Nr. 122 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Srcitag, 26. Mai (922
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Deutscher Reichstag.
218. Sitjang, nachmittags 11 Ufrr.
Berlin, 24. Mai 1922.
Das in Genf abgcschlostene be d t) ch - p o l - nrsche Abkommen ist dem Reichstag als Dorlage ^gegangen.
Das Haas seyl die 'Beratung des Reichs- wirtschaftsetats und der damit verbundenen Intei pellationen fort.
Wg. Ko rell <D.) begründet die 3nter- pellotion der Demokraten über den Warenverkehr aus dem besetzten In baj u n - besetzte Geb ie t und klagt über die Schwierigkeiten, die Derteuerung und die Zerstörung des DertchrS durch den Dureaukratismrs bn örtlichen Stellen des Reichsbeauftragten für die üleberwachung der Ein- und Ausfuhr. Gegen die Äon trolle an sich sei nichts einzuwenden, aber es mühten dafür Vie wirtschaftlichen Rotwen- digkeiten mehr Berücksichtigung erfahren.
Reichswirtschaftsmlnister Schmidt gibt in seiner Antwort zu, daß bei den örtlichen Stellen Mißgriffe vorgekommen sind. Die Zentralstelle werde bei der Mitteilung der einzelnen Fälle einschreiten. Die Kontrolle selbst sei unvermeidlich. weil die Desat^ungsbehörden eine viel zu große Einfuhr von Luxuswaren verschuldet hätten. Die ungewünschte Einfuhr von Luxuswaren müsse durch große Zölle ferngehalten werden.
In der Einzelbera:ung beklagt sich Abg. Hart lein (6.) über die schwerfällige Geschäfts- Handhabung der Au den Handels fiel len.
Damit ist die Beratung des Wirtschaftshaushalts beendet.
Bei der Beratung des Haushaltes des vorläufigen Reichswirtschaftsrates fordert Abg. Malt zahn (Ä.) schleunige Einführung Der Dezirkswirtschaftsräte unter Aufhebung der Handels- und Landwirtschaftskam- mern.
Abg. Hammer (Dnll.) hofft, daß im nächsten Hahre die Bezirkswirtschaftsräte gebildet werden, wenn auch nicht im Sinne der Kommunisten.
Der Haushalt wird sodann angenommen.
Ebenso wird darauf der Haushalt des Reichsfinanzministeriums ohne Debatte angenomm en.
Ohne jede Debatte wird daraus auch der Haushalt des Auswärtigen Amtes, der Haushalt des Friedensvertrages, sowie der Etat der Reichsschulden angenommen.
Darauf vertagte sich das Haus au, Frettag nachmittag 4 Uhr.
Etat des Reichstages, Pachtschuhordnung und kleinere Dorlagen.
Schwere Explosionen.
Schlebusch, 24. Mai. (WB) 3n Schlebusch bei Köln ereignete sich im Dalantinirr- hauS der Dynamitfabrik Schlebusch eine Explosion. Die gerade dort beschäftigten Arbeiter fanden den Tod. Ein Arbeiter wurde leicht verletzt. Die Zerstörung beschräntte sich auf den Explosionsherd. Die Ursache konnte noch nicht feftgeftellt werden. Bei einer kurz vor dem Unglück vorgenvmmenen Revision tour alles in ordnungsmäßigem Zustand befunden tovrden.
R ü r n b e r g, 24. Mai. (WTD ) In der Rähe von Altenfurth explodierte ein Munitions- depot. Bier Personen wurden schwer verletzt: eine davon ist inzwischen gestorben. Die Ur- lache des Unglücks ist anscheinend auf Unvor- fichligkeit zurückzuführen.
B a d e n bei W i en , 25. Mai. (WTB.) Heute nachmittag brach im Munitionsdepot in Bru - mau Feuer aud. Infolge Wassermangels konnte der Brand nicht gelöscht werden. Er griff auf die Anstalt über, in der Explosivstoffe gewaschen tverden, was zur Folge hatte, dah ein Objekt in die Luft flog. Die Zahl der Toten und Der- wundeten läßt sich zur Zeit noch nicht feststellen, doch ist sie fehr grob. Mit den Bergungsarbeiten konnte noch nicht begonnen werden, da man weitere Explosionen befürchtet. Der Sach- und Materialschaden ist beträchtlich. Die Häuser in der Umgcgcnb wurden stark mitgenommen.
Dl u mau, 26. Mai. (WTB.) Um 8 Uhr üxir der Brand zwar noch nicht gelöscht, doch hofft man. bab weitere Explosionen nicht mehr erfpfgen werden. Der Ursprungsherd des Unglücks ist Reurichsdorf, wo sich eine Arbeiterlolo- nic befindet. Hier brach um 2.40 Uhr das Feuer aus. dem nach ungefähr 20 Minuten die erste Explosion folgte. 10 Minuten später fand die Explosion eines Werkes statt, in dem sich Dynamit befand. Die Explosion richtete furchtbare Verheerungen an, deren Folgen noch nicht zu übersehen sind. Aus der ganzen Um» gebimg eilten freiwillige und Derufsfeuerwehren erbei. Ebenso aus Wien. Den Demühunae.n der Wehren war es zu danken, bab das Werk, in dem sich Ritro-Glhzerin befindet, gerettet wurde Heber die Zahl der Opfer ist noch nichts Der- läßliches bekannt. Durch freiwillige Rettungsgesellschaften wurden viele Der letzte in das Spital in Wiener-Neustadt gebracht.
Schöffengericht.
G i e h e n, 24. Mai 1922
Ein Metzgermeister von hier hat bei einem Landwirt in Steinberg ein Rind gekauft. ohne den vorgeschriebenen Sch l u b sch e i n ausgestellt zu haben. Auch führte der Mann, der es nach Dieben brachte, kein Ursprungszeugnis bei sich. Der Mehgermeister erhielt deshalb einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 600 Mk.. die auf feinen Einspruch hin mit Rücksicht auf die gesamten Umstande des Falles auf 30 M k. ermäbigt wurde.
Frei gesprochen wurde ein Landwirt aus Lollar, der im Januar l. I nach eingetretener Dunkelheit mit einem unbeleuchteten Wagen durch Gießen gefahren war. Er wies glaubhaft nach, daß es ihm trotz aller Bemühungen nicht möglich gewesen sei, die mit- gebrachte Kerze in die Laterne hineinzubringen und anzuzünden.
Eine Geldstrafe von 10 0 Mk. erhielt ein Dieh Händler aus Allendorf an der Lumda, weil er eine Kuh und ein Rind aus dem Preubischen nach Hessen eingeführl hatte, ohne bab der Viehhändler im Besitze eines Ursprungszeugnisses war.
Ein Heizer aaus Kostheim stahl aus einem Pfe»desrall in der Wilhelmstraße dahier, dessen Tür er gewaltsam erbrochen hatte, zwei vollständige Oefen, einen Gasherd und vier
eiserne T-$rägcr in Höhe von 1,80 bzw. 2 Meter im Gesamtwert von etwa 8000 QHT. und verbrachte sie gemeinschafttich mit seiner Braut, einem Laufmädchen, in das Geschäft eines hiesigen Alteisenhändlers, too sie in dessen Abwesenheit sein Schwiegersohn, ein Bureau» gehilse, verkaufte. Weiter erbrach der Heizer in Gemeinschaft mit seiner Braut, einem Bäckergesellen aus der Rähe von Qllar- burg und dessen Schwester eine Scheune in der Rähe der .Schönen Aussicht" und stahl hort 4 Zentner Ammoniak im Werte von etwa 1800 Mk. Einige Tage später rissen der Heizer und der Däckergehilfe die verschlossene Tür eines Gartens an der Krofdorser Straße gewaltsam auf, erbrachen ein Gartenhaus und entwendeten dort ebenfalls verschiedene Gegenstände. Die Braut des Heizers und die Schwester des Bäckergesellen tarnen später hinzu und rupften 16 Pfund Spinat. Der Heizer wurde wegen dreier Einbruchsdiebstähle im Rückfall zu einer G e- samtgefängnis strafe von 2 Jahren 6 M o n a t e n, seine Braut wegen Hehlerei und je einem Einbruchs- und einem einfachen Dieb
stahl zu einer solchen von 8Monaten, der Bäckergeselle wegen zweier Einbruchsdieb- stähle im Rückfall zu einer solchen von 1 Iahr 9 Monaten, seine Schwester wegen eines einfachen und eines Einbruchsdiebstahls im Rückfall zu einer solchen von lIahr und IMo- nat und der noch nicht vorbestrafte Bureaugehilfe wegen Hehlerei an Stelle der verwirkten Gefängnisstrafe von 10 Tagen zu einer Geld st rase von 1 000 Mark verurteilt.
• In einer Privatklagesache hatte ein Einwohner von hier einen Ingenieur von hier wegen Beleidigung und Körperverletzung Derflogt, weil er seinen 13jährigen Jungen derart mit einem Spazier stock geschlagen habe, daß der Stock zerbrach. Trotzdem dieser Tatbestand nachgewiesen war, mußte das D e r - fahren ein ge ft eilt werden, da fein ordnungsmäßiger Strafantrag vorlag. Der Dater hatte nämlich eigenen Romens und nicht als gesetzlicher Dertreter seines minderjährigen Sohnes geflagt. Ein selbständiges Strafantragsrecht steht aber dem Dater seit dem Inkrafttreten des DDB. nicht mehr zu.
Soeben erschienen:
Adreßbuch derZtadt Gießen 1922
Bezugspreis 80 Mark
Handel.
Berlin, 24. Mai. Börsenstim - mungsbild. Das Schwanken der Devisenkurse je nach der wechselnden Auffassung über die Anleiheaussichten verstärkte am Effektenmärkte die Neigung zur Zurückhaltung. Infolge des geringen Unternehmungs- Berlehrs in einzelnen Fällen recht erhebliche lust bewirkte einiges Angebot bei Beginn des Rückgänge. So verloren bei Beginn Hösch 96, Laurahütte 90, Riebeck-Montan 85, Rheinische Braunkohlen 50, Norddeutsche Wolle eben falls 50 Proz. Sonst bewegten sich für Industriewerte die Einbußen meist zwischen 5 und 20 Prozent. Dankaltien und Schisfahrts- werte hatten ebenfalls mäßige Verluste zu verzeichnen. Am Markte der festverzinslichen Werte fanden zeitweise wieder lebhaftere Um- sätze auf vorwiegend schwächerem Niveau statt; besonders Valutawerte waren gedrückt. Für ungarische Papiere erhielt sich aber Kauf- begehr bei weiter zum Teil scharf steigenden Kursen. Ungarische Goldrente zeitweilig 55 Proz. höher bezahlt. Deutsche Anlechen bewahrten ihre feste. Haltung und gewannen teilweise etwas im Kurse. Dreiprozenttge Reichsanleihe 2 Proz. höher. Das Geschäft blieb am Effektenmarkt auch späterhin ohne Belebung und dir Kurse bröckelten meist weiter ab. Die Devisen unterlagen vormittags ziemlich erheblichen Schwankungen und wurden während des offiziellen Verkehrs auf dem ermäßigten Niveau wenig umgesetzt.
Frankfurt a. M, 24 Mai. Dörsen- stimmungsbild. Die Börse eröffnete ben heutigen Verkehr in schwacher Haltung. Eine besondere Geschäftstätigkeit konnte sich schon mit Rücksicht auf die Unterbrechung durch den morgigen Feiertag nicht durchsetzen. Auslandswerte zeigten keine Einheitlich! stt Dollarnoten wiesen auf den Zusammentritt des Anleiheausschuss es der Reparationskommission hin eine uneinheitliche Tendenz aus und wurden 292 -294—298—291 genannt. Am Montanak ienmartt herrschte eine bescheidene Geschäftsbewegung; es traten hier verschiedentlich Abschwächungen ein. Auch in chemischen Aktien war die Stimmung schwächer. .Unter den Elektrizitätspapieren waren Felten u. Guilleaume rückgängig. Auch am Einheitsmartte waren Kursrückgänge zu verzeichnen. Ebenso gaben Schisfahrtsaktien nach. 3m weiteren Verlauf blieb das Gesck)äst still. Deutsche Petroleum 2150, Benz 480. Der Schluß gestaltete sich in Anbetracht ber schwachen Devi mprei'e recht unregelmäßig, und die Tendenz blieb vorwiegend schwach. Privatdiskont 4i _. Prozent.
3 ran Hurt a. OH., 26. Mai.
Züricher Devisenmarkt.
24. 3. 26. 5,
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 51. — 234.- 204.-
Deutschland 100 Mk. -- 1.775 1.80
Wien 100 Kr. — 0.05 0.05
Prag 100 Kr. — 9.'d5 10.(55
Paris 100 Fr. = 47.35 47.90
London 1 £ -- 23.34 23.35
Italien 100 C. = 26.90 27.15
Druffel 100 Fr. — 43.30 44.35
Budapest 100 Kr. = 0.615 0.635
Reuyork 100 $ — 524-50 524.50
Agram 100 Kr. — 1.875 1.875
Warschau 100 Kr. --- 0,12 0,12
Marknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14 23.5. 24.5.
Zürich Fr. 125.40 1,73 1,78
Amsterdam Fl. 59.20
Kopenhagen Kr. 88.80 1,60 1 63
Stockholm Kr. 88.80 1,24 1,32
Wien Kr. 117.80
Prag Kr. 117.80 17,22
London Sh. 97.80 132 1,30
Reuyork i 23.80 -.33
Paris 3r. 125.40 3,63 3,69
Inhalt:
Alphabetisches Einwohner- und Firmenverzeichnis
Verzeichnis der Strafen und Häuser von Gießen Gießener Geschäftsverzeichnis ❖ Behörden, Universität, Schulen, Anstalten u. dergl. <• Anzeigen-Anhang
Ju beziehen durch denAdretzbuchverlag:
Brühl'sche UniversitSts-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange Schulftrahe 7 .
Berlin
Schluß- Schluß- Schluß- Schluß-
Kurs Kurs
820,
Bad.Anilin-u. Soda Höchster Farbwerke. Allg. Eleltt.-Ges. . Felten L Guilleaume Schuckert-Werke. . . Adlerwerke
Daimler.......
4'' 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim Dlsche. Vereinsbank
Datum:
5" .Dtsch.Kriegsanl. 4"„Dtsch.Reichsanl. 3" yDtsch. Reichsanl. 4° 0 Preuh. Konsols Hamburg-Pakelf.. . Norddeutscher Lloyd Eomm.u.Privatbank Darmstadter Bank . Deutsche Dank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Milteld. Creditbank. Nationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke Bud.-Sisenw.-Akt..
Börsenkurse.
Frankfurt
690,50 682,- 878,- 627,50 510,- 433,-
79,- 775,- 214,-
Kurs 23. 5
77,50 94.-
113,- 84 -
412,- 324 50 302,- 297,- 603,- 433,- 318,- 262.- 299 -
24.5.
77,50
94,10
115,-
84,- 401.- 310, — 302,- 297,- 593,- 432,- 317,- 260,- 299,-
1000,- 790,- 965,- 995,-
1820,- 810,- 630 - noo;-
750,- 641,— 651, — 850,- 625,-
491,- 427,-
78,- 765,- 212.
Kurs 24. 5.
I 77,50
95,10 115,50
। 85, —
395,-
. 305,25 300,- 298,50 588,-
432,-
1 322,-
261,- 300,-
1040,- 775,- 951,- 999,-
1810,- 800,- 621,50
1110,- 751,- 640,- 655, — 795,-
620,-
500,-
i 421,-
76.60 765,-
23.5
77,50 95,-
115,-
84,75 408,-
318,75 501,- 299,- 591,- 434,-
324,50 262,- 302,-
1065,- 822, - 995,—
1055,- 1835,-
835,- 635,-
1110,- 764,- 681,- 675, — 840,-
645, — 512,- 429,75
78,- 788,-
D.-Luxemb. Bergw..
Gelfenkirch. Bergw.. 1035, Harpener Bergbau. 1820, Oberfchl. Eifenb.-B. 840, Oberschles. Eifenind. 650, Phönix-Bergb.-Akt. 1165, 762,
Berliner Devisenmarkt.
Datum:
Amstd.-Notterd Brussel-Antw.
Geld Brief Geld Dries
23. Mai.
11760,2511789,76 2516,->5 2 523,15 5458,15 54? i.ö5 G441 6458 10
7830,20 784985 637,20 637,80 154»,05 1551,95 13-15,80 1349,2) 30i,12 301, 8 2726 55 2 33,45 5762,75 5777^25 478 ,- 4801,-
3,15 3,19
575,25 570,75
24. Mai.
11385,75 11414,25
2141,90 2448,10 53 i?,39 5346,70 6277,10 6292,00 7565,50 758-1, 0
603,20 604,80
1503,15 1506,90
1302,35 1305,65
292,63 293,37
2651,65 2653,35
5602,95 5617,05
466H15 4680,85
2,98 3,02
555,30 556,70
Christiama . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfors. . . Italien London Reuyork Paris Schweiz Spatzien Deutsch-Oesterr, Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro
35,35 35,45
109,85 110,15
224,2t) 224,30
142,25 141,25
4144,- 4156, -
34,55 34,55
106,35 106,65
215,70 216,30
125,75 139,75
4047, — 4056, —
Frankfurter Schweine- und Kleinviehmartt.
Frankfurt a. M., 24. Mai. (Amtlich.) Marktverlauf: Bei lebhaftem Handel wurde der Markt in allen Viehgattungen geräumt. Im einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 707 Kälber. 280 Schafe, 369 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten, 2800 bis 3100 Mk., mittlere Qualitäten 2400—2700 Mark, geringe Qualitäten 2200—2400 Mk^ Schafe 1003^-2300 Mk., Schweine, unter 80 KilvgrImm Lebendgewicht 2900^-3200 Mk., von 80—103 Kilogr. 3300—3600 Mk., von 100—123 Kilogr. 3400—3600 Mk., von 120 bis 150 Kilogr. 3400—3700 Mk., Fettschweine über 150 Kilogr. 3400—3600 Mk., Sauen und Eber von 2900—3300 Mk., Außerdem wurden 16 Rinder ohne amtliche Preisnvtterung gehandelt. Die Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen.
(In einem Teil der Auflage wiederholt.) Das RLparationsproblem.
London, 24. Mai. (WTB) .Daily Telegrap h" schreibt, bevor irgendeine Aküon von den Alliierten gemeinsam ober von einer einzelnen Macht vorgenommen werde für den Fall,
daß Deutschland seinen 'Perpillchningen am 31. Mai nicht Nachkomme, müsse die Reparativns- kommistion erst fcftOcllcn. daß Deutschland vorsätzlich seinen Derpflichidugen nicht lUKhgelom- men sei Daraufs.i müsse dann nod) eine Erörterung aller llntei zei chner des tBcifuiller Vertrages stattfinden. Alle vernünstigen Franzosen seien sich jedoch darüber klar, datz das Deutsche Reich nur durch eine internationale finanzielle Unter ft ütjung in die Lage versetzt werden könne, feinen Repara ionsbtrpslich- tungen gegenüber Frankreich nachzukommen, und daß eine ilnterftüi ung in diesem Sinne nickst erfolgen werde, wenn Frankreich von neuem zur Gewalt greife. Morgan und Dr. Dissering würden dies in ihren Erörterungen mit den Sachverständiger zum Ausdruck'bringen.
Englische Sorgen über Kapitalsflucht ans Deutschland. London, 24. Mai. (WTB) Im Unter* Hause fragte Hurd, welche 3nformaiionen die Reparalionsk'mmifsion über die Hol)e des feit dem W-asfens illsiandc au geführten Kapi als und über die Mvgllchkeit e.ngczogen h^rbe. dieses Kapital zur Be-ahlung der Kriegsschdlden 'Deutsch- lande heranzu-iehen. Finan^sekretär Hilton Voung erwiderte, daß die Reparationskommission am 21. März an die deutsche Regierung als Vorbedingung des 1922 teilweise zu gewährenden Z.-h u g aufschubes die Aussorderung richtete^ einen Plan zur Ve r hr n'de r u n g der Kapitalsflucht vorzulegen und alle Schritte zu tun, um eine Rückkehr des aasgefühv- ‘cn Kapitals zu erreichen. .Soviel ich weiß," sagte ‘2j2ul;g. „veröffentlichte die ReparatisnS« komrnission keine Mitteilungen über die Höhe des in Frage kommenden Kapitals, und der Ratur der Sache nach kann jede Angabe darüber nur auf Mutmaßungen beruhen."
Die Stellung der Bereinigten Staaten zum europäischen Wiederaufbau.
London, 24. Mai. (WTB, Die „T i m'e s" veröffentlichen einen ausführlichen Artikel des hervorragendrir Finanzmcurnes Otto Kahn über die Stellung der Vereinigten Staaten zur Frag« des europäischen Wiederaufbaues. Kahn schreibt, soweit er es beurteilen könne, habe Amerika ferne Weigerung, dem Völkerbund bei^utreten, nicht bereut. Alles, was seither geschehen sei, habe nur dazu beigetragen, die amerikanische Beurteilung einer teilweise unfaßlichen Verkehrtheit und Kurzsichtigkeit der Friedensverträge bestätigen, mit denen der Völkerbund vorsätzlich verflochten worden fei.
Ungestörte Ruhe in Bulgarien.
Sofia, 24. Mai (WTB.) Das bulgarische Presseburcou dementiert aus das Formellste die Xau-3 Wien und Belgrad stammenden Gerüchte von einer Revolution in Sofia, die auch in die ausländische Presse übergingen. In ganz Bulga i.m herrsche vollständige Ruhe. Die Festigkeit der Regierung habe sich mehr als jemals) verstärkt durch den Erfolg der bulgarischen Delegation in Genua, too die Loyalität und der friedüche Geist Bulgariens in hohem Grade anerkannt wurden.
Gescheiterte Besprechungen der drei Internationalen.
Berlin, 24. Mai. (WTB.) Die Besprechungen der von den drei Interna ti onalen eingesetzten Neuner-Kommission über die Vorbereitungen zu einer W e l t- arbeiterkvnferenz sind gescheitert. Im Verlaufe der gestrigen Beratungen erklärte der Vertreter der 2. Internationale, Mac- dvnalv, dah sich die 2. Internationale an feinem Unternehmen beteiligen könne, welches das Proletariat nur mit einem bloßen Scheine von Einigkeit umkleide. Man wisse, daß die KPD. die proletarische Einheitsfront lediglich als eine Vorstufe des Angriffskampfes für die Diktatur der Arbeiterklasse, für die Räte- gewalt und für die Ziele des Kommunismus betrachte. Radek erflärte darauf als Vertreter der 3. Internationale, daß die Neuner- Kommiffion nach Ansicht der Kommunisten ihre Cxistenzberechttgung verwirken würde, wenn sie nicht heute das Datum des Welt- arbeiterkvnqresses festsetze. Nach längeren Auseinandersetzungen mit Friedrich Adler von d^r Wiener Arbeitsgemeinschaft erklärte schliehllcb Radek im Namen der kommunistischen Delegierten, daß sie sich nicht mehr als Mitglieder der Neuner-Kommission betrachteten.
Der polnische Minister des Aeußern mit faulen Eiern beworfen.
Berlin, 24. Mai. Blättermeldungen aus Wien zufolge wurde der dort weilende polnische Minister des Aeußern, S k i r m u n t, in der Halle seines Hotels von drei elegant gekleideten ßeuten, von denen einer ukrainische Uniform trug, mit faulen Eiern beworfen. Die drei Leute, darunter ein Leutnant der Petljura-Arrnee, wurden festgenommen. Sie erklärten, sie hätten durch die Tat die Aufmerksamkeit der Welt auf die polnisch-ukrainische Frage lenken wollen.
Erhöhung der Post- und Telegraphen- gebühren.
Berlin, 24. Mai. (WTB.) DerReichS- rat beschloß die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren. Die Gebühren für die Zeitungen sollten nach der Regierungsvorlage für eine Zeitungsnummer im Durchschnittsgewicht bis zu 20 Gramm von 2 auf 672 Pf. erhöht werden. In 4 weiteren Abstufungen von 30, 40, 60 und 90 Gramm auf 8, 10, 13 und 16 Pf. Mit Rücksicht auf die schwierige Lage d e r P r e s s e setzten die Ausschüsse diesen Tarif etwas herab. Er beginnt nunmehr mit 5 Pfennig. Die Mindeslgebühr für den Vertrieb einer Zeitung soll von jährlich 1.20 auf 3 Mk. erhöht werden. Die Entschädigung für die Verpackung der Zeitungen für den Postver- band sollen ebenfalls beträchtlich erhöht werden.
TaS Zwangsanleihegefeh wurde vorn Reichsrat mit Aenderungen angenommen.


