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Nr. 43 Zwettes Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 20. 8evruar(y22

Deutscher Reichstag.

Berlin. 18. 3feb*-. !

3n dec heutigen oamStagssitzung toutbz dec jnttourf über vorübergchend^ Rechtspflogemaß- d>men bezüglich des Saargebietes in allen drei Lesungen angenommen, ebenso die Verfügung iber die weitere Zulassung von Hilssmitgliedern jh Leichspatentamt. .

Der Regierungsentwurf über die Adliese' .ung von Ausfuhrdevisen zur Aussul). amg des Londoner Zahlungsplanes wurde dem HevarationSausschuß überwiesen.

3n der fortgesetzten Debatte über die Sr- . riiung einer Abgabe zur Förderung des W o h - ungsbaues zieht dec Abgeordnete

Tremmel (Z.) seinen Antrag puf Untere Innung dec Daugenossenlchasten aus dem an- gesammelten Reic^fvnds zurück.

Aog. Obermaier (v.) nimmt seinen An­trag wieder aus.

Abg. Z a u d (Bayer. Bp.) erllärt den Antrag cür uberslülsig, wenn er nicht die Konjunktur» ;ewinne ausschalte.

Ministerialdirektor Dr. Ritter betont, alle Unternehmer sollten unterstützt werden, die eine Verbilligung des Bauens anstrebten.

Damit schließt die Aussprache, die Abstirn- mung wird in einer späteren Sitzung erfolgen.

Cs folgt die Interpellation der Demokraten über die

Paherleichterung im Verkehr mit Oesterreich.

Abg. Reile (Dem.) begründet die Inter- VcUation seiner Partei. Der Paßzwang nach Oesterreich werde als eine Schikane empfunden, zudem werde dadurch auch die Kapitalsverschie- hing nicht verhindert. Die Schikanen treffen aber nur den ehrlichen Kaufmann Das Schiebertum kümmert sich nicht um den Pahzwang. Die beiden deutschen Völker gehören zusammen und wir müssen den deutsch-österreichischen Brüdern hell hn, so grob auch unfere eigene Last sein mag.

Minister des Innern Dc. Köster: Der pahzwang wird von dem Finanzministerium als 5cfte8 und wirksamstes Mittel zur Sefämpfung der Steuerflucht angesehen. Durch den Zwang, 'ich eine Bescheinigung der Unbedenklichkeit von dem zuständigen Finanzamt zu holen, ist es viel- -ad) gelungen, Leute festzustellen, die sich bisher ihrer Steuerpflicht überhaupt entzogen hatten. Wenn daher aus finanzpolitischen Rücksichten das Pahvisum zunächst noch aufrecht erhalten werden muh, so kann man nicht ein einzelnes Nachbarland davon ausnehmen, sonst wurde sich der ganze Strom des abwandernden Kapitals durch dieses Land bewegen. Die Reichsregierung ist daher augenblicklich nicht in der Lage, die Aufhebung des Pahvisums für die nächste Zeit in Aussicht zu stellen. Der Grenzveckehc mit Oesterreich soll aber durch langfristige Sichtvermerke nach Möglichkeit erleichtert werden. Eine unbegrenzte Einwanderung ist mit Rücksicht auf die herrschende Wohnungsnot un­möglich Auch die technische Grenzabfertigung wird verbessert werden. Wenn gewisse Härten noch bestehen bleiben müssen, so wird das dem Gedanken unserer Kultur- und Schicksalsgemein­schaft mit dem deutsch-österreichischen Volke eben- sowenig Abbruch tun, wie durch den Friedens- i'ertrag.

Abg. Simon (Soz.i fordert möglichste Er- 'eichterung des Grenzverkehrs und Beseitigung dec Schikanen. Das Pahvisum sei weiter nichts, als eine Art Eintrittsgeld in das andere Land. Die wirksame Verfolgung von Schiebern, Wucherern und Spitzeln werde dadurch doch nicht erreicht.

2lbg. Dr. Schreiber (Zentr.) begrüht die in Aussicht gestellten Erleichterungen im Grenz­verkehr, rät aber zur Vorsicht, damit nicht etwa aus den Dalkanländern über Oesterreich eine Masseneinwanderung beginne. Wien wird stets oas deutsche Kulturzentrum für den Süden blei­ben' Berlin ist dazu nicht geeignet. Der Einll qungsgedanke muh mit Voriicht und Takt ge­pflegt werden.

Abg. Körner (D.-Atl.) wünscht für den Sommer- und Touristenverkehi möglichste Er- leichterung. Der- Redner wünscht, dah in dieser Hinsicht bis zur äuhersten Grenze gegangen werde, aber vollkommen könne der Pahzwang nicht auf­gehoben werden.

Abg. v. Chemnitz (D. Dp.) tritt für mög­lichst enge Btziehungen zu Deutsch-Oesterreich ein. Richt der Pahzwang errege so sehr den Unwillen, sondern seine Handhabung. Die Oesterreicher seien Ausländer wider Willen. Andere Länder würden von ihnen getrennt lebende Brüder viel freudiger und verständnisvoller begrüßen und ihnen entgegen kommen. Der Pahzwang erschwere den Anschlußgedanken und sei Wasser auf die Mühle der Entente.

Abg. Breit scheid (USP.) tritt für mög­lichste Wilderring der Paßschwierigkeiten gegen­

über Oesterreich ein, wie überhaupt der lacher-1 lich en Absperrung einiger Länder ein End« ge-' macht werden müsse. Wer das nötige Geld und die nötige List aufbringen könne, brauche Leine Schwierigkeiten zu fürchten, wie das Entkommen dec Mörder Crzbergecs nach Ungarn beweise.

Abg. Schwacher (Bayer. Vp.) schildert die aufreizenden Schikanen beim Uebeischreiten der bayerischen Grenze, die aber auch schon vor dem Kriege bestanden hätten. Dazu tomnte daß die Kontrolle das Zehnfache von dem verschlinge, was bei einer eventuellen Kapitalsverschiebung beschlagnahmt werden könne. Wer fein Geld ver­schieben wolle, finde andere Wege, wie auch die Kommunisten beispielsweise die besten Beziehun­gen zur Erlangung der Pässe besähen.

Abg. Koen en (K.) verlangt ebenfalls Be­seitigung der Pahcorschriften, da sie ja doch nur die breiten Massen träfen.

Minister des Innern Tr. Köster wieder­holt nochmals, dah das Reich keine Exekutivbeam- len habe, sondern nur die Länder. Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit würden aber einen unge­hinderten Zustrom aus Oesterreich nicht zulassm.

Damit wird die Aussprache der Interpella­tion geschlossen.

Nächste Sitzung Dienstag, den 21 Februar. Anfragen, kleine Vorlagen und Abstimmungen.

Schluß 5 Uhr.

Kirche nird Schule.

Die Statistik der Hof fischen, evangelischen Landeskirche für das Jahr 1920 weist folgende allgemein interessierende Zahlen auf: es gingen ein an milden Gaben an Vereine und Anstalten evang. christl. Liebestätig­tätigkeit 1 330 837 Mt., an allgemein erhobenen Kirchenkollekten 267 139 Mk., an Opfern und Gaben für Ortsarme 415 877 Mk., an sonstigen freiwilligen Leistungen für tirchliche Zwecke 2 649 353 Mk., zusammen 4 663 206 Mk., gewiß ein schönes Zeugnis für die christliche Liebes­tätigkeit: allein für Krankenpflegestationen gingen ein 325 563 Mk., für die Rotspende für Innere Mission 431 042 Mk. Der Kirchenbesuch der Er­wachsenen in den drei Superintendenturen Darm­stadt, Gießen und Mainz betrug 13,8 Prvz., 26,1 Proz., 17,9 Proz., der Abendmahlsbesuch 46,3 Proz., 111,9 Proz., 59,2 Proz., in den fünf größten Städten Darmstadt 8,8 Proz., bzw. 9,5 Prozent, Offenbach 6,1 Proz. bzw. 8,1 Proz., Gießen 12,3 Proz. bzw. 6,1 Proz., Mainz 11 Prvz. bzw. 10,4 Proz., Worms 12,6 Proz. bzw. 13 Proz.: von der evang. Landeskirche lebten getrennt 8130 Freiprotestanten, Deutsch-Katho­liken, Altlutheraner, Methodisten u. a. Es traten aus der evangelischen Landeskirche 1001 Personen aus, davon ohne Ucbertritt zu anderen Kirchen usw. 416, zur evang. Kirche traten über 284 Per­sonen, bei 11 396 evang. Eheschließungen blieben 467 Paare ohne kirchliche Trauung. 3419 Kinder gingen aus Mischehen mit Katholiken hervor, davon ließen 610 evang. Männer ihre Kinder enttoeber katholisch taufen oder sie ließen sie Über­haupt nicht taufen, Taufverweigerungen in rein evang. Ehen kamen nur 14 mal vor, ungetauft in den Religionsunterricht kam kein einziges Kind. 19 116 Kinder wurden konfirmiert, nur 9 Konsir- mationsentziehungen fanden statt. 11 250 Per­sonen wurden kirchlich beerdigt, davon 197 Feuer­bestattungen.

Vermischtes.

"Neue Heime derDeutschenGe- sellschaft für Kaufmanns -- Erho­lungsheime (Ferienheime für Handel und Industrie). Der Gesellschaft ist es möglich ge­wesen, abermals zwei große Hauser anzu­kaufen. Im sächsischen Erzgebirge hat sie in dem aufblühenden Luftkurort Kipsdorf das Hotel Röber mit rund 90 Gastbetten erworben. In Mecklenburg ist das Kurhaus Müritz-- höhe bei Waren am Müritz-See dem größten deutschen Binnensee mit rund 65 Betten in ihren Besitz übergegangen. Beide Häuser werden voraussichtlich im Mai in Be­trieb genommen werden. Die Gesellschaft ver­fügt nunmehr über £3 Heime, die teils an der Ost- und Dordsee, teils im Mittel- und Hochgebirge, zum Teil auch in bekannten Badeorten liegen. Je ein Heim in Thüringen und im Harz haben Winterbettieb. Das über eigene Thermalquelle verfügende Kur- und BadehausKölnischer Hof" in Wiesbaden ist das ganze Jahr geöffnet. Die große An­zahl der Stirne ermöglicht es jedem Mit­glied der Gesellschaft, trotz der bevorstehen­den außerordentlichen Erhöhung der Eisen­bahntarife die Heime ohne allzu große Reise­kosten aufzusuchen.

* Pariser Vitriol-Verbrecher. Ein furchtbares Unwesen treiben gegenwärtig in Paris

mehrere Verbrecher, die die kostbaren Toiletten der Damen dadurch zerstören, daß sie sie mit Vitriol besudeln. Man hat bereits mehr als 500 Frauen als Opfer dieser seltsamen Untaten festgestellt, und dec Schaden, der auf diese Weise an Pelzmänteln hervorgerufen worden ist, über­steigt eine halbe Million Frs. Verschiedentlich hat man in Droschken festgestellt, daß die Sitze mit Vitriol beschmutzt waren. Ihr hauptsäch­liches Unaefcn treiben diese Verbrecher auf dem Boulevard St. Germain. Ein Opfer wurde durch die beißende Säure am Dein so schwer ver­brannt, daß die Dame in ein Krankenhaus ge­bracht werden mußte.

W i c a 11 i ft derMens ch? Obwohl man in Nordamerika die ältesten Funde hinsichtlich dec Fauna und Flora gemacht hat, sind uralte menschliche Ueberreftc auffälligertoeife dort noch nirgends gefunden worden. Rach den bisher ent­deckten UebeiTcften menschlicher Schädel und Knochen zu urteilen, miß der Mensch viel spater in Amerika aufgetaucht sem als tn Europa, Asien und Afrika. Tie Schädelfunde zeigen die größte Aehnlichkeit mit der Schädelbildung der heutigen Indianer, so daß die Menschen erst nach Amerika gelangt sein müssen, als sie tu der alten 'Welt schon einen gewissen niederen Kultur­grad erreicht hatten. 'Wann das gewesen ist, wie alt das Menschengeschlecht überhaupt ist, darüber hat Prvf. Meyer sich in interessanter Welle ausgesprochen. Tie UeLerrefie, die aus d:n Ent- wicklungsstadien menschlichen Lebens vorltegen, beweisen nach seiner Ansicht übereinstimmend, daß rund um 5020 v. Ehr. die physische u. psychische Ent­wicklung des Menschen soweit oorges-chritten war, daß er die Bahnen betreten konnte, die zur höheren Kultur führten. Was vorher liegt, in der EoMhenzeit, gehört nicht schon dem Menschen an, sondern den Vorstufen menschlicher Cnt- wickelung, und diese gehen allerdings aif Zehn­tausend. von Jahren zurück. Danach Wille das Menschengeschlecht in physischer Hinsicht also erst etwa 7000 Jahre alt.

Handel«

D i e Latldwirtschastliche Ge­nossenschaftsbank hielt unter zahlreicher Beteiligung im Darmstädter Fürstensaal ihre 32. ordentliche Generalversammlung ab. Den Vor­sitz führte Lehrer Ofenlvch, Finthen, der mit kurzen Begrüßungsworten die Versammlung er­öffnete und insbesondere darauf hinwies, daß ein Bericht über die Geschäftsjahre 1919, 1920 und 1921 entgegenzunehmen und die Bilanzen nebst Gewinn- und Derlustrechnungen über die gleichen Jahre zu verabschieden seien, und daß über die Geschäftsvorfälle in dieser Zeitperiode erfreulicherweise nur Gutes berichtet werden könne. Daraufhin wurde der im Druck vorliegende Geschäftsbericht nebst den Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen durch das Vorstandsmit­glied Bürgermeister Brücher Groß-Zimmern vorgetragen. Aus dem Bericht ist im wesentlichen zu entnehmen, daß während den drei Geschäfts- jahten insgesamt 35 Prozent mit zusammen 5 020 137,74 Mk. und zu Anfang dieses Jahres weitere 5 Proz. in Höhe von 709 079,67 Mk. an die Gläubigergenossenschaften ausgeschüttet wur­den. Deren Forderungen betrugen am Jahres­ende 1921 noch 4 961 389,98 Mk. und haben sich inzwischen um die zu Anfang Januar ausge­schüttete weitere Rate ermäßigt. Die Gesamtaus­schüttungen belaufen sich bis heute auf 70 Prvz., betragen also schon 20 Prvz. mehr, als man früher günstigsten Falles erwartet habe. Aus den Engegements bei den verschiedenen Unter» gesellschaften seien insgesamt eingegangen von Ziegelwerke Sannerz 250 000 Mk., Liegenschafts- gesellschast 483 500 Mk., Bvhrerhof-Atiiengesell- schäft 534 500 Mk., Gewerkschaft Kur-Köln 716 000 Mark, Verwaltungs- und Verwertungsgesellschafl für Immobilien 4 600 000 Mk. Während bei den ersteren Gesellschaften auf Eingänge nicht mehr gerechnet werden könne und teilweise beträchtliche Ausfälle entstanden, hat die V.V.G. ihre Ver­pflichtungen bis aus heute resllich 160 000 Mk. erfüllt, und es war möglich, die ursprüngliche Rückstellung von 1 470 000 Mk. wieder aufzuheben und den Betrag als vollwertig in die Bilanzen einzusehen, wie ebenso auch das Gesellschafts- kapital mit 418 000 Mk.: auch habe diese Gesell­schaft wesentlichen Anteil an der Förderung der Liquidationsarbeiten. Die Bilanzen und Gewinn- und Derlustrechnungen wurden nach kurzer Aus­sprache durch etnftunmigen Beschluß genehmigt sowie dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Eine große Zeit beanspruchte die Be­ratung über einen Antrag des Vorstandes aus Veräußerung der restlichen Dermögensmasse. Dem Antrag des Vorstandes wurde schließlich gegen die Stimmen von zwei Aktionären zugesttmmt. Alsdann erfolgten die Aufsichtsratswahlen in der Weise, daß der Aufsichtsrat in seinem heutigen

begrenzten .Umfang bestätigt wurde. Nachdem noch die Satzungsänderungen antragsgemäß c nftimmlg beschlossen waren, konnte der Vorsitzende die Generalversammlung unter Dankesworlen an btf Erschienenen schließen.

3tan!furt a OH., 20. Februar, Marktkotierungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt.

Datum: ' 7.1i. 17.2. 18.1

Zürich Fr. 125 40 2,50

Amsterdam FI. 59.20 1,30 1,26

Kopenhagen Kr. 88.80 2 40 2,33

Prag Kr. 117.80 20,25

Stockholm Kr. 38.80 1,90 1,82

Wien Kr. 117.80 London Sh. 97.80 8,96

Paris Fr. 125.40 5,36 5,43

Reuyork $ 2L80 ,49 -,47

Züricher Devisenmarkt.

18. 2. 20. X

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. --> 191.25 103.90

Deutschland 100 QHt =» 2.50 2.45

Wien 100 Kr. 0.15 0.14

Prag 100 Kr. 9.65 9.70

Paris 100 Fr. 45.16 46.10

London 1 .£ = 22.38 22.45

Italien 100 2. ---- 25.10 25.40

Druffel 100 Fr. --- 42.65 43.70

Budapest 100 Kr. = 0.775 0.775

Aeuyott 100 $ 513.- 513.50

Agram 100 Är. = 1.65 1.65

Warschau 100 Kr. 0,15 0,14

(In einem Teil der Auslage wiederholt.)

Versteigerung ehemaligen Kamerunbesitzes.

London, 18. Febr. (WTD.s ..Westmin­ster Gazette" meldet, daß im Laufe des Som­mers in London eine Versteigerung von Pflanzungen, Konzessionen, Fabriken und sonsti­gem Besitz aus dem Teile des vormalig deutschen Kameruns, dec nach dem Feldzug von 1911 bis 1917 Großbritannien übergeben wurde, und der jetzt von der algerischen Regierung verwaltet wird, stattfindet. Unter diesen Ländereien befinden sich einige der Höch st entwickelten und fruchtbarsten in W e sta f r i ka. Cs handelt sich in der Hauptsache um Kautschuk-, Kaffee-, Kakao-, Bananen- und Palrnkernpflanzungen.

Die Regelung der ägyptischen Frage.

London, 18. Febr. (WTD.)Westmin - her Gazette" schreibt, die bereits gemelbetc Regelung der ägyptischen Frage sehe die Abschaffung des Proteklo rats, die Aufhebung des Belagerungszustandes, die Bil­dung eines ägyptischen Ministeriums für aus­wärtige Angelegenheiten und schließlich die Ein­berufung einer lonstitutivnellcn Ver­sammlung vor. Unter den von britischer Seite geforderten Sicherheiten befinde sich das Recht für Großbritannien, die Reichsverbindungs­wege zu sichern. Eine britische Streit­macht würde den Suez-Kanal schützen müssen. England müsse auch die volle Sicher­heit .erhalten, daß die Rechte der Ausländer in Aegypten respektiert würden, und könne nicht geben, daß Aegypten Verträge mit fremden Län­dern abschließe, die gegen die britischen Inter­essen gerichtet seien.

Der Vertrag mit Irland.

London, 18. Febr. (WB.) Im Unter- Hause wurde die Vorlage über den Vertrag mit dem irischen Freistaats in allen Teilen angenommen. Ein von Len Ulster-Abgeord­neten eingedrückter Abänderungsantrag wurde mit 302 gegen 60 Stimmen abgelehnt.

London, 18. Febr. (WTB.) Rach einer Meldung aus Cork ist ein britischer Offi­zier, der am Mittwoch von den Sinnfeinem ge- s angen genommen war, auf der Flucht erschos- s e n worden.

Gin Raubüberfall tn Köln.

Köln, 18. Febr. (Privattel.- Ein schwerer Raubüberfall wurde gestern vormittag an der Paulskirche auf zwei Beamte der städtischen «Sartendirektivn ausgeführt. Die Beamten, die sich im Besitze von Löhnungsgeldern von über 300 000 Mark befanden, wurden plötzlich von hinten angegriffen und mit einem schweren Gegen­stand aus den Kops geschlagen. Darauf entspann sich zwischen den Beamten und Räubern ein Kampf, in dessen Verlauf den Beamten die Taschen mit Geld entrissen wurden. Es gelang einem der Beamten, die eine Tasche mit 100 000 Mark wieder in feinen Besitz zu bringen. Mit der andern Tasche, die 200 000 Mark enthielt, flüchte­ten die Räuber in einem beranfahrenden Auto, das in schnellstem Tempo davonsuhr. Die Beam­ten, die erhebliche, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen davontrugen, wurden ins Kranken­haus gebracht.

Die Blüchernichten.

Roman von Hanns von Zvbeltitz.

31. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Za ... die Preußen .

In tiefstem Treck, unter strömendem Regen hatten sie die Rächt über um Wavre gelegen. Kurz nach Mitternacht brachen sie auf.

Ter Herr Generalfeldmarschall hat arge Schmerzen gelitten. Grad als er aufstehen wollte, um in den Sattel z-r steigen, ist D oktor Viefeke noch einmal gekommen, wollt' einreiben, hatte jchon Opvdeldok zur Hand und Kampferspiritus. .. Wird nrscht draus!" ruft der Alle. »Hab' keine Zeit. Ist auch ganz egal, ob rch einbalfamiert oder nicht in die Grube faßte. Lind lacht:Vorher aber muß der Bonaparte herunter!"

Kommt mit Ach und Krach auf den Daul, gleich aber sitzt er fest und reitet dem Heer nach durch Rebel und Regen. Der Mantel fliegt, and die Mühe schiebt er tief rns Genick.

Mühsam stapft und stapft das Fußvolk vor­wärts durch Schlamm und Matsch. Den armen Gäulen gehl's nicht besser. Sie zerren und zerren, es Lostet Sporen und Pettsche.

Da sind Märker.Hallo, Jungens, wie geht's?"

Schreckliche Wege, Herr Feldmarschall."

Schad' nix. Hebt nur die Knie hoch. Un so ein Stiebe! im Dreck stecken bleibt, in Paris gidt's neue! Durch müssen wir, kosts, was wolleI"

Da sind Pommem. stämmige Burschen.Hallo,

Jungens, wie geht's?"

Der tulle Regen-

in dec Hand. Er wirft, schnell entschlossen, zuerst die Retterdivision Domvnt den Preußen entgegen, bann den tapferen Marschall Lobau mit sechzehn bewährten Bataillonen auf Plancenvit. Den Bravsten dec Braven" aber, Len Marschall Retz, seht er mit den Veteranen der Garden gegen Wellington ein; rechts und links schlreßt sich ihnen an, was von den 5ranynännern noch schlag­fertig. schlagkräftig ist. Todesnulltg bringen sie vor, stürmen in Kartätschen Hagel und Klein­gewehrfeuer, bohren sich wie ein ungehe urer Stahlkeil in die Mitte der Schlachtlinie des Eiser­nen Herzogs.

Aber schon haben sich die Preußen nach mörderischem Kampf Plancenoit errungen; schon wirten die preußisch rn Geschütze, Zietens Kanonen, auf Wellingtons linken Flügel gegen die An­griffslinie der Franzosen, schon streifen BülowS Retter bis in Len Rücken des sranzöli'chen Heeres Hochaufatmend, befreit rafft Wellington feine letzten Reserven zusammen, dem Stotz der Kaiser- garbe durch Gegenstoß zu begegnen. Die Ko­lonnen wanken, sie müssen zurück. Von Plancenoit her tönen die p. eutzischen Flügelhörner, dröhnt ras preußische Hurra . das Wanken wird zar Flucht ... in die Flüchtenden haut die Reiterei ein, überall, überall drängt das Futvolr nach.

Ter Tag ist gewonnen! Der große Sieg ist erkämpft. Tie Entscheidung ist gesalle v dec alle Haudegen, der Blücher, hat sie gebracht! Kein Teut ist davon ab;uhandeln, wie immer der Eng­länder sich mit feinem Siege von Waterloo, un­terem Siege von La Belle-Alliance brüsten mag:

(Fortieyung folgt/

"Ach was! Der Regen ist mein alter Ver­bündeter von der Katz Vach!"

Aber die Kuhfüße werden nicht losgehen, Exzrcklenz ..."

Schad' nir. Dreht sie um und schlagt mit dem Kolben drein! Vorwärts! Ich. kann doch den Wellington nicht im Stiche lassen!"

Es geht vorwärts. Aber langsam, viel zu langsam für den alten Helden. Drängt immer wieder:Vorwärts, Kinder! Vorwärts, ihr Bur­schen!" Rust über die Kolonnen hin:He, ihr! Wir müssen durch! Ich had's dem Wellingron versprochen, daß wir kommen. Wollt ihr mich zu einem Hundsfott machen, zunem Diplomatiker, der fein Wo.ck nicht haft?!'

Re, ne!" schallfs zurückDat wull'n wer nich! Vttxtt Vater Blücher!"

Schon hört man das Brüllen der Geschütze vom Schlachtfeld herüber. Ad utar-.ten sprengen heran:Euer Durchlaucht, es ist hohe Zeit, Briten verbluten!" Lind wieder drängt der feurige Alte:Vorwärts! Vorwärts!"

Drei Llhr nachmittags wird's. Schwer ist der Engpaß von St. Lambert von der vordersten Kolonne überschritten. Der Feldmarschall jagt mit seinem ctabe voraus zum nächsten Gehöl.;-' säum. T-a überfießt er bas Schlachtfeld, die lange dünne Linie der Hannoveraner, E-gländer. Braunschweiger, sieht den dicken Puiverdamvi und das unaufhörliche Aiif?,ucken. Blitzen vrs Mündungsfeuers. Gerade bullen sich Reiter­geschwader zur Attacke, stürmen vor, überreiten bas Fußvolk, müssen wieder zurück, w:rden ver­stärkt, sprengen von neuem in gewaltiger Woge an einzelne britische Batterien stellen bas Feuern ein, scheinen abzuztehen

Ja, es ist Zeit, hohe, höchste Zeit!

Halber Fünf: jetzt hat der Alte endlich ein paar Brigaden aus dem Engpaß heraus: die von Losthin, die von Hiller; auch steht endlich die Reserveartillerie parat. Vorne plänkeln schon bte grünen Husaren.

So befiehlt er den Angriff. Das Dorf Plan- ceiroit, in Rapoleons rechter Flanke, ist das Hauptziel! Vorwärts!

Unten im Tal, unfern des Pachthofes Ros­somme, sitzt der (Smpereur immer noch an seinem Tischchen Er ist guten Muts, voll sicherer Zu­versicht: der Sieg scheint ihm gewiß. Rur eine letzte Anstrengung noch.

Da wird et durch sein Perspektiv eines dun­keln Wöllleins gewahr, das plötzlich drüben bei St. Lambert aufgetaucht ist. Klein noch und un­scheinbar, eine Wetterwolle vielleicht. Aber sein Blick ist ' unfehlbar. Er sieht: es find Truppen.

Preußen? Undenkbar?, er toi1 ['s nicht glau­ben Blücher? Pah Blücher hat er ja vor­gestern bei Ligny so aufs Haupt geschlagen, daß der unmöglich schon wieder f lagfettig sein kann.

Das Wölkchen wächst, wird großer und größer ... , *

Das wird Gtouchy fein! sagt er zu ooult. seinem Generalstabschef. Marschall Grouchy. den er zur Verfolgung der Preußen gestern adge- öipeiqi. _

Doch da kommt in voller Karriere der Ge­neral Bernard, der auf Erkundung geritten, zu­rück:Sire, die Preußen!"

Eines Llugenblicks Länge nur sinnt der Schlachtenkaifer. Rein dies Spiel, das um die Krone, um Ansehen und 2duhm und Ehre geht, gibt er noch nicht verloren. Roch hat er Reserven