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Ifr. P3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (Eeneral-Anzeiger für Gberhefjen) Mittwoch, 3. Moi 1922

Die künftige Kartoffel- Versorgung.

Unter dem Druck von Ernährungsschwie- <tgteilen und der fortschreitenden Teuerung werden in der letzten Zeit lebhaft die Fragen "der DahrungSmittelversorgung im kommenden Wirtschaftsjahr erörtert. Lieber die Gestaltung der Getreidewirtschaft schweben noch die Verhandlungen; dagegen hat die kürzlich erfolgte Besprechung der Ernährungsminister der Länder mit dem Reichsernährungsmini- sterium über die Kartoffelversorgung im kommenden Erntejahr einige Klarheit ge­schaffen. Auch in dieser Frage standen sich und stehen sich heute noch die Auffassungen zum Teil gegenüber. Nachdem die Entscheidung in der Konferenz der Ernährungsminister gefal­len ist, erscheint es zwecklos, Don neuem in eine Erörterung über die Zweckmäßigkeit der Aus­dehnung des Llmlageverfahrens auf die Kar­toffelbewirtschaftung einzutreten. Dagegen ist es von Interesse, rückschauend auf die Argu- n-ente kurz einzugehen, die von den verschie­denen interessierten Seiten vorgebracht wur­den. Die Stellungnahme der Landwirtschaft war von vornherein bekannt: sie erklärte, nur der völlig freie Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher könne zu der Produktionssteige­rung führen, die im Interesse der von außen und innen geschwächten deutschen Volkswirt­schaft erforderlich sei. Von Verbraucherseite war dagegen unter Anführung von beachtens­werten Gründen für die künftige Kartoffel- LeDtrtschaftung eine Umlage, ähnlich wie bei der Getreidebewirtschaftung, gefordert worden. Demgegenüber wurde darauf hin- gewiesen, daß verschiedentlich auch von Stel­len, die Verbrauchernrteressen vertreten, ge° gen eine ZwangSbewirtschaftung der Kartof­feln Stellung genommen wurde, u. a. vom Vorstand des Deutschen Städtetages. Eine ähnliche Auffassung trat in einer Sitzung zu­tage, die im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Teilnahme von Ver­tretern der Städte, Konsumvereine und an­derer Verbrauchergruppen stattgefunden hat. Man ging bei der Begründung dieser ableh­nenden Haltung zum Teil von den Erfahrun­gen der Kommunalverbände und Konsumver­eine zur Zeit der Zwangswirtschaft aus. Die Städte hatten bei der Kartoffelbewirtschaftung Millionenverluste zu beklagen, und sie sind bei ihrer heutigen schlechten Finanzlage nicht mehr imstande, nochmals ein derartiges Risiko auf sich zu nehmen. Zudem fehlen den Städten meist die erforderlichen technischen Anlagen zur sachgemäßen Aufbewahrung größerer Mengen von Kartoffeln.

Die Konferenz der Ernährungsminister sah sich nun auf Grund der von verschiede­nen Seiten vorgebrachten sachlichen Argu­mente und auf Grund der früher gemachten Erfahrungen in die Lage gesetzt, eine Entschei­dung zu fällen, die zwar kaum den Wünschen aller an dieser Frage interessierten Kreise vollkommen Rechnung trug, die aber anknüpfte an eine Anregung der Städte, die sich für eine möglichst weitgehende Durchführung von LieferungSverträgen ausgesprochen hatten, trotz der nicht immer günstigen Erfah­rungen des vergangenen Herbstes. Es sollen gemäß dem Vorschlag der Ministerkonferenz die LieferungSvrrträge mit den großen Ver­brauchergruppen mit allen Mitteln gefördert werden, eine Maßnahme, die übrigens durch­aus im Sinne der seit langem von beiden Sei­ten angestrebten Annäherung und engeren Verbindung zwischen Erzeuger- und Verbrau­chergruppen liegt. Eine zweite Maßnahme, auf deren Durchführung von den zuständigen Stel­len mit aller Energie hingestrebt werden soll, ist eine Vermehrung der Wagenge- stellung, durch die zu erhoffen ist, daß wir in dem nächsten Erntejahr von den Ernäh- rungSschwierigkeilen dieses Winters verschont bleiben werden. Noch eine dritte Maßnahme ist in Erwägung gezogen worden, die einem anderen Uebelstand zu Leibe gehen soll: die Nachprüfung der Vorschriften über die Konzession ierung des Kartoffelhandels. Gelingt es auf diese Weise, das in der letzten Zeit unerträglich ge­wordene Treiben wilder Aufkäufer einzudäm- raen und so der unlauteren spekulativen Preis­treiberei das Wasser abzugraben, so dürfte im nächsten Icchr ein Sicherungsventil geschaffen sein gegenüber den jüngst aufgetretenen wucherischen Preisforderungen.

Aus Hessen.

BSrgermeNerwahl m Rüffelsheim.

Darmstadt, 1. Wai. Sestern hat rn der grvtzen Inbustriegemeinbe Rüsselsheim a. M. eine Bürzermeist erwähl slattgesunden, die weit über Hessens Grenzen Aastetzen erregen wird, wchcm lange vor dem Kriege hatte Rüsselsheim etn?n So-raldenrokvaten als Bürgermeister, dessen Be­stätigung durch die damalige Regierung einiges Aufsehen erregte. 3n der Zwischenzeit ist bte industrielle Dwölkerung des Ortes noch weiter gewachsen. Die Sozialdemokraten stellten nach dem Tode des bisherigen Amtsinhabers den LMchtagsadgevrdneten Harth als Kandidaten a if. der tn letzter Zeit zweimal in der großen In° d^riegemeinde Bischofsheim ftch vergeblich um Den BÜrnermeisterposten beworben ha:. Da in Rüsselsheim die sozialdemokratischem 'Parteien bet den Landtagswahlen über rund 1800 S.inrmen verfügten, denen nur etwa 1200 bürgerliche ge­genüber standen, schien der Sieg der Lin len auch diesmal sicher. Trotzdem einigten sich in erfreu- sicher Weife alle bürgerlichen Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten unb stellten als solchen den Rektor Müller aus, der brr Deutschen VoWPariei anzehört, die in Rüsselsheim dir stärkste bi'rrqerliche Gruppe dorstellt. Am Bvr-

adend der Waht sprach in einer groben Drr- frsmnlarg der Kandidat der Bürger ihe.i und Larbag^bgeorbm.-tec Köhler-Worin- (Dtschc. Bpt.) Die Wahlbeteiligung war anverordentiich stark, 92 Prozent Mit Spannung sah man dem Wahlergebnis entgegen. Es war eine Ueberraschung^ der bürgerliche Kandidat er­hielt 2146, der Sozialist 1974 Stimmen. Reben der regen Wahlarbeii im bürger­lichen Lager ist der Erfolg auf die Person des Kandidaten zurückzusühren. wohl auch daraus, daß die häufigen Streiks in den Opelwerken bis in die Arbeiterschaft hinein Unwillen hervor­gerufen haben. Dazu kommt, daß die sozialdemo­kratische Mehrheit des Gemeinderats eine Stif­tung der Familie von Opel, die dem Bau neuer Wohnhäuser gegolten hat, saft unmöglich gemacht hat. Entgegen dem Wunsch der Stifter, eine Straße nach dem (Hamen eines im Kriege ge­fallenen Familienmitgliedes zu benennen, hatte der Gemeindcrat beschlossen, den Straßen die Ramen sozialdemokratischer Führer zu geben. Die Folge war. daß die Familie von Opel sich veran­laßt sah, einen Teil der Stiftung zurückzuziehen. Auch dieses Dorgehen der früheren Mehrheit hat offenbar dazu beigetragen, der Bürgermeister- wähl einen Ausgang zu geben, der wohl nur von Wenigen erwartet worden ist.

Kirche und Schule.

eu. Beuern, 30. April. Auch hier kam Rich. Jordans Meisterbilder-An- bad)t am SarnStag für die Schuljugend und heute für Erwachsene zur Aufführung. Bei der heutigen Veranstaltung, die sehr gut besucht war, wirkte Frl. I. Stammler aus Gie­ßen neben Lehrer R a u als Organist mit. Die Hälfte des Reinertrags fließt in die Kasse des hiesigen VolksbildungsvereinS.

ra. Biedenkopf, 1. Mai. Durch den v)r Jahresfrist hierseldst gegründeten Verein der Freunde der höheren Schule konnten für das abgelaufene Schuljahr 9750 Mk. verteilt und für dieses Hahr sogar 14 000 Mk. für 36 halbe und ganze Freistellen vorgesehen werden. Außerdem wurden 1500 Mk. für anzaschasfende Lehrbücher zur Verfügung gestellt. Das Real­gymnasium ist durch Neuaufnahmen mit 126 Schülern in das neue Schuljahr eingetreten. 3n die neu gegründete Handelsschu le sind vorläufig 36 Besucher eingetreten.

Handel.

Mitteldeutsche Creditbank. In der Generalversammlung wurden sämtliche An­träge der Verwaltung genehmigt und die Ver­teilung einer Dividende von 12Vs Prozent unter Aeberweisung von zwanzig Millionen fünfhun- berttausenb Mark an die Reserven und einer Mil­lion Mark an die Wohlfahrtskasse für die Ange­stellten der Dank beschlossen. Die ausscheidenden Mitglieder des Aufsjchtsrats wurden wieder­gewählt. 3n den Aussichtsrat tourbc Herr Otto Deseier, Direktor der Dank für Thüringen vorm. B. M. Strupp, Aktiengesellschast in Meiningen, neugewählt.

Derlin, 2. Mai. Dörsenstimmungs- bild. Die auch heute im Börsenverkehr wieder stark hervortretende Geschäfts stille unterscheidet sich nicht wesentlich von der gestrigen. Immer­hin kann gesagt wenden, daß die Grundstunnrung, wenn auch überwiegend Kursnachlässe von 15 bis 30 Prozent und für einzelne Papiere von nod) mehr ein traten, doch ziemlich toiverftanöä- fähig war, weil sich andererseits für einige Pa­piere am Montanmarkt, wie namentlich für ober» schlesische und auch Kaliaktien sowie einzelne In­dustriepapiere Kaufneigung einstellle. So waren Laurahütte und Deutsche Kali, im freien Der- kehr Heldburg und Hamwversche Kall bei Stei­gerungen "bti zu 75 Prozent bevorzugt. Auch für Waggon- unb einzelne Textilwerte wie Rath­geber unb Rorbb. Wolle bestaub Kausneigung. Im Derlaufe änderte sich das Bild nicht wesent­lich. Die Stimmung wurde etwas fester, wobei besonders Deutsche Kali, Anglo Guano und Ber­liner Handelsanteile bevorzugt waren. Am Markte der festverzinslichen Werte waren heimische An­leihen überwiegend etwas schwächer. Don aus­ländischen setzten Zolltürken und Anatolier ihre steigende Bewegung fort. Bon Oesterreichern waren Gold- und Stronenrcnten bevorzugt, von Dalkanrenten traten Bosnier sehr fest. In den zu Einheitskursen gehaerdelten Indnstriepapieren blieb die Geschäftsbeteili§ung des Publikums wegen der noch immer ungeklärten Genueser Laze geringfügig. Die Devisenpreise waren bei kleinen Umsätzen mäßig höher.

Frankfurt a. M., 2. Mai. Börsen- stimmnngsbilb. Die Ülntemehmungsl ist ber Effektenspetulation ließ ttrieber viel zu wünschen übrig Auch bas Publikum zeigte nir geringe Kaufneigung. Zurückhaltung machte sich a ich am Devisenmärkte bemerkbar. Der Dollar setzte heute früh mit 285 ein inb ging im Verlaufe aif 284 bis 285. Auslänbische Rentenwerte waren nicht mehr so stark begehrt. Im freien 'Verkehr würben folgenbe Kurse genormt: Benz 550, Brockhues 590600, Gebt. Fahr 665, Mansfelder Kuxe 25 250, Deutsche Petroleum 2140. Am Montan- attienmarlte war bas Geschäft ruhig. Schiff» fahrtsaktien etwas nichtiger. Chemische Werte uneinheitlich, Anilinwette 5 bis 10 Prozent nach- gebenb. Sie Aktien ber Maschinen-, Metall- unb Autowerte setzten niedriger ein. Zuckerfabrikaktien unterlagen mäßigem Angebot. Am Einheitsmarkt konnte kein frischerer Zug aufkommen. Mit we­nigen Ausnahmen schloß die Börse sehr still. Ptivatdiskont 4i-2 Prozent.

Fr ankfurt a M.» 3. Mai. Züricher Devisenmarkt.

2. 5. 3. 5»

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 51. 197.40 198.-

Deutschland 100 Mk. --- 1.81 1.71

Wien 100 Stt. 0.Ü6 0.06

Prag 100 Är. 10.05 10^)2

Paris 100 Fr. 47.45 47.25

London U = 22.85 22.90 Italien 100 2. = 27.50 27.42 Brüssel 100 Fr. 43.50 43.32

Budapest 100 Kr. 0.675 0.65

Reuyork 100 $ 514.25 516-25

Agtam 100 Kr. 1.85 l<d2

Warschau 100 Ät. = 0,13 0,13

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum: 1.5. 2.5. 1.5. 2.5.

5' , Disch. Kriegsanl. >7,50 77,50 77,50 77,50

4 ,Dtsch. Reichüanl. 96.- 95,- 95 25 9t,-

3' ,Dtsch. Rcichoanl HO,- 138,50 139,40 138,75 4° . Preuh. KonsolS 67 50 83,- 86,99 86,90

Hamburg-Paketf. . . 448, 425.- 435,25 425,

Norddeutscher Lloyd ^40, 335,50 340, 335,

Connn. u.Privatbank 312,- 310,- 312,- 313,-

Darmstädter Dank . 310, 310, 310,- 309,

Deutsche Dank 595, 595, 600, 600,

Disconto-Desellfchaft 439,- 438,- 440,- 491,-

Dresdnet Dank 325, 322,- 328, 328,

Mitteld. Creditbank. 290 - 290,- 291,- 291,-

Rationalbank f D 312,- 312,- 814,- 313,-

Doch. Gußstahlwerke 1130,- 1100,-

Dud.-Eisenw.-Att.. 906,- 900,- 914,- 935,-

D.»Luxemb. Dergw. 1638, 1025, 1040, 1015, Gelsenkirch. Dergw.. 1085, 1065, 1089, 1075, Harpener Dergbau. 1810, 1815,- 1815, 1810, Oberschl. Eisenb.-D. 1015, 994, 1005, 985, Obetschles. Eisenind. 795,50 754 - 794, 785, Phönix.Dcrgb.Akt. 1175,- 1183,- 1189,- 1190,- Bad.Anilin-u. Soda 760,- 760,- 747,- 76c,- Höchstet Farbwerte. 710, 700, 703, 700,- Allg. Elektr.-Gef. . 712,- 715,- 725,- 713,50

Felten L Guilleaume 870,- 825,- 850,- 830,- Schuckert-Werke. . . 678,- 650,- 660, - 660, Adlerwerke 540,- 539,- 531,- 530,- Daimlet 495,- 482, - 479,75 461,50

4" ° Hess. Stoatsanl. 81,- 79,75 77,25 78,40 Electron Griesheim 880, 878, 875, 875, Dtsche. Deteinsbank 234, 234,-

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief Datum: 1. Mai. 2. Mai.

Amstd.-Rotterd. Brüssel-Antw. . Christiania . . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . HelstngforS. . . Italien London Reuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch. Oesterr. Prag Budapest.... Buenos Aires . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro

0736.55 10763.45 11036.15 11063.85

2337 - 2393,- 5273,40 5286,60 5962,5 ) 5977,55 7280,85 7799,15

576,25 577,75 1498,10 1501,90 1247,40 1250,60

281,64 282,36 2596,75 2603,25 5468,15 5481,85 4367,- 4378,-

3,48 3,52

544,30 545,70

36,70 36»80

101,35 101,65

2466,90 2173,10

5383,25 5396.75

6152,30 6167,70

7530,55 7549,45

692,25 593,75 1553,05 1556,95 12 »3,35 12 U 1,65

291,13 291,78 2686 60 2693,40 5642,90 5657,10

-,-

3,48 3,52

558,30 569,70

36,85 36,95

104,85 106,15

206,20 206,80 210,70 211,30

133,50 134,50 137,75 138,75

3870,-

3880,- 3957,50

3967,50

Marknotierungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahll:

Datum:

Zürich Fr.

Amsterdam Fl.

Kopenhagen Kr.

Stockholm Kr.

Wien Kr.

Prag Kr.

London Sh.

Reuyork........I

Paris. Fr.

1.7.14. 1.5. 2.5.

125.40 1,83 1,77

59.20 0,93 0,89

88.80 1,70 1,62

88.80 1,40 1,38

117.80

117.80 18,-

97.80 1,22 1,29

23.80 0,35 -,34

125.40 3,84 3,75

Märkte.

Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt.

mc. F r a n k f u r t a. M, 2. Mai. Wir hatten heute einen recht schwachen Markt. Spinat war wenig eingetroffen und stand hoch im Preis. Frühpiodukte waren sehr gefragt. Kartoffeln (reichlich im Angebot) kosteten 270300 Mk. der Zentner. Rhabarber tonnte zum Preise von 200 bis 220 Mk. der Zentner gekauft werden. Zwie­beln hatten den Preis von 9001000 Mk. per Zentner. Spargel wurden zu 25 Mk. das Pfund abgegeben. Butter kostete 6466 Mk. das Pfund. Eier 3,703,80 Mk. das Stück.

(In einem Teil ber Auflage wieberholt.) Poincars über feine Nede in Dar-le-Duc.

London, 2. Mai. (WTD.) Der Son­derberichterstatter desDaily Chro - nie le in Paris teilt mit, daß Poincare vor den Vertretern der britischen Presse auf dem Quai d'Orsay erschienen sei und hinsichtlich seiner von der englischen Presse kritisierten Rede in Bar-le-Duc und hinsicht­lich seiner angeblichen Feindschaft gegenüber der Konferenz von Genua erklärte, das Zu­sammenwirken sei notwendig zwischen den Aliierten, die Unterzeichner des Friedensver­trages von Versailles seien. Seine Rede in Dar-le-Duc sei von England mißver- st a n d e n worden, wenn man ihn beschuldige, mit dem Säbel zu rasseln. Seine Rede bedeute keineswegs eine Drohung eines Alliierten ge­gen den anderen. Frankreich wünsche loyal mit seinen Alliierten bei der Durchführung des Versailler Vertrages mitzuwirken. Wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nicht Nach­komme, so würden die Alliierten gemeinsam beraten, welche Sanktionen oder Maßnah­men gegen es ergriffen werden müßten. Dies sei das Recht der Alliierten und auch Frank­reichs, das den Friedensvertrag nicht allein durchzuführen beabsichtige.

Dor Darthous Abreise nach Paris.

Paris, 2. Mai. (WTD.) Rach einer Ha- vasmelbu ng aus Senia wirb Barthoi t^dte vormittag wegen bes Friebenspaktes noch eine Ünterrebung mit Llohb George haben unb alsdann die Reise nach Paris antreten. Man erwartet, bah er am Samstag wieber in Genua eintreffen wirb.

P a r i s, 2. Mai. (W^D.) Anläßlich ber An­wesenheit Barthous werben sowohl ber Kamme rausschu^ a's auch ber Senats- ausschuß für auswärtige Angelegenheiten sich versammeln: zweifelsohne, um in Anwesenheit des ersten französischen Delegierten in Gema über bie Lage zu beraten.

Was Havas aus Berlin wissen will.

Berlin, 2. Mai (WTD.) Die Havas- agentur veröffentlicht folgenbes Tele­gramm aas Berlin: In beutschen politi­schen Kreisen sei nun skeptisch geworben wegen ber Ergebnisse ber Konferenz von Genua. Der beutsch-rusiische Vertrag, ber anfangs günstig ausgenommen würbe, werbe iet>t lebhaft frittiert «mb als ungeschickt bezeichnet. In Ab­

wesenheit bes Reichskanzlers unb Dr Rat Henau» sei bie Campagne gegen bas Ministerium seit einiger Zeii ziemlich lebhaft, wenn auch heim­tückisch, wieber a-itgcnommen worden. Die Zer» fangen sprächen Davon, schienen aber dem Le» fehl, die Regierung nichl oajugrei.en, Folge z» leisten Trotzdem fasse man bie Möglichteil eines Sturzes Des Ministeriums nach der Rückkehr aus Genua ins Alge. Als Nachfol­ger Dr. Wirths komme Hermes in Frage, Der sich auf die Koalitionspolitik unter Cinschl ih ber Deutschen Volks porter stützen werbe (An» merkung bes WTD : Augenscheinlich hanbelt es sich hier um eine neue Pl>ase des fraiizösifchen Kampfes mit neuen 'Waffen. Während Poin- care dis jetzt mit Beschimpfungen unb Droh in- gen versuchte, Deutschland von Vertrag von Ra­pallo aba ab ringen, soll dies jetzt auf diese Art versucht werden.

Dor einer neuen Aufforderung der Repa- rationskommiffion.

Paris. 2. Mai. (WTD.) Der .Matm" glaubt annebmen zu müssen, die Repara­tionskommission werbe sich heute mit oen Berpflichtungen beschäftigen, bie bie deutsche Re» gierung noch Dem Wortlaut der Rot? der Re- parationskvmmission vom 31 März bis zum 30. April dirchfiihren sollte. Cs banDelt sich um Maß na hmen gegen Die Kapitals­flucht unb am Den Entwirf eines Gesetzes zu Deckung des Budget Defizits. Die Re» parationskommission ü>irD wahrscheinlich an b« b<mtsche Regierung eine AufforDermg richten, bis zum 31. Mai ihren Berpflichtungen nachzi- tommen, Da von diesem Zeitpunkte ab keine wei­teren Konzeffionen gemacht werden konnten. Die Reparakionskommiffion unb der Vertrag

von DerfailleS.

Paris, 1. Mai. (WTB.) Die juristi- sche Abteilung der ReparativnS- kvmmifsion hat. tbie derTemps" mit­teilt, ihren Bericht eingereicht über die ihr auf­getragene Antersuchung der Frage, ob und in­wieweit der deutsch-russische Vertrag von Ra­pallo gegen den Friedensvertrag von Versail­les verstößt. Die Reparationükommission wird dem Blatte zufolge unverzüglich über die Schlußfolgerungen deS Berichts beraten.

Facta an Tschitscherin.

Genua, 1. Mai. (WTD.) In einem Schreiben an Tschitscherin beantwortet der Präsident der Konferenz, de F a c t a, den letz­ten russischen Protest über die Handhabung der Deratungen in der ersten Kommission und fordert Aufklärung über die Anspielung Tschitscherins, daß die russische Delegation eventuell auf das frühere russische Memoran­dum wieder zurückkommen würde.

Amerikanische Verträge mit Deuffchland, Oesterreich und Angara.

London, 2. Mai. (WTD.) Reuter mel­det aus Washington: Das Staats­departement unternimmt Schritte, um die Vorkriegsverträge mit Deutsch­land, Oesterreich und Ungarn, be­treffend Patente, Auslieferungsrecht und der Konsulate wieder in Kraft zu setzen. Die Frie­densverträge mit den deutschen Ländern sehen ihre Inkraftsetzung innerhalb von 5 Mona­ten vor.

Ein Zwischenfall bei der Maifeier in Leipzig.

Leipzig, 2. Mai. (WTD.) Nach Deen- digung der Maifeier zog die Menge mit­tags zum Augustusplatz. Devor sie wieder ab­zog, wurde die auf der Universität gehißte schwarz-rot-goldene Fahne durch die Universitätsfahne ersetzt. Die Menge faßte dies als Provokatton auf. Einige Durschen kletterten auf das Dach der Universi­tät und warfen dieUniversitätSfahne in Fetzen herab. Als einer der Durschen mit blutendem Kopfe erklärte, er fei verprü­gelt worden, stürmte die Menge in den Hof der Universität, fand aber die Wandelhallen von einem Aufgebot von Schutzleuten besetzt. Die Menge forderte nun den Abzug der Polizei. Dieser gelang e« jedoch, die Menge zurückzu­drängen. Nach dreistündiger Belagerung war die Universität wieder frei. Nach einer Erklä­rung des RettvrS der Universität ist der Zwi­schenfall auf einen Irrtum zurückzuführen. Er habe tags zuvor angeordnet, daß die Uni­versitätsfahne gehißt werden sollte. Als er be­merke, daß die schwarz-rot-goldene Fahne aufgezogen worden sei, ließ er die Universi- tätSfcchne hiffen. Die Menge nahm irrtüm­licherweise an, daß die Studenten den Fah­nenwechsel borgen ommen hätten.

Schutz gegen Asthma!

wird ein Arzt den Asthma-Leidenden in G i e ß e beweisen.

.Ich wünsche, daß alle Asthmatiker in Deutsch­land einen Versuch mit meiner Behandlung machen, und zwar ganz auf meine Kosten", er­klärt Dr. Schiffmaun den an Asthma Leidenden. Er fügt hinzu: .Es kommt nicht auf die Heftig­keit der Krisis, noch auf die Hartnäckigkeit der Fälle an. .Asthmador" bewirkt regelmäßig so­fortige Linderung, vielfach schon im Zeitraum von 1015 Minuten/ Er weiß, wie sehr sein Mittel Tausenden von Asthmatikern schon genützt hat. er wendet sich an alle diejenigen, welche noch keine Gelegenheit hatten, das Mittel zu versuchen und sich von dessen Vorzüglichkeit zuüberzeu^en. und bittet diese Zeitung, anzuzeig« n, daß er an jedermann, der binnen 4 Tagen seinen Namen und die leserliche Adresse (nichts anderes) ein­sendet. ein Muster seines -Asthrnador völlig un­entgeltlich senden wird. Er nimmt an, daß eine positive Probe, die er anbietet, das überzeugendste, wirklich einzige Mittel ist, die Zweifel von Tau­senden von Asthmatikern zu widerlegen. Obwohl .Asthmador" in zahlreichen Apotheken zu finden ist, befürchtet Dr. Schifimann, daß viele Leidende noch niemals davon sprechen hörten. Um die&e zu erreichen, macht er ds vorliegende Angebot Wer einen Versuch mit diesem Arzneimittel machen will, schreibe daher umgehend, da nur innerhalb der nächsten vier Tage unentgeltliche Proben versendet werden können. Be'tandteile: 34.90 Proz. Kaliumnitrat 51,10 Proz. Fol. Datura Arborea, 14 Proz. Symplocarpus Foetidus. Man schreibe nur den Namen und die Wohnung aut eine Postkarte, weiter nichts, an Dr. 1t Schitt- manne Vertrieb, Postfach S^ Berlin SW 48