Mittwoch, 4. Januar 1922
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberyessen)
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eher beiderseits Herren ziemlich die Sozial- entschlossen
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Brechung vollzog sich nicht liehen Formen, der Ton war gereizt. Ebert eröffnete den schroff und überlegen, das; demokratische Partei
gierung beteiligen wollten und wie sie sich zu der etwaigen ‘Beteiligung weiterer Parteien an der Regierung stellen wurden. Die Herren wiesen ziemlich fieinlaut darauf hin, daß sie ohne Rücksprache mit ihren Freunden überhaupt keine Erklärung abgeben können, lehnten aber nicht grundsätzlich ab. Es wurde dann über die Voraussetzungen ihres etwaigen Eintritts und Über die eventuelle Deiziehung von Angehörigen der Fortschrittlichen DolkSparlei in ihrer Eigenschaft als Fachleute, nicht als Parteivertreter einerseits und von Liebknecht andererseits hin und her gesprochen, ohne daß sich ein Teil nach irgendeiner Richtung gebunden hätte. Ebert entlieh dann die Herren mit einer sehr kurzen Frist für die Abgabe ihrer E ll rrurg, und fuhr in das Reichs ag '° gebaute, wo tee sozialdemokratische Parteileitung zusammengetreten war.
sei. die Regierung zu übernehmen. Er forderte als Reichskanzler die Unabhängigen zur Erklärung auf, ob sie sich an der Re-
mung im Landtag.
Der Landtag beschließt die Erneuerung ter Akkumulatorenbatterie in ter UniversttätS- klinik (Sieben.
Kammerstenograph Reinhold Fehl 38 Jahre alt gestorben.
Reichsminister Koch weilte^ in Darmstadt und besuchte den Staatspräsidenten.
schlossen.
Die Desoldungsvorlage ter Staatsbeamten und das Lehrerbesoldungsgeseh
Forstmeister Adolf Keil starb in Schotten. 8. 7. Der Landtag besichtigt die staatlichen Werke Wölfersheim, Dad-Rauheim und die Universität Gießen.
Rach 3wöchiger Beratung wird ter Staats- Voranschlag 1921 genehmigt, Reichsschahminister Tauer in Mainz.
Hess. Freiw. Feuerwehr halt in Bensheim ten 23. Lantesfeuerwehrtag ab.
°gt* Schult Gießen ethestraße32 ^Januar beginnen
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13.12. 2m Männerheim ter Heilsarmee in Mainz werten 7 Männer infolge Gasvergiftung tot aufgefunten.
15.12. Eröffnung des neugewählten Landtages.
21.12. Rach tagelangen Besprechungen wird die Hess. Regierung neu gebildet, die alte Koalition kehrt wieder.
23.12. Einige in Avignon zurückgehaltene Kriegsgefangene wurden begnadigt und ter Heimat wiedergegeben.
St. (Rachdruck verboten.)
6. Die ehemaligen Kriegsgefangenen protestieren in allen Teilen Deutschlands, so auch in Hessen, gegen die Zurückhaltung ter Gefangenen in Frankreich.
6. Zusammentritt des Landtages.
6. Minister des Innern Dr. Fulda tritt wegen Differenzen innerhalb feiner Partei von seinem Amt zurück. ®
Die Sozialdemokratie und der 9. November.
Das „Berliner Tageblatt" hat i-jun Jahreswechsel aus Anlaß des Tages, an dem vor 50 Jahren das Mossesche „Weltblatt" zum ersten Male die Fülle seiner Weisheiten dem staunenden deutschen Volke erschloß, eine Iubiläumsnummer erscheinen lassen, in der es verschiedene Größen des neuen Deutschland zu Worte kommen läßt. Besonders interessiert hat uns von diesen Beiträgen ein Bericht des schwäbischen Demo- kraten und einstigen Vizelanzlers v. Payer, in dem er recht indiskrete Mitteilungen über den Verlauf des 9. November in der Wil Helmstraße zu Berlin macht. Nicht etwa darum sind seine Erinnerungen beachtenswert, ivell er grundlegend Neues brächte, sondern weil sie geeignet sind, ein für allemal mit dem schönen Märchen aufzuräumen, das die Herren Sozialisten so gern erzählen, wenn sie über die Ereignisse in jenen Tagen sprechen müssen. Gern tuen sie eS sicher nicht; denn wenigstens die Einsichtigeren unter ihnen haben doch inzwischen erkannt, welch verheerende Folgen ein Umsturz im Innern angesichts der drohenden Gefahr von außen unausbleiblich haben muhte, so daß sie also lieber nicht an die Nodembertage von 1918 erinnert sein wollen. Wenn sie eS aber nicht vermeiden können, auf die Nolle, die sie damals gespielt haben, einzugehen, so behaupten sie, die Sozialdemo- kratie sei 1918 inmitten eines allgemeinen Zusammenbruchs, durch die Geschehnisse gezwungen, in die Bresche gesprungen und habe sich opferwillig, vom damaligen Reichskanzler Max von Baden förmlich dazu gedrängt zur Derfügung gestellt. Wie schon gesagt, mit dieser Legende räumt Herr v. Payer gründlich auf, wenn er jetzt im B. T. über die Ereignisse am 9. November folgendes erzählt:
Etwa um 12 Uhr ließen sich Scheide- m a n n, ter au8 dem Kriegekabinett ausgetreten war, Ebert und ein Dritter, ich meine Wels, melden. Sie erklärten, von der Sozialdemokratischen Partei beauftragt tzu sein, die Regierung bis auf weiteres zu übernehmen, Ebert solle Reichskanzler werten, sie wollten für Ruhe und Ordnung sorgen und waren überzeugt, dazu auch imstande zu sein. Zur definitiven Regelung der Verhältnisse solle sofort eine Nationalversammlung gewählt und ohne Verzug einberufen werten. Die provisorische Regierung stellten sie sich als auf ter Grundlage und im Rahmen der geltenden Reichsvecfassung möglich vor. Wir waren, jeglichen Machtmittels entblößt, nicht in der Lage, Widerstand zu leisten. In aller Kürze wurde gesagt, was beiderseits zu erklären und zu bereden war. Irgendwelche Beeinflussung von der Straße her war nicht zu bemerken. Der Zusammenbruch des alten Regiments war in den denkbar einfachsten Formen eine Tatsache geworden.
Mittlerweile hatte Ebert die Führer der
gestorben.
27.11. Landtagswahl in Hessen.
2.12. Der neuernannte Ministerpräsident Bayern übergibt seinem Nachfolger David die Reichsgeschäfte für Hessen.
12.12. Konferenz der Wirtschaftsminister
Reichspvstminister Giesberts weilte in Darmstadt.
Finanzminifler Henrich begibt sich nach Berlin, um an den Reichssteuerprojekten mitzuarbeiten.
Der indische Dichter Rabindranach Tagore traf in Darmstadt ein.
sein Amt nieder.
1—10. 10. Schristseherstreik in Darmstadt. Die
Hessischer RückbliSr auf das Jahr 1921.
8. 1. Ucbergabe des Instituts für Cellulosechemie durch die Ernst Ludwig-Hochschulgesellschaft Darmstadt an die Hess Regierung
11. 2. In allen Teilen Hessens fanden Proteste gegen die Pariser Beschlüsse statt.
17. 2. Dm: neu ernannte Disch f Dr. Ludwig Maria
werden angenommen.
13. 5. Errichtung eines Tierseucheninstituts an der Universität Gießen beschlossen.
Entschließung gegen den Gewaltakt von Oberschlesien im Landtag.
5. „Kean"-Schauspiel in 5 Akten von Kasimir Edschmid (Darmstadt) gelangt zur llrauf-
Aus Stadt und Land.
Gießen, ten 4.'Ian. 1922.
** Die Wahl der Vertrauensmänner zur Angestelltenversiche- r u n g findet am 8. Januar, vormittags von 10—12 Uhr und nachmittags von 2—5 Uhr im Stadthaus an der Süd-Anlage, Gartenstraße 2, Obergeschoß, Zimmer Nr. 16, statt (nicht in der neuen Bürgermeisterei an der Bergstraße, auch nicht im Stadwerordneten- faali.
•* Privat-Fernsprech gebühren, Bis Ende Septemver v. I. bestand die Bestimmung, daß ein Fernsprechteilnehmer, der seinen Anschluß einem Dritten für Gespräche überläßt, sich dafür keine höheren Beträge erstatten lassen dürfe, als er selbst an die Post zu entrichten hatte. Diese ist jetzt aufgehoben worden. Mit der Einführung des Einzelgesprächstarifs überläßt die Post die Regelung der Frage, wieviel sich der Dn- schlußinhaber von Dritten für die Benutzung seines Anschlusses erstatten lassen darf, der freien Vereinbarung.
•* Die Million derSparprämie. Die „B. Z." meldet: Bei der Gewinnverlosung für die Sparprämienanleihe wurde der Hauptgewinn von 1 Million Mark gezogen. Er fiel auf Gruppe 2475 Nr. 23.
** Bezeichnung der Bezirkskulturbehörden. Die Kulturinspektivnen in Darmstadt, Friedberg, Gießen und Mainz wurden in Kulturbauämter umgetauft.
** Die Gebühren für Arbeiten der KreiSvermessungsämter sind ab 1. Januar erhöht: für Feld- und Zimmerarbeiten für die Arbeitsstunde 18 Mk., für Feldarbeiten außerdem ein Zuschlag für Arbeitsstunde von 10 Mk.; hierzu tritt ein veränderlicher Teuerungszuschlag, bis auf weiteres von 20 v. H.
Landkreis Gieren.
13.11. Landschaftsmaler Eugen Bracht in Darmstadt gestorben.
22.11. P' vf. Dr. Franz Staudinger in Darmstadt
8. Reichsernährungsminister Hermes besucht das belebte Gebiet (Worms, Oppenheim, Mainz).
In ter Rheinebene werden 38 Grad Hitze im ©chatten festgestellt.
Der Süddeutsche Fußvallverband tagt in Darmstadt.
8. Die blaue und grüne Polizei bekennt sich zur republikanischen Regierung.
9. Die Zentrums Partei re anftaltet eine
Stauer feier für ihre verstorbenen Führer Hintze, Trimborn, Tu tage und Erzlager.
Die Regierung ordnet die Beseitigung ter Hoheitszeichen an.
9 Explosionsunglück in Oppau, durch das auch Hessen sehr in Mitleidenschaft geraten ist.
9. Der Präsident des Lantes-Dildungsamts tritt zur Sozialdemokratie über und legt
Unabhängigen zu sich entbieten lassen, und es fanden sich, wie sie eben anzutrefsen waren Cohn (Rordhausen), Sittmann und Dogtherr ein. Ich blieb auf Wunsch Eberts noch über diese Besprechung anwesend, ohne mich ater an derselben zu beteiligen. Die Bein freundschaft--
Zeitungen erscheinen nicht.
Zusammentritt des Landtages.
Studienrat Prof. Otto Urstadt wird für ten Rest der Landtagsperiote zum Nachfolger Dr. Streckers ernannt.
Kundgebung des Landtages für Oberschlesien.
Pa' lamentarischer Abend beim Staatspräsidenten.
Die Sch'ilgesehnovelle wird nach monatelanger Berat im g angenommen.
Der KreisauSschuß Da'-mstadt fällt eine Entscheidung, wonach die außerhessischen Studenten wahlberechtigt sind.
So also steht es nach Aussage eines unmittelbar Beteiligten in Wahrheit um die „zur Uebernahme der Regierung gedrängte" Sozialdemokratie. Nur von ihren Partei- in ter essen ließen sich ihre Führer leiten und stellten sich, statt in ihren Aemtern zu bleiben und für die damals doppelt nötige Ruhe und Ordnung zu sorgen, andieSpitze Umsturzbewegung. -r.
Neue Briese Richard Wagners aus dem „tollen Jahr".
Richard Wagners Stellung zu ter Revolution tes „tollen Jahres" von 1818 und seine Verwicklung in ten Dresdener Maiaufstand von 1819 wird durch eine Reihe hochbeteutsamer Briese neu beleuchtet, die ter Komponist in dieser Zeit an ten späteren Geschichtsschreiber ter deutschen Schauspielkunst Eduard Devrient richtete und die von Geh. Rat Karl Obser in der „Deutschen Revue" mitgeteilt werten. Die Briefe, die seinerzeit von Devrient dem Großherzog von Baden geschenkt wurden, und sich heute im Groß- herzoglichen Familienarchiv zu Karlsruhe befinden, zeigen, wie rasch Wagner das Unkluge und Unbesonnene seiner Beteiligung an ter Revolution einsah und wie schnell er alles Interesse an den politischen Wirren verlor. Wagner hatte durch ein revolutionäres Manifest unliebsames Aussehen erregt, war heftig angegriffen und bei Hofe verklagt worden. Ec schreibt daraufhin am 19. Juni 1848 an Devrient: „Werter Freund, ich bereue herzlich die Hitze,»durch die ich mich verleiten lieh, für meinen Aufsatz von letzthin mit meiner Person öffentlich einzutreten. Ich scheine furchtbar mißverstanden Worten zu sein, und aus vielen Anzeichen erfahre ich, daß man mir beim Könige ernstlich zu Leite will. Nun übertrage ich Ihnen ein rechtes Freundesamt: mit Ihrer hierin so ungemein geeigneten Persönlichkeit und Ihrem Wort treten Sie beim Hofe, beim Könige für mich ein! Sachen Sie, was mit den Waffen tes Geistes und ter unbefleckten Tugend irgend möglich ist, um die Betreffenden über meine gute Absicht aufzuklären und sie womöglich von Schritten abzuhalten, die mir jedenfalls — sehr möglich aber auch ihnen nachteilig werten können. Was soll ich Ihnen Wetter sagen; ich bitte um Ihre Freundeshilfe! Sie werden mir sie nicht versagen!" r.
In einem Schreiben aus Wien vom 18. Juli 1848 wendet sich dann Wagner an seinen Freund in einer noch viel persönlicheren Angelegenheit und bittet um Hilfe in seinen damals bereits sehr traurigen Eheverhältnissen. „Ich habe großen unb mannigfachen Kummer erlebt, in ten hoffnungsloseste i Lagen anhaltend geschmachtet: entscheidende Einwirkungen eines Freundes auf die Wechselfälle meines Lebens habe ich noch nicht kennen gelernt", bekennt er. „Mein trotziges, hitziges Wesen hat mir da, wo es sich in die hartnäckige Verfolgung eines Zweckes einlieh, zu dem wenigen Erfreulichen verholfen, das mir wider-
Iahre alt gestorben.
Zusammentritt tes Landtages. Entschließung des Landtages gegen die Sanktionen. 16. 3. Annahme tes Wahlgesetzes sowie des Gesetzes über Volksbegehren und Volksabstim-
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-Mk »-6 ober m'V'mnert'rt"-,.
Dahn, die ich eingeschlagen habe; ter Wunden würde ich nicht achten, aber der Zerbröckelung meiner ganzen künstlerischen Natur kann ich endlich nicht mehr gleichgültig zusehen. Das Grauen an meiner amtlichen Stellung, ter Druck, unter dem ich in ihr schmachte, das Nichtswürdige alles Beginnens in dem Kreise dieses amtlichen Wesens — hat mich schon seit Jahren in den tiefsten Mißmut gebracht, ter von Jahr zu 3abr nur wachsen konnte. Das einzige, was mich wahrhaft lebendig erhält, war — allerdings ter Zweck meines Lebens — mein künstlerisches Produzieren: auch dies haben mir nun die Zett und die Umstände verladet, feit zwei Jahren bin ich mit einer neuen Oper fertig; nirgends her erhalte ich die Aufmunterung, sie an den Tag treten zu lassen, und seit zwei Jahren zersplittere ich denn meine künstlerischen Kräfte ohne Lust und Freute. So bin ich denn endlich revolutionär geworden — wenn nicht mit ter Tat, doch mit der Gesinnung und kann zu keiner Freude am Schaffen mehr kommen." Er will daher ins Ausland und schreibt denn auch am 9. Juli 1849 an Devrient auS Zürich, er hoffe sich hier für immer nieder- zulasscn: „Meine einzige Beschäftigung wird Opeimkomponieren sein."
— Der Vater der „geflügelten Wort e". (Zu Büchmanns 100. Geburtstag, 4 Januar.) Georg Düchmanns „Geflügelte Worte" sind eins ter bekanntesten Bücher unseres Schrifttums; sein Name ist selbst ein „geflügeltes Wort" geworden, nachdem er diese glückliche Bezeichnung in unsere Sprache eingeführt hat. Am 4. Januar sind 100 Jahre verflossen, seit Georg Düchmann zu Berlin geboren wurde. Schon während seines Studiums zeigte er eine besondere Begabung für die Erlernung und die Erforschung der Sprachen. Als er dann als Oberlehrer an der Friedrich Wer- derschen Gewerbeschule in Berlin wirkte, widmete er sich in den Mußestunden weiter seinen Sprachstudien. Nachdem er sich in seiner Jugend mit den alten Sprachen, dem Griechischen, Hebräischen und Lateinischen. tef<bäftigt hatte, wählte er barm das Französische und Englische zu seinem Hauptgebiet und machte sich auch mtt dem Spanischen, italienischen, Polnischen. Dänischen und Schwedischen bekannt. Den Anstoß zu seiner Beschäftigung mit den Zitaten ter Weltliteratur gaben ihm ein englisches und ein französisches Werk. ba& „Handbook os Familiär Quotations" und ter „Esprit des Autres" von Fournier. Es gelang ihm, diese beiden Vorläufer an Gründlichkeit, Stoffülle und geistvoller Durchdringung bald weit zu übertreffen.
Hugo traf in Mainz ein.
Reichsminister Dr. Simons hatte im Staatsministerium eine Aussprache mit ten Vertretern tes besetzten Gebietes und ter verschiedenen Hantelskammerbezirke.
Die Zeppelinhalle bei Weiterstadt wird an eine Aschaffenburger Firma -verkauft.
Der in weiten Kreisen bekannte Altbürgermeister- Simon Hasselbach-Heimersheim 83
Stenographie '■schinenschreibtn neldungen erbeten'. Prospekte frei
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1862 hielt er einen Vortrag über „gefälschte Zitate und barm im folgenden Jahr einem über „landläufige Zitate", denen er bet dieser Gelegenheit zum erstenmal den weltberühmt gewordenen Namen „Geflügelte Worte" gab. Wie Ippel in seinem ten späteren Auflagen tes „Düchmann vorangestellten Gedenkblatt hervorhebt, bewog der Verlagsbuchhändler Weidling, der den) Vortrag beigewohnt hatte, Düchmann, die Abhandlung in erweiterter Form als Duch herauSzugeben, und so erschien 1864 zum erstenmal das Bach ..Geflügelte Worte: Der Zitatenschah teS deutschen Volkes , nur 220 Seiten stark, während das Werk bann in folgenden Jahrzehnten bis auf eine Stärke von fast 1000 Seiten anwuchs. Düchmann erläuterte in der Einleitung den von chm geschaffenen Degnff des geflügelten Wortes", das bis dahin nur aus Homer als eine „schnell von den Lippen tes Redenden enteilenter Ausdruck" bekannt war. „Es haben sich", sagt er in ter Einleitung, „Im Saufe ter Zeit stehende, fertige Formen von Wort- Zusammenstellungen und Gedanken entwickelt, für welche eine allgemeine Bezeichnung nicht vorhanden ist, und welche je nach ihrer Natur Redensarten, sp ichtrwrtliche RetenSar'en, Spruche. Sprickwörter ufto. genannt werten. Diese sind in dem folgenden Büchlein unter dem Titel „Geflügelte Worte" gesammelt u b nut den Attesten ihres oft überraschend versteckten Ur- spiu-ngs versehen Worten; mag ter Name „öe- flügclte Worte" nun richtig gewählt fein oder nicht." Die gültige Begriffsbestimmung tes Wortes hat bann erst Düchmanns gortfeöer Robert Tornow gegeben: „Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen tes Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar t]t. Düchmanns Duch hatte einen überraschenten von Zahr zu Jahr anwachsenten Erfolg Er Hattern ten verschiedenen Auflagen um Zusätze und Berichtigungen gebeten, unb baR> hatte er "bte ba^e Welt zum Mitarbeiter", so daß weite Kreise tes Volkes an dem Ausbau dieses SiebltngStoerfdl mitgearbeitet haben. Er selbst suhlte iwer 600 Korrespondenten auf, die ihn untersuchten. De „Geflügelten Worte" wurden m die meiste Sprachen ter Welt überseht wurden nachgeahmt und auch nach Düchmanns Tote im Jahre 188« von berufenen Kennern weiter ergänzt, so daß ß» heute wirllich den Mittel- und SammUpunkt ter seitdem reich erblühten Schlagwort- und Reden-- artenforsc^rng bilden.
fahren, ungleich mehr Ditteres hat es mir in einer nackten Dlöße zugezogen: ich habe für alles
einen treuen Gefährten gehabt, meine gute Frau, mit ter ich nun 12 Jahre verheiratet bin. Sie hat mit unerhörter Ausdauer und Mut, ja mit Stolz den bittersten Teil meiner Leiden getragen, an meinem wenigen Glück nur matten Anteil genommen, weil sie ihm nie ganz traute, denn sie kannte meine Natur. Diese Frau, die ich in ten kummervollsten Lagen (z. D. während eines fast 3jährigen Aufenthaltes in Paris ohne alle gewöhnlichen Substanzmittel) von ungemeiner Stärke erfunden habe, droht mir jetzt zu erliegen. Ich trage die große Schuld, ihre Teilnahme an meinem Schicksal zu oft aus ten Augen gelassen zu haben. Mein persönlicher Mut hat mich zu sehr vereinsamt, intern er mich dahin trieb, wo ich an ter äußersten Frage angefommen, auch zu dem Aeußersten schnell entschlossen war: für mich hat es nichts Llbschreckendes, einen mir fruchtlos gebliebenen bürgerlichen Verband zu verlassen, nackt und bloß noch einmal von vom anzufangen: es beruht dies auf meinem unabweislichen Gefühl tiefer Unzufriedenheit mtt unfern Verhältnissen. Nun sage ich Ihnen, jetzt ist's mit mir so weit. Wäre ich allein, so erklärte ich mich für vogelfrei und flöge, wohin mich eben ter Wind trieb und wo ich meinem Streben aufs neue ein Nest zu bauen versuchen dürfte. Da sehe ich auf mein Weib, das mir schnell seine Jugend geopfert hat, die ich innig liebe, mit ter ich bei allem Widerstreben unserer gänzlich verschiedenen Naturen schon bei ter geringsten Trennung mich so verwachsen fühle, dah ich eine längere Trennung gar nicht ertragen würde." Er bittet Devrient, zwischen ihm und seiner Frau zu vermitteln und gelobt, sich unbedingt seinem Rat zu unterwerfen.
In einem großen Brief vom Himmelfahrtstag 1849 auS Weimar seht Wagner Devrient seine ganze Beteiligung an dem Dresdener Mai- aufftcrab auseinander und saht seine Darstellung so zusammen: „Mit voller Sympathie war ich anfänglich bei ter Erhebung, mit Erbitterung die zwei mittelsten Tage, mit höchst aufgeregter Spannung und Neugierde die beiten letzten Tage. Nirgends bin ich aber tätig gewesen, weder mit den Waffen noch mit öffentlicher Rete; nie habe ich zu ter provisorischen Regierung irgendeine offizielle Stellung eingenommen.“ Obgleich er glaubt, dah ihm durch Devrients Beistand eine spätere Rückkehr nach Dresden möglich fein werte, will er doch vorläufig ins Ausland, und dazu drängen Um auch noch andere Rücksichten: „Sie kennen das dornenvolle Wesen der künstlerischen
400jähriges Lutherjubiläum in Worms.
Das Telegraphentechnische Reichsamt trat zum ersten Male mit drahtlosen Tele- phonieversuchen in die Ocf enllichlett. In Hcssen nahmen an den drei Empfangsstellen Darmstadt, Giehen und Offenbach die Vertreter ter Postbehörten und ter Presse teil. 26. 4. Eröffnung des Studentenheims ter Technischen Hochschule in Darmstadt. ft 10. 5. Zusammentritt tes Landtages.
12. 5. Die Aufbauschulen werten im Landtage be°
es dem andern, ,7 9Januar int die Privat-Hiui'
deisschuie !W'c imacBahnhofstr V Md Teleph. 1097, ie Handelskurse in Buchführung,
Stenograph e. ischinenscbreiben, höusebreiben usw. sp. frei. Äurneld.tigL MM
= Hungen, 3. Jan Die seit mehreren Jahren au" er Drtr'.eb befind i he Gastwirt» s ch a f t „Z u r T r a u d e' ( eitler im D sitz teS Inhabers deS „Solmser Hv.es", Gustav Kohl- Heyer, hier), ging zum P eise von 95 000 Ml. in ten B s h d s Wci b nd rrneisters Ä. Ri^el (bsheriger Besitzer tes Gasthauses „Zum Taunus") von hier über.
Kreis Schotten.
b. Schotten, 3. Jan. Der langersehnte, durchweichende Landregen hat eingesetzt, ter die Grundlage für eine gute Heuernte auf ten zahl-eichen Wässerungswiesen schafft. Die Wasserleitung, die seither noch ständig abgestellt werten mußte kann wieder dauernd laufen. Die Stadt hat Wassermesser für alle gewerblichen und tandwirtschaftlichen Betriebe. Gattenbesitzer usw einbauen lassen (1 Mk pro ÄubihneterX auch eine größere Quelle wird noch gefaßt und in die Leitung eingeführt werden, so daß bei einigermaßen feuchtem Winter die Wassernot als behoben angesehen werten kann.
Kreis Friedberg.
Bad-Nauheim, 3. Ian. Wie die „Bad-Nauh. Ztg." erfährt, bestätigt sich die auch von uns in unserem gesttigen längeren Bericht über das G r o ß s e u e r am Silvesterabend geäußerte Vermutung, wonach s a h r - lässigeBrandstistung als Ursache des Feuers anzusehen ist. Kinder aus der Nachbarschaft der vom Unglück betroffenen Hvf- reite sollen mit Feuerwerkskörpern gespielt und dadurch den Brand fahrlässig veranlaßt haben. ES ist das von neuem ein Beweis dafür, welche Gefahren der Allgemeinheit in der Neujahrsnacht stets drohen, wenn
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