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Erstes Blatt
172. Zahrgang
Donnerstag, 16. Zedruar 1922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Das Vertrauensvotum für Reichskanzler Dr. Wirth angenommen.
Wit etner kleinen Mehrheit wurde gestern im Reichstag Herrn Dr. Wirth das Vertrauen bestätigt, das er gefordert hatte. 220 Stimmen gehörten ihm, 185 lehnten ihn ab. 16 enthielten sich der Stimme. Sin höchst unklares Bild, aus dem auch kein rechtes Vertrauen herausstrahlt. Für den DertrauenS- antrag stimmten im wesentlichen die Regierungsparteien. Die Opposition der Rechtsparteien blieb fest; sie stimmten geschlossen gegen den Kanzler. Auch die Kommunisten waren entschlossen, den Reichskanzler zu stürzen. Die Bayerische Volkspartei übte Stimmenthaltung. Die Unabhängigen hatten nicht den Mut, den Sturz des Kabinetts herbelzuführen; ihre Mehrheit stimmte zwar gegen Dr. Wirth, aber dadurch, dah etwa 20 Herren den Fraktionsbeschluh nicht aus- fühtten und an dez: Abstimmung nicht teilnahmen sowie durch die Sttmmenthaltung der Bayerischen Dolkspartei wurde der Kanzler gerettet. Der Reichstag zahlt 469 Abgeordnete; 220 waren nur zur Stelle, um Dr. Wirth das Verttauen zu bewilligen. So ist es klar, d^h der Reichskanzler mit dem Ergebnis auf die Dauer sich nicht wird zufrieden geben können. Es heißt denn auch, er wolle so bald wie möglich selber die Frage der groben Koalition aufrvllen.
Das Abstimmungsergebnis im Reichstag.
Verl in, 15. Februar. (WTB.) Für das Vertrauensvotum im Reichstag stimmten 107 Sozialdemokraten, 38 Demo- k raten, 68 Abgeordnete des Zentrums — einschließlich der vier Welfen, welche dem Zentrum als Hospitanten angehören, 3 Abgeordnete der Bayerischen Dolkspartei. 3 des Bayerischen Bauernbundes und 1 Welse. Gegen das Votum stimmten 34 Abgeordnete der Unabhängigen Sozialdemokratie. 68 Deutschnationale, 61 Wgeorünete der Deutschen Dolksparlei und 22 Kommunisten. Don der Bayerischen Dvlks- partei ftünmten 2 Abgeordnete und der Hospitant Deermann für das Vertrauensvotum. Vom Zentrum fehlten 3 Abgeordnete wegen Krankheit und der Abgeordnete Pfeiffer wegen seiner Anwesenheit in Wien, von der Deutschen Volks- Partei fehlten wegen Krankheit 5, von den Deutschnationalen 2, von den Demoklaiei 2 und von den Sozialdemokraten 1 Abgeordneter. Von den Unabhängigen Sozialdemo?, aten nahmen 14 Abgeordnete an der Abstimmung nicht teil und 12 unabhängige Abgeordnete fehlten überhaupt. Die 16 Stimmenthaltungen entfallen auf die Bayerische Volks- Partei.
Eine Erklärung der Deutschen Volkspartci.
Berlin, 15. Febr. (Wolff.) Die Fraktion der Deutschen Doll spart ei veröffentlicht eine Erklärung, in der es heiht: Auf Veranlassung des Abgeordneten Spahn wurden die Vertreter der Deutschen Volks- Partei gestern zu einer Sitzung in der Reichskanzlei eingc laben, woran der Reichs- x n£j c r ^wie je zwei Vertreter des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten teil- nahmen. Bei der Zusammenkunft wurde die tnnerpvlltische Lage beraten und von dem Zentrum und den Demokraten auf die ^^w^o^gkeit Schaffung einer ertoeiter- 1 c n *91 erungsbafiä durch den Zutritt der Deutschen Dolkspartei hingewiesen. Die Der- treter der Deutschen Dollspartei erklärten, dah eine Zuruanahme des Persönlich aus den Reichskanzler abgesteNten Mihtraucnsantrages auch dann nicht in Frage käme, wenn man dem Vertrauensvotum eine noch weiter abschwächende Begründung gebe. Ihrer Auffalfung nach könne nur dann die Frage des Mißtrauensvotums erörtert werden, wenn sich vor der Abstimmung eine neue Regierung gebildet habe. Dann würde eine neue Lage geschaffen fein, wozu dann die Fraktion der Deutschen Dolkspartei erneut Stellung zu nehmen habe. Die Vertreter der Sozialdemokratie ierflärtert sich bereit, die angeregte Frage In ihrer Fraktion zu erörtern. .Rachdem inzwischen der Beschluß der Sozialdemokratie ergangen war, der feststellte, dah die in der Zusammenkunft angeregte veränderte parlamentarische Situation nicht m^hr in Frage komme, erklärten die Vertreter der Deutschen Dolkspartei in der heutigen Zusammen- kwrft, dah sie sich von weiteren Verhandlungen keinen Erfolg versprechen könnten und daher an den weiteren Beratungen nicht teilnehmen würden.
„Im Namen des Pöbels".
Vor einiger Zeit hat eine in ,Potsdam zugestellte Arteilsausfertigung, die statt der Ueberschrist Im Namen de§ Volkes die Lieber- schrift Im Namen des Pöbels trug, den heißen Zorn der sozialdemokratischen Presse erregt. Der Zorn wäre begreiflich gewesen, wenn einer der beteiligten Beamten sich wissentlich einer solchen offenen Verhöhnung des heutigen Staates schuldig gemacht hätte. Nun hat sich aber herausgestellt, dah weder der Richter, der die Urschrift des Urteils über- schrieben, noch der Kanzlcibeamte, der es ausgefertigt hat, sich den pöbelhaften Witz erlaubt
hat, sondern daß ein unbekannter Missetäter den Kopf des Urteils geschrieben hat, als der ausfertigende Beamte kurze Zeit die Schreibmaschine, auf welcher der Bogen aufgespannt war, verlassen hatte. Die „Rheinische Zeitung" fügt chrem Bericht zu: „Wegen der Fahrlässigkeit, die darin liegt, daß der Kanzleibeamte die Urteilsausfertigung nicht durchgelesen und dadurch die falsche Ueber- schrift nicht bemerkt hat, ist das Erforderliche veranlaßt worden." ES ist nun, so schreibt dazu die „Köln. Ztg.", eine sehr verzeihliche Sünde, wenn ein Kanzleibeamter bei der Durchsicht einer Urteilsausfertigung den sachlich unwichtigen, sich gleichbleibenden Formalien keine Beachtung schenkt. Aber die Sozialdemokratie ist, wenn es sich um die Majestät des Volkes handelt, empfindlicher als die Prinzessin auf der Erbse. Wenn in früherer Zeit ein Beamter gemaßregelt worden wäre, weil chm versehentlich in der UrteilSauSfertt- gung eine ähnliche Beleidigung des Königs durchgeschlüpft wäre, so hätten die Sozialisten jedenfalls die kleinliche Rachsucht und Splitterrichterei, die elende Byzantinerei des amtlichen Bonzentums auf alle Weise lächerlich gemacht. Heute hat sich das Blättlein gewandt. Beleidigt man die Republik und ihre Spitzen, so weih die Sozialdemvkratte nichts mehr von der einst begehrten Duldsamkeit, Nachsicht, Gedankenfreiheit usw.; sie schnaubt genau so ingrimmig nach Rache, wie es früher manche von ihr als mittelalterliche Folterknechte verschrienen Bekämpfe! der Sozialdemokratie getan haben. Und ebenso wenig macht sie, zur Macht gelangt, sich ein Gewissen daraus, die Ueberzeugung vieler anders als sie denkender Staatsbürger bei jeder Gelegenheit aufs gröbste zu kränken.
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Die Konferenz von Genna.
Paris, 15. Febr. (Havas.) Der französische interministerielle Ausschuß zur Vorprüfung der auf dem Programm der Konferenz von Genua stehenden technischen Fragen ist nachmittags unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Sey - dou f zusammengetreten. Es wurden drei Unterausschüsse gebildet, die mit der Prüfung der Finanzprobleme, der wirtschaftlichen Probleme und der Transportfraaen beauftragt wurden. Die aufRußland bezüc l cheu Fragen wurden, da sie einen besonderen Punkt bilden, getrennt verhandelt, und werden einem besonderen interministeriellen Ausschuß zur Bearbeitung übertragen. Alle Unterausschüsse werden getrennt arbeiten und dem interministeriellen General- a u s s ch u ß, der in acht Lagen eine neue Zusammenkunft abhalten soll, ihre Berichte vorlegen.
Ein französischer Antrag
zur Schttldfordcruttg an Deutschland.
Paris, 15. Febr. (Havas.) Der Abgeordnete Paul A u b r i o t hat eine i Re^ lat onsv r chiag eingebracht, in dem es heißt: Die Kammer fordert die Regierung auf, sowohl den alliierten Regierungen wie den Regierungen der übrigen Länder einen Finanzplan vorzulegen, der vvrschlägt: 1. Die Schuldforderungen der Alliierten an Deutschland, so wie he in ihren Verpflichtungen, ihren Garantien und ihrer Gesamtsumme durch den Vertrag von V e r s a i l l e s und durch die Entschließungen der Reparationskommission bestimmt uid festgelegt ist, an den Völkerbund zu übertragen, 2. durch den Völkerbund ein internationales Bankinstitut zu scha'fm, das beaif.ragt wird, ein durch die deutsche Schild garantiertes internationales Geld in Umlauf zu sehen and die Verteilung dieses Geldes an die Interessierten nach Maßgabe ihrer Rechte zu sichern, sowie die Amortisation desselben durch eine jährliche Abgabe auf die deutsche Ausfuhr zu betreiben.
Ein Vuch Eaillanx'.
Paris, 15. Februar. (WTB.) Joseph Caillaux veröffentlicht unter dem Titel: ,.Wohin geht Frankreich? Wohin geht Europa?" ein neues Buch, in dem er einen Vergleich zwischen der europäischen Wittschaftslage im Jahre 1914 und der im Jahre 1921 zieht. Gr kommt im weiteren Verlaufe seiner Studien zu der besonderen wirtschaftlichen und pvlittschen ßagc Frankreichs.
Benesch in London.
Paris, 16. Febr. (WTB) Havas meldet au$ £on&on: Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. 2 enesch ist gestern abend aus Paris in London eingetroffen, wo er einige Tage verbleiben wird. Deneschs Anwesenheitt in London hängt mit der Genueser Konferenz zusammen. Er habe sich bereits in Paris über oie Haltung, die die französische Regierung in Genua etnnehmen werde, erkundigt und der französischen Regierung auseinandergesetzt, welchen Erandpunkt die Tschectwslowakei und die anderen Staaten der kleinen Entente in Genua einnehmen werden. Ferner habe er über die Probleme des wirtschaftlichen umd ftnartßiellea Wieder au sbaacs gesprochen und der französischen Regierung über die Auffassung der tschechoslowakischen Regierung bezüglich Rußlands Aufklärung gegeben.
Das Verbot deutscher Filme in England aufgehoben.
Berlin, 16. Febr. Das „Berl. Tagebl." veröffentlicht eine Meldung aus London, wonach die Vereinigung der englischen Film- direktoren die sofortigeAufhebung des 1918 auf fünf Jahre erlassenen Verbots der Einfuhr deutscher Filme beschlossen habe.
Arrs Sowjct-Rnhland.
Paris, 15. Febr. (WTB.) Das „Journal des DebatS" veröffentlicht einen Privatbrief aus Petersburg, wonach dort am 4. Februar ernste Anruhen ausgebrvchen seien. Die roten Truppen seien entfernt worden. Aufklärungstruppen operierten um die Stadt. Die Magazine seien geplündert worden. Die Unordnung sei durch die Lebens- mittelteuerung hervorgerufen worden.
Moskau, 15. Fobr. (Wolff.) Das Präsidium des allrussischen DollzugskLmitees beauftragte den Volkskommissar für Iwlizwesen, für die nächste Sitzung einen Entwurf über die Abgabe der Kirchenschätze an das Hilfs- werk für die Hungernden vorzubereiien. In einer Hauptversammlung der Geistlichen von Nischni Nowgorod wurde bereits auf Anordn rng des Erzbischofs beschlossen, alle wertvollen Gegenstände der Kirchen und Klöster des Bistums dem Hilfswerk auszuhändigen. Der Vertreter des Patriarchen T i ch o n schlug eine Auswah i*ö:r Gegenstände vor, die ben Bedürfnissen des Gottesdienstes und dem religiösen Wert gewiiser Kunst- schähe Rechnung trägt. Die Hebergabe soll unter der Beteiligung von Vertretern der Gouveme- mentsmuseen erfolgen, damit keine Gegenstände geschichtlicher oder archäologischer Bedeutung verloren gehen.
Lloyd George über Indien.
London, 15. Febr. (Wolff.) Lloyd George hielt gestern im -Unterbaute eine Rede über die indische Frage. Er sagte, vieles in der Lage Indiens rechtfertige ernste Sorge. Für eine Panik sei jedoch bestimmt keine Ursache vorhanden. Die Regierung fei der Lage gewachsen, ohne deshalb die finanziellen Lasten vermehren müssen. Nichts würde von größerem Vorteil sein, fuhr Lloyd George fort, als wenn Frieden mit der türkischen Regierung geschlossen werden könne. Lord Curzon werde in den nächsten Tagen diese Frage von neuem aufrollen, am za sehen, ob es nicht mögliche sei, einen durchgreifenden Frieden zustande zu bringen. Es müsse jedoch ein gerechter Frieden fein. Nichts könne gewonnen werden durch ungerechtfertigte Zugeständnisse. Alle Teile der Welt seien infolge des Krieges ärmer geworden. I n der ganzen Welt müsse der Frieden zustande kommen. Aus diesem Grunde sei Indien eingeladen worden, einen Vertreter zur Unterstützung der britischen Delegation auf die kommende Konferenz zu entsenden, auf der die wirtschaftlichen Angelegenheiten Europas erörtert werden sollen. Bezüglich der schädlichen Propaganda in Indien und England, durch die der Gedanke im Auslande verbreitet werde, daß England beabsichtige, Indien aufzugeben, erklärte Lloyd George, er wünsche, im Namen der britischen Regierung deutlich zu sagen, dah unter keinen Mmftänben oder Bedingungen daran gedacht werde, die volle Souveränität des Königs oder Kaisers aufzugeben oder zu vermindern. Ohne die starke Hand Englands würde Indien dem Chaos verfallen.
Die Laqe in Irland.
London, 16. Febr. (WTB.) Michael Collins ist heute vormittag in London eingetroffen und hatte eine Unterredung mit Churchill. — AuS Dublin wird gemeldet, dah die Räumung Irlands durch die britischen Truppen wieder begonnen habe. Im Unterhause teilte Churchill mit, dah Collins die Frellassung von 15 gefangenen Ulsterleuten erreicht habe, und er hofft, dah weitere Freilassungen im Laufe des Tages erfolgen werden. Churchill fügte hinzu, dah Graig und Collins auf seinen Rat beschlossen haben, zwei besondere Ausschüsse zu ernennen, die sich an die Grenze von Ulster begeben sollen, um die Lage zu prüfen und, wenn möglich, die Bevölkerung zu beschwichtigen. Mit Rücksicht auf die durch das provisorische Regime in Irland hervorgerufenen Schwierigkeiten beabsichtigt die Regierung, bereits morgen die Gesetzentwürfe betreffend die Uebergabe der Gesetzesmacht an die provisorische irische Regierung dem Hause vorzulegen.
London, 15. Febr. (WTB.) In Belfast ist es heute erneut zu erbitterten Kämpfen gekommen. Eine grobe Anzahl Personen wurde verwundet. Sin Polizist wurde getötet
Die ägyptische Frage.
London, 15. Febr. (WTB.) Marschall Allenbh hatte heute eine Unterredung in der Downingstreet mit Lloyd George, Chamberlain und Lord Curzon Über die ägyptische Frage. Anschließend wurde eine Kabinettssitzung abgehalten.
Zu sarn m c n sch l u ü d e r d c utsch e n K ünst! er in der Tschechoslowakei.
Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Künstler in der Tschechoslowakei und der größte Teil der im Ausland schaffenden Tramhaften
Kunstbeflillenen hat sich im Metznerbund (Verein deutscher Kunstschaffender in der Tschechoslowakei) zu einem geschlossenen Verband vereinigt, um das deutsche Kunstleben in diesem Staate durch Zusammenfassung aller Kräfte zu behaupten und zu stärken. Vor dem Umsturz hatte das künstlerische Schassen der Sudetendeutschen größtenteils in den kulturellen Mittelpunkten des großen deutschen Sprachgebietes ^Wien, München, Berlin, Le p ,ig, D sseldors u a ), die durch ihr reges Kunstleben bessere Entwick- lungs- und Daseinsmöglichkeiten boten als die Heimat, einen Schwerpunkt. Durch die gewaltsamen politischen Veränderungen bei Kriegsschluh wurden die engen Beziehungen zu jenen Kunststätten zerstört und der geistige und künstlerische Verkehr durch politische und wirtschaftliche Schranken unterbunden. Die sudetendeutsche Künstlerschaft sieht sich infolge der geänderten Verhältnisse nunmehr auf das engere WirtungSfeld der Heimat gedrängt wo besonders in der Provinz mangels entsprechender Ausstellungsmöglichketten und angesichts des im Verhältnis zum Deutschen Reich bescheideneren künstlerischen Dildungsdurch- schniltes die notwendigen Voraussetzungen für die Entwicklung künstlerischen Lebens erst geschossen werden müssen. Der Metznerbund macht es sich zur Pflicht, die Teilnahme für das deutsche Kunstschaffen der Gegenwart in weiten Kreisen zu fördern und vor allem zwischen Kunstfreund und Kunstschaffenden durch Veranstaltung regelmäßiger jährlicher Ausstellungen lebendige Beziehungen anzubahnen. Er will nach Kräften auf eine Hebung des künstlerischen Bildungsdurchschnittes hinwirken und dabei sein Augenmerk besonders auf den Kunst- und Zeichenunterricht an den höheren Schulen richten, der, nach kunsterzieherischen! Grundsätzen ausgestaltet, von künstlerisch durchgebildeten Persönlichkeiten erteilt werden soll. Schließlich gedenkt der Kreis Nordmähren deS Mehnerbund esfür seine engere Heimat eine Entwurfshauptstelle für das gesamte Kunstgewerbe einzurichten. Zur Lösung ihrer Aufgaben bedarf die deutsche Künstlerschaft Nordmährens der moralischen Unterstützung aller Kunstfreunde und nicht zuletzt auch der materiellen Förderung durch die begüterten Schichten. Der Kreisvorstand des nordmährischen Zweiges deS Metznerbundes wendet sich an alle künstlerisch Interessierten, besonders aber an die Heimatgenossen aus Nordmähren, dem Metznerbund, Kreis Nordmähren, durch Beitritt als Gründer, Förderer oder beitragendes Mitglied tatkräftig zu unterstützen und damit der ersten Ausstellung, die vom KreiS Nordmähren bereits zu Anfang des Frühjahres 1922 in Olmüh veranstaltet wird, einen mächtigen Ansporn zu geben. Anfragen und Anmeldungen sind an Herrn Josef Katschmer, akad. Bildhauer. Olmütz, Färbergasse, zu richten.
Das Attentat in Finnland.
H e l s i n g f o r S, 16. Febr. (WTB.- Der wegen des Attentats auf den Minister des Innern verhaftete Kaufmann Lendefeld war als junger Mann wegen eines geplanten Attentats auf einem russischen Kriegsschiff, das im Hafen von HelsingforS lag, furchtbaren Mißhandlungen in den russischen Gefängnissen ausgesetzt gewesen und seitdem zeitweilig g e i st i g g e st ö r t. Er erklärte, den Minister getötet zu haben, weil er in seinen Maßnahmen gegen die revolutionären finnischen Elemente nicht energisch genug gewesen sei.
Die Arbeiteraussperrung in Dänemark.
Kopenhagem, 15. Febr. (WTB) Die an* gekündigte große Aussperrung t t gestern abend in Kraft getreten. Die Aussperrung umfaßt Über 1 00 000 Arbeiter. Dazu t mmen etwa 90 000 Arbeitslose. Die (Bereinigung der Arbeitgeber hat eine Reihe weiterer Aussver- rungen angekündigt für solche Betriebe, die bisher nicht davon betroffen waren. Die Arbeiterorganisationen ihrerseits haben den Streik für eine Reihe von Unternehmen angekündigt, die von der Aussperrung ausgenommen waren. Die staatliche Schlichtungsbehörde macht ben Versuch, die Parteien einander näher zu bringen.
Unruhen in Guatemala.
Paris, 16. Febr. (WTB.- Nach einer Havasmeldung aus Mexiko sind in Guatemala infolge eines Angriffes der Anio- nisten gegen die Regierung ernste Anruhen ausgebrochen. Nach einer weiteren Havasmeldung aus Neuyork sind General Ruiz und Kapitän Perez hingerichtet worden. General Villa in hat die beiden Offiziere eines Komplottes gegen die Regierung beschuldigt.
Die (Erregung unter den Eisenbahnern.
Berlin, 16. Febr. Die Eisenbahndirektton Elberfeld wendet sich mit einer Kundgebung gegen die neue Streikhetze unter den Eisenbahnern. In aufreizenden Flugblättern der Reick*sgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und -Anwärter werde von vielen zehntausenden Beamten gesprochen, die gemaßregelt weroen sollen. Dazu bemerkt die Kundgebung, daß im Direktionsbezirk Elberfeld, weiter rund, 14000 Beamte und rund 21 000 Weiter umfaßt. DiS- her nur fünf Beamte durch Kündigung entlassen


