Kiehener Anzeiger (Genral-Anzeiger für Gberhefsen)
Er. 176 ' Zweites vlatt
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Sitzung der Stadtverordneten.
Dieben. 29. Juli 1921.
Die Stadtverordneten wünschen für den Wonoi August Parlamentsferien. Der verständliche Wunsch verursachte für die gestrige letzte Sitzung eine Tagesordnung von 34 Punkten, deren Beratung sich von 5—91/. Uhr hinzog. Großenteils handelte es sich um rein fprmale Angelegenheiten. Daneben wurden Allerdings auch erhebliche Kredite bewilligt. 6o 31 669 Mk. zur Strahenauffüllung an der kicher Straße. 13000 Mk. für die Derbesse- rung der 2llustik Im Stadtverordnetensaale. 4500 Mk. für Räume der freiw. SanitätS- kolnnne. 15000 Mk. für die Unterhaltung der Sct ulhäuser. 20000 Mk. für einen Brunnen, 22 900 Mk. zur Niederschlagung von Lohn- und Gedaltsvorschüssen, 7500 Mk. für Rah- rungSmitlelkontroUe. 65000 Mk. als Darlehen für drei EportSvereine. 10 000 Mk. für Herstellung von Tennisplätzen. Die langwierigste Debatte rief der sozialistische Antrag auf Gewährung völliger Lernmittelfreiheit in den Schulen hervor, für die ein Kredit von 135 000 Mark erforderlich würde. Einstimmig traten Mc Erzieher mit guten Gründen gegen die vöNlge Lernmittelfreiheit ein, befürworteten dafür aber eine Heraufsetzung der Einkommen- grenze, bis zu der freie Lernmittel gewährt werden sollen. Als die Debatte schon längst inS politische Fahrwasser geraten war, wurde sie aus Schluhantrag hin abgebrochen. Bei der Beratung der Darlehen an die Sportvereine wurden von aNen Rednern die Auswüchse des Festefeierns gegeißelt, die sich bei Veranstaltungen der letzten Wochen gezeigt hatten. Den Sport will man gern unterstützen, nicht aber „Jubel und Trubel", zu dem wir keinerlei Veranlassung haben.
Rach Schluß der ösffentlichen Sitzung wurde von Stadtv. Schmahl das Vorgehen des LebenSinittelamteS in der Milchversorgung scharf kritisiert. Da die Geschäftsordnung bedauerlicherweise eine sofortige Beantwortung der Interpellation nicht zuläßt, bedarf eS immer noch einer Aufklärung über die Milchbeschlagnahme, die in Stadt und Land viel böses Blut gemacht hat.
Anwesend: Bürgermeister Krenzien, die Beigeordneten Dr. Seid, Dr. Frey, Kling! por und Dr. Rosenberg, sowie 30 Stadtverordnete.
Dougesuche. Dem Dchreinermstr. K. Hahn soll gestattet werden, eine Brandmauer an einem Reu bau aufzuführen, die in Stärke und Höhe und der Allgem. Bauordnung abweicht. — Zur etwa« von den Bestimmungen des Ortsbaustatuts Errichtung einer hölzernen Einfriedigung für da- Grundstück deS Hauses Rr. 29 in der Gartenstrabe wird Genehmigung erteilt.
Der Gießener EiSverein sucht um Gewährung eines Zuschusses zu den Instandsetzungskosten des Gerätehauses in der Molklestraße nach. Der Finanzausschuß hat empfohlen, von einer Darzuwendung abzusehen, und empfiehlt, die elektrische Beleuchtungsanlage, die sonst mit 3750 Mk. zu berechnen wäre, zum Selbstkostenpreise von 2800 Mark zu berechnen. Die Versammlung beschlieht demgemäß.
Zur Befestigung l^esLahnufers entlang ihres Bootsplatzes hat die Giebener Ruder- gelellscdaft um Gewährung eines Zuschußes von 2000 Mk. nachgefucht Der Rud^rgcs llscha t tour- den |. Z. für angegebenen Zweck 6.17 Kbm. Stammholz zur Verfügung gestellt, davon 4 Kbm. unentgeltlich, der Rest zum Taxwert von 250 Mk. Die Daudeputation empfiehlt Ablehnung einer Bar- -uwendung Rach längerer Besprechung wird das Gesuch nochmals an die Daudeputation zurück- verwiesen.
Die Baugenossenschaft 1894 hat in ihrem Siedclungsgebiet an der Licher ©trabe mit einem Kostenaufwand von 31 669 Mk. ßtrafjen- auffüHungen ausgeführt. Diese Kosten sind von der ©ladt zu ersetzen. Der Betrag wird genehmigt, nachdem Stadtv. Winn empfohlen hatte, in Zukunft die ©trabenanlagen nach entsprechendem Kostenvoranschlag durch die ©tadt ausführen zu lassen.
Die Aussch-eibung der Oefen-undHerd- l i e f e r u n g für die Reubauten an der Kaiserallee hat ein Mindestangebot von 12 675 Mk. und ein nächsthöheres Angebot von 22 750 Ml., und zwar nur für die Zimmeröfen ergeben. Die Versammlung beschließt auf Antrag der Daudeputation. dem höheren, aber in Bezug auf Art und Beschaffenheit der Oefen vorteilhafteren Angebot. den Zuschlag zu erteilen, im übrigen aber das ©tabtbauamt zu ermächtigen, die Lieferung der Küchenherde, für die 20 928 Mk. gefordert werden, auf die übrigen Siebener Firmen zu verteilen.
Die 11 h r im städtischen Schlachthofe ist infolge ihres Standortes über den Kühlräumen so ftarfen Teinperaturichwankungen ausgesetzt, bab sie Schaden leidet. • Die zur Verlegung der Uhr erforderlichen 2000 Mk. werden bewilligt.
Die nötig gewordene Verbesserung der Akustik i in © t a d t v e ro r b n e tc n f a a I hat zunächst zu dem Versuch geführt, durch Drapierung der Wände mit Fahnenstoff und Anbringung eines provisorischen Holzgesim'es dem Hebel ab- zuhelfen Dies ist zum Teil gelungen, und die Daudeputation schlägt vor, die Wandbekleidung unter Verwendung eines geeigneten Stoffes ausführen und ein um den ganzen ©aal gehendes Holzgesims anbringen zu lassen. Außerdem sollen zwischen den Sitzreihen Läufer gelegt werden. Windbekleidung und Gesims sind auf 13 OCO Mk., die Läufer auf 4000 Mk. veranschlagt. Die Versammlung stimmt dem Baudeputationsantrag zu, doch sollen vorher Versuche angestcl.t werden, ob etwa durch Heberspannung des Raumes mit gäben die Akustik auf weit billigere Weise verbessert werden fartn.
Für bauliche Herstellungen im Haufe Sonnenstraße 2 werden 4500 Marr bewil igt. Es handelt sich um Schaffung von Räumen zur Unterbringung der Geräte der Freiwill. 'Sanität s k o 1 o n n e und Einrichtung einer Sanität s w a ch e für diese, sowie um eine Telephonverbindung mit der Feuerwache.
Der Erhöhung des Unterhaltungs- Kredits für die Schulhäufer in der West- Anlage und in der Schillerstraße um 15 000 Mk.,
veranlaßt durch die Benutzung dieser Gebäude für Kriegszwecke, stimmt die Versammlung zu.
Zur Herstellung von Kellern für bie Mieter der Alten Klinit werden 4000 Mark -bewilligt.
Brauereibesitzer Bichler hat sich bereit erklärt, der Stabt den auf bem Gelände der Brauerei befindlichen Brunnen nebst Einrichtung zur Verfügung zu stellen. Der Brunnen liefert 5—600 Liter gesundheitlich einwandfreies Wasser in der Minute und kann leicht an bie städtische Wasserleitung angeschlosten werden, wodurch eine nennenswerte und in der Jetztzeit nötige Vermehrung des Wasserzuflusses erreicht wird. Das Wasser wird ber Stadt auf etwa 3 Pf. für den Kubikmeter zu stehen kommen. Die Baudeputativn beantragt, die angeforberten 20 000 Mark zu bewilligen anb bie Arbeit sofort in Angriff zu nehmen. Rach längerer Beratung, in ber bie jetzigen Was , er - Verhältnis, e eingehend erörtert und verschiedene Vorschläge zu deren Verbesserung gemacht wurden, wird ber Antrag ber Baubeputatlon zum Beschluß erhoben.
Der Beitritt ber Stadt zur Vereinigung Hes ischer Wohnungsämter wird beschlossen.
Gemäß Anordnung des Dernobilmachungs- ausschusses sind fünf unständige, auswärts wohnende städtische Arbeiter zu entlassen. Diese haben seinerzeit zusammen 2900 Mk. Lohnvorschüsse erhalten. Auf Antrag des Finanzausschusses wird beschlossen, diese Forderung nie- derzuschlagen; desgleichen wird beschlossen, die den außerplanmäßigen Beamten bis zur Einstufung in die rteue Besoldungsordnung gezahlten Vorschüsse im Betrage von 20 000 Mk. zu erlassen.
Dec Beitritt der Stadt Gießen zu einem kommunalen Arbeitgeberverband soll beschlossen werden. In Frage kommt ber Mainzer Verband Die Aufnahmegebühr beträgt 50 Mk. Der Beitrag wird jede» Hahr nach der Angabe ber Einwohner festgesetzt. Die Deputationen beantragen den Beitritt unb gemäß den Tarifen bes Verbandes ab 15. Huli den städtischen Arbeitern eine Erhöhung des ©tun- benlohne^ von 0,25 Mk zu bewilligen, was einen Krebst von 335 000 Mk. erforbert, von benen 200 000 Mk. auf den Reservefonds übernommen, ber Rest von den städtischen Werken aufgebracht werben soll. Die Anträge werden angenommen.
Ferien der Stadtverordnetenversammlung. Es ist beantragt, im August keinerlei Sitzung stattfinden zu lassen. Dagegen schlägt der Vorschlagsausschuh vor, daß je ein Kommissionsmstglled während ber Ferien der Stadtverwaltung zur Beratung zur Verfügung stehen soll. Der Antrag wird angenommen.
Als VergütungfürbieRahrungs- mittelf entrolle durch das Chm.sche Hnter- suchungsamt. wozu die Stadt verpflichtet Ist, sind 7500 Mk. für 300 Proben erforderlich: für die Weinkontrolle 1000 Mk. unb für die Wasser- leitungskontrvlle 800 Mk. Es kann damit gerechnet werden, daß mit der Verstaatlichung Der Polizei auch bie Rahrungsmittelkontrolle auf den Staat übernommen wird In diesem Falle soll ber Vertrag nicht mehr binbend lein. — Stadtv. Hrstadt legt den größten Werl daraus, daß die Proben unbeeinflußt entnommen werden. Belg. Selb versichert, daß dies ber Fall sei.
Die Erhebung einer Fremdenab» gäbe bei vorübergehendem Aufenthalt In ber Stadt Gießen Ist In einer Sitzung des Kreisausschusses als unsozial begutachtet worden. Das Ministerium wünscht daher, bah bie Steuer nochmals nachgeprüft werde. Deig. Seid ist der Ansicht, daß die Stadtverordnetenversammlung die Bedürfnisse der Stadt ebensogut kennt, wie der Kreisausschuh. Außerdem habe das Ministerium ursprünglich die ©teuer empfohlen und diese sei in anderen hessischen Städten längst eingeführt. — Stadtv. B e ck » mann tritt der Ansicht des Krcisaus chulses bei, weil die Steuer indirekt fei. — Der Antrag des Finanzausschusses, es bei der Steuer zu belassen, wird angenommen.
Die Einführung der völligen Lernmittelfreiheit ist bei der Beratung des Voranschlags von den lozialisti chen Parteien beantragt worden. Sie ist in dec Reichsverfasfung vorgesehen. Vom wirtscha tstchen Sta bvunkt stehen dem große Bedenken entgegen. Verschiedene Städte haben vom LandeSbildung gmt Verhai- tungsmaßregeln erbeten. Das Ami hält für Helsen ein besonderes Gesetz für erforderlich- um bie Städte zur Lernmi'telfreihnt zu verpflichten. Roch keine hessische Stadt, außer Mainz, habe bie Cern- mittelfreihell eingeführt. Eine Cle berung bes bestehenden Zustandes ist nach Ansicht des Referenten Dr. Selb daher nicht zweckmäßig, zumal man mitten Im Schuljahre stehe und der Staat bie Mittel zur Durchführung ber Lernmittelfreiheit nicht zur Verfügung stcl'.e. Der Finanzausschuß empfiehlt, bei Beginn des nächsten Schuljahres eine Erhöhung der Hnbemitteltm-Grenze zu beraten. — Stadtv. B e ck m a n n oertii t den Standpunkt völliger Lernmittelfreiheit unb betont das verfassungsmäßige Recht, nach dem |eber Staatsbürger Anspruch auf Cernmi telfreibeit habe. — Stadtv. K r a u i m ü 11 e r wo d rhclt I i -e Ausführungen in einer früheren Sitzung, wonach ein Schüler feine Bücher viel bes er hält, wenn he ihm nicht frei gestellt werden. Die Minderbemittelten sollen jedoch in größerem Umfange berücksichtigt werden. — Stadtv. Goerz gibt an, daß im letzten Jahre bie Gernmittel für jebes Kinb 38 Mark betrugen, eine Summe, die bei ber Zahl ber Kinder für bie Finanzwirtschaft erheblich ins Gewicht fällt. — Stadtv. Kling stimmt ber Ansicht der Vorredner bei- Stadtv. Detters ber Ansicht Beckmanns, ebenso Frau Martin. — Stadw. 11 r ft a ö I hält es für eine Verhöhnung der Reichsregierung, von ihr jetzt die Beträge zur Lernmittelfreiheit zu verlangen. — Stadtv. Michel führt an, daß man im Faste der Cerrjnittelfreibeil der Vostsfchuten auch die Kosten für die höhere Ausbildung zurückerstatten müsse. — Stadtv. Kiel wundert sich, bah gerade die berufenen Volkserzleher sich ber Lernmittelfreiheit entgegenstell en. — Stadtv. Beckmann beruft sich nochmals auf den Wortlaut der Verfassung. Die Forderung von 135 000 Mk. für die Lernmittelfreiheit findet er bei der Zahl ber Kinber nicht zu hoch. — ©tabtv. Doerz hält es für richtiger, wenn bie Hnterrichtsstätten hygienisch verbellert werden.
Es sind noch 8 Herren zum Worte gemeldet. — Deig. Ären jitn weist auf bie Länge ber Tagesorbnug hin unb bittet, bie Debatte zu verkürzen.
Ein Antrag Krausmüller auf Schluß der Debatte wird angenommen. — Der Antrag
des Finanzausschusses, die freien Lernmittel bis I zu einem Einkommen von 6000 Mk. zu gewähren, für jedes weitere Kind diese Grenze um weitere 1000 Mk. zu erhöhen, wird angenommen.
Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf völlige Lernmittelfreiheit wird abgelehnl. — Ein Antrag Simon u. Gen. auf Erweiterung der Lernmittelfreiheit für Einkommen mit 1 Kind unter 10000 Mk., mit 2 Kindern unter 11 OOOMk. usw., ab Ostern 1922 zu bewilligen, wird dem Finanzausschuß überwiesen.
Die Turn- und Sportvereine sind I um Darlehen etngetommen. Der Männertum-1 verein beantragt, 35 000 Mk., ber Sportklub 1900 20 000 Mk., ber Ruderklub Hassia 10 000 Mk. Der Finanzausschuß beantragt, die Darlehen zu gewähren bei einer Verzinsung von 3 Prozent, einer Amortisation unb ©icherheitsstellung Die I Summen sollen nur zum Ausbau der Sportplätze verwendet werden. Deig. Selb hebt hervor, I daß man durch Hnterstühung ber Vereine ben Bau I städtischer Sportplätze erspare. Die Vereine übernehmen die Verpflichtung, ihre Plätze für bestimmte Zeiten ben Schulen zur Verfügung zu stellen. — Stabtv. Dr. Ebel sieht in bem Darlehen eine jährliche Hnterstühung. Er heißt dies gut, spricht aber gegen die Begleiterscheinungen, Die Lustbarkeiten der Feste in den letzten Wochen, besonders beim Schützenfest. — Stadtv. Detters stimmt der Kritik des Vorredners zu und ist der Ansichj. daß die Vereine die Summen selbst aufbringen können. Die Arbeiterturnvereine verlangten keine Hnterstützung. — Stadtv. Michel spricht ebenfalls gegen das Darlehen, insbesondere auch in Anbetracht der Rotlage der Stadt. Stadtv. Sommer verlangt, daß ber Sportausschuß die Verwendung ber Mittel überwacht. — Deig. Selb führt aus, die Stadt habe auch für die Freie Turnerschaft große Aufwendungen gemacht. Duoch die Abgabe des Platzes an diese habe sie einen Einnahmeausfall von 5000 Mk. Die Auswüchse f.stlicher Veranstaltung n f .icn^u verurteilen. Die Verwendung der Gelder werde genau vorgeschrieben. — Stadw. K ra usmül - l e r verurteilt ebenfalls die Festveranstaltungen. Für die Ertüchtigung der Jugend mühten jedoch bie Darlehen bewilligt werden. — Stadt. Erhard wendet sich gegen die kostspieligen ‘Berufungen auswärtiger Fuhball-Liga-Mannschas- ten durch die Vereine. — Stadtv. K li n g spricht im Interesse des Männerturnvereins. — Stadtv. Krailing tritt für den Ruderklub Hassia ein.
Die größte Zahl der Stadtverordneten hat sich inzwischen entfernt . Stadtv. Krausmül- l e r beantragt beschleunigte Beratung.
Ein Antrag H r ft a b t, 2 Prozent Amortisation festzusehen, wirb abgelehnt. Der Antrag bes Finanzausschusses angenommen.
Stadtv. Sommer führt im Anschluß an seine Ausführungen der letzten Sitzung Ehrenpreis- Plaketten aus Zinn vor, die Ansichten von Gießen aufweifen. Die Anschaffung soll in den Ausschüssen beraten werden.
Zur Herstellung von zwei Tennisplähen auf städtischem Gelände (ehern. Offizierserholungsgarten bei ber neuen Kaserne) wirb ein Kredit von 10 000 Mk. bewilligt, da genügende Benutzung ‘sichergestellt ist. — Stadtv. Sommer beantragt, der Sportausschuh möge auf Wiedereinführung der alten deutschen Ballspiele einwirken. — Stadtv. B e d m a n n spricht gegen den Antrag des Finanzausschusses. Der Antrag.wird genehmigt.
Die Vergütung für die Beisitzer des Mieteinigungsamtes wird für Sitzungen über zwei Stunden auf 15 Mk., unter zwei Stunden auf 10 Mk. festgesetzt.
Für den Reudrud ber Zinsschein- lr o g e n für bas Anlehen von 1896 wirb ein Krebst von SOOO Mk. bewilligt.
Der Voranschlag ber Plodschen Stiftung für bas Rechnungsjahr 1921 in Höhe von 11 000 Mk. wird genehmigt.
Die Geschäfte des aufgelösten D»- mobilmachungsausschuh werden durch den Arbeitsnachweis weitergeführt. Aus Antrag des Kreisamtes sollen die Geschäfte durch dieses für Kreis und Stadt geführt werden.
Die Zinsen aus der Heichelheim- Stiftung für Kriegspatenschaften sind an zwei Personen verteilt worden.
Die P f l e g e g e l d s ä h e für bie von ber Armenverwaltung eingetoiefenen Kranken in ben | Hniversitätskliniken werden erhöht Die Mittel sind bereits im Voranschlag mitbewilligt.
Der Iahresbeitrag für ben hessischen Fürsorgeverein für Krüppel In Darmstadt wird beteiligt, ebenso wird ber Iahresbeitrag für ben Allgemeinen Verein für Armen- unb Krankenpflege auf 5000 Mk. (einschl. Kanalgebühren) erhöht.
Als Beihilfe für langfristige Erwerbslose wirb ein Krebst von 6000 Mk. bewilligt, ba bies die Bedingung ist für eine sechsmal größere Beihilfe des Reiches.
Von den Gesuchen um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtfchast werden befürworte! das des Heinrich Dippel zum Betriebe einer Schankwirt schäft für West-Anlage 84, des Ernst Dunkel für Plockstraße 5 (Univerlltäts- 6afe), des 3atob Gerhard für Kaiser-Allee 27 (Zum Krokodil), des Karl Schuchardt zum Betriebe einer Gastwirtschaft für Bohnhosär 91/53 (Hotel Lenz), des Georg Erhard zum Betriebe eines Kaffeeausschanles für Marburger Straße 3‘ (früher Wellhöfer): abgelehnt das des Friedrich Ruppel um Erteilung der Erlaubnis zur Veranstaltung von Singspielen, gemäß tz 33a ber Seiner beorbnung, im Hause Walltorstraße 35 (Eaf - Leib), ba bas Bedürfnis nicht nachgewiesen sei.
Die Stadtv. Hr stabt, Bedmann und Ebel sprechen für die Befürwortung auch des letzten Gesuches. Die Anträge des Schankkonzes- sionsausschus es werden angenommen.
Die Gebühren für Benutzung des Sterili- fatorö im städtischen Schlachthof werden feft- geseht.
Außerhalb der Tagesordnung beantragen Die Stadtv. Krausmüller und Winn, seitens der Stadtverwaltung der Errichtung von E i n - unb Zweizimmerwohnungen in geschlossenen Heimen für alleinstehende Per'onen in allernächster Zeit näherzutretrn. um hierdurch eine Anzahl anderer Wohnungen frei zu machen. Sie verweilen dabei auf bie Schritte, Die in bieler Richtung in anderen Städten, z. B 5)arm- flabt, WormS usw. bereits getan worden finD. Der Antrag wird der Baudeputation überwiesen.
Ein Antrag Bratling il Gen. wünscht, bei ber Vergebung ber Schlof serarbeiten in
der Kaiser-Allee die nicht unterzeichneten Offerte» nicht zu berüdsichtigen.
Als Vergütung für den Fortbilbungs« schulunterricht verbleiben nach der Entscheidung deS Ministeriums 6 Maid.
Stadtv. Schmahl bezweifelt, ob das Lebens- mittelamt berechtigt war. In Den letzten Taget» Milch zu beschlagnahmen. Die Milch habe man nachher mit AutoS zu bem gleichen Preis toieber hereingeholt, ben man habe unterbinden wollen. Ein großer Teil der beschlagnahmten Milch fei verdorben. ES lei Dabei völlig planlos gehandelt worden.
Bürgermeister K r e n z i e n wahrt ben Stande punkt Der Geschäftsordnung, wonach eine Anfrage nur beantwortet werden kann, wenn sie 24 Stunden vorher eingereicht ist.
Stadtv. Bedmann hält die Handlung de* Lebensmittelamtes für gerechtfertigt unb spricht gegen Molkereien unb Agrarier. Leider fei da* Cingreifen zu spät gewesen.
Beig. Seid bestreitet bie Angaben deS Stadt* Dcrorbneten Schmahl, lehnt es aber in Anbetracht der Geschäftsordnung ab, auf bie Ausführungen näher einzugehen.
Schluß der Sitzung 9»/2 Hhr. •
Der Milchpreis in Hessen.
Offenbach, 29. OuIL (Wolff) Durch die Presse ging in ben letzten Tagen die Rachrichv die rheinischen Städte hätten den Landwirten einen S^allpreis für Milch von 2,60 Mark bewilligt. Diese Rachricht ist. tote unS von zuständiger Seite mitgeteilt wird, nicht richtig. Die rhcinhessischen Städte haben in Verhandlungen mit Vertretern ber Landwirtschaft lediglich zu- gesagt, im Städtebund für eine Erhöhung de* Stallpreises aus 2.50 Mark cinyitieten. Für die Erhöhung selbst bleiben bie Entschließungen besStäbtkbunoes maßgebend DerStäbtebund, das heißt die Vertreter sämtlicher Städte de* Freistaates Hessen und des Wirtschaftsgebietes Frankfurt, ist mit Rüdsicht auf die Futtermittelknappheit grundsätzlich bereit, über eine Erhöhung des Milchpreises mit den Vertretern der lanb- toirtschaftlichen Organisationen zu verhandeln.
Aus dem Amtsvcrkündigungsblatt.
" Das ArntsverkünbigungsblatL Rr. 109 vorn 29. Juli enthält: Erhebung von Dcck- gelb. — Regelung ber Ablieferung von Getreide aus der Ernte 1921. — Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel. — Landespolizei» liche Prüfung des Entwurfs der Verlegung eine* Hebergangs der Strecke Butzbach—Lich. — Wolldecken. — Dienstnachrichten.
Erhebung von Dedgeld für Be- beden der Stuten. Für die Deckzeit 1921 ift bas Dedgeld für Bededen von Stuten durch Hengste des Landgestüts endgültig auf 520 Mk. für lebe Stute festgesetzt worden. Reben bem iw bar zu entrichtenben Dedgeld sind für jede zu deckende Stute 50 Pfund Hafer guter CluaHtäto beim erstmaligen Bededen ber Stute abzuliefern. | Die in Hessen wohnenben ©tutenbesiyer haben neben ber Raturalleistung nach Schluß der Hed- zeit zunächst nur einen Teilbetrag von 120 Mk. zu entrichten. Der Restbetrag von 400 Mk wird ihnen gestundet bis zum Ablauf der Trächiiakeits- bauer. Wird nach dieser von dem Stutenoelitzer nachgewiesem daß seine während der Deckzeit gc- bedte Stute ein lebendes Fohlen nicht geboren hat. so wird der Rest des Dedgelbes erlassen Sin Erlaß des Restbetrages (Fohlengeld) tritt auch bann ein. toenr das Fohlen ein Lebensalter von 28 Tagen nicht erreicht hat. Richt in Hessen wohnende Stutenbesiher, die in Hessen Stuten decken lallen, haben neben ber Raturalleistung das volle Dedgeld von 520 Mk. alsbald an ben Landgestüts- Diener zu entrichten. Das von den In Hessen wohnenden Stutenbesihern zu zahlende Trinkglld für ben Landgestütsbiener von 1 Mk. wird, to e b.sher, mit bem ersten Teilbetrag bes Dedgelbes erhoben, während die außerhalb Hessens wohnenden Stutenbesiher das auf 2 Mk. festgesetzte Trinkgeld mil bem Dedgeld an die Landgestütsdiener zu entrichten haben. Dedscheine für Stuten, bie au* irgendeinem Grunde nicht bebedt wurden, sind ber ausstellenden Behörde bis spätestens Ende Zull des Jahres, in dem sie ausgestellt wurden, zurüd- zugeben. Unterbleibt bie rechtzeitige Ttüdgabc. so wird angenommen, baß baä Bebecken ber Stuten ftattgefunben hat Anträge auf Erlaß des Restbetrages des Dedgelbes für Stuten, bie (cbenbe Fohlen nicht geboren haben, ober beren Fohlen innerhalb 28 Tagen nach ber Geburt verenden, haben die Stutenbesiher nach Ablauf ber Trächtigkeitsbauer, spätestens bis Enbe Iuli bei ben Ortsbehorben zu stellen.
Regelung ber Ablieferung von Betreibe aus ber Ernte 1921 Die Erfassung der Umlage erfolgt wie bisher durch den Kommissär des Kreisamts Dirßen, bie Firma Vereinigte Oetreibebänbler in Gießen, sowie durch die zum Aufkauf zugelassenen Hnterfommilionäre Di- Belieferung ber versorgungsberechtigten Bevölkerung soll ungestört weiter erfolgen. Die Erzeuger. Denen das Ablieferungssoll von ben Burgermciste. । reien bis zum 1. August 1921 mitgeteilt wird, müf- i fen sofort mit der Lieferung von Brotgetreide be» ginnen.
Woll de den. Bei Der Reichsvermögens- stelle in Limburg befinden sich zur baldigen Der- । fügung des KreiSamts Gießen noch zirka 1700 Wolldecken mit 4 5 Tragwert, die für WohlfahrtS- einrichtungen u. bergt zum Preise von 20 Mk per ©tüd frei Lager angeboten werben Interellen'en Dollen sich an die RZchstreuhandgeselllchaft A^S. Zweigstelle Frankfurt a. M.. wenden.
Dien st Nachrichten des KreiSamtS, Der Vertrieb ber Lose 1. Klasse ber 19. 245 Preu- Hisch-Südbeutschen Klassenlotterie beginnt an 14 Oktober 1921. Die Ziehung 1. Klasse bieler Lot, terie wird am 20. unb 21. Dezember 1921 flott# finden. ___
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