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Ur. 120 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfen)

Dienstag, 25. Mai (922

Die Sa kramentsh ex.

Roman von Warie Kerschensteiner.

26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Da ritz die Begierde den Oouemben hin. Mtt einem Satz sprang er der Ahnungslosen nach und satzle sie im Bücken. Der erste Schrecken machte Lene machtlos, aber bald gewann sie die Fassung zurück Wit einer alle Kraft ajfbteten- den Anstrengung überrumpelte sie den Tr in- Lenen und rang ihn nieder. Hart setzte sie ihm daS Knie auf die Brust. Hetzt erst sah sie, wer den Spiegel ihrer Glücks st immun g zertrümmert hatte. Der Alois war's! Der '^einiger ihrer Kindheit! Der häßlichen Schlupfline Sohn-'Der, Bezwungen! Unter ihr! Was eben noch ihre Seele erleuchtet hatte, versank. Das Bild ihrer Vergangenheit stand vor ihr, deutlich, wie eine aas dem Erdboden gestampfte Wirklichkeit. Es kehrte die Untiefen in Lei^s Herzen hervor. Lautlos rang sie mit dem Burschen, bis sie seine Arme gefesselt und seinen Kops gefasst Hütte, den sie mitten hineinstietz in das lrrnchernde Brennest eibeet, das zur Seite wuchs. Und dann lieh sie ihn liegen und ging davon, nicht flüch­tend. sondern wie ein Wen sch, der Kraft und Lust genug in sich fühlt, mit einem Schock Krugwirten den Kamps aufzunehmen. Frohlockend genoß sie das Gefühl der Bache.

Auf jene mondhellen Aächte folgte eine regen­schwere Zeit. An ein Wiedersehm der beiden Liedenden war dabei nicht zu bentea. Das Moor war unter solchen Umständen nicht zu über­schreiten. Heiner muhte sich mit der Sehnsucht noch Lene abfinden. Auch brachten Umstände and Zufall ckllerhand Abwechslung in sein Leden.

Eines Tages wurde er an das Bett seiner schwer erkrankten Mutter gerufen. Er traf sie mit dem Tode ringend und in einem Zustande hilflosester Verlassenheit. Wochenlang blieb er bei ihr und übte seine Sohnespflicht Nachdem sie so weit genesen war, dah sie die Beile trogen durfte, nahm er sie trotz feiner ursprüng­lichen Bedenken mit sich. Und als er heimkam, da war die Feldarbeit der Dauern beendet, str bedurften der Mithilfe ihrer Kinder nicht mehr, und für den Lehrer begann die Hauptzeit seines Schaffens. Auch die Pflege der Mutter nahm ihn noch weitgehend in Anspruch, so baß er vor lauter unerbittlichen Notwendigkeiten für seine eigenen Wünsche keine Zeil fand Vergebens besuchte er in den mondklaren Nächten den Ort, wo sie sich gefunden hatten. Lene tarn nicht wieder und Heiner wusste nichts von ihrer Begeg­nung mit dem Alois, die sie die Heide von neuem meiden lieb. Und ehe er es recht glauben wollte, war der Winter da. Er setzte mit ungewöhnlicher Strenge ein. Bekümmert sah Heiner von der Turmstube ans, wie die weißgewordene Heide täglich an Undurchdringlichkeit gewann. wein Herz flog darüber hin, die Hütte zu suchen, die der Liebsten irgendwo in der Einöde ein kümmer­liches Obd«h bot. Dort wußte er sie, ein ärm­liches Dasein führend, vom Schnee begraben and in der sehnsüchtigen Erwartung, das) die Eis­zapfen, die das Hüttlein umhingen, tote zottige Bärte, und 'die der Frost wachsen lieh Tag um Tag. unter dem ersten Sonnenstrahl wieder za schmelzen begännen. Was nützte es ihm aber, datz er ingrimmig die ^stuste ballte und seine Ohnmacht verwünschte, die ihn zwang, ge'chehen zu lassen, was er mit seinem Herzblut hatte än­dern mögen. Bitter empfand er dir Wahr bett.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 22. Mai 1922.

Ne Interpellation der beiden Bechts- ^artrien über Veröffentlichung des Materials 8 u r Aufklärung der Schuldfrage am Weltkriege wird innerhalb der geschäftsord- «UNgsmäßigen Frist behandelt werden. Sodann totrb

die Beratung des Ernährung eiatS fortgesetzt

Minister Fehr betont gegenüber Vor- «jürfen, bat) er auf die Frage der Br Öl­versorgung nicht näher eingegangen sei, weil dem Reichstag demnächst eine Vorlage darüber zugehen werde, die im Beserentrneni- Wurf bereits vorliege und mil den Landesregie­rungen durchberaten sei. Damit solle eine dem vcrsähriqen Betrag entsprechende Nlenge Brot­getreide in öffentliche Hand gebracht werden. Äe Landwirtschaft solle dafür die Erzeugungs­kosten und einen angemessenen Gewinn erhalten. Sv solle die Drotversorgung zu erträglichen Prei­sen gefiebert 'werden. Zchte Beichränkung auf Min­derbemittelte wäre sehr schwierig. aber vielleicht mcht unmöglich Vielleicht könnten die Brot- tarten auf begründete Anträge abgegeben ©er­ben. 3m übrigen habe sein Vorgänger die 'Be­seitigung der (Setreibcumlage mir unter der Vor- «mSsetzung zugesagt, dah sich die Wirtschaftslage nicht weiter verschlechtern würde. Das sei aber leider nicht der Fall. Gr habe niemals daran gebarbt, einen Schutzzoll gegen die Einfuhr von Getreide einzuführen.

Abg Hammer (Dntl.) geht auf die Frage der Zuckerversvrgung ein. Troy guter Ernte könne die Bevölkerung keinen Zucker er­halten, weil alles für Konfitüren und Likörfabri- Tatton aufgekauft werde. Deshalb müsse die Zuckereinfuhr unbedingt freigegeben werden. Nicht der Kleinhandel trage die Schuld an dem Zucker­wucher. die Zuckerlieferanten steckten meist mit den Großhändlern zusammen und die Einkaufs­genossenschaften der Kleinhändler würden shste- mattsch vom Großhandel boykottiert. Demgemäß müsste diesen Genossenschaften und Konsumver­einen die Einfuhrerlaubnis für Zucker gegeben werben unter Bedingungen, die es verhüteten, dah auch dieser Zucker zu Schieberware werde: andererseits müßte auch der Übermäßigen Kon­servenausfuhr ein Ende gemocht werden.

Abg. Dr. MoseS (USP.) verlangt eine beträchtliche Erhöhung des Fonds, der für die Forschungsarbeiten der Sr - uährungSwirtschaft ausgeworfen ist. Der hierfür angeseyte Betrag sei im Verhältnis zu den Ausgaben für Ausbildung von Brieftauben und Sanitätshunden geradezu lächerlich.

Ein inzwischen eingegangener Antrag der Linksparteien will die Au sfuhr von Spar- gelkonserven in gewissem Umfang zulasten.

Der Vertreter Braunschweigs im Reichsrat v. Dodemer wendet sich gegen ein allgemeines Ausfuhrverbot für Konserven. Die Ausfuhr sei viel kleiner als vielfach angenommen werde, und die Spargellvnserven könnten beispielsweise im Ausland gar nicht verbraucht werden.

Abg. Schiele (D.-Natl.) hält dem Minister gegenüber die Behauptung aufrecht, dah Minister HernreS unzweideutig die vorjährige Ge­treideumlage als letzte Zwangsmah- regel bezeichnet habe. Die öffentliche Bewirtschaftung habe das Brot so ver­teuert, dah das marferrfreie Brot billiger sei, alS das Markenbrot Wenn wir uns in der Er­nährung vom Ausland freimachen wollten, müh­ten wir aus der Gebundenheit heraus.

Abg. Krätzig (Soz.) widerspricht der Be­hauptung, dah das markenfreie Brot billiger sei alS das Markenbrot. Biele Lebensrnittel hätten die Weltmarktpreise schon überschritten, ohne dah Löhne und Gehälter der Geldentwertung gefolgt seist. Schreite die Regierung nicht sofort ein, barni kämen wir zu einer Katastrophe. Redner polemisiert gegen daS Zuckerkartell und fordert Beschlagnahme des Zuckers und seine Bewirt­schaftung durch das Reich.

Sin Vertreter des Ministeriums erwartet von einer Beschlagnahme des Zuckers keine Abhilfe, da dann kein Zucker mefcr vorhanden sein würde, und sieht nur in der Einfuhr einen Weg zur Linderung der Rot.

Abg. Lern et er (Dtschntl.) wünscht, daß im Ministerium die Nichtfachtechniker ersetzt werden, um das Vertrauen zum Ministerium zu heben.

Minister Dr. Fehr erwidert, daß fachtech­nisch durchgebildete Beamte schon jetzt in an- .gemessenem Umfang im Ministerium vorhanden seien, nämlich 20 unter 56.

Abg Lind (Dtschntl.) greift die Reichs- getreidestelle an, die allein im Kriege den Produktionswillen der Landwirtschaft gelähmt habe. Der Umlagepreis bedeute für Die Land­wirtschaft ein Opfer von 40V» Milliarden. So­

lange sich der Kleiepreis höher stelle als der Urnlageprers. werde Getrci.e verfüttert werden

Adg. Hoch iSvz.) ersucht den Vorredner um Vorschläge für einen einfacheren und billigeren Apparat wie die Reichsgetreidestelle.

Staatssekretär H e n n r i ch bezeichnet den Er­satz der Bcichsgetreidestelle durch eine andere Organisation zur Zett als unmöglich.

Die Abstimmungen werden zuruckgestellt. Da­mit ist der Etat deS Landwirkschafts- Ministeriums erledigt. Mit der Besprechung verbunden wird eine Interpellation drr Recht. Parteien, Demokraten, Bayern and Han­noveranern über Regelung des Lehr- lingswesenS im Handwerk.

Reirhswirischafisminister Schmidt:

Bei dem sinkenden Wert der Mark geht die Preisbildung bei uns nicht.mehr unter normalen Druck Der einwirkenden Konkurrenz Die Kauflraft der Mark ist im In lande noch nicht ebenso tief ge­lungen als auf dem Auslandsmarkt. Nichts wäre törichter, als wenn wir auch im Inland an den Weltmarktpreis herankommen wollten: .mfere Konkurrenz mit dem Ausland wäre bann er­ledigt and die Ausfuhr der mit der Inlands- kaaskraft der Marl hergestellten Warm würde schnell zurückgehm. Für Beschwerden über Kar­telle und Syndikate haben wir eine besondere Stelle errichtet Die Ausfuhr muh noch immer beschränk! bleiben. In der Einfuhr können wir uns etwas freier bewegen, doch ist die Einfuhr von allzuviel Luris nicht erwünscht. Die wirt­schaftspolitischen Fragen wurden in Genua sehr eingehend geprüft Bezüglich der Behand­lung der Ein- und Ausfuhrfrage war man sich einig, daß alle B.-schränkungen, soweit sie nicht unbedingt erforderlich sind, beseitigt werden müssen. Ein einheitlicher Zoll­tarif wurde vorgeschlagen. In der Frage der Meistbegünstigung haben selbst die Gntentever- treter anerkannt, daß man uns nicht dauernd einseitige Verpflichtungen auferleaen kann. Im Außenhandel werden wir in absehbarer Zeit noch immer mit einer starken passiven Handelsbilanz rechnen müssen. Auch werden wir die Kohlen­förderung nicht so regeln können, daß sie bei unseren Abgabeverpflichtungen an die Entente dem inländischen Dedarse genügen können. Leider können wir somit die Wirtschastskonjunktur nicht restlos ausnühen. Wir müssen versuchen, neue Kohlenfelder zu erschließen, neue Schächte zu bauen, und darum werden die Kohlenpreise steigen müssen. Der Bergarbeiter muh eine berechtigte Ausnahmestellung unter den Arbeitern einneh­men, auch in bezug auf seine Entlohnung. Längere Arbeitszeit können wir von ihm nicht verlangen, so lange die großen Haldenbestände unabgefahren daliegen. Bezüglich der Papierwirtschast taten wir im Sinne der Entschließung des Hauses, was in unserer Kraft lag. Die Eisenbahntarife find herabgesetzt: die Auhenhandelsstclle hat ein Ein­greifen zugunsten einer Verbilligung des Papiers als gänzlich unmöglich abgelehnt. Undenkbar ist es, daß die Regierung noch einmal Mittel zur Senkung des Papierpreises zur Verfügung stellt. Aber das Mögliche soll geschehen, denn es ist ehre unbedingte Notwendigkeit, besonders für die kleine Presse, dah wir zu einer Ermähigung der Papierpreise kommen. \

Abg. Hammer (Dntl): Das Sinken der Kauflust stellt Heimindustrie und Kunsthandwerk vor schwere Zetten. Untere Steuern stellen sich schon jetzt unter dem Ententedruck ins Uner­trägliche. Dabei will die Entente unS zu einer weiteren Verteuerung der Kohlen zwingen und zu einer Steigerung der Post- und Eisenbahn­tarife. und zwar lediglich, um die Konkurrenz­kraft der deutschen Industrie zu schwächen. Der Redner fordert, Angliederung der Reichsbau­abteilung an das Reichs wirischaftsministerttim und größeres Entgegenkommen gegenüber dem Bauhandwerk bei der Vergebung von Arbeiten. Das deutsche Handwerk müsse an den großen Messen teilnehmen können. Im Kunst Handwerk sind wir allen voran. Der Redner tadelt die Höhe der Gewerbesteuer und verlangt Desettigung der SvzialisierungÄ!ommissivn.

Abg. H o ch (S.): Die Aufhebung der Zwangs­wirtschaft hat die Wirtschaft nicht befreit. Diese liegt in den Fesseln der Kartelle, die unter Führung der Rechten die Ausbeutung des Vol­kes besonders des Mittelstandes betreiben. Die Erhöhung der Spiriluspreise am 1. April wurde von kapitalkräftigen Firmen benutzt, um sich zu niedrigen Preisen noch einzudecken. Unerlaubte Einfuhr sollte konfisziert werden. Die Papier- fabrifen müssen unter die Kontrolle der Re­gierung geteilt werden. Die Forderung der Zei­tungsverleger auf Sicherstellung einer ausreichen­den Druckpapiermenge zu erträglichen Preisen

fei gerecht.

Um 63/4 Uhr wird die Wetterberatung auf moraen 11 Uhr vertagt.

Gießener Strafkammer.

Dich en, 19.MailS22.

Ein Gießener Alt Händler war vorn Schöffen- geridjt von der Anklage der He h le re i frei- gefprvchen worden. Er hatte einen Rock und eine Weste, beides geftobfen, um einen geringen Preis gekauft, und die Anklage nahm an, daß er den Ilm stäuben nach von der Unredlichkeit deS Er- werbs hätte überzeugt fein müssen. Das Schoffen- erich: hatte geurteilt, dah zwar Verdacht, aber rein ausreichender Beweis für eine strafbare Handlung vorliegc. Hiergegen verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. Die neue Verhandlung verlies günstig für den An­geklagten. Er hatte einen Bekannten, dem er i rauen durfte, mit Nachforschungen über die Her­kunft der Kleider beauftragt, und von diesem, der inzwischen von dem Dieb bestochen worden war, eine beruhigende Auskunft erhalten. Danach konnte, wie auch der Vertreter der Staatsanwult- schaft ancriannte. von einem Beweis der Hehlerei keineRede sein und daS erfteUrteil wurde bestätigt.

Aus Wunsch des Wohnungsamtes zu Alsseld verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung gegen ein freisprechendeS Urteil Dos Schöffengerichts Alsfeld. Den verwickelten Tatbestand hier wiederzu geben, verbietet der Raum: als grundsätzlich wichtig möge aus den Entscheidungsgründen des DerufungSurteils indeS hervorgehohrn werden, daß die Strafkammer d a S Wohnungsamt nicht für berechtigt hält, einen von ihm gefaßten Beschluß über die Zuweisung einer Wohnung einseitig und ohne die Zustimmung der Beteilig­ten wieder aufzuheben. Bereits der Amtsanwalt hatte in Uebereinftimmung mtt dem Erkenntnis des Schöfsengerichts diesen Standpunkt vertreten, und auch die Staatsanwaltschaft er­kannte ihn als richtig an.

Eine Frau war vom Schöffengericht Bad- Nauheim wegen Mißhandlung ihres un­ehelichen Kindes zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden und verfolgte dagegen B e - r u f u n g. Das Verfahren muhte einge­stellt werden, da Körperverleyangen mittels gc- sährlichen Werkszeugs ober mit grausamer ober boshafter Behandlung nicht festgestellt werden tonnten und Strafantrag wegen einfacher Miß­handlung nicht gestellt war.

Turnen, Sport und Spiel.

Das Dad-Rauhettner Automobil-Turnier.

4 Bad-Nauheim, 21. Mai. Sin großes sportliches Ereignis war bas Automobil- Turnier, bas von Freitag bis heute hier ftatt- fanb. Die Kurverwaltung unb der Allgemeine Deutsche Automobilklub hatten die Veranstaltung trefflich vorbereitet, unb mit gespanntem Inter­esse verfolgten Kurgäste unb viele Tausenbe aus­wärtige Besucher die interessanten Wettkämpfe. Schon seit acht Tagen stand bas Leben bes Babes im Zeichen beö Autos unb bes Motorrades. Denn zahlreiche Fahrzeuge wellten schon zum Training hier, wozu vor einigen Tagen die benötigten Stra­ßen von der Polizei ahgesperrt waren. Nach einem Begrühungsabend am Freitag begann bas Turnier am Samstag morgen mit der Derg- prüfung. Etwa 100 Fahrzeuge, Autos unb Motorräder alle, Art, starteten am Kurhause, um von hier die etwa 5 Kilometer lange Strecke burch die Neuanlagen unb ben Frauenwald nach bem Johannisberg zu burchfahren. Für ben Sports­mann war biefer Programmmpunkt unstreitig ber fesselndste Teil der ganzen Veranstaltung, da die Bergstraße reich ist an schwierigen Kurven, Ne an die Geschicklichkeit unb Geistesgegenwart ber Fah­rer hohe Anforderungen stellen. Nachmittags fand die Flachgeschicklichkeitsprüfung statt. Sie ging vom Kurhaus aus, führte durch den Park unb einige Straßenzüge ber Stabt, um bann wie­her am Kurhaus zu enben. Eine nach vielen Tau­senden zählende Zuschauermenge umstand die Rennstrecke, besonders die Haltestellen, an denen die Fahrzeugführer ihren Wagen verlassen und Kontrvllzettel an die Turnier lei tung abgeben muß­ten. Ein großartiges Feuerwerk beschloß am Abend den ohne Störungen unb nenneswerte Un- alücksfälle verlaufenen ersten Turniertag. Der heutige Sonntag, ber bei bem herrlichen Früh­lingswetter dem Bade einen Massenbesuch brachte, bot bem Auge bes Zuschauers mit einer Korso- fahrt durch die Stadt eine seltene sportliche Heberrafcbung. Eine Geschwindigkeits- Prüfung auf der Kurhausterraffe schloß sich an. Sie stellte an die Geschicklichkeit ber Fahrer unb die Beweglichkeit ber Fahrzeuge befonbers hohe Qlnforberungen unb gab in ihren Ergebnisse vielfach ben Ausschlag bet 'der Ge­samt be Wertung. Die Siegerverkündigung, wozu von auswärtigen unb hiesigen Firmen und Be­hörden toertoolle Preise gestiftet worden waren, wurde heute abend mit Ansprachen von Kur-

, Direktor von Boe hm er, Bürgermeister Dr. Tr.y ser und dem Vorsitzenden des GuueS lh a lcä A.D.A.E eingeleitet Ein Tanz vereinigte die Teilnehmer anschließend im Kui Haufe.

Nachfolgend das Ergebnis ber Gesamtdewtt:- tung: Motorwagen über 10 PS.: l K 1 ee- man n-Homburg v b. H «Adler): 2. Schultz- S'eprath (Adler ß 3. S. Irion - Frankfurt a M (Adler): 4. M Folville- Frankfurt a. M. Steiger): 5. A. Kö11ner - Franksuri a. M (Adler). Motorwagen b \*4 10 PS.: 1. Frau 3. Folville - Frankfurt a. M. (Stei­ger): 2. G. Wallrefs - Frankfurt a. M. (Adler): 3. Hauptmann a. D. Reiter- Frank­furt a. M. (Protos). Motorwagen dis 8 PS.: I. W Glöckler- Frankfurt a. M (N.S.U.); 2. F. Rasche- Frankfurt a .M. (Dür- kopp): 4. V. Heß- Eberstadt «Brennabor). Motorwagen bi s 6 PS.: 1. W. Wald- Mannheim (Benz): 2. H. Engel-Wiesbaden (Wanderer): 3. van EyS - W.esbvden (Wan­derer). Motorräder bis iy< Pb.: 1. Kar- rcr-Wiesbaden (D.K.W.); 2. A Levy- Frank­furt a. M (N.S.ll.). Motorräder biS 3 PS.: 1. W. Engler-Dad-Naulxim (N.S-tt); 2. R. K r u g - Frankfurt a. 'M. (Ohble); 3 2. Lanzendorfer» Ansbach (Ariie). Mo­torräder bis 4 PS.: Mencnheimer- Königsiein (Ql <5.11.); 2. V. Schön- Frankfurt a. M. (31.6.11.); 3. Hartmann- Wiesbaden (N.S.H.). Motorräder mitBeiwagen: 1. D. Schön (01.0.11); 2. Kalinowski- Oberursel (Wanderer); 3. W. Kindhofen- Wiesbaden (Wanderer).

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* Das 3. Dergtumfest deS Main- Rodgaues wurde auf dem SrarJenjlLüi bei Darmstadt abgehalten: geturnt wurde Weithvcß- sprung, Freihoch, Kugelstoßen aus bem Sport - ring unb 100-Meterlaus. Punkt 6 Uhr morgen# traten 320 Turner Mm Turnen an. Dom Surncr- bunb Lahn-Dünsberg nahmen 10 Turner teil, wovon 9 Turner als Sieger zurückkehrten. GS erhielten ben 5. Preis mtt 65 Punkten August D e st (Waldgirmes), den 6. Preis mit 61 Punkten Karl Agel (Lollar), ben 11. Preis mtt 55 Punkten Karl 0 i f fei (Waldgirmes) und Paul Zöller Hausen), ben 13. Preis Erb (Voll­bringen) und Frank (Wieseck), den 19. Preis Faulstich (Allendvrf). In der Unterflufe er­hielt den 1. Preis Lepper (Waldgirmes), ben 4. Preis Karl Winter (Launsbach).

Westfälische Kampfspiele. Ein neuer beutscher Rekorb. Die dritten Westfälischen Kampfspiele in Dortmund er­freuten sich bei schönem Wetter eines Massen­besuches. Die sportlichen Leistungen standen trotz des Saisonbeginns auf ber Höhe. So schuf bet Sportclub Charlottenburg in der Olympischen Staffel mit bet Mannschaft Dein (800 Meter), Zirpel (200), Krüger (200), Düncker (400) mit 3:36,8 Sek. einen neuen beutfdjen Rekorb. Der alte gehörte Ein­tracht Frankfurt a. M. mit 3: 38,1. Die Ergeb­nisse: 100 Meter: 1. Düncker (S. C.CHarl.) 10 9 Sek., 2. Ebelstein-Essen 11 Sek., 3. Zirpel (S. L Chari). Wettsprung: 1. Fickel-Dortmunb 6,61 Meter 2. Golbeberger-Geestemünbe 6,46 Meter 800 Meter: 1. Bein (S. C. Charl.) 2:00,2, 2. Gut- zett-Dvrtmunb 2:05,2. Hock-sprang: 1. Lauffers- Iserlohn 1.69 Meter, 2. Hübner-Dortmund 1,59 Meter: 3000 Meter: 1. Neumann-Dortmund 9:38,6, 2. K^rn-Dortmund. 400-Meter-Staffel: 1 Duisburg 48 43,9 Sek. 2. Essener Tumerbund 2 Meter zur. Dreckampf: 1. Kruhn-Essen 163 P, 2. Fickel-Dorttnund 162 P. Olympische Staffel. 1. S. C. Eharlottenburg 3:36,8 (neuer beutscher Rekorb), 2. V. f. B. Lehe 3:43, 3. Preußen-DuiS' bürg. Kugelstoßen: 1. Krüger (V. f. B. Waltrop« 11,47 Meter; DiSkuSwerfen: 1. Hofmeister-Mün­ster 36,25 Meter.

Frvih Heims erstes Auftreten In bem vorn Berliner Schlittschuh-Klub veran­stalteten Internationalen Tennistur nier am Reichskanzlerplatz wurden am Sonn tag in der Hauptsache die beiden Herreneinzrl- spiele gefördert, wobei das erste Spielrn deS Deutschen Meisters Froitzheim besonders m- teresfierte. In drei aufeinanberfolgeirben Spielet de wies Froitzheim, daß er glänzender denn j« in Form ist. Sein lebhaftes Spiel am Netz sein harter, präziser Schlag, feine überlegen» Taktik lösten lauten Beifall unter den zahlreich erschienenen Besuchern aus. Zu ben Geschlagene! gehörten TL Koken und ber Deutsch-Schweizer Holzboer, die 0/6, 3/6 bzw. 1/6, 1/6 den Kamp gegen Froitzheim verloren. Auch die Dänen ab­solvierten ihre ersten Spiele. Bis auf Berg- Nielsen, der im Dreisatz kämpf gegen v. Krogf unterlag, konnten sie sich siegreich behaupten Larsen schlug später seinen Doppelpartner Mor» Ville 6/2, 6/0. Sine Lieberraschung bedeutet du Niederlage von Laasch gegen Raabe, ber nach schwachem Spiel 3/6, 6/4, 6/3 siegte

daß, wem Glück gegeben, dem auch schon drs Leides erste Spur ins Herz gesenkt wird.

An ben langen Winterabenden, wo die Stun­den endlos langsam sich in die Vergangenheit stahlen, saß et bei ber Mutter und sie sprachen zusammen von Lene unb entwarfen friedliche, schöne Bilder der Zukunft, so daß er vor inge­duldiger Erwartung sich kaum zu lassen wißte Im Geiste sah et sich schon an seinem Ziel und bedachte nie, daß auch das Leben seinen Willen hat.

Unb endlich hatte der Winter em Einsehen, er besann sich nicht lange unb ging davon! Die la­chende Sonne hatte es in wenigen Tagen zuwege gebracht, daß Heide und Wald in einem See schwammen. Aber noch immer hieß es Wochen hindurch warten, bis die Erde den See geschluckt hätte, ilnb endlich, endlich streckten die Schnee­glöckchen die ersten Spitzen aus der Erde her­vor. Nun hielt es ihn nicht länger, er mußte hinaus, sich fein Weib zu holen. Es scherte ihn nicht, daß er nicht sicher wußte, wo Lenes Hütte stand, ileberm Moor hatte sie gesagt. Unb fein Herz versprach ihm, baß er es finden wurde. Am frühen Morgen zog er aus. Sein Weg führte durch den Sakraments wall), frohmütig schmetterte er fein Lied in den grünen Dom hinein. Er kam an dem Wurzelungetüm vorbei und an ber Waldkapelle. Freundlich grüßte ihn der rote Amprischrin, das ftosteittbundene Wundrrbrünn- lein plätscherte ihm entgegen, ein Kuckuck schrie, und Heiner hörte aus allen Waldstimmen ftohes Verheißen. Ze weiter er vordrang, um so mehr zeigte ber Wald das Bild einer unbefleckten Wildnis. Felsig war der Weg, auf dem das abgeworfene Smnmerkleib des Waldes langsam verweste. Junge Bäumlein, von der Härte des Winters zur Erde gebogen, aüetäoefällie Rielen­

stämme quer über das Gelände gestreckt, motxzrnb Reste längst entwurzelter Bäume, vom fetchtei Wirrsal des WaldbodenS umbettet, erschwerte, ihm ben Weg. Unb vor allem des Strauch« Werks Dickicht, das sein Skelett ihm hemmenk entgegenstreckte.

Doch allmählich llchtete sich "ber Wald, Der Weg führte talab, und als Heiner den freier Himmel gewonnen hatte, bemerkte er, daß di Gegend gänzlich verändert war. Vor ihm dehnt sich, soweit er sehen tonnte, der dunkle Zug des Moores. Kein Baum, kein Strauch unterbrach die Einförmigkeit der weiten Fläche. FarbloS noch stand das Gras auf der zerklüfteten Moor­decke, und die dunkeln Moortümpel säumte da unb dort noch ein Kranz von Eis. Eine tot- stille Einsamkeit fiel Heiner an, die sein leicht* bewegtes Gemüt zur Trauer stimmte.

Einen Uebergang suchend, ging er lange am Rand des Moores hin. Er erschrak heftig, alS plötzlich ein Sumpfhuhn, durch seinen Schritt aus- gescheucht, fich kreischend erhob und schwerfälltg über bas Moor hinstrich. Auf gutes Glück wagte er sich nicht auf das unsichere Gelände. Ein paar Versuche, die er in knabenhaftem Trotz dennoch unternahm, zeigten ihm das Vermessene semes Unterfangene. Er fing an einzu sehen, daß auch der Wegkundige das ileberseyen der tückischen Steppe, auf deren Grund hundertfältig ber Tod lauerte, noch nicht wagen durfte. Grauen packt» ihn unb Bewunderung zugleich, wenn er daran badjte, daß Lene um seinetwillen den Weg über das Moor gewagt hatte. Wohl mochte es leichter fein im Sommer, wenn die Erde burftiger gewor­den war. allein ein Wagestück blieb es trotzdem.

(Fortsetzung folgt)