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Ur. 231

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172. Jahrgang Montag,

GWnerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck mrt Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Sktnöruderei R. Lange. Zchrtftlettuug, Seschäftrstelle und Druckerei: 5ch«lstratze 7.

2. Oktober 1922 Annahme von Anzüge» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorder ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen d 27 mm Breite örtfid) 400 Pf., auswärts 500 'Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite 1600Pf. BeiPlatz Vorschrift 20 °,e Aufschlag Hauptschriftleits: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. (Bocli, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beär, sämtlich in Giehcn.

Aus dem KapitelHohenlohe" der Erinnerungen Kaiser Wilhelms II. Ereignisse und Gestalten" aus den Jahren 18781918.

über Mexiko und Zentralamerika, der Oeffnung

(Fortsetzung.)

Ich nahm daher auf Wunsch des Kanzlers Veranlassung, die Angelegenheit mit dem eng­lischen Botschafter in Berlin durchzusprechen. Ich beklagte milch 'über die Behandlung seitens der englischen Regierung, die sich überall selbst den berechtigsten deutschen Wünschen entgegenstellte. Der 'Botschafter gab dies unumwunden zu und äußerte sein Erstaunen darüber, daß man in Eng­land so wenig entgegenkommend und so kurz­sichtig sei. Denn wenn eine junge aufstrebende Ration wie Deutschland, deren Entwicklung doch nicht aufzuhalten sei, statt frischweg zuzugreifen oder sich mit anderen Rationen zu verbinden, sich direkt an England wende, um mit dessen Einver­ständnis Erwerbungen vorzunehmen, so sei das eigentlich schon mehr, als England verlangen könne. Und, da England fast schon die ganze Welt gehöre, könne es doch wohl eine Stelle finden, wo es Deutschland gestatte, sich eine Station zu etablieren. Er verstehe die Herren in Downingstreet nicht. Wenn Deutschland die An- lagen nicht mit Englands Beistand erhalte, werde es sich voraussichtlich selbständig geeignete Stellen nehmen, denn irgendein Recht, es daran zu hindern, gäbe es schließlich nicht.

Ich betorrtc, daß dies durchaus meine Auf­fassung sei, und faßte zum Schluß dem Botschafter gegenüber meinen Strmdpunkt nochmals dahin zu­sammen: Deutschland sei das einzige Land der Welt, das troh seinem Kolonialbesitz und seinem sich rasch ausdehnenden Handel noch keine Kohlen- stationen habe. Wir wollten solche gern im Ein­vernehmen mit England erwerben. Weigere sich England, Verständnis für unsere Lage und Ent­gegenkommen zu zeigen, so müßten wir uns an eine andere Großmacht wenden, um mit deren Hilfe Riederlassungen zu gründen. Auch dieses Gespräch nutzte nichts. Schließlich wurden die Verhandlungen von England in ziemlich unhöf­licher Form ohne Resultat abgebrochen. Daraufhin entschlossen sich der Kanzler und ich, uns an Ruß­land zu wenden.

Die Besetzung von Kiau-Tschou löste bei der englischen Regierung Uebervctschung und Aerger aus. Sie hatte bei ihrer Ablehnung bestimmt daraus gerechnet, dah niemand Deutschland 5um Ziele helfen werde. Run war es anders gekom­men, und Rekriminationen aus London blieben nicht aus. Als der englische 'Botschafter diesen Ausdruck verlieh, wurde er auf das Gespräch mit mir hingewiesen, und es wurde ihm klar gemacht, daß es allein die Schuld seiner Regierung war, wenn es zu keinem Arrangement mit Deutschland gekommen sei.

Die ablehnende Haltung Englands hat uns damals befremdet. Ein Vorgang, der mir zu jener Zeit noch nicht bekannt gewesen ist, dürfte ge­eignet sein, jetzt Licht in die Angelegenheit zu bringen. In einer PublikationThe Problem of Japan"1), die im Jahre 1918 anonym im Haag erschienen ist und ddu einemExdiplomaten aus dem fernen Osten' geschrieben sein soll, wird ein Auszug auS einem Werke des Professors der Ge­schichte an der Washingtoner ilnioerfität in St. Louis, Roland bisher, veröffentlicht. Usher ist, ebenso wie sein früherer Kollege, Professor John Bassett Moore von der Columbia-Universität in Reuyork, des öfteren vom State Departement in Washington als Ratgeber auf dem Gebiete aus­wärtiger Beziehungen herangezogen worden, da er wie wenige Männer in Amerika eine ein­gehende Kenntnis der internationalen Fragen, die auf die Vereinigten Staaten Bezug haben. besitzt. Professor Usher hat in seinem 1913 erschienenen Merke zum ersten Male das Vorhandensein und den Inhalt einesAgreement oderTreaty'* (Abkommen oder Vertrag) geheimer Ratur zwi­schen England, Amerika und Frankreich aus dem Frühjahr 1897 b?kannPegeben. In diesem Agre­ment war vereinbart, daß, falls Deutschland oder Oesterreich oder beide einen Krieg um desPan- germanismus" (Alldeutschtums> willen beginnen würden, die Vereinigten Staaten sich sofort für England und Frankreich erklären und alle Kräfte ausbieten sollten, diesen beiden Mächten beizu- stehen. Professor Usher führt des längeren alle Gründe, auch kolonialer 'Ratur, an, die es für die Vereinigten Staaten zwingend machten, sich unbedingt aus feiten Englands und Frankreichs an einem Kriege gegen Deutschland zu beteiligen, den Professor Usher 1913 als bald bevorstehend wraussagtü

Der ungenannte Verfasser vonThe Problem of Japan hat sich der Mühe unterzogen, die Abmachungen zwischen England, Frankreich und Amerika von 1897 tabellarisch zu rubrizieren und dadurch das QUafi der gegenseitigen Verpflich­tungen in greifbarer Gestalt darzulegen. Das Kapitel-) ist außerordentlich lesenswert und gibt einen guten Einblick in die Vorgeschichte und die Vorbereitung des Weltkrieges seitens derEn­tente". die sich damals schon gegen Deutschland bereinigte, wenn sie auch noch nicht unter dem Ramen Entente cordiale auftrat. Der Exdiplomat bemerkt hierzu:Hier hat man einen Vertag, von dem Professor Usher behauptet, er fei schon Anno 1897 geschlossen worden, in welchem jede Phase der Anteilnahme und Betätigung Eng­lands, Frankreichs und Amerikas bei zukünftigen Ereignissen schon vorgesehen ist, einschließlich der Eroberung der spanischen Kolonien, der Kontrolle

i) Deutsche Ausgabe:Das Problem Japans". Leipzig 1920 (K. F. Koehler).

-) In der deutschen Ausgabe S. 91106.

Chinas und der Annexion von Kohlenstattonen. Professor Usher will uns nun glauben machen, daß alle diese Maßnahmen getroffen wurden, um die Welt vor dem .Pangermanismus' zu schützen "

Es ist überflüssig," fährt der Exdiplomat fort,Professor Usher daran zu erinnern, daß, wenn wir wirllich annehmen wollen, daß das Gespenst des ,Pangermanismus' überhaupt exi- ftiert, doch 1897 bestimmt noch niemand etwas davon gehört hatte denn zu dieser Zeit hatte Deutschland noch nicht einmal sein großes Flotten­programm aufgestellt, das überhaupt erst 1898 verlautbart wurde Wenn es also wahr ist, daß England, Frankreich und die Vereinigten Staaten die gemeinsamen Pläne hegten, die Professor Usher ihnen nachsagt, und daß sie ein DündniZ zu deren Durchführung schlossen, so wird es kaum angehen, die Konzeption zu diesem Gedanken und den Antrieb zu seiner Durchführung einem so schwachem Vorwand wie dem Aufkommen des .Pangecmanismus' zuzuschreiben ' Soweit der Er- diplvmat.

Man muß staunen Ein direkter Aufteilungs- Vertrag gegen Spanien. Deutschland ufw. wird von Galliern und Angelsachsen im tiefsten Frie­den bis in die Detacls geregelt, abgeschlossen, ohne jede Gewissensbisse, zum Zwecke Deutsch­land-Oesterreich au zertrümmern und ihre Kon­kurrenz vom Weltmarkt auszuschließen! 17 Jahre ber Beginn des Weltkrieges ist dieser Vertrag von den vereinigten Gallo-Angelsachsen ge­schlossen und sein Ziel systematisch durck) diese ganze Zeitperiode hindurch vorbereitet worden! Run begreift man auch die Leichtigkeit, mit der König Eduard VII. seine Einkreisungspolitik be­treiben konnte; die Hauptakteure weren schon lange einig und bereit. Als er den PaktEntente cordiale taufte, war diese Erscheinung für die Welt, zumal für die deutsche, ein unangenehmes Rovum, für drüben war es nur die offizielle Anerkennung der dort längst bekannten Tatsachen.

Angesichts dieses Agrements versteht man nun auch den Widerstand Englands im Jahre 1897 gegen ein Abkommen mit Deutschland über Kohlenstationen und den Aerger darüber, dah es Deutschland mit russischem Einverständnis ge­lungen war, festen Fuß in China zu fassen, über dessen Ausnützung ohne Deutschlands Mitwirkung man sich eben zu dritt geeinigt hatte. Usher hat aus der Schule geplaudert und schlagend bewiesen, bei wem die Schuld am Weltkrieg wirllich liegt. Es ist der gegen Deutschland gerichtete Vertrag Gentlemans agreement" zuweilen genannt vom Frühjahr 1897, der die Grundlage, den Aus­gangspunkt bildet und von den (Sntcntplänbern durch 17 Jahre systematisch ausgebildet wurde. Als es ihnen gelungen war. auch Rußland und Japan für sich zu gewinnen, schlugen sie los, nachdem Serbien den Mord von Serajewo in­szeniert und damit die Lunte in das sorgfältig gefüllte Pulverfaß geschleudert hatte.

Professor Ushers 'Mitteilungen bedeuten aber auch eine glatte Abfertigung für alle die Leute, die während des Krieges in einzelnen militäri­schen Handlungen seitens Deutschlands, wie z.B. dem Lusitaniafall, der Verschärfung des U-Boot- Krieges ufw., den Grund für die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege suchen zu müssen glaubten. Richts von alledem ist richtig. Das jüngst erschienene vortreffliche Buch von John Kenneth Turner .,8hall it be again?" weist auf Grund überzeugenden Deweismaterials nach, daß Wilsons angebliche Kriegsgründe und -ziele nicht die wirklichen gewesen sind. Amerika oder richtiger fein Präsident Wilson war wohl von Anfang an, jedenfalls seit 1915, entschlossen, gegen Deutschland Stellung zu nehmen und zu fechten. Das letztere tat es unter dem Vorwand des 11- Bovl-Krieges, in Wirklichkeit unte- dem Einfluß mächtiger Finanzgruppen und auf das Drängen und Bitten seines Partners Frankreich, dessen Menschenmaterial sich mehr und mehr erschöpfte. Amerika wollte das geschwächte Frankreich nicht allein mit England lassen, dessen Annexionsgelüste auf Calais, Dünllrchen usw. ihm wohlbekannt waren.

Finanzoperationen Stinnes' in Amerika.

Paris, 30. Sept. (WB.) Rach einer Havas- melbung sind die Depositen von Hugo S t i n n e s in verschiedenen Reuyorker Dan­ken auf Verlangen des Bankiers Stillmann g e- sperrt worden. Stillmann macht eine For­derung von 2 055 185 Dollar geltend für Dienste, die er im Verlause von Finanzoperationen zwecks einer Anleihe von 200 000 000 Dollar geleistet habe. Der Gläubiger soll auseinandergesetzt. ha­ben. daß diese Operation eine Anleihe von 100 Millionen Dollar bezweckte, die durch einen von Stinnes unterschriebenen Wechsel garantiert wer­den sollten. Das Geld sollte zum Einkauf von mehreren Milliarden Mark in den Vereinigten Staaten dienen. Der Markbetrag seinerseits hätte zum Einkäufe von Hypvthekenwerten Verwen­dung finden sollen, die sich im Besitze derCor­poration Hansen" (? ) befänden Die Hypotheken­briefe würde Stinnes dann als Rebengarantie für eine Anleihe von 2 Milliarden Dollar nach den Vereinigten Staaten geschickt haben Still- mann hätte dieser Operation feine Unterstützung versagt.

Die Lage im Orient.

Eine Entspannung.

London. 1. Oft. (WTD.) Don maßgebender Sette verlautet, dah in der Lage im nahen Osten eine merkliche Entspannung eingetreten ift Die türkischen Truppen haben sich aus Eren- koj zurückgezogen. Die militärischen Behörden hegen daher nicht länger Befürchtungen wegen etwaiger unmittelbarer Verwickelungen. Es ist vereinbart worden, daß die Frage der völligen Zurückziehung der türkischen Truppen aus der neutralen Zone von einet Konferenz alliierter, griechischer und türkischer Generale behandelt wer­den soll, die waHIcheinlich am Dienstag in M u - dania stattsinden sott. Da erst die Ergebnisse dieser Konferenz abgewartet werden müssen, ist, falls keine unerwarteten Ereignisse ein treten, kette bedeutsame Aenderung in der Lage vor Mittwoch oder Donnerstag zu erwarten. Der britische Standpunkt ist nach wie vor der von den Alliierten in Paris vertretene, nämlich, daß 1. kein türkisches militärisches Eindringen in die neu­trale Zone während der Konferenz erfolgen darf und 2. daß vor Abschluß des Krieges den Kema listen nicht gestattet werden darf, nach Europa überzusehen.

Paris, 1. Oft. (Wolff.) Die heutige Morgenpresse beurteilt dieLageim nahen Orient wesentlich optimistischer, als es die gestrigen 'Abendblätter sahen. Rach dem Journal" soll Poincare in London haben wissen lassen, dah Frankreich in jedem Falle friedlich bleiben wolle; wenn morgen der Krieg im Orient ausbreche, so werde Frankreich nicht daran teilnehmen. Die Zeitung fragt im übri­gen, warum es denn zum Kriege kommen solle. Kemal wolle ja verhandeln. Eine gestern in Paris eingetroffene Depesche Franklin- Bouillons besage das ausdrücklich. Poincars habe sie den englischen und dem italienischen Botschafter mitgeteilt und diese ersucht, den Inhalt der Depesche chren Regierungen be­kannt zu geben. Franklin-Bouillon berichte, dah sich der Chef der Regierung von Angora äußerst entgegenkommend gezeigt und leine Bereitwilligkeit erklärt habe, sofort über einen Waffenstillstand zu verhandeln; er be­gebe sich mit der festesten Absicht nach An­gora, von seinem Parlament zu verlangen, daß es die Vorschläge der Alliierten annehme. Franklin-Bouillon teilte auch mit, daß die Türken darin einwilligen würden, Thra­zien durch Truppenteile der Alliierten be­setzen zu lassen, bis die Friedenskonferenz be­endet sei.

Die Türken in Thrazien.

Berlin, 2. Oft Rach einer Meldung des PariserIntransigeant" aus Konstan­tinopel sollen 30vkemalistischeKaval- l e r t ft e n den Bosporus überschritten haben. Gleichzeitig heißt es, daß Kemal Pascha das Angebot der S 0 w j e t r e g i e r u n g , seine Truppen auf russischen Schiffen von Asien nach Thrazien zu überführen, angenom­men habe. Die Regierung von Moskau habe den Kemalisten Dampfer zur Verfügung ge­stellt, die von einem russischen Hafen des Schwarzen Meeres auslaufen und wahrschein­lich den thrazischen Hafen Midia anlaufen sol­len. Die Truppen Kemal Paschas werden an der Küste des Schwarzen Meeres zusammen­gezogen. Sie könnten über das Schwarze Meer gelangen, ohne mit den britischen Truppen in der neutralen Zone oder mit Schiffen der bri- ttschen Flotte, die die Meerengen bewachen, zusammenzukommen.

London, 2. Oft. (WTB.) Reuter meldet aus Konstantinopel: Die alliierten Oberkvmmissare haben beschlossen, drei Militarkvmmissionen nach Thra­zien zu entsenden, deren Aktionsbereich sich wie folgt zusammenfetzen soll: Französi­sche Mission Adrianopel, italienische Mission Lüle Burgas, britische Mission Rodosto. Ihre Aufgabe wird sein, die Bevölkerung gegen Hebergriffe zu schützen.

Die Türken auf Mhtilene, Lamos und Chios.

London, 2. Oft (WTB.) Rach einer Dlätterrneldung aus Smyrna ist dort offiziell mitgetcilt worden, dah sich unter den von den Türken besetzten Inseln an der kleinasiatischen Küste Mytilene. Samos unb Chios be­finden. die im Vertrag von Sevres Griechenland zugefprvchen worden waren.

Die Verhandlungen mit Mustasa Kemal Pascha.

London, 30. Sept. (Wolft.) Reuter er­fährt von gutunterrichteter Seite, daß Mu­stapha Kemal Pascha dem französischen Ober- kommissar in Konstantinopel, General Pellet, der vor kurzem in einer Mission in Smyrna war, mitgeteilt habe, daß er nicht die Absicht habe, die türkischen Streitkräfte von der neutralen Zone zurückzuziehen.

London, 30. Sept. (Wolft.) Reuter mel­det aus Konstantinopel, dah Franklin- Bouillon und Mu st a pH a Kemal Pascha zusammen von Smyrna tw-ch Angora abgefahren seien.

Paris, 1. Okt. (WTD.) Havas meldet au? Smyrna, Franklin-Douillon habe scinr ursprüngliche Absicht, sich mit M u - stapha Kemal nach Angora zu begeben auf gegeben. Er fei nach Konstantinopel ge­reist.

Rach, einer weiteren Havasmeldung aus Kon- stanttnopel vom 1. Oktober ist im Laufe de. Unterredung Franklin-Bouillons mit Kemal Pascha eine am 3. Oktober in Mudania abzu-- lultcnbe Konferenz vorgeschlagen worden. D c diplomatische Konferenz müsse die Friedensllauicl 1 feststellen, die Konferenz in Mudania aber die Bedingungen militärischer Art festlegen. In tun lischen Kreisen glaube man, daß, wenn die Kon­ferenz in Mudania ein Ergebnis zeitige, die Fite denskonserenz fdbft gegen den 15. Oktober abg? halten werde.

Paris, 1. Okt. (WTD.) Wie Havas nu> Rom meldet, sind die 'Bedingungen, die zwisck '' Franklin-Bouillon und Kemal Pascha über die Räumung feftgelegt seien, die folgenden: Thrazim wäre sofort durch die Alliierten zu besehen, irie vorläufig mit Hilfe von etwa 1000 Mann, die in Adrianopel zu stationieren wären, und mit Htts von kleineren Abteilungen, die an verschiedene, strategischen Punkten von Gallipoli unterfuhrtngc > wären, die Verwaltung zu sichern hätten. Dann werde Thrazien in einem Monat einer Koin- mifjion übergeben werden, die von keinalistisch'r Gendarmerie unterstützt würde. L.h>eie bliebe im Besitz der Provinz bU zum Schluß des Friedens, Bouillon betont, daß diese Lösung innerhalb !' Stunden erfolgen müsse, denn Mustapha Kemal bestehe darauf, dah Thrazien den Tittten nich i " so verheertem Zustande übergeben werde, wie sic Anatolien nach dem Rückzug der Griechen vor gefunden hätten. Man dürfe also keine Zeit tei lieien, um die vorgeschlagenen Mahnahmen durch zuführen.

London, 10. Sept. (WTB.) Reuter meldet aus Konstantinopel: Rach einem Be richt aus Angora wurde Mustapha Ke mal Pascha gestern dort erwartet. Die türkische Rationalversammlung soll unverzüglich unter feinem Vorsitz zusam mentteten, um die Lage zu erörtern.

Generalmajor Maurice drahtet der Daily News" aus Konstantinopel, daß Mu stapha Kemal Pascha versprochen habe, wäh­rend der Verhandlungen in Modania weder Tschanak noch Konstantinopel anzugreifen.

Ein Manifest der englischen Arbeiterschaft.

London, 30. Sept (WTD.) Der Ratio- nalrat der englischen Arbeiterschaft, der den Generalrat des Gewerkschaft-kongresses iw Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei für parla rnenlarische Arbeiten umfaßt, veröffentlicht eir Manifest an d i e Ration worin es heiß', fünf Jahre nach der Riederlage des türkischer! Heeres im Felde habe die dauernd falsche Be Handlung des Orientproblems durch die Regie­rung das englische Volk an den Rand einer neuen Krieges mit der Türkei gebracht. Die Freiheit der Meerengen sei eine Frage, di. mit allen Rationen geregelt werden muffe; keine Ration dürfe sich allein zur Beschützerin der Meerengen ernennen. Wenn die Konferenz mit den Türken Erfolg haben solle, so müsse auf dem Wege eines Übereinkommens über die Einstel­lung der militärischen Bewegungen durch Eng­land, Griechenland und die Türkei die Abgrenzung einer neutralen Zone und die R ä u m u n g W e st- tbraziensdurchdie griechische Armee erzielt werden. Um das unmittelbare Risiko eine, bewaffneten Konfliktes, das den Krieg unvermeid­lich mache, zu umgehen, sollten alle englischen Streitkräfte von der asiatischen Küste 7"er Da'dr- nellen zurückgezogen werden; selbst wenn es für irgendwelche alliierte Truppen für not­wendig erachtet werden sollte, auf dieser Seile bis zur ftiedlichen Regelung zu bleiben, sollt, von den Alliierten kein Widerstand gegen eine Besetzung durch die Türken geleistet werden. Der Rationalrat bedauert, daß trotz der ernsten Mög­lichkeit eines türkisch-englischen Krieges die Re ­gierung nichr das Parlament einberufen habe, um die Lage zu erwägen. Trotz der Spar- samkeitspolitik der Regierung im Wohnungsbau und in der Unterhaltung der Arbeitslosen würden Millionen staatlicker Gelder für Krieg Vorberei­tungen ohne Ermächtigung des Parlaments au;= gegeben. Die Vertreter des Volkes hätten keinerlei Gelegenheit gehabt, Informationen ü e die Entwicklung der Krisis zu erhalten ober di Politik der Regierung zu kontrollieren. Die Ar beiterpartei sei daher gezwungen, Protest zu er­heben und sie werde, wenn nötig, eine Konferenz von Vertretern, aller ihr angeschlossenen Organi­sationen einberufen und alles tun, was in ihrer Macht liege, um von der Ration das Unglück eines neuen Krieges abzuwenden.

DieTimes" schreibt in einem Leitartikel Sollte England ein Krieg aufgezwungen werden, so würden das Land und das Reich ihr mit äußerster Abneigung führen und nut in der Hoffnung, dadurch ein noch größeres Uebel zu vermeiden. Das Blatt fordert die Einberufung des Parlaments.

Amerika

und die Reparationskommifsion

Paris, 30. Sept. (Wokff.) Rach demReu- York Herald" trifft der offiziöse amerikanische Vertreter in der Reparationskommif-