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^.August 1920 gestrichen werden, damit auch die «beschlagnahme in landwirtschaftlichen Jos' Fubrer des Kavp-Pütsches unter die Amnestie I reiten. Es findet eine namentliche Abstim­

mung statt. Der Antrag des Ausschusses, den An­trag Müller abzulehnen, wird mit 45 gegen 16 Stimmen angenommen. Desgleichen wird der zweite Teil des Antrags gemäii AuSschuß- antraa abgelehnt, während der Zusan an trag Dr. Müller gegen die Stimmen der Linken a n -

1 Hessischer Landtag.

jr (16. Sitzung.)

St. Darmftadt, 13. Juli.

Die Sitzung wird, da zunächst der Ae l» test en rat und im Anschluß daran die Frak- twnen über die gestrigen Tumultszenen und ihre Erledigung Besprechungen abhalten, statt um JolO erst um II1/4 Ahr durch Präsident Ade­lung eröffnet.

Sm Aeglervngstische^ Finanzminister Hen» r t"ch WirtschastSminister Raab und AegierunqS- tommissare.

Präsident Adelmig:

Meine Damen und Herren! Die gestrige Sitzung muhte vorzeitig abgebrochen werden, weil im Anschluß an eine Rede des Abg. Dr. Müller sich Szenen abgespielt haben, die in diesem House bedauerlich sind und von denen ich dringend hvfse. daß sie nicht wiederkommen. Es sielen Ausdrücke^ die, wenn die Rufer bekannt waren, zu tadeln und durch Ordnungsrufe zu ahnden sind. Der Herr Vizepräsident hatte, wie nach dem Protokoll fest- gestellt wurde, leinen Anlast, den Redner Dr. ALlller zur Ordnung zu rufen, und ich nehme an. dast Vorgänge dieser Art nur zu erllären sind aus der allgemeinen politischen Stimmung, dienen wer­den als eine gewisse Lehre, und dast sie in Zukunft vermieden werden können.

Wir treten nunmehr in die Tagesordnung ein und kommen zur Abstimmung über den An- trog Dr. Müller, betr. die Wohnungs­

genommen wird.

Anfragen:

Zur Anfrage des Abg. R u st <Ztr.), die Aus­zahlung der Desahungszulage an öie Pensionäre im besetzten hessischen Gebiet be­treffend, wird Besprechung beantragt. Die Re­gierung hat geantwortet, dast das ReichSspec» gesetz dem Antrag entgegenstehe

2lbg. Ruh Ift bannt nicht zufriedengestellt. Es sollte immer wieder bei der Reichsregierung darauf bingewirkt werden, den bedrängten Brü­dern und «Khweftern im besetzten Gebiet zu geben, was ihnen zukommt, und durch die Tat zu be­weisen. nicht nur durch Worte, dast wir für sie alles tun wollen, ihre schwere Lage zu mildern.

Die Abag. Storck (So&), Kindt (SntL) und Dr. Osann (D. Wot.) geben übereinftim- menbe Erklärungen lm gleichen Sinne ab.

Ftnanzminister Henrich schliestt sich den Wünschen der Vorredner namens der Regierung an. Mehr wie wünschen könne man allerdings vorerst nicht, doch werde die Regierung selbst­redend in Berlin tun, was sie Könne. Die Lage der Pensionäre werde übrigens durch die verhält- nismästig geringe Zulage nicht durchgreifend ge­bessert. - Damit schliestt die Besprechung.

Auf eine Anfrage des Adg. A i st. die Be­willigung eines oagem<fien;.t Pachtpreises an diejenigen Landwirte m Worms- Pfiff l tgheim, deren Grundstücke für den ReichssiSkus enteignet worden sind es handelt sich um Enteignung zur Anlage eines Fltg- pb'tzes. die jetzt hinsäMg geworden ist put die Regierung i. a. geantwortetWir haben daraufhin tas KreiSamt Worms nochmals mit Erhebungen beauftragt. Deren Ergebnis ist unter eingehender Begründung ein Antrag des Ober­bürgermeisters der Stabt Worms, dem sich das Kreis2mt angcschlossen bat und der dahin geht: 1- Die einzelnen Grandstüäe ihren früheren Eigen­tümern zum Erwerbspreis oder zu einem ange­messenen, noch zu vereinbarenden Preis wieder zurückzugeben: 2. soweit eine Rücküboreignung unausführbar ist, den Besitzern einen angemesse­nen Kaufpreis zu bieten oder aber eine den je» welligen Verhältnissen entsprechLtde, von Jahr zu Hahr neu festzusehende Pachtentschädigung zu gewähren. Wir werden nunmehr in diesem Sinne nochmals bei dem Rrichsschutzministerium vor­stellig werden, und bet)alten uns vor, über den Abschlust der Berhandl ungeir 3brren demnächst weitere Mitteilung zckommcn zu las en."

2Ibg: Rust begründet seine Anfrage noch­mals sehr etngebenb und fordert, dust die Re­gierung mit gr ost ter Energie bei de> Reichs­regierung einwirkt, dast den Landwirten ihr Recht wird, Last die Weigerungen Les Rcichssiskus d ach nichts begründet sind und einen völligen Mangel an Verständnis für die Psyche des besetzten Ge­bietes verratest.

Abg. Dr. Köhler (D. Vpt.) spricht sich im gleichen Sinne aus. Es sei durchaus unverständ­lich, wie die Reichsregierung sich hier verhalte: man sollte mit allem Rächdruck nochmals auf die Reichsregierung einwirken, dast den schwer ge­schädigten Landwirten bier ihr Recht werde. Man verstehe nicht, warum Len Landwirten nicht als­bald nach Kriegsschluh der Boden zurückgegeben tourbe.

Abg. Obenauer (Dem.) spricht sich im gleichen Sinne aus. Es handelt sich hier um eine Sache einfachster Gerechtigkeit. Es sei zu hoffen, Last das gesamte Haus sich dieser Ansicht an« schliestt.

Abg Blank (Zentr.I erörtert Verhältnisse, die ähnlich, jedoch umgekehrt liegen in Wackern­heim und Garrlsheim. Hier will die Reichsver- mögensverwoltung den Bauen, das abgetretene Gelände abpachten und fast nichts dafür bezahlen, und in Pfiffligheim will die Reichsvermögens- Verwaltung das Gelände den Bauern zu äusterst hohen Summen verpachten.

Präsident Adelung gibt einen inzwischen eingelaufenen A n t r a g der Abgg. Dr. Müller und Gen. bekannt, die Regierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung darauf hinzuwirken, dast den Psiffligheimer Landwirten das enteignete Ge­lände zurückgegeben wird.

Im Sinne der Interpellanten sprechen noch die Abgg. Lutz (Doz.), Dr. Müller (Bbd), der den 'Antrag feiner Partei begründet, Schot t lD.Bpt.) und Schaub M.S.P.), der den An­trag ab lehnt, weil der vom Reich geforderte Pachtpreis nicht zu hoch sei. Der Antrag Müller wird angenommen.

Zur Anfrage deS Abg. Köhler (D. Vpt.s, die gewerblichen Fortbildungsschu­len betreffend, macht der Interpellant längere Ausführungen zu der Regierungsantwort, die auf den Tribünen meist nicht verstanden werden. '

Das Deamtengesrtz.

Berlin, 13. Juli. (Wolfs.) Der Rechts- a u s s ch u h des Reichstages genehmigte den An­trag des Zentrums, der den Paragraphen 10b Abs. 2 folgendermasten fastt: Reichsbeamte, die mit dem Schuhe der Republik besonders ver­traut find, haben sich auch austerhalb der amtlichen Tätigkeit jeder tätigen Anteilnahme au Bestre­bungen zu Aenderungen der versassungSmästigen republikanischen Staatsform zu enthalten. Diese Beamtenstellungen sind in dem anliegenden Ver­zeichnis aufgeführt. Die Reichsregierung kann das Verzeichnis unter Mitwirkung des Ausschusses des Reichstags ändern.

Der Rechtsausschuh des Reichstages hat die 'ibrigen Artikel des Deamtengesetzes im wesentlichen nach dem Wortlaut der Regierungs­vorlage angenommen. Damit ift die erste Lesung deS Gesetzes im Ausschust erledigt. Der Ausschuß hat sich vertagt.

Die Novelle zum Einkommensteuergesetz.

Der Steuerausschust des Reichstages erledigte in zweiter Lesung die R v v e 11 e zum Ginkvmmensteuergesetz. Angenommen

wurde u.a. ein Antrag des Dr. Hertz (/U.S.P.), wonach Militär-, Alters- usw. Renten steuerfrei bleiben sollen, auch wenn sie 8000 Mk. über» steigen, während bisher dieser Betrag die Höchst­abzugsgrenze bildete Ebenso wurde der neu« formulierte Antrag Merck (D. Dpt.) auf Frei­lassung der bei Sparkassen usw. nach Ar» der Lebe ns Versicherungen hinterlegten Gelder bt& zum Höchstbetrag von 8000 Mk. angenommen. Weiter wurde ein Antrag zugunsten der Kleinrentner und Kleinkapitalisten angenommen, wonach Ein­kommen bis zu 20 000 Mark einkommensteuerfrei bleiben sollen. Zu den Werbungskosten beantragt Hertz die Festsetzung auf 1000 Mark. Rach län­gerer Aussprache wird auch dieser Antrag an­genommen.

Abg. Schucking (Dem.) will trotz mancher Bedenken der Vorlage zuftimmen. Redner weift dann unter stürmischem Protest der Linken die Bersucheder Gewe rkschaftzurück, das Parlament zu beeinflussen.

Abg. Dr. Rosenfeld fXL) verlangt weitere umfassende AuSdebvunq der Amnestie, um die Sünden der Klassenjusti-, wieder gutzumachen.

Abg. Leicht 'Bayr. Dpt.) sieht in einer allgemeinen Ohr v'r etwas Bedenkliches. Wenn sie in die Re-ch'mästigkeit anderer Länder ein­greife, müsse sie schon aus verfassungsrechtlichen Gründen abgelehm worden.

Abg. Hölle in (Komm.) sucht unter Hin- lveiS auf verschiedene Fälle von Klassenjustiz" die Rotwendigkeit einer allgemeinen Amnestie für 1919 zurück zu beweisen "

Sämtliche Abänderungsantiagc incrben ab- gelehnt und die einzelnen Paragraphen in der Ausschuhfassung angenommen, ebenso die Ent- fchllehung. Milde gegen die Eisenbahner wallen zu lassen.

Auch das

ArbeitSnachweiögesatz

wird dann in dritter Lesung mit unwesentlichen Aendürungen angenommen.

Morgen nachmittag 3 Übr: Kleine Vorlagen, darunter Rotlage der Prelle

Schlust 7 Uhr.

Die Regierung hat folgendes erklärt. 21af Grund eingehendem Beratung mit Vertretern ö:r gewerblichen Berufs stände und der Zentralstelle für die Gewerbe hat eine Regelung auf sol­lender Grundlage ftattgefJititen: 1. Die Fort­bildung Ich ulen iiner G.m i.de bilden vin Gtn- h«it und unterstehen dem Kreisschulamt. In den Rahmen der beruflich gegliederten Fortbildungs­schulen sind auch die Handwerkerzeichen- inb Handwerkerfortbildungssch den ebenso di kauf­männischen Fortbildungösch ulen einzubeziehen. 2. In den Städten mit größeren gewerblichen Bollanstalten (Kunstgewerbe-, Bargewerkund Gewerbeschulen) gliedern sich die mit ihnen ver- cinigten Handwerke Jo r tbildungSsch den in die allgemeine Fortbildunassch ule 5 ifürtf ttg derart ein. Las) sie berufliche Abteilungen derselben bil­den. Siefen gewerblichen Abteilungen werden alle FortbildungIch ulpflichtigen überwiesen, die technisches und konstrukdves Zeichnen für ihre Be»-ufsausbildung bedürfen. Die Leitung dieser gewerblichen Abteilung wird, wenn möglich, dem Leiter der gewerblichen Dollschute übertragen. 3. Kleine Orte werden, um Fachabteilungen bil­den zu können, zu Bezirken bereinigt, dabei sollen die in nächster Äähe der gewerblichen Bvllscyulen besindsichen Handwerberfortbildungsschulen, an welchen die Gewerbelehrer der Dollschulen dm ilntemdjt erteilen, möglichst mit diesen Schulen in Verbindung bleiben. Der grösste Ort, oder berfentac mit eigenem Handwerkerschulha us, soll den Mittelpunkt und etwa auch den Wohnort der Wanderlehrer bilden. Zu dem örtlichen Schul­vorstand der Fortbildungsschule gehören Ver­treter des Gswerbevereins. 4. Die Aufsicht über den Fachunterricht steht der Zentralstelle für die Gewerbe urrd ihren Organen zu. Bei den kauf­männischen Schulen soll in demselben Sinne ver­fahren werden.

Weiter wurde vereinbart: 1. Vorstehende Leitsätze werden gutgeheisten. 2. Es besteht Ein­verständnis darüber, dah die vom Hessischen Lan-- desamt für das Dildungswesen unter dem 9. März 1922 erlassenen Ausfichrungsbestimmungen zum Dolksschulgesetz vom 25. Oktober 1921, soweit die Zusammensetzung des Schulvorstandes in Frage kommt, den 'Forderungen der beteiligten Kreise (Handel, Gewerbe, Industrie und Gewerkschaften) entsprechen. 3. Es besteht Einigkeit darüber, dah der Lehrplan für die einzelnen Schulgruppen von dem Schulvorsteher und den Lehrern derselben entworfen, dem Schulvorstand zur Begutachtung und alsdann der betreffenden vorgesetzten Be­hörde zur Genehmigung vorgelegt wird. 4. Es be­steht Einverständnis darüber, dah vor Anstellung der hauptamtlichen Fachlehrer die Schulvorstände anzuhorcn sind. Größeren Schulen soll die Ini­tiative zur Gewinnung von geeigneten Lehrern zugestanden werden. 5. Ferner wird vereinbart, dah die feste Anstellung der hauptamtlichen tech­nischen Fachlehrer nach Benehmen mit dem Mini­sterium für Arbeit und Wirtschaft durch das Landesamt für Las Bildungswesen erfolgen soll.

Bei loyaler Durchführung und Einhaltung der vereinbarten Richtlinien, insbesondere der unter vorstehenden Ziffern 4 und 5 normierten, ist u.E. ein genügender Einfluh des Ministeriums für Ar­beit und Wirtschaft auf die Ausbildung der ge­werblichen und kaufmännischen Fortblldungsschüler gewährleistet und kein Anlaß zu einer Beun­ruhigung in den Kreisen der Beteiligten gegeben.

Wirtschaftsminister RagB: Die Regierung hat gerade im Interesse der Fortbildungsschulen zu handeln geglaubt in der Unterstellung unter das Landesbilärngsamt. Wenn sich ergeben sollte, dah dieser Weg nicht gangbar, werde mdn in eine erneute Prüfung der Frage eintreten. Damit schliestt die Besprechung.

Die Tagesordnung ist damit' erschöpt, da einige Positionen zurückgestellt werden. Rächste Sitzung Dienstag, 10 LIHr.

Schlust -,1 Llhr. ,

Au§ Stabt und Canb.

(Stehen, Den 13. Juli 1923 £>ci!ftättcnfurcn für versicherte rnberkrrlöse Kriegsbeschädigte. Invalider versicherte tuikxLiPfc Kriegsbeschä­digte fönnen von zwei Stellen eine Hrilftätteakur erhalten, und zwar sowohl von der Oandes- vellicherungsanstast als auch von den Ver­sorgung? behöiden. 5>i.f< doppelte Möglichkeit birgt aber die Gefahr von ZuständiZkitSstreistg- keiten in sich und Hot oft zur Folge, bah das Heilverfahren, statt beschleunigt zu werdet», ver­zögert wird

Durch Tcrmb.-.r mg mit den La.rd svcrsich - rungZan stallen hat das RIHsaib.itsnnnifterium sich bereit erklärt, die Heilstättenkuren aller an- c ka nnten tubc k dösen v rficher e i Kriegs beschä­digten selbst durch;ufi'chren. Die Landesversiche­rungsanstalten übersenden alle entsprechenden An­träge sofort dem zuständigen Versorgungsamt: sie selbst führen die Kuren nur in drrngArden AuSnahmefäden im Auftrage der Versorg ungs- l-ehorden durch. Ist Dienstbeschädigung für da8

tuberkulöse Leiden nod) nicht anerkannt, ban* fann die Stelle, an die sich der kurbedürftige Beschädigte wendet, die Äur bewilligen.

Auf diese D-ise ist Vorsorge getroffen, daN Heilstättenbehandlungen mit der gebotenen Schnel­ligkeit durchgIuhut werden.

Ltatiftjfches vom Schaumweinverkauf.

spd. Im ersten Frieüensjahr" 1919 stieg der Verbrauch an Schaumwein ganz er- hcblich. Die Zahl der ^>chaumwernfabr.ken er­höhte sich auch noch von 1919 auf 1920 von 179 auf 212. Trotzdem ging der Verbrauch in den seiden Jahren um 34,9 Prozent zurück, eine Folge der Steigerung der Preise und der Steuer­sätze mit dem 1. Juli 1920. Statt 15,2 Millionen Flächen, wie im Jahre 1919, wurden 1920 nur uvch 9,9 Millionen Flaschen getrunken. Denn Fruchtschaumwein betrug der Rückgang sogar 45,5 Prozent. Auch die Einfuhr ging z i r ü d von 672 540 auf 246 484 Flaschen. ' Die Aus- führ stieg um nicht weniger als 718 Prozent, von 378 800 auf 642 200 Flaschen. Arotz alledem stieg der Steuererttag von 42,7 auf 101$ Millro neu Mark infolge bet Rachsteuerung der Sätze.

Wettervoraussage

r S a m s t a g.

Wollig, regnerisch, wechselnde Winde.

Von der sehr ausgeprägten 'Depression zwi­schen ISland und Irland drängen Ausläufer gegen das Festland vor und rufen unbeständiges Wetter hervor. ,

*

** Amtliche jPersonalnachrich-- t e n. Ernannt wurden die RegierungsbaufiÜH- rer: Paul Bornemann aus Clenze (Hanno­ver), Paul Busch aus Grvh-Steinheim, Otto Ehlers auö Eberstadt (Kreis Darmstadt), Paul Franzen aus Witten a. d. Ruhr, Ludwig Grie­bel aus Leun a. d. Lahn, Max Haubold aus Apolda, Dr.-Ing. Heinrich Knipping aus Breckerfeld Ggreiö Hagen i. Westfalen), Karl Rocker aus Wiesbaden, Dr. Georg Spieh aus Darmstadt, und Jakob Steinbrecher aus Mainz zu Regierungsbaumeistern.

L. Professor D r. Stepp hat den an ihn ergangenen Ruf als Letter des Alexan- derhvspttals in Petersburg abgelehni.

ß.Ü. Aniversitäts-Gvttesdienst. Am nächsten Sonntag, 16. Juli, vormittags 1V/4 Mr, findet in der Reuen Aula em Unidersitäts-GvtteSdienft statt, zu dem >tn erster Linie die Angehörigen der Llni- versitat eingeladen sind. Selbstverständlich hat aber auch jeder andere Zuttitt. Die Predigt hält Professor Dr. Hans Schmidt.

* Die neuen Dtrahenbahn-Fahr- preise werden heute im Anzeigenteil zur öffent­lichen Kenntnis gebracht. Man übersehe die De kanntmachung nicht.

** Das städtische Wohlfahrtsamt weist heute in einer Bekanntmachung auf die RuhniehunA an zwei Stiftungen hin. Inter­essenten mögen der Deröffentllchung ihre Auf­merksamkeit widmen.

* Die Vornahme der Ernte­flächenerhebung für das Erntejahr 1922/23 gibt der Oberbürgermeister in un­serem heutigen Anzeigenteil bekannt.

** Den Handel mit Kartoffeln betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürger­meisters in unserem heuttgen Anzeigenteil. Für alle am Karwsselhandel Interessierten ist diese Veröffentlichung von großer Wichttakett.

** Wegsperre. 3m Hinblick auf bk Ruderregatta ist morgen nachmittag von 3 bis 6 Mr und Sonntag, vormittags von 8 bis 12 Mr und nachmittags von 26 Mr der Feldweg am Bahndamm vom Bovtöhause der Gießener Rudergeselisch ast bis an den Durchgang nach der Edersttahe (Bahnüber­führung) für den Durchgangsverkehr poli­zeilich gesperrt.

** Alle rlei Diebstähle. Aus einem hiesigen GeschäftSlvkal wurde gestern eine hellblaue Chaiselongue-Plüschdecke im Werte von 3000 Mk. gestohlen. Ein Margarinekistchen mit 14 Kilvgr. Seifenflocken wurde ebenfalls gestern aus einem Hofeingang in der Bahn­hofstraße entwendet. Dor Ankauf wttd ge­warnt. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib der Gegenstände, sowie über die Diebe erbittet die Kriminalpolizei.

** Wiederholte Felddiebstähle auf den Aeckern am Schiffenberger Weg ha­ben unter den Pächtern der dortigen Grund­stücke lebhafte Erbitterung hervvrgerufen. Die Spitzbuben reißen jetzt schon Kartoffelpffan- zen heraus, obwohl die Stauden noch keinerlei Fruchtanhang haben. Namentlich sind es llei° nere Leute, die durch derart unsinnige Hand-

w Nümse» sm SSB. Roman von Ernst Scherte!.

12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Die Glut der afrikanischen Sonne, die alles umher in einen vivlettrn Dunstschleier hüllte gleich atnern Zaubermantel, brütete auch über ihrem Blute und ließ ein dunkles Fühlen und Begehren keimen, das in ihrer nordischen Heimat vielleicht rwch lange geschlummert hätte. Sie empfand sich wie mit tausend Schlingen an Eduard gekettet, er hielt ihre Seele in der Hand und konnte sie liebkosen oder zertrümmern, wie es ihm beliebte. Ein magischer Bann hatte um sie und ihn seinen Kreis geschlagen, aus dem kein Entrinnen mög­lich war. Unb doch schien dies alles nur wie der Vorhof uncrllärlicherer Wellen.

Silly beneidete Eduard, daß er bereits einen Dliä hatte tun dürfen in die verborgenen Ab­gründe, die sich nur dem Mutigen öffnen, und wieder und wieder fragte sic nach dieser unb jener Einzelheit, und Eduard konnte nicht ausführlich genug erzählen.

6» hatte für sie einen spannenden Reiz, daß von bei Hütte ihres HerbccgvaterS ein Zugang nach dem unterirdischen Aegypten führte, und daß es nur eine Falltüre aus Holz war, die dort zwei We!-en voneöiander schied

Mildcrwelle waren Silly und Eduard nahe jn Doktor PerzeliuS berangefommen, der immer rod) neben dem Baron ritt und in ein eifriges "ekprüch mit ihm ivrdefi schien

»Ser Fellache ist mir durchaus nicht sym­pathisch". sagte der Dvttor soeben, .ich denke, wir

sehen ihn bei der nächsten Gelegenheit wieder ab. Lieber wenige Leute haben, alS unsichere."

Aber mit wem wollen Sic denn Ihre Aus­grabungen machen und wer soll die Sachen alle tragen, die wir finden werden?" entgegnete der Baron, wie einer, der gewöhnt ist, die schwie­rigsten §>inge zu leiten, ohne eine Hand dabei zu rühren.

Ausgrabungen werden wir keine machen", gab der Doktor zurück,und um die Sachen zu tragen, die wir finden werden, genügt mein Notizbuch"

Der Baron sah ihn erstaunt und etwas ent­täuscht an. Aber Doktor Perzelius fuhr ganz ruhig fort:Nach dem wenigen, was ich heute nacht erlebt habe, gibt es auf unscrm Gebiet über­haupt nichts auszugraben, sondern es handelt sich mir darum, die Augen offen zu hakten und zu beobachten. Ss ist ja alles da und lebt und etliche Spatenstiche genügen, um den Zugang zu diesen Dingen zu gewinnen. Das Wichtige sind die Orte selbst. Denn jeder Ort hat eine magische Kraft, er bindet das Leben, das einmal an ihm wirkte und zieht immer ncued Leben in seinen Bannkreis. Orte sind dauerhafter als Bauten, Lehren und Gesetze. Wenn die Mauern, die einst dort gestarrden, längst verfallen, die Menschen vermodert und die Herrscher gestürzt sind, ioenn neue Boller Besitz ergriffen haben von den Heim­stätten der Alten, und Herden weiden auf der Stelle, wo Paläste geragt und der Klang der Feste durch die 'Rächt gerauscht - dann wirkt noch geheim und unfüblbar das Leben des Orte», entläßt Schwarme Heiner unsichtbarer 'Wesen, die die Seelen der Menschen überfallen und in ihnen ernt Flamme erwecken, die derjenigen ver­

wandt ist. die in der Asche versank und schein­bar sinnlos und im Widerstreit mit dem be­stehenden Reuen bricht das Alte wieder durch, verhüllt und geschminkt, unerkennbar für den flüchtigen Blick, aber im Grunde dasselbe, a>as immer war."

Dvktvr PerzeliuS hatte diese Worte fast mit einer Art Glut gesprochen, die merkwürdig ab- stach von seiner sonstigen Gelasienheit.

Mittlerweile war es Mittag geworden. Die Sonne brannte auf dem 6raunen Sande, daß er zu verdunsten schien in einem mihfarbigen Dampf, der die Augen beizte und den Mund austrvcknete und wie mit tausend Radeln in die Haut stach Man mußte trachten, ein Unterkommen zu finden während dieser Stunden, in denen' die Erde zurück­zusinken schien in den feuerflüssigen Zustand ihres Anfangs.

In der Ferne zeichneten sich gleich weißen Kalkwürfeln die Häuser einer Niederlassung gegen den Himmel ab, einige Palmen standen herum und ein grünlichrr Flor bedeckte den Dod«^.

Die Heine Reisegesellschaft beschleunigte ihr Tempo, und schließlich langte man in geschloffe­nem Trupp bei der Oase an.

Hier schien alles wesentllch wohlhabender zu fein als in jenem Dorfe, das man morgens ver­lassen hatte. Die Häuser waren sämtlich aus richtigen an der Sonne getrockneten Lehm.zicge.ln gebaut und sauber geweißt. Die Leute machten einen freundlichen und umgänglichen Eindruck und schienen an den Besuch von Fremden gewöhnt zu sein.

Eine recht gut eingerichtete Karawanierai nahm die vornehmen Gäste auf. während die Diener die Pferde und Lastesel zur Trank führten.

Doktor Perzelius musterte alles sehr ein­gehend. Schließlich sagte er als er sich gerade mit dem Baron allein sah wie aus einem längeren Gedankenzusammenhang heraus. Trotz­dem glaube ich Baron, daß es besser und sogar geboten ist, die Damen zurückzulassen."

Baron Hallam blickte ihn überrascht an, bann sagte er fast mißmutig:Ohne meine Toch­ter reise ich nicht. Ich würde au<- für meine Person auf eine Fortsetzung unsrer Expedition verzichten, wenn Sillh nicht dabei fein sollte."

Es tu tmir leid", entgegnete der Doktor. ..dann Ihre Gesellschaft entbehren zu müssen. Ich könnte aber die Verantwortung nicht tragen. Meine Berechnungen haben sich in unheimlich viel weiterem Umfang bestätigt, als ich erwartete. Ich wäre schon zufrieden gewesen, in irgendeinem versteckten Winkel eine Spur von dem zu ent­decken, was sich mir jetzt in geradezu grauener­regender Weise aufdrängt. Ich hatte sonst auch trotz IhreS Zuredens nie eingewilligt, diese Reise mit Ihren Samen zu unternehmen."

Aber was sollen wir nun tun?" entgegnete der Baron mit dem Ausdruck von Enttäuschung und Sorge,ich habe auS Ihren Berichten bis jetzt nur entnehmen können, daß alleS sehr gut geht."

Für mich schon", sagte der Doktor,beim ich sehe, daß ich auf dem richtigen 'Weg bin. Für Sie und die Ihren wächst aber stündlich die Ge­fahr. Ich wollte Ihnen das nicht verhehlen. Ich schlage also vor, daß wir die Damen so rasch wi crnöglich aus die Eisenbahn setzen und nach Kairo aui üdbcf6ti)cm. Wir haben noch einen halben ^agcSmarsch biS zur Station.

(Fortsetzung folgt}