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Poftfdiedtonto: ftranffart a. M. 11688.

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Samstag, 25.5edruar 1922

GietzenerAmeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

druck nnö Verlag: vrühl'sche Unw.-Vuch- und Ztelndnrckerel R. Lange. Zchnstleitung, Geschäftsstelle und Vruckerel: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede 'Verbindlichkeit. Preis hir 1 mm höhe für Anzeigen o 34 mmBreite örihd) 70 Pf, auswärts 90 Pf.; für Neklame« Anzeigen von 70 mm Breite 3 OPf. Dei Platz. vorfchrist20" ,Auf chlag. Hauptschriftleiter Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: 3an5 Leck, sämtlich in Gießen.

Wochenrückblick.

Der französische Ministerpräsident wirc beute in Boulogne eine kurze Zusammen- !unft 'mit Lloyd George haben, in der zwei- felloS die strittigen Fragen über die Kon­ferenz von Genua endgültig gelöst werd?', sollen. Beide Staatsmänner wollen sich, einigen; keiner von ihnen denkt vorläufig an einen Bruch. Und doch sah es anfangs so aus, als könnten die Gegensätze, die durch Lloyd Georges WeltversöhnungSidern aufge- taucht waren, niemals überbrückt werden. Man sah voraus» daß es dem isolierten Poincare nicht werde gelingen können, die Wirrnisse, in die er sich verstrickt hatte, zu übersteigen. Und nun gelangt man doch dazu, die Beharr­lichkeit und (Entschiedenheit seines Willens zu bewundern, der übrigens auch sein zögern­des Dolk wieder ganz in die alten Dahnen nationalistischer UeberspannungSpo.llic zurück­geführt hat.

Es hat fett Cannes zwischen London und Paris mancher Meinungsaustausch stattgefun­den, der wie ein langes, dumpfes Gewitter- zrvllen ohne Entladung sich vollzog. Wenn man die französische Presse von gestern las. in der in zuversichtlicher Sicherheit noch ein» mal alles aufgezählt wurde, über was man sich angeblich geeinigt halte: Berschiebung der Konferenz, Ausscheidung aller Dis­kussionen über die bestehenden FriedenS- oerträge und sogar auch über den Kern des Diederherstellungsproblems so schaute man mit verwunderter Spannung auf Lloyd Ge­orge, der zu einer kurzenprivaten" Unter-» Haltung mit seinem französischen Widersacher nach Boulogne fährt. Lloyd George ist ein wandelbarer Taktiker, von dem man Manches gewöhnt ist. Kann er denn aber wirklich seine Friedens- und Weihnachtspredigt, deren tönende Phrasen uns noch so voll in die Ohren klingen, so schnell vergessen, daß er mit der angedeutetenEinigung" sich end- güllig abfindet? Oder muh man annehmen, bah er nach Boulogne reift, um Herrn Poin- car6 unter vier Augen fernen letzten, schroffen Entschluß kundzutun?

Dein, eS wird heute in Boulogne nicht zu einem offenen Konflikt kommen. Lloyd George hat diese kurze persönliche Besprechung gegen die ursprünglichen Absichten Pvincar^s durch­gedrückt. seine Methode will gegenüber den alten diplomatischen Gepflogenheiten einen eindringlicheren Schacher, eine Derständigung mit Konzessionen auf beiden Seiten. Poincarv hat der von ihm angenommenen Taktil jeden­falls einen äußerst wirkungsvollen Hinter­grund zu geben gewußt. Die Sicherheit und Entschiedenheit in der Sprache der Pariser Presse wurde noch Überboten durch die Kam­merverhandlungen vom letzten Don­nerstag, über die wir gestern ausführlich be­richteten. Die Unterhaltung über die spröden ; Finanzschwierigkeiten schwang sich auf die höchsten Gipfel nationalistischer Vermessenheit. DichtS Reues zwar wurde vorgebracht, aber die alten Schwüre wurden erneuert: das ver­haßte Deutschland muh zahlen; es wird chm non den in London ausgerechneten 132 Milli­arden Goldmark nichts geschenkt, und neue Sanktionen" müssen herbei, um endlich die Durchführung des Dertrages zu erzwingen. Der neue Finanzminister De Listehrie sprach non 80 Milliarden Franken Vorschuß, den Frankreich uns Deutschen geleistet habe, in der Hauptsache als Unterhaltungskosten für das DesatzungSheer. Was dieser Moloch an deut­schem Gut bisher verschlungen hat, davon wissen die deutschen Bewohner am Rhein ein Lied zu singen. Prof. Dr. Max I. Wolff, der bekannte Verfasser einer Shakespeare- und Noliere-Biographie. hat in seinem Büchlein »Tartarin am Rhein" (Dom-Verlag Berlin) den französischen Heldengeist im besetzten deut­schen Gebiet mit bitterer Satyre beleuchtet. Er gab dem neuen Tartarin immerhin die be- üinnten menschlichen Züge, die Daudet vor­zeichnete; in Wirklichkeit ist dieser Tartarin II. etwas durchaus Unmenschliches. Aber dieser Genius Frankreichs" ist tatsächlich vorhan­den. Er streute allzu sichtbar und greifbar 'eine großen Taten über uns aus. Er schleppt seine Frauen und Kinder herüber ins beherrschte Land, auf daß es ihnen gut gehe in den be­schlagnahmten Wohnungen, bei der luxuriösen ..Kulturmission". die der Boche bezahlen muh. r Der neue Sproß aus Tarascon tummelte sich g nun auch nach Kräften im ftanzösischen Par­lament. Wird Lloyd George im Einver- V nehmen mit dem überspannten und abenteuer» I licken Siegesrittertum am Tische von Genua erscheinen wollen? In Washington hat Tartarin keine Lorbeeren gepflückt; aber diesmal, in Genua, will er vorsichtiger sein, besteht er auf einem gut ein- , studierten Stück mit entsprechender Bühnen- eiirrichtung. Cs ist uns nieüt möglich, zu über- > l sehen, wie weit französische oder englische

Einflüsse bei den Schwierigkeiten des ^ita- j

l i e n i s ch e n Kabinettswechsels mitspielen. Herr PoincarS hat aber mit einiger Aussicht auf Erfolg diekleine Entente" aus die Deine gebracht, als deren Sprecher Herr Dr. Deneff aus Prag die französische und die englisch. ( Hauptstadt bereiste. Mit allen Mitteln such: man in Paris den Geist von Versailles lebensfähig und siegreich zu erhallen. Es nxu nicht ohne Reiz, einen britischen Parlamen­tarier Herrn Lloyd George fragen zu hören, tu welcher Weise das auf das linksrheinisch deutsche Gebiet gerichtete Annexionsbedürfn'? Frankreichs seinerzeit zum Ausdruck gekomme. sei. Lloyd George machte beschwichtigende Ausflüchte, er will im gegenwärtigen Augen­blick nicht laut sprechen. Wir aber sind uns über die Absichten Clernenceaus, die auch Herr Poincare noch unverfälscht im Herzen .rägt, völlig klar.

Während die Franzosen alle Herde heizen, um ihren Teufelsbraten der sogenannten Wie­dergutmachung aller Welt schmackhaft zu nachen, richtet das Kabinett Wirth seinem Volke nur eine schwach dampfende bünn; Wassersuppe an. Die Schussel der Erfüllungs­politik ist erkaltet. Wan hat bei der letzten Regierungskrisis große Töne vom Vertrauen des Auslandes, das der Reichskanzler be­sitze, geredet. Run, Herr Poincarä und die ftanzösische Kammer halten sich in kalter, weiter Entfernung und behandeln Herrn Dr. Wirth wie eine Rull. Diel besser sieht auch der Respekt in ßonbon nicht aus. Wir wollen diesen Umstand gewiß dem Reichskanzler nicht zum Vorwurf machen, Denn wir sind der Meinung, es geht nicht um freundschaft­liche Beziehungen, sondern um einen Kampf der Gerechtigkeit, bei dem uns Achtung und Ansehen nur Dann beschert sein wird, wenn dieser Kampf mit Ernst, Kraft und Würde für unser Doll geführt wird. Es ist höchst betrüblich, daß bei uns der nationale Ofen so kalt steht, während die anderen Böller, vier Wochen vor der Genueser Konferenz, ein leidenschaftliches Wollen entfalten. 3n un­seren deutschen Parlamenten ereifert man sich über das Wohl und Wehe der Mörder des spanischen Ministerpräsidenten Dato. Die Parteimühle muß immer etwas zu klappern haben. Man nörgelt über mangelndes inner- politisches Rüstzeug Der Republik und ver­gißt, daß Deutschland ringsum noch von furcht­barsten Gefahren umgeben ist. Wir haben in Der jetzigen Lage nicht den geringsten Grund, eine Regierung zu loben, Die nach außen hin nur mangelnde Energie gezeigt, erkaltende Gleichgültigkeit geschaffen hat, und im Innern die größte Pflicht versäumt, alle dem eignen Lande Wohlgesinnten zu einer starten und wirkungsfähigen Front zu- sammenzuschließen.

Poincarv und Lloyd George.

Paris, 24. Fedr. (WB) Havas Drmmliert Die Mitteilungen Der Morgenblätter üLer Die Borbeceitu gen für Die Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Poincare bei der Unter- prafektur von Boulogne. Der Ort Der Zu- fammenlunft sei noch nicht endgültig be­stimmt.

Paris. 24. Febr. (WB ) Der£embd schreibt in feinem Leitartikel, Lloh> George nxrDe im Verlause Der Konferenz von Genua Die Abrüstungsfrage au fo rf en oder doch a f werfen lassen. Es handele sich um einen zwei­teiligen Plan. Zunächst tour Den die in Gen.ia versammelten Mache, jede für sich, Die Ver­pflichtung übernehmen, day keine provozierten Angriffe gegen ih e Rachbarn unternomme 1 to r- Den. Dann würde auf Grund dieser Verpflich­tung die Konferenz beschließen, daß die Land- Heere vermindert werden müßten und man würde einen Vertrag abfas ei, nach welchem die Land- Heere bt Eu opa so beschränkt foü dm, wie Der Washingtoner Vertrag die Seerüstungen be- schränkt habe. Darauf würde man erfliret, datz Die Konferenz von Genua die m [töt schon Aus­gaben Europas vermindert und auf d ese Weise mächtig zur Wiederh r, e lang Des fo rtschrs l.chcn Gedeihens beigetragen ba'e. Frankreich wolle und könne sich nicht gleichgültig zu einem solchen Plane stellen. au»h toenn er in Progr- mm von Genua nicht vorgesehen sei. Ter Vertrag von Washington verlange die Ab.üstung zur See. Er könne aber nach Ansicht des Blattes nicht als Muster Dienen, weil sein Artikel 22 Den Vertragsmächten erlau"*e, sich bei Ausbruch ?ve3 Krieges ih er De'.psllc'itung-n leDin z r c tlärm, abgesehen von Den untoirf Urnen B st mmungen Der Alt. 13 u. 17. Der V.rtrag von Wa Hengton sei also mir in FriÄ>enszetten gültig, d. h. solange, wie Die Rüstungen für alle Welt ungefährste seien, abgesehen von Dem Budget des betreffen­den Landes.

London. 24. Febr. (WTB) Zu Dem morgigen Zusammentreffen zw.schcn Lloyd George und Poincare in Boulogne schreibt der Lon­doner Berichterstatter des ^ManchesterGuardian", obgleich geographisch gesprochen, die Zusammen­kunft in Frankreich stattfinde, sei es, poststsch ge­sprochen, Poincare, der d.e größereReise zu machen habe.

London, 24. Febr. (WTB.) Lloyd Ge­orge bat anläßlich der Schlußfeier zum ersten

Schuljahre des französischen Instituts^ in den von dem englischen Staat zur Verfügung gestellten Räumen an die Festgaste eine Botschaft cric^tet, In der es heißt: 3n den trübften Stunden des Krieges sei eine Freundschaft wischen Frankreich und England erstan­den, eine Freundschaft, die durch die Gemeinsam­keit Der Anstrengungen und Opfer befestigt wurde. Sie sei auch heute für die Zukunft der beiden Länder ebenso notwendig, wie sie es unter jener 1 rohen Prüfung gewesen sei, die ihre Zivilisation l.edrohte und das Weltall erschüttert habe. Gr erblicke in den Mitgliedern des französischen 3n- ttituts Hüter der heiligen Flamme dieser Freund­schaft.

Siuntänien im Schlepptau Frankreichs?

Paris, 24. Febr. (WTD.) Rach einer Havasmeldung aus Bukarest steht die rumänische Regierung auf dem Standpunkt, daß die Konferenz von Genua licht vor Ablauf von zwei Monaten stattfin- )en könne. Dieser Aufschub sei für die Aus­arbeitung des Programms notwendig. Außer­dem finden in Kürze die Wahlen statt und erst rach dem Zusammentritt des neuen Parla­ments könne Dratianu, der persönlich den Der i.u n j? beiwohnen wolle, sich nach Genua begeben.

Das italienische .Kabinett.

Rom, 24. Febr. Facta hat heute abend dem König erllärt, daß er die Dildung des Kabinetts übernehme.

Rom, 24. Febr. (WTD.) Stefani. Der Rame Tittvnis wurde bis Mitternacht in parlamentarischen Kreisen im Zusammenhang mit der Kabinettsbildung genannt und fand großen Anklang. Gegenwärtig hält man ihn aber im Hintergründe für den Fall, daß die andere Kombination, die in der Kammer ihren Stützpunkt hat, scheitert. Für eine solche Kom­bination ist Facta sehr tätig, der, wie ge­meldet, vom König den Auftrag zur Kabi­nettsbildung erhalten hat. Er wird heute nach­mittag mitteilen, ob er die Kabinettsbildung übernehmen wird. Tittoni ist selbst für diese Lösung, und, um sie zu erleichtern, will er sich bereit erklären, den Vorsitz der italieni­schen Delegation auf der Genueser Konfe­renz $u übernehmen, ohne Mitglied des Mi­nistenums zu sein. Als Präsidenten des Se­nats würde Tittoni das Recht zustehen, auf der Konferenz den Vorsitz zu führen. Facta beriet sich heute mit den Vorständen der parlamentarischen Gruppen und sicherte sich bereits die Unterstützung und Teilnahme der Demokraten.

Wegen autifranzösischer Propaganda verhaftet.

Berlin, 25. Febr. Rach einer Mel­dung des ,.Derl. Tageblatts" hat die elsässische Pvlizechehörde in Kvlmar und Forbach 13 Personen wegen antiftanzösischer Pro­paganda verhaftet. Gegen die Verhafteten wird ein Strafverfahren wegen Landesverrat anhängig gemacht werden.

Die deutsche Beschwerde über die Ermordung des Wacht­meisters Busenberg.

D e r l i n, 24. Febr. (Wolff.) Das Auswär­tige Amt hqt am 23. Februar durch Den Ver­treter des deutschen bevollmächtigten in Oppeln der Interalliierten Kommission fol­gende Rote übergeben:

Am 19. Februar ist in Gleiwih der deutsch? Pol ze.Wachtmeister Paul Rufenberg, während er sich in Ausübung seines Dienstes be­fand, von drei betrunkenen ftanzösischen Soldaten tätlich angegriffen und erschossen worden. Die deutsche Regierung darf erwarten, daß mit gri>&- tem Rachdruck ei re ilnterfudjung des Vorfalls ein» geleitet wird und die Schuldigen Der verdienten Sühne zugeführt werden. Sie ist bereit, ihrerseits Zeugen für Den Vorfall namhaft zu machen. Die deutsche Regierung bittet, ihr über Die Ergebnisse der Untersuchung Mitteilung zu machen. Sie muß sich alle Rechte auf eine angemessene Ge­nugtuung, insbesondere auch Schadenersatz für die Hinterbliebenen Des Ermordeten, Vorbehalten."

Das deutsche Flugwesen.

Daris, 24. Febr. DerTemvs" berichtet, da die Kontrollkommission für das Flugzeug- m:fen sestaestellt habe, daß die Ausführung Der Klauseln des Vertrages, die das Flugwesen be­treffen, beendet sei, habe sie in ilebereinftirmnung mit der Do!schäfte, lamerenz Der deutschen Re­gierung bclanntgcg eben, daß die Herstellung und die Einfuhr von Flugzeugmate- rial für Zivilflu z uge am 5. Mai 1922 wieder aufgenommen werden könne. Das Blatt fügt hinzu, daß zur Zeit Seine Mitteilung gemacht werden tonne über die Art, in Der nach Auf- Erdung der Kontrollkommission Di? Leberwachung Des deu.schen Flugwesens ausge^ührt werden soll. Zw's/ ?.t den Re?iriungen schweren gegenwärtig Dechandiungen darüber, und es sei zu Hosier, daß LiJc oemnächst befriedigender Weise abge-- schlo sen würden. Die sranzösische Rr^zicrung habe bei diesen Vechaudianaen immer den Standvu:ckt

vertreten, daß auch für die Zukunft eine wirk­same üleberwachung deS deutschen Flugwesens ftchrraestellt werden müsse.

Essen, 25. Febr. Dlättermeldungen zu- folge haben die K r u p p w e r k e in Essen sämlliche 52 abgehende Schüler der Flug­zeugabteilung Dcä Technikums in Franken- '.ausen als Flugzeugingenieure nach Süd­amerika verpflichtet.

Lohnvcrminderttngeu in der österreichischen M» tallinduftric.

Wien, 24. Febr. (WTB) Die f,Albefter- zeitung" bezelchmt das Bor e'e.i D?t Metall­industrie als einen offenen De tragLbi-uch. Wenn auch der Geschä^tsgMig Der Zni ustiie etwas schlechter geworden sei, so Dürfe doch der Real­lohn ohne einen Abbau der Lebensmittelpreise nicht geküi-zt werden. ES hänge von den linier- nehmem ab, wie sich Die Dinge gestalten. Die bürge sichen Blätter mahnen die §ühier der Ar­beiterschaft, auf diese einzuwirken, denn Die Unter- nehm er seien angesichts des (3 tu zes der Aus- lantS ahita nicht mehr kvnlu rem'ä )ig Sie b it­ten feinen anderen Ausweg, als Ne Umentabi.l äl Der Betrieb durch eine Lohnverminde­rung wettzumachen. Eine ©.illcgung der Be­liebe trü.ce Die Arbeitrlvsigteit tenneh en und das österreichische Sanierungsweik gelährden. Die Kreditgewährung an Oesterreich-

London, 24. Febr. (WTB.) Der Finanzausschuß des Völkerbundes hat sich heute nachmittag mit der Frage der Kre­ditgewährung an Oesterreich befaßt und wird die Beratungen morgen fortsetzen.

Die Eisenbahnerbewegung.

Berlin, 25. Febr. Nachdem Der Reichs- verkehrsministeres abgdebnt hat, mit dem Vorstand Der R.ichsgewerkichrit deutscher Eisen- babnbeamten und -Anwärter über Die Frage Der Urheberschaft am Streik der Gisenbahnbeamten zu verhandeln, begab sich gestern nachmittag eine Komnft.s vn Der Eisenbahnbeamten, geoen Deren Mitglieder keine Disziplinarvelsah. en schweben, zum Reichsveikehrsminister. (53 wurden eingehend Die Richtlinien über Die Maß­regelungen Du chgesprochen. Den Blättern zufolge erklärte Der Reichsverkchrsminister, daß er keine lei Erleichterungen in Der Frage der Disziplinie ungen zusagen könne, er werde aber bestrebt sein bei der Ausführung Der Maßrege­lungen Milde walten zu lassen.

Das'Seit Tageblatt" weih aus den Vor­standssitzungen Der Reichsgewe.kschatt vom 16. und 17. ds. Mts., die hinter verschl. ssenen Türen stattfanden, ciiige Einz.'lh.iten m t.utclei. Ter erste Vorsitzende Menne eiilärtc am Schluß seines Te ichts über den Streik, daß xDec Kampf nur abgebrochen wurde, aber keineswegs be.mdet sei. Der neue Kampf, Der von der Reichs- gewerkschaft nicht allein geführt werde, werde einen Kampf zwischen Arbeite schäft und Kapital bringen. Dieser Kamps werde aus jeden Fall gewonnen werden. Dabei wolle er auch das Reparationspivblem au'rollen und lösen, wozu Anregungen vom Auslände vorlägen. Menne erklärte sich gegen jedes Verhandeln mit dem Reichsverkehrsministerium über die Frage der Maßregelungen und sagte, man müsse das Ministeriumzwingen, aus Furchtvor den Eisenbahnern nachzugeben. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten: Wir haben die Macht und wir balcen die Zügel in Den $ärtDen. Mit ähr.l chen Worte r versu h:e Der Lokomotiv.üh eScharfschwerdt au. Die Ver­sammlung einzuwin'en. Die Ve.treter der ge­mäßigten Rich ung kamen erst am zweiten Tage zu Wort. Sie wiesen vor allen Dingen Darauf hin, daß der Streik entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen der Satzungen an'eo.d iet wor en sei. Wie das gle'che Blatt weiter mit eilt, soll Menne kürzlich im Deutschen Beamten'.u id e llärt haben, daß es möglich geree'en wäre, die Regie­rung ?u zwingen, wenn die gesamte Beamten­schaft sich geschlossen hinter die streikende Reichs- gewerkllchaft gestellt hätte.

Berlin, 24. Febr. (Wolff.) Wie von zu­ständiger Seite mitgeieilt wird, trifft die Meldung des , Lokal-An Zeigers", daß der Reichskanz- l e r gestern die Vertreter der R e i ch s g e w e r k- schäft der Deutschen Eisenbahnbeamten uni -Anwärter empfangen habe, n i ch t zu. Die Kom­mission, wurde von einem Barmten der Reichs­kanzlei empfangen, Dem sie ihre Wünsche vortrug.

Aus dem Reiche.

Die Frage dss EteuerkompromrsseS.

Berlin, 25. Febr. (Priv.-Tel.) lieber Den Stand der interfraktionellen Besprechun­gen über die Frage des Steuerkompro- misses weiß dieBörsenzeitung" mit- .511 teilen, daß die Parteien der Mitte einschließlich der Sozialdemokra­tie und der Deutschen VolcSpartei noch am Steuerkompromiß fe st hal­ten, und daß der einzige Verhandlungs­gegenstand nur noch die sogenannten per­sönlichen und fachlichen Garantien der Deutschen Vvlkspartei sind. Die Be­sprechungen darüber sind sowohl von Seiten der bürgerlichen Regierungsparteien als auch von der Regierung in der Person des Reichs- ftnanzMinisters Hermes gestern vormittag be- -onncn worden. Die Fraktion der Oeut^en Vollspartei konnte fich gestern abend bereits