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vorgerufene Beunruhigung unb Erregung der De- bölrerung, die noch gesteigert werde durch die be­drohlichen Rachrichten über den Stand der Dr o t- versorgung, gefragt wird: Welche Mah- nahmen gedenkt die Aeichsregierung xur Sicher­stellung der Vvlkseinährung zu treffen? Was ge­denkt die Reichsregierung gegen die Zurückhaltung des Brotgetreides zu tun? Welche Maßnahmen will die Reichsregierung gegen die ungeheure Preissteigerung bet Milch, Zucker und den sonstigen Rahrungsmitteln veranlassen? Ist die Reichscegierung bereit, die ^lmfahsteuer, welche die Preise stark erhöht, bei solchen Lebensmitteln aufzuheben, die der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegen?

Zur Verhaftung EhrhardtS.

Berlin, 5. Dez. (Privattelegramme, Abendblätter, keine Wolffmeldungen.) Rach einer Meldung desVerl. Tagebl." aus Leipzig hat der S t a a t s g e r i ch t S h o f zum Schutze der Republik die Beschwerde des Kor­vettenkapitäns Ehrhardt gegen den Haft­befehl zurückgewiesen. Weiter hat der Ge­richtshof beschlossen, Ehrhardts gesamtes Vermögen zu beschlagnahmen.

5>ie Wahl des sächsischen Ministerpräfidenten.

Dresden, 5. Dez. (Wolff.) 3n der heu­tigen Sitzung des Landtages stand die Wahl des Ministerpräsidenten auf der Ta­gesordnung. Don sozialdemokratischer Seite wurde die Wiederwahl des bisherigen Mini­sterpräsidenten Buck vorgc schlagen, der schließ­lich auch mit 49 von 94 abgegebenen Stimmen gewählt wurde. Hofmann (Deutschnat.) erhielt 18 und Kaiser (Deutsche Dp.) 3 Stimmen. Außerdem wurden 24 weiße Zettel abgegeben. Bayern mrd die republikauisch-rn Schutzgrsetze.

München, 5. Dez. (Wolff.) Das Prä­sidium der vereinigten vaterländisä-en Verbände Bayerns richtete an den Mini­sterpräsidenten Dc. v. K n i l l i n g vor dessen Abreise nach Berlin eine Anfrage des In­halts, ob die bayerische Staatsregierung dem bei Eröffnung des Landtages bekundeten Standpunkt gemäß die Absicht habe, bei der neuen ReichSregie.ung ehestens dahin zu wir­ken, daß die sogenannten republikani­schen Schutzgesetze als Ausnahmegesetze auch im Sinne der Weimarer Verfassung a u f- gehoben werden. Ferner haben die Ver­bände angefragt, wie es mit den Sicherungen steht, die zwischen der Regierung Dr. Wirths und der bayerischen Regierung Lerchenfelds bezüglich des Gesetzes in Bayern vereinbart wurden und ob das Kabinett Cuno diese Siche­rungen erneut abgegeben habe.

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

tm. Darmstadt, 5. Dez. Der Finanz- auSschuh des Landtags lehnte in seiner heuti­gen Beratung die Vorstellung des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen, Bez. Hessen auf Gewährung eines Staatszuschusses nach der Regierungsantwort ab. Der Ausschuß setzte die Tagegelder derAbgeordneten neu fest: vom 1. Oktober ab: Für Abgeordnete aus Darmstadt 400 Mk., für auswärtige 603 Mk.. für äiebecnachtungen 600 Mk., vom I Rovember ab: für Darmstädter Abgeordnete 1000 Mk., für auswärtige 1500 Mk., älebernachlungen 1500 Mk.

*Aus dem besetzten Gebiet.

Gin ZeitungSdrrbst.

Zweibrücken, 6. Dez. (WTB.) Das Erscheinen derZ w e i b r ü ck e r Zeitung" wurde von der französischen Besatzungs» behörde auf die Dauer von drei Tagen verboten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Dezember 1922.

Geldabfindnug der Kapitulanten.

Aach dem Mannsch^f.'srersorgungsgeseh form Kapitulanten, die nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivilversorgungsschein erworben haben, bis xum Ablauf eines Jahres nod) der Entlassung aus dem aktiven Militärdienst auf ihren Antrag gegen Vei> zichl auf den Echem und auf die Zidilverforgunas- entschadngung eine einmalige Geldabfindung be­willigt werden, wenn sie für eine nützliche Ver­wendung des Geldes Gewähr leisten. Während nach diesex Vorschrift di« Bewilligung der Ab­findung in das freie Ermessen der Verwaltungs­behörde gestellt war, hat das Kapitulantenent- schädigungsgesetz für die Kapitulanten, die nach Vollendung des 12. Dienstjahres infolge der Ver­minderung der Wehrmacht aus dem aktiven Dienst ausscheiden müssen und zum Beamten würdig er­scheinen, einen Rechtsanspruch auf die Geld­abfindung geschaffen. Die Frage, ob für eine nütz­liche Verwendung des Geldes Gewähr gegeben ist, ist lediglich nach der Persönlichkeit des Kapitulan­ten zu beurteilen. Wenn der Kapitulant nach feiner dienstlichen und außerdienstlichen Führung und feinen moralischen Eigenschaften eine genügende Sicherheit für die Annahme gewährt, daß das Geld nützlich verwendet wird, so hat die Bewilligung der Abfindung zu erfolgen, ohne daß es eines besonder«! RachwriseS des Verwendungszweckes bedarf. Die Bewilligung hängt also z. B. nicht von der Art der Anlegung des Kapitals ab.

Portoersparnisscbe im Paketversand.

Bei Versand von Paketen im Gewicht von 11 bis 20 Kilogramm lassen sich folgende Portversparnisfe durch Teilung inzweiPakete erreichen in der Fernzone bei:

11 Kg. Tarif 288 Mk., geteilt in 5 u. 6 Kg. nur 264Mk.

3n der Rahzone ist daS Verhältnis das gleich:, die Ersparnis beträgt aber nur die Hälfte.

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< Eisenbahnperfonalien Zu n 1.De­zember wurde Regierungs- un) Baurat Müller vom Vorstand des hief.gen B tr.ebsamts 1 -ur Eisenbahndlrektion nach Frank u7t versetzt. Re- aieiu vg3- und Daurat Euler wurde von Betz­dorf als Vorstand des hiesigen Vetriebsamts 1 nach Gießen verseht.

** Die Ablieferung der Ge- treideumlage. Die Leitung des Kommu- nälverbandes macht im neuesten AmtSverkün- digungsblatt darauf aufmerksam, daß das erste Drittel der Getreiteuinlage sofort, längstens aber bis zum 10. Dezember, abzuliefem ist.

* Diebstähle. 3n der Rocht zu gestern wurden aus einem Hühnerhaus in einem Garten deS alten Feldes vier Hühner, ein Hahn unb zwei Stallhasen entwendet und an Ort unb Stelle ab­geschlachtet. 3n derselben Rächt wurden einer Holzhauerrotte im Schiffenberger Wald zwei Schrotsägen, drei Aexte und drei Hacken gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal- Abteilung entgegen.

** Reinigung der Schmie de­ka m i n e. Zur Behebung von Zweifeln und zur Herbeiführung einer einheitlichen Rege­lung hat das Ministerium des Innern nach Anhörung sachverständiger Behörden be­stimmt, daß die Schmiedekaminr, sofern keine sonstigen Feuerungen in sie einrnünden, all­jährlich mindestens einmal zu reinigen sind.

E i II ober hessisches Städtchen im Film. Unfer burgenr..ichZ, schön gelegenes ober­hessisches Stndtcfe.i Schlitz war im vergangenen Jahre der Schauplatz der Ausnahme eines größe­

ren FllmwerkeS. Eine Berliner Filmgesellschaft setzte in Schlitz das MärchenTischlein, d e ck dich" in Szene. Rachdem der Film in großen, Lichtspielhäusern begeistert ausgenommen worden ist, hat ihn das hessische Film-Archiv für längere Zeit erworben, und unseren Schulen wird nun Gel 'geufert geboten sein, sich an der frischen Handlung des Märchens, dann aber auch an den schönen Landschaften des Schlitz erlandes unb den alten Gassen und Plätzen des reizmteir ober­hessischen Städtchens zu erfreuen. Gestern hat Eludienrat Dr. Vetters, der Leiter der hessi­schen Lehrsilmzentrale, in Bad-Rau heim vor dreimal ausver'auftem Hause den Schulen der Stadt und der Umgebung den Film gezeigt: er wurde vvn der Zug.n) mit Spannung verfolgt und fand lebhaften Beifall. 3n nächster Wochr toiro den Schuten von Gießen und Umgebung Ge­legenheit geboten fein, den schönen Heimatfilm zu bewundern. Dann wird er seine weitere Reise in die hessischen Städte und größeren Orte fort­sehen.

Bornotizen.

TageSkalenderfürMittwvch. Stadttheater, 7 Uhr:Der Vulkan." Reue Aula, 8V» Hfe: Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Das Kind ter Straße" undDie Stranddiva."

Aus dem Stadttheaterbureau. Am kommenden Sonntag findet nachmittags 31/2 Uhr eine Wiederholung der Sträusschen Operette Der letzte Walzer", abends Zy2 Uhr eine Wieder­holung vonWallensteins Laaer" undDie Picco­lomini" statt. Dienstag, Den 12., gelangt die Operette ,. Frühlingsluft" von Josef Strauß als neunte Vorstellung im Dienstag-Abonnement zur Erstausführung. Für Donnerstag, den 14., ist Kammersänger Ruebiger gewonnen, der Hei­teres und Heitei-sles aus seinem reichhaltigen Repertoire bringen wirb. Der Künstler, für Gießen neu, hat kürzlich bi Berlin feinem 50. Atend unter begeisterndem Beifall gegeben. Der Vorverkauf hat begonnen.

DieTheatergemeinde des Büh­nenvolksbundes hat am Donnerstag ihren ersten Theaterabend mitWallensteins Lager" und Die Piccolomini", dem am 18. Dez.Wallen­steins Tod" folgen wird. Mitglieder, die ihre Karten ^och nicht abgeholt haben, mögen -dies bis spätestens morgen, Donnerstag, tun. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Wechselnd bewölkt, einzelne Regenschauer, kiästige westliche Winde bei milden Tempera­turen. Die Randwirbel einer umfangreichen Depression im Rorden ziehen hl schneller Folge über Deutschland hinweg. Die Witterung bleibt weiterhin unbeständig.

Landkreis Gießen.

Ober-Bessingen, 5. Dez. Bei der Deigeordnetenwahl am Sonntag wurde der Landwirt Ferdinand Kühn, Sohn unseres Altbüigermeisters, mit 105 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, der ßanötoirt Karl Wal­ter, erhielt 101 Stimmen. Von 225 Stimm­berechtigten wählten 206.

Kreis Friedbertz.

* Butzbach, 5. Dez. Zugunsten der hie­sigen Winternothilfe hat die Butzbacher Farbenfabrik 25 000 Mark zur Verfügung ge­stellt, die in fünf Monatsraten verteilt wer­den sollen. Zahlreiche Geschäftsleute haben Spenden in Naturalien (Kolonial-,-, Ma­nufakturwaren usw.) zugesagt. Ein Gastwirt hat sich bereit erklärt, den Bedürftigen ein schmackhaftes, gutes Mittagessen für 50 Mark zu verabreichen.

* Butzbach, 5. Dez. Der Zuschlag auf die Friedensmiete ist hier auf 630 Prozent festgesetzt und vom KreiSamt genehmigt worden. Davon sind für Zinsrnehr- belastung 12 Prozent, für Betriebskosten 67 Prozent, für laufende Znstandhaltungsarbei-

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte vo>n Liesbet Dill.

54. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Jawohl!" rief die Cellotante, und erhob sich. Ich habe auch noch etwas zu sagen, nämlich die Geschichte mit dem Smaragden"

Das hätten Sie vorher sagen sollen," ver­wies sie der Richter.Auf diese Sache kommen wir noch zurück. Sehen Sie sich, bitte. Die nächste Zeugin, Fräulein Müller-Güth."

Alle Köpfe reckten sich, unb während der Postbeamte, unzufrieden, nicht alles gesagt zu haben, was er sagen wollte, auf feinen Platz zu- schritt, betrat die Hochdramatische den Saal. Wie eine Walküre, die aus dem Feuerzauberfchlag er­wacht, schritt sie zum Richtertisch. um ihrenEioab- zulegen, aufrecht, als trüge sie Schild und Speer, uni> ihre volle dunkle Stimme füllte den weiten Raum wie mit Orgeltönen.

Die schwätzt ja wie ein Kerl," sagte der Mann neben Herbert.

Fräulein Müller-Güth berichtete zunächst, daß sie geschäftliches Vertrauen au Herwegh geführt und sie ihm ihr Vermögen kn die Hände gelegt habe, das bisher ihr Bankier verwaltet hatte, ehe sie ihre Amerikareise antrat.

Wie kamen Sie dazu, einem Anwalt das Geld zu geben, statt einer Dank?"

,Mit Danken arbeite ich nicht gern," ant- tooriete die Künstlerin.Ich hatte viel von Her- wcghs guter Derwaltung gehört, besonders von

seiner Einfühlungsie betonte das Wort mit einem Dlick nach Lern eisernen Staatsanwalt.

Llnd von den sechs Prozent," warf der Staatsanwalt ein, der diesen Dlick zuruckgab.

Gewiß, auch das."

In welcher Weise hat man Ihnen denn Rechenschaft über das zu verwaltende Vermögen abgelegt? Sie haben in Ihrem Zeugenverhör ausgesagt, daß Siq nie einen Dries, eine Rech­nung odek einen Abschluß erhalten hätten, und als Sie zurückkamen und Ihr Geld verlangten, hörten Sie, daß alles in der Vppenhausener Ziegelei angelegt sei und nicht flüssig gemacht werden könne."

Ganz recht. Wenigstens konnte ich nicht soviel erhalten, wie ich brauchte. Ratürlich war ich darüber sehr erregt, denn von dieser Ziegelei hatte ich inzwischen erfahren, daß sie vor 'dem Bankrott stand, Hch wollte das ganze Kapital sofort herausziehen, und als man mir sagte, das ginge nicht, reichte ich die Klage ein."

Dcstand denn über die Verwendung Ihres Geldes keine bestimmte Abmachung?" fragte der Richter.

Rein, ich hatte freilich gesagt," setzte sie hinzu mit einem Dlick auf ten Angeklagten, der vor sich hinstarrte mit einem verlorenen, trau­rigen Ausdruck,daß es mir gleichgültig sei, wo ec eS anlege, nur müsse es fieber angelegt fein."

Diese Sppenhausener Fabrik konnte doch nie­mand als etwas ganz Sicheres betrachten?" meinte der Richter.

Der Staatsanwalt räusperte sich

Vielleicht nicht, aber ich hatte ihm ja freie Wahl gelassen." Fräulein Müller-Güth warf dem Staatsanwalt einen feindlichen Dlick zu.

So, das ist etwas anderes." Der Richter durchblätterte ein Attenhest.In Ihrer ersten Aussage steht"

Die Müller-Güth schien aufs peinlichste be­rührt von ihren Anklagen, die sie in ihrem ersten Zorn auf das Haupt des Anwalts geschleudert hatte, und die ter Richter ihr jetzt langsam unb deutlich vorlas.

Ja. so habe ich vielleicht damals gesagt. Aber inzwischen bin ich zur Dc-sInnung gekommen," fuhr fie fort,und muß mir sagen, daß ich an dem vielleicht entstehenden Verlust teilweise wohl selbst schuld bin." Die Richter blickten sich an, der Staatsanwalt schob das Tintenfaß von sich, die Referendare lächelten, unb die Gerichtsdiener, die an den Wänden lehnten wie matte Fliegen, schüttelten die Köpfe. Das war ja einfach toll! Geter Zeuge, ter oorgeLaten war, um Herwegh zu beschuldigen, nahm feine Anklagen zurück unb entschuldigte ihn sogar.

Die Müller-Güth tat es mit Wärme.Ich habe in Herrn von Herwegh einen ter sympa­thischsten Menschen kennengelernt unb ein durch und durch musikalisches Talent. Man muh be- rücksich'.igen, meine Herren," sagte sie mit ihrer weilhinschwingenden Altstimme,daß man es hier mit einem ungewöhnlichen Manne zu tun hat, der außer seiner Wissenschaft noch vielen anderen Interessen diente. Er war nicht nur ein glän­zende r Redner und Jurist, sondern auch ein Künstler! Solche Menschen kann man doch nicht mit Allerweltsgesehen messen!"

Das mag alles fein," unterbrach sie ter Richter,aber hier haben wir jetzt festzustellsn, wie es kommen konnte, daß man ihm dieses Ver­trauen allmählich entzog."

ten 331 Proz. unb für große Instandsetzung-- arbeiten 200 Proz. zu verwenden. Di« An­ordnung ist bereits in Kraft getreten. Wasser­geld. Straßenreinigungs- und Müllabfuhr- Gebühren, Schornsteinfeger- und Treppen­beleuchtungskosten, sowie die Wohnungsbau­abgabe gehören nicht zu den Betriebskosten: sie sind anteilsmäßig auszuschlagen.

* Bad-Rauheim, 5. Dez. Der Mie- terschutzverein hat gegen den 100prozen- tigen Zuschlag zur Friedensmiete, den die Bürgermeisterei festsetzte, Ein­spruch erhoben. Herr Gottfried H ü r l i - mann spendete 100000 Mark, die zu Weihnachten an bedürftige Bürger verteilt werden sollen.

Kreis Büdingen.

Ortenberg, 5. Dez. Der Bericht in Rr. 275 deSGieß. Anz." über die Verurtei­lung eines Milchlieferanten aus Obersee­men ist, soweit die Ortsbezeichnung in Be­tracht kommt, unzutreffend.. Unserem Gewährsmann war bei der Abfassung seines Berichts ein Schreibfehler unterlaufen. Die Milchverfälschung, die zur Verhängung der hohen Sttafe von 35 000 Mark führte, hat sich in W e n i n g s ereignet.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M, 5. Dez. Der Polizei wurden heute früh drei eigenartige Fälle von Heber fällen unter zweifellos hypnoti­scher Beeinflussung gemeldet. Auf der Obermainbrücke wurde ein junger Mann in be­täubungsähnlichem Zustande und feiner Wert­sachen beraubt auf gefüllten. Gr kann sich lediglich erinnern, daß er beim Ueberfd)reiten ter Drücke sich plötzlich zwischen zwei Männern befunden habe und darauf das Dewußtsern verlor. Im zweiten Fall fand man in ter Rahe, am Dachsenhäusev Ufer, einen Wann, ter sich in Wutanfällen be­fand. Im dritten Falle hantelt es sich um einen jungen Mann, ter ebenfalls auf ter Sachsenhäuser Seite dabei überrafcht wurde, als er von einem Kahn in ten Main springen wollte. Als er auf die Revier wache gebracht wurde, verfiel er in einen tiefen Schlaf, ter stundenlang dauerte. Der Mann kann sich nur erinnern, daß er sich plötzlich in De- gleitung von zwei Männern befunden habe, die ihn zu dem Sprung in den Main aufforterten. Die Vorfälle erregen in Pvlizeikreifen erhebliches Aufsehen.

Landwirtschaft.

Die Maul- und Klauenseuche.

* Großen-Linden, 5. Dez. Hier ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festge­stellt worden. Sperrbezirk ist die Gemarkung Gcotzen-Linben, das Deobachtungsgebiet besteht aus ten Gemarkungen Klein-Linoen, Leihgestern und Allendorf a. d. Lahn.

* Friedberg, 5. Dez. In ter Gemeinde Melbach ^ist die Maul- und Klauen­seuche amtlich festgestellt worden. Die Gemein­tem Dorheim, Beienheim, Weckesheim, Sötel und Wisselsheim bilden Has Sperrgebiet.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 121 vom 5. Dezember enthält: Verbot öfsent- licher karnevalistischer Veranstaltung«!. Ausstel­lung von Waiitergeweibeschein«i. Gewerbe-Le­gitimationstarten. Polizeistunde in Deuem. Vleh- seuchen. Erhöhung d?s Eintciu sgeltes für Oris- bürger. Herausgabe einer Heimatzeitschrist. Rei­nigung ter Schornsteine. Ablieferung ter Ge- tititeumlage. Dienstn-achrichten. Feldbereinigung

Heutiger Stand des Dollars

10 Ubr vormittags:

Berlin 8375, Frankfurt a. M. 8500.

Ich hätte ihm mein Vertrauen entzogen?" rief Fräulein Müller-Güth und blickte sich im Saale um.Das habe ich ja nicht einmal in meiner ersten Ausscige behauptet, obwohl ich da­mals sehr nervös war. Ich habe nur gesagt, daß der Anwalt freie Hand über mein flüssiges Geld hatte und daß ich ihm sogar erlaubt habe, das Geld auch eventuell in einer Fabrik anzulegen. Da, wie ich nachträglich gehört habe, er sein eigenes Vermögen in diese Fabrik gesteckt hat, so wird er sie doch auch für sicher gehalten baten. Das ist alles, was ich zu sagen habe, unb ich bitte, mich jetzt zu entlassen, Herr Präsident, denn ich habe Probe . . ." Das letzte Wort Proobe" schleuderte sie wie ein Schwergewicht in ten Saal.

Sie wurde entlassen.

Die Wotanstochter schlug ihre Pelzstvla um die Schultern und verlieh ten Saal, gefolgt von vielen bewundernden Blicken, denn die Müller- Güth war feit ihrer Amerikareife noch um viele Grate berühmter geworden.

Herr Stolzenberg stand vor dem Richterttfch. Aber er hatte nichr viel zu sagen. Gr hatte Her- wegh verscyieterttlich Geld geliefert und es bis jetzt nicht zurückerhalten. Er wußte tretet, wo es angelegt war, noch wie. Es schien ihn nicht einmal besonders zu interessieren.

Er machte ten Eindruck, als sei er nur wider­strebend vor das Tribunal geschleppt, er hielt die Hänte auf dem Rücken verschlungen unb bewegte unruhig die Finger, was der Lümmel für Be­fangenheit deutete, und ließ sich jedes Wort herauslocken tote ein verstockter Sünder, in feinem langen Gehrock und dem bürstena.rtigenHaupthaar.

(Fortsehung folgt.)

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