Aus Stadt und Land.
Sieben, den 14. März 1922.
*• Zahlungen an Eisenba Hn-Ru Hegehaltsempfänger. Ab 1. April 1922 finden die vierteljährlichen -Zahlungen an Eisenbahn- Ruhegehaltsempfänger nicht wie b^/her viertel- jährUch. sondern monatlich statt. Zahlungen an Ruhegehaltsempfänger. welche auf ein Bankkonto überweisen lassen, werden hierdurch nicht berührt. Anträge auf Banküberweisung sind umgehend der Eisenbahnstationskasse Sieben vor- zulegen.
** Vom Dühnenvolksbund wird uns geschrieben: Allen denen, die noch im unklaren über die Ziele dieses Bundes sind, diene folgendes zur Erläuterung: Der Bund will keinen Menschen, keine Partei, keine Religionsgemeinschaft bekämpfen- er will aufbauen, alle Geister sammeln, die nach dem Lichte streben und das Dunkle, Häßliche, -Unreine verabscheuen, das jetzt so viele Bühnen überschwemmt. — Bei dem Suchen nach einem Ramen fand man, dah das Wort christlich dieses Streben am besten ausdrückt, im Gegensatz zu dem heidnischen Wesen, das sich unter allerlei Etiketten in alle Gebiete des Lebens eingeschlichen hat, besonders aber in die Erotik. Was sich hier als neu, als fortschrittlich anpreist, ist so alt, uralt. Es fand sich z. B. im Tempeldienst der Babylonier, dessen Nachahmung in Jerusalem, beiläufig gesagt, von den Propheten Israels aufs äußerste bekämpft wurde: es fand sich bei den alten Griechen, Römern und Aegyptern, wo Sklaven und Sklavinnen die Opfer des Sinnenrausches wurden. In den letzten Jahrzehnten nannte man es in Deutschland „sich ausleben" pder „Recht der Ratur". Und von Stufe zu Stufe sind wir ins Heidentum zurückgesunken,- in den Rackttänzen und im Reigen so ungefähr auf den Tiefstand Heliogabats, dessen widerlichen Schaustellungen die eigenen Söldner ein Ende machten, indem sie ihn totschlugen. Der Dühnenvolksbund verschmäht alle gewaltsamen Mittel, geht aber energisch auf sein Ziel los: Sammlung der Menschen, denen das Gewissen, die göttliche Stimme, kein belangloser Gegenstand ist, wie ein Dühnenschriftsteller in einer Fachzeitung es neuerdings zu verspotten beliebt. Krähwinkelbewegung nennt man den Dühnenvolksbund. Das ist nun ein Irrtum. DerAnstoß zu dieser Bewegung ging von ejner ganz Deutschland umspannenden Macht aus: Gießen ift cur ein Glied in der Kette. Was das Wort rückständig betrifft, das man uns als furchtbaren Donnerkeil entgegenschleudert, so ertragen wir es gern Mit Worten macht man Unwissende bange: die Waffe ist veraltet. Ebenso steht es um alle anderen Anwürfe. Der Bühnenvolksbund heißt alle willkommen, die ein Herz für Deutschland haben und an seiner Gesundheit, seinem Aufstieg mitarbeiten wollen. Entzweiung und Zersplitterung wird erst durch falsche Auslegungen hineingetragen.
** Diebstähle. Am 13. März wurden aus einem Geschäftshause in hiesiger Stadt in einem unbemerkten Augenblick, zweifellos von einem Bettler, eine goldene und eine silberne Herrenuhr im Werte von 12 000 Mark entwendet. Bor Ankauf wird gewarnt. — Bei dem in der Nacht zum 1. März d. 3- in das Selterswasserhäuschen auf Os- waldsgarten begangenen Einbruchsdieb- stahl kommen zwei auswärtige junge Burschen als Täter in Frage, die in Kassel, als sie im Begriff waren, das gestohlene Gut abzu- sxtzen, festgenommen wurden. Für etwa 1300 Mark Schokolade wurde bereits am nächsten - Vormittag am hiesigen Bahnhof beschlag- .nahmt, während die übrige Schokolade und ^die -Zigaretten in Kassel beschlagnahmt tour» den und dem Geschädigten nunmehr wieder zugestellt werden konnten.
** Ihr 25jähriges Geschäftsjubi- läum feiert am 15. März die Firma Mathilde Nachmann (Puh- und Modewaren), Inh. Frau Machilde Spier.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater. 7 Ähr: „Der keusche Lebemann". — Kalb. Vereinshaus, 8 Ähr: Dritter Bortrag der Gießener Frauenvereine.
— Im Oberhessischen Kun st verein ist morgen Mittwoch die Ausstellung von 11 bis 1 Ähr und am nachmittag von 3 bis 5 Ähr ge- öffnet. Am Donnerstag bleibt die Ausstellung wegen teilweiser Aenderung geschlossen.
Zur Waldbühne-Auffüh rung am Donnerstag wird uns geschrieben: Die Gießener Waldbühne hat in freundlichster Weise den Ertrag chrer Aufführung, auf die schon hingewiesen wurde, in den Dienst der Kriegswaisenpflege gestellt. Wir hoffen dadurch eine große Anzahl dieser Kleinen mit einem Nahrungszuschuh bedenken zu können. Besonders sei noch auf die Gesangseinlagen von Schülern und Schülermnen der Oberrealschule, die von Herrn Studrenrat
Die Pforte öe$ Paradieses.
Roman von Ingeborg Dollquartz.
Berechtigte Ueberfetzung aus d?m Dänischen.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nein, das nicht," sagte Frau Inger ruhig und fest. „Wir wissen nur, daß du keinen Lärm magst. und geben uns Mühe, still zu sein, weil wir dich Heb haben."
-Mell ihr mich lieb habt?" wiederholte er müde und legte die Hand über die Augen. „Ach Inger, wie lange wird das noch weitergehen?"'
Frau Borris ging zu ihrem Manne hin, umsaßle seinen Kopf mit den Händen und küßte ihn liebevoll.
„Ich werde niemals damit aufhören, Jens das weißt du wohl," sagte sie.
Er drückte seinen Kopf an ihre Schulter tote em Kind, das Schuh bet seiner Mutter sucht.
"Ach, irgend einmal wirst auch du müde werden — wie alle andern!" flüsterte er.
„Mutter I" ries Ellen draußen vor der Tür „Marthe fragt, ob du kommst. Großtante war bange, du kämest überhaupt nicht."
„Alle rufen nach dir!" rief der Hauptmann beinahe böse. „Änd immer gehst du von mir!“
»Aber Jens!" sagte Frau Inger lächelnd „Wir dürfen doch über uns selbst die andern nicht ganz vergessen. Ich komme ja bald wieder herunter."
»3a, ja," sagte der Hauptmann und strich sich mit der Hand über die Augen. „Geh nur and grüße Tante Ellinor von mir."
Krauß ernstudiert, Lönslieder und Lieder zur Laute bringen werden, aufmerksam gemacht.
— Die Gießener Radfahrergesellschaft von 1 89 6 „Die Wanderer" hat ihre alte Bereinstätigkeit wieder ausgenommen. In der kommenden Saison sollen sämtliche Sportarten der Räder, vornehmlich die so sehr beliebten Wanderfahrten wieder ausgenommen werden. Heute abend findet im Dereinslokal »Hindenburg" die diesjährige Generalversammlung statt.
Landkreis Giesren.
X Wieseck, 13. März. Endlich kam — durch den Streik verschoben — das Konzert unseres Männerquartetts Harmonie zustande, und wieder wurde, wie so oft, was lange währte, gut Ein aufnahmefreudiges Publikum füllte den großen Saal von Braun bis zum letzten Platz: vertreten war in ihm noch Gießen und Frankfurt a. M, von wo beste Kräfte mit Einheimischen in Chor und Orchester trefflich zusammenwirkte.t. Das feit 1902 bestehende Frankfurter Doppelquartett, bei seinem langjährigen Dirigenten Karl Kern in guten Händen, hatte Sänger geschickt, die schon gleich mit Seiberts „Maiennacht" die Herzen gewannen und deren Tenöre besonders im Pianissimo ihren ganzen Reichtum zu entfalten vermochten. In Hugo Hüngsts schlichtem „Ständchen aus dem 17. Jahrhundert" langten sie in die ferne Vergangenheit und in den beiden in der Stimmung so grundverschiedenen Zugaben, dem neckischen „Spinn, spinn" (Schauß), bei dem man sich in eine echte Spinnstube verseht meinte und dem choralmäßigen „Der liebe Herrgott hält die Wacht" (Eiles) zeigten die Vortragenden die Fähigkell eines sicheren seelischen Mitklingens, wie int Scherz, so im Er.tst: sie halfen auch dem hiesigen, z. Z. 13 Öllann ft irlen Männerquartett bei der Bestreitung seiner Nummern: Vinete (Heim), Mein Lied (Äthmann), wo — dort im Verllingen, hier im Jauchzen — bekannte Vorzüge, einer trefflichen Aussprache, unverloren sich zeigten: auch die Wiesecker bewiesen innige Vertrautheit mit den Gedanken der Komponisten in dem überschäumenden „Junge Lieb und junger Wein" (Angerer) und dem kindlich-innigen Wiegenlied von Brahms. Der Stimmungswechsel kam in Sauers Episode aus dem Zigeunerleben „Hinterm Dorfe fließt die Szamos" packend zu Wort. Als Solist trat aus der Schar der Gäste Herr Hormann (Tenor) vorteilhaft heraus, einer stimmlichen Indisposition kühn trotzend mit Heinz' „Ein treuer Freund" und dem Wanderlied von Schumann. Mit dem Quartett wetteiferte ein in der ganzen Besetzung einmütig gleicherweise dem Dirigentenstab Otto Manks folgendes Orchester: diesem, unseren durch seinen Beruf als Telegraphensekretär nach Frankfurt verseytenMit- bürger ist wohl in erster Linie das Zusammenwirken von Großstadt und Vorort zu verdanken. Der Cellist des Orchesters, Herr Schröder- Gießen, zeigte in „Col Nidrei" von M. Bruch eine feine Technik. Das Orchester eröffnete mit Drülls Ouvertüre zur Oper „Das goldene Kreuz", übertraf die Erwartungen bei der großen Fantasie aus Gounods Faust. Nach der Ouvertüre „Raymond" von Thomas und einem flotten Walzer von Ohlsen schloß es den schönen Abend mit dem Marsch „Regimentskinder" von Fucik.
*Sch. Alt en-Bus eck, 12. März. Heute nachmittag fand im Saale des Gastwirts Rühl eine Schulfeier statt, die zahlreich besucht war. Die Schüler der Oberklasse trugen Gedichte ernsten und heiteren Inhalts vor. Der Gesang einer großen Zahl mehrstimmiger Lieder, zum Teil mit Klavierbegleitung, sowie die Vorträge des Schüler-Streichquartetts gaben dem Programm eine äußerst gelungene Abwechselung. Alle Darbietungen waren vorzüglich und bezeugten, daß mit wenig Mitteln auch in kleineren Orten voller Erfolg erreicht werden kann. Am Schlüsse wurde Herrn Dr. Nicolai und allen Mitwirkenden der Dank für die genußreiche Feier ausgesprochen. Am nächsten Sonntag findet eine Wiederholung im nämlichen Saale statt.
* Allen dorf (Lahn), 13. März. Am Samstag fand im Gasthaus zum „Grünen Grund" das Stiftungssest des Gesangvereins „Einheit" statt. Die von Lehrer Jung eingeübten Chöre wurden mit gutem Eindruck ausgenommen, ebenso die Aufführungen: „Der Glockenguß zu Breslau" und „Der Wildschütz". Der Abend nahm einen schönen Verlauf.
tt Allendvrf a. d. Lda.. 12. März. Heute nachmittag hielt der Dienenzüchterverein Lumdatal hier seine Frühjahrsversammlung im Gasthof zum Bahnhof ab. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Lehrer Adam, erstattete der Rechner den Jahresbericht, der bei einer Einnahme von 521 Mk. und einer Ausgabe von 492 Mk. mit einem baren Vorrat von 29 Mk. abschloß. Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt war, verlas der Vorsitzende einen sehr anregenden Vortrag über das Thema: „Starke Völker". Er führte u. a. aus: Weide und Volk kann der Züchter beeinflussen und die Entwicklung des Volkes so leiten, daß es puf die Höhe der Sammelkraft kommt. Deshalb dürfen nur starke Völker in den Winter genommen werden, die genug
„Verstimmt es dich, toeim ich gehe?" fragt Frau Borris und sah ihren Mann bekümmert an.
»Rein, nein, geh du nur.“
Er blieb stehen und sah ihr nacch bis sich die Flurtür hinter ihr geschlossen hatte: dann ging ec zurück zu seinem Platz auf dem Sofa und mar- melte: „Was hätte ich davon, wenn du bei mir bliebest, wenn ich doch sehe, daß all» deine Gedanken bei andern sind!"
Viertes Kap itel.
Die große westindische Mahagonibettstelle, die beinahe schwarz war vor Aller, stand mitten im Schlafzimmer. Vier hohe gewundene Säulen tragen einen weißen Betthimmel: aber statt des Moskitonetzes, das früher daran befestigt gewesen war, zog sich, jetzt eine ellenbreite Spitze herum, die dem Betthimmel ein merkwürdiges baldachinähnliches Aussehen verlieh.
In dem breiten Bett, von vielen tlemen Kissen 8-eJ Ia9 achtzigjährige Frau Ellinor Borns. Das kleine gelbliche, von weißen Haaren eingerahmte Gesicht in den weißen Kissen sah ganz leblos aus. Die eingefallenen Augen waren geschlossen, und wären nicht die etwas pfeifenden Atemzüge zu hören gewesen, so hätte man glauben können, die alte Dame fei bereits tot.
Mer im selben Augenblick, wo Frau Inger über die Schalle trat, schlug Frau Ellinor die Augen auf: damit kam ein merkwürdiges Lebrn m das alte runzelige Gesicht, und sie sagte lächelnd: „Guten Abend, meine Liebe."
ilnb so schwach wie sie war, streckte sie doch ' "yt Mägk^er Anmut die Hand a ls und bat die i Ochste, auf dem niederen Sessel am Bett Platz 1 zu nehmen J
Wmtervorvat haben und gut verpackt sind. Königinzucht und Schwarmverhinderung sind zu beachten. Nach dem Vortrag, der eine ausgedehnte Aussprache veranlaßte, wurde über die Beschaffung von Zucker zur Herbstfütterung gesprochen und der Vorstand des Hauptvereins beauftragt, keine Mühe zu sparen, um den Zucker zu be» schaffen. Als Vertreter des Vereins bei der diesjährigen Ausschußsitzung wurde Bahnmeister Hilz gewählt.
△ Grohen-Duseck, 13. März. Der hiesige Kriegerverein feierte gestern sein fünfzig- lähriges Bestehen. Es sand ein Vortrag statt, an den sich humoristische und musikalische Darbietungen schlossen. — Hier starb der Altveteran Christoph Rohrbach I. im Alter von 74 Jahren. Er nahm im 2. Hessischen Ins.-Reqt Nr. 116 am Feldzug 1870/71 teil.
— Bellersheim, 14. März. Der hiesige Damenchor unter Leitung des Lehrers Deitz veranstaltete am vergangenen Sonntag einen Änterhaltungsabend, der in allen Tellen einen wohlgelungenen Verlauf nahm. Theaterstücke, Couplets usw. füllten den Abend aus und in den Zwischenpausen konzertierte eine Musikkapelle.
Kreis Alsfeld.
△ Alsfeld, 13. März. Die Dau-, Wald- und Landarbeiter hielten im Stadtpark eine Versammlung ab, die sich mit dem Lohntarif beschäftigte. Nida- Frankfurt erstattete Bericht über die Tätigkeit des Derbandsvorstandes und brachte den neuen Lohntarif zur Kenntnis. Es wurde durch die anschließende Aussprache festgestellt, dah es noch Landarbeiter mit einem Stundenlohn von 4,50 bis 5 Mk. gibt.
△ Grebenau, 12. März. Die Lichtleitung macht jetzt auch in der äußersten Nordspihe der Provinz Oberhessen gute Fortschritte. Die Orte Dieben und Lingelbach sind dieser Tage in den Besitz des Lichtes gekommen. Die Dörfer Schwarz, Ädenhausen und Eulersdorf sind nahezu fertig angeschlossen, Grebenau kann etwa in vier Wochen sein Lichtfest abhalten.
Kreis Schotten.
e. Eichelsdorf, 13. März. Für die Inhaber der hier während des Krieges errichteten Gendarmerie st ation soll in diesem Frühjahre eine Dienstwohnung erbaut werden. Die Bauleitung liegt in Händen des hessischen Hochbauamtes Schotten.
Kreis Lauterbach.
△ Lauterbach, 13. März. Ein Hchlag- ansall machte am Sonntag dem arbeitsreichen Leben unseres Bürgermeisters Stöpler plötzlich ein Ende. Herr Stöpler war eine bekannte Persönlichkeit. Bis zur Revolution gehörte er in mehreren Wahlperioden dem Hessischen Landtage als Abgeordneter für den Vogelsberg an. ©einem Wirken hat der Vogelsberg manche Fortschritte mit zu verdanken. So setzte er sich für die Erbauung der Vogelsbergbahn, die Ausdehnung der elektrischen Äeberlandzentrale Oberhessens bis in den Vogelsberg, und die Förderung des Hutweidenwesens ein. Als Bürgermeister stand er 33 Jahre an der Spitze unserer Kreisstadt. Mit rastlosem Fleiße hat er an der Verschönerung der Stadt gearbeitet, die Kanalisation wurde erbaut, ein Elektrizitätswerk errichtet, die Wasserleitung angelegt und vergrößert, und so noch manches andere Gute geschaffen. Während des deutsch- französischen Krieges diente er im 2. Hessischen Infanterie-Regiment 116 in Gießen. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 73 Jahren.
△ Wernges, 12. März. Dem hiesigen Lehrer wurden in der Nacht seine beiden hoch- trächtigen Ziegen von zwei Wolfshunden zerrissen. Die eine war bis auf Kopf und Deine vollständig verzehrt, die andere stark angefressen.
Kreis Friedberg.
Dad-Nauheim, 12. März. Äm eine Reihe von Werkanlagen aus der Vogelschau photographieren zu lassen, hatte sich die Meguin- A.-G. ein Flugzeug der Deutschen Luftreederei von Leipzig bestelltt Es kam am Freitag tro hungünstiger Witterung nach zweistündiger Fahrt von Leipzig in Butzbach an. Gestern und heute erfolgten die photographischen Ausnahmen, die das Flugzeug auch nach unserer Badestadt führten. Es wurde hier stürmisch begrüßt, zumal es sehr niedrig flog. — Das herrliche Frühlingswetter führte heute viele Ausflügler aus den benachbarten Städten nach hier.
Starkenburg und Rheinhessen.
wd. G r o ß-G er au, 13. März. Die an Stelle des „Darmstädter Tagblatt" erschienenen „Hess. Neuesten Nachrichten" sind vorläufig vom Delegierten der Rheinlandkvmmission in Groß- Gerau für drei Tage verboten worden.
Kreis Wetzlar.
ra. Dornholzhausen (Kr. Wehlar), 13. März. Äm unser Kirchengeläutewieder zu vervollständigen, hat die Gemeinde bei der Firma Ninker-Sinn zwei neue Glocken bestellt.
„Wie geht dir's, Tante Ellinor?" fragte Frau Inger und gab der ihr gereichten Hand einen leichten Druck.
„Schon recht," lächelte die alte Dame ihr entgegen. „Ich Eün des Regens und Sturms und der ewigen Finsternis hier bald recht müde. Ich sehne mich nach Licht unb Sonnenschein. Änd wie geht es dir? Du siehst auch aus, als ob du dich nach, Licht und Sonne sehntest."
„Ach, Tante Ellinor, ich will nicht Nagen."
Frau Inger machte einen Versuch zu lächeln, muhte sich aber in die Lippen beißen, um nicht in Tränen auszubrechen. S^e fühlte sich so unruhig und gequält, vielleicht darum, weit ihr noch nie so deutlich, tote an diesem Abend, zum Bewußtsein gekommen war. daß Tante Ellinor, ihr einziger Trost, nur noch wenige Tage zu leben hatte.
„Warum willst du dich stärker stellen, als du bist, Kind? Meinst du denn, du könntest mich hinters Licht führen?"
Tante Ellinor schüttelte leicht den Kops und fuhr bann fort: „Man fängt an, klar zu sehen, wenn man der Well Lebewohl sagen soll. Ich will nicht zudringlich sein, Kind — aber ich bin alt, meine Augen haben viel gesehen: vielleicht könnte ich dir doch helfen."
„Nein, Tante Ellinor, nur kann niemand helfen," sagte Frau Inger und machte einen tapferen Versuch, zu lächeln.
„O, du willst dir nur nicht helfen lassen. Aber du solltest doch, wissen, so dumm und kindisch es ist, sein Herz fremden Blicken zu offnen und seiner Freude oder seinem Leid oder auch seinem Groll Gleichgültigen gegenüber ben Lauf M lassen, ebenso verkehrt, ebenso engherzig und
ra. Braunfels, 13. März. Dem Beispiel der Kreisstadt folgend hat sich auch hier ein Mieterschutzverein gebildet.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 13. März. Eine Gesellschaft beabsichtigte hier nach spanischem Muster die Abhaltung von Stiergefechten und bewarb sich bei dem Polizeipräsidenten um die Erlangung der Konzession. Das Polizeipräsidium hat das Ansuchen glatt abgelehnt, da es sich auf den begrüßenswerten Standpunkt stellte, daß ein Bedürfnis dafür nicht vorhanden sei.
Hessischer Evangelischer Landeskirchentag.
rm. Darmstadt, 13. März. Die heutigen Beratungen wurden unter dem Vorsitz des Präsidenten O. Dr. Diehl nachmittags 3,15 Ähr begonnen, nachdem Pft. Knodt (Wimpfen) das Gebet gesprochen.
Zunächst wird der Antrag des Erweiterten Oberkonsistoriums auf Errichtung eines^llrchlichen Landesjugendpfarramtes beraten. Prälat Euler gab hierzu eine eingehende Begründung. — Abg. Fritsch begrüßt die Vorlage. Rbg. Dr. S ch i a n schließt sich den Vorrednern an. Ein Novum sei allerdings, dah die Wirksam- leü aus acht Jahre zeitlich begrenzt wird. In dieser Richtung müsse man in Zukunft besondere Bestimmungen treffen. Prälat Euler hält es für richtig, einen nicht zu langen Zeitpunkt festzusehen tote s. Zt. bei den Missionsgeistlichen. — Der Antrag wird angenommen.
An der vereinten evang.-protest. Gemeinde Offenbach soll eine neue Iugend-Pfarr- st e l le errichtet werden. Die Vorlage wird nach Bericht des Abg. Fritsch angenommen. — Auch die Errichtung einer Pfarrstelle an der evangelischen Gesamtgemeinde Darmstadt für die Kea n» f e n b ä u f e r, die durch Abg. Kleeberger begründet wird, findet Annahme. Der Pfarrer soll auch ein Stück Gemeindearbeit leisten. Einen Teil der Kosten tragen die übrigen Gemeinden.
Von dem Kirchspiel Kirchbrvmbach sollen einzelne Orte tote Affolterbach, Kilsbach, Vierbach und Vallbach an das Kirchspiel Brensbach und Langenbrombach nach Kirchbrombach zugeteilt werden. Der Antrag findet Zustimmung. Die Filialgemernde Klein-Gerau soll von Gr.- Gerau losgelöst und mit der Gemeinde Worfelden zusammen eine selbständige Gemeinde bilden. Abg. S c r i b a wünscht einen bestimmten Termin, den 1. April, festzusehen. Die Zuteilung der Evangelischen des Hofgutes Oppelshausen zu der Pfarrei Stammheim wird genehmigt. Die Reformierten in Mitlerstein, welche seither zum Kirchspiel Schlierbach gehörten, wollen der Kirchengemeinde Fürth zugetellt werden, was nicht beanstandet wird: die Bewohner des Weilers Wünsch bach. L O. wollen von Reichelsheim abgetiennt und nach Kirch-Brombach angeschlossen werden. Der Antrag wird genehmigt.
Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der evang.-theolog. Wissenschaft, Gruppe Hessen, hat um eine Änterstühung nachgesucht. Es waren 2000 Mk. vorgesehen, doch tritt Abg. Dr. Sch ian in warmen Worten für die Summe von 5000 Mk. ein. Der Antrag findet Annahme.
Die Sitzung wird um 4 Ähr geschlossen. — Nächste Sitzung Dienstag 8l/2 Ähr.
Kirche und Schule.
. * Freie Lehrer st eile. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besehende Schulstelle zu Großen-Duseck, Kr. Gießen.
)( Liß berg, 11. März. Wie man hört, wurde zum Pfarrer unseres Städtchens Pfarrer Adam aus Vielbrunn ernannt. Pfarrer Adam war seither Pfarrer in Hammelbach, Schaafheim und seit 1914 in Vielbrunn im Odenwald. Er wird bald nach Ostern nach hier übersiedeln.
)( Gelnhaar, 11. März. Gutem Vernehmen nach wird bald nach Ostern unser Orts- geistlicher, Pfarrer Schultheis, seinen Dienst in der hessischen Landeskirche aufgeben, um als Leiter des Siedlungswerkes und der Volkshochschule des Neuen Werkes nach Schlüchtern zu ziehen. Pfarrer Schultheis war, nachdem er vorher in Birkenau und 6 Iahre als Pfarrer von Herrnhaag in Büdingen tätig gewesen war, im Jahre 1919 nach hier gekommen.
)( Darmstadt, 11. März. Für den allgemeinen Buß- und Bettag, der nach alter frommer Sitte in unserer hessischen evangelischen Kirche am Sonntag Palmarum begangen wird, hat das Oberkonsistorium folgende Tezte bestimmt: Ieremia Kap. 2, Vers 13: Mein Volk tut eine zwiefache Sünde, mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich hie und da ausgehauene Brunnen, die doch löcherig sind und kein Wasser geben, und Matthäus Kap. 5, Vers 6: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden."
hochmütig ist es, aufrichtiger Teilnahme gegenüber sein Herz zu verschließen."
»Tante Ellinor, du weißt wohl, daß es nicht Hochmut ist, wenn ich am liebsten über mich selbst schweige," flüsterte Frau Inger.
„Nein," erwiderte die Kranke lächelnd. „Du gehörst nur zu den Menschen, die leichter geben als nehmen. Du gehörst zu denen, meine Liebe, die immer auf neue Pflichten ausgehen, die dazu geschaffen find, sich Lebensaufgaben aufzuladen. ,Laß mich — laß mich —nicht wahr?"
„Tante Ellinor, du kannst es nicht ertragen, so viel zu reden."
„Ei, ei, du kannst wohl nicht ertragen, die Wahrheit zu hören," lächelte die Kranke, die ganz lebhaft wurde.
»Dock), von dir schon, Tante Ellinor," er- toiberte Frau Inger. „Aber du weißt doch-, wenn Nora dagewesen ist, dann —“
„Dann hast du für den Tag nicht noch mehr Schelte nötig," vollendete Frau Ellinor den angefangenen Sah.
-2lch. ich kann nicht gerade sagen, daß mich Nora ausschilt," wandte Frau Inger ein. „Aber sie hat über alles ihre eigene Meinung, und da sie Jens' einzige Schwester ist, und wir doch einmal verkehren müssen, so will ich sie nicht durchs Widerspruch reizen."
„Sehr tlug von dir," stimmte Tante Ellinor bei und machte eine anerkennende Bewegung mit der Hand. „.Wenn du im Fluß leben mutzt, so mach dich gut Freund mit den Krokodilen«. Aber du kennst doch ihre Redensarten. Hatte sie heute etwas Neues?"
(Fortsetzung folgt)


