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Samstag, (5. April 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Ur. 89 Drittes Blatt

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Aus Stadt und Land.

Sieben, den 15. April 1922.

Offene M i l i r m u f i ke r st e l - (en. Dvn Zuständiger Stelle wird uns mit« geteilt, datz bei folgenden Bataillonskapel- len der Reichswehr noch mehrere Musiker­stellen zu besetzen sind: 1. Bataillon Infan­terieregiments 13 in Stuttgart, 2. Bataillon Infanterie-Regiments 13 in Ludwigsburg. 3. Bataillon Infanterie-Regiments 13 in Ulm a. D., AusblldungS-Bataillvn önfan- rerie-Regiments 13 in Schwäb.-Gmünd, Aus­bildungs-Bataillon InsanterioRegiments 14 in Donaueschingen, 1. Bataillon Jnfanterie- RegimentS 14 in Meiningen, Infanterie- Regiment 15 in (Siefzen, 2. Bataillon Infanterie-Regim?nts 15 in Eisenach, Pio­nier-Bataillon 5 in Ulm c. D., Artillerie-Re­giment 5 in Fulda, Rachrichtenabteilung 5 in Cannstatt bei Stuttgart, Fahrabteilung 5 in Ludwigsburg. Bewerber für diese freien Stel­len haben ihre Gesuche an die vorstehend ge- ; innten Truppenteile zu richten.

Erweiterung der Strafge­ld alt der Bahnpolizeiverwalter. Rach dem Gesetz zur Erweiterung des Anwen­dungsgebiets der Geldstrafe und zur Ein­ ränkung der kurzen Freiheitsstrafen vom ul. Dezember 1921 find die Bahnpolizeiver­walter nunmehr berechtigt, Geldstrafen bis zu 300 Mark im Einzelfalle festzufetzen. Die für öen Fall des Miwermögefiö des Beschuldigten statt der Geldstrafe stets zugleich vorzuneh- inende chaslfestseyung ist dahin geändert wor­den, das; der Betrag von einer bis einhundert- fünfzig Mark einer eintägigen Freiheitsstrafe gleich zu achten ist.

Mreie Alsfeld

§ Don der Ohm, 14. April. Wenn der Bienenzüchter jetzt nicht seinen Bienen die rechte Aufmerkfamlcit schenkt, sondern die Völ- fcr sich selbst überlässt, so wird er den Derlust noch manchen Volkes zu beklagen haben, das glücklich durch den Winter gekommen war. Die ungewöhnlich niedere Temperatur um diese Zeit im Verein mit dem Brutansah zu Hütte April verlangt starke F u t t e r p o r r ä t e. Wo die nicht mehr vorhanden sind, da muh die Rot­fütterung eintreten. Wir sind schon weit im Frühling, und noch blüht lein Veilchen. Schnee­glöckchen und Haselnuftlähchen konnten die Bienen der Kälte wegen nicht benützen. Rapsblüte, die beste Frühtracht, dürfte es kaum geben. Schlechte Aussichten für die Honigernte!

Mreid Schotten.

$ Aus dem Vogelsberg, 14. April. Ser Frühling bringt uns die Zugvögel wie­der zurück, denen wir gerne entgegensehen. Eine andere Art von Zugvögeln, die wir lieber mis­sen, tritt aber in diesem Frühjahr stark aus, es sind die Zigeuner. Während des Welt­krieges waren sie ganz verschwunden. Jehl er­scheinen sie um so häufiger. Oft sind ihre Wagen noch gar nicht in den Ortschaften bemerkt wor­den, da kommen schon die Zigeunerweiber in die Häuser und betteln um alles. Ohne eine Gabe wird sie die Bauersfrau nicht so leicht los. Geschäftsleute müssen besonders scharf auf die Fingerfertigkeit dieser Weiber aufpassen, sonst verschwindet ihnen manches unter ihren Augen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rob. Alzey, 14. April. Zur Bekämp­fung der Wohnungsnot stellte die St a d i- Verordnetenversammlung besondere Mittel bereit, aus denen für Wohnungsneu­

bau len und für Reueinrichtung von Wohnungen in bestehenden Deländen auch an Private Dar­lehen in der gesetzlichen Höhe bewilligt werden können. Die Verzinsung und die Tilgung der be­nötigten Mittel erfolgt auS der Wohnungsbau­abgabe. Für die Alzeyer gemeinnützige Bau- gesellschast übernimmt die Versammlung die Soli­darbürgschaft für ein vorübergehend aufgenom­menes Kapital von 500 000 Mk.

Hessen-Nassau.

Hanau, 14. April. Der Hanauer Ma­gistrat beschäftigt sich jetzt wieder mit dem Projekt der AuSbauung des Hanauer KleinhafenS in einen Industrie- und Handelshafen. Im vergangenen Jahre hätten sich die Kosten für den Ausbau des Hafens auf 40 Millionen Mark belaufen, doch ist in diesem Jahre mindestens mit einem Kosten­aufwand von über 100 Millionen Mark zu rechnen. Der Magistrat der Stadt ist aber der Ansicht, daft sich die angelegten Kapitalien nach Beendigung der Arbeiten reichlich ren­tieren werden. Der Magistrat hat daher jetzt der Stadtverordnetenversammlung eine Vor­lage unterbreitet, die sich mit dem Hafenbau­projekt beschäftigt.

Schöffengericht.

Eichen, 11. April.

Ein Versichern ngsbeam ter und ein Generalagent von hier fuhren im Früh­jahr 1921 nach Wetzlar, um dort mit einem Geschäftsmann aus Polen, der sich häufig fälschlicherweise den Doktortitel beizulegen und sich als Rechtsanwalt auszugeben pflegt, wegen Erwerbs von Salvarsan in Ver­bindung zu treten. Ob das, was die beiden in Wetzlar von dem Geschäftsmann bekommen haben, in Wirklichleit Salvarsan war, ober ob sie be­trogen worden find, konnte nicht feftgeftcllt wer­den. Allein die beiden wurden trotzdem wegen Vergebens gegen den Schleichhandel zu Geldstrafen von je 6000 Mark verur­teilt. weil der Handel mit Salvarsan ohne be­sondere Erlaubnis verboten, und weil schon das bin ft e Sicherbieten zum Erwerb von Gegenständen, die einer Verkehrsregelung unter­liegen. mit Strafe bedroht ist. Ein Metzger aus Grvften-Buseck, der den beiden 19 000 Mk zum Erwerb des Salvarsans gegeben hatte, erhielt wegen BeihilfezumSchleichhandel eine Geldstrafe von 3000 M k. An und für sich hätte gegen die drei Angeklagten auf Gefängnis erkannt werden müssen, allein das Gericht war der Auffassung, baft ber Strafzweck bei den bis jetzt noch nicht bestraften Angeklagten auch durch Geldstrafen erreicht werde. Der polnische Ge­schäftsmann, der wegen Salvarsanschiebung bereits 4 Monate Gefängnis und eine Geld­strafe von 5000 Mk. erhalten hat und zur Zeit eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten wegen Rückfallbetrugs im Gefängnis in Ham­burg verbüßt, konnte nicht verurteilt werden, weil nicht festzustellen war, ob das. was er dem Versicherungsbeamten und dem Generalagenten verkauft hatte, tatsächlich Salvarsan war oder nicht.

Zwei Zimmergesellen aus Stein­bach wurden wegen unentschuldigten Fehlens bzw. Zuspätekommens bei einer ! Feuerwehrübung zu Geldstrafen von j e 10 W k. kostenfällig verurteilt.

Wegen Preistreiberei erhielt ein Viehhändler aus Leihgestern eine Geld­strafe von 2000 Mk. Aufterdem wurde auf Einziehung des übermäftigen Gewinns von 1000 Marl, ben er bei 2 Kuhtaufchverträgen erzielt I hatte, erkannt.

Ein Hänbler aus Herborn, der wäh­rend des Wochenmarktes 80 Pfund Aepfel a.if- taufte, trotzdem er todftte. datz dies für fremde Händler verboten ist, erhielt deshalb eine Geid- strafe von 30 M k.

Im Februar Ifb. IS. schrieb ein hier woh­nender junger Bursche aus Du isburg an einen hiesigen älteren Kaufmann einen Brief, in dem er ihn aufforderte, den Betrag von 1000 Mk. in einem Umschlag bei einem hiesigen Anzeigen - Bureau zu hinterlegen, widrigenfalls er ihn wegen Vornahme un­züchtiger Handlungen an Knaben an- zeigen würde. Der Brief gelangte nicht in die Hände des Adressaten, sondern versehentlich an toffen Gefchästsnachfolger. der ihn sofort der Polizei übergab. Mit Rücksicht darauf, baft die in dem Schreiben angeführten Tatsachen nicht aus der Luft gegriffen waren, und der geständige jugendliche Angeklagte nicht .bestraft ist und sich in nützlichen häuslichen Verhältnisfen befindet, wurde er wegen Erpresfungsverfuchs zu einer Gefängnisstrafe von 10 Tagen verurteilt, die auf Grund des Gesetzes vom 21. Dezember 1921 in eine Geldstrafe von 1000 M k. umgetoanbclt wurde, da der Strafzweck anschei­nend auch durch eine Geldstrafe erreicht wird.

Aus dcm -lmtsvcrkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 51 vom 13. April enthält: Gesetz über die Verlängerung ber Geltungsdauer des Wohnungs- mangelgesehes und der Sammelhe'zungsvero'-d- nung Erfassung von Heeresgul. Höchst­preise für Kohlen. Staatsmittel für die Ver­sorgung der Hebammen. - Den Ausschlag der einmaligen Umlage und der laufenden Beiträge ber Viehbesiher zur Deckung der Entschädigungen für Viehverluste. ©traftenfperrc. Dienst­nachrichten.

D i e Kreis st raftenortsdurchfahri Rödgen wird wegen Vornahme von Walz­arbeiten vom Dienstag, den 18. April l. .)s., bis auf weiteres für den Durchgangsverkehr ge­sperrt. Der Verkehr ist über Wieseck zu leiten.

Dien st nach richten des Kreis amt es. Karl Stark II. aus Ronnenroth wurde als Feldschüy für die Gemeinde Ronnenroth er­nannt und verpflichtet. Philipp Hofmann I. zu Bersrod wurde vor Hess. Kreisamt Gietzen als Iagdaufseher für die Gemeindejagd Bersrod eidlich verpflichtet. Bürgermeister Ludwig Hiv- pel von Hausen wurde zum Feldgeschworenen für die Gemeinde Hausen ernannt und verpflichtet. Georg Wilhelm Lindenstruth und Daniel Ludwig Sommerlad zu Deuem wurden als Mitglicdei des Wiesenvorftandes für die GemeindeBeuern ernannt und verpflichtet. Philipp Hofmann I. von Bersrod wurde zum Feldschühen für die Gemeinde Bersrod ernannt und verpflichtet. Aug. ©orr, Wilhelm Weckmann II. und Wilhelm Hol [er in Cberstadt wurden als Mitglieder des Wie- senvorstandes dieser Gemeinde vor Hess. Kreis­amt Gieften eidlich verpflichtet.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag, ben 16. April, 1. Osteriag. Kollekte für bie Kirchenkasse.

In ber © tobt fir ehe. Boom. 9V? Ut>r: Pfr. Becker. 11: Kinberkirche f. die Matthäus- x Markursgem. gemeinsam: Pfr. Becker. Abds. 6: Pfarrassist. Becker.

In ber Iohannoskirche. Bonn. 9> ,. Pfr. Bechtolsheimer. 11: Kinderkirche f. d. Ltkas- gem. Pfr. Bechtolsheimer. Adbs. 6: Pfr. Aus- felb. Anschi. Beichte f. d. Konfirmanden a. d Iohannesgem. j. deren Angehörige.

Montag, den 17 April, 2 Öfter tag.

In der Stadtkirche Bonn. 9* - Uhr : Psi Mahr. Rachm 2: Vorstellung u. Prüfung b. Konfirm. a. d. Markusgem.. Pfr Becker Abds. 6: Pfr. Becker.

In der Iohanneskirche. Bonn. 9.: Konfirmation b Kinder a. d Iohannesgem. Seiet" d. bL Abendm: Pfr Ausfeld, ^lachm. 2. Vorstellung u. Prüfung d Konfirmanden a. d. 'Lulasgem.: Pfr. Bechtolsheimer Abds. 6: Pfarr­assistent Müller.

Wieseck. Ostersonntag, norm. 9'.: Gottes­dienst lFrauenchor». Rachm 1' 'Beichte f. b Konfirmationsabenbrnahl. Opfer f. d Kleinkinde» schulfonds. Ostermontag, norm 9 Feier d Konfirmation: im Anschluß Feier d heiligen Abendmahls. Rachm. 5: Konfirmationsnachfeier Opfer f. d Glockentonbs. - Öftcrbicnetag, nach- mittags 2>.: Oftcrfeier b. Kinberkirche (bei gutem Detter im Walde«: Opfer f. d. Kinderkirch.' Donnerstag, 20. April, abds. 8: Irgend Vereinigung (männl. Abtlg ). - Freitag, 21. April, abds. 8« 2: Frauenbund «Rächstes Adendmaht Sonntag. 23. April.)

1. Öfter tag, 16. April, norm. 10: Kirch­berg Kollekte 11: Hl. Abendmahl f. d alten ®emcinöeglicber von ©taufenberg. Bonn. 10: Lollar. Rachm. H/»: Kirch­berg. Vorstellung u. Prüfung d. Konfirmanden 2. Oftertag, 17. Llpril, vorm. 10: Kirch berg. Vorm. 10: Mainzlar. Hl Abend» mahl f. d. alten Gemeindeglieder

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 15. April, vorm. 7 bi« 11 tthr u nachm. 2 bis 9 cklhr: .Gelegenh. z. Hb Deichte. Abds 8: Predigt m. Muttergottesfeier f Männrr u. Hünglinge Ostersonntag, ben 16. April, vorm. 6> : Gelegenh. z. hl. Beichte. 7: Hl M»sfe m Pr 8: Austeilung b. hl. Kommunion. 9. Hochamt m Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Rachm. 3. Missionslchluft für Frauen u. Jung­frauen. Abds. 6: M i s s i o n s s ch l u ft für Männer u. 3üngfinge.

Ostersonntag, den 16. April, nachm. 5 u abds 8 Uhr: Gelegenh z. hl. Beichte. Oster­montag, den 17. Llpril. Voiin. 6'/»: Gelegenh z hl. Beichte. 7: Hl. Messe m. Pr. 8: Aus­teilung b. hl. Kommunion. 9: Hochamt m. Pr Gedächtnis d. Verstorbenen. 11: Hl. Mess: m. Pr. Rachm. 2: Vesper in. Segen.

D i a s p o ra - G o 11 e s d i e n st am 17. April G r ü n b e r g, vorm. 9V» Uftr.

Kathol. Gottesdienst. 16. April. L i ch vorm. 10, nachm. 2 IHrr. Hungen, norm. 3.

17. April. L i ch, nachm. 2 tthr. Hungen, norm. > .10. Laubach, vorm. 7.

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Montag, den 1. Mai 1922. m«

Festsetzung des Stundenplanes: Dienstag. 25. April, nachm. 2'/, Uhr. Schriftliche Anmel­dungen werden möglichst frühzeitig erbeten.

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