zeichnen sie doch dte Wasserkräfte beS seit 1919 internationalisierten Rheins als „einen Teil
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Fortsetzung.
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Msen bisher überhaupt noch nicht beigebracht •Dorben. Die Franzosen bestehen deshalb so ilfrtg auf den Seitenkanal, weil er ihnen die Mglichkcit gewährt, große Wasserkräfte für ) ie elsässische Industrie zu gewinnen. Bc-
K6 Reichtums des Elsaß"! Vielleicht aber .Dir!) sie doch die neue Feststellung, daß im
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(Rachdruck verboten.) 11.
Icmalisierten Rhein 869 Millionen Kilowatt- tunben elektrischer Kraft mehr als im Sei-
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rutschen Vorschlag als den einzig praktischen inerfcnnen müssen, wie dies das Mitglied der lraßburger Rhein-Kommission, Oberbaurat .upferschmid, in einem Vortrag nachgewiesen hoit. Der Dau eines Seitenkanals, den die löerfte Fachbehörde in Frankreich als die beste Lösung bezeichnet hat, ist technisch überhaupt i»xh nicht genügend erforscht: nur für eine der «hl vorgesehenen Schleusen liegen durch- 8arbeitete Pläne vor, während für die sieben rigen nur allgemeine oberflächliche Angaben k^»rhanden sind, die auf das sehr ungeeignete finge Gestein keine Rücksicht nehmen. Drauch- b ire Unterlagen für die voraussichtlichen Ko-
Kr. 253 Zweiter Blatt
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«t fttn dieses Kanalbaues sind von den Fran
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rnfanal gewonnen werden können, eines beffeten belehren. Ebenso undurchführbar wie xr Dau eines Seitenkanals ist der Schweizer plan, beim Ausbau des Oberrheins als Grvß- c diffahrtSftraße für 2000-Tvnnen-Schiffe Den Grundsatz der Riederwasserregulierung zu verwirklichen und einen völlig unverbauten Rhein Mterhalb Dasel ohne alle Wehr- und Schleu- ’enanlagen zu erhalten. Die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der bisherigen SchiffahrtS- iraße ist nämlich ausgeschlossen, wenn man ilcht zur Kanalisierung übergeht. Eine Tieferbettung des Flusses ist an vielen Stellen unmöglich, wenn nicht dadurch eine bedenkliche ituStrocknung der oberrheinischen Tiefebene S icrDorgerufcn werden soll, und dies würde
. Dt schwerwiegende Folgen für die Landwirt - chaft deS Gebietes haben, von der doch die Schweiz ebenso wie Deutschland abhängig ist. Luherdem dürfte eine durchgehende Regulie» ej Hing auf 2 Meter Tiefe stellenweise die Ge- laf)t einer Verschüttung des Strombettes er* .Ehen und die katastrophalen Wirkungen etwaiger Hochwasser bedenklich steigern. Durch (ine solche Regulierung würde die Wasser- IraftgetDinnung überhaupt auSgeschaltet ©er- en, die Frankreich verlangt und Deutschland
^hr wünscht, die überdies im Versailler Der- irage ausdrücklich zuchrstanden ist. Selbst bei er Annahme des Schweizer Vorschlages würde sich aber Basels Hoffnung, dadurch i ten gewaltigen Hafenverkehr zu bekommen, rDt erfüllen. Aus diesen Gründen ist einzig uciD allein der deutsche Plan der Kanalisie- «irg der Rheinstrecke Straßburg-Dasel durch» sAhrbar. Rur so wird das Problem einer
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Dcoßvaier hatte den Kindern ein Ponh- Iichrwert geschenkt, mit denen sie zur Schale 'ihren sollien. Bei seinem Detreidehändler a>ur- 'ei die hübschgezeichneten Schecke eingestellt, ochrend des Unterrichts. Gretel und Hänschen ixlten. Der Oekonomierat aber mach:e ein cified Gesicht
„Ihr habt- gut! Die anderen Kinder- aus '.<zt Dörfern, die nach Fritzlar zur Schule gehen, lüften zu Fuß laufen, auch dei schlechtem Wetter. 34) will's euch recht bequem machen. Ihr habt
Fuhrwert bekommen, damit ihr euch frisch und Printer auf die Schulbank seht und tüchtig lernt! ilib seid gute Kameraden, die andere Kinder Lch einmal ein Stuck mitnehmen. Tut eure Pflicht inb Schuldigkeit, dann wird euer Großvater sehen, Wie ec euch bald wieder eine Freude bereiten farm!“
Maria und Henner hatten von dem Geschenk iicher nichts erfahren. Sie waren doch sehr ge- -rjjrt über Großvaters Fürsorge und drückten hn dankbar die Hand.
Am ersten Tage fuhr die Mutier mit zur >hule. kam zu Fuß wieder, es war ein schöner Avril tag. Der Henner war zu Hause geblieben mö hatte mit dem Vater im Bureau gearbeitet. 2Lif das Kommen 'einer Schwiegertochter hatte Xr; Oekonomierat gewartet. Sie wollte ihm er- ^ihlen. wie sich die Kinder in der Schule an- ^stellt. Er schnitt ihr aber die Worte mit einer hi73en Handbewegung ab.
.Zetzt beginnt für die Kleinen der Emst des Jtbend. Pflichttreu zu sein, ist bei mir oberstes Met)! Ich hab gestern mit dem Leiter der Schule gesprochen, fest an der Kandare sollten die fcnbcr gehalten werden. Sie sind zu übermütig. Hänschen entwickelt sich anscheinend zu einem rerquäler. Da heißt es, befreiten Acht geben, Wer auch Grete! hat Mucken, die mir nicht ge- (elen. Sie hat sich einen Dcfchlswn angetpöbnt, der ihr schleunigst wieder ausgetrieben weiden
Der Schutz im Blut
Roman von Horst Dodemer.
Der Kampf um die Rheinschiffahrl.
Die Notwendigkeit einer Echiffbarmach- i2ng deS Oberrheins, die auch durch die De- Kimmungen des Versailler Vertrages zur Er- erterunfl gedrängt wird, beschäftigt die deutschen, schweizerischen und französischen Sachverständigen und hat zu starken Gegensätzen geführt, über die ein Aufsatz von Prof. Rich. Hennig in „OBerft und Reederei" unterrich- '?!. Deutschland fordert eine Kanalisierung deS Heins zwischen Straßburg und Dasel, die Schweiz eine verbesserte Regulierung und •ftanfreid) einen Seitenkanal. Run ist eS frei- : ch fraglich, ob diese wichtige Angelegenheit -richt mehr nach wirtschaftS- und machtpoli- : schen als nach sachlichen Gesichtspunkten ent- ' hieben werden wird. Stellt man sich aber auf 'en Doden der Tatsachen, dann wird man den
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Gießener Anzeiger (Genaal-Anzeiger für Dberhefsen)
Schiffbarmachung für 20EV-Tonnen-S<biffe technisch und wirtschaftlich gelöst, und zudem werden alle französischen Anforderungen auf Ruybarmachung der reichen Wasserkräfte des Stromes erfüllt.
Aus dem besetzten Gebiet.
Der deutsche Au-Verkauf.
fd. Aus der Pfalz, 27. Oft. Nachdem der Ansturm der Valutahyänen in der Saar- Hauptstadt ihren Höhepunkt errekbt bat, und die Ladengeschäfte dort auf großen Plakaten ver künden, daß nur noch an saarländische Paßinhaber Waren abgegeben werden, andere Verkauf-Häuser wegen völligen Warenschwundes aber geschlossen sind, wenden sich die Aufkäufer nach weiteren Orlen des Saargebietes und der Wrstpsalz. Im Saarland ist bei Ansturm von Fahrgästen so riesig, daß Zugverspä- tungen Vorkommen und Sonderzücie eingelegt werden muhten. Die Aufkäufe umfassen die unnötigsten Dinge. Die Fälle sind nicht selten, daß die Franlenbefitzer sich Eimer kaufen, diese mit Fett oder 'Butter füllen und diese über die Grenze schmuggeln. Ländliche Bewohner Lothringen-, erkenntlich an ihren charakteristischen Kitteln und ihrem eigenartigen „Ditsch" kleiden sich in den Geschäften von Kopf bis zu Fuh neu um und verkaufen ihre alten Kleider dem Trödler. Ganze Wohnungseinrichtungen, Küchen, Sofas, ferner Manufakturwaren aller Art. Lebensbedü-fniste usw werden zusammengekauft. Vielfach fahren die Markausnuher 2. Kla se. während es der einheimischen Bevölkerung taum für die 4. Klasse langt. Die Anzahl der hin- und herslihenden Kraftfahrwagen Übersteigt den bisherigen regsten Verkehr zwischen Westpfalz und Saarland bedeutend.
fd. Trier, 27. Oft. Die Paßkontrolle bewirkte, daß der Ansturm der Cuiemburgcr auf die hiesigen Geschäfte fast ganz aufgehört hat.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. Oft. 1921.
•* Amtliche Personalnachrich- t e n. Liebertragen wurde am 18. Oktober der Lehrerin Else Kunze zu Ober-Seemen eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Grünberg, Kreis Gießen. — Aus dem Staatsdienst entlassen wurde auf sein Nachsuchen der LandtagSstenvgraph Wilhelm Wohn.
•• Der Hausbesitzerverein Gießen hielt am Dienstag im Saale des Hotels Einhorn eine sehr zahlreich besuchte Mitgliederver- f a m m I u n gab, in welcher der Vorsitzende, Herr Launspach, Bericht erstattete über den 42. Verba ndstag der Deutschen Haus- und Grundbe- sihervereine im August äu Köln. Stadtbaurat Diefenbach- Bochum, der übrigens Hausbesitzer sei, habe aus folgenden Gründen die Beseitigung der Wohnungszwangswirtschaft gefordert: Die Zwangswirtschaft sei teuer, unproduktiv und wirke volfszersehend. Sie vergröbere die Wohnungsnot, denn sie verhindere die ordnungsmäßige Unterhaltung der vorhandenen und das Bauen neuer Häuser. Das deutsche Volk wohne immer schlechter und enger und in absehbarer Zeit in Ruinen. Die größten Gefahren hieraus drohten gerade den ärmsten Volksgenossen, die durch den zeitigen kleinen Vorteil der billigen Miete betört würden Sie sei unsozial, neun Familien wohnten fast umsonst, während jede zehnte keine Wohnung erhallen könne, Um die Wohnungsberechtigung zu haben, müsse jeder ein Zehntel seiner Arbeitskraft, also auch seines Einkommens aufwenden. Da wir heute nur V30 bis V»o aufwendeten, wohnten wir wirtschaftlich falsch. Die Zwangswirtschaft hemme die Freizügigkeit und lähme Handel und Berkehr. Deutschland müsse sich besonders auf die Dinnenwirt- schaft einstellen: diese hänge aber zum größten Teil von der Neubautätigkeit ab; fast alle Gewerbe seien mit dem Bauen verknüpft. Das Bauen müsse daher unter allen Umständen in Gang gebracht werden. Die Zwangswirtschaft habe im Wohnungswesen zuletzt eingesetzt; nachdem sie
muh! Die Freude an ihrer Zugend will ich den beiden natürlich nicht verkümmern und nicht in ilebermut Schlechtigkeit sehen. Den Winter haben sie es reichlich toll getrieben. Gehorchen müssen sie nun lernen, und zwar aufs Wort! Sorgt ihr nicht dafür, bring ich's ihnen bei! Wie ich das meinem Sohne beigebracht habe!“
Ging hinaus und schlug die Tür hinter sich gu.
Henner und Maria sahen sich an. Sie lachte bitter auf. »Recht hat er. Dir hat er das Kuschen beigebrad)t! Keine Freiheit, keine Großzügigkeit da oben!“ Sie zeigte mit dem Finger nach der Stirn, „Und wenn Großva'.er denkt, ich laß meine Kinder durch ihn in ihrer Entwicklung hemmen, so bekommt er's mit nur zu tun, — wenn du versagst!"
Ging ebenfalls aus dem Zimmer und warf die Tür noch heftiger zu als der Schwiegervater.
Hetzt lachte der Henner bitter auf. Für andere Eltern war es ein Freudenlag, an dem ihre Kinder zum ersten Male zur Schule gingen, ihm aber machte man die Hölle heiß! Wenn leine Frau mit dem Vater zusammengeriet, konnte es einen schönen Krach geben. Maria hatte dann eine Art, zu reizen, die wild machte. Unb im Unrecht war sie nicht einmal! Der Vater hatte ihn ge° duckt, duckte ihn noch heute, in der Achtung 1 einer Frau flieg da der Mann nicht, wenn er alles hinnahm. Das lag wohl auch mit daran, daß er das einzige Kind geblieben war. Aber er hatte es doch verteufelt gut auf der Welt. Keinem blieb Aerger erfpart. Und wenn ihn Mana nicht immer wieder fest angepackt hätte, wär es mit dem Aerger über des Vaters Selbstherrlich kell überhaupt nie weit her gew 1en. Ihm ahnte, daß er eines Tages sich zwischen Frou oder Vater entscheiden müsse. Und wenn er s.ch für den Vater entschied, würde ihm Maria alle Schuld zuschieben, wenn die Kinder auf Abwege s~ictcn ... Zu einem festen Entschlüsse kam der Henner nicht, er setzte den Hut auf, ging auf die Felder — und blieb über Mittag brauf^n.
Das war häufiger vorgekommen, heute ärgerte sich Maria sehr baräber. während Großvater dem munteren Geplauder der Kinder zu-
auf allen anderen Gebiete» versagt habe, sei sie auch im Wohnungswesen auf dem Wege des Abbaues baldigst zu beseitigen. Es fei eine Kurzsichtigkeit und ein Unrecht, dah für Kleidung und Nahrung auS dem Wohmlngswesen Zuschüsse geleistet werden. Die notoaibige Mieterhöhung müsse in der entsprechenden Erhöhung von Löh- ncfri und Gehältern ihren Ausgleich finben. — Ucber das Reichsmietsteuergeseh berichtete Herr Rechtsanwall Dr. Spohr in allgemein verständlicher und hochinteressanter Weise. Er beleuchtete besonders die Unklarheiten und Widersprüche im hessischen Gesetzentwurf gegenüber dem Reichsmielengcsetz. — Herr Archttekt R i c 0 l a u S erörterte die zur Zeit bestehenden unb noch zu erwartenden schweren steuerlichen Belastungen des Grundbesitzes hn Gegensatz zu denen der Vorkriegszeit. An Hand zahlreichen Materials wies er Steigerungen der gleitenden, auf dem HauSbesitz ruhenden Lasten viS zu 500 Prozent und noch darüber, nach, woraus sich auch für jeden rechtlich denkenden Mieter die Notwendigkeit ergebe, daß die derzeitigen gegenüber der Vorkriegszeit wenig gesteigerten Mieten einer entsprechenden Erhöhung dringend bedürften. Herr Nicolaus empfahl die Anbahnung weiterer Verhandlungen mit d e m Vorstand deS Mietervereins. — Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die geplante Gebührenerhebung für Kehrichtad - fuhr und Strahenreinigung. In einer unter dem 22. September d. Zs. im Gießener Anzeiger veröffentlichten Eingabe an den Herrn Oberbürgermeister habe der Vorstand des Hausbesitzervereins bereits seine Wünsche und Forderungen über Abänderung dieser Gebührenordnung gellend gemacht. -- Von der Mitgliederversammlung wurde ebenfalls allgemein verlangt, daß die Gebühren nicht von den Hausbesitzern, solchem direkt von jedem einzelnen Zahlungspflichtigen erhoben werden müßten.
•• Vortrag des Naturheilvereins im Hotel Einhorn. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach am Mittwochabend Dr. med. Silber aus Frankfurt über das Thema: „6al- Darfan-, Quecksilber- oder Natur- heilbehandlung". Gr begann mit einer kurzen Charakteristik der beiden Heilmethoden. Während die „Schulmedizin" die Krankl>eitserreger durch Anwendung der chemischen Mittel zu beseitigen suche, gehe die QIaturbeiberatung von dem Grundsätze aus, daß die Natur, der Organismus selbst und allein befähigt sei, durch Aus- scheikmi^g der Krankheitserreger die Krankheit zu beseitigen. Natürlich könne und müsse man diesen Prozeß durch sachgemäße Pflege des Kranken unterstützen. Führe die Krankheit nicht zum glücklichen Ausgang, so sei eben der Organismus nicht mehr kräftig genug gewesen, um die Krankheitserreger zu überwinden. Allein die Natur heile den Kranken, ohne Anwendung chemischer Mittel; und bei deren Gebrauch, trotzdem in manchen Fällen, wo der Organismus über besondere Widerstandsfähigkeit verfügte. Nach dieser Einleitung kam der Vortragende dann zum eigentlichen Thema und legte sehr ausführlich dar, daß, wie alle anderen Krankheiten, auch die G e - schlechtskrankheiten auf dem Wege des ^katurheilverfahrens heilbar seien. Alle chemischen Mittel, deren man immer wieder neue erfunden habe, hätten nach kurzer Zeit wieder enttäuscht, so auch das mit großer Reklame ange» kündigte Salvarsan. Die mit der Anwendung von chemischen Mitteln verbundene Hnterbrücfung des AusfcheidungsprvzesseS von Krankheitserregern hätte in der Salvarsan - Quecksilberbehandlung zu ernsten Erkrankungen des Nervensysteins geführt. — Sehr eingehend vües der Redner die älnsicherheit der „Wassermannschen Reaktion" nach. Sehr hitrderlich für die allgemeine Anerkennung und Befolgung der Nattlrheilmethode sei die dem Menschen innewohnende Bequemlichkeit. Bei Behandlung der Krankheit mit chemischen Mitteln werde immer verhältnismäßig schnelle Heilung in Aussicht gestellt, während die Heilkraft der Nattlr sich nur unter Erfüllung von Forderungen auswirken könne, die oft eine völlig andere Lebensweise verlangt. — An der Aussprache beteiligten sich Dr. St 0 ck, der im Gegensatz zu dem Referenten die Notwendigkeit der Auf- tlärung und überhaupt die Tätigkeit der D. G. B. G. verteidigte, und Geh. Rat G e r i ck e, wel-
hörte, die ihre ersten Schulerlebnisse erzählten.
„Immer gute Kameraden fein, Kinderchen, in den Stunden auspassen und gewissenhaft die Schularbeiten machen, so ftndet sich alles übrige von allein, was ihr tun und was ihr lallen mutzt Das hat der Herrgott guten Menschen inS Herz gelegt!"
Solches Klugreden ging Maria über die Nerven. Großvater hatte doch nur eine Dorfschule besucht und entwickelte nun seine erzieherische Weisheit Ihrer Llllstcht nach war sie danach. Dabei redete er mit Vorliebe „vom leichten Hand- gtienF', in Erziehungsfragen aber hatte er eine stein harte Faust — und beklagte sich wohl im Stillen, daß Henner nicht denken konnte. Ms ob daS ein Wunder wäre! . . .
Die Frühjahrsbestellung war gerade zu Ende. Da setzte der fruchtbare Landregen ein. Dem Oekonomierat war lange nicht wohl gewesen, er griff in seine beste Kiste und brannte sich eine Zigarre an. Sohn und Schwiegertochter muckten zwar noch ein bißchen, aber das nahm er nicht auf die schwere Schuller. Unb den Enkelkindern schien es recht gut in der Schule zu gefallen. Gerade kamen sie die Treppe herauf gehabt. Er rief sie in fein Arbeitszimmer, Netz sich erzählen. Lachte mit ihnen und fragte dumm, da5 machte Gretel und Hänschen ein Heidenspaß! Dabei musterte sie der Großvater scharf. Er such e in den Kirdergesichtern schon nach Zügen, die Willenskraft verrieten — und sand sie nicht. Ihre Empfindungen spielten sich noch auf glatter Oberfläche ab K ine ihrer B w g-.irgen ließen auch Schlußfolgerungen zu — nich: einmal aut Eigen» Timt. Er war enttäuscht, obgleich er sich ein- gestand, daß dieses Suchen wohl zu ftüh war. Ader hübsche Kerlchen mit bewglichen Gliedern waren die beiden. Eher ein wenig zu groß für ihr Aller, ilnb der Mutter waren f:e sehr ähnlich. Von den Wär Hahns aber war Gretels Kinn. Wenigstens von ihrem Gros; vater. Er sah in den Spiegel. Ach so, er trug ja schon längst Voll- bart. Aber dis Kinn f immte bei dem Mädel. Allo da war doch etwas, was aus den späteren Menschen schließen ließ. Schade, fcah der Junge nicht das Kcnn hatte, der würde es nötiger gebrauchen, nn, de- hatte wenigstens die großen Wär Hahn schen Hände. Unö das freute ihn doch
Srcitag, 28. Ottobcr 1921
4*r zwar, wie Dr. Silber, daS Salvarsan unb di« Wasfermannsche Reaktion verwarf, aber an der Quecksilberperwendung iesthiell Er verfocht auch die These, daß die Syphilis keine Geschlechts-, sondern eine Inscktivnvkrankheit sei — Rach einigen Worten Dr. Spohrs der den Zusammenhang der beiden sich bekämpfenden Heillne« thoten mit Weltanfch.uungsfragen darlegte, erhielt Dr. Silber daS Schluhtvort.
Hcsscn-Nanau.
rm. Kelsterbach, 27. Oki. Gin schweres Explosionsunglück ereignete sich heute früh wieder einmal in den hiesigen Mu- nitionSwerken. Beim Ausladen von Scbwarz- Pulver aus einem Waggon explodierte eine Kiste und es wurden eine ganze Attzahl Arbeiter hierbei verletzt. Getötet wurde der 38 Jahre alte, ledige Kaspar Müller, Munitionsarbeiter auS Stangenrod in Bayern. Zwei Arbeiter wurden schwer, und drei derselben leicht verletzt. Die S6)werverleyten kamen in daS Frankfurter Krankenhaus. Ucber die Ursache ist noch nichts bekannt.
Aus dem AmtsverkündigungHblatt.
•• Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 152 vom 27. Oktober enthält: Die Reinhaltung dcr Ortsdurchfahrten. — Gewährung laufen- der Teuerungszuschüfse an Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. — Achtstunden-Arbeitstag in Gewerbebetrieben und kausmännischen Geschäften. Abhaltung einer Dersammluna der Fleischbeschauer des Kreises Gießen. — Fleischbeschau. Dienst Nachrichten. — Feldbereinigung Klein-Linden.
Gewährunglausender Leu erungS- zuschüsse an Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Alle Empfänger lausender Versorgungsgebühmille erhalten mit Wirkung vom 1. August 1921 bis auf weiteres lausende Leuerungszuschüsse. Von der Gewährung dieser Teuerungszuschüfse sind ausgenommen: Personen, die unabhängig von Dienftbeschädi- gung lediglich auf Grund von mindestens acht- oder achtzehnjähriger Dienstzeit, Beschädigte, bereit Erwerbsfähigkeit um weniger als 50 v H. gemindert ist, Berufs-Offiziere, Deckoffiziere und Beamte sowie deren Hinterbliebene, die nach den vor dem R.-V.-G. ergangenen Mil.-Vers.-Ge- sctzen versorgt sind. Die Teuerungszuschüfse werden monatlich im voraus gezahlt und unterliegen nicht den Ruhensvorschristen. Ein Anspruch auf die Teuerungszuschüfse besteht nicht. ES erhält monatlich: jeder Veschädigte, dessen Erwerbsfähigkeit um mindestens 50 v. H. gemindert ist (Schwerbeschädigte) 30 Mk., und daneben wenn er für Kinder zu sorgen hat, für jedeS Kind 15 Mk., wenn er nicht im Erwerbsleben steht und feine Erwerbsfähigkeit gemindert ist um 70 oder 80 v. H. 20 Mk.. um 90 ober 100 v. H. 45 Mk, jede Witwe 25 Mk., unb daneben, wenn fte erwerbsunfähig oder einer erwerbsunfähigen Witwe gleichgestellt ist unb nicht im Erwerbsleben steht 15 Mk., jede Waise 15 Mk., jeder Elternteil 15 Mk.
Die Fleischbeschauer des Streife« Gießen (Verein der verpflichteten Fleischbeschauer des Kreises Gießen) halten am Sonntag den 30. Oktober, 10 ülhr vormittags, im Hotel Hessischer Hof zu Gießen. Frankfurter Sttaße, die zweite Versammlung dieses Jahre- ab.
Die Fleischbeschau für die Gemeinde Trohe übernimmt bis auf weitere- der Fleischbeschauer Gans in Grohen-Vuseck.
Karl Bähr von A1 b a ch wurde zum Mitt glieb des WiesenvorstandeS bestellt und verpflichtet. Friedrich Zimmer VI. von 03 Ulin gen wurde zum stellvertretenden Wiegemeister der Gemeinde Villingen ernannt und verpflichtet
Gerichlssaal.
toa. Wetzlar, 26. Ott. Strafkammersitzung vom 19. Oktober Die Fabrikarbeiterin Emma B. und der Dreschmaschinenarbeiter Wllh. Karl W., beide aus Krofdorf, haben sich wegen Verbrechens gegen § 218 des Str.G.V. bezw. Belhllfe dazu und Verführung einer Minderjährigen zu verantworten. Die Verhandlung fand unter Aus-
„Habt ihr denn schon gute Freunde?" fragte er die Enkelkinder.
Gretels Mund stand nicht sttlle Erzählte von sich, ihren Lehrern und Lehrerinnen und vor allem von den Freundinnen.
„Sie haben mich alle sehr gern, Großvater, Hänschen aber haben neulich ein paar Zungen tüchtig verkloppt, und sein Lehrer hat ihn auch schon in die Ecke gestellt!"
Gl.ien Stoß in ble R ppen d kam die Schwester vom Bruder, er stampfte mit dem Fuße auf, zischte: „Na, warte!"
Dem Oekonomierat schmeckte auf einmal feine Zigarre nicht mehr, er lehnte sie an den Aschenbecher.
„Warum Haden die Zungen Hänschen denn verlloppt V‘
.Wenn er im Wagen sitzt, spuckt et auf sie hinunter! Unb der Lehrer hat ihn an die Wand gestellt, weil er einer Fliege die Flügel aus- gerissen hat!"
Da hatte der Großvater den Sünder schon beim Kragen, schüttelte ihn ab. „Lümmel!" Sein dicker Knotenstock stand zufällig im Zimmer. Mit dem bekam HänSchen tüchtig ein paar hinten drauf. Er brüllte, als stäke er am Spieße. Deine Mutter kam angelaufen.
„Um GvtteSwillen, was ist denn geschehen?"
Hinter Maria flüchtete sich "ber Sünder, brüllte erst recht
„Wohlverdiente Haue hat er bekommen! Denke nur . . ."
Weiter kam der Oekonomierat nicht. Seine Schwiegertochter zitterte vor Erregung am ganzen Leibe. Die Sprache flog ihr vor Erregung von den Lippen.
„Du hast meine Kinder nicht zu schlagen! Das ist Henners oder meine Dache! Unter deine harte Faust laß ich lie nicht kommen. Verstehst tni?"
„Harte — Faust?''
Die beiden Wo-te wolllen ihm nicht in den Kopf, taten ihm Weh. So Weh, daß fie ihm die Ruhe nahmen. Er schrie seine Schwiegertochter an:
„Himmelkreuzdonnerwetter — id) eine Hane - Faust?"
(Fortsetzung folgt)


