Nr. §8 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 25. Zedruar (922
Abgabe der Einkommensteuer-Erklärung.
Don amtlicher Seite wird uns geschrieben:
Die Frist zur Abgabe der Ginko in - Niensteuer-Erklärung für das Rcchnunas- jahr 1921 wurde durch den Reichsrninister der Finanzen nach der Verordnung vom 28. Januar 1922 auf die Zeit vom 15. Februar 1922 biszum 15. März 1922 festgesetzt. Abweichend von der Bestimmung im §29 der Aussühnmgsbestimmun- gen zum Einkommensteuergesetze sind zur Abgabe einer Einkommensteuer-Grtlärung für das Rechnungsjahr 1921 auf öffentliche Aufforderung des Finanzamts nur solche Steuerpflichtigen verpflichtet, die im Kalenderjahr 1921 oder in dem nach §29 des Einkommensteuergesetzes an dessen Stelle tretenden Wirtschafts-(Geschäfts-)Zahr ein steuerbares Einkommen vvnmehralS 24 000 Mark bezogen haben.
Es durste anzunehmen sein, dafl die Finanzämter allen Steuerpflichtigen, die in Frage kommen, einen Vordruck für die Sinkommensteuer-Cr- klarung entweder bereits zugestellt haben oder in Kurze übersenden werden. Sollte diese Uebersen- duna etwa unterblieben sein, so wird der Steuerpflichtige auf Grund der öffentlichen Aufforderung durch daS Finanzamt (Veröffentlichung im „(Sie- ßener Anzeiger" ist erfolgt) von der Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuer - Erklärung nicht entbunden, wenn er ein Einkommen im Kalenderjahr 1921 oder in dem nach.§ 29 des Einkommensteuergesetzes an dessen Stelle tretenden Wir1fchafts-(Geschäfts-)Zahr von mehr als 24 000 Mark hatte Wird ein Steuerpflichtiger, der ein Einkommen von unter 24 000 Mark im Kalenderjahr 1921 hatte und der ein s e l b st ä n d i g c s Gewerbe oder einen selbständigen De- > u f usw. ausübt. zur Abgabe einer Einkommensteuer-Erklärung aufgefordert, so hat er dieser Aufforderung nachzulommen; denn das Finanzamt kann Steuerpflichtige zur Abgabe einer Steuererklärung auffordern, sofern es die Abgabe einer Einkommensteuer-Erklärung zur Aufklärung der Einkommensverhältnisse des Pflichtigen für notwendig erachtet (§ 33 Abs. 1 der Ausführungsbestimmungen). Anders verhält es sich bei einem Arbeitnehmer im Hinblick auf ArtikelIII Abs. 2 des Gesetzes über die Einkommensteuer vom Arbeitslohn vom 11. Juli 1921, weil für ihn die Einkommensteuer vom Arbeitslohn für die Zeit »om 1. April 1921 bis zum 31. Dezember 1921 durch den für diese Zeit vorschriftsmäßig bewirkten Steuerabzug als getilgt gilt, wenn das gesamte steuerbare Einkommen im Kalenderjahr 1921 den Betrag von 24 000 Mart nicht überstiegen hat. Sollte trotzdem ein Arbeitnehmer, der fein sonstiges Einkommen von über 600 Mk. und kein steuerbares Einkommen von über 24 000 Mk. hat, zur Abgabe einer Einkommensteuer-Erklärung auf- aeforbert werden, so dürfte — sofern er nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt war — eine Bescheinigung von diesem über die Höhe des Verdienstes im Kalenderjahr 1921 und über die Höhe der in der Zeit vom 1. April 1921 bis 31. Dezember 1921 einbehaltenen und durch Markenklebung oder durch Daiabführung verwendeten Beträge genügen. (Diese Bescheinigung wäre dem Finanzamt einzusenden.) Aber nur unter der Voraussetzung, daß der Steuerabzug in der erwähnten Zeitspanne ordnungsgemäß — Kl nach den gesetzlichen Vorschriften — vorgenommen wurde. Hat ein solcher Arbeitnehmer mit unter 24 000 M. Einkommen noch sonstiges Einkommen von über 600 Mk.. so hat er eine Einkommensteuer-Erklärung nur über das sonstige Einkommen abzugeben.
Aach § 29 Abs. 2 der Ausführungsbestimmungen steht jedem Steuerpflichtigen die Abgabe einer Einkommensteuer-Erklärung frei; glaubt ein selbständiger Steuerpflichtiger (Gewerbetreibender. Angehöriger eines freien Berufs, Rentner usw.), der mit unter 24 000 Mk. Einkommen für das Rech- imngsjahr 1920 veranlagt ist, zu hoch veranlagt •,u sein (bisher 18 000 für 1920, dagegen im Jahre 1921 nur 12 000 Mk. Einkommen), so kann er ebenfalls in dieser Zeit seine Erllärung einreichen.
Die öteucrerflärungen sind für Steuerpflichtige, die unter Vormundschaft oder Pflegschaft oder unter ellerlicher Gewalt stehen und selständig zu veranlagen sind, von dem Vormund, Pfleger oder Träger der elterlichen Gewalt abzugeben.
Aach §88 der Reichsabgabevrdnung kann, wer durch Abwesenheit oder sonst verhindert ist, die Steucrerflärung abzugeben, sie durch einen Bevollmächtigten abgeben lassen. Für einen nach De- gtnn deS Rechnungsjahres verstorbenen Steuerpflichtigen hat der Aachlaßpfleger, Testamentsvollstrecker oder der bzw. die Erben die Steuer- erflärung abzugeben.
Wird ein Steuerpflichtiger von mehreren Finanzämtern -- infolge mehrfachen Wohnsitzes, Wohnjitzwechsels usw. — zur Abgabe einer Einkommensteuer-Erklärung auf gefordert, so ist er nur verpflichtet, an ein Finanzamt die Steuererllä- rung abzugeben und den übrigen Finanzämtern Mitteilung zu machen, bei welchem Finanzamt er seine Erllärung eingereicht hat.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Kriegerehrung. Auch die Stadt Gießen hat sich jetzt entschlossen, für ihre gefallenen Helden ein Ehrendentmal zu errichten. 3n einer Sitzung, an der Mitglieder der Stadtverwaltung und andere namhafte Persönlichkeiten teilnahmen, wurde beschlossen, im Laufe des Jahres Entwürfe von einer Anzahl Künstler einzufordern. An die Bevölkerung soll der Ruf ergehen, durch Zeichnung von Spenden die Möglichkeit zu geben, ein würdiges Erinnerungszeichen zu schaffen. Auch jeder, der glaubt, einen Plan gefunden zu haben, wie man den gefallenen und den noch lebenden Kriegsopfern das beste Ehrungs- und Erinnerungszeichen setzen könne, soll gebeten werden, diesen der Kommission mitzuteilen. Deshalb glaubt auch der hiesige M i e t e r D e r e i n. mit einem Vorschlag hervortreten zu sollen: Sollte es sich nicht ermöglichen lassen, das; man denen, die in dem Q3olf erringen unstreitig das schwerste Los gezogen haben, unseren Kriegsblinden und Kriegskrüppeln, eine Heimstättengruppe errichtet, umschattet von schönen Eichen- und Lindenbäumen, in deren Mitte sich ein Gedenkstein erhebt, auf dem die Aamen der Gefallenen eingegraben sind; das ganze schlicht und einfach, wie es die Aot der Zeit erheischt. Wir glauben, wenn man unsere toten Helden fragen könnte: „Wollt Ihr ein prunkvolles Denkmal oder ein schlichtes Heim für Eure verkrüppelten Kameraden?" sie würden unbedenllich auf das erste verzichten. Aus diese Weise wäre es möglich, unseren Helden ein sinniges Denkmal zu setzen und den noch lebenden Kriegsopfern einen Dank des Vaterlandes abzustatten.
(Es war vorauszusehen, daß der Plan, auch in Gießen ein Ehrendenkmal für die Gefallenen zu errichten, Zuschriften für und wider Hervorrufen würde. Wir geben vorstehend, ohne uns selbst im einen ober anderen Sinne festlegen zu wollen, zur Anregung einen und zugegangenen Vorschlag wieder. Die Schriftltg.)
Handel.
Frankfurt a. M., 24. Febr. Börsen- stimmungsbilb. Die heutige Börse steht im Zeichen eines ruhigen Geschäfts. Auf dem De- wisenmarkte waren die Umsätze unbedeutend. Dollar 217—211. 3m Verlaufe trat eine leichte Befestigung ein, da sich Kauflust einstellte 3n Valutapapieren war wenig Verkehr. Mexikaner ruhig. Oesterreichische Kreditanstalt 83. 3m freien Verkehr wurden Mansfelder Kuxe lebhaft gehandelt, 25 750- 26 000. Benz 710. Casseler Faß 1950. Gummi-Stockicht 470, Hansa Lloyd 405. Rastatter Waggons 900. Chemische Rhenania 1080. Julius Eichel 705. Deutsche Petroleum 1900. Auf dem Monlanmarkte blieben die Umsätze bescheidener bei schwankender Haltung. Oberbedars abgeschwächt. Fester waren dagegen Harpener, Gelsenkirchener, Buderus, Mannesmann, Maschinen-, Metall- und Autowerte ruhig, vereinzelt besser. Unter den chemischen Werten sanden Elberfelder Farben Beachtung. Sonstige Werte dieses Marktes blieben wenig verändert. Die Kursbewegung blieb auch gegen Schluß bescheiden, doch ist die Tendenz als vorwiegend gut behauptet zu bezeichnen. Privatdiskvnt 4Vs Prozent.
Die Blüchernichten.
Avman von HannSvvnZobeltitz.
36. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
So haben sie, durcheinander, erzählt. Der Hünswanger hat artig zugehört, hat wohl auch teilnahmsvoll ndch dies und "jeneS erfragt, hat schließlich gemeint: ,3a ... die Zeiten, Wer rann wissen, tbie weit die Russen den Vicomte sNs weite 3nnere verschleppt haben, an Vie Wolga, vielleicht über das ilralgebirgc hinweg. Da mag dann jede Möglichkeit einer Verbindung aufgehört haben." Dazwischen aber hat er immer wieder nach der Tür geschielt, ganz verstohlen, wie wenigstens der Kornett zu bemerken glaubt: natürlich^ er vermißt die Lotte!
Sie kam aber nicht. Als jedoch der Doktor, es dämmerte schon leicht, die Treppe hinuntersteigt, da sieht er im Halbdunkel auf dem erstrk Absatz eine schlanke weibliche Gestalt, stutzt und tieibt stehen, indem ihm das Herz schlägt: »Sie, gnädiges Fräulein..."
Sehr, sehr befangen ist Charlotte. Er kann nicht sehen, wie ihr die Röte im schönen Gesicht liegt, aber er hört es am Klang der Stimme: .Hm Verzeihung, Herr Doktor . . . ich hab' mich fortgestohlen von meiner Schwester, von Zulie.
sollt' 3hnen im Vertrauen eine große heimliche Bitte bringen . . .“
Steht und hat die Hände wie flehend vor die Brust gedrückt. 3m Halbdunkel sieht er es. md die Rührung will ihn packen. „Was es auch fein mag. alles will ich tun, soweit es irgendwie in meiner Macht ist.'
„Daß Zulie den Vicomte sehen, sprechen lärmte . . . daß sie womöglich ihm etwas sein, ihm helfen könnte. Ach, lieber Herr Doktor, Sie helfen gewiß so vielen, vielen Menschen, Sie werden gütig sein. Es ist ein Werk der Barmherzigkeit."
Er überlegte doch, obwohl sie es war, die bat. „(SS ist sehr schwer, gnädiges Fräulein, um nicht zu sagen unmöglich," meint er endlich. „Weibliche Besuche im Kriegsho pital sind streng verboten. Dun gar bei den Franzosen. Zudem, ich kann
nicht wissen, ab der Blessierte der Aufregung eines
solchen Wiedersehens gewachsen ist. Hnb endlich . . . vergessen Sie nicht, daß 3hr Fräulein Schwester argen Mißdeutungen ausgesetzt sein könnte."
Da rief sie: „Ach . . . was verschlägt das, wenn sich zwei so recht von Herzen lieb haben!" Rief's und erschrak wohl vor sich selber. Scheu ist sie bis an die Wand zurückgewichen.
Er aber ist so ergriffen gewesen, daß er ihre Hand faßte und heiß küßte. Sprach noch, nun auch mit bebender Stimme: „Es muß Rat geschafft werden!" Hub ist bann hastend die letzte Stiege hinabgeeill.
Am nächsten Tage ist er wiedergekommrn, hatte schon allerorten herumgehorcht, bei der Hofpitave rwaltung. bei der Mediztnalbehörde, sogar im hohen Kriegsministerium selber. „Dem Herrn Vicomte ging es verhältnismäßig gut. Doch, mit dem Wiedersehen —“
„Was für ein Wiedersehen?" ruft die Frau Mutter scharf dazwischen.
Aber die Giesemädchen wußten nun schon längst, mit den scharfen Worten der gnädigsten Frau Mama war es nicht mehr so arg zu nehmen wie ehedem, und den Worten folgten niemals die Taten, als ehedem gewesen waren Stubenarrest und Mittagkarrion, und dann und wann wotl gar eine Tachtel von der verarbeiteten derbknochi- gen Hand. Brauste Wohl biswellen auf, die Mama, wurde aber immer wieder, und zwar kehr bald, nachgiebig und milde. Zumal, wenn Luise sich zur anderen Partei schlug. Die sagte auch jetzt gleich: „Bitt' Sie, Frau Mama, lassen Sie uns doch hören, was der Herr Dvkchr meint."
„Aämlich," fährt der fort, „man macht überall Schwierigleiten, hat überall Bedenken. Der Herr Vicomte bleibt doch immer Feind, Franzose —“
„Richtig — sehr richtig!" wirft der Kornett ein, kriegt aber gleich einen Rippenstoß in die gesunde Sette von Lores Heiner fester Hand.
„Es ist eigentlich nur eine Möglichkeit: wenn etwa ein Haus von besonderer Distinttton den Vicomte in Privatpflcge begehrte . . .“
„Die Frau Fürstin — Tante Malchen!" ruft die Lore. Aber diesmal bekommt der Kornett von allen Seiten recht: das geht wirllich nicht; dazu ist das Palais Blücher ein zu ausgespro-
Frankfurt a M.. 25. Februar,
Börsenkurse.
Frankfurt Berlin
Schluß- Schluß- Schluß- Schluß-
Kurs Kurs Äurt Kurs
Datum: < 23.2
5°Dtsch. Kriegsanl. 77,50 4'<,Dtsch. Reichsanl. 87,50 3'/» Dtsch. Reichsanl. 110,- 4* g Preuh. Konsols 73,50 Hambi^g.Paketf.. . 482.- Aorddeutscher Lloyd <00, - Comm.u.Privatbank 333,- Darmflädter Dank . 330,— Deutsche Bank . . . 549,50 Disconto-Gesellschast 460, - Dresdner Bank. . . 371,— Mitteid. Creditbank. 320,— Aationalbank f. D.. 338,-
Boch. Gußstahlwerke 1246,- Bud.- Eifenw.- Akt.. 1015,- D.-Luxemb. Bergw.. 1195,- Gelsenkirch. Bergw.. 1205,- Harpener Bergbau. 1790,- Oberschl. Gisenb.-B. 1350,- Ooerschles. Eisenind. 115ß- Phönix-Dergb.-Att. 1190* — Bad.Anilin-u. Soda 725,— Höchster Farbwerke. 720, -
Allg. Elektt.-Ves. . . 912,- Felten & Guilleaume 1260, - Echuckert-Werke. . . 810,- Ad'erwerke 605,-
Daimler 588,— 4® „ Hess. Staatsanl. 75,-
Electron Griesheim 905,- Dtsche. Dereinsbank 248,75
24.2. 23.2. 24. 2.
77,50 77,50 77,50 87,50 87,90 86,-
110,- 110,- 110,- 73 50 74,50 73,80
489,- 485,- 491,— 394,- 389,- 394,- 333,- 33«,50 339,- 328,- 331,50 330,- 549,50 549,- 543,- 460,- 461,- 457,- 370,— 376,- 376,- 317,- 317,- 317,- 343,- 342,50 341,50
1265 - 1275,- 1322,- 1U50*- 1005,- 101o,- 1230 - 1185,- 1220,- 1230 - 1199,75 1130,— 1795 - 1805,- 1795,- 1330,- 1310,- 1312,- 1100,- 1090,- 10 0,- 1260,- 1200,- 1260,- 736,- 735,- 745,- 713,- 720,- 725,- 905,- 880,- 900,-
1260,- 1235,- 1240, - 630,- 600,- 825,- 600,- 590,- 600,- 589,- 589,- 587,-
75,20 75,75 74,75 909,- 895,- 910,- 248,75
Für 100 deutsche Mark wurden gezahll:
Saturn: 1.7.14. 23.2. 24.2.
Zürich Fr. 125.40 2,38 2,34
Amsterdam Fl. 59.20 1,20 1,19
Kopenhagen Kr. 88.80 2,23 2,22
Prag Kr. 117.80 27,62 26,50
Stockholm Kr. 88.80 -,- 1,75
Wien Kr. 117.80 2872,-
London Sh. 97.80 v,50 9,79
Paris Fr. 125.40 5,06 5,03
Aeuvork $ 23.80 -.46 -,45
Züricher Devisenmarkt.
24. 2. 25. 2.
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 Fl. = 195.75 195.50
Deutschland 100 QHt = 2.34 2.28
Wien 100 Är. =■ 0.10 0.10
Prag 100 Kr. = 8.55 9.-
Paris 100 Fr. = 46.90 45.95
London 1 £ =■ 22.64 22.48
Italien 100 L. = 25.75 25*95
Brüssel 100 Fr. * 44.40 43^5
Budapest 100 Kr. — 0.74 0.74
Aeuyork 100 $ — 511.- 511.50
Agram 100 Kr. = 1.55 1.55
Warschau 100 Kr. — 0,14 0,13
Mainzer Produktenbörse.
Mainz, 24. Febr. Aus der heutigen Börse, die allgemein sehr fest verlief, wurden folgende Preise notiert: Weizen 1150—1225, Roggen 885—980, Hafer 880—925, Gerste 900 bis 950, Futtergerste 850—925, inl. Weizen
mehl 00 1675—1700, inl. Weizenmehl, Spez. 0 1650—1700, Weizenmehl mit Auslandsmehl gemischt 1645—1750, amerikanisches Weizenmehl 1750, Roggenmehl 70prvz. 1300, Weizenkleie ohne Sack 630—675, Roggenkleie ohne Sack 640—675, Mais 850—1000, Maisschrot
870—1120, Futtermehl 700—800, ital. Lu
zerne 6000—7000, Probenc. Luzerne 7000 bis 7500, italienischer Rotklee 6500 bis 7000, in» land. Rotklee 6000—7600, deutsche Linsen 2000 bis 2200, weiße Bohnen 1150—1200, Viktoria-Erbsen geschält 1500—1650, Viktoria- Erbsen ungeschält 1300—1350, Burma-Reis II. 1550—1600, Haferflocken 1300—1350, Graupen 1500—1650, Wiesenheu, lose 430—550, Wiesenheu, gepreßt 490—570, Kleeheu, lose 520—530, Haferstrvh 140—160, Rvggenstroh 130—160.
(3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Italien trab die Konferenz.
Rom, 24. Febr. (WTB.) Die Entschei- düng über die Verschiebung der Konferenz von Genua mußte noch vom Ministerpräsidenten D v n o m i getroffen werden, weil Bo- nomt gestern ein Telegramm Tschitscherins erhielt, worin um genaue Angaben über den Zusammentritt der Genueser Konferenz im Laufe des morgigen Tages gebeten wird, da die russischen Vertreter sonst nicht am 8. März in Genua elntreffcn könnten.
Die Politik der Kleinen Entente.
B u k a r e st. 24. Febr. (WTB ) Der Minister des Aeußeren A i n t f ch i t f ch erklärte, die Sachverständigen der Kleinen Entente würden am 5. März im Hinblick auf die Genueser Konferenz Zusammentreffen. Diese Zusammenkunft würde wiederholt werden und zur Festlegung einci gemeinsamen Politik führen.
Gäste der Frankfurter Goethe-Woche.
Frankfurt a. Al.. 24. Febr. (WTB.) Ar der Eröffnung der Frankfurter G c> e t h e-W o ch i werden außer dem Reichspräsidenten, den Reichsminister des Inneren Dr. Köster, der preußische Kultusminister Dr. Doelltz, Staats felrctär Becker teilnehmen. Ferner befinden sich unter den Ehrengästen der hessische Staatspräsident Ulrich und Oberpräsident Dr. Schwan- der aus Cassel.
Sozialistentagung in Frankfurt.
Frankfurt a.M., 24. Febr. (WTB.) Heute Vormittag 11 llbr sind im hiesigen Rathaus tue Exekutivkomitees der Zweiten Internationale und der Internationale 21 ■ (Wiener Arbeitsgemeinschaft) unter Führung von Friedrich Adler zu einer streng vertraulichen Besprechung zusammengetreten.
Flucht eines Doppelmörders.
Hirschberg, 24. Febr. (WTB.) Wie der „Bote aus dem Riesengebirge" bekannt gibt, ist der Klöppelsdorf er Doppelmorder Grube, dessen Verurteilung durch die Entscheidung des Reichsgerichts rechtskräftig geworden war, in der vergangenen Aacht aus dem Gefängnis entflohen
Banditen in einem Bankgeschäft.
Kattvwitz, 24. Febr. (WTB.) In daS Bankgeschäft Warmann sind gestern abend gegen 7Ahr sieben bewaffnete Banditen mit schußbereiten Revolvers einge drungen und haben von den Angestellten die Herausgabe des Geldes verlangt. Cs fielen ihnen etwa 350 000 Mk. deutschen Geldes, 3 Millionen polnische Mark und kleinere Beträge österreichischer Kronen und russischen Silbergeldes in die Hände.
Die Auslieferung spanischer Mmistermörder.
Berlin, 22. Febr. Der Allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund und der A f a b u n d veröffentlichen einen Protest gegen die Auslieferung der des Mordes an Dato beschuldigten Spanier. Die Unter» zeichner der Erklärung erblicken in dem Auslieferungsbeschluß eine Handlung, die ihrer Auffassung von Recht und Gerechtigkeit und von internationaler Gegenseitigkeit ins Gesicht schlage und die berechtigte Entrüstung aller freiheitlich gesinnten freute schen Republikaner Hervorrufen müsse.
Ueber die Erwägungen, die dieReichs - regierunq zu der Auslieferung der beiden spanischen Ministermörder veranlaßten, erfahren die Blätter, daß zwar der deutschspanische Auslieferungsvertrag von 1879 die Auslieferung von polittschen Verbrechern auS- schließt, daß es sich aber in dem vorliegenden Falle, wie die eingehende Untersuchung feststellte, um ein Verbrechen handelt, das zu einer Kette von syndikalistischen Terrorakten gehöre. Bei dem Morde war nicht der Umsturz der Staatsverfassung das Ziel, sondern ein Akt der R a ch e. Die Regierung ist infolgedessen zu der Entscheidung gekommen, daß die Auslieferungspflicht In vorliegendem Falle nicht bestritten werden könne.
ebener Ort, wär' wahrscheinlich auch dem Feld» tuarfchall nicht nach feinem Sinn . . .
„Ich hab'sl" erllärte Luise. „Ich geh' gleich zu meiner lieben Frau von Dachroeden. Sie tut es uns. sie tut es mir zu Gefallen.1 Und was die Distinktion anbetrifft, so hat ihr Wort und ihre Tat Geltung in ganz Berlin. Ta kann Julie audj bin. und niemand wird wagen, Anstoß zu nehmen."
Wohl räuspert sich die Mama bedenllich, schüttell den Kopf, murmelt: „Ihr Kinder! Sind das Moden?! Mein Vater selig hätte mich gesteinigt . . . Ihr macht jetzo mit mir, was ihr wollt . . ." Aber Julie verschließt ihr den Mund mit einem Kuh. und Luise hat auch schon Hut und Jäckchen und den Heinen rosa Schleier, den sie auf der Straße immer noch trug, Obschon das Brandmal kaum noch sonderllch auffiel. „Kommen Sie, Herr Tvkwr! ilnb auch Du. Julie. Dich geht's am meisten an, du mußt am besten bitten können."
Die Heine zierliche Frau ist denn auch, nach einigem Hin und Her, in ihrer Güte bereit gewesen. Raum genug hätte sie in ihrem Ha sie, aus die etwaige Medisance pfiffe sie — und Mon° tauEan, der Vicomte Montauban . . . ja wahrhastig . . . sie erinnere sich. den kenne sie sogar, wenn auch flüchtig, aus feiner Berliner Zeit her, wo er Attache bei der Gesandtschaft gewe'en. „Za. aber diese Gicsemädels! Eine ganz verschlagene. hinterlistige Gesellschaft mit den kuriosesten Abenteuern. Aun gar die träumerische Zulle: Schau mal einer an: die Luise verladt, die Zulie, nxim Gott will und alles gut geht, verlobt, das Fiekchen fort, Die Core, das Kiekindiewelt, hat ihren Bause . . . bleibt nur die Lotte ... na, ich crleb’s am Ende doch noch, daß die 'fünf Mädels gemeinsam Hochzeit machen. Wozu ich mich im voraus einlabe!“ Und sie lacht, daß ihre weihen kleinen Beißerchen, die wie die Perlen stehen, unter den roten frischen Lippen blitzen: „Also, mein Herr Doktor, bringen Sie mir den Vicomte, soball» es gebt.“
Das ist nun freilich doch nicht so arg schnell gegangen. Berichte mußten geschrieben und Entscheidungen ettigeholt werden, wie es St. Dureaa- tratiuä verlangte. Das schlimmste aber lag bet dem Vicomte. Es war ja nicht anders möglich.
als daß der Doktor Hünswanger tbm Eröffnungen machte. Darüber geriet er in maßlose Aufregung, fiel wieder in Fieber, mußte auf alle Weise geschont werden. Eine Woche verstrich and noch eine, ehe er ruhiger wurde, ehe er Hünswanger recht Auskunft geben konnte über so vieles, wovon er in den Fieberphantasien nur unklar gesprochen: wie es ihm ergangen, tote er auf der Durchreise in Berlin sehnsüchtig und vergeblich nach den Mansarden in der Breitensttahe hinauf- geschaut: wie er sich längst vergessen geglaubt and wie ihn dann die Pflicht wieder zu seinem Kaiser gerufen. Das eigene Glück hätt' er aufgegeben, hätt' gern bluten und sterben wollen . . . und nun, nun fei das Glück doch' da. Zum Greifen nah, und doch dünke es ihm immer noch so fern, daß er gar nicht daran zu glauben wage. Eine eigene 6djeu war plötzlich in ihm, fast als fürchte er die erste Begegnung mit der Geliebten, erschiene sie ihm plötzlich fremd als deutsches Mädchen. Heut' Bai und flehte er, Hünswanger solle ihr die Versicherungen seiner heißen, unwandelbaren Liebe bringen. Gleich daraus schüttelte er den Kops: „Es kaum ja nicht sein. Es ist ja unmöglich . . ."
Tann brachte ihm Hünswanger etn Billett von Zulie, gute, schlichte liehe Worte. Er überflog sie, er las sie wieder und wieder und küßte ihre Handschrift. Seither ist er gelassener und stetiger geworden, hat ftifl gelegen, mit großen Augen zur Decke hinausgeschaut, wie in seligen Träumen befangen.
Endlich konnte die Uebersühmng stattfinden, und tags daraus kam Zulie, in Begleitung von Charlotte, zu Frau von Dachroeden. Die küßte das zitternde Mädchen, sagte: „Aur Mut! Es geht ihm gut!“, nahm sie bet der Hand und führte fte an fein Lager.
Viel sprechen dursten sie nicht, das hatte der Tottor ihr etttgetchärft. Und möglichst unbefangen sollte sie sich geben. Ach, sie wollte ja so gern, so gern alles tun. Aur ihn sehen — nur ihn sehen —
Tapfer wollte sie fern, tapfer war sie. Don jener stillen Tapferkeit, die fie immer bewiesen In der taugen Zett des Harrens.
(Fortt eyung folgt)


