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Nr. 50

Der Siebener Anzeiger erscheint tüglich, außer Sonn« und Feieriaas. Monatliche tzettiarpreife: Ok. 9-50 einschl. Träger« !rhn, durch die Post Ok. 10.- einschl. Bestell- g.tlb, auch bei Nichterschei« n n einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. JJemlpred). 21n|dju|je: iirbie5d)riftl<itung 112; für Druckerei, Verlag a ib Ge^chafisftelle 5L ?Infd)rift für Drahtnach- k echten: Anzeiger Lietzen.

popfcheätonto: sstrankfurt a. M. 11688.

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Samstag, 4.8ebruar 1922

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck uv- Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Schriftleltung. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze 7.

Annahme oon Anzeigen für bie lagesnummer bis $um Nachm llag vorher ohnejebe Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 34 mm'Breiti örtlich 70 'Pf, auswärts 90 'Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 3^0 Pf. Bei Platz. Vorschrift20" .Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

WochenrücKblick.

Di« durch den Eisenbahnerstreik herbeigeführte VerkchrSstille läßt und so recht gum Bewußtsein kommen. In welch traurigen Olsten Reich, Länder und Städte sich jetzt be- s'finden. GS gibt wahrlich nicht irgendeinen Ötanb oder Parteien, die in der augen­blicklichen Lage das Haupt kühnlich erhoben tragen könnten. Eine Art großer Koalition, die ssgar von Westarp und Helfferich bis f bi die Reihen der Unabhängigen hinein reicht, ift sich einig darüber, daß die Strelkparole der Cisenbahncrgcwerkschaft den ernstesten Widerspruch herauSfvrdert. Man kann eS ge­troffen Deamtenschichten glauben, daß sie sich benachteiligt fühlen müssen und unter zu kärg­licher Besoldung bitter zu leiden haben aber da gibt eS Leidensgenossen in weiter Runde sauherhalb der Beamtenschaft genug und sie streiken nicht, behelfen sich, soweit sie eS überhaupt können, mit anderweitigen dürftigen Mitteln der Selbsthilfe. Dah grohe I Teile der Eisenbahner wieder einmal in einer Zeit, die nichts mehr von polittschen Räuschen entschuldigt den Staatsgedanken verleugnen, von dem sie doch nicht lassen wol- e len, wenn man ihnen von ileberfüfjrung in die Privatwirtschaft spricht, das schafft ihnen keine Sympathie. Wie wird nun die neue Machtprobe enden? Wir wünschen alle nicht, dah berechtigte Beamtenfvrderungen ungehört oder unberücksichtigt verworfen werden, aber an die Erfüllung des Ultimatums der Friedensbrecher wird doch nicht zu denken fein. Der Reichspräsident hat im Einver­nehmen mit dem Kabinett diesen Streik und bi« Aufforderung dazu durch seinen Srlah zu einem durch Gefängnisstrafe zu sühnenden Vergehen gestempelt. ES wäre zu wünschen gewesen, dah die Regierungen der deutschen Länder dem Erlaß ungesäumt ihren Rachdruck verliehen hätten. Da liehe sich, auch abgesehen bau polizeilichen Zugriffen und Beschlag­nahmen, doch manches tun, um die Gewalt­politik der Eisenbahner abzuwehren: sofortige Unterstützung der Technischen Rothilfe, Mit­wirkung bei der Organisation eines HilfS- bienstes. Soviel ist sicher und von der Presse aller Parteirichtungen festgehalten worden: Mr müssen aus der Epoche der Anordnung und.Willkür endgültig heraus, wenn wir das Reid) durch die Gefahren bringen wollen, di« eS noch unaufhörlich bedrohen. Dann, wenn dieser Grundsatz durchgefvchten ist, wird men darüber reden dürfen, ob die Regierung, insbesondere das Reichsverkehrsministerium, dLS ja In der letzten Zeit von allen Seiten her so viel berechtigter Kritik begegnet ist, Mnz schuldlos an dem Zündstoff ist, der sich in den "Zeihen der Eisenbahner angesammelt hat.

3n der inneren Wirtschaft ist eS dem Dirthschen Kabinett der Persönlichkeiten noch nicht gelungen, sich irgendwelche Lorbeeren jn pflücken. ES ist angekündigt worden, dah demnächst 20 000 Eisenbahnarbeiter entlassen werden sollen; aber es scheint in gewissen Mnisterial- und Berwaltungsabteilungen, so- blel aus den letzten Etatervrterungen in Par­lament und Presse herausklang, noch manch ZLpslein zu hängen, das man sich heute nicht mehr leisten sollte. Beim Abbau überflüs­siger Dienststellen ist man noch nicht am Ende angelangt. Warum eigentlich? Bedarf man ttnxi der Aemter und Stellen, um gesinnungS- iüchtig« Personen unterzubringen? 11m diese Frage entschieden verneinen zu können, bäre das Zustandekommen einer größeren Re­gierungskoalition nur zu begrüßen. Denn öxnn das allen Volksgenossen gemein­same Sonnenlicht in die AmtSgemächer zu- gelaffen wird, können die Auswüchse ftreb- [inner Parteiwirtschaft weniger üppig ge­heißen. Der Kanzler Dr. Wirth hat das bteuerkomprvmih erlangt, das auf dem Weg e zur großen Koalition zu liegen schien. Die Deutsck)e BolkSpartei gesellte sich zu dem kreise der posittv Schaffenden, nicht um sich mit dem Taufwasser der sogenannten Erfül- lungöpolitik besprengen und weihen zu lassen, sondern um der Konferenz von Genua die Dege bereiten zu helfen, die uns die Er- füllungSketten abnehmen soll, lieber die Taktik vergangener Zeiten soll man nicht zu ,)itl streiten. ES ist wenig genug für Deutsch­land erreicht worden; woran sich die Ver­nunft der Engländer und Amerikaner schlieh- lich aufgerichtet hat, als sie die Verkehrtheit der Versailler llnmähigkeit langsam einzu­sehen begannen, ist noch die Frage. Die jetzt rrreichten Erfolge sind keine Kunstprvdukte Wirthscher Akttvität. Aber well das Kabi­nett nun einmal auf schwankem Wege Trä - zer der BundeSlade des Reiches ist, wünschte niemand einen Zusammensturz, sondern die Sicherung dec BundeSlade, die ihre tigenen Gesetze des Deutschtums trägt. Mr wollen die Volksgemeinschaft, gegen die mfänglich auch Herr Wirth nichts einzuwen- ben schien. Durch die eigenwillige, un­

vermittelte Ernennung Dr. RathenauS zum Minister des Auswärtigen hat er iedvch der Politik der Volksversöhnung einen schwe­ren, und man kann sagen mutwilligen, Streich versetzt. WaS lag für den Kanzler näher, als auf der glücklich erreichten BastS des Steuer- kompromisseS alle Möglichkeiten eines besseren Einvernehmens der Parteien freudig zu er­greifen! Die Deutsche DolkSpartei hatte einige Garantien gefordert, persönlicher und fachlicher Art; sie hatte den Wunsch, das mühsam Erreichte auch praktisch und ergiebig zu verwenden, sie glaubte, durch U>re Mit­arbeit, ihre Zugeständnisse und ihre ausdrück­lichen Vorbehalte die Gewähr zu erhalten, daß der Reichskanzler auch weiterhin möglichst im Einvernehmen mit ihr handeln würde. Eine Erneuerungdesgesamten'Ministe-- riumS war, wie dieZeit", das Berliner Organ der Deutschen Volkspartei, feststellt, als eine unerläßliche Voraussetzung für das Zustandekommen des Steuerkom- prvmisseS bezeichnet worden. Das war ein Wunsch, den selbst dieFrankfurter Zei­tung" wiederholt dringend geäußert hatte. WaS war natürlicher für Dr. Wirth, als bei je­der Veränderung des Kabinetts in vertrauens- vollem Einklang mit allen den Parteien zu bleiben, die innerhalb der großen Koalition dem Deiche nach außen hin ein verstärktes An­sehen verschaffen sollten! Man wollte in den Kreisen StresemannS und Stinnes' vermutlich dem Herrn Dr. Rathenau kein blindes und unbedingtes Vertrauen schenken, son­dern Richtlinien festlegen, eine einheitliche Marschroute, wie sie der anzubahnenden Volksgemeinschaft vorzuschweben hätte. Es wäre interessant und nützlich, aus der Ver­gangenheit alle die Verlautbarungen und An­sprüche der deutschen Demokratie wieder ans Tageslicht zu holen, die früher aus ähn- lichen Anlässen In derselben Weise vor­gebracht und formuliert wurden. Aber heute spricht der Senator Dr. Petersen imHam­burger Fremdenblatt" von Kinderkrankheiten unseres anorganischen Parlamentarismus". Und doch haben einige Organe seiner demo­kratischen Partei das Verhalten Wirths eben­falls als eine unnütze Brüskierung der Deut­schen Volkspartei bezeichnet. Auch dieKöln. Zeitung", die Herrn Dr. Wirth sonst öfter die Stange gehalten hat und auch an der Ernen­nung RathenauS an sich keinen Anstoß neh­men würde, tadelt die Taktlosigkeit des Reichskanzlers. ES handelt sich aber dabei vielleicht doch weniger um eine Taktlosigkeit als vielmehr um eine bestimmte Absicht deS Kabinettschefs. Cs ist kein Geheimnis, dah die Mehrheitssozialdemokratie von einer Arbeits­gemeinschaft mit der Deutschen Volkspartei am liebsten nichts wissen 'möchte. And Herr Dr. Joseph Wirth, der wohl weiß, daß er In der Rechtspartei keine sonderlichen Sympathien genießt, will seine ausgesprochene Parteipoli­tik an der Seite des radikalen Linksbruders weiter verfolgen. Es war in der Presse be­hauptet worden, Dr. Rathenau selbst habe ferne schleunige Ernennung durchgesetzt mit einem Ultimatum: Wenn nicht binnen weniger Stunden seine Ernennung erfolge, lehne er es ab, weiter für die Reichsregierung tätig zu sein. Das wäre ein sehr merkwürdiger Patrio­tismus, vor dem uns angst und bange werden mühte. Glaubt Rathenau etwa, sich seine Amtstätigkeit zu erleichtern, wenn er diese in vollem Gegensatz zu den politischen und wirt- sck^iftlichen Kreisen aufnimmt, auf deren Mit­wirkung gerade England den größten Wert ge­legt zu haben scheint? Aber die Meldung, wonach er seine Ernennung erzwungen habe, wurde späterhin dementiert. Sv stehen wir vor einer nach jeder Richtung maskierten Tak­tik deS Kabinetts Wirth und beklagen jeden- falls das vorläufige Scheitern der Volks­gemeinschaft.

3n der französischen Presse bat die (Smennima Ratbenans zum deutschen Minister des Auswärtigen allaemein Beifall und An­erkennung gefunden. Hand in Hand damit aebt aber nicht etwa eine Revision der nationalisti­schen Politik PvincarSS, im Gegenteil! Es ist ein beunruhigendes Gefühl, dah der neue deutsche Minister von den ftanzösisch m Zwi^g- berren freundlich willkommen geheißen wird. 3n Erinnerung an das Wiesbadener Ab­kommen sagt man sich in Paris vermutlich: Er gibt uns was und läßt uns dann doch gewähren. And wie wirkt dieses Zwischen- sviel auf Lloyd George? Auch eine eng­lische Pressestimme wurde von unseren Offi­ziösen angeführt, um darzutun, daß Rathenau den Londoner Politikern genehm erscheint. ES ist möglich, dah Lloyd George in einer Augenblickssttmmung ganz gern bereit ist, aus RathenauS Topf etwas Salbe auf die schmer­zenden Wunden Frankreichs zu streichen. Ob es sich aber auf die Dauer bewähren wird, daß wir in Berlln eine grundsätzlich ftan- Zosenfreundliche Politik inaugurieren, dah muh doch sehr bezweifelt werden. Ob es der drin­

gende Wunsch Englands ist, dah Rathenau in verstärkter Entfremdung mit wichtigen Krei­sen deS deutschen Wirtschaftslebens nach Genua geht, wer möchte dies bejahen?

Aber Herr Wirth bat die Freundschaft mit der Sozialdemokratischen Partei neu be­festigt. Was sicht eS ihn an. dah Scheide- mann Im Reichstag eine Etatrede hielt, die alles andere denn regierungs- und koalitions­freundlich war! Das Dernagogenturn, der Parteifanatismus triumphieren! Sv sind wir es in Deutschland gewöhnt und so bleibt es, auch wenn wir der letzten Not ins Angesicht schauen. BIS langsam eine neue Generation erwacht . . .

Der Eisenbahnerstreik.

Eine Aussprache des Reichskanzlers mit den Spitzcnverbäudcu.

Berlin. 3. Febr. (WTB.) Heute nachmit­tag empfing der R e i ch S k a n z l e r die S p l tz en- verbände der 3 Gewerkschaftsri ch- tungen, mit denen in Anwesenheit der betei­ligten Ressortchefs eine eingehende A u s s p r a che über die Stceiklage flattfanö. Auf Grund dieser Aussprache erließen bie Spitzenver- bände einen Aufruf zur Beendigung des Streiks. 3m Anschluß an die e Be sprechung wurde tm Be.s.'in von Vertretern der Gcwerks«chaften der Vorstand des Allgemeinen dcutsc^n Deamtenbundes empfangen, nachdem er an anderer Stelle die bereits belanntgcgcbenc Erklärung abgegeben hatte. Der Reichskanzler sagte zu. dah die Erörterungen mit den Spitzen- Organisationen über die grundsätzlichen Fragen der Beamtenbesoldung alsoald sottgesrtzt werden sollen. Der Allgememe deutsche Beamtenbund gab dem Reichskanzler durch seine bevollmäch­tigte Vertretung die ausdrückliche (Srflärung, dah er den Streik ablehne und das Vor­gehen der Reichsgewerkschaft miß­billige.

Eine scharfe Erklärung der Gewerkschaften gegen den Streik.

Berlin. 4. Febr. (WTB) Die Gewerk- schäften erlaffen folgenden Aufruf an die Be­amten, Arbeiter und Angestellten: Unter völ­liger Richtachtung der anerkannten gewerkschaftlichen Grundsätze bat de Reichsgewerkichaft deutscher Ei enbahnbeamtcn anläßlich einer noch im Gange bejnbllben Lohn­verhandlung durch die Aufforderung zum Stteik den Cifendahnver-Iehr, auch die für die Ernäh­rung des V-olkes notwendigen, lahmgelegt obwohl gerade die werktätige Bevölkerung unter den Folgen am schwersten zu leiden hat, und die Desoldungsordnung der Beamten mit den zur Zeit stattfindenden Ver­handlungen über die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten in Staatsbetfteben in engstem Zusammenhang steht. Auch hat dieReichs- gewerkfchaft unterlassen, dem Wunsch der übrigen betroffenen Gewerkschaften nach einem .gemein­samen Vorgehen nach ulvmmen. Dieselbe Reichs- gewerkfchast, die jetzt Hilfe bei den Arbeitern und Angestellten fordert, hat auch diesmal ihre Gon« derbe st rebungen dem gemeinsamen Interesse aller Arbeitnehmer über­geordnet. Es ist unerträglich, dah eine ein­zelne undi'ziplinierte Gruppe in ganz unver­antwortlicher Weise mit dem Schicksal der gesamten .Bevölkerung spielt. Dieser Lohnstreik et e B amtenguppe muh bei brr schwierigen wirtschaftlichen Lage auch bei kurzer Dauer die 2elen£bebingungen aller Arbeitnehmer, besonders in den Grrvhstädten, aufs allerernsteste gefähr­den. Von der Rolchsgewerkschast wird erwartet, daß sie sich ihrer schweren Verantwortung bewußt wird und den Streik unverzüglich beendet. Die für bte'ei besonderen Streitfall erlassene Vero d.iung des Rcichspräsidenten wird mit Be­endigung des Streiks gegenstandslos.

Allgemeiner deutscher Gewerkschaftsbund. e Deuter Eewe kscha.tsbund. EewerkschaftSring deutscher Angestellten- und Deamtenverbände.

Allgemeiner Angestelltenbund.

Berlin, 4. Febv (WrB) W:e die Blätter über die gestrigen Besprechungen der Svitzen- organisationen der drei Verbände mit der Reichs­regierung mitteilen, hat der Deutsche De- amtenbunb die Verpflichtung übernommen, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um die Reichs- gcwerkschaft zur Beendigung des Streikes zu be­wegen. Die Blätter knüpfen an den Aufruf der Gewerkschaften die Erwartung, daß die Streikparvle zurückgezogen wird.

Verschärfnnn des Streiks im Bezirk der Berliner Direktion.

Berlin, 3. Febr. (WTB.) Die Eisen- bahndirektionBerlin teilt über bie Lage in ihrem Bezirk mit: Die Strriklage hat slch fett gestern abend dadurch verschärft, daß fast alle Weichensteller und Auffichtsbr-amten, der großen Rangierbahnhöfe und der Güterbahnhöfe, sowtc die dem Deutschen Eisenbahnerverband angel;o renden Arbeiter sich dem Streik anschlollrn. Es streiken zur Zeit rund 93 Pvoz. des Lodomottv- und Zugpersonals, rund 83 Prvz. t>er Weichen­steller etwa 2333 Proz. der Eisenbahnasstften« ten unb -selretäre und nahezu geschlossen alle dem Deutschen Eisenbahnerverband angehorenden Ar^ beiter. Trotz weiteren Einsetzens der Technischen Rochilfe liegt infolge der geschtlderien Ver­schlechterung der Verhältnisse der Güterverkehr ganz darnieder. Die Zustellung des geringen

KohleneingangeS zu den Verbrauchs stellen ist un­gewiß. Auch die Aufrechterhaltung des übrigen lebenswichtigen Güterverkehrs ift stark in Frage gestellt. Gestern wurden nach und von Stettin und Stargard 6 Personenzüge, von Hannover ein O-Zug, von Magdeburg ein Personenzug, von Halle ein v-Zug und zwei Eilgüterzüge mit Milch und Vieh, nach Görlitz ein Pcrsoncnzug, von Breslau ein D-ßug und zwei Viehzüge ao- gelassen. Bemerkt wird noch, dah die Haupt­werkstätten mit Ausnahme von Potsdam In den Stteik getreten sind.

Berlin, 4. Febr. (WTB.) Die Za htDet Streikenden beträgt rach Dchä.UTigen der Zeitungen in Berlin 50 0C0, darunter 4000 Lokomotivführer, im Reiche 203(03.

Die Eiusetznnq der Technischen Nothilfe.

Berlin, 3. Febr. (WTB) Tie Stteillagr ist im wesentlichen unverändert. Der Personen­verkehr wurde beschränkt durchge­führt. Ein Milchra-g und ein Viehz rg tot eben fahrbereit gestellt. 3m übrigen konnte der Ver­kehr noch nicht in Gang gebracht werden. Doch ist die Technische Ä o t h i l f e auch weiter­hin in verstärktem Maße eingesetzt worden. Der Betrieb auf den Rangierda'nhösrn ist durch starke Schneefälle sehr erschwerch

Androhung eines Poststrcikes?

Berlin, 3. Febr. (WTB) Der .B. Z am Mittag" zufolge wandte sich der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund abermals an die zuständigen Regierungsstellen, um eine Vermittlung zwischen der Reichsgewerkschaft beut- fch?r Eisenbahner, dem Eisenbahnarbeiterverband und dem Finanz- und Eisenbahmninisterium her­beizuführen. Die Funktionäre der Post- und Tele­graphenarbeiter Deutschlands beschlossen, die Re­gierung zur sofortigen Zurücknahme der Verordnung des Reichspräsidenten und des Polizeipräsidenten aufzufordern. wid­rigenfalls der Poststrelk beschlossen wer­den würde. Die Verbände der Postunterbeamten wollen heute zum Streik der Eisenbahner Stellung nehmen.

Die Lage in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 4. Febr. (WTB.) 3ft den Großfrankfurter Eisenbahnbetrieben hat nach den bisherigen Feststellungen eS fehlen noch 17 Dienststellen dir überwiegende Mehrheit sich für den Streik der Eisenbahner entsck^eden. Das Gesamtergebnis ist vor Samstagmütag nicht zu erwarten. Eine Vertrauens männer Versamm­lung wird auf Grund des Abstimmungsergeb­nisses bann die entsprechenden Maßnahmen treffen. ' '

Frankfurt a. M., 3. Febr., 7 Uhr abends. (WTB.) Die Streiklage ist tm wesentlichen un­verändert. Auf sämtlichen Abschnl ten ter Haupt­strecken nach Debra, Eisenach sind einzelne Züge gefahren worden. Auch auf der Strecke nach Gießen, Marburg haben nördlich Friedberg Züae verkehrt. Auf der Strecke nach Behoorf und weiter verkehren Züge in beschränktem Maße. Auf den Reben­strecken können größtenteils einige Züge zur Ab­fertigung kommen. 3m besetzten Gebiet wird der Verkehr vollständig aufrechterhalten. Der Hauptbahnhof ist heute zur Zugabfertigung nicht herangezogen worden.

Kasfcler Protest gegen das Streikverbot.

K a s s e'l, 3. Febr. lWTD.) DaS .Vollsblatt" meldet, daß die Vorstände der Gewerkschaftxrr zum Streik der Eisenbahner Stellung genommen haben; ohne über den Streik ein Urteil abzu­geben, erhoben die Vorstände einstimmig Pro­test gegen die Verordnung des S t r e t f- verbotes der Reichsregierung und des Kasseler Polizeipräsidenten. Die Gewerkschaftsvorstände forderten dw svforttge Zurückziehung der Verordnung und die Einleitung von Verhandlungen mit den Spitzenorgantsatio- nen der Eisenbahner.

Aufrechterhaltung des Betriebes im Dresdener Bezirk.

Dresden. 3. Febr. (WTB) Rach heutt vormittag übermittelten Meldungen hat sich bie Streiklage im Bezirk der Eisenbahn-Generaldlrek- tion Dresden nicht wesentlich geändert ES handrit sich nach wie vor f a st a u S s ch l t e ß l i ch um den Streik der Lokomotivführer, die m überwiegender Mehrzahl Im Stteik verhar­ren. Bei dem übrigen Personal besteht keine Rer- gung sich dem Streik anzuschließen. Der Personen­verkehr konnte auf einigen Strecken In mäßigem Umfange aufrechterhalten werden. Ein von den Eisenbahnbehörden ausgestellter Rotfahrplan für lebenswichtige Transporte wi<d teils mit Hrlfe vcn arbeitswilligem Personal, teils durch Em- sehung der Technischen Rothilfe durchgesührt wer­den können.

Ans dem ilbrigen Reirb.

Königsberg, 3. Febr (WTB.) Dem Ver­nehmen nach wurde die Leitung der Streik­bewegung in Deutsch-Eylau verhaftet.

Hamburg, 3. Febr. (WTB.) Seit beute vormittag finden Verhandln n a e n zwischen rim-r Kommission der RrichSgeweri chaft deutscher Eisenbahner und der Eisenbahndlrektwn Altona statt, durch welche die Freilassung der heute noegen in Altona f e ft a e n o m tn e n e n Streikleitung erreicht werden soll Da sich die Verhandlungen in die Lange ziehen, fanden heute nachmittag vor dem Gebäude der Etsen- bahndirektion SemonftraH o n e n ftatt an welchen sich etwa 1400 Personen beteiligten. Die