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Montag, J6. Moder 1922

172. Jahrgang

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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ar. 245

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auf wettere zwei Jahre zu verlän- «illiierten Regierungen würden er- zu verpflichten, vor Erlöschen der die ® cfamtf rage der beut»

jedoch das Wendigkeit gern. Die sucht, sich

Degelung ---

s chen Zahlungsverpflichtungen auf Grund des Friedensvertrages einer Prüfung zu u n t e r z iehen , um sie dauernd der deutschen Zahlungsfähigkeit an» zupassen und ihre Liquidierung mit Hilfe einer Reihe von ausländischen Zahlungsmitteln

Die Regelung wird zunächst für zwei Jahre wirksam sein. Die Reparationskommission hat Recht, sie nach Maßgabe der Rot-

in die Wege zu leiten.

Der Plan Dradburhs faßt die endgültige Regelung der Frage der interalliierten Schulden zugleich mit der Regelung der deut­schen Verpflichtungen ins Auge und empfiehlt den alliierten Regierungen, die Möglichkeit sofor- tiger Arrangements zu prüfen, um die Schwierig­keiten zu lösen, die sich zwischen^ heute und der allgemeinen Regelung ergeben könnten. Der be­herrschende Gedanke dieses Planes ist, die Ein­stellung der durch den Friedensvertrag vorge­sehenen Zahlungen zu vermeiden, wodurch den Budgets den alliiert een Ländern ernste Unge- fegcnfyriten bereitet würden. Zu gleicher Zeit -soll, auch Deutschland Erleichterun­gen erhalten, die ihm gestatten würden, Durch Kredit seine eigene Währung und sein Budget wieder aufzurichten, jedoch sollen die Tleberschüsse der Garantien nur zu einer vor­übergehenden Regelung dienen, die Deutschland die nötige Zeit läßt, um sein Steuersystem dem gesunkenen Geldwert anzupassen und seinen Kredit Dieder herzustellen. Der Plan hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Deutschland bewilligten Erleichterungen so bedeutend sind, um den Aus­gleich des Budgets zu ermöglichen, und Deutsch­land sie wirklich den Zwecken dienstbar macht,

Bradbury's Vorschlag in der Reparattonskornmisfion.

Paris, 14. Oft. (Wolfs.) Die Repa- rationSkommifsion veröffentlicht einen De- ttcht über den von Sir John Dradbury unterbreiteten Vorschlag zum Ausgleich des beui- Ichen Budgets und zur Stabilisierung der beut- scheu Mark. Der Plan enthält folgende Vor­schläge: 1. Das beutfche Budget ist nahezu völlig von den äußeren Verpflichtungen aus dem Frie­densvertrag )u entlasten, eventuell bis zu der Dauer von tuet Jahren, um so Deutschland die Möglichkeit zu geben, Kredite zu erhalten. 2. Den Markkurs zu stabilisieren durch eine Vereinba­rung, durch die die Reichsbank ermächtigt wird, Gold gegen Papiermark zu einem von einer gemischten Kommission sestzuseyenden Preis zu verkaufen. 3. Die Reparationskommission zu re­organisieren und ihren Sih nach Berlin zu ver­legen.

Pari«, 14. Oft. 3n der Deg r ün du n g des Dvadburyschen Vorschlages heisst es: Der ?[an einer Stabilisierung der Mark urch den Verkauf von Gold zu einem festgesetzten Preis ist mir möglich, wenn die Reichsbank der Verpflichtung enthoben wird, neue Kredite zu schaffen durch die Zwangsdiskontierang von Schahbonvs, die lediglich zur Deckung der Regierungsausgaben dienen. Wenn auf diese Weise ein neues Anwachsen der schwebenden Schuld verhindert werden kann, dürfte die Stabili­sierung der Ollarf auf einen viel höheren Kurs als den gegenwärtigen, kaum ernsthaften Schwierigkeiten begegnen. Sie wäre auch ohne Gefahr für die Goldreserve der Reichs­bank durchzusühren, um so mehr, als der gegen­wärtige Rotenumlauf viel geringer ist, als der Bedarf des Landes. Dagegen hat der völlige Zusammenbruch der Mark die sofortige Her­stellung des Dudget-Gleichgewichts, die vor sechs Monaten noch möglich erschien, völlig undurch­führbar gemacht, toemi man nicht wenigstens vor­übergehend das deutsche Budget von den aus dem Fr edensvertrag herrührenden Verpflichluu gen entlastet. Ohne Ausgleich des Budgets läßt sich eine weitere Vermehrung der schwebenden Schuld nicht verhindern. Die einfache Aushebung der Zahlungen in ausländischen Devisen würde heute nicht ausreichen, um die notwendige Er­leichtern irg zu schassen, denn die rasche Steige­rung der innerdeutschen Preise erhöht jeden Tag die in Papiermark ausgedrückte Last, die im Budget die Sachlieferungen darstellen. Rach der Ansicht Bvadburhs steht man daher vor der Dahl, entweder die Barzahlung völlig und die Sachlieserunger. fast völlig für einen beträcht­lichen Zeitraum aufzuheben oder aber eine Rege­lung zu treffen, die der deutschen Regierung Einnahmen zur Deckung ihrer Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag verschafft, ohne die schwebende Schuld zu vermehren. Dradbury schlägt vor: Die Gläubigermächte erklären sich bereit, die deutschen Schatzbonds in Höhe des jeder betreffenden Macht zustehenden Betrages zu garantieren. Die Mächte mit Anspruch auf Bar­zahlungen nehmen an deren Stelle die auf fünf Fahre ausgestellten Bonds und handeln sie unter eigener Garantie. Diejenigen Mächte, die Sach- fetffungen beziehen, geben ihre Garantie für beulsche Bonds in Höhe des Wertes der Licfe- -nmgcn. Die deutsche Regierung hat selbst das Recht, diese Bonds zu handeln. Die BondZ wären in Gold ober in ber Währung bes garantierenden Staates zahlbar. Die Kommission würde sich das Recht Vorbehalten, zu verlangen, daß die Kosten der Sachlieferungen zum Teil vom deutschen Budget erhoben würden. In diesem Falle hatten die Mächte, die Sachlieferun­gen erhalten, die Bonds nur in prozentualer Hohe des nicht vom Budget erhobenen Gesamt- betvages zu garantieren.

für die sie bestimmt sind. Bradburh glaubt, I das) dies nur erzielt werden kann, toerm die Kontrolle über das Abkommen einem Organismus | übertragen wird, ber nicht nur in finanzieller Hinsicht Deutschland unb seinen Gläubigern Ver­trauen etnflösst, sondern ber auch in engster Fühlung mit ber deutschen Regierung zu arbeiten imflanbe Ist. Brabbury glaubt deshalb, dah die Reorganisation der Reparationskommission unb ihre Ucberfiebelung nach Berlin ein inte­graler Deslanbteil des Planes bildet.

Eine französische Auslegung.

Paris, 15. Oft. (WTD.) Der Politiker des Echo de Paris" stellt heute die Frage, warum Bradburh, ohne abzuwarten, bis die Debatte über die deutschen Zahlungen eingeleitet wurde, und ohne abzuwarten, bis das hauptsächlich inter­essierte Frankreich seine Meinung ausgesprochen habe, in dieser Angelegenheit allen zuvvrgekvm- men sei. Warum habe er sich nicht wenigstens bis zur Brüsseler Konferenz geduldet? Die Antwort laute: Man sei englischerseits der ewi­gen Kontroversen müde und glaube nicht mehr an die Einigkeit ber Alliierten. Man sei jetzt bavon überzeugt, bah man Frankreich nicht mehr hindern könne, die im August von Poincare begründete Politik ins Werk zu sehen. Daher der Gedanke, eine These aufzustellen, die ber vom Kabinett bereits getroffenen Entscheidung ent­spricht, sich an eine Fassade z u halten und im übrigen den Ereignissen freien Lauf zu lassen, ilcbrigen« hätte man in London in den nächsten Wochen wohl anderes zu tun, als sich mit den Reparationen zu beschäf­tigen Der Plan Bradburys bedeute zweifellos ein Desinteressement. Das sei jedenfalls die günstigste Erklärung. Der Politiker sagte ferner, die französische Regierung werde einen Plan für die wirtschaftliche Wiederherstellung Deutschlands aufstellen, der den Alliierten eine sehr weitgehende Berechtigung lasse, in die Ge­schäfte einzugreifen. Ferner würde man die deut­schen Schulden in dem Mähe herabsehen, in dem die Alliierten und Amerika ihrerseits auf Forde­rungen an Frankreich verzichteten, und die Ent- richtting von Pfändern verlangen für die Geldzahlungen von morgen und die Sachlieferun­gen von heute. Jedenfalls werde man zur action isotee schreiten.

Die Rede Lloyd Georges.

London, 14. Oft. (WTB.) Lloyd Ge­orge wurde auf feiner Fahrt zum Reformklub in Manchester, wo er feine mit ungeheurer Spannung erwartete Rede hielt, von einer grohen Menschenmenge ein stürmischer Empfang bereitet. Der Premierminister erklärte, das englische Volk glaube nicht, dah die englische Regierung vor­sätzlich versucht hätte, England in den Krieg zu stürzen. Er betrachte im Gegenteil diese infame Beschuldigung als ein Verbrechen am britischen Fair Play. Die Regierung habe nicht Krieg, sondern Frieden gestiftet, während sie mit der äuHerst schwierigen Ausgabe beschäftigt getoefen sei, sei sie mit Verdrehungen und Schmähungen überhäuft worden, wie keine Regierung bei der Führung internationaler Angelegenheiten es je über sich hätte ergeben lassen müssen. Heute sei die Zeit gekommen, wo er sprechen könne unb auch sprechen werbe.

Unter grober Heiterkeit ber Zuhörer erklärte Llohb George, seltsame Leute seien heutzutage in ber Presse losgelassen. Die Regierung habe breterlet bezweckt: 1. die Freiheit ber Meerengen für den Handel aller Rationen zu sichern, 2. zu verhindern, dah der Krieg nach Europa über­greife, 3. zu verhindern, dah in Konstantinopel und Thrazien sich das Schauspiel unbegreiflichen Schreckens wiederhole, wie es Kleinasien während der letzten sieben Jahre geboten habe.

Die Bedeutung der Meerengen hervorhebend, führte Lloyd George aus, sie seien die einzige Zugangsstrahe zum Schwarzen Meere, wo in ber Kriegszeit ein Ueberfluft an Rohstoffen und Lebensmitteln vorhanden gewesen sei. Ein Drittel des Handels dieses Tells ber Welt sei stets von britischen Schiffen burchgeführt worden. Die Meer­engen seien lebenswichtig für England und Die Menschheit. Die britische Regierung könnte sie nicht sperren lassen, ohne damit den gröhten und wichtigsten Preis aus den Händen zu.geben, den England mit seinem Siege über die Türkei im Weltkriege davongetragen habe Was würde ge­schehen, wenn die Türken, die jetzt siegestrunken seien, ohne bewaffneten Widerstand zu fin­den, den Bosporus überschritten und nach Kon- stantinvpel sowie Thrazien gegangen wären. Hätten sie in Ostthrazien Haltgemacht? Wären sie nur bis zur Mariha vorgerückt? Wer hätte sie aufhalten unb verhindern sollen, sich in West­thrazien und möglicherweise in Saloniki festzu­setzen? Das hätte Krieg bedeutet. Der Weltkrieg habe sozusagen auf dem Balkan be­gonnen. (Seit 1914 hätten die Türken N/z Millio­nen Armenier und 600000 Griechen niedergemacht.

Rachdem Lloyd George in feiner sarfostischen Art sich mit den gegen ihn von den Liberalen gerichteten Angriffen auseinandergeseht hatte, hob er hervor, dah sowohl die Marine- als auch die militärischen Ratgeber der Regierung erklärt hät­ten, dah die Freiheit der Meerengen für den frleblicben Handel nicht gesichert werden könnte, wenn nicht beide Ufer gehalten werden. Wäre England bescheiden hinter Frankreich hergegangen, dann hätten die Kemalisten Tschanak beseht und bald die Meerengen überschritten. Man wisse, was ein Versuch, die Türken wieder heraus zu be­kommen, bereits einmal gekostet habe. Erst vor einigen Wochen erhielten wir eine Mit­teilung von ber französischen Re­gierung, dah, wenn bie Griechen oder Tür-

benen verschiedene Rainen, sogar der Greys, ge narait wurden. Endlich tarn durch Ballin di

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Aus dem KapitelVethmann" ber (Erinnerungen Kaiser Wilhelms II Ereignisse und Gestatten".

Mit Erlaubnis des Verlages K. F. Koehler in Leipzig

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Dis zur Dekanntgabe des Unterhändlers ettenö Englands erging man sich in Vermutungen und Dali in berichtete über Kombinationen, bei

*)fern Festesten vorn Kaiser zu bekommen und bei den Festlichkeiten und Feuerwerken auf feine Rechnung zu kommen".

Rachricht, dah Haldane ausgerechnet der Kriegsminister, früher Advokat mit der Ver­handlung betraut worden sei und demnächst ein­treffen werde. Allgemeines Erstaunen! Man denke ich mutatis mutandis, dah Deutschland an Stelle von Admiral v. Tirpitz den Kriegsminister (v. Heeringen damals) zur Besprechung einer Flottenfrage nach London geschickt hätte! Bei der Besprechung dieses Punktes mit Vethmann und Tirpitz wurden verschiedene Mutmahungen laut. Der Kanzler meinte, Haldane fei in England als Goetheforscher unb Kenner ber deutschen Philo° ophie, auch als des Deutschen mächtig bekannt, es sei also wohl eine Höflichkeit gegen uns, die ich in seiner Wahl kund tue. Tirpitz bemerkte, dah Haldane ja früher einige Zeit in Berlin gewesen sei und bei General v. Einem im Kriegs­ministerium gearbeitet, also die hiesigen Ver­hältnisse kennen gelernt habe. Ich wies daraus hin, dah das alles wohl in Betracht .komme, dah aber durch Haldanes Wahl, da er die Ma­rine doch nur oberflächlich kennen könne, die An­gelegenheit zu einer für England rein politischen gestempelt sei. Sehr wahrscheinlich richte sich das Ganze gegen die Marinepolitik Deutschlands über­haupt und gegen bie Rovelle im besonderen Man werde deshalb gut tun, diesen Punkt nicht aus den Qhigen zu lassen, Damit sich^ nicht unversehens ein fremder Eingriff in unser Selbst­bestimmungsrecht hinsichtlich der Stärke unserer Wehrkraft aus ber ganzen Affäre heraus­kristallisiere.

Hälbane kam an. Er wurde als Kaiserlicher Gast ausgenommen. Ballin, ber ihn begleitete, löste nun auch bas Rätsel von Haldanes Wahl auf Grund von Rachrichten, die ihm aus England zugegangen waren. Als Cassel, nach London heim- gekehrt, ber Regierung über seinen Empfang be­richtet und bie Antwortnote übergeben hätte, wäre der Eindruck so günftig gewesen, dah dort an dem befriedigenden Verlaus und Abschluh des Abkommens nicht mehr gezweifelt wurde. Es habe sich nunmehr zwischen den Ministern, zumal zwischen Churchill und Grey, ein edler Wettstreit darüber entsponnen, wer nach Berlin solle, um seinen Rainen unter dieses grobe histo­rische Dokument zu sehen wenn es nämlich gelungen wäre, Deutschland zur bollständigen Preisgabe der weiteren Ausgestaltung seiner Flotte zu bestimmen Churchill habe gemeint, er sei der gegebene Wann, da er die Marine habe. Aber Grey und Asgutth gönnten dem Kollegen Den Ruhm nicht. Daher stand eine Zeitlang Grey im Vordergründe wieder ein Beweis, dah die Politck und nicht so lehr' die Zahl der Schiffe babef bie Hauptrolle spielen sollte. Rach einiger Zett aber beschloh man, dah es Greys ganzer Person und Stellung doch würdiger sei, erst zum Schluh der Verhandlungen zu erscheinen und seinen Romen unter das Abkommen zu setzen unb wie es in Dallins englischen Infor­mationen lautete:to get his dinner from the Emperor and to come in for his part of festi- vities and fireworks*), auf gut Deutsch: bie bengalische Beleuchtung" einzuheimsen. Da nun Churchill biese keinesfalls bekommen sollte, so muhte für die Verhandlungen eine Persönlich­keit gewählt werden, die Asquith und Grey nahe- sland und. deren volles Vertrauen besitzend, bereit war, die Verhandlungsarbett bis zum Beginn Der bengalischen Beleuchtung" auf sich zu nehmen, unb bie au Herdern in Berlin schon bekannt und in Deutschland nicht fremd war. Churchill war das freilich auch nicht, denn er war einige Male bei den Kaisermanövern in Schlesien und Würt­temberg als Kaiserlicher Gast zugegen gewesen. Ballin verbürgte sich für bie Zuverlässigkeit feiner Londoner Quelle.

Ohe bie Verhandlungen begannen, machte ich den Staatssekretär v. Tirpitz noch darauf auf­merksam, dah Haldane, obgleich augenblicklich Kriegsminister, sich wohl vorbereitet haben werde unb sicherlich von ber englischen Admiralität, in

ber ber Geist Fisher« walte, eingehend instruiett worden fei Fisher hatte in fein Handbuch füi englische Seeoffiziere neben anderen beherzigens werten Vorschriften einen Satz aufgenommen, bei für den Admiral, feine Behörde und ihren Geist charakteristisch ist und wörtlich lautet: Jf you teil a lie, stick to it*)." Auherdem, sagte ich zu Tirpitz, dürfe man nicht vergessen, welch fabel- Haftes Anpassungsvermögen die Angelsachsen be­sähen; es befähige sie zur Uebernabme von Posten, bie ihrem sonstigen Lebens- unb Bll bungsgange fern lägen. Auch sei in England das Interesse für die Marine allgemein fo intensiv, dah fast jeder Gebildete bis zu getoiffem Grade für Marinefragen sachverständig fei.

Bei den Verhandlungen zeigte sich Haldane vortrefflich informiert und als geschickter, zähei Debatter, wobei seine brillanten Advokateneigen schäften in die Erscheinung traten. Das Gespräch dauerte mehrere Stunden und führte zu einer generellen Klärung sowie zu einer vorläufigen Einigung über Verschiebung von Bauterminen usw Die Einzelheiten seines Verlaufs find im Reichs marincamt in den Akten niebetgelcgt. Tirpitz toai hervorragend.

Rachdem noch einige Besprechungen auch unter Teilnahme Dallins stattgefunden hatten reifte Haldane zurück. Ballin meldete mir, Hal Dane habe sich ihm gegenüber in jeder Hi Mich befriedigt über den Ausgang seiner Mission aus gesprochen und ber Meinung Ausbruck verliehen dah in etwa 814 Tagen das Konzept zu dem Abkommen an uns werde übersandt werden können

Die Zeit verstrich. Der Zeitpunft für Dai Einbringen ber Rovelle rückte näher Tirpm schlug vor, falls bas Abkommen vorher zum Ab schluh käme, die Rovelle entsprechend zu ändern andernfalls sie unverändert einzubringen. Endlich traf, zwar nicht der Entwurf zu einem Abkommen aber eine allerhand Fragen und Orientierung^ wünsche enthaltende Schrift ein, deren Deantwor tung viele Besprechungen und Erwägungen er­forderte. Allmählich befestigte sich in mir ber Ver­dacht, Dafj es den Engländern mit dem Ab kommen nicht ernst sei. Denn Rückfrage reihte sich an Rückfrage. Details wurden hervorgesucht, Die mit dem Abkommen direkt nichts zu tun hatten England nahm allmählich von feinen Angeboten und Zusagen mehr und mehr zurück, und ein Ent­wurf zum Abkommen kam nicht.

In Berlin setzte nun vom Auswärtigen Amt und von berufener und unberufener Seite ein Kesseltreiben gegen die Rovelle, gegen Tirpitz und gegen mich ein. Auch der Kanzler, der in der Hoffnung lebte, das Abkommen zustande zu brtn gen und seinen Ramen unter ein Instrument sehen zu können, das Deutschland aus derEin kreisung" befreien und mit England in ein ge­regeltes besseres Verhältnis bringen sollte, trat für das Fallenlassen der Rovelle ein. Das hätte aber nichts anderes bedeutet, als einer auswär­tigen Macht eine ungeheure Cinfluhnahme auf Fragen der deutschen Landesverteidigung einzu räumen und dadurch das Selbstbestimrnungsrechi der Ration und unsere Schlagfertigkett für Den Fall eines uns aufgezwungenen Krieges zu gt fährden Deutschland hätte sich damtt, ohne irgendeine Gegenleistung garantiert zu erhalten von seinem fcfcärfften Gegner vorschreiben lassen was dieser in seinem eigenen Interesse für gut befinden würde, uns noch eben zuzubilligen

Bei dieser unklaren Lage entstanden Mei­nungsverschiedenheiten und Deftige Kämpfe, die gerade von den Kreisen, die von der Marine de facto wenig verstanden, recht scharf und nicht immer ganz fachlich geführt worden find Ad­miral v. Tirpitz hat in diesem für ihn und mich so schweren Winter, mit klarem Blick die Lage und den Gegner durchschauend, als ein echter, vaterlandsliebender Offizier im Kampfe feinen Mann gestanden, von mir aus voller Ueber- zeugung nach besten Kräften gestützt. Alle 3n= s1an?en stimmten darin überein, dah kein fremdes Land darüber mitzubeftimmen haben dürfe, waS wir für unseren Schutz zu tun hätten ober nicht

Die Hoffnung auf bas Zustandekommen des Abkommens schrumpfte mehr unb mehr zusammen England zeigte immer weniger Interesse und bröckelte wichtige Bestandteile seiner ersten Ver­balnote ab So erkannten Admiral v. Tirpitz und ich, dah der ganze Vorschlag nur einManöver" gewesen war.

) Wenn Du lügst, bann bleib' auch fest dabei " "

len in bie neutrale Zone einbringen, diesen von den Alliierten mit betoaffn^er Gewalt ent­gegengetreten werden müsse. Wir haben dem zugestimmt, wir glaubten, sie meinte es ehrlich. Wie formten wir denken, dah das nur für eine Partei gelten sollte, auch bie Gene­räle glaubten daran. Von den verschiedenen alli­ierten Generälen wurden Truppen entsandt, bie bann wieder zurückberufen werden muffen.

Unter Beifall erklärte Lloyd Gerge weiter, es fei jetzt nicht nur ein unblutiger Friede ge­sichert, sondern ein Friede, dessen Großbritan­nien sich keineswegs zu schämen brauche Er Hove feine jetzige Stellung nicht gesucht. Volle Drei Jahre fei er bestrebt gewesen, zurückzutreten, er habe Denar Law gebeten, die Regierung an­

zunehmen, dieser habe abgelehnt. Zu Deginn die­ses Zahres habe er Chamberlain vorgeschla­gen, dah er als Führer ber Mehrheitspar'ei das Amt übernehme unb habe ihm jede Unter­stützung zugesagt, falls bie Regierungspolttik Pa- zisistisch sei. keine reaktionäre Gesetzgebung erhalte und der irische Vertrag burchgeführt werde. Sein Kollege habe geäußert, er würde sicherlich die Trennung von Männern bedauern, Die ihn mit so ernsthafter Treue unterstützt hätten, er würde jedoch die Freiheit begrüben. Rein menschlich sei es befriedigend, einsam vorzuschauen und zu sehen, wie andere kämpfen. Die Welt habe ft4> von den liefen Kriegswunden noch nicht erholt. Die Erholung werde nur langsam vonslatten geben. Viel Rückschläge würden eintreten. Sie