Dienstag, X. November 1922
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Drud und Verlag: vrühl'sche UniverfilitsGuch- und Stcinörudcrd H. Lange in Sietzen. Schristleitung und S-schäsirstelle: Schuisttatze 1.
Die Berliner Verhandlungen
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Wirtschaftsrats Dr. Hilf geordneten D r e i t s ch e i
erding und Ab- . , b. Der englische und der amerikanische Botschafter waren ebenfalls erschienen. (Zn ungezwungener Ausspräche bildeten sich Gruppen mit den
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Mitgliedern der Reparationskommission, deren dauernder Vertreter in Berlin H a g u e n i n ebenfalls anwesend war. Die Grundprobleme der Stabllisierung der Mark und die Anleihe- ftage wurden erörtert, wobei der ebenfalls anwesende Leiter der Deutschen 'Dank, von GWinner, beiden Richtungen der Kommissionsmitglieder reichen Aufschluß geben konnte.
Eine neue Forderung der Regierung von Angora.
PariS, 6. Rov. (WTD.) Rach einer Ha- vaSmeldung aus Konstantinopel hat der Vertreter Angoras den alliier tenOber- kommissaren eine zweite R^te überreicht, in der erklärt wird, Kriegsschiffe aller Rationalitäten müßten um die Ermächtigung zur Durchfahrt durch die Dardanellen ersuchen und im Hafen die neue türkische Regierung grüßen. Eine weitere Rote fordert den Betrieb der Eisenbahnen durch den Staat. Lieber die Abdankung des Sultans besitze man noch keine weiteren Rackrichten. nehme aber
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Eine russische Lektion für die Entente.
Moskau, 6. Rov. (Wolff.) Auf die Aufforderung der Regierungen von Großbritannien, Frankreich und Italien, zur Beratung der Meerengenfrage auf der Lausanner Konferenz Delegierte zu entsenden, hat, wie die russische Telegraphenagentur mitteilt, das Auhenkommis- sariat der Sowjetrepublik in einer Rede vom 2. Rovember geantwortet, da die Lausanner Konferenz offenbar eine allgemeine Rege» hing der gesamten Angelegenheiten des nahen Ostens bezwecke, könne die russische Regierung auf keinen Fall dem zustimmen, daß Rußland nur zur Erörterung der Meerengenfrage und nicht zu allen Arbeiten der Konferenz zu- gelassen werde. Außerdem sei es unverständllch. warum Bulgarien, der Rachbar der Türkei, fehlen sollte, während gleichzeitig nicht nur Süd slawien und Rumänien, sondern auch das ferne Japan anwesend sein sollten. Diese künstliche Auswahl unter den Konferenzteilnehmern er - scheine der russischen Regierung als ein Versuch der einladenden Mächte, die Beteiligung eines jeden Staates willkürlich feftzusehen. Diese Haltung der einladenden Mächte müsse notwendigerweise als Ausdruck einer Politik wirken.
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Eine Antwortnote der Reparationskommission.
Berlin, 6.Rov. (WTD.) Wie wir hören, ist der Rerchsregierung heute abend eine schriftliche Antwort der Re p a ra t i o n s k o mm i s- i o n auf die gestern überreichten Vorschläge zu- fegangen. Sie Reichsregierung nimmt alsbald zu l>er Antwort Stellung.
Berlin, I. Rov. Wi edie Blätter erfahren, entspricht der Inhalt der Antwortnote der R e p a ra t i o n s k o m m i s s i o n auf i> i e deutschenVorfchläge keineswegs den überaus pessimistischen Berichten, die insbesondere von Paris aus verbreitet worden sind. Mehrere Blätter teilen mit, daß die Antwortnote die Reichsregierung an die Versprechen erinnere, die Reichsminister Dr. Hermes während seiner letzten Verhandlungen in Paris in Bezug auf eine Balancierung !x:s deutschen Budgets abgegeben habe. Die Reichsregierung werde ersucht, diese Maßnahmen nunmehr durchzuführen. Die Repara- tionskommission stelle ferner an die deutsche Regierung das Ersuchen, der Kommission alsbald neue präzise Bors chläge über die Maßnahmen zur Stabilisierung der Mark und zur Verringerung der schwebenden Schuld zu machen. Die Tür zu weiteren Verhandlungen mit der Peparationskommission über das Markproblem sei also, wie die Blätter betonen, noch nicht geschlossen. Das „Tageblatt" glaubt allerdings, daß diese weiteren Erörterungen nicht mehr in Berlin, sondern in Paris oder Brüssel stattfinden werden und daß der Termin für die Abreise dec Delegierten der Reparationskommission Donnerstag sein werde, nach Beendigung der Beratungen über die Kohlen- und Holzlieserun- gen an bfe Entente.
Die Brüsseler Konferenz.
L o n d o n, 6. Rov. (Wolff) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt zu der Absicht der belgischen Regierung, die Re- paralrons- und Schuldenkonferenz zum 5. Dezember nach Brüssel emzubemffen: Anscheinend sprach der belgische Botschafter in der vergangenen Woche bei Lord Curzon vor, um ihn über die wahrscheinliche Haltung Donar Laws und seiner Kollegen gegenüber der geplanten Drüsseler Konferenz zu befragen. Auf die bedeutsame Unter- redung hm, die Donar Law am Mittwoch mit dem französischen Botschafter hatte, entschied man sich nunmehr vermutlich für eine baldige Konferenz. Bei dieser Hntcrrebung wurden die englisch-französischen Deziehungen, jedoch hauptsächlich das Reparationsproblem erörtert. Donar Law drückte die Sympathie und Bereitschaft aus, in dieser wie andern lebenswichtigen Fragen mit Frankreich zusammenzuwirken, legte jedoch dar, daß er, bevor das Ergebnis der kommenden Reuwahlen feststehe, keine endgültige politische Linie angeben könne. Auf französischer Seite habe man jedoch anscheinend Grund zu der Annahme, daß, wenn die Reuwahlen die augenblickliche englische Regierung in ihrem Mandat bestätigen, Donar Law, bevor er sich mit dem Schahkanzler nach Drüssel begeben, eine private Beratung mit Poincarö haben werde. Sie werde aber nur zu einem vorläufigen grundsätzlichen Hebereinkvmmen und zu dem Beschluß führen können, daß die beiden auswärtigen Aemter eine umfassende Prüfung aller ausstehenden Punkte vornehmen, um eine neue Festigung der Entente zu erzielen. Dem Berichterstatter zufolge nehmen an der Drüsseler Konferenz Delgien, das britische Reich, Frankreich, Serbien, Griechenland, Portugal usw. teil, die Interesse an der Reparation oder den Kriegsschulden haben. Es werde jedoch angenommen, daß führende Delegierte, in der Regel die betreffenden Premier- und Finanz- mrnister der vier alliierten Hauptmächte zunächst unabhängig von den übrigen beraten. Ob und in welcher Eigenschaft die vormals feindlichen Länder vertreten sein werden, bleibt abzuwarten.
Poincars uud Bonar Law.
Paris, 6. Rov. (Wolff.) Havas meldet aus London: Mitteilungen aus unterrichteten englischen Kreisen bestätigen, daß die englische Regierung die Initiative zu einer Hnterredung zwischen Poincare und Donar Law vor De- ginn der Drüsseler Konferenz ergreifen werde, die im Dezember zusammentreten soll. Die Zusammenkunft soll jedoch erst nach den englischen Wahlen stattfinden.
Französische Presseftimmen.
Paris, 5. Rov. (WTD.) Der „Temps" schreibt zu den 'Berliner Verhandlungen der Re- parationskommissivn: Wenn es den Alliierten gelingt, gemeinsam vorzugehen, wie wir es wünschen, so werden sie sicher ihr Destes tun, um internationale KreditoPerationen zu erreichen. Es scheint uns aber, daß diese Operationen weder zu rechtfertigen noch wirksam wären, wenn sie ausschließlich den Zweck hätten, den Kurs der Mark zu stützen.
Der Grund hierfür ist nach dem „Temps", daß der Zusammenbruch der Mark vor allem auf Hrsachen zurückzuführen sei, die die Deutschen selbst ausgelöst hätten und die sie allein 5um Stillstände bringen könnten. Wenn man internationale Kreditoperationen durchführe, müsse der Hauptzweck darin bestehen, die nächsten Revara- tionszahlungen zu ergänzen und so die Möglichkeit zu schaffen, das Deutschland für einige Jahre von dieser Last befreit, allein seine Einnahmen zur Wiederherstellung seines Budgetgleichgewichts und dec Stabilität seiner Währung verwenden 1 forme. Denn die finanzielle Sanierung Deutsch
lands sei mir durch die Deutschen selbst zu bewerkstelligen. Ihre Sache sei es, ein Programm aufzustellen und durchzuführen, das Programm, das die Reparatwnskommission vergeblich erwartet habe.
Das „Journal des DSbats", das die Bestimmung der Reise nach Berlin darin erblickt, daß die Reparationskommission alle Informationsmöglichkeiten und Kombinationen erschöpfe, damit Frankreich mit um so größerer Freiheit und Stärke die Konsequenzen daraus ziehen tonne, schreibt heute: Das Versagen Deutschlands ist jetzt offenkundig. Es bedarf von unserer Seite Entschlüsse und Maßnahmen, die den Beweis liefern, daß wir zur Verteidigung unserer Rechte entschlossen sind, indem wir die Pfänder- Politik durchführen.
Finanzrede eines Sozialistenführers in der französischen
Kammer.
Paris, 7. Rov. (WTD.) In der gestrigen Kammersihung wurde die Generaldebatte Über das Budget fortgesetzt. Der Sozialistenfiihrer Blum sagte: Als Poincarö Ministerpräsident geworden war, sah er sich genötigt, seine kaum aufgenommenen Retorsionsmaßnahmen aufzugeben. Er nahm auch nach London einen Plan zur Herabsetzung der deutschen Schuld durch Frankreich zu gewährende Kompensationen mit (Poincars ruft dazwischen: Eine Herabsetzung der deutschen Schulden wohl, aber keine Herabsetzung der französischen Forderung.) Blum fährt fort: Die alliierten Unterhändler von Versailles hätten geglaubt, Deutschland werde für Milliarden exportieren und die Mark würde rasch steigen. Alle Welt, selbst die alliierten Regierungen, hätten auf eine Hausse der Mark gerechnet; denn sie hätten Milliarden Mark behalten. Die Älrtj eher des Friedens- vertrages von Versailles hätten sich getäuscht Die deutsche Handelsbilanz wurde nicht aktiv. Die Mark, die im Augenblick der Hnlerzeichnung schon 50 Centimes gestanden habe, sei in einem Verhältnis gestürzt, das niemand erwartet habe. Deutschlandgehe dem industriellen und Währungszusammenbruch entgegen. Selbst England leide unter der Wirtschaftskrise. Deutschland habe Arbeiter und zeige trotzdem die Erscheinungen des finanziellen und industriellen Zusammenbruches. An die Möglichkeit einer Beteiligung an der deutschen Industrie glaube er, aber man könne weder auf Geldzahlungen noch auf Warenexport rechnen. Mit Bedauern stellt Blum fest, daß die Besetzung des Rheinlandes bis jetzt die Gesamtheit der deutschen Zahlungen verschlungen habe, und erklärt, Deutschland werde erst wieder Vertrauen zu sich selbst haben, wenn es bemerken werd^, daß man im Ausland seine Lage unparteiisch, so wie sie sei, beurteile. Er glaube nicht daran, daß eine internationale Kontrollmaßnahme den Ausgleich des deutschen Budgets sichern könne, weil die Mark nicht stabil sei. Um die Mark zu stabilisieren, müsse man die Inflation einstellen. Hm das deutsche Geld zu valorisieren, genüge es nicht, einmal, über die Goldreserven der Reichsbank zcr verfügen. Hierzu sei ausländische Geld- hilfe nötig. Das deutsche Geld könne nicht mehr, weder durch Frankreich noch durch England, geregelt werden. Alle Rationen der Welt mühten angesichts der gemeinsamen Gefahr die erforder- lidjen Maßnahmen ergreifen, nämlich die Ausgabe internationalen Geldes, das in allen Staaten birsfähig fei. Blum gab der Heberzeugung Ausdruck, daß alle von der Katastrophe bedrohten Rationen ein Interesse daran hätten, eine Kreditanstalt aufzubauen zur Valorisierung aller Währungen. Senator Berenger schlägt Reparationen in natura, zahlbar durch von einem internationalen Organismus garantierte Werte, vor. Abgeordneter Blum sagt, um diese Operation durchzuführen, müssen allerdings alle Regierungen beweisen, daß es des Friedensgeistes bedürfe, nicht nur bei den nationalen, sondern auch bei den internationalen Angelegenheiten. Schließlich spricht der Abgeordnete auch davon, daß das Ministerium Poincars nicht mehr geleistet habe als feine Vorgänger. Es habe nachgegeben wie
tag vertagt.
Das Fallen des belgischen Franken.
Berlin, 6. Rov. Rach wner Meldung des JB.T." aus Brüssel hat das Fallen des belgischen Franken, der durch den ungeheuren Sturz der Mark verursacht wurde, die belgischen Geschäftsleute veranlaßt, in den letzten Tagen große Angsteinkäufe von Dollars vorzunehmen.
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an, daß von den englischen Behörden Massnahmen zum Schutze des Sultans und des Großprlnzen getroffen würden.
Konstantinopel, 7. Rov. (WTD.) Rach einer hier verbreiteten Rachricht bn- langt Rifaat Pascha, daß ihm gestattet werde, in Tschanak, Gallipoli und an der asiatischen Küste türkische Zivilbehörden ein- zusetzen.
Kategorische Ablehnung der türkischen Forderung.
London, 7. Rov. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel: Die Versammlung der Ober kommissare und Generale in der britische?. Bo! schäft beriet die Forderung Angoras betreffend die Zurückziehung der alliierten Truppen. Es verlautet, daß beut? den V > tretern der Angoraregierung die Antwort zu gestellt würde, in der die Forderung kategorisch abgelehnt wird.
London, 6. Rov. (Wolff.) Rettter meldet aus Konstantinopel: Die Obcrkommissare der Qv= liierten haben der Regierung 'von Angora mit geteilt, daß sie die Forderung nach A u f b c b n it g der interalliierten militärischen Besetzung kategorisch ablehnen
London, 7. zRov. (WTD.) Rach einer Reutermeldung aus Konstantinopel hat Ri,aal Pascha den türlischen Senat aufgehoben. Vie alliierten Generale hatten mit Ri faat Pascha eine Besprechung.
Die türkischer, Friedenöbedrugungert.
London, 7. Rov. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel: Die Rationalver sammlung von Angora hat Ismid Pascha an* gewiesen, auf der Lausanner K 0 n s e renz folgendes zu verlangen: 1. Di- Grenzen der Türkei müssen mit dem nativ nalen Pakt überemstimmen. 2. Griechenland muß eine Entschädigung bezahlen. 3. Deseiti gung der Kapitulationen. 4. Reuregelung der Grenzen des Irak (Mesopotamien). 5. Vollständige Hnabhängigkeit der Türkei von fi nanzieller, wirtschaftlicher und politischer Kon trolle.
Der RegierungszwiespalL in der Türkei.
Konstantinopel, 6. Rov. (WTD.) Rifaat Pascha hat gestern morgen die Hn- tersekretäre der verschiedenen Verwaltungszweige zusammenberufen und sie davon in Kenntnis gesetzt, daß aus Grund der Maßnahmen der Regierung von Angora die Amtsräume des Großvesirs und der Ministerien des Aeußeren wie des Inneren geschlossen würden. DaS Hntersekretariat für die Archive der Pforte würde ebenfalls geschlossen. DaS Kriegsministerium und Marineministerium würden unter der Leitung ihrer Hntcrfeir- täre weiter arbeiten, und die Konstantinoveler Truppen würden Befehle vom Kommandanten der Garnison empfangen. Die Polizei wurde die Anordnung der Rationalversamm - lung von Angora und die Richter die Gesetze der Nationalversammlung durchführen.
Konstantinopel, 6. Rov. (WTB.) Havas. In den verschiedenen türkischen Vierteln der Stadt dauerten die Kundgebungen an. Hinter einem Studentenzuge, der ins europäische Viertel gekommen war, fuhr ein englisches Panzerauto. Rifaat Pascha hat beschlossen, von morgen ab von sämtlichen Einwohnern Konstantinopels die Entrichtung der kemalistischerr Zollabgaben und sämtlicher Peftonalsteuern zu fordern.
(Sin Fluchtversuch des Sultans?
Paris, 6. Rov. (WTB.) Havas. Rach Konstantinopeler Meldungen, die über Bern eingegangen sind, soll der Sultan versucht haben, die Stadt zu verlassen, woran er jedoch von der Devöllerung verhindert worden sein soll.
Wirth und Hermes.
Hnser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:
Wie kommt es, daß die gesamte ftanzö- sische Presse das neue deutsche Reparationsprogramm in Grund und Boden verurtellt hat, bevor es veröffentlicht wurde? Antwort: Weil man in Paris auf das genaueste über die Berliner Vorgänge unterrichtet ist, während die deutsche Oesfentlichkeit, von allen guten Göttern des amtlichen Pressedienstes verlassen, Ahnungslos dahindösen muß. Das deutsche Voll wird bei den schicksalsschweren Verhandlungen mit der Reparationskommission nur durch zwei verantwortliche Regierungsführer vertreten: Wirth und Hermes. Diese beiden Verantwortlichen aber sind untereinander u n- eins, nicht mit Worten, nicht in ihrer äußeren Haltung, sondern innerlich. Hermes be- sitzt andere wirtschaftspolitische Anschauungen als der Reichskanzler. Hinter Hermes steht eine bürgerliche, industrielle, kapitalistische Welt. Hinter Dr. Wirth stehen, sagen wir einmal, die Gewerkschaften. Für ihn droht immer noch der Feind eher rechts als links. Das haben die forschenden Herren der Reparationskommission sehr schnell herausbekommen. Der Reichsfinanzminister zeigt in allen Fragen der Reparation, der Stabilisierung, der wirtschaftlichen Verständigung großes Entgegenkommen. Er ließ deutlich durchblicken, daß die Parteien, mit denen er Fühlung halte, den Willen haben, an den erforderlichen innerdeutschen Maßnahmen zur Stabllisierung der Mark mitzuwirken. Dor allem sei man bereit, die Arbeitsleistung zu steigern, wenn der Achtstundentag in seiner schroffen Form aufgehoben werde. Ein ausbrechender Streit um den Achtstunbentag würde das Ende dec jetzigen Koalition bedeuten. Der Pariser „Ma- tin“ ist also gar nicht so sehr auf dem Holzwege, wenn er vermutet, daß das Ergebnis der Berliner Verhandlungen der Repara- tivnskommiffivn schließlich nichts anderes sei als — eine deutsche Kabinettskrise. Zu einer offenen, ehrlichen Darstellung konnte sich das Berliner Offiziösentum bis jetzt nicht aufschwingen.
Berlin, 6. Rov. W'l: die „Germania" mitteilt, ist eine Veröffentlichung der beu if eben Vorschläge an die Reparationskommission zunächst nicht in Aussicht genommen worden. Die „Voss. Ztg." will wissen, daß in den deutschen Vorschlägen erklärt werde, die Sta- bilif icrung Der deutschen Währung sei in der Hauptsache davon abhängig, daß die Reparationsverpflichtungen Deutschlands auf ein tragbares Blaß herabgesetzt werden. Die Reichsregie- rurg schlage der Reparationskommission vor, sich mit einem internationalen Finanzkonsor tium in Verbindung zu setzen, das gemeinsam mit der deutschen Rcichsbank eine internationale Anleihe 0D11 500 Millionen Goldmark aufbringen soll zwecks Stabilisierung der deutschen Währung.
Rach einer Meldung der „Deutschen Allg. Ztg." hat der Reichskanzler die Führer der politischen Parteien für Mittwoch zu einer i n - for matorischen Besprechung über den Siand der R.Parationsverhandlungen eingeladen. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages ist auf Freitag vormittag einberufen worden. Wie mehrere Blätter melden, wird die Reichsregierung heute vormittag zur Beratung der Antwortnote der Reparationskommission zusammentreten und die von der Kommission gewünschten weiteren Vorschläge erörtern.
Sachverständigenkonferenz und Reparationskommission.
Berlin, 6. Rov. Die „D. Z." meldet: Gestern mittag folgten die Mitglieder der Sachverständigenkonferenz und die Mitglieder der Reparationskommis- s i 0 n einer Einladung ftt ein Privathaus, um dort durch persönliche Fühlungnahme ihre Ideen auszutauschen. Auch der amerikanische Beobachter Boyden mit dem Stellvertreter Oberst Logan waren erschienen. Als deutsche Tellnehmer der ungezwungenen Zusammenkunft bemerkte man u. a. die Führer der Industrie Friedr. Siemens und Felix Deutsch, den Präsidenten des Kalikonzerns Geheimrat Kempner, das Mitglied des Reichs-
Erstes Blatt 172. Jahrgang
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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