Schillers an. indem sie ihr auch den literarischen Nachlaß ihres Ahnen Übergaben. Das hohe Vertrauen. das mit dieser Spende in die Fürstin gesetzt war, wurde von ihr vollauf gerechtfertigt, und es war die Erfüllung ihres höchsten Lebens- Wunsches. als sie ein Jahr vor ihrem Lode den stattlichen Dau des Goethe- und Schiller-Archivs einweihen konnte, das seitdem der Mittelpunkt alles Studiums unserer klassischen Dichtung geworden ist. Auch bei der Gründung der Goethe- Gesellschaft. bei der Ausgestaltung des Goethe- Sahrbuches war sie unermüdlich tätig. Um dir chätze des Archivs der Willenschaft und dem Volk nutzbar zu machen, faßte sie den großen Plan, sämtliche Werke des Dichters auf Grund der Handschriften herausgeben zu lassen, und diese Sophien-Ausaabe. die auf ihre Initiative hin begonnen wurde, ist jetzt mit ihren vielen hundert Bänden vollendet, das großartigste Denkmal, das je einem Dichter geschaffen worden ist. Sie ist selbst die erste Arbeiterin in ihreni Archiv gewesen, und ihr Name wird unvergessen bleiben, solange der schöne Bau und sein kostbarer Inhalt bestehen.
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— „Mückentan von Eulenberg. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: In dem Spiel in 30 Bildern „Mückentan z", das im Düsseldorfer Schauspielhaus zur Aufführung kam, will Eulenberg ein Abbild unserer Zeit geben, schildert Metermenschen und Genieathleten, Sterngucker und Freudenmädchen, Idealisten und Realisten in kunterbuntem Tanz. Was sie aber zusammenkettel, ist so banal und seicht, das. was da geschieht, ist so trivial und alltäglich, das) man es in jedem Kolportageroman besser lesen kann. Hie und da blitzt einmal ein Wort, ein Gedanke auf, der in dem allgemeinen Geschehen wie Diamant glitzert, aber sein Glanz ist Talmi, ist, als ob man ihn irgendwann, irgendwo schon einmal hätte aufleuchten sehen. So zieht das ganze vorüber wie ein Schemen. Der Felsen zyklopenhaft zu türmen versprach, spielt heute mit Mückentanz. Und das soll Abbild, Konterfei, Kritik unserer -Zeit fein! Das Schauspielhaus machte durch erstklassiges Spiel das Unerträgliche zur Erträglichkeit: die Langeweile aber, die auf allen Bänken lagerte, konnte auch das nicht bannen. Am Ende .klang spärlicher Beifall, in den sich ein paar unwillige Zischer mischten, die den Widerstand resigniert aufgaben.
Aus Stabt unv 9and.
Dietzen, den 22. März 1922.
** Amtliche Personalnachrich- t e n. Ernannt wurde am 9. März der Kanz- leigehilfe Georg Orth zu Mainz zum Kanzlisten bei dem Amtsgericht Mainz. — Ernannt wurde am 15. März 1922 der Justiz- inspektor Julius Dahmer zu Ober-Ingelheim zum Jusrizinspettor bei dem Amtsgericht Offenbach. — Ernannt wurde am 15. März de. Elektrotechniker bei der Hessischen Eisenbahn- Aktiengesellschaft Oskar Wilhelm in Darmstadt zum zwecken Betriebsleiter an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt „Philippshospi- tal“ bei Goddelau mit Wirkung vom Lage seines D.enftant.itts. — In te/i Rrh stand wurde versetzt am 13. März 1922 der Oberjustiz- sekretär Wilhelm Usinger bei dem Amtsgericht Ulrichstein auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste.
** „Offene Sonntage“ vor Oflern Auf Grund des § 105 b Absatz 2 der Reichs- gewerbeocdnung (in der Fassung der Reichsver- ordnung vom 5. Februar 1919) ist an den beiden Sonntagen vor Ostern, den 26. März und 2. Apri! dieses Jahres für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zugelallen.
** Hessisches Berkehrsbuch. Die Teuerung trägt den Fremdenverkehr auf völlig neue Bahnen. Für Erholungsuchende kommt hinfort ^nur mehr das Nachbargebiet der engeren Heimat in Betracht. Oberhessen darf wegen seiner landschaftlichen Vorzüge aus einen starken Fremdenstrom während der Reise- und Ferienzeit rechnen. Gastwirten. Kaufleuten und Gewerbetreibenden ist eine Steigerung der Verdienstmöglichkeiten bitter not. Um nun möglichst jeden Ort zu fördern, beabsichtigt der Verband Hessischer Verkehrsvereine die Herausgabe einer wirkungsvollen Werbeschrift. Das in hoher Auflage erscheinende „Hessische Verkehrsbuch“ wird planmäßig versandt. Cs preist die Schönheit des Hessenlandes: Rhein, Odenwald, Wetterau. Vogelsberg und Umgegend. Von den 50 000 Mark betragenden Kosten sind zur Zeit etwa 25 000 Mark gedeckt. Alle Bürgermeistereien und Körperschaften, die den Verkehr zu fördern berufen sind, werden um Einzahlungen auf das Postscheckkonto des Hessischen Verkehrs-Verbandes (Nr. 12 622, Amt Frankfurt) gebeten. — Photographien malerischer Orte lWetterau, Vogelsberg), die den Abschnitt„Oberhessen" des Verkehrsbuches schmücken sollen, sind umgehend Professor F. Dreher in Friedberg zu übermitteln. Die Kosten für den Druck eines jeden Bildes betragen 300 Mark.
*• Ortsgruppe Gießen herrnat-- t-r euer Oberschlesier. Vorgestern abend fand zur Feier der ersten Wiederkehr des L Jahrestages der Abstimmung in Öfter» schlesien im Postkeller eine gut besuchte Festver- * fammlung der hiesigen Ortsgruppe der heimat- r treuen Oberschlesier statt. Folgende - Protest-Be- ' schlüfse wurden bei der Sitzung gefaht: „Wir erheben den schärfsten Protest gegen den Genfer Schiedsspruch, weil er weder dem Ergebnis der Volksabstimmung entspricht und im Widerspruch zu dem Versailler Frirdensvertrag steht. Ober» schlesien ist eine anerkannte politische, geographische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit. Eine -3ciTcit3ung dieses Gebietes muh für das dort wohnende Voll heute nicht absehbare Folgen zeitigen. Oberschlesien ist nur durch deutsche Kultur und deutsche Arbeit, deutschen Fleitz zu dem heutigen wirtschaftlichen Aufschwung gekommen, und durch die Zerreißung dieses Gebietes sind schwere Ge
fahren für Die Dortige Bevölkerung zu bejUrd)icn. Die Heimattreuen Oberschlesier im Reich stehen in Der Liebe zu unserer Heimat fest zusammen und rufen u feren Brüdern in Polnisch-Oberschlesien zu: Hartetaus, bis dieStundederGe- echtigkeit und desRechtes eingetreten ist! Im Auftrag der Ortsgruppe Gießen.
>gez.) Dr. F. A. Wyneken, 1. Vorsitzender.“
•• Sie Demokratische Partei ließ gestern ab nd Geh. imrat Dr. M i 11 e r m a i e r Aber das Thema: „KannderDearntestrei- . c n", sprech n Leide shaft los sollte die F age :;act> den juri ischen Gesichtspunkten erörtert wer- en. Wns h.i ck streiken? Arb-itseinstel.ung ist ein Kampfmittel einer Gemeinschaft, ein Schlag er Arbeiterschaft gegen Arbeitgeber. Un er Ein- baltung Kündigungsfrist darf das mit vollem Recht gesehen. Ein Recht Dagegen ja streiken unter Vertrag b uch gibt es nicht, trenn auch uristisch der S.reik nicht vn'bote.r to rden k.mn. Das Reichsgericht entschied, der Streckende begeht zwar kein Unrecht, kann aber wohl zu Schadenersatz verpslich et fein. Wie steht es nun mit einem Beamten urcik? Wenn auch die Beschränkungen des Beamtenvereinsrechtes gefallen siird, so ist damit nicht ein Streikrecht ausgesprochen. Der Art. 159 D;r Reich v r as ung besagt ausdrücklich auf Betreiben der Sozialisten nichts von einem Koalitionsrecht. Absichtlich ist auch das Wort „Streikrecht“ weggelassen. sowie der Aasdruck „rech stoidr g" g.braucht. Also findet tz 152 der Gewerbe-Ordnung, der ein Streikrecht nicht kennt, verschärfte Anwendung b i Den Beamten. Arbeiter und Beamte sind in ijrer S el° lung völlig verschieden. Der Beamte ist Organ des Siaates. Dicker wieder ist keine Aktiengesellschaft. sondern das höchste Rechtsgeb.ld:, über Dem nichts steht. Die Gesamtheit. Wenn diese Gesamtheit Den Beamten anstellt, so ist das etwas ganz anderes, als wenn eine A.-G. einen Privat- angesieilten verpflichtet. Beamte find auf Lebenszeit angestellt. So wenig der Staat einen Beamten kundigen oder ihn ausfperren ka.m, kann Der Beamte kündigungslos streiken. Beamtenstreit ist Kamps gegen Den Gesetzgeber, gegen das Recht selbst, gegen das Volk, und wirkt in einem demokratischen 0'aate viel schlimmer als in einem monarchischen. Zulässig könnte Der Streik höchstens sein, wenn eine Eckstenz unter dem bestehenden Recht unmöglich werde: das sei aber nirgends Der Fall. Höher noch als das Recht mutz stehen Die Ordnung, Die ein Beamtenstr^ik verneinen würde. Aus alledem gehl hervor, Datz Der Beamte nicht streiken kann und darf, Da er sonst das ihn erhaltende Recht vernichten würde.
** Im Lichtspielhause in Der Bahnhofstraße geht seit gestern Der erste Teil des Filmwerkes „Das indische Gpabmal" in Szene. In Den Hauptrollen wirken bekannte Berliner Künstler nut, unter Denen in erster Linie Mia May genannt werden muh. Der Film stellt einen Abenteurerroman Dar, aber einen guten. Man bekommt trefflich gelungene Aufnahmen zu sehen, über Denen Der phantastische Zauber Indiens mit allen feinen Wundern und Schrecknissen .ruht. Ein Besuch der Vorstellungen — in Der I nächsten Woche folgt der zweite Teil — kann empfohlen werden.
Bornotizen
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 Uhr: Heiterer Abend von Joseph Plaut.
— Aus Dem Stadttheaterbureau. Arn Sonntag wird die Operette „Die blaueMazur" von Lehar zum ersten Male gegeben. Ein neues Werk vom Komponisten „Die luftige Witwe“ bedeutet stets für alle Freunde Der Operette ein Theaterereignis. Von Der „Blauen Mazur" kann behauptet werben, daß sich vornehme Musik mit hübschem Textbuch zu einem Ganzen vereinen, so daß sich bei der hiesigen Aufführung (Spielleitung: Goll, Dirigent: Knübel, Tänze: Oldini) derselbe Erfolg einstellen wird, wie überall, wo das Werk bisher gegeben wobden ist, z. B. in Frankfurt am Opernhaus.
— Ueber Die Stellung Der höheren Beamten z u Den B e am tenfragen Der Gegenwart spricht morgen im Gesang- saale Des Realgymnasiums OberftuDienrat Alten- Dorf. (Näheres s. Anzeige.)
Äceis Su)i)£tcn.
ed. Eschenrod, 21. März. Heute morgen gegen 5 Uhr brach in der Hofreite des Baumwarts Schmidt aus noch unaufgeklärter Ursache Feuer .aus. Da günstiger Wind herrschte, konnte die Feuerwehr des Brandes rasch Herr werden und die Gefahr von den benachbarten Gebäuden abwenden. Nur der Hvlzstall mit größeren Mengen Brennholz wurde ein Raub der Flammen.
Starkenburg und Rheinhessen.
wd. Mainz. 21. März. Der Metallar b e i t e r st r e i k ist nunmehr vollkommen beendet. Die Arbeiter sind überall wieder in die Betriebe zurückgekehrt. In einigen grohen Betrieben kann die Arbeit jedoch erst in.den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden, da Vorarbeiten für die Wiederaufnahme der normalen Tätigkeit in diesen Betrieben getroffen werden müssen.
wd. Worms, 21. März. Eine Fliegerbombe, die wahrscheinlich von den Bombenabwürfen des letzten Kriegsjahres 1918 herrührt, wurde am Samstag nachmittag von einem Eisenbahner zwischen der Brun- hilden- und der Alzeyer Brücke gefunden. Die Bombe wird an der Fundstelle von einem französischen Posten überwacht.
Hessen-Nassau.
" F r a n k f u r t a. M-, 21. März. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt. 10 0 0 0 0 Mark alsGabe d e r Stadt zur Goethewoche zu bewilligen.
fpd. Dillenburg, 21. März. Auf der Eibelshäuser Hütte wurde der 16jäh- rige Arbeiter D i n s e l m a n n von den Puffern zweier Eisenbahnwagen t o t gedrückt.
Schlichtnngsausschuj; der Provinz Oberhessen.
Verhandlung vorn 21. März 1922.
Die Oberhes fische Gruftengesell- schäft soll entsprechend ihrem Angebot vom 1. März an den Arbeitern ihrer Bauxitgrube in Stangenrod den Akkordsatz von 177 Mk. für die Tonne frei Waggon Grünberg um 10 v. H. erhöhen und die gesetzlichen Arbeitgeberanteile der Kranken- und Invalidenversicherungsbeiträge übernehmen. Die bisher von den Arbeitern selbst getragen wurden. Dom 15. März an soll sie jedoch weitere 10 v. H. und vom 1. April an weitere 5 v. H. des ursprünglichen Satzes zulegen. Gefordert waren 25 v. H. Zulage ab 1. Februar und Uebernahme Der Bettragsanteile.
Für Die Arbeiter Der Freiherrlich Riedeselschen Ziegelei in Angersbach wurde gemäß Dem Arbettgeberangebot fol- genDes vorgeschlagen: Ab l.Wärz erhalten Die Maschinenarbeiter über 19 Jahren 10 Mark Stundenlohn. Die übrigen Arbeiter über 19 Jahren 9.40 Mark, über 18 Jahren 7 Mark ufto. Die Vllordgarantie Der OfenarbeUer beträgt 20 o. Sy, Die Der Maschinenarbetter 15 v. H. über Den Stundenlohn. Der Urlaub wird wie im vorigen Jahre geregelt, d. h. nach einem Jahr Beschäftigungsdauer 2 ‘Sage, nach jedem wetteren Jahr einen Tag mehr bis zu acht Tagen. Die grundsätzlich angebotene Lohnerhöhung ab 1. April 1922 wurde festgesetzt auf 50 Pfennig Stundenlohnzulage für alle Arbeiter über 19 Jahren, 40 Pf. über 18 Jahren ufto. Überstunden sollen gemäß der Forderung mit 1,50 M.. Sonntags- und Nachtarbeit mit 3 Mk. Stunden- lohnzulage vergütet werden. Im übrigen waren gefordert 11,90 Mk. Grundlohn ab 16. Februar, hierauf Zuschläge für die Ofen- -und Maschinen- arbetter, ein höherer Akkord und mehr Urlaub.
Die jährliche Vergütung des Wasser- und R o h r m e i st e r s der Gemeinde Saasen bei ©rünbarg wurde entsprechend seinem Antrag ab 1. April 1922 auf 900 Mark, wettere 80 Mark
für die Unterhaltung der Lampen und 100 Mark für Die Bedienung Der Uhren Der elektrischen Beleuchtung festgesetzt. Angeboten waren 370 QKL, 50 unD 30 Mk. ab 1. April 1921.
Kirche und Schule.
' 2 5 j ä ft r i g e Lehrertätigkeir. In Diesem Jahre werden es 25 Jahre, Daß Lehrer K ö h r e s in Dorf-Gull seines Annes mattet. Eine ganze Generation hat er im Dorf he an» wachsen sehen und ihr jein Bestes gegeben. Lehrer and ©emeinDe verbindet Das schönste Einvernehmen miteinander. Wir wünschen dem Jubilar eine weitere, noch recht lange und gesegnete Wirk- famteit in seiner Gemeinde.
’ Sie erste Diesjährige Schluß» Prüfung Der Kandidaten Der evangelischen Theologie fand in Dm Amts» räumen des Obe.konsistoriums statt. Es beteiligten sich Daran 14 Examinanden, von Denen 5 aus Starkenburg, 4 aus Oberhes"s dr, 2 aus Rheinhessen und 3 aus P eucken sind. Sämtliche Kandidaten waren KckegTeilnehmer.
X Wies eck, 21. März. Eine am Freitag abgehaltene Ve r sa mm lung evangelischer Männer und Frauen zeigte, daß es auch hier wohl möglich ist, beide Teile zur Besprechung kirchlicher Fragen ohne viel Aufgebot und Ausschmückung an einem Wochenabend zu vereinigen. Ein Vortrag von Pfarrer Sattler „Evangelischer Bund — Evangelische Gemeinde" gab in Anlehnung an das neue Arbeitsprogvamm Des Evangelischen BunDes Gelegenheit zur Besprechung brennenDer Kirchen- und Gemeindefragen. Gestreift wurden auch die Verhandlungen des Hessischen Evangelischen Landeskirchentages,dessen zu schaffende neue Kirchenverfassung später möglichst von einem Laien behandelt werden soll. Postsekretär i. R. Langohr berichtete über Die regelmäßigen Männeravenoe m tf.ieoberg und Lehrer Braunewell gab ein Bild von Den Einnahmen und Ausgaben Des hiesigen Zweig- Vereins des Evang. Bundes. Der neue Mitgliedsbeitrag von 10 Mk. wird auch hier für erstrebenswert gehalten. Doch sollen nach Der Lage Der Einzelnen auch geringere Beiträge willkommen fein. Mehr Veranstaltungen im nächstem Winterhalbjahr sollen Dann ermöglichen, den Verpflichtungen gegenüber Dem Bunv nacyzukommen.« In seinem Schlußwort erhoffte Der Vorsitzende von Der beide Geschlechter umfassenden Ortsgruppe Des Bundes, zu Der weitere Beitritte erfolgten, im Zusammenarbeiten mit Den anDeren kirchlichen Vereinigungen, weiteres Fortschreiten auf Dem Weg zur Leftendigmachung Der Gemeinde und Stärkung des evangelischen Ge- meindebewußtseins.
h. Wenings. 20. März. Am gestrigen Sonntag konnte auch die hiesige Gemeinde ihr „Glockenfest" bei sehr starker Beteiligung der Bewohner von Wenings und Merkenfrih begeben. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Michel, legte feiner Weiherede die Worte, die die beiden Glocken tragen, zugrunde: „Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er fein Leben läffet für seine Freunde" und „Ehre sei Gott in Der Höhe und Friede auf Erden". Hierauf fang Der Männer- chvr von Wenings unter Der bewähren Leitung Des Lehrers Vogt Die Motette: „Der Herr ist mein Hirte", worauf Der Schülerchor Das Lied „Schon Die Abendglocken Hangen" vortrug. - Im NachmittagsgottesDienst sprach Pfarrer Iti m a n n - Mittelseemen über Das Thema: „Allerlei Glocken", worauf Lehrer Heusohn - Lor- bach einen Vortrag über „Die Geschichte Der Kirche zu Wenings" hielt. Der Redner schilderte besonders Die kirchlichen Zustände zur Zeit des 30jährigen Krieges, und wie aus der damaligen Stiftskapelle durch Anbau Die heutige Kirche entstanden ist. Ehe das Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt entstand, befand sich die Mutterkirche in dem im 30jährigen Krieg zerstörten Orte Floßbach, eine halbe Stunde südöstlich von Wenings. — Die beiden neuen ©locken bilden mit Den Heiden alten ein harmonisches Geläute. Die eine Der alten, die sogenannte ..Hagelglocke", soll eine der ältesten ©locken von Oberhessen sein. Die andere trägt die Inschrift: „Ave Maria" und heißt Die „Marienglocke".
Wietzener Srndtthealer.
Romeo und Julia.
Gießen, den 22. März 1922.
Was uns Deutschen Shakespeare war und tfi. das soll hier nicht erschöpfend erörtert werden. Sein Einfluß auf die deutsche Dichtung seit Der Klassikerzeit ist bekannt. Die bahnbrechende Kunst Des großen englischen Dramatikers bestand darin, daß er zu einer Zeit, Die noch wesentlich anderen Anschauungen huldigte, in seinen Werken Menschen schuf, die nicht als tote Masken einherstolzierten, sondern mit Fleisch und Blut gestaltet waren. Alle Leidenschaften, Die im menschlichen Herzen stürmen können, in engster Verbindung mit durchaus individuell erscheinenden Trägern zeichnete das feine Charakterisierungsvermögen des Dichters. Darin liegt der unvergängliche Wert seiner Schöpfungen. Der äußere Kulturfirnis der Menschen ist dem Wechsel der Zeiten unterworfen, aber das menschliche Herz ändert sich nicht.
Was wir im allgemeinen von der Lebenskraft der Werke Shakespeares sagten, das gilt in besonderem Maße von dem Trauerspiele „R o - meo und Julia“. Das klassische „Hohe Lied Der Liebe" wird in feiner erschütternden Tragik immer zu wärmster Teilnahme zwingen. Dieses Mitgefühl wird noch dadurch verstärkt daß im Gegensatz zu Den meisten übrigen Trauerspielen Shakespeares das Schicksal Romeos und Julias keine reine Charaktertragödie bildet. Beide Charaktere sind nicht so geartet, daß sie einen frühen und raschen Untergang bedingen. Die Möglichkeit eines glücklichen Ausganges stand durchaus offen, wenn nicht das Schicksal mit rauher Gewalt eingriff und den Boten Lorenzos an der lieber» Bringung des auftlärenden Briefes an Romeo hinderte. Unter der Fülle der Gestalten treten Die beiDen Liebenden scharf 6err>or. Die stärkste Sympathie erweckt Julia, Shakespeares Ibealgestalt des hingeftend liebenden Weibes. Wir vermöchten nicht zu lagen, daß Die Größe Der Liebe Julias übertroffen werden könnte, und doch erkennen wir. wie fein Der Dichter Die romanische Art berücksichtigt hat. wenn wir typisch deutsche Frauengestalten mit ihr vergleichen, wenn wir ihr Gretchen, K ithchen oder Ag"e8 Bernauer gegeniiEerfteDen. Der Charaller Romeos weist in seinem überaus raschen Wechsel der Gefühle zu große Schwächen auf, um in ans gleiches Mitgefühl zu erregen. Doch wir erkennen an dieser Gehalt besonders das bewußte Streben des Dich
ters, natürliche Menschen zu bilden, die ihre Schwächen nicht verbergen. Das gleiche läßt sich von den übrigen Personen des Stückes sagen, Deren Individualität ebenfalls so scharf umriffen ist, daß sie von dem verkörperndem Schauspieler ein völliges Cinleben verlangt. Diese Eindeutigkeit Der Rollen in den sh akespcarscheu Dramen bedeutet für den Schauspieler zugleich eine dankbare und schwere Aufgabe. Die Gestalten mit wirklich shakespearischen Geist zu beseelen, stellt an seine Kunst die höchsten Anforderungen. Das ist bei Der 'Beurteilung Der gelingen Ausführung zu berücksichtigen, um zu verstehen, warum manche Leistung nicht das gesteckte Ziel erreichte. Eine uneingeschränll gute Verkörperung fanDen Die Rollen des alten Hitzkopfes Capalet durch Georg Dadura, des Ähwadroneurs Mercutio Dird) Oskar Weigel, des frommen und doch verschlagenen Bruders Lorenzo durch Karl V o l ck und des haß- und zanksüchtigen Thftalt durch Karl Juhnke. Paul M e h n e r t zeigte als Peter und auch als Apotheker sein oft erprobtes Talent für komische Originale wieder im besten Licht. Auch Heinz B e ch st e i n s Fürst Escalus und Auguste M a r ck s Gräfin Capulet verdienen Anerkennung. "Georg H e d i n g bemühte sich mit Erfolg um die Rolle Benvolios. Auch die übrigen kleinen Rollen lagen in guten Händen. Nicht völlig meuterten Dagegen die Hauptpersonen alle Schwierigkeiten. Wladimir Brandes setzte ohne Zweifel seine ganze Kraft als Romeo ein, doch es gelang ihm nicht immer, Den von glühendsten Leidenschaften erregten Jüngling mit vollstem Leben zu beseelen. Ebenso fehlte Der Julia Karla Kellers das selbstvergessene Glück des zum ersten Male Die Liebe fühlenden Kindes. Doch das durch schwerstes Leid gereifte junge Weib tarn zu überzeugendem Ausdruck. Luise Ram- m e l war aL8 geschwätzige und gewiß auch ko- '.nische Anime oft nicht frei von starken ilebertrep b-ungen, worüber auch Die errungenen Heiterkeits- erfolge nicht hinwegtäuschen Dürfen. Willi Sim» m e r gab den alten Montagne mit zu viel Pathos und geriet in unvorteilhaften Kontrast mit dessen Widerpart Capulet. Die Spielleitung Adolf T r - lekhs hatte geschickt in 11 Bildern aus Den 5 Akten Des Trauerspiels, obgleich manche wert» volle Szene leider aus :echnischen ©runden gestrichen werden mußte, ein abgerundetes Ganzes zusammenzusteilen gewußt. Wenn man auf Kleinigkeiten eingehen will, so hätte vielleicht manchmal das Corps Der Statuten etwas lebhaftere
Teilnahme zeigen können, was besonders für Die Szene auf Dem Marktplatz von Verona gilt.
tr. *
Eine Hüterin des Weimarer Geistes.
(Zum 25. Todestage der Großherzogin Sophie, 23. März.)
Weimar hat das Glück gehabt, eine Reihe edler Fürstinnen zu besitzen, die Dem Geist von Weimar Die schönste Pflege zuteil werden liehen. Die letzte dieser Reihe war nach Anna Amalia, nach Luise und Maria Paulowna die Großherzogin Sophie, eine niederländische Prinzessin aus Dem Hause Oranien, Deren Name fortlebt in Dem von ihr gestifteten Goethe- und Schiller- Archiv unD in Der Sophien-Ausgafte, Die in lückenloser Vollständigkeit Das gesamte Lebenswerk Goethes umfaßt. Dankbar müssen wir an ihrem 25. ToDestage Dieser gütigen unD tatkräftigen Frau gedenken, „einer Der freigebigsten und wohltätigsten Fürstinnen, Die es je gegeben, von einer fteftänDigen Schaffensfreude zum Wohle Der Menschen beseelt," wie sie Kuno Fischer genannt hat. Der geborenen NiederlänDerin fiel Die deutsche Sprache zunächst schwer, aber sie vertiefte sich in Das Studium der Weimarer Klassiker, die sie in ihrer ganzen Schönheit erfassen lernte. Ihre gemeinnützige Tätigkeit begann sie mit der Begründung des „Sophien-Stiftes", eines Pensionats, durch das die Grundlage für Die vielen Erziehungsinstitute Der StaDt gelegt wurde Im „Sophien-Haus" schuf sie eine Anstalt für Krankenpflegerinnen und hat überhaupt Anstalten aller Art, zur Bewahrung und Bildung Der Blinden und Taubstummen, zur Gesundheitspflege der Kinder, für Arme und Kranke ins Lebert gerufen. Schulen, Bibliotheken, Stiftungen wuchsen durch die Hilfe Der Herzogin, Die ihr großes Vermögen in vorbildlicher Weise ^verwendete Keiner klopfte unerhört an ihre Tür. Es ist buchstäblich richtig, wenn ein Landtags- aftgcorDneter einmal sagte: „In Weimar läßt sich niemand einen Rock machen, zu dem die Großherzogin nicht wenigstens die Knöpfe gibt." Das ..Göttliche“ im Menschen zu pflegen, war der Grundgedanke all ihres Tuns, und deshalb wurde sie auch zur Hüterin Der Geistesschätze, Die Weimar Der Welt geschenkt hat. Als Der letzte Goethe, Waller, starb, vermachte er Der Großherzogin Den gesamten hanDschriftlichen Nachlaß seines Großvaters, und Diesem Beispiel Des Goetheerben schlossen sich Enkel unD ilrenfel


