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Samstag, 12. August 1922

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)

Zweites Blatt

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Aber die Verfassung von Weimar mutz den Doden abgeben, auf denr sich alle finden, die Deutschland vorwärts und aufwärts führen wollen. Eine andere Plattform gibt es nicht. Jeder andere Weg führt in den Abgrund. Diese Erkenntnis sollte uns allen der heutige Erinne-

gewahrt, aber fester wie ehedem fundiert: Ueber alles die Reiches. Der Dorspruch der Weimar lautet:Das deutsche

düng verraten, kehrte der Doktor dem Opfer der Katakomben den Rücken und ging hinaus an die Luft.

Schon war die Sonne schimmernd und glitzernd über die nu bischen Derge gesttcgen, und endlich entschlaf) sich auch Eduard, seine tra^rrge Wacht bei Sillh zu -unterbrechen und ins Freie zu treten.

Perzelius war an dem brausenden Ril ent­lang gewandert, um nachzusehen, ob keine Rach­richten von Davon Hallam in der entfernt lie­genden Station eingetrofsen wären.

Ismais war nicht zu sehen. Er streifte irgendwo in der Gegend umher zu unbekairnten Zwecken. _

Trutz der Erschöpfung fühlte Eduard kein Be­dürfnis nach Schlaf oder Rahruny und lief) dre wenigen Früchte unberührt stehen, die ihm der Knabe vor seinem Weggang g b acht hatte

Eine vor ehrende Unruhe trüb ihn umher. So sehr es ihn auch drängte, bei Silly zu bleiben, vermochte er sich bod) eines von Minute zu Minute stärker werdenden Grauens nicht zr er­wehren wenn er ihren starren Körper betrach­tete der kalt anzufühlen war und sich mit einer feuchten Schicht überzogen hatte. Momente lang flammte in ihm eine Hoffnung auf, ob nicht doch irgend ein Wunder geschehen könne, aber dann versank er wieder ti eine nur tim so düsterere Trostlosigkeit. Er brachte dann nicht über sich in dem Felsenschacht zu verweilen, der den Leib seiner Geliebten barg, sondern rannte ern- sanr und ziellos über den glühenden Sand, dessen grenzenlose Oede nur die Leere seiner Seele rns Unerträgliche steigerte.

Der Mittag nahte heran und die Sonne stach senkrecht hernieder, als Ismias hinter einem der Sandhügel auf tauchte. Er trug etzrtLe getwcr-

ßänbem vom 25. August 1921 anschließt. Auster- dem möchte ich persönlich meiner g rohen Ge­nugtuung Ausdruck geben, die, wie ich sicher bin, auch von meiner Regierung empfunden wird, für die Ehre, die ihr durch das Er­suchen erwiesen worden ist, das Sie mich gebeten haben, an den Präsidenten der Vereinigten Staa­ten von Amerika weiterzuleiten. Ich werde die Ehre und das Vergnügen haben, dies sofort zu tun, und werde nicht verfehlen, Sie unmittelbar nach Empfang einer Antwort zu benachrichtigen. Gestatten Sie mir auch die Versicherung, dah ich Ihre großmütigen Erklärungenin Ihrem Briefe wohl zu würdigen weih. Zugleich benutze ich diesen Anlaß, um Ihnen, Herr Reichskanzler, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hoch­achtung zu erneuern. gez. Houghton.

Die Vervollständigung des deutsch-amerikanischen Friedensvertrages

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keitsstaates tritt der Volksstaat. Des Volkes Wille ist oberstes Gesetz. Der Mehrheitswille ist im Staat entscheidend, aber auch den Minder­heiten ist weitmöglicher Schuh im Wahlrecht und Einfluh auf die Gesetzgebung gesichert. Das der deutschen Einzel­

nste Pflan'en an frinem Gürtel und Hi lt eine kleine McteMschate in den Händen, m welcher einige Stücke glühender Kohleii lagen.

.Wir müssen sie hinaustragen," sagte der Knabe,ich will den groben Bahozauber an ihr machen."

Eduard verstand kaum etwas von den Wor­ten des nub shen Jungen, e8 to -r>e ihm nur soviel klar dah er mit diesem Silly aus dec Felsenhöhle tragen sollte. Halb totberftrebenb ging er ans Werk. Es graute ihm vor dem immer erneuten Anblick des Körpers, den er einst in Liebe zu um "argen g h M halte und über dem nun der Reis des Todes lag.

Wir wollen sie liegen lassen, bis wir ei.te Stätte für sie gefunden haben," sagte er tonlos, um Ismais von seinem Vorhaben abzubringen.

Aber Ifmais bestand auf feinem Willen. Wir müssen sie die Sonne sehen laficn, erwiderte er bestimmt.Matummu unter der Erde, Dahv über der Erde."

So gehorchte Eduard und todnde' te sich, dah er sich von einem Stroiym len len lieh .

Sie trugen nun g emetnf om Sillh hinauf auf die Wüstenhochfläche und Ismais legte sie so dah ihr Antlitz nach Osten sah."Gr selbst setzte sich zu ihren Füßen nieder, mit untergcschlagencw Beinen, stellte das kleine Metalllxcken vor sich hin, blies die Kohlen an und hantierte tote ein gewandter Fakir.

Eduard lieh ihn gewähren. Gr war im In­nern ergriffen von der kindlichen Religi)sität dieses Eingeborenen, der hier einem Mädchen, das ihm nie nahegestanden, die letzten Ehren erweisen wollte, tote es die Gesetze seines Glau­bens verlangten.

l Fortsetzung folgt)

als für die beiden Regierungen bindend an­genommen werden. Das Abkommen tritt mit dem Tage der Unterzeichnung in Kraft.

Soweit der wesentliche Inhalt des heute am 10. August 1922 abgeschlossenen Ab­kommens selbst. In einem Begleitschrei­ben, ebenfalls vom 10. August 1922, das auf ein Schreiben des Reichskanzlers an den amerikanischen Botschafter erwidert, läßt edoch die amerikanische Regierung durch ihren Botschafter erklären, daß sie nicht beab- ichtige, in dem Kvmmissionsverfahren An- prüche vorzubringen auf Erstattung der Mi - litä rpen sionen sowie der den amerikw nischen Kriegsgefangenen oder ihren Ange­hörigen und den Familien der Mobilisierten von der amerikanischen Regierung gezahlten Anterstützungsgelder.

Da nun die deutsche Regierung im Verlauf der Vorbesprechungen die Absicht der amerikanischen Regierung glaubte er­kennen zu dürfen, die eingeleitete Regelung der zwischen den beiden Staaten noch zu lösen­den Fragen in entgegenkommender und gerechter Weise durchzuführen, so hat sie, wie wir derKöln. Ztg." entnehmen, die Gelegenheit ergriffen, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bitten, er möge selbst das Amt dieses in Artikel 2 vorge- ehenen Anparteiischen einer ihm für diese verantwortungsvolle Aufgabe geeignet erscheinenden amerikanischen Persön­lichkeit übertragen. Die Antwort, die darauf durch t>en amerikanischen Botschafter erfolgt ist, rechtfertigt vollauf diesen Schritt und verdient es an sich schon, als geschicht­liches Dokument, vor allem aber als Gegen­beispiel zu dem diplomatischen Verkehrston, mtt dem die deutsche Re­gierung immer noch zuweilen von anderer Seite bedacht wird, im Wortlaut wie­dergegeben zu werden. Das Schreiben des amerikanischen Botschafters lautet in der Übersetzung folgendermaßen:

Berlin, 10. August 1922. Herr Reichskanzler!

Ich habe die Ehre, den Empfang Ihrer heutigen Rote zu bestätigen, die die (Srnermung eines Anparteiischen nach Artikel 2 des heute zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutschlands geschlossenen

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Abkommens betrifft, auf dessen Grundlage ein Anparteiischer durch Vereinbarung zwischen den beteiligten Regierungen gewählt werden soll. Ew. Exzellenz stellen fest, daß die deutsche Regierung von der Absicht der amerikanischen Regierung überzeugt ist, die mit der Unterzeichnung des Abkommens etngeleitete Regelung der zwilchen den beiden beteiligten Staaten noch zu losenden Fragen in entgegenkommender und gerechter Weise durchzuführen. In dieser Auffassung ist die deut­sche Regierung durch die von mir erhaltenen Zu­sicherungen noch bestärkt worden. Sie stellen fest, daß Ihre Regierung glaubt, daß das durch den Krieg hervorgerufene Mißtrauen der Volker gegeneinander und die schweren wirtschaftlichen Schädigungen, die eS für alle beteiligten Staaten im Gefolge hat, am sichersten aus der Welt ge­schafft werden, wenn diese Staaten sich entschlie­ßen, an die Lösung der als Folge des Krieges zwischen ihnen entstandenen Fragen in groß­zügiger Weise und tm Geiste gegensei­tigen Entgegenkommens heranzutreten. Sie sagen auch, daß die deutsche Regierung begrüßt, daß die amerikanische Regierung hierzu die Inittative zu ergreifen beabsichtigt, daß, um dies zu ermöglichen und um ihrerseits der ameri­kanischen Regierung einen Beweis ihres Ver­trauens zu geben, die deutsche Regierung sich beehrt, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bitten, einer ihm für diese verantwortungs­volle Aufgabe geeignet erscheinenden ameri­kanischen Persönlichkeit das Amt eines Unparteiischen, wie>es in dem erwähnten Abkommen vorgesehen ist, zu übertragen. Zum Schluß stellen Sie fest, daß Sie dankbar lein würden, wenn ich diesen Vorschlag der deutschen Regierung dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unterbreiten würde. In Er­widerung auf die Rote Ew. Exzellenz erlauben Sie mir zunächst meine Glückwünsche zu dem Abschluß dieses Abkommens auszusprechen, das sich an den Friedensvertrag zwischen den beiden

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Am Donnerstag nachmittag ist in der < Reichskanzlei vom Reichskanzler Dr. Wirth und Dom amerikanischen Botschafter in Ber­lin. Alanson B. Houghton, ein Ab­kommen zur Vervollständigung des Friedensvertrages vom 25. Aug. .1921 unterzeichnet worden. Auch in diesem Abkommen ist eine Kommission vorgesehen, aber eine Kommission ganz anderer Art als all die verschiedenen Kommissionen, deren An- terhalt zur Ausführung des Versailler Diktats Deutschland bestretten muß. Es handelt sich um eine gemischte Kommission zur Festsetzung der amerikanischen Schadenersatzfvrderungen, d. h. also der gesamten von den Vereinigten Staaten «t beanspruchenden Kriegsentschädi­gung. In diesem Fall wird die festzusetzende Summe also nicht einseitig diktiert, sondern auf dem regelrechten Verhandlungswege ge­nauer festgesetzt werden. Wie die Bezahlung dann erfolgen soll, auf welchem Wege, in welchen Terminen usw., das wird eine wei­tere Frage sein, die im Anschluß an die Arbeit Lieser Kommission erfolgen kann.

Der Wortlaut des Abkommens beginnt folgendermaßen:

Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika, von dem Wunsche beseelt, die Summe festzusehen, die Deutschland in Erfüllung seiner finanziellen Verpflichtungen aus dem zwischen den beiden Regierungen am 25. August 1921 ab­geschlossenen Vertrage zu zahlen hat, welcher den Vereinigten Staaten und deren Staatsangehörigen in einem Beschluß des Kongresses der Ver­einigten Staaten vom 2. Juli 1921 näher be­zeichnete Rechte, einschließlich solcher aus dem Vertrag von Versailles sichert, haben beschlossen, die Fragen zur Entscheidung einer gemischten Kommission zu überweisen, und haben zu ihren Bevollmächtigten für den Abschluß des nach­stehenden Abkommens ernannt: Der Präsident des Deutschen Reichs den deutschen Reichskanzler Dr. Wirth, und der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der DereinigtenStaa- ten von Amerika in Deutschland, Alanson B. Houghton, welche nach Austausch ihrer für gut und richtig befundenen Vollmachten folgendes vereinbart haben:

Artikel 1. Die Kommission soll Über die folgenden Arten von Ansprüchen be­finden, die des näheren im Vertrag vom 25. August und in dem Vertrag von Versailles bezeichnet sind: 1. Ansprüche amerikanischer Bür­ger, die seit dem 31. Juli 1914 aus der Schädigung oder Beschlagnahme ihrer Güter, Rechte und Interessen erwachsen sind, einschließlich jeder Ge­sellschaft oder CBereinigung, an denen sie beteiligt sind, innerhalb des deutschen Reichsgebiets, tote es am 1. August 1914 bestand: 2. andere Ansprüche aus Verlust oder Schaden, den die Vereinigten Staaten ober ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges durch Verletzung von Personen oder von Gütern, von Rechten und Interessen, einschließ­lich jeher Gesellschaft oder Vereinigung, an denen amerikanische Staatsangehörige beteiligt sind, seit dem 31. Juli 1914 erlitten haben: 3. Schulden der deutschen Regierung oder deutscher Staats-

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Verfassung von ----

Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Ge­rechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inne­ren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben.

Meine Damen und Herren! In schwerster Zeit ist die neue deutsche Verfassung erstanden. Die Lasten, die damals Deutschland bedrückten, sind auch im Verlauf der drei Jahre wahrlich nicht geringer geworden, sondern haben stch noch er­heblich vermehrt. In den maßgebenden E n - ten tefreif en kann man sich immer noch nicht von Item unklugen Gedanken frei machen, den wirtschaftlichen und politischen Druck auf Deutsch- land zu vermehren. Trotzdem für jeden Ein­sichtigen klar sein könnte, daß die Verelendung Deutschlands die Verelendung der ganzen Welt, vornehmlich der arbeitenden Klassen be­deutet. Die entsetzlichen äußeren Röte, die unser Volk bedrücken, werden noch erheblich gesteigert durch innere Schwierigkeiten. Wahn­witzige und verbrecherische Elemente glauben, sie könnten die Republik in Deutschland zu Fall bringen dadurch, baß sie ihre führenden Männer morden. Die schweren inneren staatlichen Er­schütterungen, die durch diese Bluttat hervor- gerufen wurden, wirken leider jetzt noch nad Diese und andere Vorgänge zeigen deutlich, daß die deutsche Verfassung keineswegs gegen Gefahren gesichert ist. Cs ist kein Zweifel, daß sich der Staat gegen Gewalt im Innern mit den Mitteln der Gewalt zu vertei­digen hat. und daß er die Kraft dazu auch

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fein und dunkel dämmerte in ihm die Erkenntnis, baß er sich tm Eingang der Katakomben be­fand, die ihm vor einigen Tagen noch Verderben gedroht. ,

Er hörte Schritte aus der Dunkelheit brin­gen, die die hintersten Gemächer umfaßte. Dann sah er Perzelius sich entgegenschreiten.

Wir sind gerächt," rief ihm dieser schon von weitem zu und verlöschte das Feuerzeug, das er in der Hand trug.Die uns nach dem Leben trachteten, sind selbst dem Untergänge geweiht worben."

Was ist?" fragte Eduard voll Erwartung.

Iechiel den Iehud -und Samuel Chujim sind ertrunken mit all den andern. In einem der rück­wärtigen Gänge, die tief hinabführen, liegen ihre Körper aufgedunsen und blau inmitten andrer Toter. Wahrscheinlich Haden sie sich auf einem unterirdischen Weg hierher retten too'Ien, oßne jedoch dem nachbringenden Wasser entrinnen zu können."

Mit Genugtuung vernahm Eduard die Rach- richt des Dokt ors. Doch was nützte ihm jeßt alle Rache? Vermochte sie doch Silitz nicht le­bendig zu machen.

Perzelius trat neben Eduard zu Silitz hrn. Er fühlte ihren Puls, der völlig versiegt war. Er hielt ein Haar vor ihren Mund um einen etwa noch vorhandenen Atem feststellen zu können. Aber alles umsonst. Sie war zu lange schon dem nervenzerstörenden Einfluß. der Matummu- zeremonie ausgesetzt gewesen. Die Lebenskraft war bis zur Erschöpfung ihrem Organismus ent­zogen worben, so baß der Tod eintreten mußte. Sonst hätte auch der Priester nicht schon mit den Vorbereitungen jur Mumifizierung begin­nen können.

Kopfschüttelnd und ohne irgend efrie Emplw"

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Roman von Ernst Schert«!.

83. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Ismais schritt ausrecht und tote ein j mger Held der afrikanischen Vorzeit nach dem Aus­gang der Hohle, Seine Glieder toaren gestrafft imb sellle braune Haut glänzte metallen unter den Strahlen der ausgehenden Sonne, deren .Widerschein zu den Felsen tyeretnftutete.

Trotzdem Eduard nicht wußte, was die Worte des nubischen Knaben bedeuteten, fuhtte er sich doch seltsam gestärkt, als er jenen Jo schreiten sah wie den Sohn eines Fürsten, dem lMacht gegeben war über Leben und Tod. Welches Pharaonen Blut pulsierte noch in den Adern dieses späten Sprossen? Welche hohen und ge­heimen Kräfte lagen In diesem schmalen Körper schlafend, nur darin und wann aufgepeitscht, um etite Versammlung betrunkener Hafenarbeiter zu belustigen und den kärglichen ünterßalt zu ver­dienen ? ,

Eduard wollte aufspringen und Ismras nach- gehen und mit Fragen bestürmen, aber ber Schmerz hielt ihn nieder. Es war ja alles umsonst, und er brach aufs neue in einen Strom von Tränen aus.

Zehntes Kapitel.

Doller und voller strömte bas Licht des werdenden Tages in bas Innere der Höhle, in welcher Ed'iard neben Silitz lauerte.

Erschöpft und leer blickte Eduardum sich. Er ließ seine Augen nach dem Hintergründe z i wan­dern, wo er zwei mächtige, geöffnete Torflügel sah. Matt stand er auf und durchsuchte die dahinter liegenden Räume. Sie tarnen ihm be- taiyit vor. Hier mußte er schon einmal gewesen

Hessischer Landtag.

33. Sitzung.

St. Darmstadt, 11.Aug.

Am Regierungstische: Ministerpräsident 111 - rich, Finanzminister Henrich, Iustizminister von Brentano, Wirtschaftsminister Raab.

Die Plätze der äußersten Rechten und äußer­ten Linken sind leer. Der Sitzungssaal ist arte Anlaß der Derfassungsfeier mit Pflanzengrün geschmückt.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 8.40 Uhr und hält folgende

Festansprache:

Meine Damen und Herrens -Qeutc am 11. August jährt sich zum drittenmal der Tag, an dem dieneueVerfassungdesDeutschen Reiches von der Rationalversammlung in Wei­mar beschlossen wurde. Der erste Artikel, der vor­nehmste und grundlegende, lautet:Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staats­gewalt geht vom Volke aus." In Wei­mar, auf historischem Doden, in der Stadt Goethes und Schillers, der großen deutschen Denker und Dichter, die mit ihren Werken die gesamte Kul­turwelt befruchteten, ist die rechtliche Fest­legung der Grundorganisation des neuenStaaiswesens geschaffen. Das staat­liche Dasein wurde hier verankert und fest um­grenzt. Die Dtaatsform ist Republik und Demo­kratie. An die Stelle des monarchischen Obrig-

Siaatspräsidenten mit dem Abg. Ebne r.

Staatspräsident Ulrich: Der Abg. Ebner hat sich gestern darüber beschwert, und zwar auf Grund einer Rotiz hx der Südwestdeutschm Ar­beiterzeitung, baß in Bingen kommunistische Ber- smnmlungen unter freiem Himmel verboten wurden und baß besonders hessische Minister dieses Ver­bot gutgeheißen bzw. veranlaßt haben. Er hat besonders mich Herrn Dr. Davrd und Herrn Adelung genannt. Wir hätten den Kreisdirektor Schön ersucht, in Bingen für Wiederherstellung der Ordnung Sorge zu tragen und alle kommu­nistischen Versammlungen unter freiem Himmel zu verbieten. Ich habe veranlaßt, baß Herr Kreisbirektor Schon befragt wurde, ob er eine dahingehende Auskunft gegeben hat. Ich so­wohl wie die Herren Dr. David und Adelung wußten, daß wir mit Herrn KreisdirektorSchön überhaupt nicht gesprochen hatten. (Höri! Hört!) 'Die Be­sprechung des genannten Dlattes und des Abg. Ebner ist also eine glatte Unwahr­heit. (Hört! Hört! Unruhe.) Herr Kreisdirektor Schön, der uns als durchaus rußiger, besonnener und sehr verdienter Beamter bekannt ist, hat uns beftdilgt, er habe dem Kommunistenführer erklärt, daß er sich mit den hessischen Ministern, die in Dingen toaren, einig wisse in der Absicht, die Ruhe und Ord­nung wieder herzu stellen. Völlig falsch sei, baß er versichert habe, daß wir drei uns in dem angeführten Sinne geäußert hätten oder ein Ver­bot angeregt haben. (Hort, hort!) Er habe einzig mit dem Herrn Minister des Innern über die Vorkommnisse in Diägen gesprochen. Dieser- habe sich für ein Verbot der Versammlungen unter freiem Himmel in den erregten Tagen ausge­sprochen. Der Kommunistensührer sei damit ein­verstanden gewesen (Hort!) und habe die Ver­sammlung in ein Lokal verlegt. Ich muß doch sagen, wenn derartige falsche Behauptungen hier benutzt werden sollen, um einzelne Personen Ijer- abzusehen, ist es an der Zeit, hiergegen Stel­lung zu nehmen. Run hat der Abg. Ebner in­zwischen einen Bericht geschrieben in der Snd- westdeutschen Arbeiterzeitung Über den Ausflug nach Rüsselsheim. Sie haben ihn doch geschrre-

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angehöriger an amerikanische Bürger.

Die Zusammensetzung der Kommission ist nach Artikel 2 des Abkommens folgende: Die deutsche Regierung und die Regierung der Vereinigten Staaten sollen je einen Kom­missar ernennen, die beiden Regierungen sollen auf Grund einer Vereinbarung einen Unparteiischen auswählen, um über alle Fälle zu entscheiden, in denen die Kom­missare verschiedener Meinung sein sollten, oder über alle strittigen Punkte, die sich im Laufe der Verhandlungen zwischen ihnen er­geben sollten. Die Kommissare sollen inner­halb zweier Monate nach dem Inkraft­treten des Abkommens in Washington zu- ;sammenkvmmen. Zett und Ort weiterer Zu­sammenkünfte können sie festsetzen, wie es zweckmäßig erscheint. Jede Regierung be­streitet ihre eignen Ausgaben, so­fern sie nicht von beiden Regierungen zu gleichen Teilen getragen werden. Die Ent­scheidungen der Kommission und die des Un- partettschen (falls solche Vorkommen) sotten

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rungStag an das Werk von Weimar vermitteln. Es gilt, die Verfassung mit lebendigem Geist zu er» üllen, mit dem Geist ber Opfcvtoilligfcit. Die republikanische demokratische Staat, form legt die Verantwortung für daö Staats- ganze auf d i e Schultern beS Volkes. Sie zwingt dadurch jeden zllr Mitarbeit und stellt somit große Anforderungen an den Einzelnen Sie gibt größere Rechte, erheischt indessen auch größere Pflichten. Demokratie erfordert aufs I ochste gesteigertes staatliches P f 11 d> t b e ip u ß 11 e i n. Demokratie ist unver­einbar mit Vorherrschaft einer Minderheit und Diktatur. Sie verlangt die Mitwirkung aller am Werke. Der Sinn für den Dienst am Volks­ganzen und das Zuriickdrängen des kleinen eigenen Ichs muß unserem Volke immer mehr an­erzogen werden.

Meine Damen und Herren! Die Zuftmsi Deutschlands hängt davon ab, in welchem Blaße es gelingt, den Geist der Schaffensfreude zu erwecken, der zur Freiheit und zu Erhöhung aller Kulturwerie führt. Wir dürfen nicht verzweifeln am Schicksal, sondern müssen besonders in der größten Rot die Kraft und den Mut aufbringen zu rastloser, unverdrossener Arbeit am wirtschaft­lichen und kulturellen Aufstieg unseres Volles. Dieser Gedanke muß uns tragen, und In diesem Gedanken müssen alle Glieder des deutschen Volkes einig gehen.Allen Gewalten zum Lnitz sich erhalten, rufet die Arme der Götter herbei!" sagt der große Weimaraner Goethe.

Die Verfassung von Weimar ist die Grundlage des staatlichen Seins unseres deutschen Volkes. Bauen wir darauf ein Reich der Freiheit, ein Reich der Gerechtigkeit! (Lebhafter Beifall.)

Es tritt danach eine Pause von 30 Mi­nuten ein.

Um 9,20 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet.

Abg. Lücke! (Soz.) fordert in Form einer kleinen Anfrage ein Ausfuhrverbot für Obst und Festsetzung von Richtpreisen.

Präsident Rebe! erwidert, älhnlich tote gestern bezüglich der Kartofselfrage behalte die Regierung die Preisentwicklung dauernd im Auge. Ausfuhrverbote kann sie nicht erlassen, ebensowenig Richtpreise festsetzen. Doch fei man an die Reichsregierung berangetreten mit dem Ersuchen, Bestimmungen zu erlaffen, daß Aus­fuhr ins Ausland erst zugelafsen wird, wenn die heimische Devöllerung versorgt ist.

Es kommt dann zunächst eine

scharfe Auseinandersetzung

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