tertenb der Bürgermeister fron Hellen und an den Hessischen CanbgemeinteLag sollen verschiedene Anträge gerichtet axrten» die die Regelung tes finanziellen Verhältnisses zwischen Kreis, Kirche and Gemeinten, Portofreiheit in Reichs- und Staatsangelegenheiten, Fürlorgekafsen für die ®.- meindeberimten und bgl m. betreffcn. Sine neue üble Zeiterscheinung, die über Han ^nehmeate De- zahlsig aller Ar^e.ten in Raturalien, wurde mit Brauern erwahat und Ginschrairkungsmag- nochmen besprochen.
KreiS Wetzlar.
ra. Wetzlar. 19. Dez. Der Haushaltsplan für den Kreis Wetzlar schließt diesmal in Einnahme und Ausgabe mit 55 340 000 Mk. ab. während der vorjährige nur 4 320 000 Mk. betrug.
ra. Hochelheim, 19. Dez. An Naturalien wurden hier für die W i n t e r n o t h i l f e gesammelt: 62 Zentner Kartoffeln. 5,20 Zentner Aepfel, 2,70 Zentner Roggen, etwa 10 Zentner Gemüse, 22 Pfund Speck und Fett, 31 Pfund Honig, 11 Pfund Mehl, 3 Laibe 'Brot, 5 Pakete Kaffee, je ein Päckchen Rudeln unb Erbsen: dazu 4545 Mk. an Bargeld. Weitere 100 000 Mk. wird die Gemeinde aus ihren Mitteln hinzufügen.
Henen-Rassan.
fpd. Dillenburg, 21. Dez. Bon einem nach Au ausfahrenden Gü.erzug rissen sich am süldichen Eingang des Tunnels bei Obererbach 3 2 Wagen los, die auf der abschüssigen Sttecke dem Zuge nachliefen und auf diesen schließlich mit großer Wucht aufprallten. Dabei entgleisten 15 Wagen, die fast alle zertrümmert wurden. Bon dem Bahnpersonal wurden zwei Beamte leicht verletzt. Der Sachschaden ist sehr bedeutend.
Das Ergebnis
der Provinzialtagswahlen in Oberhessen.
Gießen, den 21. Dezember 1922.
Die Schlußsitzung der Provinzialwahl- kvmmisston sanö heute unter dem Vorsitze des WahlkvmmissarS, Proviazialdirektor Matthias. im Regierungsg Häute statt. Zunächst wurden die Wahlteanstandungen einzelner Äe° menrden vvrgetragen und erledigt. Das Desamt- ergebni« tourte in keinem Falle dadurch beeinflußt. Dalaus erfolgte die o^izielle Belckrrntgabe des Ergebnisse - der Provinzialtagswahlen in Oberhesfen. Es tourten ins» ?esamt 119 302 Stimmen agegeben, von denen 14 693 gültig und 4604 ungültig waren.
Es erhielten (In der Reihenfolge der amtlichen Registrierung genannt):
Die demokratischen Listen 8021 Stimmen. Davon entfallen auf ten Kreis Büdingen 523. den Kreis Friedberg 2351, Gießen 2584. Gonterskirchen 1214, die Kreise Alsfeld und Lauterbach 1349
Der Wahlvorschlag der Kommunistischen Partei 3942 Stimmen
Die Liste dec Vereinigten Sozial- demokratischen Partei 42187 Stimmen.
Die Zentrumspactei 4441 Stimmen.
Die Wahlvorschläge teS Hessischen Bauernbundes und der Deutschnationalen (Hess) Volkspartei 44 786 Stimmen. Davon entfallen auf die Liste Mogk. ©runte Schtoalheim 5718, von Helmolt, Friedberg 11 102, Eellalius, Schotten 4832. Kreis Alsfeld 5523. Gießen Stadt und Land 12 745, Zost 4816.
Die Wahlvorschläge der Deutschen Volkspartei 11321 Stimmen. Davon erhielten Gießen 4745, F.iedterg 2733. Büdingen 1370, Alsfeld 935, Lauterbach 1070, Schotten 468.
Gewählt sind su Prvvmzialtagsabgeordn-.'ten (in der Reihenfolge der amtlichm Registrierung):
Demokraten:
Heinrich LangSdorf, Kommerzienrat, Friedberg.
Zustizrat Dr. h. c. Wilhelm Grünewald, Gießen, Liebigstrahe 21.
Kommunist. Partei Deutschlands: Karl Haupt. Angestellter, Gießen, Roonstr. 38.
Bereinigte Svzialdemvkr. Partei: Anton Lux, Landtagsabgeordneter, Rieder-Florstadt.
Dr. Albert Aaron. Rechtsanwall, Dießen. Heinrich Knaf, Techniker, Büdingen.
Ludwig W o l l r a b, Gärtner. Als,eld.
Friedrich Wilhelm Wiesenbach IV., Bürgermeister, Büdesheim.
Heinrich Laudon, Dreher. Wieseck.
Heinrich Kipper VII!., Weißlnvdermeister. Ober-Seemen.
Heinrich Zinn, Maurermeister. Landen hausen. Mattin Reck, Krankenla s.-nbeamter, Bi.bel. 2ll>am Decker, Gastwirt, Groß-Felda.
Valentin D i l l e m u t h, Maurer. Hainchen. Alfred Kiel jr, Gewerkschaftsbeamter, Gießen. Georg Repp, Buchdrucker. Schotten.
Heinrich Häuser, Parteisekretär, Gießen.
Zentrumspartei:
Theodor Schröder, Rechtsanwalt, Friedberg. Hessischer Bauernbund und Deutsch- nationale (Hessische) Volkspartei:
Gustav Mogk, Landwitt, Grund-Schwalheim. Carl R o e m h e l d, Geh. Zustizrat, Oberamtsrichter, Ridda.
Dr. Georg von Helmolt, Rieder-Wöllstadt, Rechtsanwalt in Friedberg.
Karl Breidenbach. Oefonomirrat. Dorheim Konrad Phi.ipp Diehl. Landwirt und Bürgermeister, Hoch-W Lei.
Franz Kissel, Oterbadmeister und Stadtverordneter, Bad-Rauheim.
Theodor C e l l a r i u s. Landwitt. Schotten. Paul Heinrich Korell, Eudorf.
Otto Schneider I. Canteri t. ältphe.
Paul Gisevius. älniversitätsprosts or. Gi^en. Wilhelm Fenchel. Landwirt, Ober-Hörgern. Karl Schwalb, Land-co'tt, Großen-Bu eck. Ludwig Rinn, Fabritbesi. er, Heuchelheim.
Ftiedrich 3 o ft, Bürgermeister, Bermuthshain.
Deuts che Volkspartei:
Ludwig Reuenhagen, Landgerichtsdirektor, Gießm.
Heinrich C h r i st, Landwirt und Mühlentesitzer, Holzmühle bei Lollar.
Otto Hauck, Daurat. Vorstand der Kultur- inspettion, Friedberg.
und Schule«
Die krchliches Wahlen in Gießen.
Am Mittwoch fanden in den vier Gießener Kirchengemeiaten hie Wahlenznm Landes- kirchentag statt. Bei ter Wahl eines trcll- lichen Abgeordneten für das Dekanat Dießei-, fielen auf ten Vorschlag Walger (Wearvir) insgesamt 143, auf den Vorschlag Reuenhagen (Leun) insgesamt 131 Stimmen. Bei tec Wahl eines geistlichm Abgeordneter', für die Dekanate Gießen und Hungen vereinig um insgesamt der Vorschlag Lenz (AussÄc.- 16L der Vorsch'ag Gußmann (Köhler) 112 Stimmen auf sich Die eingeklarnrnrrten Ramen bezeichnen hier die Srelloertreter der Abgeordneten. Bei ter Wahl innerhalb des Landestoahlbezirkes erhielt dir Liste Fenchel (Kischi ^Positive Ver- einigung) 139, die Liste Lampas (Hessische Evangelische Vereinigung) 99, die Liste Alliman n (Freie lantesllrchliche Vereinigung) 35 Stimmen. Zu Abgeordneten des Delanatstages wurden gewählt in der Matthäusgem^ inde Ginte gerichtsdirektor Reuenhagen. Gebrer Heinrich Walter, älniver'itätsgarten-Zirsvettcr L e h - n e l t, als Stellvertreter Fabrikant Fri-i Eg l y. Lehrer Heinrich Decker, Giae.-meister Bier a u, in ter Lukasgem Kaufmann Wilh. S ch u ch a r d, Reallehrer Haber, Kaufmann Doller, als Stellvertreter Frau DergtoerkSdirellor Mün- k e r, Rentner 33 in n, Professor Wüsten- Höfer, in der Zohannesgem .irte Professor Dr. Weimar, Ci endreher Karl Müller VI., Professor Dr. Schmoll, als Stellvertreter Stadt» oberfefretär Sier, Zust izober instektor Sattler, Lehrer Habicht. 3n Ler Marllrsgemeinte werden die Wahlen zum Deianatstnge erst später vollzogen werten. — Dei den Kirchenvorstandswahlen, die Treulich stalttfarchen, wurden gewählt in der Matthäusgemeiude Frau Anna Georgi. R:ktor i. R. Knauh, Schrei- nermcister Müller, Landgerichtsdirettor Reuenhagen, Verwalter R i e b e l. Professor v. Dr. Schi an, in ter Markusgem eind e Botenmeister i. R. Göbel, Frau Luise Happel, Kausmann Horst, ilnüxcjitätSquäftor Kauß, Metzger meister Kühn, Straßmwart Weller,
Die Herweghs.
Sine rechtsrheinische Geschichte von L i e s v e t Dill.
88 (Schluß). (Rachdruck verboten.)
.Uebermorgen ist die Aufführung," ruf Ernst über die Schulter, .in die Hauptprobe müssen Sie «»bedingt, ich schicke 3bnen Karten."
.Kommt mit Glut und Klapre fünfen" „Der Text läßt manchmal zu wünschen üb ig Run tritt die alte Frau aus tem Volk dazwischen. Könnt 2hr so verwegen hanteln?“
Ach Gott, da saß er und spielte von Hexen und Druiden und sie saß batei, als ob sie her- gefomnien sei. die .Walpurgisnacht" zu hören. Sie hatte die Hänte gefallet und lausch e dieser Stimme, die einen Umfang bekommen hatte, eine Wärme, einen Schmelz, daß ihr altes Frauenherz toieter ganz jung wurde. Ihre Jugend war in ihr erwacht, die erste Liebe, jener blonde Mann, tec sie geküßt.
»Roch ist es Tag. sobald man mag ein reines Herz dir bringen. Du fa:mft zwar heut und manche Zeit dem Feinte viel erlauben--“
.Hören Sie toi: sich das Böse dagegen wehrt, wie die Hölle brodelnd hinaufzieht, w.e siegreich sich ter Chor durchringt. Sie Heiden siegel, Fräulein Schmidt!"
2Iber sie sagte kein Wort mehr, fie saß wie verzaubert mit gefalteten Häuten, und die Tränen rannen still über ihr Gesicht.
.Die Flamme reinigt sich von Rauch
Sv reinig' unseren Glauben.
Unb raubt man uns ten alten Brauch Dein Lich, wer kann es rauben —I“
AIS die alte Dame sich wieder unter freiem Himmel befand, sah sie nichts von ten Bahnen, die sich auf dem Fahrdamm kreuzten, noch achtete sie der Schaffner, die ihr zuwinkten, zurückzu- bleiben. Wie eine Aachlwandlerin lastete sie sich geradeaus.
.Dein Licht, wer will es raubenklang es tn ihr. Hab mit einem stillen Lächeln auf tem alten verwelkten Gesicht ging sie mit ganz leichten
kleinen Sch.ittchen, ohne die Menschen zu sehen, geradeaus.
Die Wagen rollten auf das erleuchtete Kurhaus zu, das sich mit seinen schlanken. Säulen we h und schimmernd wie ein griechischer Tempel Hinte: dm duftigen Paittan'agen erhob, von zwei Säulenreihen ter Kolonnaden flankiert.
3n ten Datehäusern standen alle Fenster auf. das Licht überstrahlte ten Kochbrunnen >lah, ter von Menschen belebt war. 3m Dowlinggreen plätscherte ter Strahl ter großen Fontäne, die rauschend aufstieg, um mit sanftem Gerinnsel in das b eite Bassin zu fallen. Das Wasser glänzte im Mondschein wie Metall und alle Dächer und Straßen schienen von einem silbernen Schimmer übergossen
Die duftige Ruhe eines Spatsommerabends lag über ter Stadt, und die Menschen strömten ter b .eiten lichtüberschienenen Freitreppe des Kurhauses zu, dessen Giebel die allen Parkbäume überragten.
D e Staßmbahnen brachten immer noch von ter Taunusftraße her. tem Ko chbrunnen viertel und ten Bahnhöfen neue Mensch n herbei, und während die leeren D erschien und Wagen auf ter rechten Kolonnatenseite wieder der Stadt aueilten, füllten sich Vestibül und Garderoben. Alle möglichen Sprachen schwirrten durcheinander, am meisten horte man Englisch Aus tem Kon- tfaal erklang das Stimmen ter Instrumente, vibrierend, nervös, ein unharmonisches Gesumm.
Auf allen Gesichtern lag Erwartung. Es war war das erste große Herbstlonzert tes Händel» Vereins.
Fräulein Schmidt stand auf ter breiten Freitreppe neben tem Eingang und toartete auf die Familie Herwegh. Es waren nur noch ein paar Minuten bis zum Beginn des Konzerts. Schon fuhr ter Wagen ter Müller-Düth vor, und die Sängerin, et nm weißen Svitz«nma.rtel über ihr gelbes SchleppNeid geworfen, einen wogenden Pa.ateesreiher im Haar, stieg, gefolgt von zwei Herren im Frack, die Treppe hinauf. Ähre Schleppe wallte majestätisch hinter ihr her und die betreßten Diener öffneten ihr die gläsernen Türen weit Es war noch sommerlich warm, daß es fast schade war, de» Abend m eurem Saal zu
tn ter 2eTa8ff»nKtnte CtentoerBmcfHer Bechtold, Eisenbahnamtmann Dörr, Professor u. Holtzmann. Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüge r, Goldschm iedemeister Roll, Rentner W i n n, in ter Johannes gemeinde Bauunternehmer Decker, Rentner Klein, Kaufmann M a l - komesius, Stadtobersekretär Sier. Professor
Unsere Postbezieher
machen wir darauf aufmerksam, daß der Gießener Anzeiger vom 1. Januar ab nur noch monatlich bezogen werden kann. Rach einer neuen Postder- ordnung wird vom gleichen Zeitpunkt ab auch wieder Bestellgeld erhoben: e< fällt fort, wenn der Bezieher die Zeitung bei der Post abholt. Zur Vermeidung verzögetter Zustellung empfiehlt es sich, ten Gießener Anzeiger unverzüglich bei der zuständigen Poststelle oder beim Briefträger für den
Januar zu bestellen.
Verlag des Gießener Anzeigers.
Dr. Belke, Professor Dr. Weimar. Die genannten gehören allesamt auch zum Geiamtärchen» vorstand, ter somit jetzt aus 24 gctoabttei Mitgliedern und den vier Pfarrern besteht.
Handel.
Frankfurt a M, 21. Dez. Dörsen- stimmungsbild 5a r ten (Sffefteiterfebr teeren dir Börsenräume b?u*.e toieter geschoben. Die Kauineigung am Devisenmarttt bat nachgelassen und tes Tendenz stellte sich »nsicher. Der Dollar begann mit 6903. und tourte später mit 6803 bis 6700 und an ter Börse 6750 genannt. Sü - einzeln? Spezialvapiere zeigte sch Interesse. Das Gr.chäft nahm ater kein? tefontere Belebung an. Für eirrige Maschinen- und chemisch? Aktien lagen Kaufordres vor Interesse zeigte sich auch für verschic-tene Kassa-Industrixrrtle.i. Montan- attien b'iete.n tebaup'et. 'Valutavaviere entsprachen ter jSesijer.tetoegung. Die Spekulation war sehr zurückhaltend: immerhin bann die Ten- tenj als gut behauptet bezeichnet werten.
Märkte.
frankfurter Schwelue- mtb Kkeinviehurartt.
Frankfurt a.M., 21. Dez. (Amtlich.) Marktverlaus: Kleinviehmarkt flott geräumt; öchtneine geringer Zutrieb. Es wurde zu Mon- tagSpre:sen und darüber ausverkauft. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 902 Kälber, 506 (SxMfe und 93 Schweine. An P e sen tourten angelegt per Zehner Le:end- gewicht: Kälber, be;t< Ouattläten, 55 020 bis 60 000 OKL, mittlere Qualitäten 50 000 bis 54 000 Mk^ geringe Qualitäten 45 000—48 000 Mark. Schafe 20 000—36000 Mk. Schweine nicht notiert Außerdem wurden 182 Rinder ohne amtliche PreiSnoticrung gehandelt. Die Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen.
Vüch^rtisch.
— Mehers kleinerHandatlas (Dite lioaraphllchrs Institut Lelp'ig) gibt in kleinem Fo mrat auf 48 H» upt» und 35 Retemkarten (nebst ecn^n alphak-etische.r Rane sverz-ttchnis) ctx zu- v.rlässiges Rachsch'agema.e.ial, in ten auch die Neuerungen ter sogenannten Frietensverträge berücksichtigt sind.
— D. Eberhard Vischer, Albrecht Ritschl. Zu f inem 100. Grburtstag. Sammlung gemeinverständlicher Vvrträre (Z. C. D. Mo-hc (Paul Sirbeck) H. Lauppschr Du-chhandlung, Tü- hingen.)
— Aus verlorenem Land. Grinne- vungSblättcr gu3 Deutsch-Südtorstafrika. Don Joachim v. Winterfeld-Dameroto. (Stuttgart. Deutsche Verlags-Anstalt.) — Ern Mann mit warmem Herzen mtb oher^er Sinnen, ein fein und stark empfindender Offizier spricht sich h'.er in
Packenten Versen au«. Die Gedichte mrt ten Oateen 1904 bis 1906 sind aus unnrittetbavejn erleben, im Kampfe gegen die Herero, entftanten. ©in Gedichtbuch für das gebildete deutsche HauS» für unsere Reichstochr, für die alten Südwester und nicht zuletzt ein gutes Buch für die Zuge.id.
Der gute Ton, Handbuch tes guten Tones und ter feinen Sitte von K. v. Franken. 47. Auflage. (Mar Hesses Verlag. Berlin.) — Von blutleeren, steifen Förmlichkeiten üxll da- Vuch nichts wissen: Verfeinerung tec äußeren Formen gebt mit innerer Veredlung, HöslichdeiL mit Herzlic^eit Hand in Hand.
— Der Häger von Los Angeles. Von Victor Helling. (Verlag August Sch-rl, Berlin SW. 63.) — Ein interessantes neues Jugendbuch Der Verfasser führt seine Lesergemeinte zu ten Goldgräbern in ten Wäldern Südkall- formens. Die GrzäHLung ist spannend: Prächttg« Raturschilterungen und fesselnde Abenteuer der verschiedensten Art umra'ijLnen den Kem ter Handlung.
— Ottomar Enking: Drei Leben im 3 ch Roman. (Versag von Earl Reißer, Di^esde n) — Das Buch gcHört einer neuen Bücherreihe an, die ter Verlag unter tem Titel „Der Gesellschaftsroman" hrrausgibt. Das Eheproblem wird tnet innerhalb eines Kreises gut gesehener Reben- figuren fesselnd durchwandert.
— Marcel Dornier: Geschichte von einem Himmelbett. (Verlag von Z. G. 5-ctta Rachfvlger, Stuttgart.) — Diese tragisch» komisch: Erbscha^ts- und Erzic<emgsgeschichto ist voller Geben und Originafttät u.id hält doch den W.^g zu idealer R'.-iicheit offen.
— Renä Provot: Ali Dumba. (Rb kola-Berlag, Wien.) — Scharfgeseich-eie Skizzen, die wie ein Panorama das menschll-che Geben in feinem bunten Wech'el von Schicksalen und Stimmungen vo niberzichen lasten. Fast mehr noch als ter interessante Stoff fesselt die glänzende Sprach: ter Darstellung.
— Georg P. M. Roose, Wie Michel Deutschdie siebenReitersand, Roman. (Verlag von Grefhlein u. Eo, Leipzig )
— Komödiantenkind, Roman von Max Grube. (Rad. Mosse-Derlag. Berlin.)
— Die grünen Türme, ein Buch der Erlebnisse, von Fritz Ecker le. (Parnaß-Verlag, Bamberg.)
Das Frankfurter Bilderbuch von Fritz Franke, Verse von Hans Pfeiffer. (Verlag Englert und Schlosser, Franksutt a. M.) — Ein H.imatbilterbuch ter Stadt Frankfurt mit ichien Re-iz-e-.i aus Gesch'ch e 6agexunb Gegenwart. Mit schichten Lieterversea wird mancher stille Winkel, aber auch manche tebre Erinnerungsstätte ter Fugend vorgesuhtt.
— Egon Hillgenberg: „Von einem, der auszog. das Glück zu suchen". Ein Märchen. (Verlag Dr. F. P. Matterer u. Cie. Freising.) — Reben frischem, fröhlichen Humor lvirkt Hillgenberg auch iuc<b ferne gemütvolle Sprach: auf das Kinter(«erz ein. Die weite Glückreise durchzieht alle Regionen einer echten Mäv- chrntocht.
— ^Kleinstadtzauber" betitelt sich die diesjäHiige Weihnachtsnummer ter Leipziger „Illustrierten Ze i tu ng" (3. 3. Weber). Es ist eine aus deutschem Fühlen heraus geborene und zu deutschen Herzen sprechende Pu- blikat'on, die tem abgeHetz en Groststadtrnenschm di: ntimen Reize ter Kleinstadt nattebringt und dem beschaulichen Kleinstädter die s/ttmlichen Schönheiten und tiefen Wette ter ihm (leb gewordenen Hmtoelt offenbart. Die bekanntesten Kleinstadtschilderer wie Ottomar Gnking, August Sperl, Max Dreher, Willem Schanelmann,Horst Wollcarn Grstller, Karl Söhle, Max Dürr, Pe er Schrr, Karl Demmel, Ludwig Bäte, Io'epl-ine Siebe find mit prächttgen, teils ernsten, teils humorvollen Proben ihrer feirei Grzähberkunst vertreten, und Künstler tote Wilhelm Roegg^ Rudolf Pocschmann, Leo Küppers, Rudolf Kösslitz, Paul Hey, Hermann Gradl, Albert Holz Reinhold Drehler, Ludwig Daitziger, August Rieper bieten eine Fülle köstlicher Variationen über das Thema „Kleinstadt", lief er „Kultur und Kleinstadt" plaudert Johannes Sch'af geistvoll und anregend, und als Musterbeisp.e' einer in ter Kleinstadt möglichen Kulturarbeit stellt sich ter überaus reich U'u'trierte Aufsatz über ten großartigen Heinrich Lumpe — Ra:ur- und Doael- schutzpark in Aussig — Schö'.rpriesen dar. Auch „Was die Hand erzählt" und ter tagesgeschicht- liche Tell werten viel interessieren.
verbringen. Ein Duft nach Rosen lag in ter Luft, an dem blauen Rachthimmel glänzten die Sterne.
Endlich kam das Erlersche Geskann am Bow» lingg een heraus, sie erkannte die Orlofjucker mit tem blitzenden Geschirr und die sandfarbenen Livreen ter Bedienten, ein zweites Coupe folgte die'em auf tem Faß:, auf dessen Bock neben dem feisten Erlerschen Kutscher ein schwarzer Groom in feuerrotem Rock thronte: teite Wagen durchquerten die Menge, die vor ihnen außeinanter- stob, und fuhren auf die breite Freitreppe zu.
Aus tem ersten Wagen schälten sich Frau von Herwegh h:raus und ter alte Trier. Lutz, in ter enganli^enten Galauniform, die auf seinem schwanken Körper sah wie eine Haut, schön und geschmeidig, half seiner jungen Frau aussteigen, L<e in ihrer Pastellfarbenen Toilette, e nen wehen- ten Reiher in tem kunstlos frisierten dunklen Haar, fein, blaß und fremd aussah, wie eine sehr kostbare seltene Porzellanfigur.
Sie kamen ter Treppe herauf.
Frau von Herwegh trug frische Blumen am Ausschnitt, in schwarzer Seite am Arm Srlers sah sie blühend und wie verjüngt aus. Ihre Haltung war toieter stolz und selbstbewußt. Stier sah in ter Aähe nich: mäht gerate wie ein Iimg- ling aus, aber mit seinem gestutzten lveißm Dari, tem blitzenden Einglas. Hellem üleberzieher und Gamaschen glich er einem Minister tes alten Regime.
Liane folgte am Arm ihres Amerikaners in ihrem skunkbttehten schwarzscitenen Mantel, das goldene Gelock hoch zusammengrburrten mit einem türkiSforbenen SamtbarA. als einzigen Schmuck eine blitzende Diamantagraffe an tec Brust.
„Tag, Liane. Tag, Herr . . Fräulein Schmidt wußte nie, tote ter Amerikaner hieß. „Priestly? Ach so Entschuldigen Sie, man ist so konfus, die vielen Me'.rschrn . . .“
ilrtb nun tauchte endlich auch ter Lümmel auf. im Smoking und Lackschuhen, ein großes weißes Chrysanthemum im Knopfloch
„Zeter Zoll ein Selfmademan, is n' it. Miß Smit?"
»Ach ja, gib endlich die Karten her, Lümmel."
„Richt so nervös, alte Dame," sagte Herbert, in feine Rocktasche greifend, »there is pienty of time."
Zwei alte Engländerinnen, vertrocknete kleine Mumien in tarierten Reisemänteln, schauten ter fröhlichen Begrüßung zu. „Well, I never tought, that Germans were so handsome,“ sagte die eine und schaute mit schwärmerischem Lächeln tem schönen Lutz nach ter, gefolgt von vielen Frauenaugen, mit feiner jungen Frau eben das Vestibül betrat.
„Guten Abend, Fräulein Schmidt," fagte plötzlich eine bekannte Stimme neben ihr, und fie sah Grete am Arm eines jungen eleganten Herrn vor sich stehen. Sie zuckte zusammen, denn fie hatte Grete bisher geschritten, sie hatten fein Wort mehr zusammen gesprochen „feittem“, aber Gteete schien davon nichts zu wissen, sie strahlte und sah gut aas in ihrem leuchend grünen Florkleid. Der Verlobte war zwar schon etwas feist, und eine Glatze hatte er auch schon, aber das war ja jetzt Mote.
Sie mußten sich beeilen.
Mit einem langen Blick sah daS alte Fräulein ihnen nach. „Za, Ihr . . ."
„Ra, los," mahnte ter ungeduldige Herbert. „Auf wen warten Sie denn noch?"
Aber sie blieb stehen. Ihr war, als fehl« einer, ter sonst mit dabei gewesen.
Sie durchsuchte die blaue duftige Dämmerung mit ihren scharfen Augen, immer kamen noch ein paar Rachzügler auf das Kurhaus zu.
Da hielt die Straßenbahn wieder am Dokv- linggteen, und gleich darauf flutete eine neu» Mensch.mwelle über ten Kurhausplatz.
11 nb bann sah sie das Unbegreifliche.
Allen diesen Menschen voran kam Emst von Herwegh über ten Platz.
Seinen flatternden Mantel über ten Schultern, ten Hellen Hut auf das Haar gedrückt, dis Partitur unterm Arm, ten Kopf zurückgeworfen, schritt er, ohne auf jemand zu achten, tem festlich erleuchteten Konzert hause zu, auf dessen Giebel zwischen Flöten, Zimbeln und Tamburins dis goldenen Lorbeerkränze schimmerten. — — —
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Die Buchausgabe dieses Romans ist bei ter Deutschen Verlags-An st alt in Stuttgart erschienen. D. Red.


