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Nr. 70 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 23. März {922

Deutscher Reichstag.

193. Sitzung, mittags 2 Uhr.

Berlin. 22. März 1922

Die deutschnationale Interpellation wegen der Zuteilung der fünf Weichfeldörsec an Polen wird i»ch einer Regierungserklärung innerhalb der geschäst^ordnungsmöbigen Frist beantwortet werden. .

Der Gesetzentwurf über dre Vereinigung von Pyrmont mit Preußen wird in zweiter Lesung »ach den Aueschu 'anträgen angenommen. Gleich- zeitig wird eine Entschließung des Ausschusses angenvnunen. welche Oie vollständige Einverlei­bung des Landes Waldeck in Preußen in ver- fassungsmähiger Form anregt. Eine kommu­nistische Entschließung, welche auch die Selbstän­digkeit der beiden Lippe und anderer kleinerer Bundesstaaten aufheben will und .sich für den deutschen Einheitsstaat ausspricht, wird ab­gelehnt.

ES folgt die zweite Beratung des KapitalderkehrSsteuergesehes.

Das Gesetz vereinigt in sich die Gesellschasts- steuer. die Wertpapiersteuer, die Dörsenumsah- steuer, die Aufsichtsratssteuer und die Gewerbe­anschaffungssteuer. Die Steuer soll alles daS umfassen, was durch die übrigen Gesetzentwürfe noch nicht ersaht ist. Der Reichsstempel soll bei der Gesellschaftssteuer von 5 auf 7V$ Prozent erhöht werden; bei den Gesellschaften m b. H. mit einem Stammkapital von unter 100 000 Mk. soll er aber auf 3 Prozent ermähigt werden. Die Wertpapiersteuer seht für Obligationen ei en Steuersatz von 4 Prozent fest, für inländische Schuld- und Rentenverschreibungen V. Prozent, für ausländische 2 Prozent. Die übrige Wert­papiersteuer soll 7 Prozent betragen Die Börsen- umsahsteuer will die P'-iva'gestchätte an derDörse besonders besteuern. Die Aufsichtsratssteuer be­trägt 20 Prozent der Aussichtsratstantieme.

Dieser Borlage hat der Ausschuh zugestimmt: dagegen beantragt er die Ablehnung der Ge- w<Äeanschaffungssteuer. Die sozialdemokratischen Abgeordneten fordern eine Verschärfung der Steuersätze.

Die sozialistischen Anträge werden abgelehnt und die Vorlage gemäh dem Ausschuhantrags angenommen. Es folgt die zweite Beratung der

Umfatzsteuernodelle.

Die Regierungsvorlage wollte neben anderen Verfchärfungen den Steuersatz von 1V9 auf 2VZ Prozent erhöhen. Der Ausschuh beantragt eine Erhöhung auf 2 Prozent unter den Zweigen des Umsatzes, für die eine Erhöhung der Steuer ein­tritt, und auch für Zeitungsanzeigen. Die Inse» ratensteuer soll sich nach §26 staffeln nach der Höhe der Inserateneinnahme. Sie beträgt bei einer vierteljährlichen Znserateneinnahmc bis 200 000 Mark 1 Proz., von den nächsten 200 000 Mark IV» Proz., steigend für jeden weiteren Betrag von 200'000 Mark um '/, Proz. bis 3 Proz. Von den nächsten 100 000 Mark werden 3V? Proz. erhoben and von den nächsten 100 000 Mark 4 Prozent.

Abg. Brodaus (Dem.) beantragt, die Han­delsvertreter-Umsatzsteuer wegzulassen.

Abg. Hammer (Dntl.) verlangt Sicherun­gen dagegen dah daS deutsche Kunsthandwerk durch die hohen Steuern erdrosselt wird.

Abg. D r e t t s ch e t d (USP.) bekämpft die Steuer als eine unerträgliche Belastung der brei­ten Masse, die ohne Rücksicht auf die wirt­schaftliche Kraft des Steuerzahlers erhoben werde.

Abg. Hart leib (Soz): Die informierten Händler und industriellen Kreise haben bei der bestehenden Warenknappheit schon seit Monaten die bevorstehenden höheren Umsatzsteuern mit ein- kalkuliert. Die gesetzliche Bestimmung bedeutet also nur eine Sanktionierung des tatsächlichen Zustandes. Wären die Unabhängigen nicht so Gewissenlos gewesen, die Einheitsfront der Ar- eiterschaft zu zerstören, hätten wir das Kom- promih mit den Bürgerlichen nicht gebraucht. Auf die Steuerfreiheit der Genossenschaften haben wir schweren Herzens verzichtet. Run müssen aber auch die Bürgerlichen auf die Anträge ver­zichten, die das Gesetz gefährden.

Rachdem die Abgeordnete Frau W a ck w i tz (Kommunistische Arbeitsgemeinschaft) und Abg. Höllein (K.) die Umsatzsteuer als eine un­erträgliche Belastung der Arbeiterschaft hingestellt haben, und namentlich den Mehrheitssozialisten vorwarfen, dah sie alle sozialistischen Prinzipien Lassalles und Bebels über Bord würfen, wird der Antrag Höllein, den § 1 des Umsatzsteuer- gesetzes zu streichen, gegen die Stimmen der äubcrflcn Linken abgelehnt, ebenso der deutsch- nationale Zusatzantrag über die Steuerfreiheit der Handelsvertreter, der sich mit einem demo­kratischen Antrag deckt. Ein Antrag Behrends (SntL), Erzeugnisse der Kleingartenwirtschaft und der Kleinlandwirtschaft bei Entnahme für den eigenen Bedarf von der Umsatzsteuer zu befreien.

Vie Pforte öe$ Paradieses.

Roman von Ongeborg Vollq uartz.

Berechtigte lleberietzung aus b*m Dänischen.

17. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

,Orla ist jetzt gerade ein wenig unruhig," suchte Frau Inger ihn zu entschuldigen.

.Das ist er doch immer unruhig und un­stetig."

.Seine Stelle ist ihm verleidet fing Frau Inger mit fünfter ö.imme an.

Erstaunt sah der Hauptmann zu ihr auf.

.Tu wirst ihn doch nicht darin bestärken wollen, dah er sie verlassen soll!" rief er.

»Rein, natürlich nicht," w.h t2 Frau Inger ab. »Aber man kommt damit auch nicht weiter, dah man ihm gar keine Beachtung schenkt, und vielleicht hat er auch recht damit, dah die Stelle nicht ganz die richtige für.ihn ist."

,'Ra also? Tu bist also der Ansicht, dah es ganz in der Ordnung ist. wenn er eine nette und auch ziemlich gutbezahlte Stelle aufgibt, um nach diesem ganz ungewissen Buenos Aires auszu­wandern ?"

.Rein, dieser Ansicht bin ich gar nicht. Ich weih auch, du willst nicht haben, dah er so wett fort auf Abenteuer auszieht, wie du es nennst, aber ich habe schon öfters gedacht, es toärt viel­leicht richtig, wenn er eine Stelle mit etwas freieren Verhältnissen fände. Oda hat nichts Böses an sich, er braucht nur etwas mehr Platz, sich zu ttibven, als manche andre."

.Recht schön und gut, aber wo findet man eine solche Stelle?" fragte der Hauptmann und iah seine Frau herausfordernd an.

wird angenommen. Ein Antrag der Unabhängi­gen, für den auch der Abgeordnete Köhnen (K.) unter heftigen Angriffen gegen die volksverräte- rische Haltung der Mehiheitssozialisten eintritt, will für die Genossenschaften und Konsumvereine die Steuerfreiheit wiederherstellen.

Abg. K a b m a n n (<d.) betont, dah, wenn die Genosienschaften bei der bisherigen 1 prvzentigen Llmsatzsteuer nicht ruiniert worden sind, sie auch bei be-. 2prozentigen Umsatzsteuer bestehen könn­ten. Zu den Unabhängigen gewendet fragt der Redner, warum sich die Vertreter der Unabhän­gigen übrigens nicht im Reichswirtschaftsrat bei der Beratung bec Umsatzsteuer gerührt hätten.

In namentlicher Abstimmung wird sodann der Antrag der U. S. P. mit 267 gegen 58 Stimmen abgelehnt, ebenso ein fast gleichlautender Antrag der kommunistischen Partei.

§ 2 des Umsahsteuergesetzes wird darauf in der Ausschuhfassung angenommen.

Es wird sodann eine Reihe weiterer Paragra­phen angenommen, darunter § 13, der die Höbe der Umsatzsteuer auf 2 Proz. festsetzt und § 27 (Inseratensteuer).

Abg. Bruhn (D.-R.) befürwortet, die Inseratensteuer

für die ersten 200 000 Mark des viertel­jährlich vereinnahmten Entgeltes auf 1 Proz. und für die nächsten 200 000 Mk. auf l*/2 Proz. zu be­messen. Darüber hinaus soll eine zweiprozentigc Steuer eintuten. Der Antrag will namentlich die Heinen Zeitungen schützen. Auch die Organisatio­nen deS Zeitungsgewerbes hatten ihre Wünsche in dieser Richtung ausgesprochen.

Die Abg. Köhnen (K.) und Höllein (K.s wehren sich - dagegen, da!) namentlich die breiten Massen bis aufs äu'ievfle ausgeplündert werden, um der .Stinnespresse" solche Vorteil zuzuschanzen.

21^1 Hertz (US ) befürwortet in der AuS- schuhfassung das Kalenderiahr statt des Kalender- Vierteljahres bei der Beralung einzusehen. Der Antrag wird abgelehnt, ebenso der Antrag der Deutschnationalen. Dafür wird ein Antrag des Zentrums, der Soziald.mokraten, der Deutschen Dolkspartei, der Demokraten und d?r Bnherischm Volkspartei angenommen, der iie besondere In­seratensteuer bestelligt und für die Inserate durch­weg ohne jede besondere Staffelung 2 Prozent Umsatzsteuer einsetzt. Mehrheit-snzialdem?kra en und Daherifche Volkspartei stimmen geschlossen gegen den Antrag, den die Mehrlteitssoztaldemo- kraten nur infolge ei es Versehens mitunterzcich- net hatten. Das Resultat der Abstimmung wird von verschiedenen Seiten bezweifelt.

Als Termin für das Inkrafttreten des Umsatz st euergesetzes wi d in namentlicher Abstim­mung mit 130 gegen 119 S Immen bei '11 Stimm­enthaltungen beschlossen, den 1. Januar 1922 fest» zusehen.

Damit ist die zweite Lesung des Umfatjfteuer- g eseh es erledigt.

Morgen mittag 2 Uhr Fortsetzung der Steuer­beratung.

Schluß 10i/4 Uhr.

Aus Hessen.

Die Aufhebung der Mittelschulen.

Abg. D i n g e l d e h hat in der Volks­kammer folgende Anfrage eingebracht:

Wie neuerdings bekannt geworden ist, hat sich die preußische Staatsregierung nach sorg­fältiger Prüfung der staatsrechtlichen und ver­fassungsrechtlichen Sachlage auf den Stand­punkt gestellt, dah die Aufhebung der Mittelschulen dem Artikel 146 der Reichsverfassung widerspricht und demnach der RechtSwirkfamkeit entbehren würde. UnterMittelschulwesen" versteht da­bei die preußische Regierung, wie wir in Er­fahrung gebracht haben, den gleichen ßchul- tyPuS, den die Mittelschulen in Hessen, die durch das Vvlksschulgesetz aufgehoben wor­den sind, darstellen: eine neunklassige Schule mit Unterricht in einer Fremdsprache und Schulgeldverpflichtung. Wir fragen an: 1. Hat die Regierung die Frage der ver­fassungsrechtlichen Zulässigkeit der Aufhebung der Mittelschulen einer Prüfung unterzogen? 2. Ist der Regierung der Standpunkt, welchen die preußische Regierung einnimmt, bekannt? 3. Hat die Regierung ein Gutachten des Justizministeriums über die hier vorliegende staatsrechtliche Frage eingeholt und ist sie be­reit, dieses Gutachten dem Landtage zur Kenntnis zu bringen?

&ne Anfrage des Abgeordneten Dingel- deh über die Tätigkeit der hessischen Regie-

Sie ist schon gefunden," erwiderte Frau Inger gelassen. »Heute abend habe ich darüber einen Brief bekommen. Ich wollte eigentlich eist morgen davon reden, aber da wir nun doch einmal darauf zu sprechen gekommen sind, kann ich Dir den Brief auch gleich vorlesen."

»Ten Bries? An wen hast du denn ge­schrieben?"'

»Ich habe an Ionas Thhstrup geschrieben."

»An Vaters Rachfolger?"

»Ja," bestätigte Frau Inger. »Ich habe mich erst bei verschiedenen Leuten erkundigt, wie dort die Verhältnisse seien. Tas Geschäft geht gut, vielleicht sogar noch besser, als zu deines Vaters Zeit. Thhstrup selbst ist siebzig Jahre alt und feit mehreren Jahren Witwer. Kinder hat er keine, Tante Cllinor hat mir erzählt, daß er Lehrling bei deinem Vater gewesen ist und ihn s.hr ge­schätzt hat, und darum schrieb jch an ihn, Orlas wegen, and fragte, ob er ihn gebrauchen könne, und nun sollst Du seine Antwort hören."

Frau Inger zog einen Brief aus der Kleider­tasche und las:

Hochgeehrte Frau!

»Ihr Geehrtes vom 16. habe ich erhalten, es freut mich, Ihren Wünschen entg^genkommen zu können. Ihr verstarb -ncr Sche. i geroater hat mich zu dem gemacht, was ich bin, und es wird mir darum eine teuere Pflicht und eine Freude fein, nach besten Kräften das seinem Enkel zu vergelten. Bitte um umgehende Antwort, wann der junge Mann hierher kommt, und sollten Sie oder Ihr Mann, der Sohn meines alten Prin­zipals, Lust haben, ihn hierher zu begleiten, fo sind ©te herzlich willkommen.

rung in der Kriegsschuldfrage Hal folgenden Wonlaut:

Rach Zeitungsmeldungen, die unwider­sprochen geblieben sind, soll ein bayerischer RegierungSveNrcter im Bayerischen Land­tage mitgeteilt haben, daß außer der baye­rischen und württembergischen Regierung, von denen dies bisher schon bekannt war, auch die hessische Regierung bei der ReichSregie- rung den Standpunkt eingenommen habe, daß die Reichsregierung verpflichtet sei. nlle Mit­tel anzuwenden, um die durch den .titel 231 deS Friedensvertrags von Versallll entstan­dene Lüge über ö i e Schuld der deut­schen Reichsregierung am Kriege jju beseitige und zu diesem Zwecke das in Deutschland vorhandene und der Regierung zur Verfügung stehende Material zu ver­öffentlichen.

Dem hessischen Landtage ist bisher eine Mitteilung über eine derartige Stellungnahme und Anregung der Hess schen Regierung nicht zugegangen. ES besteht aber dringendes öffentliches Interesse daran, daß der Stand­punkt der Hess schen Regierung zu dieser Frage bekannt wird. Wir fragen deshalb an: 1. Hat die Regierung sich dem Schritte der bayerischen und der württembergischen Regierung bei der Reichsregierung, um eine Aufrollung der Schuldfrage durch die ReichSregierui.g herbci- zuführen, angeschlossen, uno in welcher Form?

2. Für den Fall der Verneinung: Ist die Regierung bereit, umgehend an die Reichs­regierung das dringende Ersuchen zu richten, nunmehr durch Veröffentlichung des im Be­sitze der deutschen Regierung befindlichen Ma­terials über die Schuldfrage der unwahrhaf­tigen Grundlage des FriedensverttagS von Versailles entgegenzutteten?

Hessischer Evangelischer Landeskirchenlag.

rm. Darmstadt, 22. März. Die Sitzung wird um 8.40 ilbr durch Präsident Dr. Diehl eröffnet. Das Gebet spricht Abg. PH. S c r i b a. Zunächst wird über den Antrag auf Beitritt der hessischen evangelischen Landeskirche zum Deutschen Evangelischen Kirchen­bund beraten. Der Beitritt wird beschlossen.

Cs kommt zur Beratung die Vorlage betr. Gründung einer neuen Pfarrstelle WormS-Reuhausen. Der Vorlage wird zu­gestimmt

Dann wird der Voranschlag des Zen­tralkirchenfonds für 1,22 beraten. Er gibt nach Bericht von Geheimrat B e r n b e cf ein Spiegelbild der allgemeinen deutfchen wirtschaft­lichen Lage. Die Zahlen sind ein getreuer Ausdruck unserer Geldentwertung: dies bemeift am besten der Abschluß, der eine Höhe von 43 Millionen Mark aufweist. Hoffentlich werde der Staats­beitrag in ätler Kürze eine entsprechende Er­höhung erfahren. Die Einnahmen aus denPsarr- stellen konnten wefentlich höher eingestellt werden. Durch Bildung einer Reserve von 2l/2 Millionen Mark wolle man Mittel für unvorhergesehene Fälle schassen. Der Bericht wird vom Qlbg Baye r erstattet. Er führt aus, daß es ein beängstigendes Gefühl sei, zu bedenken, dah Reunzehntel der hohen Summe durch die Kirchensteuer aufgebracht toerben müsse. Bei dem Vorbringen von weiteren Wünschen bittet er zu bedenken, dah nach Möglich­keit allen Anforderungen Rechnung getragen wurde, dah aber vielen Gemeinden durch Gewäh­rung kleiner Unterstützungen nicht geholfen fei, große Beihilfen könne man aber nicht ge­währen. Auf den ohnedies zu kleinen Ausgleichs­fonds könne man sich nicht verlassen. Zunächst werden die Ausgaben beraten. Bei der Rubrik 10 beantragte Abg. Lehn die Erhöhung des Bei­trags von 3000 Mk. für die Dekanatsbibliotheken auf 1 0 000 M k. Prälat Euler ersucht den Antrag abzulehnen, bis die ftcagc über das Schicksal der Dekanatsbibliotheken entschieden sei. Der Antrag wird abgelehnt. In Ruhr. 14 wird der Betrag für Studicnunter- stühungen und Reisestipendien auf Antrag des Abg. S ch i a n von 15 000 Mark auf 30 000 Mark erhöht. In Rubr. 23, Pfarrerunterstühungenen, findet eine Erhöhung des vorgesehenen Detuages von 36 000 auf 60 000 Mark statt. In Rubr. 26, Kirchenmusik, sind 11 000 Mark vorgesehen. Das Kirchenregiment erklärt, dah man bisher gute Er­fahrungen mit der Einrichtung gemacht hat. Bei Rubr. 34, Förderung freito. Unternehmungen für kirchliche Zwecke, sind 125 000 Mark eingesetzt. Hier wird durch 2ibg. Dr. Mathes die Schaf-

In Erwartung Ihrer geehrten Antwort zeichne mit Hochachtung

ehrerbietigst

Ionas Thhstrup."

»Tu liebe Zeit!" sagte der Hauptmann und sah ganz bewegt aus.Ich erinnere mich noch ganz gut an Den braven Ionas Thhstrup! Es gibt also doch noch Dankbarkeit auf der Wett. Aber was sagt Orla ba-u?

Ich habe ihm davon gesagt, aber diesen Bries hat er nicht gesehen. Er war ganz hin­gerissen von dem Gedanken, in das .Herrn feiner Väter', wie er das nennt, zu kommen."

Ȋlnd die Reife nach Buenos Aires?"

Diese sowohl wie das Viehzuchten ist voll­ständig vergessen wie alles andre. Ich glaube nun wiillich, dah dies hier für ihn paffen wird. Unb was meinst du dazu, Jens, wollen wir ihn in das alte Kaufmanns haus, in dem du ge­boren bist, begleiten?

Olein!" unterbrach sie der Hauptmann hart. »Ta'gehe ich nicht mit. Ich habe keine angeneh­men Erinnerungen an das alte Haus."

Unter diesen letzten Worten hatte sich die Flurtür geöffnet, und Tante Rora war hercin- gefonrmen. Sie nahm sich nicht einmal die Zeit, guten Abend zu sagen, so hingenommen war sie von den letzten Worten ihres Stiefbruders.

Sprichst du von dem alten Kaufmanns Haus, Jens - guten Abend, Inger was ist damit? Ist Ionas Thhstrup tot?"

Rein." erwiderte der Hauptmann ziemlich schar'sInger hat nur einen Brief von ihm er­baten. .

»Worüber? Tante Mora drehte den Kopf

hing der Einrichtung von Preffepfarrern nach dem Vorbild der kalb. Kirche empfohlen. In Rubr. 35 wird der Beitrag für die Posaunen­chöre um 2000 Marl erhobt Die übrigen Teile der Ausgabenrubriken finden ohne Aussprache Erledigung. Bei den Einnahmen gibt bei Rubr. 1 Geheimrat Dernbeck ein eingehendes Referat über die Verhältnisse zwischen Staat und Kirche. Wied rholt sind von leiten der Kirchcn- rcgierung Anträge auf Erhöhung des StaatS- beitrags gestellt worden, doch ist bisher keine Antwort erfolgt. Es sollen verschiedene Ver­handlungen ftattgcfunbeii haben, doch hat das Kirchenregiment davon keine Mitteilung erhalten, so dah dieses über die Verhältnisse völlig int Unflaten ist. Im GesebgcbungSauSschust wurde die Einholung eines juristischen Gutachtens bei der jur. Fakultät der Landesuniversität beschlossen, es ist aber nicht bekannt, ob dieses auch eingeholt ist. Man ist auf die Mitteilung privater Kreise angewiesen. Auch auf eine persönliche Anfrage hat Redner keine Auskunft erhalten. Präsident Dr. Diehl bestätigt die Ausführungen des Vor­redners. Aög. Lauf er führt Beschwerde, daß nach Lage der Verhältnisse die Pfarrer immer noch ZwangSabonnenten der amtlichenDarm­stadter Zeitung" fein muffen. Das Interesse der »Darmstädter Zci u :g" z ige sich dadurch, bah sw es nicht für der Mühe wert halte, zu den Verhandlungen des Kirchentags einen Bericht­erstatter zu entsenden. In Rubrik 2 wird das erhöhte Einkommen der Pfarrstellen besprochen. Bei Rubrik 3 macht Geheimrat 2 e r n b e ck Aus­führungen über die Kirchensteuer, die mit 37 428 312 Mk. angefetjt ist. Die weiteren Ka­pitel werden ohne weitere Debatte angenommen, die gegenseitige äkbertragbarfeit der einzelnen Summen genehmigt, auch wird die Kirchenregie- rung beauftragt, mit dem Finanzausschuß drin­gende und keinen Aufschub vertragende außer­ordentliche Maßnahmen vorbehaltlich der ab­träglichen Genehmigung zu treffen, etwa nötige Krediterweiterungen zu beschließen und für die Deckung des Mehrbedarfs rechtzeitig Sorge zu tragen.

Dann vertagt sich das HauS. Rächste Sitzung nachmittags 3 llbr.

Turnen, Sport und Spiel.

Deutsche Saalsport-Meister­schaften. Die Endkämpse um bic Meisterschaften des Bundes Deutscher Radfahrer im Saul.ayren kommen in den ersten Tagen des Monat April zum Austrag. Die Kreismetsterschaften lind restlos durchgesührt, so daß die Meister in allen Streifen fest stehen. Diese streiten am 2. und 8. April in Erfurt und Frankfurt a. M. um den Meistertitel. Der Gau 1 6 (T h ü r i n g e n) hat die M e i st e r- schaften i m 8er Kunst teigen und 2er Radballspiel zur Durch,üh uag übertragen erhalten und läßt diese am 2. April im Kaiserhof zu Erfurt ausfahren. Te.laahmeberechligt sind: Im 8er Kunst reigen: Radsport Harburg. R. D. Hemelingen, Blitz Reukölln, Peil Erfurt, Spott Breslau Merkur Schwemmingen. Ger.r.a lia Höchst am Main; im 2er Radballspiel: R. El. Rüttenscheid, R. El. Kiel, Klub Lichterselder Her­renfahrer, R. D. Groß-Lichterfelde, Falke Erfurt. Adler Breslau, Germania Frankiurt a. M, Rad- fahrriege Augsburg. Die Meisterschaften im 1er und 2er Kunstfahren sowie 6er Kun st teigen bringt der G a u 9 am 8. April in F r a n k s u r t a. M. zum Austrag. Hier haben sich zur Teilnahme qualifiziert: Im 6er Kun st­reigen: Flottweg Düsseldorf Panther Draun- fchweig, Zugvogel Luckenwalde, Falke Forst, Fttfchauf Hainichen, Concordia ©vfurt, R. El. Darmstadt, R. V. Deißlingen: im ler Kunst­fahren: Hohenschue (E len darf), Heinemann (Hannover), Gutfchmidt (Capu'h), Graf (Beil. R. El. 89), Senf (Radeberg), Keute (Südwest Dres­den), Weller und Brechtel (R. V. Mundenhrim)^ im 2er Kun st fahren: Wille t-Kirschner (Panther Braunschweig) Panse^H yer (Rordhau- fen), Gras-Kurfis (Verl. R. El 89', Gutfchmidt- Siebke (Taputh), Senj°Werner (Radeborg), Gebe. Iunghans (Germania Leipzig), Weller-Brechtel (R. V. Mundenheim), Gebt. Göttmann (R. El. Darmstadt).

Länderkampf Deutschland-, Schweden Ungarn. E eignisfe von ganz besonders hohem sportlichen Wert werden sich vom Freitag bis Sonntag in der deutschen Schwimmer-' Hochburg Magdebura abspielen. Der Schwimm- spvtt-Club HellasMagdeburghates fertig gebracht, zu einer Reihe von EinladunaSkämpfen Die besten schwedischen und ungarischen Schwimmer wie Arne Borg, Thor Henning, Trolle (Stock­holm), Sipos, Beleznah, Kenjertz Eperjeffy (Bu­dapest), zu denen als weiterer Ausländer noch der holländische Kürzstreckenmeister van Shlfaut (Am­sterdam) kommt, zu verpflichten. Die besten deut­schen Schwimmer werden es sich nicht nehmen las»,

zwischen Bruder und Schwägerin hin und her; sie brannte vor Reugier.

»Er gibt vielleicht Orla efrte Stelle in seinem Geschäft," sagte Inger gelassen.

»Ei so!" Die Schwägerin lächelte säuerlich. »Ra, darauf ist er gewiy nicht von selbst ver­fallen."

»Rein, ich habe an ihn geschrieben" fing Frau Inger an.

»Ja, das kann ich mir denken," lachte Höre bdrt »Du tust gar nicht dergleichen, Inger, aber du weißt, wo Bartel den Most holt."

»Was soll das heißen!" fuhr der Haupt­mann auf.

»Ach, werde nur nicht gleich nervös, lieber Jens," beschwichtigte Rora. »Ich werde doch noch das Recht haben, Ingers schlauen Einfall za bewundern. Ionas Thystrap ist Witwer und Be­sitzer eines glänzenden Geschäfts Verwandte hat er keine, darum hat sich ja auch unser Vater seiner so sehr angenommen ja, das hast da dir fein überlegt, liebe Inger, mein Kompliment."

»Ich versichere dir, liebe Rora, ich habe durchaus nicht an einen andern Votteil habet gedacht, als an den, Orla bei einem braven Monn unterzubringen, der vielleicht um seines Groß­vaters willen sich seiner ein wenig annimmt und Geduld mit feiner Anbeständigkeit hat." ver­sicherte Inger.

»Ein braver Mann, past du gesagt?" Tantt Roras Finger trommelten lärmend auf der Tisch­platte.3a, das ist Ionas Thystrup und wohlhabend ist et auch. Daß ich selber nie daran gedacht habe!" fügte sie wie zu sich selbst hinzu.

sFottsehung folgt.)