Einzelbild herunterladen

der in ihr geherrscht batte um so gefährlich^-, weil er in den Mantel der Selbstverleugnung gehüllt war: denn niemals hatte sie selbst in De- mit einen Menschen um eine Handreichung ge­beten.

Aber nun wollte sie das tun.

Zwölftes Kapitel.

Tas erste, was Frau Inger tat, war, daN sie zu Tante Ellinors altem Sachwalter, Herrn Ponsin, ging and ihn um Rat und Hilfe ersuchte. Hier erfahr sie nun, daN Herr Flint-Jensen wirtlich so vorgegangen war, wie Herr Ponstns Gehilfe gesagt hatte.

Der unerfahrene und gutgläubige Hauptmann Bonis und feine, was Geschäfte anging, ebenso verständnislose Schwester hatten ihre älnbctannt* schäft mit der Kunst, Hauseigentümer zu fein, teuer bezahlen müssen.

Herr Ponsin behauptete indessen, Herr Flint- Iensen sei gesetzlich nicht anzagreis'en, selbst wenn es sich Herausstellen sollte, er habe tatsächlich den Hauptmann und seine ochvester das vrr- lommene Hrrns darum kaufen lassen, damit dessrn früherer Eigentümer ihm sein: Villa bar bezahlen .tonne; darin lag nichts ülngesrhliches, so wenig als das als Betrug angesehey werden konnte, daß er dem Hauptmann und £antc Ttora ver­schwiegen hatte, wie unrentabel, dieses Besitztum war, und das; es in den letzten Jahren beständig den Besitzer gewechselt hatte.

Menn Flint-Jensen behaüptete, er habe wirk­lich geglaubt, das Haus werde mit der Zeit einen schönen Ertrag abwrrfen so hatte er das 'Recht gehabt, seinen Kunden so zu raten, tote er es getan hatte.

Don den fünfundfünfigtausend Kronen, die die beiden Geschwister von ihrer Tante geerbt

hatten, war nun nichts mehr übrig, ja der Haupt-' mcmn muhte immer noch auf weitere Ausgaben gefaßt fein, da sowohl die Anzeigen in den Zeitungen wegen der leerstehenden Wohnungen wie auch die Arbeiten der Handwerker in fein am Damen bestellt worden waren.

Für Frau Inger war es ein schwerer Gang, den sie zu Herrn Ponsin tun muhte.

Es war ihr sehr peinlich, den alten Ehren­mann, dem die beiden Erben em so unverdientes Mißtrauen gezeigt hatten, um ein Darlehen an­gehen zu müssen, mit dem die letzten Ausgaben für das ,Erbe" gedeckt werden konnten; aber Herr Ponsin tarn ihr sehr freundlich entgegen und bot ihr sehr bereitwillig seine Hilfe an, so daß es ihr diesmal nicht schwer wurde, die "Handreichung'' anzunehmen.

Frau Dorris empfand es als eine große Erleichterung, als diese Sache in Ordnung war aber nun hatte sie eine Schuld, die abbezahlt wer­den mußte, und das mit kleineren Einnahmen als jemals. Aber das machte ihr fetzt auch nid) mehr die großen Sorgen, die es ihr sonst gemacht hätte, denn seit sie ihre Verantwortung auf die Kraft gelegt hatte, die allein sie za tragen ver­mochte, hatte sie wirklich den »hellen, leichten Sinn" bekommen, von dem Tante Dora so oft ge­redet hatte. Das war wieder dieses freudige Ver- trauen, das Hauptmann Borris so unwiderste!) sich zu ihr hingezogen hatte. Daß es nun so kräftig geworden war, das kam von dem inneren Gleichgewicht ihrer Seele, nachdem alle Furcht und- alles Mißtrauen in ihre eigenen Gaben uni- Kräfte für immer von ihr gewichen war.

(Fortsetzung folgt.)

Dle deutsche Antwort an die Reparationskommisston.

Derlin, 10. April. (Wolff.) Die heute mittag in Paris übergebene Antwort der deut­schen Regierung an die Reparationskommis- fipn hat folgenden Wortlaut:

Die deutsche Regierung beehrt sich, den Emp­fang der Entscheidung der Reparationskommission vom 31 März und deS Schreibens an den Reichs­kanzler vom gleichen Lage zu bestätigen. Seit dem 14. Dezember 1921, als die deutsche Regierung das Stundungsgesuch an die Reparationskommission richtete, ist eine über alle Erwartungen hinaus- siehende Verschärfung der finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands eingetreten. Der Dollarkurs an der Berliner Börse, der sich durchschnittlich im Januar um 180, im Februar um 200 bewegt hatte, ist infolge der Dekaden­zahlung im März zunächst allmählich weiter ge­stiegen und hat dann unter dem Eindruck der Ent­scheidung der Reparationskommission den Stand von 300 dauernd überschritten. Gleichzeitig mit die­ser Zerstörung der äußeren Kaufkraft der Mark ist auch ihre innere Kaufkr af t weiterge­sunken Dies führte zu großen Wirtschaftlichen und sozialen Bedrängnissen. Die Teuerung ist von Woche zu Woche fortgeschritten. Sie beträgt für viele unentbehrliche Lebensbedürfnisse das 60- ober 70sache oder noch mehr. Selbst Brot, dessen Preis noch beute künstlich niedrig gehalten wird, war Ende März für die Derbraucher gegenüber der Zeit vor dem Kriege auf mehr als das 25sache gestiegen. Bei Kohlen trat eine Steigerung vom .'artuar bis Ende März einschließlich Der Steuern von dem 35fachen auf das 60fache ein. Bei Baum­wolle eine solche von dem 65fachen auf das 95fad)e Auch Haushaltungsgenstände, Möbel, Wäsche usw. sind im März gegenüber Januar Weit über daS Hundertfache gestiegen. Diese Teuerung hat zu einer erschreckenden Rotlage Weiter deutscher Kreise geführt. Das Wirkt umfo schlimmer, als Deutschland trotz des seit 1913 ein­getretenen Rückganges des Fleischverbauches um 55 bis 60 Prozent und des Brotverbrauches um 24 Prozent einen jährlichen Zuschuß von Lebensmitteln aus dem Auslande im Werte von 2> _> Milliarden Goldmark benötigt. Die zur Aufrechterhaltung der Brotration erforderliche Einfuhr von Getreide wird im Jahre 1922 allein noch rund 500 Millionen Goldmark kosten. Können die hierfür notwendigen Devisen nicht aufgebracht werden, so steht eine Hungersnot bevor. Dis deutsche Regierung sieht der Entwicklung im Sommer mit größter Besorgnis ent­gegen. Gelingt es nicht, die weitere Geldent­wertung aufzuhalten, so wird die Mark im Aus­lande als Währung bald keine Geltung mehr haben und die Leistungs- und Lebensunfähigkeit Deutschlands eintreten. Diesen Zusammenbruch zu verhindern, liegt im gemcinfamen Interesse nicht nur Mitteleuropas, sondern der ganzen Welt. Die Gefahren beruhen vor allem auf den Gold- --ahlungen.

Die deutsche Regierung sieht sich daher ge­nötigt. die Reparationskommission zu bitten, in eine Rach Prüfung der Entscheidung vom 31. Marz einzutreten. Sie ist überzeugt, daß die Reparationskommission diesen Antrag auf Grund einer eingehenden Prüfung der deutschen Lei- stungssähigkeit gemäß Artikel 234 des Vertrages von' Versailles als berechtigt anerkennen Wird. Die erbetene Rachprüfung - der deutschen Lei- si^ngsfähigkert auf Grund des Artikels 234 ist 'Heraus schwierig und bedeutungsvoll. Dabei Imb die zu prüfenden Fragen wissenschaftlich und pxa'tisck i eu und i ne.forscht. Infolgedessen schlägt die deutsche Regierung vor, daß diese Prüfung unter Leitung der Reparationskom­mission durch eine Anzahl von Sachken­nern tror genommen wird, die nicht lediglich den unmittelbar beteiligten Staaten angeboren. Die .Kommission würde die Prüfung insbesondere auch: auf die im Vertrage von Versailles hervorge- bobene Frage der Vergleichung des deul- schen Steuersystems mit den Systemen der in der Reparationskommission vertretenen Mächte zu erstrecken haben. Diese Frage1 muß in einer io überzeugenden Weise beantwortet werden, tote das bei den gerade in der letzten Zeit auch von Alliierter Seite wiederholt anerkannten Schwierig­keiten des Problems überhaupt möglich ist. Die mit Ziffern belegten Ausführungen sind in An­lage I zur deutschen Rote vom 23. Januar und öen zugehörigen .Unterlagen enthalten. Diese Aus­führungen sind in den Mitteilungen der Repa- rationskommission vom 21. März nicht erwähnt und bisher nicht widerlegt worden.

Bereits in der Rote vom 28. Januar hat die deutsche Regierung ihre Ueberzeugung dahin zum Ausdruck gebracht, daß

nur aus dem Wege einer äußeren Anleihe die erforderlichen Mittel zur Deckung der Re- parationskosien beschafft werden können and daß nur eine derartige Anleihe eine Stabili­sierung der Wechselkurse herbeiführen

rann. Die seither etiigefrctene ©nttoieflang Hai die deutsche Regierung in ihrer Auffassung be­stärkt, nur eine solche Anleihe würde es ermög­lichen, daß die Barzahlungen für 1922 bewirkt Werden können. Ein Teil der Anleihe könnte zur Regulierung der deutschen Valuta ab­gezweigt werden. Die Reparationskommission hat inzwischen die Deimfung einer betonteren Sach- Derftänbigentommiffion unter Zuziehung eines neutralen und eines deutschen Vertreters zur Prüfung dieser Frage beschlossen. Die deutsche Regierung gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Arbeiten dieser Kommission sobald wie möglich zu praktischen Ergebnissen führen. Allerdings er­scheint der deutschen Regierung das Gelingen jeDer Reparationsanleihe nur möglich, wenn die Geldgeber damit rechnen können, daß mit dem (Ertrage der Anleihe nicht nur eine Reihe von I a h re s z a h l u n g e n, sondern auch die son­stigen nach dem Vertrage von Versailles ne­ben den Reparationen stehenden Debil en - verpflichi ungen finanziert werden. Ins­besondere waren durch die Anleihe auch die Ver­pflichtungen aus dem Ausgleichsverfahren zi decken. Es müßten etwaige Delpstichtangen zu Barzahlungen aus Artikel 297e des Vertrages von Versailles so lange gestundet werden, bis ihre Ausgleichung nach der eingetretenen Erhöhung der deutschen Leistungsfähigkeit mög­lich ist.

Im Zusammenhang mit ter endgültigen Fest­setzung ter deutschen Reparationsleistungen aus Grund ter Buchprüfung ter Leistungsfähigkeit Deutschlands wird zweckmäßig die Frage der Garantien zu regeln sein. Die deutsche Re­gierung vermag den in den Mitteilungen ter Reparationskommission vom 21. März bedangt».! Garantien nicht zuzustimmen, soweit sie über das Angebot ter deutschen Rote vom 28. Januar hinausgehen. Sowohl die Forderung auf Schaffung von 60 Milliarden neuer Steuern wie die vorgeschlagenen K o n t r v l l- maßnahmen stehen im Widerspruch zu ten unzweideutigen Zusagen ter Alliierten in ihrer Rote vom 16. Juni 1919. Die Mehrforterungen sind auch praktisch undurchführbar. Das' gilt insbesondere von den 60 Milliarden neuer Steuern über das Steuerkompromiß hinaus. Die neuerliche Belastung, wie sie das Steuerkonrpro- miß vorsieht, ist nach Lage der gegenwärtigen Verhältnisse das Höchste, Was dem deutschen Volle und ter deutschen Wirtschaft an Steuer­lasten zugemutet werden kann. Infolge des Va­lutasturzes werden sich überdies die Ansätze des Haushalts bei ten wichtigen Steuern und Ab­gaben erhöhen. Außerdem ist die Auferlegung der in ter Rote vom 28. Januar angekündigten Ztoangsanleihe in den letzten Tagen ge­setzlich beschlossen Worten. Ihr Ertrag dürfte den von ter Reparationskommission gefütterten Steuerrirag entsprechen. Er soll au einem großen Teile bereits im Kalenderjahr 1922 eingeben. Die Zwangtemleihe soll drei Jahre unverzinslich bleiten; sie wirkt deshalb wie eine Steuer, Die? ausschließlich das Kapital belastet.

Was die von der Reparationskommission in Aussicht genommene Kontrolle angeht, so würde die deutsche Regierung sich mit keiner Kon­trolle einverstanden erklären können, die mit ter deutschen Finanzhoheit nicht vereinbar ist. Die deutsche Regierung ist bereit, ter Reparationskommission alle notwendigen Auf­klärungen über die Finanzlage Deutschlands und ihre finanziellen Maßnahmen zu geben. Ts Wäre aber für feine Regierung tragbar, dem Auslande einen maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung und Anwendung der Gesetzgebung im einzelnen zuzugestehen.

Die deutsche Regierung glaubt sich auf diese« grundsätzlichen Vorschläge und Erklärungen be­schränken zu können, intern sie annimmt, daß die Einzelkosten sowie Die sonst in den Mitteilungen der Reparationskommission berührten Punkte demnächst in besonderen Verhandlungen zu er­örtern fein wird. (gez.) Wirt h.

Die ^orbenttiflcn Englands an Frankreich.

Der in Coblenz erscheinenden amerikani­schen Zeitung2-maroe News" entnehmen wir folgende Ausführungen-

Große Bestürzung herrscht in Frankreich, weil nämlich die englische Re­gierung offiziell gefordert hat, daß Frankreich sofort den schon seit Jahren gestundeten Be­trag der fälligen Zinsen für die geliehenen Gelder an England zurückzahlen solle. Anter der gegenwärtigen Wechselrate handelt es sich um den Betrag von 25 000 000 000 Frank. England motiviert dieses am Borabend der Genua-Konferenz kommende Verlangen da­mit, daß es selbst an die Bereinigten Staaten

umgehend seine dort fälligen Zinsen zu zahlen habe, da Amerika dies kategorisch verlangte.

Zur Verhaftung des Generals Eemenoff.

Washington, 10. April. General Se­rn e n o f f, ehemaliger Kosacken-General, der, wie bereits berichtet wurde, in Neuyork auf dem Bahnhof der Pensylvania-Station ver­haftet wurde, war in Washington gewesen. Als bedeutende Wohlfahrts-Gesellschaften und ehemalige amerikanische Soldaten, sowie General Graves, der die sibirische Expedition kommandiert hatte, mitteilten, er sei nichts als ein Banditenhäuptling, Räuber und Mörder, wollte sich Semenoff mit feiner Frau nach Frankreich einschiffen. Er wurde verhaftet und unter Anklage gestellt, der Douroveta-Han- delSgesellschaft in Sibirien für 500 000 Dol­lar Schaden zugefügt zu haben. Er mußte 25 000 Dollar Bürgschaft stellen, seine Frau bot ein Perlenhalsband im Werte von 60 000 Dollar an, es wurde' aber nicht angenommen, und er muhte das Bargeld herbeischaffen. Der Presse gegenüber erklärte er, daß er sehr bedauere, daß zwei amerikanische Soldaten seinerzeit erschossen worden feien; er habe einen Oberst und Hauptmann deswegen er­schießen lassen. Außerdem sei er doch von Frankreich, England und Japan dazu be­stimmt worden, diese Taten zu verrichten. Das Staatsdepartement teilt mit, daß es offi­ziell den Haftbefehl nicht erwirkt hätte, son­dern dieses Privatsache der oben erwähnten Firma lei.

Die Gleiwitzer Explosionskatastrophe.

Berlin, 11. April. Wie die Blätter melden, haben der Oberbürgermeister und der Bürgermeister von Gleiwitz gestern dem Kreis­kontrolleur das Beileid der Stadt zu der E x - plosions - Katastrophe ausgesprochen. Der KreiSkontrolleur sagte, daß der Belage­rungszustand nicht verkündet werden solle. Die Zeitungen erscheinen jetzt wieder regelmäßig. Die Franzosen haben 15 Gräber bestellt. Da man sich französischerseits vollkommen in Stillschweigen hüllt, ist die genaue Zahl der Verwundeten noch unbekannt. Man vermutet, daß 1520 Personen verletzt wurden.

Gleiwitz, 10. April. (WTB.) Der Kreis- fontrclleur veröffentlicht über Die Erplof ions- k a t a st r o p h e folgenden amtlichen Be­richte Am Sonntag Ehrend ter Durchsuchung auf dem Friedhofder Königshütte wur­den in der Kapelle des Kirchhofs Waffen und Munition in großer Menge vorgesunten. Gegen 1* t Uhr entstand beim Abtransport die'es Materials eine furchtbare Explosion, wodurch die Kapelle zerstört und alle gegenwärtigen sowie in der Rahe befindlichen franzöfifchcn Sol­daten getöte.t wurden. Die durch Den tech­nischen Dienst der Tamppen borgenommene Unter» suchung hat ergeben, daß als Grand Der Ekplosion eine gegen Die Mauer Der Kapelle abgebrannte Melinitmine anzusehen ist, welche zur Her­beiführung ter Explosion mit einem Rachzünder­system versehen war, um im Falle ter Durch­suchung das abscheulich? Attentat zu bewirten. Infolge dieser Katastrophe beschließt der Kreis­kontrolleur für ten Stadtkreis Gleiwitz, daß alle öffentlichen Lokale, Theater, Konzertsäle, Tanz­säle und Kinos bis nach dem Leichenbegängnis Der Verunglückten geschloffen bleiben und daß nach Dem Leichenbegängnis dieselben Lokale sowie auch Restaurants usw. um 8 älhr bis auf weiteres geschlossen Werden müssen.

Paris, 10. April. (WTB.) Rach Den Mitteilungen, die General Lerond über die Explosivnskatastrophe in Gleiwitz an die fran­zösische Regierung telegraphiert hat. ist Der Gene­ral der Ansicht, daß die Explosion auch die Folge eines Unfall^ sein farm. Zur völligen Klarstellung ter Angelegenheit sei jedoch eine ge­richtliche Untersuchung eingeleitet worden. Der Direktor der Eisenhütte in Gleiwitz sei verhaftet Worten.

Aus dem Reiche.

Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegs­hinterbliebene.

Berlin, 10. Apritt Wie die ^Deutsche All­gemeine Zeitung" erfährt, wird dem Reichstag demnächst ein Gesetzentwurf zugehen, ter die Aen° Derung Der Bezüge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene vorsieht.

Kriegsbeschädigte mit mehr als 80 Prozent werbsunfächigkeit sollen monatlich 450 Mark, rjit 80 Prozent Erwerbsunfähigkeit 320 Mark rungszufchüfse erhalten. £für Kriegstoittoeui beträgt ter Teuerungszuschuß 320 Mark, für Voll­waisen 200 Mark, für vaterlose Waisen 160 Matt monatlich. Außerdem soll jeder Schwerbeschädigter', ter für Kinder zu sorgen hat, für jedes Kind» 100 Mark erhalten.

Aus Hessen.

Eine neue Belastung der Koalition in Hessen?

-r Darmstadt. 10. April. Kaum ist ter Landtag, in dem die Regierung in fast allen wichtigen Fragen von Der Mehrheit verlassen wurde, geschlossen, so leistet sich das Kabinett des Herrn Ulrich einen neuen Streich. In ter heutigen Mummer der amtlichen .Darmstädter Zeitung" ist zu lesen:

Der Landtagsabgeordnete Karl' Heinrich Bornemann wurde am 7. April 1922 mit Wirkung vorn 1. April 1922 an zum Ministe­rialrat beim Staatspräsidenten ernannt. Der sozialdemokratische Abg. Bornemann ist zu Zeit Direktor der Staatskanzlei and Preslechc Seine Amtsführung hat oft genug zu Beschwerte» in Parlament und Presse geführt. Auch beim Zentrum und bei Den Demokraten besitzt er wenig Freunde. Um so auffälliger ist die Ernennung, die noch einiger Aufklärung bedarf. Sollte Abg. Tornemann etwa ten alten (wackelig gewordenen) Posten behalten und nur durch einen Titel be­glückt werden? Das ist wohl kaum anzunehmen. Ist er aber für eine Deamienstellung ausersehen, so mag man sich auf einige Kämpfe gefaßt machen. Wir können uns nicht denken, daß dieselben Par­teien. Die gerate gegen diesen Herrn begründete Einwände erhoben haben, seine (Ernennung anders als eine Provokation empfinden werben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 11. April 1922.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde: Obersteuerinfpektor Hch. Krug beim Landesfinanzamt Darmstadt zum ©teuer= omtmann. Ernannt wurde am 3. April Der ©luDienrot an Dem Gymnasium FrreDerician-ain Karl B u x d a u m zum Studienrat an ter Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) tn Friedberg; am 5. April ter Studienrat an Der Realschule in Butzbach Dr. Friedrich Becker zum Studienrat an Der Realschule in Bad-Rau heim, Der Studienrat an ter Oberrealschule in Alsfeld Fritz Mulch zum Studienrat an ter Augustiner­schule (Gymirasium und Realschule) in Friedberg, sämtlich mit Wirkung vom 24. April 1922 ab. Ernannt tourte am 4. April 1922 Der Justiz- Praktikant Georg Haust in Mainz zum Ober justizsekretär bei einem noch zu bestimmende., Amtsgericht. Ernannt wurde am 4. April 1922 Der Iustizpraktikant Adolf Schell zu Darmstadt zum Oberjustizsekretär bei einem noch zu bestim­menden Amtsgericht.

** Ernennungen: Die Oberbausekre­täre Hübner, Haller, Kögel, Ma­ri n g e r und Marx beim Hess. Hochbauamt Gießen wurden zu Bauinspektvren, und die Oberbausekretäre Kullmann und Breit- wieser bei der Kulturinspektivn Gießen zll Kulturinlpektvren ernannt.

** Der Ankauf von Gold für das. Reich durch die Reichsbank und die Post er folgt in der Woche vom 10. bis 16. d. M. un­verändert wie in der Dorwoche zum Preise von 1200 Mark für ein Zwanzigmarkstuck, 600 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die auslän­dischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichssilber- munzen durch die Reichsbank und Post findet unverändert zum 21 fachen (Betrage des Rennwertes statt.

** Heber Rich. WagnersMeister finger sprach gestern abend im Auftrage ter Gustav-Bock-Dtiftung Prof. Dr. Sternfeld von Der Berliner Universität. Man kann sich nicht denken, daß es einen berufeneren Künter und Deuter Dieses deutschesten Meisterwerkes ter Bühnenmusik geben kann als den Vortragenden. Liebevolles Versenken in Musil wie Dichtunr paarte sich mit Können und schuf so em teub liches Bild des Werkes wie seines Schöpfers. Richt einen Augenblick erlahmte die Spannune Der Zuhörer, Die zum Schluß ter Ausführungen ersichtlich ehrlich gemeinten Beifall spendeten.

üHornotuen.

Tageskalender für Dienstag Stadttheater. 7 älhr:Heber Den Wassern".

Landkreis Giestcn.

-ge-. Wahenb.-Steinberg, 10. April. Der hiesige Obst- u nD Gartenbauverern hielt eine guttesuchte Versammlung im Gast-

Die Pforte der paradieser.

Roman von Ingeborg Bollquarh.

Serecbtigte Übersetzung auS d m Dänischen.

32. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Ja. ohne Furcht mußte sie sein, und ter innere Fri?te mu )tc ihr Bundesgenosse werten. Ein allmächckger Buntesgenosse würde er sein, denn Friede im Herzen ist ja die Höch te Macht, so wahr Gott Da ist, wo dieser Friede wohnt.

Run erschien ihr die Losung ihrer Ausgabe so leicht und einfach, daß auch ter einfältigste Mensch sie zu vollbringen vermöchte.

Vie hatte in ihrer Torheit fein Gott sein, ihn selbst leiten wollen, statt daß sie nur gesucht hätte, ihm zu helfen, Die finsteren Mächte, Die ihn gebunden hielten, koszutoerden. Hätte sie wie Tante Ellinor immer ihre Blicke auf Die Pforte des Paradieses" gerichtet gehabt ten leuchtenden Punkt in ter Ferne, aus dein alle Kraft strömt, die Mühsal des einförmigen Tages anD das Leiden schwerer Stunden zu tragen, Dann hätte sie ihre Ausgabe zu lösen vermocht.

Hätte sie gleich von Anfang an statt ihres verblendeten, selbstbewußtenlaß nur mich verlaß dich nur auf mich ich Werde" und so weiter nac ein einziges Mal ruhig und vertrauensvoll Die höhere Macht, die in uns wohnt, an gerufen Den einzigen. Der em Wunder geschehen lassen kann, um Hilfe gebeten und seine Hilfe angenommen, ja, Dann hätte sie selbst längst die straft gehabt, auch antern, und be­sonders Dem Rlanne, Den sie liab'.e, zu Dem» leiben himmlischm Frieden und derselben inne­ren Freute zu verhelfen, worin sie selbst jetzt toic ein Kind vertrauensvoll ruhte

Jetzt verlor sie sich selbst nicht mehr tn Grübeleien, was sie woht tun könnte, um feine Angst und feine trüben Gedanken zu verjagen und ihm Mui einzuflöhen, den Tag zu üterstehrn, so wenig wie ihr Gelübde, ihm Die Lebens- freuDigfeit zu bringen, sie jetzt mehr bedrückte.

Sie fühlte sich frei und unbesorgt, und Die Ruhe, die aus ihren Augen leuchtete, und das Vertrauen und Die starke Hoffnung, Die aus ihrem ganzen Wesen strahlten, wirkten so start auf ihren Mann ein, daß er allmählich auch empfäng­lich wurde und für Den Frieden, ter sie ganz er­füllte, und bald war auch er Durchströmt von Der Macht, von ter sie völlig in Besitz genom­men war.

älnd Dieselbe unbekümmerte Ruhe. Die sie ihrem Manne gegenüber gesunden hakte, strömte nun auch den andern Familienglietern gegenüber von ihr aus und bewirkte. Daß sowohl Mogens wie Elken, trotz großer Rervosität, ein gutes Examen machten. \

Inger hatte keine Zeit gehabt, sich ter beiden Kinder besonders anzunehmen, aber während sie durch lange Tage und Rächte am Krankenlager ihres Mannes sah, kamen ihr Tante Ellinors Worte ter Weisheit immer wieder in ten Sinn: 5)u gehörst zu Den Menschen, Denen es leicht fällt, zu geben, und schtver, zu nehmen," hatte Die alte Dame gesagt, unD wieter mußte Inger; ihr recht geben.

Ja, es war ihr immer leicht geworten, za geben; sie hatte stets einen solchen Drang empfan- ten, andre za erfreuen, daß sie gewissermaßen immer Ausschau hielt nach Menschen, Die Hilfe brauchten, um ihnen sofort die Hand entgegen» | zustrecken. Das war ein richtiger Hochmuts teuf:l.