rigfeiten hat Me Trstrhrung bte Richtigkeir des.neuen Kurses gezeigt. Unsere Aufgabe ist, zurücktretend einen neuen Schritt vorwärts in der Richtung auf den Sozialismus vorzube- reiten. Wir müssen unseren Apparat derart umbauen. daft wir nur ein Minimum der negativen Seiten dec neuen Wirtschaftspolitik, ihre ökonomischen Vorteile aber in vollem Umfange verwirklichen. Das ist um so notwendiger, als viele bürgerliche Staaten fortfahren, uns wirtschaftlich zu boykottieren. Durch geineinsame Arbeit werden wir es erreichen, daft das Ruhland der neuen Wirtschaftspolitik zum Rußland des Sozialismus wird.
Eine russiche Stimme über den Befreiungskampf der Türkei.
M o s k a u, 23. Rov. (Wolff.) Russische Telegraphen-Agentur. Die „Iswestija" veröffentlicht einen Artikel unterschrieben „(Sin ehemaliger Diplomat über die Frage des nahen Ostens", in dem es heißt: Don dem Augenblicke an, da die Türkei ihre Selbständigkeit ernstlich verteidigen wollte, standen alle Mächte der Entente in einer einheitlichen Front gegen die Türkei. 3n Genua Lar in ter russischen Frage Gnglaick) nach Frink- reich orientiert, jetzt ist in der Frage des nähen Ostens Frankreich nach England orientiert. Dir beiden Mächte sind durch ihre i m p e r i a 11 - stischePolitik miteinander verbunden Frankreich hat der Aufrechterhaltung seiner Rolle als Protektor ter Muselmanen entsagt unb unterstützt eine Politik der Härte, die England den Türken gegenüber vorhat. Rach ter Idylle ter Konferenz von Mudania ist die Zukunft der Lausanner Konferenz in Rebel gehüllt. Hetzt, da die Großmächte volle Kenntnis von ter Absicht der Türken 'haben, alle Institutionen der Großmächte aufzulösen, schreien sie, dah die Türker in Barbarei zurückfinke. Die Türkei 'hat ihre bürgerliche Revolution hinter sich Ihre jetzige Revolution erschreckt die imperialistischen Mächte, denn sie tegreifen, dah alle Völker des Ostens ihre Befreiung vom kapitalistischen Hoch erstreben werden. 3m groben Befreiungskämpfe des türkischen Volc'eS sehen wir aber eine Schattenseite,- diese ist die Verfolgung ter türkischen Kommunisten. Mit diesen ihren Maßnahmen schadet die türkische Regierung sich selbst.
Die Konferenz in Lausanne.
Lausanne. 23. Rov. (WTB.) Die Kon- serenz hat heute nachmittag folgende amtliche Mitteilung über die Dornilttagssitzung des ersten Ausschusses herausgeaeben: Der Aas- schuft für territoriale und militärische Fragen trat heute vormittag 11 Uhr zusammen. Ismet Pascha antwortete ausführlich auf die Erklärungen und Vorschläge ter verschiedenen Delegat, )» nen in den vorhergehenden Sitzungen. BeniscloS entgegnete auf gewisse Darlegungen 3«metS. Der Ausschutz ernannte einen Hntera schuß zur Prüfung der Vorschläge über die längs ter vstthrazifchrn Grenze zu errichtende militärfreie Grenze. Der Llnterausschutz soll 'die Einrichtungen der Eisenbahnen am Hafen von Dedeagatsch prüfen, die die wirtschaftlichen Zugänge Bulgariens zum ägäischen Meere sichern sollen. Dieser älnlerausschaß trat nachmittags zusammen. Bevor et feinen Bericht fertig Öat, wird ter HauptauSschutz sich nicht mehr versammeln.
Paris, 23. Rov. (WTB.) Der ©onter- ^richterstatter ter Havasagentur in Lausanne ragltet, Ismet P a s cha habe in der Sitzung ter Kommission für territoriale Fragen im Zusammenhang mit ter Ablehnung ter Volksabstimmung m Westthrazien durch die Fnetens- könserenz ferne Ileberraschung zum Ausdruck gebracht, daß die Mächte, die erflärt hätten, sie kämpften für die Freiheit und das Selbst befttm- mungsrecht der Völker, sich heute ter türkischen Forderung widersetzten. Die Türkei zeige fuh nach dem Berichterstatter weiter unzusrieten mit ter -Wiederherstellung des Dalkanblocks und erkläre. sie mutzte gegenüber dieser Sntheitssront eine ebenso eng zusammengeschlosfene eigene Front bilden.
Lausanne, 23. Rov. Der russische DelegierteWorowski hatte gestern abend eine Unterredung mit Ismet Pascha. 3m Verlaufe ter allgemeinen Aussprache versicherte Wo- rvwski ten Führer ter türkischen Delegation, dah Ruhland die Türkei in allen Fragen unt erstühen werte, die ihre nationale Souveränität angehen. Dagegen wurde sich Ruft- land nicht als gebunden erachten, wenn die Türken Fragen imperialistifchrr Tendenz auftoerfen würden. 3 smet P a s cha entgegnete, dah öle
Die Herroeghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von L i e s b e t Dill.
45. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Und sie erfuhr endlich von ihrem Schwager, dah Lutz in neuen Banden lag Aber diesmal war es „was Richtiges". Es war nämlich seine eigene Oberstentochter. Herbert beobachtete durch ten Serviettenring — er sah jetzt — Gretes Erblassen.
„Oberstentochter?" lächelte Grete gezwungen. »Und wer bezahlt seine Schulten?"
„Keine Sorge, verehrte Schwägerin, die Alte ist eine geborene Oppenheim."
Und die erschrockene Grete sagte laut: „Wie scheuhlich!" Wenn sie bis dahin noch im stillen gehofft hatte, dah Lutz eines Tages reuig zu ihr zurückkehren würde, so war es jetzt klar, dah es ihm ernst war mit ter Heirat. Die geborene Oppenheim bewies es.
Diese Gewihheit verursachte Grete heiße Tränen, tenn sie hatte Lutz Dicklich geliebt.
Für ihn hätte sie alles geopfert, für ihn wäre sie zur Verbrecherin geworden, ja gestorben.
Ater er hatte sie leider nie auf diese Probe gestellt.
*
Frau von Herwegh war die Veränderung mit ihrem Sohn nicht entgangen. Eines Tages fragte sie ihn, waS er mit Grete habe?
„Ater Mama, was sollen wir miteinander haben? Wir sind sieden Jahre verheiratet und ich hab' viel zu tun."
„3a, ater es ist keine rechte Freudigkeit mehr dabei," fand sie.
Da gestand er ihr, dah er unter einem Kopfdruck litte, der sich unter seiner Hirnschale ein- genistet zu haben schien.
„Das sind deine alten Kopfschmerzen," sagte sie, „früher hattest du sie auch schon, weiht du, vor ten Examen. Mein armer Hunge, du über-
Türket eine imperialistische Politik nicht zu vertreten gedenke.
Lausanne, 23. Rov. (WTB.) Die in Lausanne weilende aeghptische Abordnung richtete an ten Präsidenten ter Konferenz eine Denkschrift, in ter die Zulassung von 2lb- geordneten zur Konferenz verlangt wird, öamit sie die Forderungen des aeghptischen Volkes vortragen können.
Ein Ucberfall auf den König von Bulgarien. Berlin, 24. Rod. Ein Telegramm des Berl. Lokalanz. berichtet, dah König Dor - ris von Bulgarien bei einem Automobilausflug ohne Begleitung in der Nähe von Sofia von Räubern überfallen wurde. Nachdem die Räuber den König völlig ausgeplündert hatten, verschwanden sie.
Deutscher Reichstag.
272. Sitzung, nachmtttags 5 Uhr.
Berlin. 23. Rov.
Das Haus setzt die Geschästsordnungsberalung fort Zunächst wird ter Antrag ter Linksparteien, die Unterstützungszahl ter Abgeordneten für Interpellationen von 30 auf 15 herabzusetzen, gegen die Stimmen ter Linksparteien abgelehnt. Der gleiche Antrag für die Unterstützung ter kleinen Anfragen wird dagegen mit grober Mehrheit angenommen.
An die weiteren Bestimmungen ter insgesamt 122 Paragraphen umfaffenten Geschäftsordnung knüpft sich eine sehr eingehende Aussprache, in welcher die Ausschuhfassung besonders von dem Abg. Ledebour (US.) und ten Kommunisten scharf kritisiert wird.
Um 7 Uhr abend« vertagt sich da» Hau- auf Freitag mittag 1 Uhr. Entgegennahme einer Regierungserklärung.
Aus dem Reiche.
Einschränkung der DersorgungSbehörden.
Den Blättern zufolge wird von zuständiger Stelle erklärt, daß das Reichsarbeitsministerium auf Forderung deS Reichstages und der Landesregierungen die nicht mehr als wirtschaftlich zu bezeichnenden B e r s o r - gungsbehörden auflösen bzw. mtt anderen Aemtern zusammenlegen wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 24. Dodemter 1922.
Erhöhung bet Erwerbslosenunterftützung. Rach dem Deschluh des ReichSratS vom 16. d. M. betragen die Höchstsätze ter Erwerbs- losenunterstützungen:
in den Orten der Ortsklassen A B C D und E
1. für männliche Personen:
a) über 21 Hahre, sofern sie nicht im Haushalt eines anderen leben...... 140,—125,-115.-100,- ULI.
b) über 21 Zähre, sofern sie in dein Haushalt eine- anderen leben . 100,— 90,— 80,— 70,— Mk.
c) unter2lZähren . 50,— 45,— 40,— 35,— Mk.
2. für weibliche Personen:
a) über 21 Zähre, sofern sie nicht im Haushalt eine- anderen leben...... 110,-100,— 90,— 80,—Mk.
b) über 21 Jahre, sofernsieindem HaushalteineS anderen leben. . 65,— 60,— 55,— 50,—Mk.
c) unter21 Zähren 40,— 35.— 30,— 25,— Mk.
3. die Familienzuschläge für:
a) den Ehegatten . . 65,— 60,— 55,— 50,— Mk.
b) die Kinder *
und sonstige Unterstützung-- berechtigteAn- gehörige .... 50,— 45,— 40,— 35,—Mk.
Der Reichs rat hat sich ferner damit einverstanden erklärt, dah die neuen Sähe mit Montag.
arbeitest dich, ich werte mal Doktor Rickert fragen, er hatte dir doch so ein gutes Pulver bageaen gegeben."
Aber ec wollte nicht, dah nun diesen Mann, ten Liane schlecht behandelt hatte, nun ausnützle.
Herbert hatte von einem Psychiater in Graz gelesen, ter als Spezialist Gehirnoverationen machte, den Kranken ten Schädel aufschniU wie eine Apfelsine, innen ten Gehirnbalken hemüs- nahm, diesem oas schädliche Sekret entfau.eri lieh. bat den Druck verursacht hatte, und ihn dann wieder einsehte. Wenn Ernst das mal ver uchte... Ater mitHerberts Medizin sch nStmntntfen lohnte man sich höchstens vor einem Arzt blamieren.
Er hatte manchmal das Gefühl, seinen ganzen Kopf abzunehmen und ihn wegzuwersen, tenn ter Druck blieb, ob er auf die bewaldeten Höhen ging, ob er rauchte oder es unterlieh.
So oft er jetzt nach ter Mainzer Strafte kam, müd und abgearteltet, bekam er Ratschläge. Trina wusste von einem Raturärzt, der in vierundzwanzig Stunden alles mit einer grünen Salbe heilte, Fräulein Schmidt brachte selbsttereiteten Dlutreinigungstee und die Generalin yet ihm, nach Italien zu gehen. „Gaffen Sie boo) mal Ihre ganze Wirtschaft zum Kuckuck gehen und reifen Sie nach Rom."
Liane befand sich eben dort und ritt mit ihren Freunden auf Mauleseln in die Campagna.
Es war wie schon Immer. Heter sagte, arbeite doch nicht soviel. Aber wehe, wenn er nicht pünktlich durch alle Klassen gekommen wäre. Seine Freunde gingen spazieren, während er sich zu den Examen vorbereitete, und eS war immer ein Examen, bat auf Ihn wartete, bad Einjährige. das Abitur, ter Referendar, der Doktor oder her Assessor.
Von dem Abiturientenepamen konnte er heute nwck träumen. Damals hatte er zum erstenmal diesen Druck gespürt.
Er konnte nicht reisen, solange diese Sppen- hausener Angelegenheiten nicht geordnet —
ten 20. Rovemter 1922, in Kraft treten. Erne entsprechende Verordnung wird in der nächsten □lummer des Reichsarbeitsblattes veröffentlicht werden.
Damtt die neuen UnterstühungSbeträge mit Wirkung vom 20. d. M ab ausgezahlt werten können, ist den Kreisämtern empfohlen, die Träger ter Erwerbslosenfürsorge alsbald entsprechend zu verständigen.
Alm Zweifel auszuschlleften, sei noch daraus hingewiesen, dah die Familienzuschläge, die ein Erwerbsloser erhält, insgesamt das Zweifache ter ihm gewährten Unterstützung nicht übersteigen dürfen. Durch die Erhöhung ter Höchstsätze ter Erwerbslosenunlerstützuntz erfahren auch die DurchschnittssäNe für die Förderung von Maftnahmen ter produktiven Erwerbslosenfürsorge eine Erhöhung. Sie werten vom 20. Rovernber 1922 ab betragen:
Für die Orte ter Ortsklasse AB CD und E
240 Mk. 215 Mk. 195 Mk. 170 Mk. Die neuen Unterstützungssätze haben wie bisher als Höchstsätze zu gelten, die nicht unter allen Umständen bezahlt werten müssen. Die Gemeinden werten zu prüfen haben, ob nicht auch mit n leb tigeren Sätzen auszukvmmen ist, die ins- besoiltere dann festzusetzen sein werten, wenn durch Gewährung des Höchstsatzes die Unter» stützung sich zu sehr ten üblichen Löhnen nähern oder fie gar überschreiten würde.
*
•• Ernannt wurde ter Studienrat an ter Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg Hakob R o d r i a n mit Wirkung vom 24. April 1922 ab zum Sludienrat an dem Realgymnasium zu Mainz.
** Die Fahrpreise der Straßenbahn werden von morgen ab um 100 Prozent erhöht. Die einfache Fahrt kostet dann 10 Mark. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.
*♦ Pässe und Ausweise zum Verkehr mit dem besetzten Gebiet. An Stelle ter seitherigen gelten Personalausweise zum Verkehr mit dem besetzten Gebiet sind weifte Ausweise getreten, deren Gültigkeitsdauer nicht be- friftet ift Die noch nicht abgelaufenen gelben Personalausweise werden kostenlos gegen das neue Formular umgetauscht. Anträge auf Ausstellung von Pässen oder Ausweisen müssen im Regie- rungsgebäute, Zimmer 9, von ten Antragstellern persönlich vorgebvacht werten. Dabei ist entweder ter noch gültige gelbe Personalausweis oder der von ter Bürgermeisterei des Wohnortes ausgefertigte Paftbericht, sowie in jetem Falle ein nicht aufgezogenes Lichtbild (Brustbild hi Vifttformal, Aufnahme aus neuester Zeit, ohne Hut) miizu- br Ingen.
* Reue Einkommen st euermarken. Der Reichsminister ter Finanzen teilt in einem Runterlasse an die unterstellten Behörden mit, daft er mit Rücksicht auf die erheblich gestiegenen Löhne und Gehälter mit tem Reichspostminister wegen ter Ausgabe neuer Glnkommensteuermarken zu 500, 1000 und 2000 Mark Ins Benehmen getreten fei. Wann die neu herzustellenden Marken auSgegeten werten können, läftt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen.
** Das Verschieben von Briefen und Po st karten in Drucksachensendungen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Driefverschleppungen und Briefverluste. Ungeachtet wiederholter Mahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Drucksachensendungen leider immer noch in so mangelhafter Verpackung zur Post eingeliefert, daß sie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährlich in dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Feststellungen bestätigen, oie häufig zur Versendung von Drucksachen benutzten offenen Briefumschläge, bei denen die Absender die am oberen Rand oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen einschlagen. In den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briefe, Postkarten usw., die dann in der Drucksache oft weite Irrfahrten machen. Im eigensten Interesse des Publikums muft eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen einzuschlagen; viel besser ist es. die Klappe über die Rückseite lose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmäßig haben sich Umschläge bewährt, die an der Verschlußklappe einen zungenartigen An-
unb bat waren sie erst, wenn die neue Bahn lief. Seine Frau hatte sich zur Frühjahrskur nach Bad Homburg begeben. „Wenn du niemals Zeit hast, flo will ich wenigstens etwas vom Leben haben," sagte fie. Er hatte sie ziehen lassen. Der Arzt hatte eigentlich zu Pyrmont geraten aus gewissen Gründen, ater das Bad lag ja in Rord- teutschland und war vornehm und trifte. And Grete fühlte sich nur da wohl, wo sie die Eham- pagnevatmosphäre des Rheins umgab. In die sibirische Verbannung zu gehen, dazu hatte sie leineCuft. Ihr furchtbarsterTraum war ein ttmzug nach Posen.
Emst hatte sich in ten ersten Jahren bemüht, tiefe kindischen Dorurtci'e zu beseitigen, aber fie hatten nichts gezeitigt wie heftige Auftritte und Tränenstrome. „Du liebst mich nicht mehr. Früher hast du alles, was ich tat, schön und gut gefunden. Warum soll ich mich denn ändern? Aenderst du dich vielleicht?" Grete war ter Ansicht, daft sich ter Mensch überhaupt nur zu seinem Rachteil ändern könne.
Auch damit hatte er sich abgefunden.
Er hätte oft einen großen Schwamm nehmen mögen und alles auslöschen, die ganze Umgebung, das Haus, fein Leben, diese Klagen und Verleumdungen, das psychische und moralische Glend, das ihn umgab, und sich aufschwingen in reinere Regionen, wo man Flötenmusik hörte und Zimbeln und Posaunen, die Erde weit unter sich lassend mit ihren groben finsteren Sumpfen und den seltenen Sonnenflecken.
Gr hatte das Gefühl, als ob er sich einer Katastrophe nähere. Die finsteren Gedanken umkreisten ihn wie große graue Raubvögel. Er suchte sie sich fortzuspielen. Aber- fie kamen toleter. setzten sich auf feine Schultern, auf seine Hände und auf sein Haupt, und ihre scharfen Schnäbel zerfleischten langsam Stück für Stück sein Herz.
»
GS war über Rächt Frühling geworden.
Sonnenschein erfüllte die Straßen, die Alleen
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 6600, Frankfurt a. W. 6650.
blühten tpeift und grün, und die Büsche waren ausgeschlagen und trugen feste rosa Knospen. Es duftete nach Veilchen und Hyazinthen, und in ten Vorgärten der Villen blühten weiftrote Tulpenteete.
Die Stadt machte sich zum Empfang tet Fremden bereit, die Majestäten wurden erwartet, in tem großen grauen Schloft standen alle Fenster offen, vor ten Bahnhof waren Ehrenpforten gebaut, bunte Fahnen wehten von ten Fenstern, unb bat Königliche Theater hatte den „Ringln neuer Ausstattung angezeigt.
Die goldene Kuppel ter Kapelle funkelte au« dem jungen Waltesgrün auf die schimmernden Däch.r herab, unb die faubergefegten Straften schienen plötzlich breiter unb heller geworden »u sein. Die Geschäfte beeilten sich, ihre Frühjahrs- auSftcdungen hecauszub ringen, die Maltage brach.en Fremtenströme herein, alle Hotels waren sch»n belegt, die Terrassen füllten sich, und vor ten Easvs hatten die Wirte die Glasscheiben entfernt, so daß die Gäste im Freien saßen. In den Alleen wimmelte es von Uniformen und duftigen Sommertoiletten, denn die Sonne brannte wie iw Sommer. r „ , _
Die Mainzer Strafte hatte sich zu einer Maibowle auf ter Rheinterrasse cerabretet. Sie waren alle gekommen, General-, Kolllns, die Her- weghs und Fräulein Schmidt, Lutz war auS Main» herübergekommen und die gute Großmutter saß obenan und blickte stillvergnügt unter ihrem Ka- potthut auf das bekannte rheinische Treiben. Sie war die einzige, die nach Emst gefragt hatte. „Wie geht's tenn deinem Mann, Gretel. Hal er bald alles hinter sich?"
Sie fürchtete immer, daft auf Ernst noch etwa- Besonderes laute, ein Examen oder etwas mit ter Fabrik.
Grete beruhigte fie, Ernst war heut auswärts und Plädierte zugunsten eines Raubmörders.
„Ach Gott, ach Gott!" sagte die alte Frau „Der tem Wetters (Fortsetzung folflt)
satz yaden, der In einen äußeren Schlitz deS Umschlages gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem Herausfallen und verhindern das Einschieben anderer Sendungen. Ihre möglichst ausgedehnte Verwendung ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verhältnismäßig häufig verschieben sich auch Briefe usw. in Zeitungen, die unter Streifband verschickt werden. Es ist dringend zu raten, die Streif- bänder so fest wie möglich um die Zeitungen zu legen, nachdem diese umschnürt worden sind.
** Märchenabend. Zu einem Märchenabend hatte für gestern abend die Siebener Vor- tragSbereinigung eingeladen. Eine zahlreiche Familie füllte die Reue Aula, um ter fesselnden Erzählerin, Frau Vilma Mönkeberg aus Hamburg, bei heimeligem Kerzenschein zu lauschem Denn — in diesem Punkt weichen wir von ter Ansicht ter barbietenten Künstlerin ab —, das Mär- eben gehört in die Familie, und es bedeutet gewiß kein Herabsinken, wenn das Märchen zur Kindergeschichte geworden ift Welche Lttevaturgattung könnte sich ein so hohes Recht anmaften, wie es das Märchen besitzt, nämlich das, Seele und Sinn des Kindes zu beeinflussen und so den Menschen zu bilden. Fürwahr, es kann keine schönere Aufgabe geben. Unb welch ein Segen das Märchen für uns gewesen ist, das erkennen alle, die sich mit Freuten und stiller Sehnsucht an die Zeiten erinnern, wo Groftmutter, Mutter unb Kind bei flackerndem Lampenlicht ble Geschichten alter, ver gangener Tage zu sich sprechen Heften. Unb wenn wir auch gestern abend nicht in ter Kinderstube saßen — es war ein unterer, ungleich würdigerer Rahmen geschaffen worden —, wir haben wohl alle jener Stunden gedacht, die für uns nun selbst fast zum Märchen geworden sind. Gin anderer, würdigerer Rahmen war geschlossen, würdig der hohen Kunst, mit ter Frau Vilma Mönkeberg ihre Zuhörerschaft in Dann schlug. Richt nur die fein stilisierte Art ihres Vortrags — für ein Märchen vielleicht schon zu viel —, ter Klang ihrer Sprache, ihre ganze Erscheinung, mit einem Wort: da» Aeußere fesselte die Samilie, die ihr zu Füften sitzend gespannt lauschte, — auch ter weise Wechsel in ter Auswahl ter einzelnen Märchen, nur kurz bald hier, bald da antippend, aber doch genug, um zu zeigen, wie -reichhaltig gerate die Märchenliteratur ist, verhalf ihr zu einem vollen Grfolg. Märchen ter alten unb neuen Welt, Märchen deutschen unb chinesischen, slawischen unb indianischen Ursprungs tieften es bald im Dienste der heiteren, bald ber ernsten Muse erscheinen, zeigten, wie es Bilder vom Menschen- und Tierleben in anmutigen und doch grellen Farben malt, und bewiesen so, daft das Märchen wirklich dazu geeignet ist, uns einen Blick in die Kultur und Sinnesart ter einzelnen Völker werfen zu lassen. Unb wenn man so mit kritischen Augen das Märchen ansieht, bann geben wir der Erzählerin recht, die meinte, daft die Geschichten der Kindheit auch den Erwachsenen noch manches geben, was sie sonst vergeblich suchen. In diesem Sinn fei der Hamburger Künstlerin Dank ausgesprochen, dem auch die Zuhürenden gestern abend durch ihren starken, spontan ausbrechenten Beifall Ausdruck gaben, durch einen Beifall, ter auch den Dank für Sie Dortvagsvereinigung enthielt. —r.
Vornotizen.
— Tageskalender für Freitag StadttHsater, 7 tthr: „Wallenstciirs Lager" um) „Die Piccolomini". — Kach. Dereinshaus, 8 Mr: Gastspiel Bellachini. — Lichtspielhaus. Dahn° hofstcafte. ab heute: „ FritericuS 1. mb 2. Teil: „Gin Kvnigsschicksal".
*
für SamStag:
Wolkig, westliche Winde, geringe Niederschläge.
Der Hochdruckrücken hat sich etwas nach Süden verlagert und erstteckt sich von England über die Alpen zum Balkan. Die Witterung wird vorläufig noch anhalten.
Landkreis Gießen.
* Grünberg. 23. Rov. AIS Zuschläge zur © r u n b m i e t e gemäß tem Reichsmieten- gesetz schlägt ter ©cmeinterat die Erhebung von 7 0 0 Prozent vor. Die Ausführung ter sog. Schönheitsarbeiten. Tapezieren, Weiften usw., soll auf Kosten ter Mieter erfolgen.


