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dusttte unv handel des besetzten Gebietes ver­treten sind, legt scharfe Verwahrung da­gegen ein, daß die Reichsregierung den Entwurf Änes Gesetzes über die Zwangsanleihe dem Reichstag vorlegen will, ohne die gutachtliche Aeutzerung des vorläufigen Reichswirtschaftsrats eingeholt zu haben. Der Wirtschaftsausschuß glaubt in dieser Umgehung des Reichswirtschafts­rats die Bestätigung finden zu dürfen für die in weiten Kreisen des deutschen Wirtschaftslebens be­stehende Auffassung, wonach die an den Steuer- komprvmiß sich anlehnende Zwangsanleihe mit größter Beschleunigung zur Verabschiedung ge­bracht werden soll, um unbekümmert um die ge­fahrvolle finge der deutschen Wirtschaft zu Ein- nahmen zu kommen, die über den im Gesetz über Denderungen im Finanzwesen vom 8. April 1922 festgelegten Anleihebetrag in Höhe des Gegen­wertes von einer Milliarde Goldmark weit hinaus­gehen. Der Wirtschaftsausschuß kann infolge des Fehlens genauer Unterlagen über die Höhe des derzeitigen gesamten VolWvernrögens nicht nach­prüfen, ob der in Paragraph 9 des Entwurfs auf­gestellte Tarif dem aufzubringenden Anleihesoll entspricht. Er hält sich aber für verpflichtet, die Reichsregierung darauf hinzuweisen, daß die Zwangsanleihe das Wirtschaftsleben zu einem Zeitpunkt trifft, in dem das Kreditbedürfnis aller seiner Zweige einen außerordentlich hohen Grad erreicht hat. Daraus ergibt sich die dringende Rot- wendig keit, den Ertrag der Zwangsanleihe in den durch Gesetz vorgefchriebenen Grenzen zu halten und unter allen Umständen zu vermeiden, daß die Wirtschaft darüber hinaus Abgaben zu leisten hat, die letzten Endes die gesamte deutsche Volks­wirtschaft größten Gefahren ausseht. (Sine solche Gefahr ist um so naheliegender, als der Entwurf durch den Zwang der Vorauszeichnung das Gros der Zahlungen auf die Zwangsanleihe bereits bis zum 1. Rovember 1922 erzielen will. Der Wirt­schaftsausschuß spracht deshalb das Verlangen aus, daß diese außerordentlich wichtige Vorlage der gesetzlichen Vertretung der d^ttschen Wirtschaft, Dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat, zur Vor­prüfung unterbreitet toirb, und bittet gleichzeitig Sorge zu tragen, daß auch die Spihenverbände von Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft Gelegenheit finden, sich vor der Beschlußfassung durch den Reichstag beschleunigt aber eingehend mit der Angelegenheit beschäftigen zu können. Eine Reihe von Einzelheiten des Entwurfs bedarf sorg­fältiger Erwägung. Reben den schon angedeuteten Punkten sind namentlich hervorzuheben die Vor­schrift des Paragraphen 15, nach der die Selbstein- schähung nach einem künftigen Stichtag zu erfolgen hat, sowie die in den Paragraphen 21 ff. für alle Fälle des Zurückbleibens der Vorauszahlung hin­ter der endgültigen Veranlagung vorgesehenen so­genannten Abgaben, die lebhaftes Bedenken in allen Kreisen der beteiligten Anleihepflichtigen Hervorrufen müssen. Der Wirtschaftsausschuß be­hält sich vor, der Reichsregierung eine eingehende Begründung der in der vorstehenden Entschließung niedergelegten Bedenken möglichst bald zu unter­breiten.

Zollfreiheit der Znckereinfuhr.

Berlin, 24. Mai. Der wirtschafts­politische Ausschuß des Richsw'rtschafts- rats bestätigte den bekannten Beschluß seines älnterousschusses, der die Frage der Zuckerveri or- gwmg behandelt hat. Inzwischen ist bekanntlich die Einfuhr von Zucker erlaubt worden. Der Ausschuß war einstimmig der Meinung, daß es unmöglich sei, von diesem einznführenden Mucker Zölle zu erheben, und der Vertreter des ReichswirtschostSministers gab die Erklärung ab, oceß dies auch nicht von der Regierung beabfich- tigt sei; anders lautende Rachrichten seien un­richtig.

Aus dem Reiche.

Reich-sratsbefchlusse.

Berlin, 26. Mai. (WTB.) Der R e i ch s r <l t hat sich in seiner öffentlichen Sitzung am Freitag abend mit den Reichs­tagsbeschlüssen zum Gesetzentwurf über die Autonomie der Reichsbank und zur Verlängerung der Pachtschutz- vrdnung einverstanden erklärt. Weiterhin wurden verschiedene Aenderungen zum Kranken - Versicherungsgesetz be­schlossen. Den Krankenkassen wurde gestattet, die Grtlndlöhne abermals erheblich zu erhöhen, wobei das Selbstverwaltungsrecht der Kassen auch noch insoweit verstärkt wurde, als ihnen die Möglichkeit gelassen wird, durch Satzungs­änderungen noch über den Höchstbetrag hin­auszugehen, der gesetzlich festgelegt ist, falls dieser Höchstbetrag nicht zureicht. Die Grenze für die Versicherungspflicht, die bis jetzt 40 000 Mark beträgt, wurde auf 60 000 Mk. erhöht. Die Vorschläge auf noch weitere Erhöhung fanden in den Ausschüssen keine Billigung, da man befürchtet, daß allzugrvße Erhöhungen der Versicherungsgrenze eine Kriegserklärung an die Aerzle bedeuten würde. Bezüglich der Versicherungsgrenze wurde die bisherige Ein­kommensgrenze zwar nicht erhöht, aber die Kinderzuschläge bis auf 1500 Mk. erhöht, wo­durch besonders kinderreiche Familien be­günstigt werden.

Fühlungnahme in der Ernährungsfrage.

Berlin. 28. Mai. Der R^ichsernähru-rgs- rninister Fehr wirb der®arfd>en Allgemeinen Zeitung" zufolge am 30. und 31. Mai in Mün­chen weilen, wo er mit dem bayerischen Land- wirtschaftsministei.nun Fühlung nehmen wird.

Aus Sfr'bt unb Land.

Gießen, den 27. Mai 1922.

** Amtliche Personalnachrichten Ernannt wurde der Studienrat an der Realsck^le in Lauterbach Ottmar Kaltenhäuser zum Studienrat an der Oberrealschule in Worms mit Wirkung vom 24. April d Z. an. - Ernannt wurde am 3. April der Studienrat art der Ober­realschule in Worms Dr. Friedrich Schr eiter zum Studienrat an dem Gymnasium in Worms mit Wirkung vom 24. April 1922 ab. Ernannt wurde am 22. Mai der Lehrer Zohannes Wen- z e l zu Bieber mit Wirkung vom 1 Juni 1922 ab zum Rektor an der Volksschule daselbst. - 6r, nann* wurden am 16. Mai die Poljzeiwachtmeist^r auf Probe beim Polizeiamt Bensheim Paul K i eck aus Pinnow, Kreis Templin und Otto Barth aus Sötern (Birkenfeld) zu Polizeiwachtmeistern: der Polizeiwachtmeister auf Probe beim Volizei-

amt .Offenbach a. M. Adam Trummheller aus Graserlenbach, Kreis Heppenheim, zum Poli­zeiwachtmeister, sämtliche mit Wirftmg vom l.Zuni ds. Zs.

** Wochenmarktbericht. Auf dem heu­tigen Wochemnarkt wurde gezahlt für Spinat das Pfd. 4-5,50 Mk., Kopfsalat 37 Mk., Rupfsalat das Pfd. 10Mk., Spargel 812 Mk., Mischgemüse 4 Mk., Rhabarber das Bund 2,503 Mk., Ra­dieschen 1,502 Mk., Lauch das Stück 12 Mk., Sellerie 67 Mk., Butter 6870 Mk., Eier 4,20 bis 4,50 Mk. das Stück. An Spinat, Salat und Spargel sind große Mengen angefahren; es ist hierbei mit einem großen Heberst and und zu Ende des Marktes mit einem bedeutenden Rück­gang der Preise zu rechnen. Auch Eier und Butter sind in.genügender Meng« vorhanden. An der Höhe der Preise hierfür trägt das kaufende Pu­blikum einen bedeutenden Teil Schuld, weil die Verkäufer derart überfallen werden, daß sie kaum ihre Vorräte aufpacken können, und in vielen Fällen die Marktpolizei die Verkäufer vor dem Andrang schützen muß. Die natürliche Folge ist ein Steigen der Preise.

** Eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses findet am 1. Juni d. 3-i vormittags 9 Ahr, im Regierungs­gebäude ftatik Auf der Tagesordnung stehen: 1. Reuregelung der Besoldung der Beamten in den Landgemeinden; hier: in Ettingshau­sen; 2. desgleichen, hier: in Bettenhausen; 3. desgleichen, hier: in Dorf-Gill.

** Eine Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung findet am DkenS'ag, dem 30. Mai 1922, nachmittags 5 älHr, im Stadt­hause, Bergstraße (Sitzungssaal) mit folgender Tagesordnung statt. 1. Vergebung der Druck­lieferung von Zinsscheinbogen zu den Stadt­anleihen 1897/98 und 1907. 2. Zuschuß für die Volkshochschule. 3. Gewährung eines Zuschusses an den Verband Hessischer Derkehrsvereine. 4. Gewährung einer Beihilfe an den Kaninchen­zuchtverein. 5. Erhöhung des Jahresbeitrags an das Germanische Rational-Museum in Rürnberg. 6. Gewährung von Freitischen im Gießener Stu­dentenheim. 7. Ortssahung über die Erhebung eines Zuschlags zur Zuwachssteuer in der Stadt Gießen. 8. Anpassen der Besoldungen der städti­schen Beamten usw. an die Reuregelung der Ge­haltssätze für die Reichs- und Staatsbeamten ab 1. Mai 1922. 9. Erneuerung des Vertrags mit Oekonom ©ottmarm über die Eberhaltung. 10. Ernennung eines Feldgeschworenen. 11. Bewil­ligung eines KrÄstts für die Lohnerhöhungen der städtischen Arbeiter. 12. Erhöhung der Ruhe­löhne für die städtischen Arbeiter und deren Hin­terbliebenen. 13. Bewilligung eines Kredits für die Instandsetzung der Tennisplätze auf der Lie- bigshöhe. 14. Errichtung eines Stadtschulkreises. 15. Erhöhung des Schulgeldes für die höhere und erweiterte Mädchenschule. 16. Beschaffung eines Projektionsapparates für die Volksschule. 17. Teilnahme von Schülerinnen der Stadtmädchen­schule an dem Unterricht der Haushaltungsschule des Aliceschulvereins. 18. Trennung des Sing­saales von dem Turnsaale der höheren und er­weiterten Mädchenschule; hier: Kreditbewilligung. 19. Erhöhung der Vergütung für die Tätigkeit an den städtischen Kinde.horten. 20. Bewilligung von Mitteln für die Quäkeffpeisung. 21. Desglei­chen für die Kleinrentnerfürsorge. 22. Baugesuche: a) der Firma Dänninger für einen Fabrikerwei­terungsbau; hier: Befreiung von Bauvorschriften; b) der Firma Gail für eine Remise auf dem Grundstück an der Sandgasse; c) der Firma A. und W. Denninghoff für die Errichtung einer Einfriedigung an der Rordanlage; d) der Firma Hehligenstaedt u. Eo. für einen Fabrikneubau an der verlängerten ßiebiqftraße. 23. Benennung der Straße an der Rvrdseite der Bahn nach Geln­hausen und des Sttaßenzuges in der Verlänge­rung der Bleichstraße. 24. Beschaffung von Ze­ment für die Anfertigung von Schlackensteinen. 25. Bewilligung eines Kredits: a) zur Beschaf­fung von Asphalt für die Reparaturen an ©tra- ßenbefefligunqen; b) zur Beschaffung von Möbeln für das Wohlfahrtsamt; c) für die Erneuerung des Anstriches an verschiedenen Drücken. 26. Er­höhung der Gebühren für Beerdigungen. 27. Mit­teilungen.

** Der homöopathische VereinGie- ß en hielt eine öffentliche Versammlung ab, in der überGeheimleiden, Ansteckungen, Ä-Pressungen und ihre Förderung durch den neuen Gesetz­entwurf" gesprochen wurde. Der Redner, Dr. med. Phil. jur. denk. Hammer (Berlin) behandelte die Mißstände, die der Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Gesch echtskrankhe' ten im Gefolge haben könne. 3m Anschluß an seine Darlegungen wurde ein­stimmig folgende Entschließung angenommen:Die anwesenden Mitglieder und Gäste des homöo- patischen Vereins Gießen mißbilligen die Rege­lung der ärztlichen Schweigepflicht, wie sie der Ge­setzentwurf vorsieht, und verlangen, daß die ärzt­liche Schweigepflicht mindestens in dem bisher ge­bräuchlichen Maße beibehalten, wenn irgend mög­lich noch mehr als bisher sichergestellt wird."

**SNberneHochzeit feiern am Montag den 29. Mai der Polizei-Kommissar Kimmel und seine Ehefrau Karoline geb. Schäfer, das gleiche Fest, verbunden mit dem 15jährigen Ge- schäftsjubiläum das Ehepaar Heinrich Heß und Frau Efisabeth geb. Berreß, Frankfurter Str. 19.

< Für den Bäderverkehr ftnb im neuen Fahrplan ab 1. Juni die O-Züge 27/28 BerlinWiesbadenMainz über Gießen vorn 1. Juni bis 31. August vorgesehen. Durch Führung von direkten Wagen von Berlin nach Saarbrücken und zurück über die Rahebahn und von Berlin nach Trier und zurück durch das Lahn- und Moseltal über Gießen kann man mit diesen Zügen die bedeutenden Bäder und Erholungsorte wie Bad-Rauheim, Homburg, Wiesbaden, Kreuz­nach, Münster a. St., Ems, Bullay u. a. m. er­reichen, ohne unterwegs umfteigen zu müssen. Frankfurt a. M. wird ebenfalls durch Kurswagen in Bad-Rauheim an die Verbindung mit Berlin angeschloffen. Die Züge, die als O-Züge die 1. bis 3. Kl. führen, nehmen ihren Weg von Berlin über Magdeburg, Sangerhausen, Rordhausen, Kassel nach Gießen, wo ein Zweig, der Lahn und Mosel folgend, über Limburg, Koblenz nach Trier geleitet und ein zweiter Zweig über Bad- Rauheim, Bad Homburg und Wiesbaden (Mainz) gefahren wird. 3n Mainz bzw. Wiesbaden wer­den Kurswagen mit den unmittelbar anschließen­den zwischen Frankfurt und Saarbrücken über BingerbrückMünster a.St. verkehrenden Ö-Zügen ausgetauscht. Der für den Frankfurter Verkehr bestimmte Zugteil (l)27a und 28a) wird in Bad- Rauheim abgötteigt und über Friedberg weiter­geleitet. Für die neuen Verbindungen sind fol° I aende kchrszeiten feftae'c t: D2* Berlin Pots- 1 öamer Bf. ab 8.05 V, Kassel 3.06 R., Gießen an

15.28 R., Bad-Rauheim 6.06 R. (D28a über Fried­berg in Frankfurt an 6.51 R.), Homburg an 8.01 R. D 124 Gießen ab 5.50 R., Qbab Ems an 7.46 R., Koblenz 8.13 R., Trier an 10.25 R. Rückfahrt D123 Trier ab 7.50 V, Koblenz 10.02, Bad Ems 10.36, Gießen an 12.30 mittags. 027 Mainz ab 10.07 V., Wiesbaden 10.28, Bad Homburg 11.37 (027a Frankfurt ab 11.34), Bad-Rauheim 12.25, Gießen 1.03, Kassel 3.18, Magdeburg 8.13, Berlin Pots­damer Bahnhof an 10.25 Rachm.

* Müller'sche Badeanstalt. Wasser­wärme der Lahn am 27. Mai: 18 Grad R.

PSellervoraussage

für Sonntag:

Wolkig, kühler, ttocken, Rordwestwurde.

Ern kräftiger Tiefausläufer mit östlicher Zug- rrchttmg zeigt sich über Skandinavien. Die west­lichen Lustströmungen, die durch ihn bedingt sind, bringen uns leichte Abkühlung ohne Riederschläge.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Stadttheater, 61/2 älhr:Fra Diavolo". 3m Zelt der Deutsc^n Zelttmfsivn, Oswalbsgarten: nachm. 31/2 älhr Kinderversammlung; abends V29 il$r Evangelisationsvortrag. Astvria-Licht- spiele, ab heute: »Die Mordmühle auf Cwans- hill" undDie Jagd nach der Wahrheit". Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, heute und morgen: Die Hafenlore" undBobby als Detektiv".

Tageska lender für Sonntag. Reue Aust». 4y3 älhr: Wohltätigkeitskonzert für die Studenten Hilfe. 3m Zelt der Deutschen Zelt-Mission: 11 älhr vormittags Dibelerklärang; 3 ilßr nachmittags religiöser Volksvortrag; 1/28 Hßr abends Abschiedsversammlung.

Oberhessischer Kunst verein. Die am Sonntag eröffnete Ausstellung mit Werken von Prof. v. Volkmann, Th. Esser, Karlsruhe, W. Willgeroth, Th. Toepfer, H. Heckrvth, C. Fries und der beiden Karrikatur- zeichner Fr. Koch-Gotha und F. Züttner fand allseitiges Interesse. Die Ausstellung ist täg­lich von II1 Ahr, außer Samstags, ge­öffnet. Montag, 29. d. Mts., abends 6 Ahr, findet im Stadthaus, Bergstraße, die dies­jährige ordentliche Mitgliederversammlung statt.

Verein für das Deutschtum im Ausland. Wie seinerzeit berichtet hat die Orts­gruppe Gießen zu Gunsten der äleberschwemntten von Klausen in Südtirol einen erfolgreichen Vor­trag von Professor Küster nebst einer Versamm­lung veranstaltet. Als Ergebnis konnte der Betrag von 6000 Mk. an die Gemeindeverwaltung von Klausen abgeführt werden, wofür der herzlichste Dank für die Stadt Gießen vor Kurzem eingetrof­fen ist. Die nächste Veranstaltung des Vereins fin­det gemeinsam mit dem Hochschulring am Dienstag dem 30. d. Mts. in der Reuen Aula statt. Es wer­den stud. Lippert aus Katharinenstadt a. d. Wolga über das Elend der Wolgadeutschen und stud. Mekler über die deutsche Rot im Baltikum sprechen (siehe Anzeige).

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darrn ft adt, 24. Mai. Die Ver­treter der Süddeutschen Arbeitsge­meinschaft der Polizeibeamten so­wie der Vorstand des Landesverbandes der hessischen Pvlizeibeamten, der sowohl blaue und grüne Polizei, wie auch die Gendarmerie in sich schließt Und dem auch demnächst die Verwaltungspvlizei angegliedert wttd, tagte dahier unter Vorsitz des Polizei- kvmmissars Roth-Mainz. Es waren Ver­treter aus Bayern, Baden und Württemberg erschienen, und es wurden einheitliche Richt­linien besprochen, nach denen in Zukunft Per­sonal-, Gehalts- und Anstellungsfragen be­handelt werden sollen. Der Abschluß bildete ein vorzüglich gelungener gemütlicher Fami­lienabend.

wd. Mainz, 26. Mai. Bei dem Rad­rennen am Himmelfahrtstage auf der Mainzer Radrennbahn kamen mehrere Radrenn­fahrer zu Fall und erlitten schwere Ver­letzungen. So zog sich der Fahrer Mingen- b a ch - Wiesbaden eine Gehirnerschütterung, der Rennfahrer Hahn- Leipzig einen Schlüsselbein- bruch und Haug- Cannstatt einen Schädelbruch zu. Dj.e beiden zuletzt genannten mußten in das Mainzer städtische Krankenhaus verbracht werden.

wd. Worms, 26. Mai. Ein Wormser Bürger war am Karfreitag mit seiner Gattin nach Zu­genheim an der Bergstraße gefahren und hatte, weil in dem amtlichen Fahrplan für Karfreitag keine Sonntags karten angesagt waren, gewöhnliche Fahrkarten gelöst. Unter» Wegs hörte er, daß tatsächlich Sonntagskarten ausgegeben worden seien. Bei der Rückkehr stellte er auf dem Bahnhof den Sachverhalt fest und reklamierte den -zuviel gezahlten Betrag. Der Gisenbahnfiskus hat, wie den Wormser Rachrichten" mitgeteilt wird, die Differenz von 14 Mark tatsächlich herausbezahlt.

rm. Worms, 24. Mai. Zeichen der Zeit. Bei einer dieser Tage im Kreise Worms stattgehabten Schöffengerichtssitzung war ein junger Bursche von 19 Jahren an­geklagt, weil er junge Däumchen in roher Weise abgehauen hatte. Am die Höhe der Geldstrafe danach zu ermessen, wurde der Verdienst des Arbeiters ermittelt. Es stellte sich dabei heraus, daß das Einkommen des jungen Herrn wesentlich höher war, als das­jenige des die Verhandlung führenden Ober­amtsrichters.

Heffen-Nassarr.

Ermittelte Millionenbetrüger.

fpd. Frankfurt a. M.. 25. Mai. Auf Grund gefälschter Urkunden erschwindelte sich vor etwa zwei Wochen der angebliche Fabrikant Rich Linden aus Solingen bei einem Häuserankauf in Düsseldorf etwa 1 600 000 Mk. und ging damit flüchtig. Auf seine Ergreifung hatten die Ge­schädigten eine Belohnung von 150 000 Mk. aus­gesetzt. Die Spuren des Millionenschwindlers führten nach Frankfurt, wo eine Schwester von ihm verheiratet ist. Den vereinten Bemühungen der Düsseldorfer und der Frankfurter Kriminal­polizei gelang jetzt die Ermittlung des Schwind­lers und seiner Helfershelfer. Zwei der Schwind­ler wurden in Köln verhaftet. Jetzt erfolgte die Festnahme des Haupttäters in Tirol. 3n Wirklichkeit handelt es sich um die Gebrüder Richard und Arthur Dchonnefeld, die nach Verübung der Schwindeleien von Düsseldorf nach 1 Frankfurt reiften und von hier weiter flüchteten. I

3n Köln wie auch in Frankfurt konnte noch ein erheblicher Teil des erschwindelten Geldes be­schlagnahmt werden.

mc. Fran kf urt a. M.» 26. Mai. Am Festhallengelände sollte nach amerikanischem Muster ein Hochhaus errichtet werden, wo­gegen das Katharinenstift als benachbarter Anlieger und ein Dutzend Villenbesitzer ge­richtlich Einspruch erhoben. Vor dem Gericht kam nun ein Vergleich zustande, wonach das Haus etwas niedriger als geplant erstehen soll, außerdem sollen Grundriß und Pläne dem Hvchbauamt und der öffentlichen Kritik unterbreitet werden, um allen unästhe­tischen Bedenken zu genügen. Das erste Hoch­haus wird also in Franffurt erstehen.

rm. Frankfurt a. M.,.. 26. Mai. Schwerverunglückt ist heute früh in der Nähe der Station Mainkur mit seinem Auto der Geh. Dr. L. © an ß von hier. An­scheinend hat das Steuer versagt, so daß das Auw gegen einen Baum fuhr und in Stücke ging. Dr. G. erlitt Verletzungen am Kops und anscheinend einen Beinbruch; auch der Wa­genführer wurde besonders durch die Glas­scheiben stark verletzt.

][" Marburg, 24. Mai. Wie in bet gestrigen Stadtverordnetensihung mit­geteilt wurde, tritt bei dem Kostenanschlag der Lahnregulierungsarbeiten nach dem heutigen Stande der Löhne und Matericckpreise eine Erhöhung von 2 auf 31'2 Millionen Mark ein. Dadurch erhöhte sich auch der Zuschuß aus bat Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge von 180 C00 Mk. auf rund 430 000 Mk. Ferner ge­nehmigte man die Gehalts- und Lohn­erhöhungen für bie städtischen Deam- t e n, Angestellten und Arbeiter und übernahm auch die beantragte Mirgschäft über die auf die Stadt Marburg entfallenden 4 150 C00 Mk. für das vom Staate und dem Elektrvverband zu errichtende große Dampfkraftwerk in Borken, das die Versorgung mit Elektrizität auf alle Fälle sicher stellen soll. Eine Anfrage der soz. Fraktion wegen der Aufführung des Skagerrakfilms wurde vom Oberbürgermeister dahin beantwortet, baß die Jugendfürsorge zwar keine Mittel dazu gegeben, aber auch nichts dagegen einzuwenden habe. Ab­lehnung erfuhr ein Antrag der gleichen Fraktion, daß die Stadt 500000 Mk. zum Ankauf von Zucker bereitstellen und die Verteilung des Zuckers in die Hand nehmen möchte, damit der Preis sich in angemessener Weise regele. Es wurde dabei auf die üblen Erfahrungen hingewiesen, welche die Stadt bei der Lebensmittelbewirtschaf­tung machte, während die Gegenseite auf der Behauptung stehen blieb, daß die Aufhebung der Zwangswirtschaft die Hauptursache der hohen Preise sei.

Kirche und Schule.

Wa Idgo t te sd ie n st. 3m vorigen Jahr fanden auf Veranlassung hiesiger evan­gelischer Vereine in unseren Wäldern einige Waldgvttesdienste statt, die jedesmal außer­ordentlich stark besucht waren, und den Wunsch auffommen ließen, solches öfters in den Som­mermonaten zu wiederhwlen. Am morgigen Sonntag, 28. Mai, morgens um 8 Ahr, findet nun auf Veranlassung des Evang. Arbeiter­vereins in Verbindung mit dem Evang. Bund und dem Wattburg-Verein und unter Mit- wittung des Pvsaunenchors von Watzenborn und des Frauenchvrs von Wieseck ein Wald­gottesdienst auf dem Schiffenberg statt. (S. Anzeige.)

ri. Lich, 26. Mai. Hunderte von Teil­nehmern aus allen Orten zwischen Lich, Stein­bach und Reiskirchen hatten sich am Himmel­fahrtsfest in der sogenannten Meilbach im Wald eingefunden, um das beliebte.QUeil» bachsest zu halten. Die Pousaunenchöre von Bersrod und Oppenrod begleiteten die gesun­genen L'.eder. Eine feierliche, von Stiftspfarrer Schvrlemmer-Lich mit den Rieder-Bes- singer Schulkindern gesprochene Liturgie war die Einleitung. Missionar Walther aus Beuern sprach über das Licht der Welt, das die Herzen daheim und draußen in der Hei­denmission hell und warm macht. Sttstsdechant Lenz-Lich hielt eine Himmelfahttansprache und sprach die Schlußgebete und den Segen.

ra. Waldgirmes, 26. Mai. Das christliche Waldfest, das am Himmel­fahrttage unter der tausendjährigenDicken Eiche" abgehalten wurde, war auch diesmal vom Wetter begünstigt und über Erwarten stark besucht. Festprediger Pfarrer Grund­ier aus Wilsbach gründete seine Ansprache auf die Schriftstelle Apostel-Geschichte 1, 5 bis 12. Außerdem hatten sich die Geistlichen sowie mehrere Posaunen- und gemischte Chöre aus den Rachbargemeinden in den Dienst der schö­nen Feier gestellt.

CanbtttfrtkftafL

* Als nächste Störtermine für ba5 Pferbestammbuch sind für den westlichen Teil von Oberhessen folgende Daten festgesetzt wor­ben: 30. Mai Butzbach und Rieder-Wöllstadt; 31. Mai Reichelsheimt i. d. Wetterau und Dauern- heim; 1. Zuni Ulfa und Berstadt; 2. 3-int Langsdorf, Lich und Gießen (4 tthr nach­mittags am Biehmarktplah); 3. Zum Düdelsheim und Groß-Karben.

Oberhesstscher Kunstverein.

Gießen, 27.Mai 1922

Rach dem Müden und Schwächllchen, das bie beiden letzten Ausstellungen brachten, bietet bie derzeitige erfreulich Frisches und Eindringliches. Sie hat ferner den Reiz, baß gerade die stärksten der vertretenen Künstler mit größeren Kollek­tionen anwesend sind.

H. R. v. V 01 k m a n n-Karlsruhe beherrscht die Ausstellung. Seine landschaftliche Stimrnungs- Funfi mit ihrer gemütvollen Anteilnahme an der Ratur hat hier mit Recht zahlreiche Freunde. Am stärksten ist er, wenn er den dekorativen Ein­schlag, den er manchmal schon bei der Wahl seiner Mvttve bekundet, zurückdrängt, oder wo er in impressionistischer Weise alle Einzelheiten seines Bottrnrrfs vereinfacht und der Gesamtstimmung unterer bnet, wie es zum Beispiel bei dem kleinen.