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Dienstag, 18. April 1922

172. Jahrgang

Paris, 18. April. (Havas.) Der Bericht­erstatter der Havasagenlur in Genua be­merkt zu dem deutsch-russischen Abkom­men: Die alliierten Kreise beurteilen den Ab

xu schassen.

Paris. 15. April. (Wolff.) Die Agentur Havas meldet um 5 Uhr aus Genua, sie glaube zu wissen, dah die Sowjetvertreter un­zugänglich blieben in der Frage des Ausgleiches der russischen Kriegsschulden b.i den Alliiertem und der von ihnen verlangten Ent­schädigungen der russischen Staatsangehörigen für

Annaqmc von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf., auswärts 150 Pf.: für Reklame- Anzeigen vyn 70 mm «Breite 450«Pf. Bei Platz- Vorschrift20' ^Aufschlag. Hauptschriftlciter: Aug. (Loch. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: jiarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen

Eine Ofterbotschaft De Valeras.

L o wd-on, 16. April. Wie Reuter aus Dublin meldet, veröffentlichte De lialcra eine Osterbotschaftan die hrgm Männer and Frauirn von Irland", in der er sagt:Das Ziel ist ssrrdlich in Sicht. Irland gehört Euch, wenn ihn es nehmt. Aehmt esl"

Eia Mordanschlag in Dublin.

Lowbon, 17. April. (WTB) Amtlich. Gestern wacht wurde in Dublin ein Mord- a n s ch l a g auf Michael Collins rxräbt Es wurden ftchs Schöffe abgegeben, die keine Opfer forderten. In Dublin herrscht Panik.

Abibau der Entente- Kommissionen.

Paris, 16. April. Wie Eurvpapreß aus Paris erfkchrt, hat der Ob erste Ra t der deutschen Angierung eine Mitteilung zugehen lassen, wonach der Abbau der kostspie­ligen unb drückenden Abrüstungs-- kommissLonen der Entente in Deutsch­land beabsichtigt ist. Die Aufgaben aller dieser Kommissiowen sollen einer kleinen Kon-- trollkommission überwiesen werden.

Äeirgcbliche Kontrolle.

Dergin, 15. April. (Wolff.) Wie der Germania" von unterrichteter Seite mitgc- teilt wird, ist die letztere größere Kontrolle der interalliierten Militärkommission in der Reichswehr, die sich hauptsächlich auf die Waffen und die Ausrüstung des Reichsheeres erstreckte, ebenso wie auch die vorangegange­nen Kontrollen völlig ergebnislos verlaufen.

Nr. 90

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poftscheätonto:

Frankfurt a. M. 11686.

QErneuter Polenterror in Oberschlesien.

Berlin, 15. April Der angekündigte cd)rin der Reich Srezierung anläß'.iH der beunruhigenden Roch richt en aus Oberschlesien ist jetzt erfolgt. Der deutsche '. Bcrtieter in Oppeln Hot der Interalliier­ten Kowmission eine Rote übergeben, in der darauf lj mgewiesen wird, dah bereits feit einiger Zeit ein regec Verkehr über die polnische Grenze nach Obrrfchlesien hinein sich bemerkbar mat, Muniitionstransporte beo achte: o : e seien urd zahlreiche Uniformen der Halle Truppen sich gezeigt hätten. In d:n Doriern seien wuch Fremde erschienen, die der Bevölle-

Genua.

Ein Stimmuugsbild von der Zronfcrenz. <

Genua, 15. April. (Svndcrbericht.) Es hat wohl immer ein reichliches Mast von Op­timismus dazu gehört, von der Konferenz schon eine ArtFriedensostern- zu erwarten, wie es in den verschiedenen Kundgebungen eine rhetorisch dankbare Rolle gespielt hat. Jedoch macht sich an dem heutigen Vorabend deS Osterfestes eine zuverficht lichereStirn- mung deutlich bemerkbar, die wesentlich auf die veränderte Taktik Frankreichs zurückzuführen ist. CS scheint, dah die hiesigen Vertreter Frankreichs doch sehr ernstliche Vor­stellungen in Paris in der Richtung erhoben haben, daß die französische Delegation sich auf dem besten Wege zu einer sehr bedenk­lichen Isolierung befinde. Diese Er­kenntnis hat zunächst zu einem offenkundigen Schwanken Frankreichs gegenüber Rußland geführt. Von einer fertigen Ver­einbarung ist wohl noch keine Rede, aber Frankreich hat ohne Frage den Willen erken­nen lassen, seinerseits politische Verhandlun­gen anzuknüpfen und sich nicht mehr mit der undankbaren Rolle des Großinquisitors der Orthodoxie von Cannes oder «auch der des Pvlizeibeamten zu begnügen, der darauf zu achten hat, daß nur ja kein Schritt vom Wege getan werde. Erfreulicherweise ist festzustellen, hast der Zwischenfall von Gleiwitz aufgehört hat, die politischen Verhandlungen zu be­ilasten und zu bedrohen. Das weitere gehört der Zukunft an. Es hat selbstverständlich kei­nen Sinn, arg phantastische Gerüchte festhal­ten zu wollen. Dabei läuft man immer Ge­fahr, von den Ereignissen der Stunde des­avouiert zu werden. Das gilt insbesondere von den Gerüchten über den angeblich guten Stand deutscher Anleiheverhandlungen. Wenn behauptet wird, dah Lloyd George seine voraussichtlich positive Entscheidung noch vor seiner Abreise nach Rom machen werde, so schwebt auch das zur Zeit noch ganz in der Lust. Immerhin ist es bemerkenswert, dah man heute wissen will, die hauptsächlich­sten Arbeiten der Konferenz würden bei aller­dings sehr intensiver Arbeit kaum länger als 10 Tage über die kurze Osterpause hinaus­dauern, und es würde sich dann fragen, ob vielleicht nicht die eine oder andere Kommis­sion noch weiter arbeiten werde, wozu sich ja irgendwo an der Riviera gewih ein Plätzchen finden würde. Aber es muh wiederholt wer­den, dah es sich bei alledem nur um unbestä­tigte Mitteilungen handelt, die eben nur als Stimmungsshmptome von Interesse sein mögen.

Abschluß eines deutsch- russischen Vertrages.

Genua, 17. April. (WTD.) Die feit meh- reren Monaten schwebenden Derchandlu gen zwi­schen Deutschland und Rußland haben am Ostersonntag zum Abschluß geführt. Der Cha­rakter des unterzeichneten deutsch-russi­schen Vertrages läßt sich dahin kennzeichnen, daß die beiden Regierungen damit unter die Ver­gangenheit einen Strich machen und dah sie zu­gleich ein Fundament für den künftigen gemeinsamen Wiederaufbau legen. Der Vertrag beruht auf voller Gegensei igkeit.

Pressestimmen.

Die Gliederung der Konferenz. Bildung von sieben Kommissionen und sieben Unterkommissionen.

Genua, 15. April. (WTB.) Die nunmehr vollendete Organisation der Konferenz gibt folgen­des Bild: I. Kommission zur Prüfung der Ar­tikel 1, 2 und 3 des Programms von Cannes. In der Kommis ion sollen alle Dele­gationen vertreten sein, aber um ihre Arbeiten zu erleichtern, soll eine ^Interkom Mission eingrs ht werden. Entsprechend dem Charakter der von dieser pln.erkommi sion zu behandelnden Fra­gen sollen Deutschland und Rußland der Kom­mission angehören: ferner vier Vertreter, die von allen anderen Staaten gewählt toerben, neben den Vertretern der einladenden Mächte. Dieser Unterfommif ion sollen außerdem Vertreter der anderen Staaten angehören, wenn es sich um Fragen handelt, die diese Staaten besonders interessieren. Die Arbeiten in jeder Kommission toe den von einem von der Kommission gewähl­ten Vorsitzenden geleitet. II. Die Finanzkom­mission hat sich mit Artikel 4 des Pro- g amms. von Cannes zu beschäftigen, also mit dem Studium folgen'er Frag'n: a) Danknotenumlauf, b) Emissionsbanken, c) Oeffentliche Finanzen in ihrer Beziehung zu dem Werke des Wiederauf­baues, d) Wechselkurse, e) Organisation der öffent­lichen und privaten Kredite. III. Die Wirt- s cha f t s - und Handelskommissionhnt sich mit folgen en Fragen zu be ch istrnen (Artik.l 5 des Programms von Cannes): a) Erleichte unqen und Garantien für den Ein- und Ausfuhrhandel, b) gesetzliche und rechtliche Garantien für die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen, c) Schutz des industriellen, literarischen und künstlerischen Eigentums. d) Statut für das Äon» sulatswe en, e) Zulass mg von Ausländern, soweit es sich um ihre wirtschaftliche Tätigkeit bandelt, f) Technische Hilfe für das Werk des industriellen Wiederaufbaues, g) Zolltarife. IV. Die Kom­mission für das Verkehrswesen wird sich beschäftigen: a) mit dem Landverkehr, b) mit dem Seeverkehr. V. Die juristis ch e Kom­mission soll mit dem Studium der juristischen Fragen betraut werden, die durch die Arbeiten der Kommission aufgeworfen werden. VI. Die Redaktionskommission, die aus einigen Mitgliedern der juristischen Kommission besteht.

Die Vcrkehrssragen.

dürfen drei Sachverständige zur Seite haben, die auch etaat&ötgvJ)orige anderer Länder sein dür­fen. Der Präsident verteilte daraufhin einen Rc- solütionesntwurf. in dem die Ratifizierung der Konventionen von Barcelona und Porto Rose durch die SigiDatarmächle empfohlen und geraten ttnrb, dah alte anderen Staaten Maßnahme- treffen, um ähuÜche Erleichterungen herbeizufüh- ren wie die in. diesen Konventionen beschlossenen.

Lloyd Georges Abrüftnugsplau.

London. 16. April. Reuters Vertreter in Genua erfährt von unterrichteter Sei e, dah Lloyd George einen vollständigen e j - r opäischen Abrüstungsplan in der Tasche habe. Die britische Ansicht sei kurz bi., daß das in Wa shington abgeschlossene Viermächte Abkommen unter den Mächten des Stillen Ozeans zunächst Frieden und dann die Pläne für eine Einschränkung der Rüstungen geschaffen habe. Zur Zeit befinde sich die Konferenz im Anfangs- stadium der Verhandlungen und nicht im zweiten Stadium, unb gegenwärtig denke man noch nicht an eine milichäiische RüsiungSpause. Die Eng­länder feien auch nicht dafür, dah irgend ein Vertrag durch militärische Sanktionen gestüft wer­den solle. Tatsächlich gehörten Sanktionen gerade 'zu der ©attmig von Ideen, welche die Eng länder ausUvmerzen versuchen. Die gegenwär­tigen Verhandlungen fußten also aus dem Vor bilde des 'IBofbingtoncr Abkommens Was bic britische Delegation im Sinne habe, sei ein gegen t21ngnffe gcnxchlltes Abkommen-, seine Dauer hatten ihre Mitglieder nicht erwogen, aber wahr­scheinlich werL e eseinAbkommenaafzehn Jahre sei-., an dem alle in Genaa vertre­tenen Rationen teilnehmen.

Anti^anzösische Kundgebungen in Kleinasien.

London, 17. April. (WTB.) Der Bericht­erstatter dc-rMorning Post" in Kairo er­fährt, daß in Damaskus große antifran- zösische Kundgebungen ftattgefun'ccn haben. Dix An ührer wurden verhaftet. Die Be­wegung hr?itet sich auch auf Beirut aus. Die Franzosen gingen gegen die Ausrührer mit aifcc Strenge vor. Mehrere Personen sollen getötet oder verwundet sein. In Beirut wurde der Kriegszustand proklamiert.

schluß des Abkommens sehr ungünstig. Sie sind die von den alliierten Regierungen unterstützten der Auffassung daß Deutschland durch diese iso- negenrevolutionären älnternchmungen. ulnter die- lierte Aktion versuchen werde, auf die anderen I fen Umständen habe keine Einigung erzielt wer-

Genua. 14. April. (Wolff.) In Ausfüh- rung des in der Vormittagssitzung durch Den ge­schäftsführenden Ausschuß gefaßten Beschlusses trat heute nachmittag die vierte Kommission zu­sammen, um die Mitglieder der beiden .Unter- kommissionen für den Eisenbahnverkehr unb den Verkehr auf den Wasserstraßen zu bestimmen denen nach Beschlust der Kommis­sion vom 12. April außer den einladenden Mäch­ten sowie Deutschland unb Rußland noch je fünf Vertreter der übrigen Mächte angeboren sollten. Folgende Länder wurden durch Wahl in die beiden Ausschüsse berufen: älnterkommisfion für den Cisenbafnverkech-: Oesterreich, Polen, die Tschecho-Slo?a'ei, Estland, S:rbr-Kroatien. il - terlommis'ion für den Verkehr <p-,f den Wasser- straßcn: Rumänien. Holland, Griechenland. Lett­land Rorwe.ien. Die älnterkommission für den Eisenbavnrerkehr wird am 15. April vormittags 10* \ iihr -u einer Sitzung -us'mmentreten.

Genua 15. April. (Wolfs.) Dio Eilen- bahnunterkomMission der Verkehr e- k o m n i s s i o n beschäftigte sich in ihrer enten Sitzung von heute vormittag unter dem Vorsitz von Jabot zunächst mit den Fragen des Ver­fahrens und beschloß, daß die einladenden,^,^.,. - -

Mächte je zwei Delegierte und die anderen je fahren zu ergreifen, die dem Vajibe letzt wie- einen Delegierten haben sollen. Alle Delegierte l herum von polnischer Sette drohten.

gutes.

Art. 2. Deutschland verzichtet auf die An- prüche. die sich aus der bisherigen Anwendung der Gesetz; und Mastnahmen der Sowjetrepublik auf deutsche Reichsangehörige oder ihre Privatrechte, sowie auf die Rech'e des Deutschen Rei I-es gegenüber Ru land, sowie auf von der Sowjetrepublik oder ihren Organen gegen deutsche Reichsangeh rige oder ihre P ivat- rcdjte getroffenen Maßnahmen ergeben, vo aus- ges tzt, daß i ie Regierung der Sowje'republik auch ähnliche Ansprüche gegenüber drillen Staaten nicht befriedigt.

Art. 3. Die diplomatischen und kon­sularischen Beziehungen d:s Deutschen Reiches unb der Sowjetrepublik werden sogleich wi der au genommen. Die Zulassung der beider- citigen Konsuln wird durch besondere Abkommen geregelt werden.

Art. 4. Die beiden Regierungen sind ferner auch darüber einig, daß für die allgemeine Rechtsstellung der Angehörigen des einen Teiles wie auch des anderen Teiles und für die allgemeine Regebang der beiderseitigen Handels- unb Wirtschaftsbeziehungen der Grundsatz der Meistbegünstigung gelten soll. Der Grundsatz der Meistbegünstigung erstreckt sich nicht auf die Vorrechte unb Erleichterungen, die die russische Sowjetrepublik einer anderen Sowjet­republik oder einem solchen Staat gewährt, der frü er Bestandteil des ehemaligen russischen Rei- ches war.

Art. 5. Die beiden Regierungen werden den wirtschaftlichen Dedürfnissender bei­den Länder nut wohlwollendem Geiste wechsel­seitig entgegeniommen. Bei einer grundfäylichen Regelung dieser Frage auf internationa­le r B a s i s werden sie vorher in einen Gedanken­austausch eintreten. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, die. ihr neuerdings mitgeteihen von Privatfirmen beabsichtigten Vereinbarungen nach Möglichkeit zu unterstützen und ihre Durchfüh­rung zu erleichtern.

Art. 6. Die Artikel 1b bis 4 dieses Vertrages treten mit der Ratifikation, die übrigen Bestim­mungen sofort in Kraft.

Ausgefertigt in doppelter ilntcrfdjrift in Ra­pallo am 16. April 1022.

gez. Rathenau. Tschitscherin.

Die Entente und Rußland.

Genua, 14. April. Die Vertagung der Sitzung der politischen Kommission, in welcher die russische Frage behandelt werden sollte, erfolgte auf englischen Wunsch, nicht auf russische Anträge, wie zuerst angegeben worden war. Heute vormittag und nad>mittag fanden bei Lloyd George unter Teilnahme von Barthou. Facta, Schanzer Theunis unverbindliche Aussprachen mit Tschitscherin, Litwinow und Krassin über die Erpertenwahl stall. Diese Aus- 1 sprachen sollen fortgesetzt tperben, um für die : Beratungen der politischen Kommission Klärung

Mächte einen Druck auszuüben hinsichtlich ihrer Haltung in der russischen Frage. Sie glauben, daß dieses Manöver die Alliierten in ihrer klug abwartenden Haltung bestärken werde.

Der Wortlaut des Abkommens.

G e n u a, 17. April. Das deutsch-russische Ab- kommen hat folgenden Wortlaut: Die deutsche Regierung, vertreten durch Retchsmincher Dr. Rathenau, unb die russische sozialistische Svde- rativrepublik, vertreten durch Volkskommissar Tschitscherin, sind über nachfolgende Bestim­mungen übereingefommen:

Art. 1. Die beiden Regierungen sind darüber einig daß bic Auseinandersetzungen zwischen bem Deutschen Reiche und der russischen Sowjetrepublik über Fragen aus der Zeit des Kriegszustandes zwischen Deutschland und Rußland auf folgender Grundlage geregelt werden:

a) Die deutsche Regierung unb die Sowiet- republik verzichten gegenseitig auf den E r - sah ihrer Kriegskosten sowie auf den Ersah der Kriegsschäden, d. h. derjenigen Schaden, die ihnen und ihren Angehörigen im Kriegsgebiet durch militärische Maßnahmen einschließlich aller im Feindlande vorgenommenen Requisitionen ent­standen sind. Desgleichen verzichten beide Teile auf den Ersah der zivilen Schäden, die den An­gehörigen eines Teiles durch die sogenannten Kriegsausnahmegesehe oder durch Gewaltmah» nahmen staatlicher Organe des anderen Teiles verursacht worden sind.

b) Die durch den Kriegszustand betroffenen öffentlich und privatrechtlichen Be­ziehungen einschließlich der Frage der Be­handlung der in die Gewalt des anderen Teiles geratenen Handelsschiffe werden narben Grundsätzen der Gegenseitigkeit ge­regelt werden.

c) Deutschland und Rußland verzichten gegenseitig auf Erstattung der beiderseitigen Auf­wendungen für Kriegsgefangene. Ebenfalls verzichtet die deutsche Regierung auf Erstattung der von ihr für die in Deutschland internierten Angehörigen der Roten Armee gemachten Aufwendungen, die Russen ihrerseits auf die Erstattung des Erlöses aus von Deutsch­land vorgenommenen Verkäufen des von seinen In eruierten nach Deutschland gebrachten Heeres-

den können. Um 3 30 Uhr seien die alliierten Delegierten bei Lloyd George zusammengekommen, um die angesichts der unversöhnlichen Haltung der russischen Delegierten zu beobachtende Hal­tung zu beraten.

Enttäuschung in Paris.

Paris, 16. April. (Wolff.) Der e m p s" schreibt: ^Gestehen wir's doch ein: die erste Woche der Genua-Konferenz endigt mit einem Vorteil der Bolschewisten. In weniger als einer Woche erzielten sie gegenüber der Entente, die von Lloyd George selbst befehligt wird, drei große Ergebnisse. Zuerst sind sie auf der Konferenz auf den Fuß der Gleichheit zugelassen. was prak­tisch der offiziellen Anerkennung gleichkommt. Sie ihrerseits gaben aber keine ihrer Stellungen auf; sie unterzeichneten feine Verpflichtung, weder poli­tisch noch finanziell. Endlich aber ist der entschei­dende Erfolg, daß das Schicksal der Kon­ferenz in die Hände der Regierung von Moskau gegeben wurde. Dieses letzte Ergebnis stammt von gestern abend." Das Journal des Debats" führt aus:Der Kuhhandel von gestern erniedrigt Europa vor den Sowjets."

Die Beurteilung der Lage in Moskau.

Riga, 15. April. Aus Moskau wird be­richtet, Rußland führe heftige Beschwerde über die Zurückhaltung der aus Genua kom­menden und für Moskau bestimmten Tele­gramme Tatsächlich ist die Rede Tschit­scherins in Moskau erst mit einer Verspätung von zwei Tagen unb dann nych wesentlich ver­kürzt unb verstümmelt angekommen. Diese Tatsache wird von der Sowjetpresse zu heftigen Ausfüllen gegen das Bürgertum ver­wendet. Die Sowjetleute fahren fort, die größte Zurückhaltung in der Beurteilung der Konferenz zu üben. Die Skepsis überwiegt in den russischen

Die diplomatischen Dcziehangen werden wieder oufgenommen. All" Ei-satzansprüche aus der Zeit des Kriegszustandes zwischen Deutschland und dem früheren Rußlaird gelten als erledigt. Das Gleiche gilt für Eisahansprüche ivegen der bisherigen Sozialisierunasmaßnahmen der Sow-- ietregierung, vorausgesetzt, daß Rußland auch dritten Staaten einen Schadenersatz für die So­zialisierung oder eine Rückgängigmachung der­selben nicht zugesteht. Andcrerfeits soll auch für die Zukunft der Grundsatz der Meistbegünstigung unb des gegenseitigen wirtschaftlichen Entgegen­kommens maßgebend fein. In das Verhältnis der beiden Staaten zu dritten Staaten greift die­ser Vertrag in keiner Weise ein. Die Vorteile, die von der friedlichen deutsch-russischen Ver­ständigung erhofft werden dürfen, werden auch Europa zugute kommen. Wenn die Herbeifüh­rung deS deutsch-russischen Ausgleiches gerade währeiid der Konferenz von Genua schon Tatsache geworden ist, so bedeutet das also nicht einen Verzicht auf die von der Konferenz verfolgten allgemeinen europäischen Ziele. Die beiden vc.- tragschlies;enden Regierungen sind vielmehr über­zeugt. daß sie zu ihrem Teil durch die getroffene Verständigung zur Erreichung des Hauptzieles der Konferenz, nämlich der endgültigen Herstel­lung des europäischen Friedens, nicht unwesent­lich beigetragen haben.

GicheimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Druck und Verlag: vrühl'sche Umv.-Vuch- und Steinbruderei R. fange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulfttllße 7.

rung cürs der Aufstandszeit als Insurgenten­führer k ekannt seien. Ansälfige Deutsche würden bei De>7sammlungen bedroht, die polnische Be- völkenut.g gegen die deutsche abgehetzt (3 a> toe r e Ausschreitungen gegen die Deutschen Ober­schlesiens seien bereits an vielen Orten als fol­gen dieser Hetze zu verzeichnen gewesen. In den Städten träfen täglich deutsche Flüchtlinge ein. Zum (Schluß wird die Interalliierte 5tommifnon ! ersucht, energische Maßnahmen gegen fcte Gc- I fahren l herum