß das Zentrum den früheren Reichskanzlei- Fehrenbach präsen­tieren würde. Der Kandidat der Demokraten scheine der württembergische Staatspräst-ent Dr H i e b e r zu fein.

Die Steuerfragen.

Berlin, 28. Fcbr. Wie die .Deutsche All' Gemeine Zeitung" mitteilt, werden die Steuer- ommissionen heute ihre Beratungen fort- setzen. lieber das Mantelgefetz, das auch das Gesetz über die Zwangsanleihe ent­hält, sotten in ter zweiten Hälfte dieser Woche zwischen den Koalitionsparteien und der Deut­schen Volkspartei Verhandlungen stattfinden. GS ist anzunehmen. daß die entscheidenden (Beratung gen nach ter Rücllehr des Reichskanzlers, tei heute oder morgen aus Baden in Berlin wieder eintreffen wird, einsetzen werten

Rach einer Meldung ter »Deutschen Allgern Zeitung" empfing Reichsfinanzminister Dr. Hermes am Samstag einige Vertreter ter Deutschen Volk-Partei und teilte ihnen mit, daß zwischen Z«rtrum, Demokraten und SoAialdenio- traten nunmehr eine Einigung über das Olt a n - telgesetz erzielt worden sei. Am 2Rantelgcfeh fei nichts geändert worden. Anterslautente Rach- richten, die in ten letzten Lagen darüber in der Presse aufgetaucht feien, feien unzutreffend.

Die ZwangSavleihe.

Berlin, 27. Febr. (WB) Die 'Veratun gen über die Schaffung und Ausgabe einer Zwangsanleihe, bie im Reichsfinanz' Ministerium in den letzten Wochen ftairgefunten haben, find jetzt fotoeit vorgeschritten, daß S'ch- verständ'gc aus Bankkreifei, ter 3 i>uT'r e, b;r Landwir schäft, des Hand l^ und d:> 21 b?"i r-- schäft gehört werden können. Zum Tctt ist bas schon geschehen. Binnen kurzem wertet die Ver­nehmungen ter Sa'.v r .ä d gen foilg f ht a d zum 2lbschlaß gebracht werten. Hebe. d n tt?- her vorliegenden Plan muß aas naheli gendcn Grünten Stillschweigen bewahrt werten, doch steht soviel fest, daß die Zwangsanleise em Opier d.'s Besitzes sein wird.

Heue KohlenpreiSerhöhungen.

Berlin, 28. Febr. Der Reichskvhlen- tetbanb und der große Ausschuß des Reichs- kohlenverbctndes haben gestern UnitDeutscher Allgemeiner Zeitung" beschlossen, für Ruhr^ kohle und für niederschlesische Steinkohle im Durchschnitt aller Sorten eine Preiserhöhung um 140,60 AU. ohne Steuer, für sächsische Steinkohle eine solche von 158,50 AU., für Aachener Kohle eine solche von 127,04 AU ohne Steuer pro Tonne festzusetzen. Für rhei­nische Braunkohle sowie mitteldeutsche und ostelbische Braunkohle wurden ebenfalls er­hebliche Preiserhöhungen festgesetzt. Die Preiserhöhungen wurden nottoendig infolge einer Lohnerhöhung, die für das Ruhrgebiet und das rheinische Braunkohlengebiet 19,40 Mark pro Schicht und für das mitteldeutsche und vsteLbische Braunkohlenrevier 15,50 Mi. pro Schicht beträgt

Groß-Hamburg

Berlin, 27. Febr. (WTB.) Heute nachmittag begannen im Sitzungssaal des preußischen StaatSminifterrumS die Verhand­lungen über Groß-Hamburg. Der preußische Ministerpräsident eröffnete die Ver­handlungen mit einer kurzen Begrüßung, in der er hervvrhob, auch die preußische Regie­rung verkenne nicht, daß eine sachgemäße Aus­gestaltung des hamburgischen Hafengebietes zur Ermöglichung der wittfchafllichen Höchst­leistung nicht nur im besonderen hamburgi­schen, sondern im allgemeinen deutschen Wirt- schafllichen Interesse liege. Die preußische Re­gierung gehe mtt dem Senat Hamburgs so­nach im Ziele einig, und eS werde Aufgabe der Verhandlung sein, den richttgen, allen berechtigten Interessen Rechnung tragenden Weg zu diesem, zum Wohle unserer deutschen Wirtschaft zu erstrebenden Ziele zu finden. Wenn beide Teile partitularistische Sonder, interessen zurückstellten, würde es möglich sein, das Pwblem in kürzester Zeit befiiediaenv zu lösen.